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Gayles St. Georg Band 2

Gayles St.Georg 8 - Hingabe

 

Dieser verdammte Leon will mich schon seit Wochen rumkriegen. Ich ignoriere ihn, obwohl mein Herz schneller schlägt, wenn er strippt. Ach, er braucht sich gar nicht auszuziehen, um mich wahnsinnig zu machen. Unerwartet treffe ich ihn während einer Vorlesung an der Uni. Leon mutiert zum Menschen und ich zum Blödmann, der sich auf ein Spiel einlässt, das nur schief gehen kann. Tja, dbddhkp, doof bleibt doof, da helfen keine Pillen…

 

Leon

 

Die ‘Les Humphrey Singers’ kamen gerade zum Mittelteil ihres Songs ‘Mexico’ und mein Blick wanderte zur Bar, während ich mir die Beinkleider von den Hüften riss. Doch dieser verfluchte, kleine Wichser von einem Barkeeper wandte mir den Rücken zu, als wäre ich nicht gerade dabei, mich auszuziehen.

Ich unterdrückte den Ärger, konzentrierte mich auf den Auftritt und hob elegant mein Hemd, das ich versehentlich hatte fallen lassen, vom Boden. Wieder schaute ich rüber zu Maik, versuchte ihn mit meinen Gedanken zu zwingen, sich endlich umzudrehen. Er ignorierte meine Telepathie Versuche, bediente weiter seelenruhig einen Gast am hintersten Ende der Bar. Frustriert riss ich mir den String vom Leib und präsentierte dem Publikum meine stattliche Erektion.

Nach einer Runde um die winzige Bühne tanzte ich rückwärts durch den schmalen Gang zurück zur Garderobe. Aus dem Augenwinkel nahm ich wahr, dass Maik sich endlich mir zugewandt hatte. Mein Grinsen wurde breiter, ich fühlte tiefe Befriedigung. Na also, niemand konnte mir wiederstehen! Nach einer kurzen Verbeugung verschwand ich hinter dem Vorhang, der die winzige Garderobe vor den Blicken Neugieriger abschirmte.

„Hey Alter, warst eben ganz schön unkonzentriert“, brummte Fernando.

Mein Kollege guckte mich kurz an, bevor er die Aufmerksamkeit wieder auf seinen Schwanz richtete. Ich schaute zu, wie er sich massierte, während ich an dem Cockring, der das Blut meiner Erektion staute, zog. Der Anblick war nicht hilfreich, trotzdem konnte ich die Augen nicht von Fernandos Prachtexemplar lassen.

„Bist du interessiert an einem Fick?“, fragte ich trocken.

Grinsend fixierte Fernando seine Prachtlatte und schüttelte dabei bedächtig den Kopf.

„Nö, du, lass mal. Ich bin froh, wenn ich mal Pause habe. Alex ist unersättlich“, brummelte er.

Natürlich wusste ich, dass er fest liiert war. Trotzdem versuchte ich mein Glück, so wie bei jedem halbwegs passabel aussehendem Kerl. Meinem Ruf, alles zu ficken was nicht bei zwei auf dem Baum war, musste ich schließlich gerecht werden.

„Du weißt gar nicht, was du verpasst“, murmelte ich, während ich nach meiner Shorts griff und hineinstieg.

Fernando grinst noch breiter und hob die Augenbrauen. „Mag sein. Aber ich weiß, was ich habe. Mir ist Alex lieber als jeder Gelegenheitsfick. Vielleicht solltest du auch mal umsatteln. Ist gar nicht gesund, ständig in fremden Gefilden rumzuvögeln.“

„Pft“, machte ich abschätzig, band die Haare mit einem Gummiband im Nacken zusammen und packte meine Sachen in die Sporttasche.

„Hals- und Beinbruch“, sagte ich zu Fernando, warf die Tasche über meine Schulter und verließ den winzigen Raum, um zur Bar zu gehen.

 

Maik beachtete mich nicht, als ich mich auf einem Hocker am Tresen niederließ. Das gab mir Zeit ihn ausführlich zu mustern. Nicht, dass ich das nicht schon öfter getan hatte, aber es gefiel mir jedes Mal wieder, ihn mir gründlich anzuschauen. Am liebsten hätte ich ihn natürlich ohne seine störende Kleidung gesehen, der Moment würde jedoch noch kommen, da war ich mir absolut sicher.

Gierig wanderte mein Blick über Maiks kleinen Arsch in der weiten Kellnerhose. Eine abgewetzte Jeans würde ihm viel besser stehen. Er war einen Kopf kleiner als ich und hatte eine schlanke, sehnige Figur. Ich wusste, dass er grüne Augen hatte und seine blonden Locken gefielen mir auch.

Genau meine Kragenweite. Es würde sich geil anfühlen, ihn unter mir liegen zu haben und ihn zu ficken. In diesem Moment drehte er sich zu mir und ertappte mich bei meinen lüsternen Gedanken. Ein Erröten hatte ich allerdings schon vor ewiger Zeit aufgegeben. Stattdessen hob ich eine Augenbraue. Eine Mimik, die ich lange vor dem Spiegel geübt hatte.

„Bekomme ich ein Bier?“, fragte ich mit samtweicher Stimme.

Meine bisherigen Sexualpartner hatten mir bestätigt, dass es sexy klang wenn ich so redete. Maik hob lediglich die Mundwinkel zu der Andeutung eines Lächelns und knallte eine Flasche vor mir auf den Tresen.

„Bitte“, murmelt er.

„Danke. Sag mal …“ Ich langte über die Theke und griff nach Maiks Hand. „ … hättest du nicht Lust, mal so richtig rangenommen zu werden?“

Er versuchte sich aus meinem festen Griff zu befreien, hatte aber keinen Erfolg. Mit böser Miene schaute er mir in die Augen.

„Kein Interesse. Wie oft soll ich dir das noch sagen?“, knurrte er.

„Ts. Ich frage solange, bis du ja sagst“, gab ich milde lächelnd zurück.

„Eher friert die Hölle zu“, zischte Maik und entriss mir seine Hand.

Er rieb sich die Finger, als hätte er sich verbrannt und starrte mich immer noch wütend an. Ich zuckte mit den Schultern, drehte mich herum und sah zur Bühne, auf der Fernando sich gerade entblößte. Oh Mann, der Kerl sah aber auch hammergeil aus. Ich nahm einen Schluck aus der Flasche und verfolgte seinen Auftritt, bis er den Rückzug zur Garderobe antrat.

