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Für die Ewigkeit dein Licht in der Dunkelheit

Laura Broschat

Für die Ewigkeit dein Licht in der Dunkelheit

Andy und Ryan


Ich widme dieses Buch meiner kleinen zuckersüßen Nichte Jojo.


BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Prolog

Einst lebten die Engel Aharon und Ceadda im ewigen Himmelreich bei ihrem heiligen Schöpfer. Die beiden waren Brüder, welche unterschiedlicher nicht sein konnten. Aharon wurde von seinem Schöpfer auf den Namen ›Der Erleuchtete‹ getauft, da der Engel stets danach strebte sich neues Wissen anzueignen und der weiseste aller Engel war. Außerdem verfügte er über eine wahrhaft ruhige und friedliche Natur. Sein jüngerer Bruder Ceadda hingegen taufte Gott auf den Namen ›Der Krieger‹, da Ceadda es liebte Kämpfe auszutragen und den Umgang mit jeder Waffe, egal ob sie von der Erde oder dem Himmel stammte, mühelos beherrschte. Er war ein ungestümer und rücksichtsloser Engel, doch trotz allem sah Gott das Gute in ihm, genau wie in seinem Bruder.

Die beiden Brüder waren enge Verbündete und ihre Seelen waren eins. Sie liebten einander und es schien unmöglich zu sein einen Keil zwischen sie zu treiben.

Doch eines Tages brach das Bündnis der beiden in zwei und brachte eine große Finsternis und Leere ins Reich der Engel. Aharon, welcher schon immer fasziniert vom Wesen der Menschen gewesen war, hatte sich in eine Frau menschlichen Blutes verliebt und sich mit ihr vereint. Die Frau erwartete ein Kind von dem weisen Engel. Einen gesunden Sohn. Doch die Verbindung zwischen einem Engel und einem Menschen wurde im Himmelreich nicht geduldet. Da Aharon keinen Ausweg aus seiner misslichen Lage sah, vertraute er sich seinem Bruder an, nichtsahnend wie dieser auf das Geständnis reagieren würde. In Ceadda, welcher noch nie die Liebe seines Bruders für die Menschen verstehen konnte, stieg eine unkontrollierbare Wut auf. Er verurteilte seinen Bruder für seine Dummheit. Ohne das Wissen von Aharon flog Ceadda hinab zur Erde und suchte die ahnungslose Menschenfrau auf. Als er diese fand, saß sie auf ihrem Bett und hielt ein schreiendes Kind in den Armen. Das Kind sah aus wie ein gewöhnlicher Mensch und in Ceaddas Herz wütete eine unkontrollierbare Wut. Vollkommen in seinem Rausch verfallen töte er die Frau und das Kind auf grauenvolle Weise.

Als Aharon einige Zeit später seine Liebste besuchen wollte, fand er ein Bild des Schreckens auf. In diesem Moment starb in ihm etwas und sein Herz brach in zwei. Die Liebe, die er einst für seinen Bruder empfunden hatte, verblasste und es blieb nur noch Hass und Trauer zurück. Aharon sah in seinem Bruder das Monster, welches er wirklich war und forderte ihn zu einem Kampf auf Leben und Tod heraus.

Doch Gott stoppte den Zwiespalt der beiden Brüder. Er richtete seinen Zorn auf alle beide. Auf Aharon, weil er sich mit einer menschlichen Frau eingelassen hatte, obwohl es verboten war, dass Engel sich Menschen offenbarten und mit ihnen Kinder zeugten. Und auf Ceadda, da er diese unschuldige Frau, das Kind und so viele weitere gnadenlos getötet hatte und keinerlei Reue oder Mitgefühl in seinem Herzen trug. Er verbannte beide aus seinem Reich und verwehrte ihnen jegliche Möglichkeit wieder zurückkehren zu können.

Sie waren Verstoßene.

Sie waren gefallene Engel.

Verdammt bis in alle Ewigkeit alleine und verlassen auf der Erde zu wandeln.

Der tiefschürfende Hass der Brüder legte sich nie wieder und noch heute sind sie gefallene Engel.

Gefangene.

Einsame.

Verlassene.

Und verlorene Engel.

