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Geliebter Dämon

1.

 Glauben sie an Geister? An Dämonen, Teufel und Incubi?

Vermutlich nicht - verständlicherweise.

Und genau da liegt der Hase im Pfeffer, denn wenn ich ihnen jetzt meine Geschichte erzähle, erwarte ich nicht allzuviel Glauben Ihrerseits. Nichtsdestotrotz ist sie wahr.

Hätte man sie mir vor, sagen wir, einem Jahr erzählt, hätte ich allerdings ebenfalls abgewunken und sie ins Reich der Märchen und Legenden verwiesen.

Dass dies heute nicht mehr so ist, liegt in erster Linie schlicht daran, dass ich mir ein kleines Haus gekauft habe, in welches ich vor ziemlich genau einem Jahr eingezogen bin. Aber ich muss ein bisschen ausholen ...

Ich wurde vor 32 Jahren in einem Dorf geboren, welches dem kleinen Ort, in dem ich jetzt lebe, erstaunlich ähnlich war.

Fünf herrliche Jahre verbrachte ich dort, bevor ich mit meinen Eltern in die Stadt zog, weil mein Vater in unserem Ort keine Arbeit fand und die tägliche Pendelei vom Wohnort zur Arbeitsstelle mit dem Zug aus dem Nachbarstädtchen genauso wie mit dem Auto, zu zeitaufwendig und auf die Dauer zu teuer wurde.

Zwar scheffelten meine Eltern auch in der Stadt niemals Reichtümer mit ihrer Hände Arbeit, doch es reichte, dass ich eine glückliche Kindheit und eine ordentliche Schulbildung bekam und nach dem Abitur sogar noch Medizin studieren konnte.

Innerhalb eines Jahres nach meinem Staatsexamen starben meine Eltern beide kurz hintereinander und plötzlich war ich mutterseelenallein auf der Welt. Verwandtschaft existierte keine mehr und bei meinem Streben nach den höheren Weihen der Medizin war das andere Geschlecht zwar nicht unbedingt zu kurz gekommen, hatte aber um ehrlich zu sein fast immer nur eine körperliche Rolle beim Stressabbau gespielt.

Keine Einzige hatte es darunter gegeben, die mich länger gefesselt hätte, als bis ich sie ein Mal in meinem Bett gehabt hatte und ich schätze, ich erarbeitete mir auf diese Weise bei meinen Kommilitoninnen einen denkbar schlechten Ruf.

Aber wenn ich – was selten genug vorkam – an eine zukünftige Partnerin dachte, schwebte mir auch beileibe keine Frau vor, wie meine Studienkolleginnen sie darstellten.

Natürlich war es geil, mit einer Frau ins Bett zu gehen, die wusste, was sie wollte und wie sie es bekam, aber mit so jemandem den Rest meines Lebens zu verbringen, schien mir ganz und gar nicht erstrebenswert.

Meine Ehefrau sollte einmal ganz anders sein, nämlich zärtlich, liebevoll, anschmiegsam und vor allem sollte sie einzig und allein für mich Augen haben und das für immer!

Ich höre schon den Aufschrei der Empörung, welcher durch die Reihen der weiblichen Leser geht und ich gebe es ja zu, dass ich ein ziemliches Chauvinistenschwein gewesen bin, welches sich munter durch die weibliche Elite gevögelt hat, aber als dauerhafte Partnerin lieber ein naives, kleines Dummchen suchte, das nicht über den Rand der eigenen Suppenschüssel hinauszusehen vermochte.

Ich gestehe es und sie haben recht, wenn sie mich dafür verachten, aber legen sie meinen Bericht noch nicht aus der Hand, lesen sie weiter, denn ich versichere ihnen, es kam alles ganz anders ...

 

Denn ich kaufte mir das eingangs erwähnte kleine Haus, was mir aus mehreren Gründen möglich war.

Zum Einen lag die Immobilie, wie bereits erwähnt, in einem kleinen Dorf, und kostete vergleichsweise wenig, zum Anderen hatte ich nach dem Tod meiner Eltern eine zwar vergleichsweise bescheidene, aber doch immerhin fünfstellige Summe geerbt und nicht zuletzt gab mir die Bank bereitwillig einen Kredit über den Rest, da ich ein halbes Jahr vorher eine Stelle in einer gutgehenden, internistischen Praxisgemeinschaft angetreten hatte, welche dadurch nun über einen Kardiologen, einen Gastroenterologen und mit meiner Wenigkeit einen Diabetologen verfügte.