Fernando war wirklich eine Sahneschnitte, doch leider besetzt. Irgendwann würde die Beziehung schon zerbrechen, das war so klar wie das Amen in der Kirche. Bei mir hatte noch nie eine Partnerschaft länger als zwei Wochen gehalten. Allerdings lag das wohl an mir, denn ich konnte einfach nichts anbrennen lassen.

„Sag mal, Kleiner …“ Ich wandte mich wieder an Maik, der untätig auf der anderen Seite des Tresens herumstand. „… hast du Lust auf eine Motorradtour? Ich wollte morgen mal ein bisschen mit meiner Harley rumblubbern und brauche noch einen geilen Sozius.“

„Fehlanzeige. Ich hab zu tun.“

Maik guckte mich nicht an, während er sprach. Sein Blick war starr auf die Bühne gerichtet, wo gerade Doris in Stellung ging. Oh Scheiße! Die ‚Tulpen aus Amsterdam’ wollte ich mir wirklich nicht antun. Hastig leerte ich die Flasche und stellte sie auf den Tresen. Ich griff nach meiner Tasche, rutschte vom Hocker, nickte Maik einen Gruß zu und lief zum Hinterausgang. Doris tiefe Stimme erklang, noch bevor ich die Tür hinter mir schließen konnte. Wie immer überlief mich eine Gänsehaut, wenn ich sie hörte. Ich biss die Zähne zusammen und schluckte den Ekel herunter. Irgendwann würde ich sie erwürgen, wenn sie nicht bald einer anderen Arbeit nachging.

 

Die Hamburger Nacht empfing mich mit schwülwarmer Luft. Es war Hochsommer und eigentlich hätte es rechtmäßig regnen müssen, wenn es ein normaler Hamburger Sommer gewesen wäre. Doch dieses Jahr hielt sich das Wetter nicht an Regeln und zeigte sich von seiner schönsten Seite. Der ‚Pulverkasten’ lag in St.Georg, einem teils verrufenen und doch schicken Stadtteil Hamburgs. Da ich mein kostbares Motorrad keinesfalls in dieser Gegend abstellen wollte, war ich mit der Bahn gekommen.

Beschwingt lenkte ich meine Schritte in Richtung Hauptbahnhof, in Gedanken wieder bei dem geilen Maik. Seit Wochen belagerte ich ihn, aber er widerstand mir hartnäckig. Nicht, dass ich auf ihn warten würde, beileibe nein. Ich hatte meine regelmäßigen One night stands und war ausgelastet. Na ja, körperlich jedenfalls. Manchmal fehlte mir schon ein wenig Zärtlichkeit. Ich knutschte für mein Leben gern, aber das passte nicht so recht zu den meist sehr kurzen Begegnungen mit fremden Kerlen.

Ich erreichte den Bahnhof und joggte die Treppen zum Bahnsteig herunter. Der Zug fuhr gerade ein, als ich unten ankam. Ich suchte mir eine freie Bank und träumte von Maik, während die Bahn mich nach Hause brachte.

 

Maik

 

Dieser verdammte Macho machte mir das Leben schwer. Seit vier Wochen arbeitete ich im ‚Pulverkasten’ hinter der Bar, und genauso lange bearbeitete mich Leon mit seiner blöden Anmache. Dabei hatte er es gar nicht nötig, mich anzubaggern. Er sah toll aus und ich hatte oft genug gesehen, wie er einen der willigen Typen abschleppte. Ich fehlte wirklich nicht in seiner Sammlung und wollte mich auf keinen Fall in die Riege der gebrochenen Herzen, die er hinterließ, einreihen. Nur allzu oft hatte sich der eine oder andere Kerl bei mir darüber ausgeheult, wie kalt Leon ihn abgefertigt hatte. Das Schicksal eines Barkeepers.

Leider war auch ich nicht gegen Leons Charme gefeit. Ich war ihm von Anfang an verfallen, seit ich ihn das erste Mal hatte strippen sehen. Wenn ich die Augen schloss sah ich immer wieder seinen geilen Körper, der sich im Takt der Musik bewegte. Das überhebliche Grinsen, das er während seiner Auftritte zur Schau stellte, war nicht gespielt, das wusste ich inzwischen. Leon war total von sich überzeugt und ich sollte die Finger von ihm lassen. Dennoch klopfte mein Herz wie verrückt, wenn ich ihn erblickte.

Allein schon seine langen, braunen Haare, die er während der Show offen trug, machten mich scharf. Hinzu kam noch, dass die Natur diesen Kerl verschwenderisch ausgestattet hatte. Seine hellblauen Augen mit den dichten Wimpern, die gerade Nase und sein schöner Mund mit der etwas volleren Unterlippe waren anbetungswürdig. Auch sein Körper war eine Sünde wert und sein Schwanz erst recht.

„Hey, Maik, träum nicht“, rief ein Kollege mir zu und riss mich aus meinen Träumen.

Hastig arbeitete ich seine Bestellung ab. Inzwischen war die Show vorüber und der Club leerte sich. Nur wenige, hartnäckige Zeitgenossen blieben noch, um einen Absacker zu trinken. Daher gelang es mir bis Feierabend Zeit den Tresen aufzuräumen und so konnte den ‚Pulverkasten’ pünktlich verlassen.

 

Nachdem ich mich umgezogen hatte trat ich hinaus in die warme Nachtluft. Inzwischen kühlte es selbst nachts nicht mehr richtig ab. Eigentlich mochte ich Wärme, aber die Hitze der letzten Tage machte mir zu schaffen. Ich wünschte mir dringend Regen und den üblichen, leicht schmuddeligen Hamburger Sommer. Seufzend trabte ich zum Hauptbahnhof und bekam gerade noch die letzte Bahn zu fassen.

 

Zuhause angekommen gönnte ich mir trotz der späten Stunde eine Dusche. Ich war verschwitzt und stank nach dem Mief, der im winzigen ‚Pulverkasten’ herrschte. Erfrischt legte ich mich danach auf das Bett und dachte wieder an Leon. Der Gedanke reichte aus, um das Blut in meine Körpermitte zu treiben. Ich seufzte genervt, packte meinen steifen Schwanz und stieß in meine enge Faust, bis ich mit einem erleichterten Stöhnen abspritzte. Ermattet von dem Höhepunkt konnte ich danach schnell einschlafen.

