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Gaias Vermächtnis

Hans-Rudolf Zulliger

Gaias
Vermächtnis

Plädoyer für
eine integrale Weltsicht

Inhalt

Wohin führt die Reise?

Verwirrung um den Begriff Nachhaltigkeit

Eine persönliche Reise zur Weltsicht 3.0

 

Bildteil

 

Leben erhalten

Suche nach Gerechtigkeit

Ökonomie und Nachhaltigkeit

 

Bildteil

 

Vom Wert der Entschleunigung

 

Bildteil

 

Symbiose – das kluge Management

Der Weg nach innen

 

Epilog

 

ANHANG

Anhang 1–7

Anmerkungen

Bildnachweis

Dank

Biografie

Wohin führt
die Reise?

 

»Jede Reise beginnt
mit dem ersten Schritt.«
Laotse, Tao-Te-King


An einem sonnigen Montagnachmittag im August 2014 saß ich im österreichischen Intercity-Zug »Railjet« nach Salzburg. Immer wieder erhaschte ich einen Blick auf ein Haus mit einer Sonnenenergieanlage auf dem Dach. Ich freute mich, dass so viele Leute auf erneuerbare Energien umgestellt hatten, und nippte zufrieden an einem Glas Tee. Auf dem Tischchen vor mir lag der Bildband zur Ausstellung »Schritte durch die Zeit ... vom Sternenstaub zu uns« [→ Anhang 1], zu deren Eröffnung ich im Botanischen Garten der Paris-Lodron-Universität Salzburg eine Einführung geben sollte.

Zu dieser Ausstellung kam unsere Stiftung Drittes Millennium1 durch einen glücklichen Zufall. 1998 besuchte ich alte Freunde in Kalifornien, die mich dem Physiker Sidney Liebes, dem Initiator der Ausstellung, vorstellten. Er überzeugte mich, dass viele, auch gebildete Bekannte von ihm keine Ahnung von der Evolutionsgeschichte hätten. Im Gegenteil, einige lehnten diese wissenschaftliche Sichtweise ab und bevorzugten die wörtlich biblisch geprägte Lehre, in der Gott die Welt in sechs Tagen geschaffen hatte. Sidney Liebes’ Ausstellung war auf wissenschaftlichen Erkenntnissen aufgebaut, ohne Andersdenkende zu belehren oder verurteilen zu wollen. Die von ihm zusammengetragenen Fakten sind selbst erklärend und die dargestellte Schönheit der Natur löst Staunen und eine tiefe Wertschätzung aus.

Sidney Liebes war (und ist es heute noch) sehr besorgt, dass wir Menschen die Umwelt durch unsere Ignoranz systematisch zerstören. Er hatte keine Zweifel, dass Menschen, die die Natur und das Leben respektieren, sorgfältiger mit der Erde umgehen. Dieses Ziel stimmte ziemlich genau mit der Mission unserer Stiftung Drittes Millennium überein, nämlich Nachhaltigkeit in allen Bereichen unserer Gesellschaft zu fördern. Auch meine Frau unterstützte eine Zusammenarbeit mit der Foundation for Global Community2, die die Besitzerin der Ausstellungsrechte war. Und so beschlossen wir, den englischen Text auf Deutsch zu übersetzen und die Ausstellung im deutschsprachigen Raum Europas zu zeigen.

In Salzburg angekommen, holte mich die technische Leiterin des Botanischen Gartens Salzburg am Bahnhof ab und empfing mich mit einem Strauß aus einheimischen Blumen des Gartens. Diese Gärten sind von uns bevorzugte Standorte für die Ausstellung, da diese sich oft der einheimischen Flora widmen und somit einen wichtigen Beitrag für die Artenvielfalt der Pflanzenwelt leisten. Denn: Biodiversität ist auch ein Kernanliegen unserer Stiftung.

Um Punkt 17 Uhr begann die Veranstaltung mit verschiedenen Ansprachen. Aus den Referaten entnahm ich, dass dieser Anlass weit mehr war als die Eröffnung der Ausstellung. Es ging vor allem darum, das neue Konzept der Universität des Bereiches Biologie und verwandter Disziplinen öffentlich vorzustellen. Die Grundidee war, dass ein neues, interdisziplinäres Departement dringende Themen unserer heutigen Gesellschaft effizient und vertieft erforschen kann, wie zum Beispiel die Auswirkungen der Klimaveränderung auf die Fauna und Flora. Unsere Ausstellung bot dazu eine wissenschaftliche Basis, um der Öffentlichkeit das neue Konzept des Fachbereichs Ökologie & Evolution der Universität Salzburg vorzustellen.