Ihre Trauer und Einsamkeit versuchten die Brüder zu lindern, indem sie sich all die Jahre bekriegten und ihre Kinder als Soldaten ausbildeten.

-Die Lamias -

Die ursprünglichen Lamias entstanden einst durch die Verbindung zwischen Aharon und einer anderen menschlichen Frau, welche er nach einigen Jahrhunderten auf der Erde kennenlernte. Er nannte seine Kinder Sárgis. Sie waren halb Engel und halb Mensch und er liebte sie von ganzem Herzen. Nur sie vermochten es seinen Schmerz zu lindern und sein zerbrochenes Herz zu heilen. Ihre Aufgabe bestand darin die Menschen vor allem Bösen zu bewahren, da Aharon seinen Glauben an die Menschheit nicht verloren hatte und an ihm festhielt. Als Ceadda eines Tages von dem Tun seines Bruders erfuhr, zeugte er ebenfalls Kinder mit menschlichen Frauen. Er nannte sie Nodrés. Doch er verspürte nicht wie sein Bruder Liebe für seine geschaffenen Kinder. Sie waren in seinen Augen nur Werkzeuge und er missachtete sie. Ihre Aufgabe bestand darin die Sárgis aufzuhalten und diese zu töten, denn Ceadda verachtete die Menschen und wollte ihre Rasse vernichten, ebenso wie die erschaffenen Halbengel seines Bruders.

Rein optisch war der Unterschied zwischen den Sárgis und den Nodrés kaum zu erkennen. Die Sárgis verfügten alle über eine braune Sichel im Nacken, welche das Zeichen von ihrem heiligen Schöpfer Aharon darstellte, und braune Augen. Sonst sahen sie aus wie das Ebenbild der Menschen. Die Nodrés glichen ebenfalls dem Bild der Menschen, jedoch schimmerten ihre Augen eigenartig rötlich und sie verfügten über eine glühend rote Spirale im Nacken.

Von der Natur bestimmt waren alle Lamias männlich, damit sie die optimalen Krieger bildeten. Doch Gott konnte es nicht zulassen, dass seine gefallenen Engel unsterbliche Halbgötter erschufen, daher griff er ein. Er erschuf zwei magische Waffen. Eine der beiden konnte die Nodrés und die andere konnte die Sárgis für die Ewigkeit vernichten. Dann schickte er die unzerstörbaren Waffen zur Erde und aus ihnen schmiedeten die Lamias ihre unzähligen Kriegswaffen. Außerdem schränkte er die Lebensspanne der Lamias ein und erlaubte ihnen das ewige Leben nur, wenn sie ihre Seelengefährtin fanden.

Ihre zweite Hälfte.

Seit jeher besteht nun der verbitterte Kampf zwischen den verfeindeten Lamias und scheint niemals ein Ende nehmen zu wollen. Durch den Krieg sind nicht nur die Menschen oder die Lamias bedroht. Nein. Die gesamte Welt und das Reich der Engel ist der Bedrohung ausgesetzt. Alles steht auf dem Spiel… Und wenn der Krieg nicht bald ein Ende fand, dann war es zu spät…

Dann gab es keine Rettung mehr.

 

Hola Barcelona

 Teil 1 - Von Anfang an verzaubert

Ryans Sicht: 

››Mummy ich hab Angst.‹‹ Die kleine Clarissa – die von allen nur Clary genannt wurde – klammerte sich wimmernd an das Knie ihrer grinsenden Mutter, von der sie ihre roten Haare und die hellblauen Augen geerbt hatte. Clary sah wie das Ebenbild von Maggy aus. Ihr Bruder Tobias  hingegen – den alle nur Toby nannten – glich seinem Vater. Er hatte dessen honigblondes Haar und natürlich auch seine braune Augen, die das Erkennungszeichen eines jeden Lamias waren, geerbt. Und obwohl Clary und Toby optisch so verschieden waren, glichen sich die drei Jahre alten Zwillinge doch wie ein Ei dem anderen. Sie waren beide kleine Frechdächse und hingen wie Kletten aneinander. Sie waren Geschwister und gleichzeitig die besten Freunde. Es machte immer Spaß ihnen beim Spielen zuzusehen und mit ihnen wurde es gewiss auch niemals langweilig.