 

Am nächsten Morgen klingelte der Wecker viel zu früh. Müde stellte ich das nervige Läuten ab und trottete ins Bad. Nach einer Katzenwäsche kochte ich mir einen Kaffee, zog mich rasch an und war schon bald auf dem Weg zur Uni. Heute wollte ich das erste Mal einem Vortrag von diesem Professor Medler, über den ich schon viel gehört hatte, lauschen. Der Typ musste ein echter Entertainer sein, so, wie meine Kommilitonen von ihm schwärmten.

 

Neugierig betrat ich den Vorlesungssaal und ließ den Blick über die Stuhlreihen schweifen. Es waren fast alle Plätze besetzt. Die Stimmung glich der vor einem Konzert, so aufgeregt tuschelten die Studenten. Langsam schritt ich die Reihen ab, bis ich einen freien Platz entdeckt hatte. Unter gemurmelten Entschuldigungen drängte ich mich an den besetzten Stühlen vorbei und fiel schließlich erleichtert auf den leeren Platz.

„Hallo Tresenschlampe“, sagte eine nur allzu bekannte, tiefe Stimme neben mir.

Ich fuhr herum und erkannte Leon, der grinsend neben mir auf einem Stuhl lümmelte.

„Du … studierst?“ Verblüfft glotzte ich ihn an.

„Tja, stell dir vor. Ich will mich ja nicht ewig ausziehen müssen … hm, außer für dich vielleicht.“ Leons Augenbraue flog hoch.

Ich schluckte schwer und versuchte, so weit wie möglich von ihm abzurücken.

„Kannst du auch normal reden?“, fuhr ich ihn an.

Die zweite Augenbraue wurde hochgezogen und Leons Mundwinkel hoben sich. Er beugte sich zu mir und raunte: „Ich rede normal. Vielleicht stimmt etwas nicht mit deinem Gehör.“

Ich konnte seinen Duft wahrnehmen, so nah war er mir. Wie hypnotisiert schaute ich in seine blauen Augen und wusste nicht, was ich sagen sollte. Der Frosch in meiner Kehle hätte das Sprechen ohnehin erschwert.

Zum Glück wurde es in diesem Moment still im Saal und Leon zog sich zurück, um nach vorn zum Rednerpult zu schauen. Ich betrachtete sein Profil, bevor ich meine Aufmerksamkeit auf den Professor, der sich unten aufgebaut hatte, richtete. Na ja, aufbauen war übertrieben. Der Typ war so klein wie ich, strahlte aber eine Präsenz aus, die mich beeindruckte.

Neugierig musterte ich ihn, während er ein Notebook aufklappte und Unterlagen aus seiner Aktentasche nahm. Was hatte dieser Kerl an sich, dass die Studentinnen reihenweise auf ihn flogen? Die Studenten auch, hatte ich gehört. Der Prof war mit einem ehemaligen Stripper liiert, scheinbar mit dem großen Blonden, der in der ersten Reihe saß, denn Medler sah auf und lächelte den Kerl eindeutig verliebt an.

Mein Herz machte einen Satz und ich hielt den Atem an. So wollte ich auch angesehen werden. Am liebsten von...

„Verehrtes Publikum“, erklang hell und klar die Stimme des Professors. „Heute kommen wir zu einem etwas … prekären Thema. Ich habe mir überlegt, dass wir einen Exkurs in das Liebesleben machen. Ich wurde dazu … hm, inspiriert.“

Wieder schaute der Prof den Blonden an und ich stöhnte leise vor Sehnsucht. Selbst ein Blinder hätte sehen können, dass da vorn die große Liebe stattfand.

„Was ist denn mit dir los, Tresenfuzzi? Geht dir gleich einer ab?“, spottete Leon.

Ich ignorierte den Holzklotz und starrte weiter nach unten.

„Heute reden wir über den Zusammenhang von Hormonen und Sprache. Wie ist es möglich, dass Worte und ihr Sinn sich verändern, wenn wir der Liebe verfallen sind?“ Medlers Blick wanderte über die Reihen, blieb an mir hängen und ich hatte den Eindruck, als würde er kurz die Stirn runzeln. Himmel, kannte der Typ alle seine Studenten? Wer war er? Supermann?

„Also: Wieso klingen Worte anders, wenn sie im Überschwang der Gefühle ausgesprochen werden? Ich habe dazu etwas vorbereitet.“ Der Prof wandte sich der Leinwand zu und ich versank in seiner wortgewandten Welt.

Seine Stimme hallte in mir wieder und machte mich willenlos. Es fühlte sich an, als würde der Kerl mein Gehirn ficken. Ich hatte einen Ständer, sowohl wegen des Themas als auch wegen des Mannes neben mir. Immer wieder konnte ich Leons Duft riechen, wenn er sich neben mir bewegte. Er schien auch gebannt zu sein, jedenfalls kamen von ihm keine dummen Kommentare mehr.

 

Leon

 

Oliver machte mich mal wieder fertig. Während ich atemlos seinem Vortrag lauschte, konnte ich Maiks Duft überdeutlich wahrnehmen. Mein Geruchsinn war sehr fein, sodass ich deutlich die Nuancen seiner Duftnote unterscheiden konnte. Kaffee, Seife und ein herbes Aroma, das ich nicht zuordnen konnte. Es musste sein ureigener Körpergeruch sein und er gefiel mir. Ich hatte einen Steifen, wegen ihm und wegen des Themas, das Oliver heute gewählt hatte. Ich würde sehr wahrscheinlich entmannt sein, wenn ich hier lebend rauskam. Unauffällig ruckelte ich mich auf meinem Stuhl zurecht, um den Druck der Lederhose besser aushalten zu können.

Da ich heute mit meiner Harley unterwegs war, musste ich schwarzes Leder tragen. Obwohl es draußen heiß war wusste ich, was sich gehörte. Mein Lieblingsspruch: Leder darf jede Farbe haben, Hauptsache, es ist schwarz. Obenrum war zum Glück mehr Freiheit erlaubt. Ich trug ein T-Shirt und hatte die Lederjacke über die Stuhllehne drapiert. Leider gehörten zu meiner Ausrüstung auch Stiefel, in denen ich inzwischen fast umkam. Neidisch warf ich einen Blick auf Maiks Turnschuhe. Verdammt, das Leben als Biker war hart!

