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Gayles Jütland in 3 Storys

Sissi Kaipurgay

Gayles Jütland in 3 Storys

Bus of love - Späte Einsicht - Ein Sprachkurs für die Liebe





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Bus of love

 

Olaf ist genervt. Sein Beifahrer Sandro, den er auf Bitten seines Bruders mit nach Dänemark nimmt, ist mehr als wortkarg. Noch schlimmer allerdings ist es, wenn er redet. Doch dann beginnt es zu regnen und die Nässe bewirkt Wunder...

 

„Hey, Sandro, mach dich mal nützlich und guck nach einem Wegweiser.“

Der Typ auf dem Beifahrersitz nahm endlich die Stöpsel aus den Ohren und sah in die Finsternis, die uns umgab.

„Ich seh nix.“

„War klar“, knurrte ich.

Zum hundertsten Mal verfluchte ich meinen Bruder, der mich in diese missliche Lage gebracht hatte. Mitten in Südjütland, im tiefsten Dänemark, hatte ich mich tatsächlich verirrt. Das ging gar nicht in diesem knuddeligen Land, in dem an jeder Kreuzung ein Wegweiser stand. Tja, ich trat gerade den Gegenbeweis an. Erschwerend setzte jetzt auch noch Starkregen ein, den die Scheibenwischer meines VW Busses kaum noch bewältigen konnten.

„Verdammt, ich halte jetzt an.“ Ich hatte rechts eine Parkbucht entdeckt, in die ich den Wagen nun lenkte.

Man konnte es fast Schwimmen nennen, denn meine Reifen hafteten nicht mehr auf dem Asphalt, der sich in einen reißenden Fluss verwandelt hatte. In der Parkbucht war der Angriff des Regens durch die Bäume, die am Rand standen, etwas abgemildert. Meine Scheibenwischer verschafften mir kurz klare Sicht, sodass ich einen Weg erkennen konnte, der zwischen den Bäumen von der Landstraße weg führte. Ich bog also rechts ab und folgte dem Holperpfad, der in einem kleinen Wäldchen mündete.

Das dichte Laub der Bäume hielt nun zwar mehr von dem Unwetter ab, trotzdem trommelten die Wassermassen immer noch beständig auf das Wagendach. Ich stellte den Motor aus.

„Hier bleiben wir, bis es hell wird“, sagte ich mehr zu mir selbst.

„Ey, nein, ich will nicht mit dir die ganze Nacht hier stehen.“ Mein Beifahrer wirkte aufgeregt, guckt mit panischem Blick um sich. „Lass uns weiterfahren.“

„Du kannst zu Fuß weitergehen, wenn du nicht mit mir hier warten willst.“

Sandros dunkle Augen starrten mich bitterböse an.

„Ich finde dich voll Scheiße.“

„Du mich auch“, murmelte ich und quetschte mich durch die Lücke zwischen den Vordersitzen, um in den hinteren Teil des Busses zu gelangen.

Der Wagen war mein ganzer Stolz, hatte ich ihn doch selbst ausgebaut und mit einer modernen Campingeinrichtung versehen. Das Bett ließ sich zu einer bequemen Doppelliege ausklappen, es gab einen Kühlschrank und diverse nützliche Utensilien in den Schränken, die ich in jedem verfügbaren Winkel angeschraubt hatte.

Allerdings bestand der hintere Teil nur noch aus Bettfläche, wenn ich die besagte Doppelliege aufbaute, aber das störte mich nicht.

Die Beifahrertür klappte, dann sah ich einen Schatten davonhuschen. Sollte Sandro doch sehen, wie weit er kam. Ich ließ mich auf die Liegefläche plumpsen und verschränkte die Hände hinter meinem Kopf. Wie war ich nur in diese blöde Situation gekommen?

 

Mein Bruder Frank hatte die tolle Idee gehabt, in den Herbstferien ein Haus in der dänischen Provinz anzumieten. Mitten auf dem platten Land in einem Dörfchen, das den Namen Grindsted trug. Das Haus war groß, besaß einen Swimmingpool und fünf Schlafzimmer, also lud Frank seine ganzen Freunde ein, ihn zu begleiten. Mich hatte er auch eingeladen und ich Volltrottel hatte freudig zugestimmt.