Maggy hob ihre Tochter auf ihren Schoß und strich ihr fürsorglich über das lockige Haar. Jake sagte immer sie habe Locken wie ein Engel, sei aber ein kleiner Teufel. Lächelnd musterte ich meine Schwägerin und ihre Tochter. Sie sahen einfach so süß zusammen aus. ››Du brauchst keine Angst haben Schatz‹‹, beruhigte Maggy Clary mit ruhiger Stimme. Jake hingegen tobte gerade mit Toby durch den halben Flughafen und unterhielt alle andere Leute damit. Währenddessen fiel mein Blick kurzzeitig zu meinem besten Freund und dessen Gefährtin. Die beiden saßen eng beieinander und kuschelten innig. Nur ich saß wie üblich auf meinem Platz und musterte meine Familie belustigt. Shane und Becky zählte ich natürlich schon längst dazu. Es machte mich glücklich, sie alle um mich zu haben und zu sehen was für ein wundervolles Leben sie führten. Und doch tat es mir manchmal weh ihnen bei ihrem Glück zuzusehen, genau wie in diesem Moment.

Rebecca und Shane wollten heiraten, daher flogen wir alle auch nach Spanien. Um genau zu sein direkt nach Barcelona. Die Hochzeit würde in drei Wochen dort stattfinden. Doch wir wollten alle vorher schon einen schönen Urlaub verbringen und uns mal richtig erholen. Außerdem hatten Becky und mein bester Freund auch genügend Dinge, die sie noch organisieren mussten, auf dem Plan. Ich war Shanes Trauzeuge und das freute mich wirklich riesig. Er war einfach mein bester Kumpel seit ich denken konnte und er und Becky passten wirklich perfekt zusammen. Sie waren ebenso wie Maggy und Jake ein Traumpaar.

Ich war zwar noch immer allein, doch damit kam ich schon klar. Ich verlor meine Lebensfreude dadurch gewiss nicht. Nur eben in manchen Momenten machte es mir doch leider ziemlich zu schaffen. Ich hatte zwar einige kürzere Beziehungen zu Frauen gehabt, doch nichts Festes. Solange die anderen glücklich waren, war ich es ebenso.

››Onkel Ryan!‹‹ Clary kam mir ausgebreiteten Armen und strahlenden Augen auf mich zugerannt und schmiss sich in meine Arme. Lachend schleuderte ich sie in der Luft herum.

››Willst du jetzt schon das fliegen üben Engelchen?‹‹, fragte ich sie grinsend und drückte ihr einen Kuss auf die Stirn.

››Ja!‹‹, stieß sie freudig aus und ich wirbelte sie wieder durch die Luft. Dabei wurden wir beide von einigen anderen Leuten, die ebenfalls auf die Ankunft des Fliegers warteten, schmunzelnd beobachtet.

Nach einer Weile war der Flieger endlich begehbar und wir stiegen ein. Dann startete auch schon unser Flug nach Barcelona und in mir stieg eine leichte Vorfreude auf. Ich hatte das Gefühl mir stand ein grandioser Urlaub bevor.

Der Flug nach Barcelona dauerte nur knapp zwei Stunden. Ich hatte mich die ganze Zeit während des Fluges um Clary gekümmert, denn sie hatte - wie sich herausgestellt hatte - ziemliche Angst vorm fliegen. Die ganze Zeit hatte ich tröstend meinen Arm um sie gelegt und ihr versichert, dass wir heil auf dem Boden wieder ankommen würden. Toby hingegen hatte den ganzen Flug über aus dem Fenster geschaut und sich tierisch gefreut. Anscheinend gab es doch etwas, was die beiden Zwillinge nicht gemeinsam hatten.

In Barcelona fuhren wir mit einem Shuttle zu unserer Hotelanlage, welche sich als wahrhaft riesig herausstellte. Es dauerte eine Weile bis wir alle unsere Zimmer gefunden hatten und ich schmiss mich, als ich endlich in meinem ankam, auch sofort ins Bett, da ich ziemlich fertig war nach der stressigen Anreise. Ich nahm mir vor erst am nächsten Tag die Anlage genau anzusehen und meine zahlreichen Klamotten auszupacken, da ich im Moment einfach nicht mehr in der Lage dazu war.

