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Galaxistor / Raumschiffkommandant Goldock

Jürgen Müller

Galaxistor / Raumschiffkommandant Goldock

Science Fiction Kurzgeschichten





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Absturz

BRT-1, das unübertreffliche Bordhirn, hatte den Erkundungskreuzer BETEIGEUZE zum neunten Male zuverlässig zu den Plejaden geführt.

Acht der zwanzig willkürlich festgelegten Sektoren des offenen Sternhaufens waren während der vorigen Flüge erforscht worden, wobei man auf sechzehn erdähnliche Planeten gestoßen war, die für eine Besiedlung geeignet schienen.

Nun erkundete die BETEIGEUZE bereits die zweite Woche den Sektor um die Pleone und suchte nach der siebzehnten möglichen Erdkolonie, da stießen sie auf einen einzigartigen Planeten. Kaum dreimal so groß wie die Erde, besaß er eine derart starke Gravitation, dass sein innerer Aufbau völlig anders geartet sein musste als der aller bekannten erdartigen Planeten.

Für eine Besiedlung kam er nicht in Frage. Viel zu erdrückend war seine Schwerkraft. Die Astro-Wissenschaftler an Bord aber bestanden auf eine eingehende Untersuchung.

Kommandant Förster gab dem Drängen seiner Leute nach und setzte fünf Aufklärungsflüge an.

Eben war der zweite Raumgleiter zum Gravitationsriesen unterwegs, als eine der zu den Nachbarplanetensystemen ausgesandten Sonden einen aufgefundenen Planeten mit erdähnlichen Bedingungen meldete. Verständlich, dass die Crew, bisher nur auf tote, von giftigen Atmosphären umgebene, gefrorene oder Hunderte Grad heiße Planeten gestoßen, sich wie eine ausgelassene Kinderschar gebärdete.

Kommandant Förster wurde so lange von allen Seiten bestürmt, das triste Bordleben durch einen dem Ereignis gebührenden Umtrunk zu durchbrechen, bis er das während der Planetenerkundungsphase bestehende Alkoholverbot aufhob.

Bald sah man alle vom Dienst abkömmlichen Besatzungsmitglieder in fröhlicher Runde im Speisesaal vereint, der sich auch nach ihrer Rückkehr die zwei Piloten der gestarteten Raumgleiter hinzugesellten. Die restlichen Aufklärungsflüge hatte Förster auf morgen verschoben.

Als die Feier auszuarten drohte, die Ersten mehr als angetrunken waren, und Geschirr en masse zu Bruch ging, hob Förster ruhegebietend die Arme. »Schluss jetzt! Es werden der Scherben zu viele. Außerdem müssen Sie morgen wieder fit sein. In die Kojen!«

 

Markus Haubold drehte sich vor einem Spiegel. Die leichte Kombination stand ihm gut. Er fühlte sich als Raumflugheld. So müsste ihn Sylvi einmal sehen!

Er warf sich in Pose und knipste sein Spiegelbild. Frohgelaunt, die Kamera um den Hals gehängt, verließ er die Umkleidekabine.

»Erkunder Haubold, gut sehen Sie aus. Wollen Sie auf Brautschau?«, hänselte ihn Kommandant Förster und tippte dann verdutzt an die Kamera. »Was wollen Sie mit dem Ding? Falls Sie Fotos vom Gravitationsriesen brauchen – bitte schön, wir haben Tausende, von den Satelliten geschossene, gestochen scharfe Aufnahmen da.«

Markus schüttelte dankend den Kopf. Als Erinnerungsstücke waren ihm noch so verschwommene, dafür aber selbstgeknipste Fotos tausendmal lieber als jedes noch so brillante Hochglanzposter.

»Nicht?«, fragte Förster verwundert und wurde wieder förmlich. »Aufdrängen will ich mich nicht. Und denken Sie dran – wir haben dem Gleiter ein genau abgestimmtes Programm eingegeben. Also spielen Sie nicht mitten im schönsten Flug am Steuerpult herum!«

Er öffnete die Luke eines Gleiters und trat zu den anderen, die Markus vergnügt zuwinkten.

Markus grüßte mit lachendem Gesicht zurück, glitt in den Raumgleiter und ließ sich in die Polster sinken. Über ihm schlug mit dumpfem Krachen die Luke zu.

Er hatte sich kaum angeschnallt, da meldete bereits BRT-1-3, das Bordhirn des Gleiters: »Programm läuft. Start in zehn Sekunden ... neun ... acht ...«

Markus wurde tief in die Polster gepresst, die Beschleunigung nahm ihm die Luft.

Der Raumgleiter nahm Kurs zum Gravitations-Goliath auf und entfernte sich rasch vom Mutterschiff.

 

Sämtliche Mess- und Testprogramme liefen einwandfrei ab, nur die Hochleistungskamera lieferte nicht ein einziges Bild der Planetenoberfläche.

Markus fluchte, checkte sie durch, fand keinen Defekt, schaute kopfschüttelnd durchs Okular eines mit der Kamera gekoppelten Teleskops und verstand die Welt nicht mehr.

