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Heimlich Fee 8: Wie wir dem Elfenreich zu Hilfe eilten

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Hi, da seid ihr ja wieder! Übelstgenial, dann kann ich euch ja endlich mein neues Abenteuer erzählen. Es fängt harmlos an, wird später aber irre spannend. Heiliger Spekulatius, ihr werdet noch mit den Ohren schlackern!

In meinem alten Internat Lindenhof waren die Montage immer scheußlich. Nur an den Wochenenden konnte ich mich damals sicher fühlen.

Wenn ich meinem Papa zuschaute, wie er mal wieder an irgendeiner neuen Erfindung herumbastelte und ein Liedchen dazu pfiff. Oder wenn ich mich mit meiner Mama, Jorinde Birnbaum, auf dem Sofa lümmelte und ein Eis löffelte. Manchmal war sie jedoch verreist, düste durch die Weltgeschichte und fotografierte irgendwelche Models.

Mal war ich bei ihr, mal bei Papa. Bei beiden ging es mir blendend! Schön, wenn man Eltern hat, die einen vom kleinen Zeh bis zu den Haarspitzen lieben.

Doch zurück im Internat, warteten jeden Sonntagabend bereits zwei fiese Typen auf mich: Jill und Justin.

Jill machte sich ständig über mich lustig. Mit so zickigen Bemerkungen wie: „Interessante Hose, Amanda Kirschbaum. Deine Mama klaut also immer noch aus Altkleider-Containern.“

Justin, ihr Zwillingsbruder, riss dazu sein großes Maul auf und lachte wie ein Pferd mit Schluckauf. Und dann nahm er mich zu seinem Vergnügen ein paar Minuten lang in den Schwitzkasten. Jeden Sonntag. Gähn!

Die zwei konnten sich das erlauben. Ihr Vater ist der Chef von BigAroma und stinkreich. Der hat unserem Internat mal eben einen Reitstall mitsamt den Pferden geschenkt.

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Zum Dank ließ unser Direktor, Doktor Habicht, die Zwillinge fast immer machen, was sie wollten.

Ja, früher gab es wirklich keinen Grund, sich auf die Montage zu freuen.

Seit meinem neunten Geburtstag ist das anders. Das Geschenk von Nelly – die ich damals noch gar nicht kannte – öffnete den großen Spiegel im Schulflur wie eine Tür. Dahinter liegt das Internat Rosentau. Und das steht im Feenreich, meinem zweiten Zuhause.

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Da bin ich umringt von den besten Freundinnen, die man sich nur wünschen kann: von Mia, Kimi und natürlich auch von Nelly. Sogar die Lehrer sind nett.

Und stellt euch vor: Die Sachen, die sie uns beibringen, sind sogar nützlich!

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Weil das Erlernen von Zaubersprüchen oder der Elfenschrift nicht ruck, zuck geht, haben wir jede Woche einen anderen Stundenplan. So können wir uns auf das konzentrieren, was gerade wichtig ist.

An besagtem Montag, an dem dieses haarsträubende Abenteuer in mein Leben platzte wie eine überreife Tomate, unterrichtete uns Fortunea Tautropf persönlich.

Sie ist die Leiterin des Feeninternats und wie alle hier wunderschön.

Ich glaube, die Schönheit der Feen kommt daher, dass sie so zufrieden mit sich und ihrem Dasein sind. Sie sehen das Gute in allen Wesen. Selbst in so hässlichen Gestalten wie Triefgurkern, die am liebsten von morgens bis abends Feen verprügeln würden. Daran kann man nichts ändern, die sind eben so.

Genauso versuche ich immer wieder, Justin in einem anderen Licht zu sehen. Aber es gelingt mir nicht. Er ist und bleibt ein Neandertaler mit Erbsenhirn. Hoffentlich bekomme ich von diesen schlechten Gedanken nicht irgendwann Warzen auf der Nase.