Für die Ausstellung im Botanischen Garten in Salzburg wurden die Tafeln auf einem Pfad von einem Kilometer proportional zur Länge einer Epoche der Evolutionsgeschichte im Freien aufgestellt; ein Schritt umfasst einen Zeitsprung von etwa 3,5 Millionen Jahren. Die ersten drei Tafeln der Ausstellung bereiten den Besucher mit einer Übersicht auf die kommende Entstehungsgeschichte vor. Mit den folgenden Worten begann ich meine Einführung in die Reise durch die Evolution: »Meine Damen und Herren, ich gratuliere Ihnen, dass Sie da sind. Dies aber nicht nur, weil Sie die Eröffnung unserer Ausstellung ›Schritte durch die Zeit ... vom Sternenstaub zu uns‹ heute besuchen, sondern dass es Sie als Menschen gibt. Sie sind der lebendige Beweis einer phänomenalen Erfolgsgeschichte von Leben auf der Erde, die vor mehr als 3,5 Milliarden Jahren begann. Unsere Existenz ist dem Überlebenskampf unserer Vorfahren unter vielfach unwirtlichen Umständen zu verdanken. Dabei denke ich nicht nur an unsere menschlichen Vorfahren, sondern auch an die Wirbeltiere, von denen wir abstammen. Insbesondere haben auch frühere, einfache Lebewesen durch ihre Innovationskraft komplexe Lebensformen überhaupt ermöglicht.« [→ Tafel 1 der Ausstellung; → Abb. der Ausstellung]

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→ zum Text | → zum "Bildnachweis"

Wir wissen so viel … und doch wissen wir so wenig: »Unsere wissenschaftlichen Erkenntnisse beruhen auf möglichst genauen Beobachtungen. Heute glaubt man, die Erde könnte genau genommen 4,543 Milliarden Jahre alt sein, doch diese Nuancen stehen hier nicht zur Diskussion, denn uns ist bewusst, dass alle Beobachtungen immer mit Fehlern behaftet sind und uns nie die absolute Wirklichkeit erfahren lassen. So war zum Beispiel 1997 das Alter des Universums in der ersten Ausstellungsversion mit 15 Milliarden Jahren angegeben. Bei unserer letzten Revision 2009 waren die Forscher sicher, dass es 13,7 Milliarden Jahre sind. 2015 gab es dann eine Korrektur aufgrund der entdeckten dunklen Materie im All, und die Zahl wurde auf 13,86 ± 0,037 Milliarden Jahre angepasst. Für den Text in dieser Ausstellung haben wir uns vorsichtshalber auf ›knapp 14 Milliarden Jahre‹ geeinigt und lassen uns nicht durch allzu genaue Zahlen verführen. Mit der kürzlich publizierten Erkenntnis, dass die Neutrinos nun doch eine kleine Masse haben, sind wiederum leicht korrigierte Zahlen zu erwarten. Die genaue Zahl mag für Wissenschaftler relevant sein, doch für unsere Betrachtungen genügt es zu wissen, dass seit dem Urknall unvorstellbar viel Zeit verstrichen ist. Um sich diese großen Zeiträume besser vorstellen zu können, sind die Tafeln der Ausstellung proportional zur abgelaufenen Zeit aufgestellt. Das physische Abschreiten durch alle Entwicklungsepochen lässt den Besucher ein Gefühl für diese großen Zeiträume erfahren.« [→ Tafel 2 der Ausstellung]

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→ zum Text | → zum "Bildnachweis"

Als Wesen mit einem geschulten Vorstellungsvermögen und unserem inhärenten Wissensdurst können wir den ganzen Planeten und das umschließende Weltall erfassen, wenn auch nur rudimentär. Durch bahnbrechende Fortschritte der Wissenschaften und neue Technologien in der Messtechnik (angetrieben von Erkenntnissen in der Forschung), erlauben uns diese Werkzeuge eine neue Sicht der Erde. Teleskope mit hoher Auflösung und Empfindlichkeit über einen großen Wellenlängenbereich, von Gammastrahlen, Röntgenstrahlen, Radiowellen, Licht und Infrarotquellen lassen uns tief in das Weltall eindringen. Satellitengestützte Computertechnologien verschaffen uns neues Wissen über die dynamische Wechselwirkung des Lebens. Mikroskope machen die kleinsten Strukturen von Molekülen sichtbar und lassen uns den Mikrokosmos der Lebewesen erforschen. Dabei stoßen wir auf wundersame Kunstwerke der Natur. Diese Mikroorganismen sind emsig damit beschäftigt, Leben auf der Erde zu erhalten. Ein Prozess, der nie abgeschlossen sein wird [→ Tafel 3 der Ausstellung].

Erst vor 600 Millionen Jahren (der Besucher legt bis dahin 840 Meter oder umgerechnet 3,8 Milliarden Jahre von den gesamten 1000 Metern zurück) entstanden kleinste Meerestiere, wie zum Beispiel die winzigen Rädertierchen. Erst im Paläozoikum, 540 bis 245 Millionen Jahre vor unserer Zeit, wagten Algen und später Tiere den großen und gefährlichen Sprung vom Wasser aufs Festland; dies ungefähr eine Milliarde Jahre, nachdem einige Bakterien das Land kolonisiert hatten. Während Pflanzen und Pilze ihr Debüt auf dem Land gaben, veränderte sich die Erde: Kontinente rückten zusammen, brachen auseinander und fügten sich neu zusammen.