Alles schwarz. Nichts war zu sehen vom glutflüssigen Planeten, auf dem ausgedehnte, schon erkaltete Inseln zukünftiger Kontinentalplatten schwammen. Kein Wunder, dass die auf Licht reagierende Kamera nicht ansprach.

Was war los da unten? Schweben von Vulkanausbrüchen empor geschleuderte Ascheteilchen, in der Atmosphäre? Bei der enormen Gravitation jedoch müssten sie längst wieder gesunken sein.

Nachdenklich sah Markus auf das dürftig ausgestattete Handsteuerpult.

Diese Sperre dort lösen, jenen roten Knopf drücken, und er wäre dem Bordhirn gegenüber dominant, könnte das Programm umgehen, Bahnparameter ändern lassen. Nun war ihm dies verboten. Er war kein ausgebildeter Pilot.

Die Neugier siegte. Er löste die Sperre und befahl dem Bordhirn, zweihundert Kilometer tiefer zu gehen, und zwar schnellstens, im Sturzflug!

Hörig neigte der Gleiter den Bug.

»Erkunder Haubold, was ist mit dem Gleiter los? Sie sinken!« Überlaut schallte die aufgeregte Stimme des Dispatchers aus einem Lautsprecher. »Aber keine Panik, wir übernehmen den Gleiter vom Kreuzer aus!«

Das fehlte noch! Markus befahl dem Bordhirn, sämtliche Funkelektronik außer Betrieb zu setzen.

Stumm und taub raste der Gleiter dem Planeten entgegen.

Ein Gefahr ankündigendes Summen ertönte.

Irritiert huschten Markus’ Blicke über die Anzeigen hinweg. Mit ausdrucksloser Stimme meldete das Bordhirn: »Geschwindigkeit des von Ihnen befohlenen Sturzfluges auf die Dauer zu hoch, folglich leichte Abbrandstellen an der Außenhaut. Gehe in Gleitflug über.«

Markus dachte: Ein kleiner Patzer, na und, den begeht jeder mal, und fluchte erneut, als zweihundert Kilometer tiefer die Kamera sich immer noch nicht muckste.

Er befahl, versuchsweise noch fünfzig Kilometer tiefer zu gehen, um endlich unter diese verwünschte undurchsichtige Atmosphärenschicht zu kommen. Dies hatte Erfolg. Brav lieferte die Kamera ihre tausend Bilder pro Sekunde.

Als die programmierte Planetenumkreisung abgeschlossen war und der Raumgleiter das Heck senkte, um Vollschub zu geben, lag Markus bereits wieder angeschnallt im Pilotensitz.

Minutenlang ging es mit dröhnendem Triebwerk aufwärts, dann hatte er das Gefühl, im Raum zu verharren und anschließend, immer schneller werdend, zu sinken und sich dabei um die eigene Achse zu drehen.

Abermals schaute er verunsichert auf die Anzeigen.

»Infolge der von Ihnen befohlenen Programmabweichungen geht der Treibstoff vorzeitig zur Neige. Wir verlieren ständig an Höhe und geraten ins Trudeln«, kommentierte BRT-1-3 ungerührt das Geschehen. »Fahre Bremsfallschirm aus und aktiviere das Überlebenssystem.«

»Was sagst du da?«

Zu Tode geängstigt sah er nochmals auf die Anzeigen.

Hatte er anfangs noch gehofft, BRT-1-3 erlaube sich einen makaberen Scherz, so musste er jetzt erkennen, dass alles den Tatsachen entsprach. Einem Bordhirn war jede Form von Humor fremd.

Die Treibstoffanzeige stand auf 0,34. Von den zweihundertfünfzig Kilometern, die er zusätzlich in den Anziehungsbereich des Planeten eingedrungen war, hatte der Gleiter ganze hundertneunundachtzig zurück geschafft, und seit diesem Punkt ging es mit stotterndem Triebwerk abwärts!

»Oh du verfluchter Kretin!«, brüllte er das Bordhirn an. »Warum hast du mich nicht rechtzeitig auf die fehlenden Treibstoffreserven aufmerk...«

Der Rest erstarb in einem Gurgeln.

Unvermittelt hatte sich vor ihm ein Schacht geöffnet, war der Pilotensitz nach vorn gekippt und hatten sich die Gurte gelöst, so dass er den Halt verlor und schreiend in den Schacht stürzte.

Er fiel auf eine gepolsterte Rutsche, auf der er zwei Etagen tief in einen sicheren Raum im Mittelteil des Gleiters fiel. Dort prallte er allerdings heftig gegen eine Metallwand und blieb betäubt vor ihr liegen.

Undeutlich vernahm er ein leises Zischen, etwas widerwärtig Süßes – ein Strahl Schlafgas – traf ihn ins Gesicht. Augenblicklich schlief er ein.

Inzwischen hatte der ausgefahrene Bremsfallschirm den Fall des Gleiters stabilisiert. Der schwindende, ab und an aussetzende Triebwerkstrahl wirkte nun als Bremsstrahl. Dennoch war die Sinkgeschwindigkeit für eine weiche Landung zu hoch. Die gewaltige Anziehungskraft des Planeten gewann mehr und mehr an Einfluss.

