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Operation Heartbreaker 5: Harvard – Herz an Herz

Alle Rechte, einschließlich das der vollständigen oder auszugsweisen Vervielfältigung, des Ab- oder Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten und bedürfen in jedem Fall der Zustimmung des Verlages.

Der Preis dieses Bandes versteht sich einschließlich der gesetzlichen Mehrwertsteuer.

Suzanne Brockmann

Operation Heartbreaker 5:

Harvard – Herz an Herz

Roman

Aus dem Amerikanischen von

Verena Bremer

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1. KAPITEL

Das war nicht gut. Das war gar nicht gut. Noch ein paar Minuten, und ihr gesamtes Team würde niedergemetzelt werden.

Da draußen in der schwülen Julinacht wartete eine kleine Armee von Terroristen nur darauf loszuschlagen. Die „Tangos“, wie die Navy SEALs sie für gewöhnlich nannten, besaßen nicht weniger gefährliche Waffen als die, die P. J. Richards in ihren schweißnassen Händen hielt.

Die junge Frau versuchte, ihren Herzschlag zu kontrollieren, während sie schwer atmend durch die Dunkelheit robbte. Das Adrenalin, das durch ihre Adern rauschte, sollte doch zu ihrem Vorteil arbeiten – nicht gegen sie.

Das Kommando führte FInCOM-Agent Tim Farber. Doch Farber war ein echter Großstadtcowboy – und noch dazu ein selten dummer. Er hatte keine Ahnung, wie man sich durch das dschungelartige Gebiet bewegte, in dem sie unterwegs waren. Nicht, dass P. J. selbst Expertin für derartige Kampfmanöver gewesen wäre. Als Kind der Großstadt war sie selbst eher an Betonwüsten gewöhnt – an einen gänzlich anderen Dschungel.

Immerhin wusste sie aber, dass in solch unberechenbarem Gelände mehr Vorsicht angebracht wäre, als Farber sie walten ließ. Anstatt seine Leute voranzutreiben, sollte Farber besser auf die Geräusche der Nacht achten.

Und wenn sie schon dabei war, ihn zu kritisieren: Dass vier Spezialagenten und drei Navy SEALs dicht hintereinander über diesen engen Pfad krochen, bereitete ihr zusätzlich ein mulmiges Gefühl. Irgendwie kam sie sich vor wie ein Teil eines riesigen Weihnachtsgeschenkes, das mit einer großen Schleife unter dem Baum eines Terroristen auf ihn wartete.

„Tim“, flüsterte P. J. in ihr Headset, durch das sie mit dem Rest des Teams verbunden war. „Mach mal etwas langsamer und lass uns ein bisschen Abstand voneinander halten.“

„Tu dir keinen Zwang an. Wenn wir dir zu schnell sind, lass dich ruhig ein wenig zurückfallen.“ Farber missverstand ihren Vorschlag natürlich absichtlich.

P. J. spürte, wie Ärger in ihr aufwallte – obwohl sie es als einzige Frau im Team gewöhnt war, ständig spitze Bemerkungen einstecken zu müssen.

Dabei konnte sie mit ihrer Größe von eins achtundfünfzig und ihren knapp zweiundfünfzig Kilo jedem dieser Männer davonlaufen. Und besser schießen konnte sie ebenfalls. Nur wenn es um reine Muskelkraft ging, das musste sie sich eingestehen, konnte sie mit ihren männlichen Kollegen nicht mithalten. Aber selbst wenn sie keinen von ihnen hätte hochheben und zu Boden werfen können: Geistig war sie den meisten von ihnen haushoch überlegen.

Plötzlich bemerkte sie eine Bewegung zu ihrer Rechten und hob ihre Waffe.

Es war jedoch nur ein Navy SEAL namens Harvard. Sein richtiger Name war Daryl Becker; er war Senior Chief, was etwa dem Rang eines Sergeants bei der Army entsprach. Schon in Alltagskleidung gab er eine imposante Figur ab, doch mit Tarnanzug und Schutzmaske sah er gefährlicher aus als jeder andere Mann, dem P. J. je begegnet war. Sein Gesicht und sein kahl rasierter Schädel waren mit grüner und brauner Farbe getarnt, irgendwie unheimlich auf seiner schwarzen Haut.

Harvard war älter als die anderen SEALs der illustren Alpha Squad. P. J. schätzte ihn auf etwa zehn Jahre älter als sich selbst, also mindestens fünfunddreißig, vielleicht auch älter. Er war ganz gewiss kein Grünschnabel mehr. Alles an ihm war männlich, muskulös und stahlhart. Es kursierte das Gerücht, dass er tatsächlich an der Harvard University studiert und summa cum laude, mit Auszeichnung, abgeschlossen hatte, bevor er zur Navy ging.

„Alles okay?“, fragte er per Handzeichen. Dazu bewegte er lautlos seine Lippen, als ob sie die Zeichensprache schon wieder vergessen haben könnte, in der die SEALs miteinander kommunizierten. Es mochte ja sein, dass es Greg Greene oder Charles Schneider so ging – ihr jedoch ganz bestimmt nicht. Sie erinnerte sich an jede einzelne Geste.

„Alles okay“, signalisierte sie ihm so unwirsch wie möglich zurück.

Verdammt! Harvard hatte vom ersten Moment an versucht, sie zu bemuttern. Seit die FInCOM-Agenten auf die SEALs der Alpha Squad getroffen waren, hatte er sie kaum einen Moment aus den Augen gelassen. Bestimmt wartete er nur darauf, dass sie endlich eine weibliche Schwäche zeigte und zusammenbrach.

P. J. bedeutete ihm dieselben Warnungen, die Tim Farber gerade ignoriert hatte. Stopp! Lauschen Sie! Irgendwas stimmt hier nicht.

Der Wald um sie herum war merkwürdig still. All das Rascheln, Zirpen und Tschilpen, das Gott weiß welches Getier noch bis vor Kurzem erzeugt hatte, war verstummt. Entweder war dort draußen noch jemand anderes, der die Tiere erschreckte, oder sie selbst erzeugten zu viel Aufruhr. Keine der beiden Möglichkeiten verhieß Gutes.

Tim Farbers Stimme ertönte über den Kopfhörer. „Raheem sagt, dass das Lager nur noch ein paar Hundert Meter entfernt ist. Teilt euch in Gruppen auf.“

Na endlich! Das wurde ja auch Zeit. Wenn sie hier das Kommando hätte, hätten sie sich schon von Beginn an nur in kleinen Gruppen fortbewegt. Und nicht nur das. Sie würde den Aussagen dieses sogenannten Informanten Raheem Al Hadi mit einem gehörigen Quäntchen Vorsicht begegnen, statt ihm einfach blind zu vertrauen.

„Kommando zurück!“, ertönte da Tims Stimme laut in ihrem Ohr. „Raheem sagt gerade, dass dieser Pfad hier die einzig begehbare Route sei. Der Dschungel ist voller Tretminen. Bleibt zusammen!“

P. J. fühlte sich wie eine wandelnde Zielscheibe für Guerillakämpfer.

Bevor sie diese Mission angetreten waren, hatte sie ihre Bedenken bezüglich Raheems Vertrauenswürdigkeit mit Tim Farber diskutiert. Oder vielmehr hatte sie einige skeptische Fragen gestellt, die Farber jedoch nicht ernst genommen und verworfen hatte. Raheem war schließlich bereits schon früher als Informant für die SEALs tätig gewesen. Er galt als überaus verlässlich, das hatte Tim ihr versichert. Das Einzige, wovon er sie dadurch überzeugt hatte, war allerdings, dass er ein totaler Idiot war.