Ich bin Olaf, genannt Ole, dreißig Jahre alt und schwul. Mit meinen eins neunzig und meiner athletischen Figur wirke ich wie ein Sportler, habe aber den Handball schon lange aufgeben. Mein Bruder ist vier Jahre jünger als ich, genauso wie seine Freunde, einschließlich dieses blöden Sandros. Da ich an diesem Freitag noch bis zum Abend hatte arbeiten müssen, hat Frank mich gebeten, Sandro mitzunehmen, der auch nicht früher weg konnte. Er und die anderen waren bereits mittags losgefahren und hatten das gesamte Gepäck mitgenommen.

In meinem Wagen hatten wie die Lebensmittel verstaut, sodass ich zwar mit genug Nahrung, jedoch ohne meine Sachen dasaß. Sandro hatte ich gegen sieben Uhr heute Abend aufgesammelt und seitdem kaum mit ihm gesprochen. Der Typ hatte sich gleich seinen Ipod in die Ohren gestöpselt und nur manchmal leise mitgesungen

Sandro ist ein Mischling, dunkelhäutig mit krausen Haaren, ein wenig schmächtig und vor allem mag ich ihn nicht. Eigentlich habe ich keinen Grund dazu, habe ich doch kaum ein Wort mit ihm gewechselt. Auch gesehen habe ich ihn bisher kaum, außer auf den Partys, die mein Bruder sehr häufig veranstaltete. Sandro hat mich dann jedes Mal mit seinen dunklen Augen angestarrt, als hätte ich ihm etwas getan.

 

Der Regen prasselte immer noch auf das Autodach, was bei mir eine ganz natürliche Reaktion auslöste: Meine Blase meldete sich. Ich kroch vom Bett, öffnete die seitliche Schiebetür und war praktisch noch bevor ich den Wagen verlassen hatte völlig durchnässt. Es gab keine Toilette im Bus, ich musste also wohl oder übel raus, um meine Notdurft zu verrichten. Als ich das erledigt hatte war ich bis auf die Unterhose nass und fluchte leise, während ich zurück zum Wagen eilte.

Die durchweichten Klamotten konnte ich unmöglich anbehalten. Der Herbst war mit seinen kühlen Temperaturen schon eingetroffen und ich fröstelte. Also schlüpfte ich aus meinen Kleidern und hängte sie an den Griffen der Schränke zum Trocknen auf. Dabei überlegte ich, wieso ich das Zeug nicht vorher ausgezogen hatte. Dann hätte ich jetzt wenigstens trockene Sachen. Nackt legte ich mich aufs Bett und zog die einzige Bettdecke, die ich dabei hatte, über meinen Körper. Es fühlte sich eigentlich ganz gut an, unter der kuscheligen Decke zu liegen und dem Regen zu lauschen.

Dank eines Akkus, der im hinteren Teil des Wagens Strom lieferte, spendete eine kleine Lampe sanftes Licht. Ich warf einen Blick auf meine Armbanduhr, die ich an einen Haken über dem Bett aufgehängt hatte. Es war kurz nach Mitternacht. Vielleicht sollte ich meine Einsamkeit mit etwas Rotwein lindern und es mir gemütlich machen. Irgendwo hatte ich bestimmt auch noch ein Farbmagazin, auf das ich wichsen könnte.

Schnell sprang ich wieder auf und klappte das Bett aus. In dem Schrank darunter fand ich ein Magazin mit schönen Farbfotos. Dann suchte ich zwischen den Vorräten eine Flasche Rotwein hervor, zog den Korken und setzte mich im Schneidersitz auf das Bett. So, der Abend war gerettet. Gerade hatte ich einen Schluck aus der Pulle genommen und die Zeitschrift aufgeschlagen, als die Beifahrertür aufging. Ein Schwall Regen schoss herein und ein pudelnasser Sandro fiel auf den Sitz. Er japste nach Luft.

„Verdammte Scheiße, ich habe mich fast verlaufen.“

Ich saß mit dem Rücken zu ihm und zuckte gleichgültig mit den Schultern.