Einige hundert Meter über der Planetenoberfläche fuhr der Gleiter die Landestützen aus. Als sie den Boden berührten – Glück im Unglück: die Absturzstelle befand sich über festem Boden –‚ knickten sie unter der Last des Gleiters wie Strohhalme ein, dämpften den Aufprall nur wenig. Das stark überhitzte Material des Gleiters zerbarst. Aus den Trümmern rollte eine im Schein ferner Vulkane funkelnde Kugel.

 

Erster Tag.

Stechende Schmerzen im Kopf, jeder Pulsschlag ein Messerstich.

Langsam setzte das Denkvermögen ein, schlagartig kam die Erinnerung an den Absturz. Mühsam hob Markus die verklebten Lider. Instinktiv hatte er im Nu die Arme schützend vor der Kehle gekreuzt sowie die Ellenbogen an den Leib gepresst. Dicht über ihm schwebten abscheuliche, auf ihn gerichtete Greifklauen! Angst presste sein Herz zusammen, dann dachte er: Quatsch, bei der Glut hier unten gibts kein Leben, rieb sich die Augen und sah genauer hin. Laut auflachend schob er die »Greifklauen« beiseite.

Was er für krallenbewehrte Gliedmaßen eines blutrünstigen Ungeheuers gehalten hatte, erwies sich als ein Paar klobiger Manipulatoren, die von der kuppelförmigen Decke aus fast bis auf sein Lager herabhingen.

Kuppelförmig war auch der Raum unterhalb der Liege geformt. Mithin lag er im Innern einer Kugel, deren eisblaue Innenwandung eine verriegelte Luke aufwies, die nach draußen führte.

Ansonsten gab es noch Dutzende an seiner Liege befestigte Düsen sowie viele undefinierbare Geräte und Vorrichtungen. Und rings an der Innenwandung entlang war ein Panorama-Monitor montiert. Sein matter Bildschirm erinnerte eher an eine billige Verzierung als an ein komplettes Rundsichtgerät.

Ich liege wohlgeborgen in einer Überlebenskapsel. Die Luke führt demnach nicht hinaus ins Freie, sondern in den Raum zwischen der äußeren und der inneren Schale der Kapsel. Der innere Durchmesser beträgt knapp drei Meter. Ganz schön eng und ...

Dicht neben seinem Kopf drang erneut mit leisem Zischen ein Strahl Schlafgas aus einer Düse, und von wohliger Müdigkeit übermannt, schlief Markus ein ...

 

Zweiter Tag.

Markus war wach, seine Schmerzen klangen ab. Seit dem vergangenen Tag hatte sich nichts geändert, nur der Panorama-Monitor war zum Leben erwacht. Er spiegelte eine so trostlose, unbelebte Umgebung wider, dass ihm fast die Tränen kamen.

Jetzt sann er über den Aufbau und über die Wirkungsweise der Kapsel nach.

Die Überlebenskapseln gehörten erst seit Monaten zur genormten Ausrüstung der Galaktischen Flotte. Obwohl sie nur vier Meter hoch waren, schienen sie so einiges in sich zu haben. Allerdings gab es keine konkreten Angaben über die angewandten Techniken, nur sicherlich hier und da übertriebene Gerüchte.

Demnach könne man in den Kapseln bis zu acht Monate sorglos auf die Rettung warten. Ein ausgeklügeltes Kühlsystem ermögliche noch unter Außentemperaturen von einigen tausend Grad eine konstante Raumtemperatur von dreiundzwanzig Grad Celsius. Selbst einer Schwerkraft, die herkömmliche Raumflugkörper zerquetsche oder zumindest deren Start vereitle, hielten diese Kapseln stand. In diesem Falle werde die äußerst stabile Konstruktion von zusätzlich ausgefahrenen Verstrebungen verstärkt. Es gebe keinen Komfort, aber Essen sei ausreichend vorhanden, Trinkwasser und Atemluft auch – für acht Monate.

Markus hatte aus diesem Grund neugierig einen Mann ausgefragt, der einmal mehrere Wochen lang in einer dieser Kapseln ausharren musste, doch außer einem lakonischen »Nie wieder in so eine Scheißkugel!« hatte er nichts erfahren.

Nun wollte er selbst herausfinden, woran er mit dieser Kapsel war. Kommandant Förster brauchte gewiss ein bis zwei Tage, um ihn zu lokalisieren. Die Rettungsfähre konnte frühestens diesen Abend eintreffen. Zeit genug, um hinter die Funktionsweise der Kapsel zu kommen.

Doch zunächst musste er etwas essen. Sein Magen knurrte erbärmlich. Kein Wunder, immerhin lag die letzte Mahlzeit anderthalb Tage zurück.

Doch so sehr er auch suchte, nirgends fand er ein Lebensmitteldepot.