„So, noch Fragen?“, hörte ich Olivers Stimme und schaute nach vorn.

Der Prof klappte das Notebook zu und sah auffordernd zu uns hoch. Ich wusste nicht, was mich trieb, als ich den Arm hob und aufsprang.

„Ja?“ Oliver blinzelte und lächelte mich an.

„Wenn ich richtig verstanden habe, ist der Satz ‚ich will dich ficken’ unter Liebenden eine zärtliche Geste, unter Fremden ein Affront“, sagte ich laut.

Stille. Der Prof starrte mich an, seine Mundwinkel hoben sich.

„Will jemand darauf antworten?“, fragte er in die Runde.

Zu meiner Überraschung sprang Maik auf und hob den Arm. Der Prof nickte ihm zu.

„Ja, äh, Maik. Hast du eine Antwort?“

Mein Nachbar schluckte und schien perplex. Ich stieß sanft mit der Stiefelspitze gegen sein Schienbein, als mir die Pause zu lange dauerte.

„Also … äh, ich glaube, dass dabei noch zwischen heterosexueller und homosexueller Liebe zu unterscheiden ist. Frauen … mögen es nicht, wenn man so etwas … also, diesen Satz zu ihnen sagt, egal ob fremd oder … bekannt“, stammelte Maik.

Unter den weiblichen Studentinnen entstand Bewegung. Manche klatschten, andere guckten nur zu ihm rüber und hielten den Daumen hoch. Maik errötete und warf mir einen bösen Blick zu. Ich zuckte entschuldigend mit den Schultern. Mein kleiner Tritt konnte unmöglich wehgetan haben.

„Dem stimme ich zu“, sagte Medler und ließ den Blick über uns wandern. „Weitere Meinungen?“

Ich folgte der Diskussion, wobei Maiks Anwesenheit mich ablenkte. Es schien, als würde er schwitzen, was seinen Geruch verstärkte. Mein Schwanz war steinhart und drückte schmerzhaft gegen den Reißverschluss der verdammten Lederhose. Ich stöhnte erstickt.

„Und, Hengst? Geht dir gleich einer ab?“, zischte Maik grinsend.

Es wäre besser gewesen, ihn zu ignorieren. Aber ich war sauer, weil er mich erregte und nicht ran ließ. Mein Gott, war doch nicht so schlimm den Arsch hinzuhalten und dabei auch noch Lust zu empfinden. Schließlich war ich gut im Bett!. Das hatten mir meine Verflossenen immer wieder bestätigt, teilweise auf Knien.

„Willst du es genau wissen?“, knurrte ich, packte seine Hand und presste sie auf meinen Hosenstall.

Maik erstarrte, machte aber keinen Versuch sich aus meinem Griff zu befreien. Er schaute weiter nach vorn, während seine Finger sich sachte bewegten, als würde er mich streicheln wollen. Diese zaghafte Berührung brachte mich fast zum Kommen. Ich fegte seine Hand von meinem Schoß und kämpfte um meine Beherrschung.

Den Rest der Diskussion bekam ich nicht mehr mit. Zu sehr waren alle meine Sinne auf den Kerl neben mir gerichtet. Überdeutlich spürte ich jede seiner Bewegungen, während ich seinen Duft atmete und innerlich mit dem Blutstau in meiner Körpermitte stritt. Das Zeug verweilte hartnäckig in meinem Schwanz und ließ sich weder durch bitten noch betteln bewegen, in mein Gehirn zurückzufließen. Verdammte Biologie. Frauen hatten es leichter, die hatten zwar einen feuchten Schritt wenn sie erregt waren, aber das sah wenigstens keiner.

Ich seufzte genervt und schaute nach unten zu Oliver. In diesem Augenblick war die Diskussion beendet und die Studentin in der Reihe vor mir erhob sich, beugte sich vor, um ihre Unterlagen zusammenzuraffen, wobei sich ihr Minirock hochschob und den nassen Schlüpfer meinem Blick preisgab. Verdammt! Auch nicht schön!

Ich musste grinsen und spürte erleichtert, dass dieser Anblick das Blut aus meinem Schwanz trieb. Na, das sollte ich mal einem Hetero erzählen.

Maik stand auf und packte seine Sachen in den Rucksack. Eilig schob ich meinen Kram in die Tasche und folgte ihm aus dem Saal.

„Hey, Maik, soll ich dich nach Hause bringen?“, fragte ich seinen Rücken.

Er blieb stehen und drehte sich zu mir um. Ungläubig glotzte er mich an und sein Mund verzog sich zu einem so unsäglich süßen Lächeln, dass mein Puls in die Höhe schnellte.

„Das ist der erste normale Satz, den du von dir gibst“, sagte er staunend.

War es das? Ich kramte in meiner Erinnerung und musste ihm Recht geben. Unsere bisherigen Unterhaltungen – oder eher meine einseitigen Anmachen - waren allesamt Scheiße gewesen.

„Es tut mir leid“, raunte ich.

Plötzlich schämte ich mich dafür, dass ich so ein Vollpfosten war. Maik war ein netter Kerl, und wenn er nicht mit mir ficken wollte – sei‘s drum. Ich wollte ihn in meiner Nähe und ein bisschen mit ihm quatschen. Ein völlig neues Gefühl, das mir aber gefiel.

„Ich hab einen zweiten Helm dabei. Also, fährst du mit mir?“, fragte ich.

Hoffnungsvoll guckte ich ihn an und vergaß sogar, dabei eine Augenbraue zu lüpfen. Maik wirkte irritiert, nickte aber. Er folgte mir zu meiner Harley, wo ich vom Lenker den zweiten Helm löste, den ich immer dabei hatte wenn ich Hoffnungen hegte, einen Typen aufzureißen. Heute hatte ich ihn allerdings völlig gedankenlos mitgenommen. Maik schob sich grinsend das Monstrum über den Kopf und öffnete das Visier.

„Wie sehe ich aus?“, fragte er.

„Wie ein Student mit Helm“, brummte ich und stülpte mir den anderen Helm über den Kopf. „Wo wohnst du überhaupt?“

„Tischbeinstraße, Ecke Fuhle“, kam es gedämpft von Maik, der das Visier wieder geschlossen hatte.