Einen Höhepunkt der Ausstellung stellen die Dinosaurier und ihr spektakuläres Verschwinden dar: Ein Massenaussterben setzte ihrem Dasein ein jähes Ende. Man nimmt an, dass vor 65 Millionen Jahren ein Asteroid mit einem Durchmesser von zehn Kilometern in die Halbinsel von Yukatan eingeschlagen hat. Schockwellen erschütterten in der Folge die ganze Erde. Schutt flog hoch in die Atmosphäre und regnete mit sengender Hitze hinab. Schließlich blockierten Staubschichten und Aerosol das Sonnenlicht, und die Temperatur sank dramatisch. Nachfolgende Vulkanausbrüche spien giftige Gase und Asche in die Atmosphäre. Alle Tiere über einem Gewicht von 25 Kilogramm verschwinden, darunter auch die Dinosaurier. Ungefähr 85% aller Meeresprotoktisten und Meerestiere gehen zugrunde. Es brauchte weitere 20 Millionen Jahre, bis die Vielfalt der Lebensformen wiederhergestellt ist.

Unser direkter Vorfahre, der Homo sapiens, erschien erst vor etwa 200 000 Jahren. Die etymologische Untersuchung des Wortes sapiens verweist auf einen verstehenden, verständigen bzw. weisen, gescheiten, klugen und vernünftigen Menschen. In der Ausstellung nimmt er auf den letzten fünf Zentimetern des Pfades einen sehr bescheidenen Platz ein.

So weit zur Ausstellung, die mich auch für das vorliegende Buch inspirierte.

Gedanken und Einsichten

Unter Evolution, konkret: biologischer Evolution, versteht man die kontinuierliche Entwicklung von vererbbaren Merkmalen einer Population von Lebewesen über einen längeren Zeitraum. Evolution von Leben ist eine Geschichte von Dauerhaftigkeit und gleichzeitig von Wandel. Leben ist überschwänglich, innovativ, aber auch zutiefst konservativ. Die Entwicklung ist dynamisch, nicht linear und voll von Versuch und Irrtum. Natürlich sind gewisse Organismen spezialisierter oder komplizierter als andere – alle teilen jedoch die gleich lange Entwicklungsgeschichte. Das Studium dieser Reise durch die Zeit ist voller Wunder und Fragen über Sinn und Zweck. Wie konnte sich dies alles entwickeln? Wie entwickelten sich Intelligenz und Schönheit dieses unglaublichen Geschehens? Wir staunen, wir sind innerlich bewegt, demütig und überwältigt. Manchmal sind wir auch erheitert von diesem wundersam komplexen Werk, das sich auch ohne unser Dazutun immer weiterentwickelt, gesteuert von unsichtbaren und scheinbar magischen Kräften.

Als Physiker habe ich gelernt, dass wir nicht wissen, was vor dem Urknall vor knapp 14 Milliarden Jahren war. Zeit und Raum haben erst mit diesem monströsen und unvorstellbaren »Vorfall« begonnen zu existieren. Die Wissenschaft hat keine Erklärung dafür, woher unser Weltall mit einer Ausdehnung von etwa 1024 km, in dem sich Milliarden von Galaxien befinden und in denen sich jeweils Milliarden von Sternen tummeln, kommt. Gibt das Ganze einen Sinn oder hat es überhaupt einen Zweck? Mich als Erdenbürger erfüllt dieses Nichtwissen mit Bescheidenheit, und ich verbeuge mich in Hochachtung vor der Kraft und Energie des »Wesens«, dem wir das zu verdanken haben. Ich gebe mich geschlagen vor der Intelligenz der Naturgesetze, die unser Leben hervorgebracht haben, und gestehe: »Ich weiß nicht, wie das alles entstehen konnte! Und ich werde es auch nie wissen.« Doch bin ich ein Lebewesen, das die Wahrheit nicht nur in naturwissenschaftlichen Gesetzen sucht. Es gibt sehr wohl Erfahrungen und eine innere Gewissheit, dass alles mit allem verbunden ist. Diese Überzeugung beruhigt mich, da ich sie nicht mehr beweisen muss. Sie gibt mir die Gelassenheit und Ruhe, mich vom Universum getragen zu fühlen; ich bin überzeugt, dass die Schöpfung im Allgemeinen dem Leben gegenüber wohlgesonnen ist.

Ich fühle mich privilegiert, zu der Spezies zu gehören, die einen Geist zum Nachdenken hat und die Schönheit der Schöpfung als Ganzes erleben kann. Das Schicksal lässt mich in einem außerordentlich friedlichen und wohlhabenden Land wohnen. Mit großzügiger Unterstützung von vielen mir wohlgesonnenen Helfern hatte ich die Chance auf eine gute Ausbildung. Dazu habe ich das große Glück, eine außergewöhnliche Frau geheiratet zu haben und zwei liebevolle Kinder mit aktuell vier reizenden Enkelkindern im näheren Umkreis zu wissen.