Noch einmal blickte er in die Runde, wobei er grimmig knurrte: »Hier muss es doch was zu beißen geben; ich habe Hunger ... Hunger und schrecklichen Durst!«

»Was wünscht der Herr zu speisen? Auf Grund der leicht erhöhten Schwerkraft würde ich Ihnen eine nahrhafte, leicht verdauliche Bouillon empfehlen.«

Hörte er schon Geisterstimmen? Noch keine achtundvierzig Stunden allein, und bereits Halluzinationen. Mit ihm stand es schlimm! – Förster! Das konnte nur der Kommandant sein. Er hatte Kontakt. In der Kapsel war ein Funkgerät, und er machte sich einen Jux mit ihm. Na warte! Reinlegen konnte der ihn nicht!

Und förmlich, wie es das Reglement verlangt, meldete er: »Haubold, Erkunder, befinde mich in der Überlebenskap...«

Da wurde er von der geheimnisvollen Stimme unterbrochen. »Mensch Markus Haubold, wir haben keine Verbindung zum Raumkreuzer. Hier spricht BRT-1-30, das aktivierte Überlebenssystem.«

Ernüchtert sank er aufs Lager zurück.

Ein Bordhirn!

Ein kleines, dummes Hirnchen gar war das bloß. Bei dieser winzigen Kapsel, die es zu steuern hatte, war man sicherlich mit der kleinsten Baureihe ausgekommen Kapazität: ein Hunderttausendstel der von BRT-1, dem Bordhirn der BETEIGEUZE. Aber wenigstens konnte er sich jetzt mit jemandem unterhalten.

Ein würziger Duft zog durch den Raum und kitzelte seine Nase.

Er schaute sich um. An der Innenwandung, links neben ihm, war eine Klappe aufgegangen, die Manipulatoren setzten sich in Bewegung, nahmen behutsam die erschienene Schüssel auf und schwenkten sie bis vor seinen Mund.

»Danke, Hirnchen.«

»Wie meinen?«

»Danke, BRT-1-30! Nun zufrieden mit der Anrede?«

»Menschen, mit denen ich bisher zu tun hatte, sprachen meine Bezeichnung stets als Wort aus und ließen dabei ›Strich Eins Strich Dreißig‹ weg.«

Lange brauchte er, bis er diese Erklärung verstand, dann sagte er: »Danke, Bert!«

Genüsslich schlürfend, verschlang er die Bouillon, wobei er sich Lippen, Zunge und Rachen verbrannte. Aber was tat das schon? Endlich hatte er etwas Warmes im Magen, fühlte er sich gesättigt.

Die Brühe erzeugte ein warmes, wohliges Gefühl im Bauch. Diesmal schlief Markus ohne Schlafgas ein.

 

Dritter Tag.

Markus ärgerte sich. Noch immer kannte er den genauen Aufbau der Kapsel nicht.

Nun gut, als sie vor etwa vier Stunden plötzlich im Dunklen stand, weil der nächstgelegene Vulkan erloschen war und die Strahlen der fernen Pleione die nach wie vor düstere Atmosphäre kaum zu durchdringen vermochten, war ihm ein surrendes Geräusch aufgefallen. Als er jedoch die Luke öffnen wollte, um nach dem Grund zu forschen, hatten ihn die Manipulatoren ergriffen, aufs Lager gezerrt und dort festgehalten.

Was soll das, Bert?, dachte er. Warum behandelst du mich wie einen Gefangenen? Ich kann mir doch auch so zusammenreimen, was dieses Surren bedeutet. Die Kapsel verlagert mittels einer Masseverschiebung ihren Schwerpunkt und beschreibt dadurch jeweils eine halbe Umdrehung. So kann sie in den Bereich einer anderen Energiequelle rollen. Vermutlich erhält sie ihre Energie mittels Solarzellen.

Bis auf diese Einschränkung der Handlungsfreiheit war Markus mit Bert zufrieden. Der verschwieg zwar weiterhin, wozu die Geräte an seiner Liege im Einzelnen gedacht waren, kannte dafür aber allerlei kurzweilige Erzählungen, so dass für genügend Unterhaltung gesorgt war.

Am Abend begann Markus wieder zu grübeln. Allein der Stuhlgang müsste eine abstoßende Wirkung in diesem kleinen Raum haben. Doch nichts dergleichen. Ein elastisches Rohr saugt die Exkremente ab, kein Geruch danach, stets frische Luft. Woher kommt sie? Wer erzeugt sie?

Auch darüber gab Bert keine Auskunft, und Markus bangte, ob er jemals hinter die kleinen und großen Geheimnisse der Kapsel kommen würde. Viel Zeit blieb ihm nicht mehr – die Rettungsfähre musste jeden Augenblick ankommen – eigentlich längst da sein!

 

Vierter Tag.

Markus hatte sich der engen und viel zu warmen Kombination entledigt. Völlig nackt und entspannt lag er da und hörte Bert zu, der wieder einmal spannende und lustige Episoden aus der Ära der Überlichtflüge zum Besten gab.

Vieles hatte er schon einmal gehört, aber wieder vergessen, einiges sogar selbst miterlebt.

Berts eintönige Stimme tat ihren Zweck. Obwohl er sich den gesamten Tag über kaum bewegt hatte, schlief Markus schnell und tief ein.

 

Fünfzehnter Tag.

Markus lag bewegungslos da und stierte zur runden Decke empor.