Von den andern beiden FInCOM-Agenten hatte P. J. später erfahren, dass Farber dachte, die SEALs wollten ihn auf die Probe stellen. Man wolle wissen, ob er ihnen vertraute. Und er war fest entschlossen, ihnen zu zeigen, dass er das tat.

Bleiben Sie dicht bei mir, signalisierte Harvard.

P. J. tat so, als hätte sie ihn nicht gesehen, und entsicherte ihre Waffe. Sie brauchte keinen Babysitter. Ärger stieg in ihr auf und verdrängte für einen Moment das Adrenalin, das durch ihre Adern schoss. Dabei fühlte sie sich fast ruhig.

Plötzlich war er direkt vor ihr. Bilden wir ein Team, signalisierte er ihr. Folgen Sie mir.

Nein. Sie folgen mir!, schoss sie zurück. Sie hatte die Nase voll davon, anderen blind hinterherzulaufen. Sie war hierhergekommen, um in dieser gottverlassenen, insektenverseuchten Sumpflandschaft Terroristen aufzuspüren und auszuschalten. Und genau das würde sie jetzt tun. Wenn dieser Superheld ihr folgen wollte, dann würde sie ihn nicht aufhalten.

Ehe sie sich jedoch abwenden konnte, packte er ihr Handgelenk – Gott, seine Hände waren riesig! – und schüttelte warnend den Kopf.

Er war ihr so nah, dass sie die Hitze seines Körpers spüren konnte. Er war viel größer als sie. Seine Gestalt überragte die ihre um mindestens dreißig Zentimeter. Sie musste den Kopf in den Nacken legen, um ihm einen bösen Blick zuwerfen zu können.

Ihre Empörung schien ihn zu amüsieren. Auf seinem Gesicht erschien unwillkürlich ein Lächeln. Er schob das Mikrofon vor seinen Lippen zur Seite und beugte sich zu ihr hinab, um ihr leise ins Ohr zu flüstern: „Ich wusste vom ersten Moment an, dass Sie Ärger bedeuten.“

Es war wirklich erstaunlich. Das Lächeln dieses Mannes hatte ihn mit einem Schlag von einem gefährlichen Krieger in einen potenziellen Geliebten verwandelt. Sein Blick verriet neben Erheiterung auch einen Anflug körperlichen Interesses. Oder bildete sie sich Letzteres etwa nur ein?

P. J. entzog ihm ihre Hand. Als sie sich gerade befreit hatte, explodierte auf einmal alles um sie herum. Harvard fiel zu Boden.

Er war getroffen.

Ihre Gedanken waren wie gelähmt. Als im nächsten Moment ein Projektil dicht an ihrem Kopf vorbeischoss, reagierte ihr Körper jedoch blitzschnell.

Noch während sie sich auf den Boden fallen ließ, brachte sie ihre Waffe in Position. Kaum dass sie die Tangos im Unterholz ausgemacht hatte, begann sie zu feuern. Sie schoss, traf erst einen, dann einen zweiten und schließlich einen dritten in rascher Folge.

Überall um sie herum wurde geschossen. Männer schrien vor Schreck und Schmerz. Soweit sie sehen konnte, war ihr gesamtes Team umzingelt. Die einzige Lücke im Kreis der Angreifer war die, die sie gerade freigeschossen hatte.

„Mann verletzt!“, meldete P. J., während sie sich auf allen vieren in Harvards Richtung schob. Ein Blick auf seinen Körper genügte. Es hatte keinen Sinn, ihn hinter sich her aus der Schusslinie zu ziehen.

„Hilfe! Wir brauchen Hilfe!“, vernahm sie Tim Farbers Stimme, die sich beinah zu überschlagen schien. Langsam robbte sie auf die regungslosen Körper der Terroristen zu, die sie getroffen hatte.

„Bis Hilfe kommt, wird keiner von uns mehr am Leben sein“, warf Chuck Schneider panisch ein.

Ach ja? Nicht, wenn sie es verhindern konnte.

Direkt außerhalb der Angriffslinie der Terroristen entdeckte sie einen Baum mit niedrigen Ästen. Wenn es ihr gelang, den Baum zu erreichen und hinaufzuklettern …

Sie war ein Stadtkind, an Beton und Häuserschluchten gewöhnt. Noch nie in ihrem Leben war sie auf einen Baum geklettert. Sie hasste Höhe, aber sie wusste: Wenn sie aus dem Baumwipfel auf die Tangos schoss, würde sie sie überrumpeln.

P. J. stand auf und hastete geduckt auf ihr Ziel zu. Den Tango bemerkte sie erst in der Sekunde, als er sich ihr aus dem Unterholz in den Weg warf. Geistesgegenwärtig feuerte sie zweimal ab und traf ihn mitten in die Brust. Er ging zu Boden. Erst in diesem Moment sah sie den nächsten Tango hinter ihm auftauchen.

Sie war so gut wie tot. Sie hatte keine Chance. Sie feuerte trotzdem, aber ihr Magazin war leer.

Seines nicht.

Der Schuss traf sie mit voller Wucht und ließ sie hintenüber kippen. Sie spürte, wie ihr Hinterkopf auf etwas Hartem aufschlug, vielleicht einem Stein oder einem Baumstumpf. Sie war sich nicht sicher, aber es fühlte sich an wie Granit. Ein Feuerwerk von Schmerzen explodierte in ihrem Kopf. Hinter ihren geschlossenen Augenlidern tanzten funkelnde Sterne.

„Code sechsundachtzig! Sechsundachtzig! Stellt das Feuer ein!“

Urplötzlich verhallten die Schüsse um sie herum. Die Übung war vorüber, einfach so.

P. J. spürte, wie um sie herum helle Lichter angingen. Sie zwang sich, die Augen zu öffnen und sich aufzusetzen. Diese Bewegung versetzte die Welt um sie herum in ein unangenehmes Schwanken. Nur mit Mühe unterdrückte sie ein Würgen. Sie rollte sich zu einer Kugel zusammen und betete, dass sie ihren Gleichgewichtssinn wiedererlangen würde, bevor man sie fand.

„Wir brauchen einen Sanitäter“, hörte sie eine Stimme über Funk. „Wir haben hier einen verletzten Agenten. Möglicherweise eine Kopfverletzung.“

P. J. spürte, wie jemand ihre Schultern berührte und ihr die Schutzbrille vom Gesicht nahm. So viel dazu.

„Richards, hey! Sind Sie bei Bewusstsein, Mädchen?“ Es war Harvards Stimme, die lauter wurde, als er sich von ihr abwandte. „Wo zum Teufel bleiben die Sanitäter?“ Leiser, fast zärtlich, fuhr er in ihre Richtung fort. „Richards, können Sie die Augen öffnen?“

Sie öffnete ein Auge und sah Harvards tarnfarbenverschmiertes Gesicht über sich gebeugt. Sein Kinn und seine Wangen waren zusätzlich mit Spritzern gelber Farbe von dem Paintball überzogen, der ihn mitten auf die Brust getroffen hatte.