Habe ich das alles verdient? Natürlich nicht, es ist eine Gabe der Schöpfung. Daraus entstand in mir eine tiefe Dankbarkeit und eine Berufung, mich für eine nachhaltige Entwicklung, auch für zukünftige Generationen, einzusetzen. Mit Urvertrauen versuche ich, Nachhaltigkeit tatkräftig zu leben und zu unterstützen.

Die folgenden Schilderungen unserer Reise hin zu einem nachhaltigen Lebensstil ist eine Einladung, sich ebenfalls auf die persönliche Suche und Route zu einem nachhaltigen Leben im Einklang mit der Natur zu begeben.

Verwirrung um
den Begriff
Nachhaltigkeit

 

»Wir sind hier, um Zeugen
der Kreation zu sein
und sie zu unterstützen.«
Annie Dillard


Als ich um 1962 das erste Mal alleine unter den gigantischen Redwood-Bäumen Nordamerikas kampierte, war ich mir sicher, dass meine Vorfahren Waldmenschen gewesen sein mussten. Im Wald, umgeben von stattlichen Bäumen, fühlte ich mich schon in meiner Jugend während der vielen Jahre bei den Pfadfindern und den zahlreichen Teilnahmen an Orientierungsläufen besonders wohl. Vor gut zehn Jahren führte mich eine Reise im Sommer 2008 in den Nordosten der ehemaligen DDR, nach Eberswalde. Nach dem Abendessen, so gegen 21 Uhr, war es noch fast taghell, und ich hatte Lust, die Gegend zu erkunden. Gemütlich schlenderte ich in Richtung Waldgarten, eine Waldforschungsstätte, die von der Holzfachhochschule Eberswalde betreut wurde. Der Pfad war von hohen Bäumen umsäumt, und es reizte mich, den uralten Waldbestand zu erforschen. Mein Gastgeber hatte mich vorher darauf aufmerksam gemacht, dass ich mich, in einem der größten Wälder Europas, nur etwa 10 km von der polnischen Grenze entfernt befand.

Nach etwa einer Viertelstunde erreichte ich eine kleine Lichtung mit kreisförmig angeordneten Gehegen, in denen verschiedene Waldtiere wie Füchse, Dachse, aber auch Eulen und Pfauen zu sehen waren. Nach einem kurzen Halt, um die Tiere zu beobachten, setzte ich meine Wanderung fort, die immer tiefer in den Wald führte. In kleinen Senkungen neben dem Pfad lag Wasser, was auch die lästigen Mücken erklärte. Aufmerksam verfolgte ich Weggabelungen und prägte mir die Formen der Wassertümpel entlang des Weges ein. Als ich zu einer Kreuzung mit drei Wegweisern kam und es einzudunkeln begann, dachte ich an den Rückweg, denn die Ortsnamen auf den Wegweisern waren mir gänzlich unbekannt. Vergebens suchte ich Eberswalde, den Ort, von dem aus ich meine Waldwanderung begonnen hatte. In England, so fiel mir ein, sind an Kreuzungen oft nur drei der vier Richtungen markiert, man sollte ja eigentlich wissen, wo man herkam. Eberswalde musste folglich in der Richtung liegen, aus der ich gekommen war, also kehrte ich um.

Anfangs schien mir der Weg vertraut, doch nach etlichen Abzweigungen wurde ich immer unsicherer. Die »vertrauten« Wege und Wasserlachen sahen alle ähnlich und doch anders aus. Vielleicht hatte ich eine Abzweigung verpasst, ich ging also nochmals ein Stück zurück, doch vergeblich: Ich hatte mich heillos verirrt. Ein unangenehmes Gefühl verriet mir, dass ich Angst hatte, denn ich steckte in ernsten Schwierigkeiten. Kein Mensch wusste, dass ich in diesem Wald war. Man würde mich erst spät am nächsten Tag vermissen. Mein altes Handy lag zu Hause, ich hätte allerdings ohnehin keinen Empfang gehabt. Was sollte ich tun? Ich beschloss, meinen Standort und meine Laufrichtung in periodischen Abständen mit Astholzpfeilen zu markieren.

Inzwischen war es fast dunkel, und ich irrte immer noch ohne irgendwelche Anzeichen von Zivilisation oder Wegweisern durch den düsteren Wald. Plötzlich ein Schrei, kurz darauf ertönte ein zweiter; ein Pfau! Ermutigt eilte ich in die Richtung des Rufs und war bald bei den Käfigen des kleinen Zoos angelangt. Ich bedankte mich beim Pfau für seine Hilfe, der unbeeindruckt im Käfig umherstolzierte. Schließlich fand ich den Weg zurück, allerdings nicht ohne einige weitere Umwege. Wie konnte ich nur so unbedacht und fahrlässig handeln? War es Überheblichkeit und Arroganz, da ich annahm, dass mir im Wald nichts passieren könnte? Oder war es Gedankenlosigkeit? Sicher war nur, dass ein Pfau mich gerettet hatte.