Noch komplett angezogen glitt ich über in einen Dämmerzustand und nach einigen Minuten schlief ich schon seelenruhig und träumte von einem weiten türkisfarbigem Meer.

Andys Sicht:

Es war Hochsommer und tierisch heiß in Barcelona. Ich schlenderte gerade mit einem Einkaufskörbchen über den großen Basar am Rande der Stadt, welcher wie immer total überfüllt war. Ich hatte von meiner Mutter eine Liste mit Dingen bekommen, die ich unbedingt einkaufen sollte. Fast alles hatte ich schon abgehakt. Nur noch Äpfel, Mangos und Pfirsiche fehlten mir, dann konnte ich mich endlich wieder auf den Heimweg machen.

Ich lebte schon zwei Jahre mit meiner Mutter hier in Barcelona. Zuvor hatten wir eine Weile in Deutschland gelebt, doch ursprünglich waren wir Engländer. Meine Mutter musste wegen ihrer Arbeit immer viel reisen. Sie war Ingenieurin und bekam auf der ganzen Welt ihre Aufträge und sie liebte es auch die Welt zu erkunden. Früher war ich jedes Mal nach einem Umzug sauer auf sie gewesen, doch mittlerweile hatte ich mich daran gewöhnt. Ich wusste, dass wir nie länger als fünf Jahre in einem Land blieben und stellte mich darauf ein. Daher hatte ich mir hier in Spanien auch keinen großen Freundeskreis aufgebaut. Nur zwei Freundinnen hatte ich über die Jahre gewonnen. Gerade hatte ich allerdings Ferien und genoss diese in vollen Zügen. Ich war 17 und machte gerade mein Bachillerato (Abitur).

Der Verkäufer am Obststand empfing mich mit einem breiten Lächeln. Er kannte mich und meine Mutter sehr gut, da wir mehrmals in der Woche bei ihm einkauften. ››Ah Bella. Was darf es heute sein?‹‹

››Hola. Ich hätte gerne fünf Äpfel, zwei Mangos und zehn Pfirsiche.‹‹ Der Verkäufer packte mir das Obst in einen Plastikbeutel und summte dabei eine fröhliche Melodie. Dann reichte er mir den Beutel und ich gab ihm sein Geld. Gerade als er das Geld wechseln wollte, winkte ich ab. ››Das passt so.‹‹ Sofort begannen die Augen des Verkäufers wie kleine Sterne zu funkeln.

››Oh gracias.‹‹ Er reichte mir einen kirschroten Apfel und ich bedankte mich freundlich, bevor ich langsam wieder nach Hause schlenderte.

Unser Zuhause lag etwas abgelegen an einer kleinen Bucht, was super war, denn wir hatten direkten Zugang zum Meer. Meistens hatten wir den Strand auch ganz für uns allein, nur ab und zu wurde er von ein paar Touristen besucht, die in einem nahegelegenen Hotel wohnten. Von all unseren bisherigen Wohnorten fand ich Barcelona am allerbesten. Ich liebte die Gegend und die freundlichen Leute. Niemand machte sich hier unnötig Stress und es war ein gemütliches und entspanntes Leben, besonders da ich nur mit meiner Mutter zusammen wohnte. Und meine Mum war die Ruhe in Person, was manchmal sogar schon nervte. Da sie einfach alles zu locker nahm. Meine Mum war 38 und hatte nach meinem Dad keinen Mann mehr gehabt, doch es schien sie nicht im Geringsten zu stören. Sie liebte ihr Leben und besonders liebte sie die Kunst. Ihre gesamte Freizeit verbrachte sie in ihrem Atelier und ich fand, dass sie eine fabelhafte Künstlerin war. Ich hingegen hatte zwei linke Daumen was die Kunst betraf, aber dafür war ich eine ziemlich gute Köchin und meine Mutter sagte immer ich solle nach der Schule Chefköchin werden. Doch das war nicht wirklich mein Traumberuf. Mein Traum war es nach dem Bachillerato ein eigenes kleines Restaurant hier in Spanien zu eröffnen und dieses zu leiten. Doch man wusste ja nie, ob Träume wirklich wahr werden würden.