Er nahm seine Umgebung nicht wahr. Seine ruhigen Atemzüge durchsetzten als einziges Geräusch die in der Kapsel herrschende Stille.

Auch Bert schwieg. Seit Tagen schon. Seit Markus in Erinnerungen an die Erde schwelgte, meist an Sylvi, sein Mädchen, dachte und dabei nicht gestört sein wollte.

So auch jetzt ...

 

Die BETEIGEUZE hat die Grenze zum Sonnensystem überschritten Mit Unterlichtgeschwindigkeit, kontinuierlich bremsend, strebt sie der Außenstation GALAXISTOR entgegen.

Markus sitzt mit den anderen im anheimelnden Mannschaftsraum. Alle sind sie mit ihren Gedanken auf der Erde, beim halbjährigen Urlaub. Einzig Förster, dieser ewig rastlos, ewig aufgekratzte Kommandant Förster, kann die Stille nicht ertragen und erheitert sie mit seinen Späßen.

Nur Uwe Kern, der Bordastronom, der mehr mit seiner Wissenschaft verheiratet ist als mit seiner Frau, bleibt ernst.

Förster stößt ihn an. »Nun sagen Sie schon, was los ist!«

Kern sträubt sich, doch Förster lässt nicht locker. Schließlich gesteht er: »Vorhin kam eine Funkdepesche an ... von meinen Eltern. – Meine Frau steht kurz vor einer Entbindung!«

Die andern sehen sich an, sehen die Hörner, begreifen – sie sind seit zehneinhalb Monaten unterwegs.

 

Zwei Tage, zwei nicht enden wollende Tage voller ermüdender medizinischer Untersuchungen liegen hinter ihnen, als man ihnen endlich grünes Licht für den Flug zur Erde gibt. Und dann sagt man ihnen so nebenbei, dass das nächste Passagierraumschiff erst in drei Tagen startet.

Drei Tage können Jahrhunderten gleichen.

Niedergedrückt hocken sechsundvierzig Besatzungsmitglieder in einem Aufenthaltsraum der Außenstation GALAXISTOR. Sie starren Löcher in die Luft und schweigen. Jeder hängt trübseligen Gedanken nach, nur Kommandant Förster fehlt. Ohne ein Wort ist er vor einigen Minuten hinausgegangen,

Niemand reagiert auf seine Wiederkehr. Doch schon seine ersten, fröhlichen Worte heben die Stimmung.

»Hergehört! Habe eben einen alten Freund getroffen. In fünfzig Minuten fliegt er ab zur Erde. Sein Raumer ist eine alte Kiste, ein Stückgutfrachter. Obwohl auf Transportern die Personenbeförderung untersagt ist, will er mich mitnehmen. Ich habe lange geschwankt. Es ist eine heikle Angelegenheit. Passiert was, haben wir keinerlei Versicherungsschutz. Aber ehe ich hier noch drei Tage lang versaure, nehme ich lieber dieses Angebot an. Und nun zur Sache. Natürlich dürfen Sie alle mit. Allerdings wird es ziemlich eng und spartanisch werden, da wir im Frachtraum hausen müssen. Wer lieber hier blieben will – ich kann es verstehen.«

Niemand schließt sich aus. Entschlossen die einen, zaudernd die anderen, nehmen alle ihr Handgepäck auf und treten zu Förster.

Lächeln blickt er sie an. »Ab gehts!«

Ohne Bedauern verlassen sie den Aufenthaltsraum. Voller Freude, drei Tage länger auf der Erde weilen zu können, kommen sie beim Versorgungsdock F an.

Als wehte ihnen der Wind von einer Müllhalde entgegen, bleiben sie stehen. Dieses klobige Gebilde soll ein Raumschiff sein?

Auch die BETEIGEUZE ist kein Ausbund an Schönheit. Im Vergleich zur TITANIA erscheint sie jedoch wie eine Miss World neben einer Dorfschönen. Die »Dorfschönheit« besitzt nur einen Vorteil: Sie kann auf Planeten landen! Die BETEIGEUZE hingegen wurde, wie alle anderen Überlichtkreuzer auf einer Weltraumwerft aus Fertigsegmenten montiert. Die Konstruktionspläne sind lediglich auf das Überwinden der Abgründe zwischen den Sternen zugeschnitten; sie kann nicht landen! Jeder Flug beginnt und endet bei GALAXISTOR.

Zwar könnten sie mit den Raumgleitern zur Erde fliegen. Nur gehören diese zum festen Inventar der BETEIGEUZE und dürfen nur zu Aufklärungsflügen verwendet werden. Im heimatlichen Sonnensystem sind die Besatzungen der Überlichtkreuzer somit von Passagierraumschiffen abhängig, und diese haben einen feststehenden Flugplan und dürfen sich nicht nach Sonderwünschen richten. Nehmen sie also die TITANIA nicht, hat Kommandant Förster die drei Tage, die sie früher als geplant ankamen, völlig vergebens herausgeschunden. Das will niemand. Auch Markus betritt die TITANIA.

Ihr Inneres bietet einen verwahrlosten Eindruck. Die Räume, in denen sie untergebracht werden, sind vollgestopft mit Containern und Kisten jeglicher Größen und mit allerhand Tand. Kaum, dass Platz für die provisorischen Schlafstellen ist. Aber letztendlich sind es ja auch Lagerräume.