„Wie schade, dass es nicht geklappt hat.“

Dem Umstand Rechung tragend, dass ich nun nicht mehr allein war, legte ich die Decke um meine Schultern und hüllte mich ganz darin ein. Scheinbar gelassen blätterte ich weiter durch die Seiten, während sich meine Nackenhaare aufstellten. Ich fühlte Sandros Anwesenheit plötzlich mit allen Sinnen. Ob es daran lag, dass ich nackt war? Blicklos starrte ich auf die Fotos mit den geilen Schönheiten. Die hüllenlosen Kerle konnten meine Aufmerksamkeit nicht fesseln, meine Ohren und alle anderen Sinne waren auf den Mann hinter mir ausgerichtet. Ich hörte seine schnellen Atemzüge, dann das Klappern seiner Zähne.

„Scheiße, Mann. Hast du Ersatzklamotten für mich?“

„Nö. Hab selbst für mich keine.“

„Scheiße, bist du etwa nackt?“

„Ja. Stört dich das?“

Stille. Ich nahm einen weiteren Schluck aus der Flasche, auf ein Glas hatte ich aus Faulheit verzichtet. Vorne hörte ich Sandro ächzen, es raschelte, dann krabbelte er zu mir nach hinten auf das Bett. Ein kurzer Seitenblick verriet mir, dass er bis auf einen kleinen Slip nackt war. Schnell wandte ich meinen Blick wieder ab, obwohl ich ihn gern ausgiebig betrachtet hätte.

„Krieg ich auch einen Schluck?“

Schweigend reichte ich ihm die Pulle, sah weiter angestrengt auf die Fotos, die nun vor meinen Augen verschwammen. Sandro saß so dicht neben mir, dass mich sein Arm berührte, als er die Flasche ansetzte. Ein Kribbeln fuhr mir über die Haut und ich nahm seinen Duft wahr. Davidoff, registrierte ich, und noch etwas anderes, ursprünglich und herb. Unwillkürlich schnupperte ich.

„He, geilst du dich etwa an mir auf, indem du an mir riechst?“

„Nein, ich wollte nur feststellen, ob du auch nach Scheiße riechst, so oft, wie du das Wort benutzt.“

„Und?“ Sandro grinste, wie ich aus dem Augenwinkel feststellte. „Rieche ich wie Scheiße?“

„Nein, Davidoff“, murmelte ich.

„Magst du das?“

„Ja.“

Der Regen prasselte jetzt wieder lauter auf das Wagendach, was das Schweigen im Inneren angenehmer machte. Ich schlug das Magazin endlich zu und streckte meine Hand nach der Flasche aus. Erneut berührte ich dabei versehentlich Sandros Haut, der zusammenzuckte, als ich ihn streifte.

„Mir ist echt scheißkalt. Kann ich mir deine Lederjacke überhängen?“

Seine Stimme klang rau, so wie sich wohl auf meine anhören würde, wenn ich einen Ton herausbekommen hätte. Ich nickte, während ich die Pulle an meine Lippen hob. Der Rotwein tat seine Wirkung, strömte bereits betäubend durch mein Blut. Ich fühlte mich angenehm benebelt und wagte jetzt, meinen Nachbarn verstohlen zu mustern.

Mein Blick glitt zu Sandros Slip, der nass seine Genitalien eng umschloss. Dem Umriss nach musste der Kleine einen ziemlichen Hammer in der Hose haben. Sandro hatte sich unterdessen meine nasse Lederjacke um die Schultern gehängt. Trotzdem zitterte er immer noch erbärmlich.

Erneut wechselte die Flasche den Besitzer und Sandro trank sie ganz aus. Mit einem leisen Rülpser ließ er sie unter das Bett gleiten, zog seine Schultern hoch und guckte aus dem Fenster.