Rückblickend erkenne ich Gemeinsamkeiten im Umgang mit Nachhaltigkeit. Viele von uns nehmen an, dass unser Verhalten kaum zu schlimmen Folgen führen könnte oder wir achten schlicht nicht auf die potenziellen Gefahren. Dies passt mit der vermuteten Überheblichkeit gut zusammen. Es ist nicht schwer, sich in unserer komplexen Welt zu »verirren«, denn der Weg zur Nachhaltigkeit erfordert breites Wissen, Aufmerksamkeit und die Bereitschaft, das Richtige zu tun. Häufig sind wir damit jedoch überfordert. Zudem ist es notwendig, dass uns die Natur, wie mich der Pfau, hin und wieder an ihre lebenserhaltende Fähigkeit mahnt.

Wie erfahren wir Nachhaltigkeit?

Nachhaltigkeit wird heute in unzähligen Büchern, Artikeln, im Internet, in sozialen Medien, Programmen, Firmenstrategien, Lehrgängen, Filmen und Stiftungen beschrieben und diskutiert. Alle Worte, auch »Nachhaltigkeit«, sind Symbole die irgendetwas darstellen oder beschreiben. Ein Wort ist jedoch erst dann für die Kommunikation nützlich, wenn es möglichst ähnliche Bilder in den Köpfen der Partner hervorruft.

Wo für den Begriff »Nachhaltigkeit« ein tieferes Verständnis fehlt, ist er je nach Weltsicht positiv oder negativ besetzt, zudem ist er abstrakt und vielschichtig. In vielen Teilen der globalen Bevölkerung ist er unbekannt und Assoziationen mit positiv besetzten Ausdrücken fehlen. Häufig wird darunter Verzicht verstanden, oder man verbindet den Ausdruck mit einer utopischen Forderung. Im Gegensatz dazu steht zum Beispiel »Innovation« meistens für wünschenswerte Eigenschaften. In den letzten Dekaden ist im Verständnis von Nachhaltigkeit allerdings ein Wandel eingetreten, und man hat den Begriff zunehmend auch positiv gedeutet. Dies lässt sich zum Beispiel den Geschäftsberichten vieler Firmen entnehmen, die zusätzlich »Nachhaltigkeitsberichte« publizieren. Man tut etwas Gutes und redet darüber.

Eine Motivation für nachhaltiges Wirtschaften kann die Steigerung des Aktienkurses sein. Der Zusammenhang zwischen nachhaltigem Management und dem Aktienkurs war Ende der 1980er-Jahre noch nicht genügend gut erforscht, um eine eindeutige Kausalität nachzuweisen. Es konnte durchaus sein, dass Manager, die eine Firma nachhaltig führten, im Durchschnitt einfach bessere Manager waren als die anderen und dass das gute Resultat nur wenig mit der Nachhaltigkeit des Wirtschaftens zu tun hatte. Aufgrund meiner Beobachtung mancher Firmen, die im Dow Jones Sustainability-Index (DJSI) seit 1999 aufgeführt worden sind, war ich jedoch der Ansicht, dass dies vielfach tatsächlich der Fall war, wenigstens über einen kürzeren Zeithorizont gesehen. Dieser Index wählt aus den 2500 Firmen des ganzen Dow Jones Weltindex diejenigen Firmen mit einer guten Nachhaltigkeitsleistung aus. Heute ist erwiesen, dass Aktien anerkannt nachhaltig geführter Unternehmen im Durchschnitt langfristig besser abschneiden. Eine weitere Motivation kann das Einsparen von Ressourcen sein. Dies kann ökonomisch und/oder ökologisch sinnvoll sein. Die Erfahrung zeigt, dass diese Einsparungen in den meisten Fällen ökonomisch begründet werden müssen und das ökologische Denken nur den Anstoß dazu gab.

Meines Erachtens gibt es »die« Nachhaltigkeit nicht. Es sind vielmehr Prozesse, Bestrebungen und Verhaltensweisen, die die Welt nachhaltiger gestalten. Es gibt auch keinen idealen Endzustand, denn die Entwicklungsgeschichte der Erde zeigt, dass sie sich immer wieder in sich verändernden, wandelnden Umständen befindet. Meine Versuche, Nachhaltigkeit in meinen vielen Vorträgen zu erklären, lösten wenig Begeisterung aus. Aus diesen Erfahrungen habe ich gelernt, den Begriff Nachhaltigkeit vor einem breiten Publikum möglichst zu vermeiden. Ich spreche von guter Gesundheit, intakter oder robuster Natur, Erhaltung der Artenvielfalt und des Ökosystems, Freude an der Natur oder auch von Lebensqualität. Dabei sind Familie und Freundschaften, gute Beziehungen zu anderen Menschen und eine faire Wirtschaft mit Chancengleichheit wichtige Voraussetzungen.