„Mir geht es gut.“ Sie rang immer noch nach Luft, nachdem sie selbst von einem Paintball in die Magengrube getroffen worden war.

„Von wegen“, erwiderte er. „Ich habe gesehen, wie Sie mit dem Kopf gegen diesen Baum dort geknallt sind, mit voller Wucht …“

Plötzlich sah sie Harvard doppelt – als ob in ihrem momentanen Zustand einer von seiner Sorte nicht schon genug gewesen wäre. P. J. musste ihre Augen erneut schließen. „Ich brauche noch eine Minute …“

„Die Sanitäter sind auf dem Weg, Senior Chief.“

„Wie schlimm ist die Verletzung, Harvard?“ P. J. erkannte die Stimme ihres Einsatzleiters, Captain Joe Catalanotto – Joe Cat, wie ihn seine Männer nannten.

„Ich weiß es nicht, Sir. Ich will sie nicht bewegen; vielleicht ist ihr Genick verletzt. Warum zum Teufel hat keiner von uns daran gedacht, was passiert, wenn man mit Paintballs auf ein Mädchen mit dieser Statur feuert? Wie viel wird sie wiegen? Fünfundvierzig, vielleicht siebenundvierzig Kilo? Höchstens. Wie zur Hölle konnte uns das nur entgehen?“

Die Atemnot und der Schwindel begannen langsam nachzulassen. Allerdings war ihr immer noch übel, und ihr Kopf tat höllisch weh. Auch wenn P. J. sich aber gerne noch ein paar Minuten ausgeruht hätte, Harvard hatte sie gerade als Mädchen bezeichnet.

„Es ist wirklich gar nichts“, sagte sie, während sie sich zwang, die Augen zu öffnen, und sich erneut aufrichtete. „Ich habe mich gerade bewegt, als ich getroffen wurde. Deswegen habe ich das Gleichgewicht verloren und bin gestolpert. Es besteht wirklich kein Anlass, so einen Wirbel darum zu machen. Und übrigens: Ich wiege zweiundfünfzig.“ An guten Tagen. „Ich habe schon oft Paintball gespielt und nie ein Problem gehabt.“

Harvard kniete neben ihr und nahm ihr Gesicht in seine Hände. Vorsichtig tastete er mit seinen Fingerspitzen ihren Hinterkopf ab. Als seine Finger dort über einen unvorstellbar wunden Punkt glitten, konnte sie nicht anders, als zusammenzuzucken.

Er fluchte leise, so als hätte es ihm selbst wehgetan. „Das tut weh, was?“

„Es geht mir …“

„Gut“, vervollständigte er den Satz für sie. „Ja, Ma’am, das sagten Sie bereits. Aber Sie haben eine riesige Beule am Hinterkopf und wahrscheinlich auch eine Gehirnerschütterung.“

P. J. erblickte Tim Farber, der im Hintergrund stand und sich im Kopf bereits Notizen für den Bericht zu machen schien, den er Kevin Laughton schicken würde. Ich empfehle, Agent Richards von nun an mit administrativen Aufgaben innerhalb der Antiterroreinheit zu betrauen … Einige Männer konnten es einfach nicht ertragen, bei Einsätzen mit Frauen zusammenzuarbeiten. Sie sah Harvard an. Kein Zweifel: Er war bestimmt der Erste, der Farbers Antrag unterstützen würde.

In Gedanken verfasste sie ihren eigenen Bericht. Hey, Kev, ich bin hingefallen und habe mir den Kopf angeschlagen – verklag mich doch. Und bevor du mich aus diesem Team abziehst, musst du beweisen, dass so was noch nie einem männlichen FInCOM-Agenten passiert ist … Oh, warte, was fällt mir denn da ein? Wenn ich mich recht entsinne, ist ein gewisser Agent mit den Initialen K .L. bei einem Einsatz vor etwa eineinhalb Jahren sehr unelegant aus einem Fenster im zweiten Stock gestürzt.

P. J. zwang sich, daran zu denken, wie Laughton bei diesen Worten grinsen und sein inzwischen verheiltes Schlüsselbein reiben würde, das ihn bis zum heutigen Tag bei Regenwetter zwickte. Diese Vorstellung ließ sie das schadenfrohe Gesicht von Tim Farber viel leichter ertragen.

Auf keinen Fall würde Kevin Laughton sie von diesem Kommando abziehen. Er war jetzt seit zwei Jahren ihr Vorgesetzter und wusste genau, dass sie es wie keine Zweite verdiente, hier zu sein. Daran konnte nichts etwas ändern – nicht mal Tim Farbers chauvinistisches Gehabe.

Der Sanitäter war inzwischen da. Nachdem er mit einer Taschenlampe in P. J.s Pupillen geleuchtet hatte, untersuchte er die Beule an ihrem Hinterkopf. Leider war er dabei um einiges weniger vorsichtig als Harvard zuvor.

„Ich bringe Sie ins Krankenhaus“, sagte er schließlich. „Es ist wahrscheinlich nichts, aber ich wäre beruhigter, wenn wir ein, zwei Röntgenaufnahmen machen würden. Die Schwellung ist ziemlich groß. Ist Ihnen schlecht?“

„Es hat mich ganz schön umgehauen. Ist schwer zu sagen, ob mir übel ist oder nicht“, erwiderte P.J . und umging so eine direkte Antwort. Aus den Augenwinkeln bemerkte sie, wie Harvard sie ernst ansah und mit dem Kopf schüttelte. Sie gab sich allergrößte Mühe, seinem Blick auszuweichen.

„Können Sie laufen, oder sollen wir eine Trage holen?“

Sie wäre lieber gestorben, als sich auf eine Trage zu legen, obwohl sich ihre Beine in Wahrheit wie Pudding anfühlten. „Ich kann laufen.“ Ihre Stimme war voller Nachdruck, als wolle sie sich selbst und alle anderen damit täuschen.

Sie spürte Harvards Augen auf sich gerichtet, während sie sich langsam und noch etwas unsicher erhob. Er kam einige Schritte auf sie zu und machte Anstalten, sie zu stützen, sollte sie wieder zusammensacken. Es war schon merkwürdig. Jede andere Frau hätte sich wahrscheinlich nur zu gerne von einem Mann wie Senior Chief Daryl Becker retten lassen.

Aber sie war eben nicht wie jede andere Frau.

Sie hatte aus eigener Kraft schon so vieles erreicht. Und sie würde bestimmt nicht zulassen, dass eine alberne Beule ihren Ruf als beinharte Spezialagentin ruinierte.

Es war als Frau schon schwer genug, in der beinahe exklusiven Männerwelt der FInCOM mitzuspielen. Aber für die kommenden acht Wochen hatte man ihr Zutritt zu einem noch exklusiveren Verein gewährt: der bisher absolut frauenfreien Welt der United States Navy SEALs.

In den nächsten acht Wochen würden die Mitglieder der Alpha Squad, einer Eliteeinheit von SEAL Team Ten, jeden ihrer Schritte genau beobachten. Sie würden nur darauf warten, dass sie einen Fehler machte. Und sich dann gegenseitig versichern: Seht ihr, genau deswegen nehmen wir keine Frauen auf.