Die Lederjacke hatte ich schon im Vorlesungssaal übergezogen. Ich schloss den Reißverschluss, schwang mich auf den Sattel meiner Lady und richtete die schwere Maschine auf. Nachdem ich den Zündschlüssel gedreht hatte, ertönte das tiefe Blubbern. Wie immer, wenn ich es hörte und die Vibration des Motors zwischen meinen Schenkeln spüren konnte, überkam mich Euphorie.

Ungeduldig wartete ich, bis Maik sich hinter mich gesetzt hatte. Erst nachdem er die Arme um meine Taille geschlungen hatte, legte ich den ersten Gang ein und ließ die Maschine vom Parkplatz rollen. Was für ein geiles Gefühl! Langsam fuhr ich im fließenden Verkehr mit und verfluchte jede rote Ampel, die mich die schwere, warme Ledermontur überdeutlich spüren ließ. Schweiß perlte über meinen Rücken und sammelte sich zwischen meinen Schenkeln.

Maiks Umarmung war leider auch nicht geeignet mich abzukühlen. Ich konnte ihn überdeutlich hinter mir spüren. Als wir das Haus, in dem er wohnte, passierten, gab ich einfach Gas. Der Verkehr wurde endlich weniger und ich konnte das laute Brummen meiner Lady in allen Nervenenden fühlen. Nachdem wir die Hamburger Stadtgrenze hinter uns gelassen hatten, drehte ich den Motor auf und knatterte mit hundert Sachen über die freie Strecke. Ich kostete die Geschwindigkeit voll aus, bis ich das Schild entdeckte, das den Weg zum Bredenbeker Teich wies.

Ich drosselte den Motor, ließ die Maschine auslaufen und bog in die schmale Zufahrt ein. Hinter mir machte Maik sich bemerkbar, indem er mir auf den Brustkorb schlug. Ich ignorierte ihn, bis ich einen geeigneten Platz für meine Lady gefunden hatte.

Es standen nur vereinzelt Wagen auf dem Parkplatz, sodass ich mir eine schattige Stelle mit festem Untergrund aussuchen konnte. Der Motor erstarb und ich wartete darauf, dass mein Sozius abstieg. Der rührte sich jedoch nicht. Schließlich nahm ich den Helm ab und schaute über meine Schulter.

„Entschuldige. Es ist so ein schöner Sommertag, da ist mit mir durchgegangen“, erklärte ich.

Maik starrte mich einen Moment durch das Visier an, schob es dann hoch und ich entdeckte erleichtert, dass er grinste.

„Heißer Ritt“, meinte er.

Mir fiel ein Stein vom Herzen und ich hätte ihn am liebsten geküsst für diese Worte.

 

Maik

 

Ich konnte es kaum glauben. Der coole Leon mutierte zum Menschen. Langsam schob ich den Helm über den Kopf und stieg von der Maschine. Es war heiß und er musste in der Ledermontur schon fast zerflossen sein. Selbst ich fühlte mich klebrig in meiner Jeans und dem T-Shirt. Für die Fahrt hatte ich meine Jacke übergezogen, nun erstickte ich fast darin und ließ sie von den Schultern gleiten.

„Was hältst du von einem kühlen Bad?“ fragte Leon, zog die Lederjacke aus und wischte sich über die Stirn.

Der Bredenbeker Teich ist ein öffentliches Naturbad und ich war mir sicher, dass er keine sexuelle Annäherung wagen würde, so lange andere Badegäste in der Nähe waren.

„Okay. Aber ich habe weder Badehose noch Handtuch mit“, erwiderte ich.

„Ich hab alles dabei.“ Leon streckte die Hand nach meinem Helm aus, befestigte ihn zusammen mit seinem am Lenker und langte nach den Satteltaschen, die hinter dem Soziussitz festgemacht waren.

Mit geübten Bewegungen löste er die Taschen vom Motorrad und warf sie über seine Schulter. Die Lederjacke in der Hand, setzte er sich in Bewegung. Ich folgte ihm zu dem kleinen Kassenhäuschen, aus dem uns ein mürrischer Alter entgegenblickte. Den günstigen Eintrittspreis zahlte ich für uns beide, danach betraten wir das Gelände.

 

Auf der schmalen Seite des kleinen Sees gab es einen Sandstrand, das restliche Ufer war steinig und von Bäumen gesäumt. Leon wandte sich nach rechts und wanderte am Wasser entlang, bis er eine Stelle fand die ihm gefiel. Mit einem erleichterten Seufzer warf er die Taschen auf das Gras, die Lederjacke folgte. Als nächstes zog er das T-Shirt über den Kopf und ließ sich auf den Boden plumpsen, um die Stiefel abzustreifen. Ich stand mit hängenden Armen da und guckte ihm zu. Erst als er seine Lederhose aufknöpfte, wandte ich verlegen den Blick ab.

„Hey, ich hab darunter was an“, frotzelte Leon, der meine Bewegung bemerkt hatte.

Trotzdem wagte ich nicht zu ihm hin zu sehen, ließ meine Jacke fallen und schlüpfte aus den Schuhen. Das Gras fühlte sich angenehm kühl unter meinen Fußsohlen an. Dank der Bäume war es schattig und das Wasser strahlte ein wenig Kälte ab, sodass die Hitze des Tages erträglich war.

„Hol mal die Decke aus der Tasche, während ich mich abkühlen gehe“, befahl Leon.

Ich schaute zu ihm rüber und es durchfuhr mich wie ein Schock, seinen Körper nur mit knappen Pants bekleidet zu sehen. Die Haare trug er offen und sein Lächeln war verführerisch. Verdammter Mist! Mir ging auf, dass wir ganz allein an diesem Teil des Sees waren.

„Oder kommst du auch mit ins Wasser?“ Leons Augenbraue hob sich spöttisch.

Ich schüttelte den Kopf und starrte ihm hinterher, als er langsam zum Ufer schritt und einen Zeh ins Wasser stippte.

„Brrr, kalt“, sagte er und grinste mir über die Schulter zu.

Mein Blick war wie gebannt auf ihn gerichtet. Sein knackiger Hintern zeichnete sich deutlich unter dem dünnen Stoff ab. Die kräftigen Schenkel waren bedeckt von zartem Flaum, der im Sonnenlicht golden schimmerte. Ich fühlte, wie ich hart wurde und zwang mich, die Augen von ihm abzuwenden.