An einem heißen Junitag 2015 mähte ich zusammen mit einem Hilfsgärtner meine Blumenwiese. Der junge, kräftige Mann schwang fachmännisch meine alte, frisch geschärfte Sense, die fast lautlos durch das hohe Gras glitt. Ich hatte ihn angeheuert, weil ich die ohrenbetäubend lauten, stinkenden und mit Zweitaktmotoren angetriebenen, rotierenden Rasentrimmer als schädlich für die Umwelt betrachte. Sie wirbeln unnötig Staub auf, verpesten die Luft und töten Käfer und andere Kleintiere, und Zeit gewinnt man mit diesen Dreckschleudern auch nicht. Während der fleißige Mann mähte, legte ich das Gras mit allen Kräutern und Blumen an der Sonne zum Trocknen aus, damit die Samen sich lösen und auf den Boden fallen konnten – eine jahrtausendealte Methode, um Natur zu erhalten und sich entwickeln zu lassen. Jedes Frühjahr erfreue ich mich erneut an der Farbenpracht dieser Wiese; zahlreiche Schmetterlinge, Grillen, Vögel und viele Insekten finden dort ihre Nahrung und halten Schädlinge in Schach.

Inzwischen stieg die Temperatur auf etwa dreißig Grad. Wir unterbrachen die Arbeit und erholten uns bei einem kühlen, alkoholfreien Bier. Seit ich an diesem Buch arbeite, frage ich meine Gegenüber gelegentlich, was sie von Nachhaltigkeit halten. Dieser Moment schien mir dafür geeignet: »Was halten Sie von Nachhaltigkeit?« Der Gärtner sah mich fragend an und gestand: »Ich weiß nicht viel davon, finde aber, dass man alles etwas übertreibt.« Nach einer kurzen Pause fügte er hinzu: »Mit dem Klima müssen wir allerdings aufpassen.« Er hob sein Glas, nahm einen kräftigen Schluck vom schäumenden Bier und war sichtlich erfrischt und zufrieden. Dabei dachte ich: Es gibt keine wirksamere Methode, die zunehmende Klimaerwärmung zu vermitteln, als diese am eigenen Leibe zu spüren.

Ölkrise 1973/74

Meine Erinnerungen an Umweltsünden gehen in meine frühe Kindheit zurück, mein Vater warnte mich vor giftigen Autoabgasen. Kurz nach seiner Lektion spazierten wir Hand in Hand an einer Autokolonne vorbei. Ich fragte ihn: »Weshalb dürfen die Autos das giftige Abgas in die Luft lassen?« Er antwortete etwas ausweichend, dass sich das Gift in der Luft verteilen würde und somit unschädlich sei. Diese Antwort hat mich schon dazumal nicht befriedigt. Den Beweis, dass meine Zweifel berechtigt waren, habe ich viele Jahre später in Kalifornien am eigenen Leib erlebt.

1974 wohnten wir in Portola Valley, Kalifornien, etwa 50 km südlich von San Francisco. Für meine tägliche Autofahrt zu unserer kleinen Hightech-Firma Nuclear Semiconductor, Inc. in Mountain View, benötigte ich, je nach Verkehr, etwa 25 Minuten. Die Erinnerung an die Warnung meines Vaters vor giftigen Autoabgasen war mir immer noch präsent. Mein häufig irritierter Hals und das andauernde Hüsteln im Sommer klärte sich erst bei einem Arztbesuch auf, der meine Beschwerden mit der verpesteten Luft in Verbindung brachte. Von der erhöhten Lage unseres Wohnorts war es unübersehbar, dass die gelbbraune Smogwolke über der San Francisco Bay die Ursache dieser unangenehmen Beeinträchtigung war. Zusammen mit meinem Geschäftspartner, der im gleichen Dorf wie wir wohnte, hatten wir schon lange eine Fahrgemeinschaft gegründet, in der wir abwechslungsweise den anderen zur Arbeit mitnahmen. Meine Frau und ich besaßen einen VW-Käfer, den ich mit einem Katalysator aufgerüstet hatte, mein Kollege fuhr einen Porsche. Dieses Arrangement schien zu dieser Zeit die beste Lösung für unseren täglichen Transport zu sein.

Im Herbst 1973 brach jedoch eine Erdölkrise aus. Libyen verstaatlichte Erdölfirmen, die OPEC erhöhte den Basispreis von Erdöl um 70% und drosselte die Fördermenge um 5%. Kurz darauf beschlossen Abu Dhabi und andere Erdöllieferanten einen Boykott gegen die USA. Benzin wurde in ganz Amerika knapp, lange Schlangen bildeten sich vor den Tankstellen. Zwischen den Wartenden brachen regelrechte Schlachten aus. Es wurde allen klar: Benzin war die Lebensader des Landes. Die Regierung beschloss eine Rationierung: Die Besitzer der Autonummern mit geraden Zahlen konnten an den geraden Monatstagen tanken und diejenigen mit ungeraden Nummern an den ungeraden Tagen. Mein Fahrpartner und ich hatten Glück, denn meine Autonummer endete auf einer geraden Zahl und seine auf einer ungeraden. Überall entstanden »Car Pools«, und wir fanden in der Nachbarschaft noch einen dritten Mitfahrer, der einen kleinen Fiat als gemeinsames Fahrzeug mitlieferte. Wir »kauften« uns als Mitbesitzer dieses Autos ein und teilten alle Kosten solidarisch. Durch diese Aktion hatten wir den Benzinverbrauch und damit die Luftbelastung nochmals reduziert. Wenn viele andere unserem Beispiel gefolgt wären, hätte sich die Krise wesentlich schneller gelegt.