„Verdammte Scheiße. Ich muss pissen.“

„Ich auch. Dann lass uns mal duschen gehen.“

Nachdem ich die Decke abgeworfen hatte zog ich die Seitentür auf und trat in den Regen. Es war kalt, aber irgendwie erfrischend. Im Wagen war mir richtiggehend heiß geworden, vom Rotwein und vielleicht von den Gefühlen, die Sandros Nähe in mir auslöste. Schnell rannte ich zum nächsten Baum, den ich im schwachen Lichtkegel der Innenbeleuchtung ausmachen konnte. Wieder einmal empfand ich es als Geschenk ein Mann zu sein, als ich den Urinstrahl in die Dunkelheit schickte. Erleichtert erreichte ich den Seiteneinstieg zusammen mit Sandro, der aus entgegengesetzter Richtung herangehastet kam. Er musste wohl eingesehen haben, dass seine nasse Unterwäsche keinen Schutz gegen den Regen bot, denn er war jetzt vollständig nackt.

Trotz der Wassermassen, die mir über das Gesicht und den Körper liefen, blieb ich stehen und starrte. Sandro sah so geil aus, wie er jetzt nackt vor mir stand, während Rinnsale über seine Brust liefen und das Haar an seinen Kopf geklatscht war. Ich wagte nicht, meinen Blick tiefer als bis zum Bauchnabel gleiten zu lassen aus Angst, plötzlich einen Ständer zu bekommen. Auch seine Augen musterten mich intensiv, seine Mundwinkel hoben sich, als er meinen nackten Schwanz entdeckte.

„Hattest du Filzläuse oder macht es dich geil, dich zu rasieren?“

„Es macht mich geil, wenn du es genau wissen willst.“

Ich stieg in den Bus, wartete bis er auch drinnen war und schloss hinter ihm die Tür. Im Innenraum war es wesentlich wärmer als im Regen, auf jeden Fall trockener. Die Scheiben waren beschlagen von unseren Ausdünstungen und dem Wasserdampf. Schnell kroch ich auf das Bett und griff nach der Decke, um meine aufsteigende Erektion zu bedecken, als mich Sandros bittender Blick traf.

„Mir ist so kalt. Kann ich mit da drunter?“

Tatsächlich hatte er am ganzen Körper Gänsehaut und klapperte mit den Zähnen. Ich nickte zustimmend und knuffte die Kopfkissen, von denen ich zum Glück zwei hatte, zurecht. Nun konnten wir uns an die Buswand lehnen und die Decke über unsere Körper breiten. Zum Glück hatte das Blut sich wieder in meinem Kopf versammelt, sodass mein Schwanz schlaff an meinem Schenkel lag. Sandro versuchte zuerst, Abstand zu mir zu halten, aber er gab schließlich seinem Bedürfnis nach Wärme nach und rückte näher. Die Berührung seiner Hüfte an meiner, seines Arms an meinem Arm, ließ mich kurz zusammenzucken.

„Ist dir das unangenehm? Ich meine, soll ich wieder wegrücken?“

Ein verunsicherter Blick traf mich und ich schüttelte den Kopf.

„Nein, ist schon okay. Soll ich … einen Arm um dich legen? Dann wird es wärmer.“

Er nickte und ich tat es, woraufhin er sich regelrecht an mich kuschelte. Nach einer Weile ließ sein Zittern nach, er entspannte sich. Das Gefühl war einfach schön. Ich hielt den mir so verhassten Sandro im Arm und fühlte mich gut dabei. Unwillkürlich schnupperte ich, um seinen Duft zu erhaschen.

„Du schnüffelst schon wieder“, murmelte er.

„Hm, du riechst gut.“

„Du riechst auch gut. Was ist das?“

„Boss.“

„War ja klar.“

„He, du hast drei Sätze lang nicht Scheiße gesagt. Bist du krank?“

„Scheiße, gibt’s noch mehr Rotwein?“

„Patient genesen“, murrte ich und löste mich widerstrebend von ihm.

Die Vorräte befanden sich in dem Schrank unterhalb des Bettes. Ich kroch auf allen Vieren an den Rand und beugte mich vor, zu faul, in die kleine Lücke hinter den Vordersitzen zu steigen. Hinter mir erklang ein merkwürdiger Laut.. Unbefangen griff ich nach einer Flasche, kam wieder hoch und warf einen Blick auf meinen Patienten. Dieser starrte mich an, die Lippen leicht geöffnet.

„Alles klar?“ Ich griff nach dem Korkenzieher und öffnete die Pulle, während hinter mir Schweigen herrschte.