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Wo war ich stehen geblieben? Ach ja, bei Fortunea Tautropf.

Wenn das Wetter schön ist, hocken wir meistens nicht im Klassenzimmer, sondern treffen uns an meinem Lieblingsplatz: dem Teich hinter der Wiese. Er liegt im Schatten von großen Kastanien.

Mia, Kimi und Nelly lagen im hohen Gras, umringt von Schmetterlingen. Vögel zwitscherten um die Wette und die Luft war erfüllt vom Duft der Blumen. Ich setzte mich auf die Mauer aus Edelsteinen, die in allen Farben und Formen funkelten.

Tiziano, mein Feuersalamander, reckte den Kopf aus meiner Tasche. Er kletterte auf meine Hand und ich streichelte ihn mit dem Zeigefinger.

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„Na, mein Kleiner!“, flüsterte ich sanft. „Willst du ein paar Fliegen fangen?“

Tiziano nickte und verschwand in einem dichten Farn. Avaloll, die Elfenkönigin, hat ihm unsere Sprache beigebracht. Er kann zwar nicht selbst sprechen, versteht aber jedes Wort.

Jetzt wohnt er bei mir. Und irgendwann wird er uns ins Elfenreich führen. Avaloll hat ihm verraten, wie man dort hinkommt. Aber erst müssen wir noch ein bisschen größer werden, denn der Weg soll sehr gefährlich sein.

Als Fortunea zu uns schwebte, standen alle Mädchen auf und machten einen Knicks. Ja, so höflich gehen wir mit den Lehrern um.

„Guten Morgen, erste Klasse!“, begrüßte uns die Internatsleiterin mit ihrer glockenklaren Stimme. „Heute werden wir einen besonderen Zauberspruch lernen. Ihr könnt euch damit von einem Ort an den anderen zaubern.“

Nelly klatschte begeistert in die Hände. „Feenomenal! Auch zurück in mein Bett?“

Alle lachten, selbst die griesgrämige Freia und ihre Sklavin Valentina.

Sogar Fortunea musste schmunzeln. Nelly fällt das Lernen oft schwer. Aber nennt sie ja nicht faul, sonst verwandele ich eure Nasen in Schweinerüssel!

„Nein“, antwortete unsere Lehrerin nach einer Weile. „Mit dem Spruch könnt ihr euch nur fünf Schritte weit wegbewegen. Deshalb heißt er auch Fünf-Schritte-Zauber.“

Ich gebe zu, ich war enttäuscht. Wenn ich Anlauf nehme, kann ich locker so weit springen. Wozu dann zaubern? Aber natürlich übte ich mit. Ich stellte mich kerzengerade auf die Mauer am Teich und konzentrierte mich.

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„Sinc gressus jumpee!“, rief ich halbherzig.

Nichts tat sich. Einfach so runterleiern bringt nichts, man muss Zaubersprüche mit Überzeugung aufsagen. Es dauert oft ganz schön lange, bis man das hinkriegt.

Also noch einmal: „Sinc gressus jumpee!“

Fehlanzeige. Verflixte Nixe, war das schwierig! Glaubt es oder glaubt es nicht: Fünfundsechzigmal sagte ich den Spruch auf und nichts tat sich.

Als ich schon dachte, ich hätte ein paar Buchstaben vertauscht, holte ich noch ein letztes Mal Luft. In meinem Kopf sah ich mich bereits verschwinden und an einer anderen Stelle wieder auftauchen.

„Sinc gressus jumpee!“, rief ich mit all meiner Kraft. Es machte Pfiff!, und ich landete fünf Schritte weiter.

Wisst ihr, wo? Na, schnackelt’s?

Fünf Schritte von der Mauer entfernt war ja der Teich! Plötzlich stand ich zwischen den Seerosenblättern, rutschte aus und platschte rücklings ins Wasser. Ein Frosch hüpfte empört zur Seite.