Kahle Wände erzeugen ein mehrfaches Echo, veranlassen sie unwillkürlich zum Flüstern. Nur Försters dröhnendes Organ bricht sich, mehrfach nachhallend und geisterhaft erscheinend, im Frachtraum Angeregt unterhält er sich mit seinem alten Freund Malte Delinger, der ihm anbietet, zu ihm in die Kabine zu ziehen. Doch Förster lehnt ab. Vermutlich will er sich seiner Mannschaft gegenüber keine Vorteile herausnehmen, möchte ihre unbequeme Lage teilen. So können sich die beiden nur über Bordfunk sprechen. Aus ihrem Gespräch geht hervor, dass sie sich noch aus der Zeit ihrer Ausbildung kennen und sich dann aus den Augen verloren haben.

Sie fragen sich gegenseitig aus, wie es ihnen in den letzten Jahren ergangen ist, und als sie endlich alles Neue über sich wissen, lassen sie sich frotzelnd über ihre Raumschiffe und -flüge aus.

Markus lässt sich allzu gern von den freundschaftlich-derben Wortgefechten der beiden ablenken, Auch die anderen hören mit wachsender Begeisterung diesem Geplänkel zu.

 

Als sei er dem Ersticken nahe, atmet Markus die belebende, lang ersehnte Luft der Erde ein. Alle waren sie froh, als die TITANIA endlich landete. Die letzten Stunden waren ihnen wie Wochen erschienen; auf Passagierraumschiffen gibt es eben entschieden mehr Abwechslung.

Noch im Frachter hatten sie sich voneinander verabschiedet. Jeder wollte so schnell wie möglich heim und hatte sich schon lange den günstigsten Anschluss herausgesucht und auswendiggelernt. Nur Markus steht noch hier und wartet auf sein Flugzeug. Seine Freundin Arlette hält sich derzeit in Afrika auf.

Als er aus dem Flieger steigt, ist es Abend. Kurz nach Mitternacht wird er bei ihr sein.

Dass er zeitiger kommt, hat er ihr nicht mitgeteilt. Sie hätte ihn sicherlich abgeholt, aber er will sie überraschen, freut sich schon auf ihr verdutztes Gesicht, wenn er unerwartet vor ihr steht und sie in die Arme nimmt.

Im Zug sitzt kaum ein Mensch. Markus wählt ein leeres Abteil, möchte allein sein. Mit jeder Faser seines Körpers weilt er bereits bei Arlette, malt sich die erste Nacht aus.

Kurz vor der Abfahrt steigt noch eine junge Frau zu, nimmt ihm gegenüber Platz und vertieft sich in eine Zeitschrift.

Inkonsequent, wie Männer nun einmal sind, vergisst er einstweilen Arlette und betrachtet eingehend die schöne Unbekannte.

Hübsches Gesicht, gute Figur. Alles, was Recht ist – die könnte ihm auch gefallen. Etwa sein Alter, vielleicht zwei, drei Jahre drüber, knapp über Dreißig. Wadenlanger, enger Rock, jetzt über die Knie gerutscht.

Sie ändert die Haltung, setzt sich bequem zurecht, schlägt elegant die Beine übereinander.

Hoppla! Was ist das denn – im Rock ein raffinierter, fast bis zur Taille reichender seitlicher Schlitz. Seine Blicke bleiben an ihren wohlgeformten, langen gebräunten Schenkeln haften.

Nachdem er sich sattgesehen hat, schaut er ihr noch einmal ins reizende Gesicht. Sie hat sein begehrliches Mustern gespürt und sieht ihn ihrerseits an: lächelnd, auffordernd.

Ertappt wendet er sich ab und einer Fensterscheibe zu, auf der er heimlich ihr Spiegelbild betrachtet.

Enttäuscht hat sie sich wieder ihrer Zeitschrift zugewandt und steigt vier Stationen später aus, wobei sie ihm in etwa so viel Beachtung schenkt wie drei Gramm Dunkler Materie.

Bedauernd blickt er ihr nach, bis sie im Bahnhof ist.

Wenn Arlette nicht wäre und er nicht so schüchtern wäre, bei ihr hätte er leichtes Spiel haben können. Es gibt zahlreiche Frauen, die einer kurzen Romanze mit einem Raumfahrer nicht abgeneigt wären, und die GALAXIS-Plakette an seiner Brust kann man wahrlich nicht übersehen.

Drei Stationen später steigt auch er aus. Ab hier muss er laufen.

Es ist Mitternacht vorüber. Wenn er so weiterbummelt, sieht er Arlette nie. Er fällt in den Laufschritt.

Trotz der späten Stunde ist es noch schwül, und er wechselt bald ins Schritttempo zurück. Verschwitzt möchte er Arlette nicht gegenübertreten.

Sie hat ihm den neuen Standort ihres transportablen Einfamilienhauses genau beschrieben. Er findet es ohne großes Suchen. Die Eingangstür ist unverschlossen, und er tritt auf Zehenspitzen ein ...