„Sandro?“

Vorsichtig robbte ich rückwärts, darauf bedacht, nichts zu verschütten. Mein Platz war noch warm. Der Patient hatte die Augen geschlossen und atmete hastig durch die Nase. Immer noch die Flasche balancierend rückte ich mich zurecht und schubste ihn leicht an, damit ich meinen Arm um ihn legen konnte. Sandro kam kurz hoch, dann kuschelte er sich wieder an mich, dabei seufzte er leise.

„Ich bin gerade Scheißblind geworden.“

„Gegen dieses Wort ist ja kein Kraut gewachsen“, murmelte ich, während ich die Flasche an meine Lippen hob.

„Sieht so aus.“ Sandro richtete sich auf, was mir sofort ein Gefühl des Verlustes vermittelte.

Es gefiel mir einfach zu gut, ihn in meinem Arm zu halten, sein Gesicht gegen meine Brust gedrückt. Das sollte mir zu denken geben, aber der Rotwein und die Absurdität der Situation ließen das gar nicht zu. Sandro griff nach der Pulle.

„Was hat dich … äh, Scheißblind gemacht? Der Anblick meines Hinterns?“

„Nö, deine Scheißriesenklöten.“

„Hm, netter Name für die Dinger.“

„Mein Gott, du hast ja Eier so riesig wie ein Bulle.“ Sandro lächelte mich an.

Etwas geschah mit mir. Dieses süße Lächeln löste in meinem Körper eine ganze Reihe von Empfindungen aus, die man schwer beschreiben konnte. Es war Atemnot, Herzklopfen und eine erwachende Erektion, zeitgleich mit Schmetterlingen im Bauch, Zärtlichkeit und einer tiefen Sehnsucht. Ich starrte Sandro an, dessen Lächeln langsam erstarb.

„Ole, alles klar?“

Es war das erste Mal, dass er mich so ansprach. Bisher hatte er mich, wenn überhaupt, mit Olaf angeredet. Meinen Namen jetzt so von ihm zu hören, verursachte ein Rauschen in meinen Ohren. Ich war definitiv ein Fall für den Notarzt.

„Ole, sag was.“ Verunsichert legte Sandro eine Hand auf meine Brust, was die Situation noch verschlimmerte.

„Ich glaub … ich mag dich“, platzte ich heraus.

Wieder erschien dieses fatale Lächeln auf seinem Gesicht, während seine Hand sich bewegte, sanft über meine Haut strich. Das war natürlich falsch und löste eine sofortige Reaktion aus, die mir mehr als peinlich war.

„Hm, ja, das sehe ich jetzt auch“, murmelte Sandro und betrachtete die Bettdecke, die sich über meiner Körpermitte zeltartig wölbte.

„Nein, nicht so.“ Genervt und irritiert rutschte ich ein Stück von ihm weg und setzte mich auf, damit meine Erektion nicht mehr so deutlich zu sehen war. „Ich meine, ich mag dich. Als Mensch und so.“

„Ach so. Und was ist das da?“

Fast anklagend winkte Sandro mit der Flasche in Richtung meines Ständers, sodass ich die Chance wahrnahm und ihm die Pulle aus der Hand riss. Nach einem langen Schluck fühlte ich mich bereit, die Situation zu meistern.

„Das ist ein männliches Geschlechtsorgan, mit Blut befüllt, weil es zu lange nicht entleert worden ist. Ganz einfach.“ Oh Mann, ich redete echt Müll.

„Aha!“ Sandro nickte verständnisvoll, hob die Decke und musterte seinen eigenen Schwanz. „Meiner liegt. Wie lange muss denn eine Nichtentleerungsphase dauern, Scheiße noch mal, bis so ein Ständer von allein entsteht?“

Ein irres Kichern drängte sich in meiner Kehle hoch, das ich mit einem Schluck Rotwein erstickte. Sicher war im Staate Dänemark um diese Zeit kein Nervenarzt zu finden, der mir helfen könnte. Blieb nur der Alkohol.