Navy SEALs galten als die härteste Elitetruppe der Welt. Sie waren hoch spezialisierte Krieger, die in dem Ruf standen, so etwas wie Superhelden zu sein. Benannt waren sie nach ihren Einsatzgebieten: sea, air und land – Meer, Luft und Boden.

Sie waren klug, mutig und mehr als nur ein bisschen verrückt. Das mussten sie auch sein, um ihre Ausbildung zu überstehen. Als geradezu legendär galt die Höllenwoche, die Hell Week, Teil der Kampfschwimmerausbildung der SEALs; die Männer wurden eine Woche lang nicht nur mit Schlafentzug an ihre körperlichen und psychischen Grenzen gebracht – und darüber hinaus. Nach allem, was P. J. darüber gehört hatte, hatte man, wenn man diese Tortur überstanden hatte, ein Recht darauf, ein wenig arrogant und großkotzig zu sein. Und genau das waren die Männer der Alpha Squad auch.

Als P. J. sich zwang, das Paintballfeld langsamen, aber sicheren Schrittes zu verlassen, spürte sie aller Augen auf sich gerichtet.

Besonders die von Senior Chief Harvard Becker.

2. KAPITEL

Harvard hatte keine Ahnung, was zum Teufel er hier tat.

Es war fast ein Uhr nachts. Er hätte in seine Wohnung außerhalb des Stützpunktes zurückkehren sollen. Dann würde er jetzt in Boxershorts auf dem Sofa herumlümmeln, ein kaltes Bier trinken und durch die letzten fünf Folgen seiner Lieblingsserie „Schatten der Leidenschaft“ zappen, anstatt aus seinem eigenen Leben eine Soap Opera zu machen.

Nun aber saß er in dieser zwielichtigen Hotelbar, um hier – zusammen mit seinen unverheirateten Alpha-Squad-Kollegen – ein wenig Teamgeist mit den FInCOM-Wunderkindern aufzubauen.

Aus den Lautsprechern dröhnte Countrymusic. Und während die SEALs – Wes und Bobby waren die einzigen, die Harvard auf den ersten Blick entdecken konnte – auf der einen Seite des Raumes saßen, drückten die drei männlichen FInCOM-Agenten sich auf der anderen Seite herum. So viel zum Thema Teamgeist.

Harvard konnte es Wes und Bob nicht verübeln. Die Männer schienen nicht viel gemeinsam zu haben.

Es war wirklich erstaunlich. Immerhin arbeiteten über siebentausend Agenten für die Federal Intelligence Commission. Man hätte annehmen können, dass die vier Auserwählten ein wenig mehr drauf hätten.

Timothy Farber schien als Kronprinz unter ihnen zu gelten. Der Mittzwanziger mit seinem glatt rasierten Collegeboy-Gesicht nahm sich selbst viel zu ernst und war eine schreckliche Nervensäge. Er war die perfekte Verkörperung des FInCOM-Credos „Friss oder stirb“. Ohne Zweifel würde er es weit bringen und eines Tages die Straßen für den Konvoi des Präsidenten sperren lassen. Aber ob er im Kampf gegen unberechenbare religiöse Fanatiker Erfolg haben würde, war fraglich.

Nein, nach Harvards Erfahrung musste man als Leiter einer antiterroristischen Kampfeinheit ständig bereit sein, seine Pläne neu zu überdenken und an veränderte Umstände anzupassen. Ein Teamleader musste auch mal auf sein Team hören und sich eingestehen, dass die Idee eines anderen vielleicht die bessere war.

Joe Cat hatte sich mit Alan „Frisco“ Francisco beraten. Frisco war selbst Mitglied der Alpha Squad gewesen, arbeitete aufgrund einer Knieverletzung aber inzwischen in Coronado als SEAL-Ausbilder. Er galt als einer der Besten in seinem Job. Gemeinsam hatten Joe und Frisco beschlossen, dem aufgeblasenen Tim Farber das Kommando der ersten Trainingseinheit zu übertragen, um ihn von seinem hohen Ross zu holen.

Wenn er sich den jungen Mann dort drüben am Tresen so ansah, war dieser Plan jedoch nicht aufgegangen, dachte Harvard. Farber, umgeben von seinen zwei Kollegen, hielt regelrecht Hof und schien sich seines Versagens im heutigen Einsatz keineswegs bewusst.

Vielleicht würde er ja morgen bei der Manöverkritik einsehen, dass er alleine es gewesen war, der das Fiasko heute Nacht verschuldet hatte.

Doch irgendwie zweifelte Harvard daran.

Als er erneut zu den drei Spezialagenten hinübersah, war Farber gerade dabei, irgendetwas auf eine Serviette zu zeichnen. Seine beiden Kollegen nickten andächtig.

Greg Greene und Charles Schneider waren etwa in Harvards Alter, fünfunddreißig, sechsunddreißig, vielleicht sogar älter. Während des theoretischen Unterrichts der vergangenen Tage hatten sie sich betont gelangweilt gegeben. Sie schienen zu glauben, dass man ihnen ohnehin nichts Neues mehr beibringen könne. Doch während des heutigen Praxiseinsatzes hatten sie sich als vollkommen unerfahren erwiesen. Sie waren typische FInCOM-Agenten – „Finks“, Spitzel, Angsthasen, Sesselpuper, wie die SEALs sie verächtlich nannten. Sie hinterfragten nichts, folgten einfach dem Regelbuch und überließen anderen die Führung. Doch bei allem, was sie taten, sahen sie gut aus. Sei es im schwarzen Anzug mit Sonnenbrille oder auf dem Paintballfeld mit gelben Farbspritzern im Gesicht.

Sie waren Tim Farbers Anweisungen wie die Lemminge gefolgt und von dem Hinterhalt der vermeintlichen Terroristen völlig überrascht worden. Ein Glück für sie, dass nichts davon Ernst, sondern alles nur Training war. Im Ernstfall wären sie unweigerlich gefallen.

Und trotzdem schienen sie immer noch nicht gelernt zu haben, dass es keine gute Idee war, Farber blind zu folgen. Selbst nach den Erfahrungen des heutigen Tages schienen sie immer noch an seinen Lippen zu hängen. Höchstwahrscheinlich deshalb, weil ihnen irgendein Vorgesetzter gesagt hatte, das sollten sie tun.

Nur einer der vier Superagenten hatte es gewagt, Farbers Entscheidungen infrage zu stellen.

P. J. Richards.

Harvard sah sich in der Bar um, aber er konnte sie nirgendwo entdecken. Wahrscheinlich war sie auf ihrem Zimmer und nahm ein heißes Bad, während sie sich die Beule am Hinterkopf kühlte.

Verdammt, er sah immer noch vor sich, wie sie wie eine Puppe durch die Luft geschleudert wurde, nachdem der Paintball sie getroffen hatte. Er war schon lange nicht mehr in der Kirche gewesen, aber in diesem Moment hatte er ein Stoßgebet gen Himmel geschickt. Lieber Gott, lass sie sich nicht ihr hübsches Genick brechen!