 

Kaum in Mexiko angekommen, will er den nächsten Flug buchen, als er jäh stehen bleibt.

Was will er denn in Spanien? Führen ihn die Erinnerungen unbewusst an die Treffpunkte mit Arlette zurück? Schluss jetzt! Ein für allemal! Die Richtung geändert, es geht woandershin.

Während der vergangenen Tage hat er sich auf allen Kontinenten herumgetrieben, hat nur in Fahrzeugen und Hotels übernachtet. Nur kurz war er daheim. Was will er auch allein in der Wohnung? Er muss unter Menschen, will vergessen, schnell vergessen.

Jetzt bedauert er, die Adresse der aufreizenden jungen Frau aus dem Zug nicht zu kennen. Ach was – er hätte sich gleich zu ihr setzen sollen!

Vorvorgestern hatte er Arlette nicht allein angetroffen. Ein Mann lag bei ihr. Einer, der sich sicher nicht wie er nur alle zehn bis achtzehn Monate einmal für ein halbes Jahr blicken ließ.

Er hatte sofort kehrtgemacht. Unfähig, einen klaren Gedanken zu fassen, ließ er sich treiben. Doch nun will er etwas von seinem Urlaub haben, ihn genießen. Um dies zu erreichen, sucht man am besten ein Reisebüro auf.

Am zweiten Schalter von links steht als Letzte ein junges Mädchen in der Warteschlange.

Markus stockt von ihrem Anblick der Atem. Obwohl er für gewöhnlich üppig-mollige Formen bevorzugt und nichts von Frauen hält, die sich der schlanken Linie wegen Hungerkuren aussetzen, bezaubert ihn dieses knabenhaft magere Mädchen mit dem wallenden tiefschwarzen Haar ob seiner ungekünstelten Natürlichkeit. Wie von einem Magnet angezogen tritt er hinter sie.

Als sie an der Reihe ist und sich für einen fünfwöchigen Streifzug durch Brasilien entscheidet, rückt er noch auf. Dann werden ihre Personalien verlangt. Heimlich linst er ihr über die Schulter: Sylvilina Winkler, so heißt sie.

Sylvilina? Komischer Name!, denkt er. Ohne sich zu besinnen, wählt er die gleiche Tour.

Dank Sylvilina hat er keinen schlechten Griff getan. Laut Prospekt können sich sowohl die geplanten Großstadt- und Tierreservatebesuche als auch das mehrtägige ursprüngliche Leben im Amazonasgebiet als auch die bevorstehenden Wanderungen im Bergland von Brasilien sehen lassen.

Als Sylvilina das Reisebüro verlässt, schlendert er ihr hinterher, muss aber leider bald darauf abbiegen, um sich die nötige Ausrüstung zu besorgen.

 

Als einer der ersten tritt er acht Tage später neben den Reisebus. Das Gepäck ist verstaut. Markus sucht seinen Platz auf.

Nach und nach treffen die anderen einundvierzig Reiselustigen ein.

Sylvilina erscheint inmitten einer größeren Gruppe, trägt ein arg kurzes, rückenfreies, von und unter den Achseln weit ausgeschnittenes Kleidchen. Unter dem dünnen farbenfrohen Stoff zeichnen sich deutlich kleine Hügel mit dunklen Spitzen ab.

Sie nimmt zwei Reihen schräg vor ihm auf der anderen Seite des Mittelgangs Platz und beäugt einen sonnengebräunten, gutaussehenden dunkelblonden Typ, dem man noch um drei Ecken herum den Casanova ansieht. Dieser stutzt, schiebt unverfroren ein blasses Jüngelchen, dem der Platz neben Sylvilina gehört, beiseite und setzt sich selbst zu ihr.

Wenn sie auf diesen Blender hereinfällt, der bestimmt keine unberührt links liegen lässt, hat Markus hier nichts mehr zu bestellen.

Er staunt betroffen. Der geht aber ran! Kaum hat er sich mit »George Satin« vorgestellt, legt er auch schon den rechten Arm um Sylvilinas Schulter.

Unsympathischer kann ihm dieser Satin nicht mehr werden. Müsste eigentlich Satyr heißen, der Kerl!

Hat er es nicht geahnt! Noch keine fünf Minuten sind sie gefahren, da spielt Satins rechte Hand in Sylvilinas Locken, die linke ruht auf ihrem Knie.

Sylvilina schiebt beide Hände unwillig ab und rückt zur Seite. Das geht ihr wohl doch zu weit oder wenigstens zu schnell.

Schadenfroh und erleichtert sieht Markus auf Satin. Der jedoch gibt so schnell nicht auf. Bereits in der nächsten Kurve liegt ein Arm um Sylvilinas Taille und wieder eine Hand auf ihrem Knie.

Als sich die Hand vom Knie löst, langsam aufwärts gleitet, unter das Kleid zu kommen versucht und feuchte Lippen sich gierig Sylvilinas Mund nähern, ist Markus versucht, den aufdringlichen Kerl nähere Bekanntschaft mit seiner Faust schließen zu lassen. Auch dem älteren Ehepaar, das direkt hinter den beiden sitzt, sieht man ähnliche Gelüste an.