„Meinst du die Selbstentleerung oder die durch fremde Reize ausgelöste Leerung?“

Für meinen Zustand redete ich ja noch ganz anständig, fand ich, jedenfalls kamen die Worte noch klar heraus, nur der Sinn verlor sich. Das Trommeln des Regens auf dem Dach hatte aufgehört, registrierte ich am Rande, während ich auf Sandros Antwort wartete.

„Wann hast du das letzte Mal gefickt, Ole?“

Plötzlich wirkte Sandros Blick eindringlich, schien er auf meine Antwort regelrecht zu lauern. Ich überlegte, während ich erneut die Pulle an die Lippen setzte.

„Na ja, das ist lange her. Vielleicht … drei Jahre?“

„Du hast seit drei Jahren nicht mehr deinen Scheißschwanz in einen Mann gesteckt?“

Der ungläubige Blick, der mich jetzt traf, ließ das irre Kichern wieder aufsteigen. Ich reichte Sandro die Flasche, als dieser die Hand danach ausstreckte.

„Ist das so schwer zu glauben? Ich ficke nicht jeden. Und vor allem mag ich es lieber, wenn ich auch etwas dabei fühle.“

Nachdenklich trank Sandro aus der Pulle, drehte sie dann in seiner Hand und hielt den Blick dabei gesenkt.

„Frank sagt, du machst es mit jedem, der nicht bei drei auf dem Baum ist.“

„Eins … zwei … drei. Und, fühlst du dich gefickt?“

Sandro ging auf meinen Scherz gar nicht ein und sah weiter auf seine Hände.

„Was musst du dabei fühlen?“

„Na ja, verliebt sein hilft.“

Er nickte und warf mir einen kurzen Seitenblick zu.

„Bist du verliebt in jemanden? Ich meine … gibt es jemanden, in den du aktuell … Ach, Scheiße, vergiss es.“

Ich betrachtete meinen Bettnachbarn, sah den heftigen Pulsschlag an seinem Hals, die Röte, die ihm ins Gesicht gestiegen war. Hoffnung machte sich breit. Konnte es sein, das Sandro etwas für mich empfand? Mein Herz klopfte schneller, der Alkohol pulsierte in meinem Blut und machte mich mutig.

„Sandro, magst du mich?“

Er nickte, den Kopf immer noch gesenkt.

„Du findest mich nicht … Scheiße?“

„Nein.“

„Kannst du mich ansehen, bitte?“

Zögernd hob er den Blick und schaute mir in die Augen. Was ich dort entdeckte, machte mich sprachlos. Sehnsucht. Das war es jedenfalls, was ich glaubte zu sehen. Mein Herz klopfte wie verrückt, als ich mich langsam vorbeugte, dabei immer noch in diese dunklen Augen schaute. Trotzdem mein Mund sich anfühlte, als hätte ich Sägespäne gegessen, konnte ich etwas sagen.

„Ich mag dich auch, sehr sogar.“

Der Akku suchte sich diesen Moment aus, um den Geist aufzugeben. Dunkelheit umschloss uns, während ich Sandros heftige Atemzüge hörte, meinen eigenen Herzschlag in den Ohren als lautes Dröhnen wahrnahm. Meine Sinne versuchten sich auf die plötzliche Schwärze einzustellen. Eine Flasche glitt polternd zu Boden. Dann bewegte sich jemand, eine Hand tastete nach mir und legte sich auf meine Brust.

„Ole?“

Ich konnte nicht antworten, schob meine Finger über die von Sandro.

„Ole, bitte nimm mich in deine Arme.“

In der Dunkelheit war alles irgendwie leichter. Ich zog Sandros schmalen Körper an mich, umarmte ihn und presste die Lippen kurz auf seine Locken. Nun lag er seitlich an mir und ich konnte fühlen, wie seine Latte sich gegen meine Hüfte presste. Also war er scharf auf mich, genauso wie ich auf ihn. Es war jedoch mehr als nur Geilheit, denn Sandro weckt in mir Zärtlichkeit und Sehnsucht nach seiner Nähe.

Eine weiche Hand glitt über meinen Körper, tastete über meine Brust und fand mein Kinn, legte sich dann an meine Wange. Sandro bewegte sich, schob sich höher, bis ich seinen Atem an meinem Mund spüren konnte.

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