Es kam immer wieder vor, dass Männer beim Training ums Leben kamen. Das war Teil des Berufsrisikos als SEAL. Aber P. J. war weder ein Mann noch ein SEAL. Der Gedanke, dass sie da draußen den gleichen Gefahren ausgesetzt war, denen er und seine Kollegen so selbstverständlich begegneten, versetzte Harvard in Angst und Schrecken.

„Hey, Senior Chief! Ich hatte nicht damit gerechnet, dich hier zu sehen.“ Lucky O’Donlon hatte gerade einen Krug Bier an der Bar geholt.

„Und ich habe nicht mit dir gerechnet, O’Donlon. Ich war sicher, du würdest die erstbeste Gelegenheit nutzen, um dich mit deiner Freundin zu treffen.“

Harvard folgte Lucky zu dem Tisch, an dem Wes und Bobby saßen. Er begrüßte die beiden unzertrennlichen Freunde mit einem Kopfnicken. Sie waren wirklich ein ungleiches Paar. Bobby Taylor war beinahe so groß wie Harvard, bestimmt eins achtundneunzig. Seine Gestalt schien dabei beinahe genauso breit wie hoch zu sein. Wenn er nicht unbedingt ein SEAL hätte werden wollen, wäre ein guter American-Football-Spieler aus ihm geworden. Wes Skelly hingegen war der Popeye der Alpha Squad, von kleiner drahtiger Statur, sein Körper war über und über tätowiert. Was ihm an Größe und Gewicht fehlte, machte er durch seine riesige Klappe wett.

„Renee ist bei einem Meeting für einen überregionalen Schönheitswettbewerb.“ Lucky setzte sich und schob Harvard mit dem Fuß einen Stuhl entgegen. Nachdem er erst Bobby und dann Wes Bier nachgeschenkt hatte, fragte er Harvard: „Soll ich dir ein Glas holen?“

„Nein, danke.“ Harvard schüttelte den Kopf und setzte sich zu seinen Teamkollegen. „Was hat deine Renee kürzlich gleich wieder für einen Titel gewonnen? Miss Virginia Beach?“

„Miss East Coast Virginia“, erwiderte Lucky.

„Sie ist ein hübsches Mädchen. Hübsch und jung.“

Lucky grinste bis über beide Ohren und zeigte dabei sein perfektes Lächeln. Die Tatsache, dass seine Freundin noch keine neunzehn war, schien ihn mit Stolz zu erfüllen. „Wem sagst du das?“

Harvard musste unwillkürlich lächeln. Jedem das Seine. Er persönlich bevorzugte Frauen mit etwas mehr Lebenserfahrung.

„Hey, Crash!“, rief Wes in Megafonlautstärke. „Hol dir einen Stuhl!“

William Hawken, der jüngste Neuzugang der Alpha Squad, setzte sich Harvard gegenüber; die beiden Männer nickten einander kurz zu. Anders, als sein Spitzname vermuten ließ, konnte Crash sich in jeder Situation vollkommen unauffällig und lautlos bewegen. Er war alles andere als durchschnittlich. Seine stahlblauen Augen fielen sofort auf. Crash sah sich nicht einfach nur in einem Raum um. Er saugte ihn auf, verinnerlichte ihn, speicherte ihn ab – und das wahrscheinlich für immer. Unter seiner lässigen Kleidung verbarg sich der Körper eines Langstreckenläufers, rank und schlank und mit nicht einem überflüssigen Gramm Fett.

„Nimm dir ein Bier“, forderte Lucky Crash auf.

Doch der schüttelte seinen Kopf. „Nein danke“, sagte er mit seiner charakteristisch ruhigen Stimme. „Bier ist nichts für mich. Ich warte auf die Kellnerin.“

Harvard wusste, dass Crash auf besonderen Wunsch von Captain Catalanotto an diesem Projekt teilnahm. Es war seine Aufgabe, die vermeintlichen Terroristenangriffe zu inszenieren, mit denen sich die Einheit in den nächsten acht Wochen auseinanderzusetzen hatte. Er war es auch gewesen, der das heutige Massaker auf dem Paintballfeld ausgeheckt hatte. Es stand also eins zu null für Crash.

Zwar kannte Harvard ihn nicht allzu gut, aber Crashs Ruf war beinahe schon legendär. Er war jahrelang Mitglied der legendären „Gray Group“ gewesen. Was man so hörte, hatte er damals an unzähligen Geheimmissionen teilgenommen – Einsätze, die ebenso kontrovers wie gefährlich waren. Angeblich waren die SEALs immer wieder in fremde Länder geschickt worden, um dort Operationen durchzuführen, von denen sogar die amerikanische Regierung leugnete, Kenntnis zu besitzen. Sie hatten Drogenbosse ausgelöscht und politische Führer entsorgt, die für Völkermord oder ähnliche Grausamkeiten verantwortlich waren. Kurzum: Die SEALs waren gezwungen gewesen, Gott zu spielen – oder zumindest Richter und Henker in einem zu sein. Keine Aufgabe, die Harvard gerne übernommen hätte.

Wenn die SEALs der Gray Group erfolgreich waren, konnten sie nur wenig oder gar keine Anerkennung erwarten. Versagten sie, so waren sie auf sich alleine gestellt. Viele von ihnen endeten im Ausland unter Spionageverdacht vor Gericht. Die Regierung aber dachte gar nicht daran, für sie einzutreten und die Verantwortung zu übernehmen.

Kein Wunder, dass Crash kein Bier trank. Von diesem Stress musste er ein Magengeschwür in der Größe eines Flugzeugträgers haben.

Er war sicher heute Abend hierhergekommen, um die SEALs der Alpha Squad besser kennenzulernen. Immerhin würde er in den nächsten acht Wochen eng mit ihnen zusammenarbeiten.

Das erinnerte Harvard an den Grund, warum er selbst hier war. Er warf den FInCOM-Agenten an der Bar einen Blick zu. Nach wie vor keine Spur von P. J. „Hat irgendjemand versucht, sich mit den Finks anzufreunden?“

„Meinst du, abgesehen von dir selbst? Hast du nicht da draußen im Wald versucht, mit P. J. Richards Händchen zu halten?“ Wes Skelly grinste über seinen eigenen schlechten Witz. „Du meine Güte, Harvard, das war das erste Mal, dass ich dich so schnell in einem Gefecht habe untergehen sehen.“

„Es war übrigens mein Schuss, der dich getroffen hat“, warf Lucky ein. „Ich hoffe, ich hab dir nicht wehgetan.“

„Wurde ja auch Zeit, dass er mal merkt, wie man sich so als Zielscheibe fühlt“, gab Bobby mit seinem tiefen Bass zu bedenken.