Zwar lag mein neuer Wohnort rund zwanzig Kilometer außerhalb der Stadt, in der sich die Praxis befand, aber das lagdurchaus noch im Rahmen des Üblichen. Mit dem Wagen legte ich die Strecke in weniger als zwanzig Minuten zurück und musste dabei nicht einmal Autobahnen oder Schnellstrassen benutzen, sondern konnte gemütlich über eine schmale Landstrasse fahren, auf der selten richtig Verkehr herrschte.

Mit den neuen Nachbarn verstand ich mich auf Anhieb gut, obwohl es sich fast ausschliesslich um Leutchen jenseits der Sechzig handelte, aber da ich tagsüber ohnehin fast nie daheim war, hatte ich auch selten Kontakte, die über einen freundlichen Gruß hinausgingen.

Ich fühlte mich wohl in meinem neuen Zuhause, auch wenn es eigentlich nicht mehr darstellte, als eine Dreizimmerwohnung mit zwei Stockwerken und einem Dach, aber mir reichten die drei Zimmer vollkommen und da die Bausubstanz gut war, brauchte ich auch nicht viel Geld in eine Renovierung zu stecken.

Am schönsten fand ich allerdings den Garten auf der Rückseite des Hauses, welcher mich geradezu magisch anzog. Von einer hohen Mauer umschlossen vermittelte er mir das Gefühl, mich in einem verwunschenen kleinen Park zu befinden. Im Zentrum des Ganzen stand eine riesige alte Trauerweide, deren dichtes Geäst bis auf den Rasen herabhing und unter der man vor allen Blicken geschützt war. Rundum zog sich ein Rasenrondell, an dessen Rand weitere Bäume und Sträucher dicht an dicht den Blick auf die grobe Natursteinmauer fast vollständig verdeckten. Dazwischen wuchsen Kletterrosen und Geißblatt, die an Sommerabenden einen geradezu betörenden Duft verströmten. Die einzige nicht bewachsene Mauerstelle wurde von einem hohen, halbrunden Metallgestell verdeckt, an welchem eine gewaltige Clematis emporrankte, deren oberste Triebe noch über die Mauerkrone hinwegragten.

In diesem Rankgerüst war in Sitzhöhe ein stabiles Brett befestigt, sodass man dort Platz nehmen, den Rücken an die Mauer lehnen und sein Dasein genießen konnte, während man den Insekten und Vögeln zusah, welche es in diesem Garten überreichlich gab. In einer der hinteren Ecken des Gartens gab es sogar noch einen kleinen Teich, dessen Oberfläche halb unter den Blättern einer Seerose verschwunden war und über dem große, blaugrün-gestreifte Libellen flogen und Wasserläufer hin und her huschten.

Ich verliebte mich auf Anhieb in den Garten und hielt mich von Anfang an gern darin auf. Arbeit machte er nicht wirklich viel, Bäume und Sträucher waren vom Vorbesitzer gut gepflegt worden und ich hatte sowieso beschlossen, wenn das nächste Frühjahr käme, jemanden für die groben Arbeiten zu bezahlen.

Eine der ersten Anschaffungen in meinem neuen Heim war dementsprechend für den Garten bestimmt: eine Hängematte mitsamt Gestell, welche ihren Platz hinter dem grünen Vorhang der Weidenzweige fand.

Und mit dieser Hängematte fing dann alles an ...

Ich hatte sie in einem Gartencenter erstanden und holte sie am Freitag Abend nach Praxisschluss ab. Sie war in einem Karton verpackt, welcher so gerade eben in mein Auto passte und voller Vorfreude transportierte ich sie nach Hause.

Dort angekommen verbrachte ich dann die nächsten eineinhalb Stunden damit, über mein mangelndes handwerkliches Geschick zu fluchen, mir diverse Schnitte und gequetschte Finger zu holen und nebenbei das Hängemattengestell zu montieren.

Als es dann endlich einigermaßen solide verschraubt vor mir stand, war ich stolz, zufrieden und hundemüde.
Ich rückte das Gestell an seinen Platz unter der Weide, hängte die Hängematte ein und ließ mich wohlig aufseufzend darin nieder, mit dem festen Vorsatz, den herrlichen Sommerabend auf diese Weise zu geniessen.

Ein Bein ließ ich zu Boden baumeln und versetzte mich damit in ein gemütliches, einschläferndes Schaukeln. Das war ein angenehmes Gefühl und erschöpft von meiner Arbeit dauerte es nicht lange und mir fielen tatsächlich die Augen zu.

E

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