Während ich aus den Satteltaschen eine Decke kramte, dabei ein Handtuch und eine Wasserflasche fand, planschte Leon übermütig im See herum. Ich hörte ihn schnauben und zuckte erschrocken zusammen, als mich eiskalte Wasserspritzer trafen.

„Hey!“ Erschrocken sprang ich hoch und drehte mich um, da traf mich schon eine ganze Ladung von dem kalten Zeug.

Mein T-Shirt war sofort an der Vorderseite durchnässt. Hastig machte ich ein paar Schritte zurück, bis Leon mich nicht mehr erreichen konnte. Seine Augen blitzten vor Vergnügen, das lange Haar klebte an seinen Schultern. Er sah aus wie ein fleischgewordener Meeresgott und brachte mein Herz zum Stolpern. Wie sollte ich diesem Kerl bloß wiederstehen?

„Komm ins Wasser, Memme. Es ist toll!“ Leon zwinkerte auffordernd, bevor er mir den Rücken zuwandte und sich ins tiefe Wasser begab.

Mit kräftigen Zügen schwamm er auf den See hinaus. Nachdem er mich nicht mehr sehen konnte, traute ich mich, die Sachen abzustreifen und nur mit Shorts bekleidet zum Ufer zu laufen. Es war eine Wohltat, das kalte Nass an den Füssen zu spüren. Langsam watete ich tiefer in den See, bis das Wasser mir bis zu den Hüften reichte. Fröstelnd rieb ich mir über die Arme, holte tief Luft und tauchte dann todesmutig unter.

Boah! Meine sonnengewärmte Haut wurde von einer Gänsehaut überzogen. Schnell tauchte ich wieder auf und rang nach Atem, um gleich darauf Leon nachzusetzen. Mit geübten Kraulbewegungen war ich bald neben ihm und wir lieferten uns ein Wettschwimmen, das ich haushoch gewann. Nun machte sich bezahlt, dass ich in der Schule im Leistungsschwimmerkurs gewesen war. Obwohl ich schmal war hatte ich kräftige Schultern, die nach der ungewohnten Anstrengung aber zu schmerzen begannen. Während ich auf der Stelle wassertrat, schaute ich zu Leon rüber, der sich wenige Meter entfernt mit knappen Bewegungen der Arme über Wasser hielt.

„Genug fürs erste, sonst bekomme ich einen Krampf“, rief ich ihm zu und kraulte dann gemächlich zurück zum Ufer.

Er folgte meinem Beispiel und watete hinter mir an den steinigen Strand.

„Geiler Arsch“, kommentierte er trocken.

Ich guckte an mir runter und stellte mit Erschrecken fest, dass meine weißen Shorts im nassen Zustand durchsichtig waren. Schnell lief ich zum Lagerplatz, schnappte mir das Handtuch, rubbelte mich trocken und warf es nach hinten, wo ich Leon vermutete. Dann griff ich nach der Decke, breitete sie mit Schwung aus und lag gleich darauf auf dem Bauch. Hoffentlich würde die verdammte Hose schnell trocknen.

Leon plumpste neben mir auf den Boden und frottierte sich die Haare, während er mich intensiv musterte. Ich spürte seine Blicke auf meiner Haut, ohne dass ich ihn ansehen musste. Es kribbelte erregend und dieses Gefühl wanderte direkt in meinen Schoß.

„Willst du auch was trinken?“, fragte Leon.

Ich drehte den Kopf und schaute sehnsüchtig die Flasche an.

„Nein, bin nicht durstig“, behauptete ich.

„Ach komm, ich glotz schon nicht auf deinen Schwanz“, spöttelte Leon.

„Versprochen?“, fragte ich misstrauisch.

„Klar, hoch und heilig“, erklärte er mit ernster Miene.

Zögernd richtete ich mich auf und drehte mich herum, bis ich neben ihm saß. Natürlich huschte sein Blick sofort nach unten.

„Boah, ist deiner groß!“ Leon grinste breit und glotzte ungeniert, während ich gierig Wasser in meine ausgedörrte Kehle laufen ließ.

„Sexistisches Schwein“, murmelte ich, nachdem ich die Flasche abgesetzt hatte.

„Irgendwie schon“, raunte er und ließ die Augen weiter über meinen Körper wandern.

Offensichtlich gefiel ihm was er sah, denn er leckte sich über die Lippen und seine Pants beulten sich, während er mich einer genauen Musterung unterzog.

„Können wir mal über etwas anderes reden als Sex?“, fragte ich genervt.

„Okay, okay. Ich hör schon auf.“ Leon ließ sich mit einem resignierten Seufzer auf den Rücken fallen.

Er schloss die Augen und ich entspannte mich langsam, legte mich neben ihn und genoss die Stille. Vögel zwitscherten, vom entfernten Sandstrand klang Kindergeschrei gedämpft zu uns. Es war einfach schön hier zu liegen und den herrlichen Tag zum Faulenzen zu nutzen. Leider nahm ich Leons Nähe mit allen Sinnen wahr, was mir die Sache etwas vergällte. Ich hörte seinen Atem und konnte sogar seinen Duft riechen. Es berauschte mich einerseits, ihm so nahe zu sein, andererseits fürchtete ich um mein Seelenheil.

Vorsichtig drehte ich den Kopf und guckte zu ihm rüber. Er hatte mir das Gesicht zugewandt und betrachtete mich. Ein bezauberndes Lächeln glitt über seine Züge, als unsere Blicke sich trafen. Er drehte sich auf die Seite, bohrte einen Ellbogen in die Decke und stütze die Wange in seine Hand. Mit der anderen langte er nach oben und rupfte einen Grashalm aus. Er strich neckisch mit dem Halm über meine Nase, dann über meine Lippen. Diese Geste hatte etwas unglaublich Erotisches an sich und ließ mich innerlich vibrieren. Der Halm tanzte über meine Brust bis zum Bauchnabel, verweilte dort.

„Wenn ich jetzt sage, dass ich dich gerne ficken würde, würde es dich abstoßen oder anmachen?“ Leons Miene wirkte ganz ruhig, seine Augen funkelten jedoch erregt.

Ich schluckte schwer und bemerkte, dass mein Schwanz hart wurde.

„Abstoßen“, log ich heiser.

„Hm …“ Der Halm wanderte tiefer und tippte gegen meine Erektion. „Und was ist das da?“

„Das habe ich nicht unter Kontrolle“, antwortete ich mit belegter Stimme.