Unterwegs zur Arbeit diskutierten wir weitere Maßnahmen, um die Energiekrise zu entschärfen. Zufälligerweise entwickelte ein Bekannter im gleichen Gebäude unseres Arbeitsortes Sonnenkollektoren für Schwimmbäder, was uns auf die Idee brachte, das Brauchwasser und die Häuser im Winter mit Sonnenenergie zu erwärmen. Weitere Kollegen stießen dazu, und am 12. Juni 1975 gründeten wir eine der ersten Sonnenenergiefirmen, Alten Associates Inc., in Mountain View. Für die erste Installation stellte uns ein mutiger Freund sein Haus zur Verfügung. In seinem Garten vergruben wir einen 4000 Liter fassenden isolierten Wassertank, schraubten unsere neu entwickelten Kollektoren auf sein Flachdach und dichteten die Schraubenlöcher fachmännisch mit flüssigem Teer ab. Am nächsten Morgen schlug die Frau des Besitzers Alarm: Sie hatte alle 60 cm schwarzen Teer auf ihrem weißen langhaarigen Teppich gefunden! Doch unser Freund, der bei der NASA arbeitete, beruhigte alle und brachte einen Sack voll Trockeneis, das er sorgfältig auf die Teerstellen streute. Nach kurzer Zeit zerschlug er den hart gefrorenen Teer mit einem Hammer und bürstete die kleinen Bruchstücke weg. Die schnelle Reaktion meines Freundes imponierte mir, denn sie zeigte auf, dass Innovation immer auch an die Bereitschaft und an die Fähigkeit geknüpft ist, Fehler im Entwicklungsprozess korrigieren zu können.

Die Ölkrise ging vorbei, doch der Smog blieb, und trotz einer neuen sechsspurigen Autobahn, der Interstate 280, kämpften wir uns bald wieder durch Staus. Seit Langem wurde behauptet, dass es in der San Francisco Bay Area, im Gegensatz zum berüchtigten Los Angeles, keinen Smog geben werde, doch eine stetig wachsende Smogwolke bedeckt in den Sommermonaten die San Francisco Bay bis weit in den Süden. Inzwischen ist sie 100 km lang, und in der Region sind leider alle Frucht- und Gemüseplantagen verschwunden. Schöne Ortsnamen wie Valley of Heart’s Delight (Santa Clara Valley) und Sunnyvale sind nur noch Erinnerungen an riesige Plantagen mit Blenheim-Aprikosen, Bing-Kirschen, Burbank-Zwetschgen und anderen mehr. Stattdessen sind Zehntausende von Firmen und Millionen von Häusern und Apartments entstanden, das heutige Silicon Valley. Parallel dazu entwickelte sich in der Region ein stetig wachsendes Engagement, den Planeten vor seiner Zerstörung zu bewahren. Zu jener Zeit war der Begriff »Nachhaltigkeit« noch nicht verbreitet, doch hatten sich schon viele Organisationen, wie der Sierra Club, Friends of the Earth und unsere Gruppe Creative Initiative Foundation mit Umweltschutz befasst.

Ein Begriff und viele Definitionen

Das Wort Nachhaltigkeit besagt, dass etwas dauerhaft erhalten bleibt, sich erneuert oder entwickelt. Der Begriff an sich hat eigentlich nichts mit Ökologie zu tun, obwohl er ursprünglich in der Forstwirtschaft und in der Landwirtschaft häufig verwendet wurde. Nachhaltigkeit wurde von den Umweltschützern adoptiert und mit sozialen Anliegen ergänzt. Es ist kein geschützter Begriff und darf deshalb auch für andere Zwecke verwendet werden, was die Vielfalt der Interpretationen erklärt.

Dr. Alfred Strigl, Gründer und Präsident der Firma Plenum in Wien, erhielt 2014 von unserer Stiftung Unterstützung für seinen neuen Lehrgang »Pioniers of Change«, um junge Leute bei der Umsetzung von Nachhaltigkeit anzuleiten. 2016 hielt er anlässlich des Symposiums unserer Stiftung ein Referat zum Thema »Nachhaltige Transformation – wie tiefe Nachhaltigkeit in die Welt kommt«. Bei dieser Gelegenheit erzählte er mir, dass er über eine längere Zeitspanne 140 verschiedene Definitionen von Nachhaltigkeit gesammelt hatte, die er mit Studenten in seinen Kursen diskutiert. Unter »Nachhaltigkeit als Kulturbegriff« hat er eine interessante Zusammenstellung vorgelegt, auf die ich im Folgenden eingehen möchte [→ Abb. 1].