„Ich konnte einfach nicht widerstehen“, fuhr Lucky fort. „Du warst ein perfektes Ziel, als du dort groß und breit standest.“

„Ich glaube, Harvard wollte, dass du ihn triffst. Er wollte bestimmt ein paar Sympathiepunkte bei Richards gutmachen. Ich meine, ist sie ein heißer Feger, oder was?“

„Sie ist eine Kollegin“, erinnerte ihn Harvard. „Sei nicht so respektlos.“

„Ich respektiere sie doch“, erwiderte Wes. „Um genau zu sein: Es gibt wenig, was ich mehr respektiere als eine heiße Frau. Also echt, Harvard – kannst du mir in die Augen sehen und ernsthaft behaupten, diese Lady ist kein verdammt heißer Feger?“

Harvard musste lachen. Wes konnte sich so in eine Sache verbeißen! Wenn er es jetzt nicht zugab, würde er ihm den ganzen Abend über keine Ruhe lassen. Er blickte in Crashs amüsiertes Gesicht, verdrehte die Augen und sagte mit gespielter Verzweiflung: „Okay. Du hast recht, Skelly. Sie ist heiß.“

„Siehst du? Harvard war tatsächlich abgelenkt“, wandte sich Bobby an Lucky. „Das ist der einzige Grund, warum es dir gelungen ist, ihn abzuschießen.“

„Das stimmt schon. Er war definitiv abgelenkt“, gab Lucky zu. „Schien sich mehr auf die hübsche Miss Richards zu konzentrieren als auf das Kampfgeschehen.“ Er grinste Harvard an. „Nicht, dass ich dir einen Vorwurf daraus machen könnte, Senior Chief. Sie ist umwerfend.“

„Wirst du’s bei ihr versuchen?“, wollte Wes wissen. „Unter uns: Sie ist zwar klein, aber ihre Beine sind toll.“

„Und ihr Hintern ist sagenhaft.“

Wes grinste genießerisch in sich hinein. „Und ihre …“

„Wow, das macht aber Spaß!“ Harvard sah sich um und erblickte Richards direkt hinter sich. „Aber sollen wir nicht auch über Tims und Charlies und Gregs Beine und Hintern sprechen?“ Sie hatte ihre großen braunen Augen extra weit aufgerissen und blickte in gespielter Naivität in die Runde.

Stille. Grabesstille.

Harvard war der Erste, der seine Fassung zurückerlangte.

Er schob seinen Stuhl zurück und erhob sich. „Ich muss mich entschuldigen …“

Das gespielte Erstaunen verschwand augenblicklich aus ihrer Miene, und sie warf ihm von unten einen tödlichen Blick zu, der ihn verstummen ließ. „Nein“, erwiderte sie scharf. „Sie müssen sich nicht entschuldigen, Senior Chief Becker, Sir. Aber was Sie alle endlich lernen müssen, ist, nicht wieder und wieder und wieder den gleichen respektlosen Fehler zu machen: Frauen herabzusetzen, indem Sie sie als nichts Weiteres als Sexobjekte wahrnehmen. Tolle Beine, sagenhafter Hintern und was, Mr. Skelly?“ Sie wandte sich Wes zu. „Ich nehme an, das sollte kein Kompliment über meine Zielsicherheit werden, sondern über meine Brüste?“

Wes sah tatsächlich reumütig aus. „Ja. Tut mir leid, Ma’am.“

„Sie bekommen ein paar Punkte für Ihre Ehrlichkeit, aber das ist auch alles, wofür es hier Punkte gibt“, fuhr P. J. mit spitzer Zunge fort. Sie blickte von Wes zu Bobby, von Bobby zu Lucky. „Waren Sie nicht der erste der drei Tangos, die ich heute ausgeschaltet habe?“ Schließlich wandte sie sich an Crash. „Wie viele Mitglieder Ihres Teams wurden heute genau getroffen, Mr. Hawken?“

„Sechs“, räumte dieser lächelnd ein. „Und vier davon von Ihnen.“

„Vier von sechs.“ Sie schüttelte ungläubig den Kopf und atmete tief durch. „Ich führe Sie in Ihrem eigenen Spiel vor, und trotzdem interessieren Sie sich mehr für meinen Hintern als für meine Schießkünste? Finden Sie nicht, dass an diesem Bild etwas total falsch ist?“

Lucky sah Bobby an, der wiederum zu Wes hinüberblickte.

Bobby schien etwas erwidern zu wollen, fand aber nicht die richtigen Worte. „Hm …“

P. J. hatte immer noch ihre Hände in die Hüften gestützt und starrte sie angriffslustig an. Sie war noch lange nicht fertig mit ihnen. „Vielleicht denken Sie ja, dass ich Sie nur zufällig getroffen habe? Oder glauben Sie vielleicht, dass ich Sie nicht getroffen hätte, wenn ich ein Mann gewesen wäre? Dass meine Weiblichkeit Sie abgelenkt hat, hm? Vielleicht waren Sie ja geblendet vom Anblick meiner Brüste? Körbchengröße B, wohlgemerkt, kaum zu erkennen unter meiner Kampfweste – wir sprechen hier also nicht gerade von einem Dekolleté, das Ihnen ins Gesicht springt, meine Herren.“

Harvard konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.

Sie wandte ihre Wut gegen ihn: „Finden Sie das etwa amüsant, Sir?“

Verdammt, diese Frau war wirklich verrückt! Sie war verrückt und verteufelt witzig. Aber zu lachen, würde die Situation nur verschlimmern. Harvard bemühte sich also um einen ernsten Gesichtsausdruck, als er ansetzte: „Ich muss mich erneut entschuldigen, Miss Richards. Ich versichere Ihnen, es war nicht unsere Absicht, Sie herabzusetzen.“

„Das mag sein“, erwiderte sie. „Aber genau das haben Sie getan.“

Als er sie ansah, erkannte Harvard ein gewisses Maß an Überdruss und Resignation in ihren Zügen – als hätte sie Situationen wie diese einfach schon zu oft erlebt. Und auch Müdigkeit und der körperliche Schmerz, den die Beule immer noch verursachen musste, spiegelten sich deutlich in ihrer Miene.

Und trotzdem: Er konnte nicht anders, als Wesley zuzustimmen. Diese Frau war verdammt heiß. Sogar das lockere T-Shirt und die weite Skaterhose, die sie trug, konnten ihre geschmeidige, athletische und sehr weibliche Figur nicht verstecken. Ihre Haut war samtig und makellos und schimmerte verführerisch wie dunkle Schokolade. Er konnte sich nur zu gut vorstellen, wie weich sie sich anfühlen und wie köstlich sie schmecken würde. Ihr Gesicht war lang und schmal, ihr Kinn stolz. Ihr Profil glich dem einer afrikanischen Königin. Ihre Augen waren so dunkelbraun, dass die Iris mit den Pupillen zu verschmelzen schien. Ihr Haar trug sie streng zum Pferdeschwanz zurückgebunden.

Ja, sie war eine Schönheit. Schön und unglaublich sexy.

Sie drehte sich auf dem Absatz um und machte sich auf den Weg zur Bar. Harvard eilte ihr hinterher und holte sie ein, bevor sie die Hälfte des Raumes durchquert hatte.

„Hören Sie“, sagte er mit erhobener Stimme, um die Countrymusic, die aus den Lautsprechern dröhnte, zu übertönen. „Ich weiß nicht, wie viel Sie von der Unterhaltung mitbekommen haben …“

„Genug. Glauben Sie mir.“

„Die Wahrheit ist, dass Sie mich heute in der Übung tatsächlich abgelenkt haben. Mit Ihnen dort draußen zu sein, war für mich extrem verwirrend.“

Sie hatte ihre Arme vor der Brust verschränkt, eine Augenbraue leicht angezogen und sah ihn mit einer Mischung aus Ungeduld und Verachtung an. „Und das erzählen Sie mir, weil …?“

Er blickte sie aus schmalen Augen an. „Oh, verstehen Sie mich nicht falsch – das soll keine Anmache werden. Das würden Sie zweifelsfrei bemerken.“

Ihr Blick hielt seinem nicht länger stand; sie wandte die Augen ab. Wer hätte das gedacht? Sie war doch nicht so abgebrüht, wie sie tat.