„Aha!“ Leon lächelte und fuhr mit dem Grashalm langsam an meinem harten Schwanz auf und ab.

„Das ist eine Reaktion, die ich nicht mit meinem Gehirn steuern kann“, erklärte ich schwach.

„So, so. Und wenn dein Gehirn die Kontrolle hätte, auf was würde es abfahren?“, brummelte Leon.

Ich schloss die Augen und versuchte mich zu konzentrieren, was der streichelnde Halm absolut nicht begünstigte.

„Ich will … Liebe. Sex ohne Gefühle ist Scheiße“, flüsterte ich.

„Liebe?“ Leon lachte auf und der Grashalm verschwand. „Oh Mann, Maik. Wovon träumst du nachts? Liebe ist nur ein Wort, sie existiert nur im Film. Guck dich um, das hier ist die Realität. Dein Schwanz ist hart, meiner auch. Wir könnten uns ein paar schöne Stunden machen, wenn du von deinem hohen Ross runterkommen würdest.“

 

Leon

 

Der Kleine faselte von Liebe. Was wusste er schon davon? Er war gerade mal fünfundzwanzig, wie ich herausgefunden hatte, also ein Jahr jünger als ich. In diesem Alter sollte man Spaß haben. Liebe war etwas für die älteren Semester, deren Körper erschlafft waren und die deshalb auf innere Werte zurückgreifen mussten, um dem Sex noch etwas abgewinnen zu können. Das war jedenfalls meine Meinung.

Maik öffnete die Augen und guckte mich verletzt an. Ich konnte ihn nicht verstehen. Er war jung, sah gut aus und hatte einen tollen Körper. Was wollte er denn mit Liebe? Sex war besser. Lust und Leidenschaft sollten ihn dominieren, nicht die Suche nach diesem Gefühl, das es nicht gab.

„Wenn ich jetzt sage, dass ich Liebe mit dir machen möchte, würde es dich abstoßen oder anmachen?“, flüsterte Maik.

Das Lachen blieb mir in der Kehle stecken, als sein Blick sich in meinen senkte. Die schönen grünen Augen schauten sehnsüchtig, auf seinen Lippen lag ein trauriges Lächeln. Ich fühlte, wie mein Magen sich zusammenballte und mein Schwanz noch härter wurde. Was war mit mir los? Maiks Blick wanderte nach unten, er hob vielsagend die Augenbrauen.

„Es … stößt mich nicht ab“, murmelte ich verlegen.

„Und wenn ich jetzt sage, dass ich deine Lippen küssen möchte, dich schmecken und deinen Atem spüren?“

Maik guckte mich lauernd an und der Magenschmerz nahm zu. Meine Bauchmuskeln verkrampften sich, Lust fuhr mir direkt in die Lenden. Wahnsinn! Was war das? Ich starrte Maiks Mund an, hörte seine Worte in meinem Kopf nachhallen und rückte näher zu ihm.

„Möchtest du …. meine Lippen spüren, mich küssen und schmecken?“, fragte ich heiser.

„Ja.“ Maik drehte sich zu mir und streckte einen Arm aus, um ihn um meinen Nacken zu schlingen. „Ja, ich will dich küssen.“

Unendlich langsam zog er mich näher. Meine Augen fielen automatisch zu und ich wartete angespannt auf die erste Berührung. Zart wie Schmetterlingsflügel glitten Maiks weiche Lippen über meine, immer wieder, bis ich leise wimmernd den Mund für ihn öffnete. Seine Zunge drang langsam ein, tastete über meine und erforschte meine Mundhöhle mit einer Zärtlichkeit, die meinen Puls hochtrieb und mich selig aufstöhnen ließ.

Dieser Mann konnte wirklich küssen! Ich überließ mich seiner Liebkosung, bis das einfach nicht mehr genügte. Mit einem kehligen Knurren riss ich die Kontrolle an mich, drang in seinen Mund ein und eroberte ihn. Maik stöhnte auf und presste sich an meinen Körper. Sein Arm umschlang meine Taille und er ließ mich seinen harten Schwanz spüren. Ich glaubte gleich zu platzen, als plötzlich Stimmen laut wurden. Erschrocken schubste Maik mich weg. Schwer atmend starrten wir uns an, während Schritte näher kamen.

Eine Familie, schwer beladen mit Taschen und Körben, ging an uns vorbei. Die beiden Kinder, die als letztes kamen, sahen neugierig zu uns herüber, während die Erwachsenen uns geflissentlich ignorierten.

Nachdem sie verschwunden waren, senkte Maik die Lider und zog sich ganz von mir zurück. Enttäuscht versuchte ihn wieder näher zu ziehen, aber er schüttelte den Kopf. Schweigend setzte er sich auf, legte die Arme um seine Beine und schaute auf den See hinaus.

Ich betrachtete seinen schmalen Rücken, dessen Haut sich samtweich unter meinen Fingern angefühlt hatte. Mein Herz schlug immer noch zu schnell und ich war so erregt, dass ich am ganzen Körper zitterte. Maik sollte mir gehören, ich wollte ihn unbedingt in mein Bett bekommen … oder in seins. Egal, ich würde ihn auch gleich hier nehmen, an einen Baumstamm gelehnt oder im Gras.

„Maik“, stöhnte ich gequält. „Schläfst du mit mir wenn ich so tue, als wenn ich dich liebe?“

Sein Rücken wurde ganz steif, sein Kopf ruckte herum und er warf mir über die Schulter einen verstörten Blick zu.

„Du bist so scharf auf mich, um dafür ein Theaterstück zu inszenieren? Sag mal, bist du krank?“, fragte er leise.

„Irgendwie schon“, antwortete ich heiser.

Auf jeden Fall fühlte ich mich fiebrig und mein Blutdruck war bestimmt auch im ungesunden Bereich. Maik runzelte die Stirn und guckte mich lange an, bis er sich schließlich umwandte und wieder aufs Wasser starrte.

„Meinst du, du könntest überzeugend spielen?“ Seine Stimme klang rau.

Ich witterte Morgenluft.

„Klar. Ich kann das. Bitte, Maik. Nur ein Mal“, sagte ich hoffnungsvoll.

