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Gedichte

Drüke Möhne

Des Muorgens fröh vör Dau und Dag

well rüstert sick int Hus,

wenn alls no slöpp und höchstens wach

ne kleine Knuspermus?


Dat is de aolle Drüke-Möhn,

se mott de erste sien,

un wenn de annern kummt, dann giff

dat Füer all hellen Schien.


De Miägde wiß se iähren Patt,

de Kinner snitt se Braut:

se kummt to iähr und hangt an iähr,

de Moder is jä daut.


De Möhne hät den ganzen Dag

de beiden Hänn’ vull Wiärk,

se findt un günnt sick kine Ruh

äs Sunndags in de Kiärk.


Se höllt dat Hus so blitzeblank,

se höllt den Gaoren grön.

Un de wat will und den wat feihlt,

de geiht nao Drüke-Möhn.


Un aobends, wenn dat ganze Hus

so still is äs en Graff,

dann raket se dat Füer to

und slütt de Düören af.


Dann slütt se auk dat ganze Hus

no met in iähr Gebätt

wat is dat doch ein Glück, dat man

so Drüke-Möhnen hät.


(Augustin Wibbelt)

Übersetzung


Des Morgens früh vor Tau und Tag

wer rüstet sich im Haus,

wenn alles noch schläft und höchstens wach

ne kleine Knuspermaus?


Das ist die alte geschäftige Tante,

sie muss die erste sein,

und wenn die anderen kommen, dann gibt

das Feuer bereits hellen Schein.


Den Mägden weist sie ihre Aufgaben zu,

den Kindern schneidet sie Brot:

sie kommen zu ihr und hängen an ihr,

die Mutter ist ja tot.


Die Tante hat den ganzen Tag

die beiden Hände voll Arbeit,

sie findet und gönnt sich keine Ruh

als Sonntags in der Kirche.


Sie hält das Haus so blitzeblank,

sie hält den Garten grün.

Und wer was will und wem was fehlt,

der geht zur geschäftigen Tante.


Und abends, wenn das ganze Haus

so still ist wie ein Grab,

dann deckt (?) sie das Feuer zu

und schließt die Türen ab.


Dann schließt sie auch das ganze Haus

noch ein in ihr Gebet -

was ist das doch ein Glück, das man

so geschäftige Tanten hat.

Nis Randers

Krachen und Heulen und berstende Nacht,

Dunkel und Flammen in rasender Jagd –

ein Schrei durch die Brandung!



Und brennt der Himmel, so sieht man’s gut:

Ein Wrack auf der Sandbank! Noch wiegt es die Flut,

gleich holt sich’s der Abgrund.



Nis Randers lugt – und ohne Hast

spricht er: „Da hängt noch ein Mann im Mast;

wir müssen ihn holen.“



Da fasst ihn die Mutter: „Du steigst mir nicht ein:

Dich will ich behalten, du bliebst mir allein,

ich will’s, deine Mutter!



Dein Vater ging unter und Momme, mein Sohn,

drei Jahre verschollen ist Uwe nun schon,

mein Uwe, mein Uwe!“



Nis tritt auf die Brücke, die Mutter ihm nach!

Er weist nach dem Wrack und spricht gemach:

„Und seine Mutter?“



Nun springt er ins Boot und mit ihm noch sechs:

Hohes, hartes Friesengewächs;

schon sausen die Ruder.



Boot oben, Boot unten, ein Höllentanz!

Nun muss es zerschmettern...! Nein, es blieb ganz...!

Wie lange? Wie lange?



Mit feurigen Geißeln peitscht das Meer

die menschenfressenden Rosse daher;

sie schnauben und schäumen.



Wie hechelnde Hast sie zusammenzwingt!

Eins auf den Nacken des anderen springt

mit stampfenden Hufen!



Drei Wetter zusammen! Nun brennt die Welt!

Was da? – Ein Boot, das landwärts hält. –

Sie sind es! Sie kommen!



Und Auge und Ohr ins Dunkel gespannt...

Still – ruft da nicht einer? – Er schreit’s durch die Hand:

„Sagt Mutter, ’s ist Uwe!“



(Otto Ernst)

John Maynard

„Wer ist John Maynard?“

„John Maynard war unser Steuermann;

aus hielt er, bis er das Ufer gewann,

er hat uns gerettet, er trägt die Kron’,

er starb für uns, unsre Liebe, sein Lohn.

John Maynard



Die „Schwalbe“ fliegt über den Erie-See,

Gischt schäumt um den Bug wie Flocken von Schnee;

von Detroit fliegt sie nach Buffalo –

die Herzen aber sind frei und froh,

und die Passagiere mit Kindern und Frau’n

im Dämmerlicht schon das Ufer schau’n.

Und plaudernd an John Maynard heran

tritt alles: „Wie weit noch, Steuermann?“

Der schaut nach vorn und schaut in die Rund’:

„Noch dreißig Minuten..., halbe Stund’“.



Alle Herzen sind froh, alle Herzen sind frei –

da klingt’s aus dem Schiffsraum her wie Schrei.

„Feuer!“ war es, was da klang;

ein Qualm aus Kajüt’ und Luke drang,

ein Qualm, dann Flammen lichterloh –

und noch zwanzig Minuten bis Buffalo.



Und die Passagiere, bunt gemengt,

am Bugspriet stehn sie zusammengedrängt;

am Bugspriet vorn ist noch Luft und Licht,

am Steuer aber lagert sich’s dicht,

und ein Jammern wird laut: „Wo sind wir? wo?“

und noch fünfzehn Minuten bis Buffalo!



Der Zugwind wächst, doch die Qualmwolke steht,

der Kapitän nach dem Steuer späht;

er sieht nicht mehr seinen Steuermann,

aber durchs Sprachrohr fragt er an:

„Noch da, John Maynard?“ – Ja, Herr, ich bin!“

„Auf den Strand! In die Brandung!“ „Ich halte drauf hin.“

Und das Schiffsvolk jubelt: „Halt aus! Hallo!“

Und noch zehn Minuten bis Buffalo.



„Noch da, John Maynard?“ Und Antwort schallt’s

mit ersterbender Stimme: „Ja, Herr, ich halt’s!“

Und in die Brandung, was Klippe, was Stein,

jagt er die Schwalbe mitten hinein.

Soll Rettung kommen, so kommt sie nur so,

Rettung: der Strand von Buffalo.



Das Schiff geborsten. Das Feuer verschwelt.

Gerettet alle. Nur einer fehlt!

Alle Glocken gehn; ihre Töne schwell’n

himmelan aus Kirchen und Kapell’n,

ein Klingen und Läuten, sonst schweigt die Stadt;

ein Dienst nur, den sie heute hat:



Zehntausend folgen oder mehr,

und kein Aug’ im Zuge, das tränenleer.

Sie lassen den Sarg in Blumen hinab;

mit Blumen schließen sie das Grab,

und mit goldner Schrift in den Marmorstein

schreibt die Stadt ihren Dankspruch ein:



„Hier ruht John Maynard. In Qualm und Brand

hielt er das Steuer fest in der Hand;

er hat uns gerettet, er trägt die Kron’,

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