Harvard nützte seine kurzfristige Oberhand. „Ich denke, Sie sollten wissen, dass ich nichts davon halte, Frauen in derartige militärische Risikoprojekte zu integrieren.“

P. J. schleuderte ihm ein „Sie sind ja komplett verrückt“Lachen entgegen. „Dann hatte ich ja Glück, dass Sie nicht im Auswahlkomitee der FInCOM saßen.“

„Ich habe kein Problem mit Frauen, die bei der FInCOM und beim Militär arbeiten. Ich finde nur, dass sie – dass Sie – risikoarmen, administrativen Aufgaben nachgehen sollten, statt am Kampfgeschehen teilzunehmen.“

„Verstehe.“ P. J. nickte. „Sie wollen mir also sagen, dass ich besser als Sekretärin aufgehoben wäre – unabhängig davon, dass ich einer der besten Schützen der FInCOM bin?“

Ihre Augen brannten vor Wut.

Harvard hielt ihnen stand. „Sie haben heute wirklich bewiesen, dass Sie ein hervorragender Schütze sind. Sie sind wirklich sehr gut, das muss ich zugeben. Aber es ist nun einmal Tatsache, dass Sie eine Frau sind. Und Sie da draußen in einer Kampfsituation im Team zu haben, würde mich und meine Männer nur ablenken.“

„Das ist Ihr Problem“, warf sie empört ein. „Wenn Sie Ihre Hose nicht anbehalten können …“

„Damit hat das nichts zu tun, und das wissen Sie genau. Es geht um den Beschützerinstinkt. Wie können wir unseren Job erledigen, wenn wir damit beschäftigt sind, uns um Sie zu sorgen?“

P. J. traute ihren Ohren nicht. „Wollen Sie mir etwa sagen, dass ich diejenige bin, die sich ändern muss? Nur, weil Sie mit einer derart vorsintflutlichen Einstellung herangehen? Sie sind derjenige mit dem Problem, und ich soll mich anpassen? Das glauben Sie ja wohl selbst nicht, Matrose. Hören Sie einfach auf, mich als Frau zu betrachten, dann werden wir prima miteinander auskommen.“

Diesmal war es an Harvard, ungläubig zu lachen. „Das wird nicht passieren.“

„Versuchen Sie’s doch mal mit einer Therapie, Senior Chief. Mich werden Sie jedenfalls nicht so einfach los.“

Sein Lächeln war nun komplett aus seinen Zügen gewichen. Plötzlich wirkte er hart und unerbittlich. „Sie sollten wissen, dass Sie höchstwahrscheinlich nur deshalb hier sind, um eine Quote zu erfüllen. Damit irgendein hohes Tier als politisch korrekt dasteht.“

P. J. blieb unbeeindruckt. „Das Kompliment könnte ich Ihnen genauso zurückgeben – das einzige farbige Mitglied der Alpha Squad.“

Er zeigte keine Regung. Er stand einfach da und starrte sie an.

Himmel, er war so groß! Er hatte sich ein sauberes T-Shirt übergezogen, trug aber nach wie vor die Camouflage-Hose von vorhin. Das T-Shirt umspannte seine breiten Schultern und seine muskulöse Brust. Mit seinem rasierten Kopf, der im schummrigen Licht der Bar glänzte, wirkte er unbeschreiblich gefährlich. Gefährlich, aber auch unglaublich gut aussehend und männlich.

Nein, Harvard Becker war nicht einfach nur ein hübscher Junge, so viel stand fest. Aber nichtsdestotrotz war er vielleicht der anziehendste Mann, dem P. J. jemals begegnet war. Sein Gesicht war kantig, mit hohen Wangenknochen und einem starken Kinn. Seine Nase war groß, aber sie hatte genau die richtige Größe für sein Gesicht; sie verlieh ihm ein majestätisches Aussehen. Und er hatte die hübschesten Ohren, die sie je gesehen hatte: Sie waren perfekt geformt und absolut symmetrisch. Vor der Übung hatte er den kleinen Brillantstecker herausgenommen, den er sonst immer trug. Inzwischen funkelte er wieder in seinem linken Ohr.

Aber es waren Harvards Augen, die P. J. von Anfang an aufgefallen waren: goldbraun, tiefgründig und dunkel bildeten sie den Schwerpunkt seines Gesichts, ja seiner gesamten Gestalt. Wenn die Augen tatsächlich das Fenster zur Seele sind, dann musste dieser Mann eine geradezu magische Seele haben.

Ja, er war eine waschechte Augenweide.

Und, um genau zu sein: Die Bar war voll von Männern und Frauen, die ihren Blick nicht von ihm abwenden konnten. Die einen schienen interessiert, die nächsten nervös und manche sogar komplett willenlos.

Harvard hätte hier einen ganzen Harem abschleppen können, ohne auch nur mit dem Finger zu schnippen.

Gut, vielleicht übertrieb sie ein wenig. Aber nur ein wenig.

Dieser Mann konnte jede Frau haben, die er haben wollte, und das wusste er auch. Aber obwohl sie ihn immer noch sagen hörte, dass er sie heiß fand, war sie sich sicher, dass er nicht an einer Affäre mit ihr interessiert war.

Zum Teufel, er hatte es mehr als deutlich gemacht, dass er nicht einmal an eine Freundschaft mit ihr dachte.

P. J. weigerte sich, sich so etwas wie Bedauern einzugestehen. Sie schob jedes aufkeimende Gefühl so weit wie möglich von sich weg, ließ es erst gar nicht aufkommen. Genau wie sie es mit dem hämmernden Kopfschmerz tat, der sie immer noch quälte. Das Letzte, woran sie interessiert sein sollte, war an einer Affäre mit Senior Chief Harvard Becker – oder irgendjemand anderem. Sie hatte diese Dinge für einen Großteil ihres fünfundzwanzigjährigen Lebens erfolgreich umgangen. Warum also sollte sie das jetzt ändern?

Er hatte sie ebenso intensiv studiert wie sie ihn. Als er zu sprechen begann, wurde ihr klar, dass sie es trotz höchster Anstrengung nicht geschafft hatte, ihre Müdigkeit und den Schmerz vollkommen vor ihm zu verbergen. Seine Stimme war erstaunlich sanft. „Lassen Sie es für heute gut sein. Ruhen Sie sich aus.“

P. J. sah hinüber zur Bar, zu Tim Farber und den anderen FInCOM-Agenten. „Ich wollte mir nur noch einen Schlummertrunk gönnen, bevor ich nach oben gehe.“ In Wahrheit sehnte sie sich nach nichts mehr als danach, auf ihr Zimmer zu gehen und ein heißes Bad zu nehmen.

Aber sie hatte das Gefühl, den anderen Agenten und den SEALs zeigen zu müssen, dass sie ebenso hart im Nehmen war wie sie, vielleicht sogar härter. Immerhin konnte sie direkt vom Röntgentisch aufstehen und in eine Bar gehen. Seht her! Sie konnte alles wegstecken. Sie ließ sich von nichts umhauen.