Doch auch sie brauchen dem Mädchen nicht zu helfen. Ein lautes, klatschendes Geräusch ertönt, und ein wütender George Satin mit fünf kräftigen Fingerabdrücken auf der linken Wange steht im Gang und in der allgemeinen Beachtung. Er sieht wohl ein, dass er hier nicht zum Zuge kommen wird, und hält nach einem freien Sitzplatz Ausschau. Doch der Bus bietet nur zweiundvierzig Reisenden Platz.

Obwohl Markus es Satin gönnen würde, während der gesamten Reise über stehen zu müssen, nutzt er die einmalige Gelegenheit, kratzt sein ganzes bisschen Mut zusammen und setzt sich, seinen Platz Satin überlassend, neben Sylvilina.

Nachdem er sich ihr mit versagender, kläglicher Stimme vorgestellt hat, murmelt sie »Winkler« und wendet sich desinteressiert der vorüberziehenden Landschaft zu.

Auch Markus schaut hinaus. In ihm klingt ihre dunkle, angenehm raue Stimme nach, die so gar nicht zu ihrem kindlich erscheinenden zarten Körper zu passen scheint. Er möchte liebend gerne mit ihr ins Gespräch kommen, traut sich aber nicht, sie anzusprechen. Sie wirkt so unnahbar. Mit Arlette verlief alles unkomplizierter. Sie hatte ihn angesprochen und war schon am ersten Abend zu ihm ins Bett gestiegen. Und genauso schnell hat sie es wohl auch beim anderen getan.

 

Die erste Nacht verbringt die Reisegruppe im sanft dahinschaukelnden Bus. Tagsüber hat der Fahrer geschlafen und den Pistenleitstrahl benutzt, jetzt steuert er per Hand über dem Hauptverkehrsnetz nicht angeschlossene Nebenstraßen.

Das Schlafen in einem fahrenden Bus ist nicht jedermanns Sache. Obwohl Markus vor Müdigkeit die Augen brennen, ist er hellwach und genießt Sylvilinas Nähe. Ein beneidenswertes Mädchen. Trotz des permanenten Schaukelns und der lästigen Fahrgeräusche ist sie eingeschlafen. Ihr Kopf ruht an seiner Schulter, ihr Haare kitzeln seinen Hals. Er ist versucht, den Arm um sie zu legen, aber der Gedanke an Satins gefleckte Wange hält ihn davon ab.

Ab und an, wenn ein allzu heftiger Stoß das Fahrzeug erschüttert, schreckt sie auf und setzt sich aufrecht hin. Doch bald schon neigt sich ihr Köpfchen wieder; erst nach rechts, ans Fenster. Die Erschütterungen des Glases scheinen ihr nicht zu behagen, und sie lehnt sich wieder bei ihm an.

Endlich fällt auch er in einen unruhigen Halbschlaf.

Als er am folgenden Morgen von im Fensterglas spielenden Sonnenreflexen geweckt wird, liegt Sylvilinas Kopf auf seinem Schoß. Im Schlaf hat sie sich auf die Seite gelegt und die Beine angezogen. Nun streicht er ihr doch liebkosend durchs Haar. Nicht erwachend, kuschelt sie sich an ihn.

»Raumfahrer müsste man sein, Sybille! Die Mädchen würden nur so auf mich fliegen. Guck dir den an! Bestimmt erst kürzlich gelandet, hat er schon eine Schnecke gefunden. Beim nächsten Urlaub ist sie vergessen, eine andre kommt dran. Ein herrliches Leben!«

»Nicht neidisch werden, Nils. Du hast mich, das reicht!«

Empört dreht Markus sich dem älteren Ehepaar zu, das sich über ihn auslässt, als säße er nicht dabei. Diese Betrachtungsweise über Raumfahrer ist ihm nicht fremd, und wohl kaum ein Raumfahrer hat jemals dagegen protestiert, auch er nicht – jeder Mann fühlt sich geschmeichelt, wenn er, mag er es nun sein oder nicht – für einen Frauenhelden gehalten wird. Trotzdem fließt ihm seine Enttäuschung über Arlette und seinen verpfuschten – er blickt zärtlich auf Sylvilina – beinahe verpfuschten Erdurlaub über die Lippen.

»Was wissen Sie schon von uns, die Sie brav Ihre vier Stunden pro Tag abarbeiten, alle Wochenenden über frei haben und einen Haufen Jahresurlaub noch dazu. Und wir gondeln Ihrer Meinung nach nur ein paar Monate durchs All, faulenzen, sehen uns, wenn es allzu langweilig wird, ein paar Planeten an und faulenzen weiter, ja? Und wenn wir dieses Amüsement hinter uns haben, kommen wir für ein halbes Jahr auf die Erde und tun wieder nichts Gescheites, amüsieren uns weiter und verführen fremder Leute Frauen und Töchter. Aber dass wir gerade bei der Planetenerkundungsphase einen Arbeitstag von zwölf bis vierzehn Stunden haben, das auch Sonntags, dass wir gefahrvoll leben und dass ständig einige von uns draufgehen, das sehen Sie nicht!

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