Die am meisten verbreitete Definition findet sich im Bericht, den die UN-Kommission für Umwelt und Entwicklung in Auftrag gegeben hat. Dieser Bericht entstand unter der Führung von Gro Harlem Brundtland, der ehemaligen Premierministerin von Norwegen, und wurde 1987 veröffentlicht. Inzwischen ist er unter dem Namen »Brundtland-Bericht« bekannt. Der Kurztext, auf den sich die Kommission einigen konnte, lautet: »Sustainable development is development that meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs (WCED 1987:43). – Nachhaltige Entwicklung ist Entwicklung, die die Bedürfnisse von heute erfüllt, ohne die Fähigkeit zu verlieren, dass zukünftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse befriedigen können.«

Um den Begriff Nachhaltigkeit beispielsweise im Umweltschutz zu verwenden, wäre es notwendig, von ökologischer Nachhaltigkeit zu sprechen. Genau das versuchten die Teilnehmer der Klimakonferenz in Rio de Janeiro von 1992 mit der sogenannten »Rio-Formel« zu erreichen. Darin wurden drei Themenbereiche hervorgehoben: Ökologie, soziale Gerechtigkeit und Ökonomie. Alle drei Punkte sollten gleichzeitig und untrennbar miteinander verknüpft angewandt werden.

 

 

Im Bericht von Rio wurden diese Begriffe mit vielen detaillierten Beispielen untermauert. Allerdings gefällt mir der Begriff »nachhaltige Entwicklung« nicht, denn er ist zu eng und zu vage gefasst. Mit »Entwicklung« werden in der Regel physische Konstrukte impliziert, wie die Entwicklung von neueren und sparsameren Waschmaschinen, Häusern und Autos, die weniger Energie verbrauchen, Stromerzeugung mit erneuerbaren Energien wie Wind, Sonne und Holz oder neue Methoden der Trinkwasserversorgung. Dabei bleibt unerwähnt, dass jede Form dieser menschengemachten »Entwicklung« ein Eingriff in die Natur ist, der Ressourcen verbraucht und Abfall erzeugt. Wir können die damit verursachten Schäden inzwischen dank neuen Technologien zwar mindern, aber im besten Falle können technische Entwicklungen Schädliches reduzieren oder in wenigen Fällen Schäden beheben. Das erste Gesetz von Nachhaltigkeit sollte demnach lauten, Schädliches zu unterlassen und im Zweifelsfalle gar nichts zu tun.

Der englische Begriff LOHAS, ebenfalls kaum verbreitet, gehört zu den jüngeren Definitionen der Nachhaltigkeit. LOHAS ist das Akronym für Lifestyles of Health and Sustainability. Es ist der Lebensstil von gesundheitsbewussten Menschen, die realisiert haben, dass Nachhaltigkeit die Grundlage von guter Gesundheit ist und das Wohlbefinden anhebt. Sicher ist diese Erkenntnis richtig, doch ist sie primär eigennützig und für eine Nachhaltigkeit für den ganzen Planeten nicht ausreichend.

Da die Gaia-Formel (basierend auf der gleichnamigen Hypothese) – Mitte der 1960er-Jahre von der Mikrobiologin Lynn Margulis und dem Chemiker, Biophysiker und Mediziner James Lovelock postuliert und erstmals veröffentlicht – für viele vielleicht nicht so geläufig ist, möchte ich sie näher erläutern.3 Namenspatin ist die griechische Erdgöttin Gaia, eine Muttergottheit, die alles Lebende hegt und pflegt. Ihr werden mystische Fähigkeiten zugeschrieben, da sie aus dem frühen Chaos auf der Erde Ordnung geschaffen hat. Die Gaia-Hypothese beruht auf der Annahme, dass durch Selbstorganisation und enges Zusammenwirken von Lebewesen mit der Atmosphäre, dem Wasser und der Erde Vorgänge entstehen, die weder rein geologischer noch chemischer, noch biochemischer Natur sind. Margulis und Lovelock nannten sie »geophysiologische« Prozesse, denn sie sind sowohl von den klimatischen und lebenserhaltenden Bedingungen als auch von den Lebewesen selbst abhängig. Von Letzteren wurde unsere Atmosphäre maßgeblich mitgestaltet. Der Planet Erde wird als eine Art Lebensform verstanden – als sei er ein Organismus. Was sich fast banal anhört, hat jedoch revolutionäre Konsequenzen: Alles ist mit allem verbunden, jeder Teil ist von jedem anderen abhängig. Die Erde besteht somit nicht nur aus Einzelteilen, sondern sie ist ein Ganzes. Wir sind eine Welt. Wenn wir diese Weisheit wirklich verstehen würden, gäbe es weder Umweltzerstörung noch Diskriminierung und auch keine Kriege. Die Tragödie ist jedoch, dass diese Aussage im Grunde altes Menschheitswissen ist, das wir über Jahrhunderte ignoriert haben. Es stammt aus der östlichen Weisheitslehre, dem Taoismus und dem Buddhismus (»Pratitya Samudpada«). Margulis und Lovelock sowie weitere Forscher legten erstmals wissenschaftliche Belege dieser mystischen Erkenntnis vor.

Spannende Reise
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