Harvard folgte ihr, als sie auf einen Barhocker glitt, der ein Stück von den anderen FInCOM-Agenten entfernt stand. „Es war noch nicht mal eine Gehirnerschütterung“, sagte sie, ohne dabei ihre Stimme anzuheben. Sie konnte sich auch so sicher sein, dass Farber zuhörte.

Harvard sah zu den Agenten hinüber und erwiderte: „Ich weiß. Ich habe mich im Krankenhaus nach Ihnen erkundigt, bevor ich hierhergekommen bin. Die Ärzte sagten mir, dass Sie bereits wieder entlassen worden seien.“

„Wie schon gesagt: Es geht mir gut.“

„Oh, das ist mein Pager.“ Harvard nahm seinen Pager aus der Tasche und las die Nummer, die ihn kontaktiert hatte. Als der Barkeeper zu ihnen herüberkam, begrüßte er den Mann und sagte: „Hallo, Tom. Für mich das Übliche und für die Dame, was auch immer sie möchte.“

„Danke, aber ich zahle meine Drinks selbst“, protestierte P. J.

„Sie haben es gehört. Sie zahlt selbst“, wandte sich Harvard erneut an den Mann hinter dem Tresen. „Könnte ich wohl mal das Telefon benutzen?“

„Jederzeit, Sir.“ Der Barkeeper stellte das Telefon vor Harvard auf die Theke und wandte sich an P. J. „Was darf es für Sie sein, Miss?“

Eistee. Sie wollte in diesem Moment nichts mehr als ein großes, kaltes Glas Eistee. Aber große starke Männer tranken keinen Eistee. Also trank sie auch keinen. „Geben Sie mir bitte ein Bier vom Fass, Tom.“

Neben ihr hörte Harvard aufmerksam einer Person am anderen Ende der Leitung zu. Er hatte ein kleines, schwarzes Büchlein hervorgezogen und machte sich mit einem Bleistift ein paar Notizen. Sein Lächeln war erneut komplett von seinem Gesicht verschwunden und wurde von einem ernsthaften, ja beinahe grimmigen Zug um den Mund herum ersetzt.

„Vielen Dank, Joe“, hörte sie sich sagen, bevor er auflegte. Joe. Er hatte also mit Joe Catalanotto telefoniert, dem Captain der Alpha Squad. Harvard erhob sich und warf ein paar Dollarnoten auf den Tresen. „Es tut mir leid, aber ich kann nicht bleiben.“

„Gibt es Probleme auf dem Stützpunkt?“, fragte P. J. ihn, während sie ihn im Spiegel hinter der Bar beobachtete. Aus irgendeinem Grund war das leichter, als ihn direkt anzusehen.

Er suchte und fand ihren Blick im Spiegel. „Nein, es ist etwas Persönliches“, erwiderte er und verstaute seinen Geldbeutel in der Hosentasche.

Sie merkte sofort, dass sie zu weit gegangen war. „Es tut mir leid …“

„Mein Vater hatte einen Herzinfarkt“, fuhr Harvard leise fort. „Ich muss sofort nach Boston.“

„Das tut mir wirklich leid“, versicherte sie, indem sie sich umdrehte und ihn direkt ansah.

Sein Vater. Sie war überrascht, dass Harvard tatsächlich einen Vater hatte. Aus irgendeinem Grund war das schwer vorstellbar. Sie konnte ihn sich nur als dieses hünenhafte Bild von einem Mann vorstellen, kaum aber als kleinen Jungen. „Ich hoffe, er erholt sich bald …“

Doch Harvard hatte den Raum bereits halb durchquert.

Sie sah ihm nach, bis er um die Ecke in die Lobby des Hotels verschwunden war.

Der Barmann hatte inzwischen ein Glas Bier vor sie auf den Tresen gestellt. Direkt daneben aber stand ein großes Glas Eistee – Harvards Drink.

Das brachte P. J. zum Lächeln. So viel also zu ihrer Theorie von großen starken Männern und ihren Trinkgewohnheiten.

Sie schob ihr Bier zur Seite und trank genüsslich den Eistee. Welche Überraschungen hielt Harvard Becker wohl noch so für sie parat?

3. KAPITEL

Er sieht schlecht aus.“

„Er sieht schon viel besser aus als gestern im Krankenwagen.“ Seine Mutter ließ sich vorsichtig auf einen Gartenstuhl auf der Veranda sinken. Ihre Hüfte schien ihr wieder Probleme zu bereiten. Wann immer er sie sah, bewegte sie sich ein wenig steifer und langsamer. Harvard musterte die Zeichen des Alters, die ihm vorhin im Krankenhauslicht zum ersten Mal so richtig aufgefallen waren. Graue Strähnen in ihrem Haar. Tiefe Falten in ihrem runden, immer noch sehr hübschen Gesicht.

Harvards Vater hatte tatsächlich schlecht ausgesehen. Er lag wie ein Schatten seiner selbst im Krankenhausbett und war an eine Unzahl von Monitoren und Schläuchen angeschlossen. Als Harvard in sein Zimmer gekommen war, hatte der alte Mann nicht mal die Augen geöffnet. Doch zumindest war er so weit bei Bewusstsein gewesen, um darüber Witze zu machen, welche Mühe er doch auf sich nahm, um den verlorenen Sohn zu einem Besuch zu bewegen.

Alter Mann – so hatte Harvard seinen Vater schon genannt, als er zwölf war. Aber jetzt war es die Wahrheit.

Seine Eltern wurden alt.

Der Herzinfarkt war zum Glück nicht sehr schwer gewesen. Nichtsdestotrotz – Dr. Medgar Becker würde sich von nun an streng an das Sportprogramm und die fettarme Diät halten müssen, die die Ärzte ihm verordnet hatten. An Käsekuchen und ähnliche Leckereien würde er nicht einmal mehr denken dürfen. Außerdem würde er Wege zum Stressabbau finden müssen. Das würde bestimmt nicht leicht werden. Als Dekan der Fakultät für Anglistik an einer der bedeutendsten Universitäten Neuenglands hatte er jede Menge Arbeit.

„Wir werden das Haus verkaufen, Daryl“, erklärte seine Mutter ihm mit sanfter Stimme.

Harvard fiel vor Erstaunen beinahe die Getränkedose aus der Hand, die er sich gerade aus dem Kühlschrank in der Küche geholt hatte. „Was wollt ihr tun?“

Seine Mutter streckte ihr Gesicht den warmen Strahlen der Nachmittagssonne entgegen und atmete die frische, salzige Luft ein. „Man hat deinem Vater eine Teilzeitprofessur an einem kleinen College in Phoenix angeboten. Er wird nur noch ein Drittel so viel unterrichten wie bisher. Und er wird viel weniger Verantwortung tragen. Ich glaube, der liebe Gott hat uns ein eindeutiges Zeichen gegeben, dass es Zeit für ihn wird, kürzerzutreten.“

Harvard atmete tief ein, und als er schließlich sprach, klang seine Stimme ebenso ruhig wie ihre. „Warum sagt ihr mir das denn erst jetzt?“

„Medgar war sich nicht sicher, ob er für so eine große Veränderung schon bereit war“, erwiderte seine Mutter.

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