Wieder ein kurzer Blick zu mir, dann stand er auf und griff nach seinen Klamotten. Ich guckte mit angehaltenem Atem zu, wie er in seine Jeans stieg und das T-Shirt über den Kopf zog. Er schaute mich an und nickte leicht. Erleichterung machte sich in mir breit, zugleich mit prickelnder Erwartung. Ich würde Maik endlich ficken – ähm, Liebe mit ihm machen. Besser, ich gewöhnte mich schon jetzt in Gedanken an diesen neuen Terminus.

Während ich voller Ungeduld in meine Klamotten schlüpfte, die Decke zusammenfaltete und in die Satteltaschen stopfte, stand Maik mit hängenden Armen da. Ich drückte ihm die leere Wasserflasche in die Hand, schulterte die Taschen, griff nach meiner Lederjacke und ging los. Er folgte mir, wovon ich mich immer wieder mit einem Blick über die Schulter überzeugte.

 

Meine Lady wartete in der prallen Sonne auf uns. Sofort waren meine Gedanken konzentriert bei der bevorstehenden Fahrt, während ich die Satteltaschen befestigte und die Helme vom Lenker nahm. Der mit schwarzem Leder bezogene Sitz war natürlich kochend heiß. Ich nahm das noch feuchte Handtuch und legte es über den Sattel, bevor ich die Jacke überzog und mit Todesverachtung den Reißverschluss hochzog. Sofort begann ich zu schwitzen, was mit dem Helm, den ich gleich darauf aufsetzte, nur noch schlimmer wurde.

Auch Maik ächzte leise, nachdem er seinen übergestülpt hatte. Ich lächelte ihm zu, schwang mich auf meine Schöne und richtete sie auf. Maik setzte sich hinter mich, schlang die Arme um meine Taille und lehnte sich eng an mich. Ich startete die Maschine, fühlte und hörte das vertraute Blubbern und ließ sie langsam zurück rollen. Es war schöner als sonst, wenn ich allein auf meiner Lady saß. Maiks Gewicht an meinem Rücken gefiel mir, gab mir ein Gefühl der Verbundenheit, das ich so noch nie gespürt hatte.

 

Die Fahrt zurück geriet zu einem Drahtseilakt für meine Konzentration. Auf der Schnellstraße presste sich Maik noch näher an mich und legte die Hände auf meine Brust. Als wir das Hamburger Stadtgebiet erreichten und ich den Motor drosseln musste, fuhren seine Hände unablässig über meinen Körper, bis sie endlich wieder an meiner Taille zur Ruhe kamen. Schweißgebadet suchte ich vor dem Haus, in dem er wohnte, nach einer geeigneten Lücke für meine Maschine. Ich stellte den Motor ab, das Blubbern erstarb und ich brauchte einen Moment, um mich zu sammeln.

Maik verharrte regungslos hinter mir. Er hatte es sich doch nicht überlegt? Bitte, lieber Gott, das durfte einfach nicht sein! Ich nahm den Helm ab und schaute über die Schulter. Aus kugelrunden Augen starrte er mich an, als wenn er über seine eigene Courage erschrocken wäre, verzog dann aber den Mund zu einem Lächeln. Erleichtert wartete ich, bis er abgestiegen war, bevor ich meine Lady abstellte und mich selbst vom Sattel schwang. Nachdem ich mir den Helm vom Kopf gezerrt hatte, fuhr ich mit den Fingern durch die verschwitzten Haare und guckte mich um.

„Barmbek, hm?“, brummelte ich.

„Tja, billig aber nett. Ach ja, als Vorwarnung: Ich habe nicht aufgeräumt“, sagte Maik und reichte mir seinen Helm.

Ich kettete ihn mit meinem zusammen am Lenker fest und folgte Maik, als der auf den Altbau zulief. Obwohl ich immer noch scharf war wurde mir inzwischen mulmig bei dem Gedanken, was ich ihm versprochen hatte. Liebe vorgaukeln. So etwas hatte ich noch nie gemacht! Wie ging das überhaupt?

Maik öffnete die Haustür und wir betraten nebeneinander den Fahrstuhl. Ich schnappte instinktiv seine Hand, während wir zügig in den vierten Stock befördert wurden. Händchenhalten war doch schon mal eine gute Idee. Er lächelte, also lag ich richtig und es fühlte sich irgendwie richtig an. Mit Erstaunen stellte ich das fest.

Der Fahrstuhl hielt und Maik führte mich durch das Treppenhaus zu seiner Wohnung. Seine Finger zitterten leicht in meiner Hand, als er mit der anderen die Tür aufschloss. So. Da waren wir nun. Zeit für die große Romeo und Julia Szene. Würde ich sie überzeugend hinbekommen?

 

Maik

 

Ich hatte wohl bemerkt, dass Leon leicht kalte Füße bekommen hatte. Mir war auch nicht wohl bei dem Gedanken, dass er mir gleich alles nur vorspielen würde. Allerdings hatte er es aus freien Stücken angeboten. Sollte er doch sehen, wie er es hinbekam. Das mit dem Händchenhalten im Fahrstuhl war schon mal gut. Trotzdem zitterten meine Finger, als ich die Tür zu meiner Wohnung aufschloss. Ich war immer noch scharf auf Leon, meine Erektion hatte sich aber inzwischen verkrümelt. Dafür war ich viel zu nervös.

„Maik?“ Leon stand in dem winzigen Flur und lächelte kläglich. „Darf ich duschen? Ich schwitze wie Sau.“

Kein romantischer Beginn des Schauspiels, aber wenigstens ehrlich und endlich mal nicht sexistisch. Ich nickte und wies mit dem Kinn zum Bad. Leon verschwand hinter der entsprechenden Tür und ich trotte ins Schlafzimmer. Liebe machen am helllichten Tag? Das ging gar nicht. Ich zog die Gardinen zu und tauchte so den Raum in ein anheimelndes Halbdunkel. Schon besser. Kerzen mussten her!

In der Küche fand ich in einer Schublade Teelichter und verteilte diese überall im Schlafzimmer. Rasch zog ich noch das Bettlaken glatt, dann schlüpfte ich aus meinen Kleidern und lief ins Bad. Ich brauchte auch dringend eine Dusche und als Vorspiel gab es doch nichts besseres, als sich gegenseitig mit Seife einzuschäumen.

 

Leon lächelte erfreut, als ich zu ihm in die kleine Kabine schlüpfte. Er zog mich zu sich unter den lauwarmen Strahl und gab mir einen zarten Kuss.

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