››Andy bist du das?‹‹ Die laute Stimme meiner Mutter riss mich aus meinen Gedanken. Wie üblich saß sie in ihrem Atelier. Schmunzelnd brachte ich die Einkäufe in die Küche und ging zu ihr. Meine Mum saß vor einer riesigen Staffelei und pinselte auf einer Leinwand herum, welche in kunterbunten Farben erstrahlte. Meine Mutter malte immer fröhliche und farbenfrohe Bilder. Sie hatte sogar einmal mich gemalt und wie ich fand hatte sie mich perfekt getroffen. Es war so als hätte ich in einen kunterbunten Spiegel geschaut. Nun hing das Bild bei uns im Treppenhaus, und ich betrachtete es jedes Mal lächelnd wenn ich daran vorbei ging. Ich verstand zwar nicht sonderlich viel von Kunst, doch ich konnte erkennen, dass es sich bei ihrem derzeitigen Kunstwerk um ein außergewöhnlich schönes Gemälde handelte. Die Farben flossen harmonisch ineinander und bildeten die verschiedensten Formen.

››Das Bild sieht wirklich schön aus.‹‹ Ich lehnte meinen Kopf an den Türrahmen und musterte meine Mutter, welche sich grinsend zu mir herum drehte.

››Findest du wirklich?‹‹ Ich musste mir mein aufsteigendes Lachen verkneifen als ich in ihr Gesicht sah, denn wie üblich war sie über und über mit Farbe bekleckert. Selbst ihre Klamotten wiesen zahlreiche Sprenkel auf.

››Ja es ist sehr schön, wie alle deine Bilder.‹‹

››Ich danke dir mein Schatz. Hast du alles bekommen was auf der Liste stand?‹‹

››Ja, ich fange gleich mal an zu kochen. Male du nur ruhig weiter.‹‹ Meine Mutter strich sich eine lange schwarze Strähne hinters Ohr und dabei landete eine große Ladung blauer Farbe in ihren Haaren, doch das schien sie kein bisschen zu stören. Sie legte keinen besonders großen Wert auf ihr Äußeres und trotzdem sah sie immer bildschön aus, wie ich fand.

››Bist du sicher?‹‹ Sie bedachte mich mit einem misstrauischen Blick und wollte sich schon erheben, doch ich winkte schnell ab.

››Klar ich mach das doch gerne. Viel Spaß.‹‹ Lächelnd drehte ich mich auf dem Ansatz herum und ging wieder in die Küche. Meine Mum war wirklich etwas Besonderes, doch ich fand das gut so. Ich liebte sie genauso wie sie war, obwohl wir uns in so vielen Dingen kein bisschen ähnelten.

Sie hatte hüftlange rabenschwarze Haare, braun gebrannte Haut und eisblaue Augen. Außerdem war sie super schlank und sportlich. Ich hingegen hatte schulterlange abgestufte hellblonde Haare, war ziemlich blass – obwohl ich mich jeden Tag draußen in der prallen Sonne aufhielt – und hatte hellgrüne Augen. Außerdem war ich zwar dünn, aber ich fand meine Hüfte viel zu breit und Sport war rein gar nichts für mich. Mein Motto war: Sport ist Mord. Und dementsprechend gut war auch meine Kondition.

Ich fragte mich immer wieder, woher ich mein Aussehen hatte, doch jedes Mal wenn ich meine Mum darauf ansprach wich sie mir aus. Wahrscheinlich sah ich einfach aus wie mein Vater, den ich noch nie in meinem Leben gesehen hatte und von dem ich rein gar nichts wusste. Mum umging das Thema Dad immer sehr geschickt und ich hatte es mir abgewöhnt nach ihm zu fragen. Ich wusste sowieso, dass ich keine Antwort bekommen würde. Ich vermutete, dass er einfach abgehauen war, als ich noch ganz klein gewesen war und ihr damit das Herz gebrochen hatte. Und deshalb hasste sie ihn auch so. Doch ich konnte es natürlich nur vermuten. Vielleicht war er ja auch tot und sie wollte nicht darüber sprechen wieso…

Zum Mittag bereitete ich für uns einen italienischen Nudelauflauf zu und danach spazierte ich - mit einem dicken Roman, einem Handtuch und Sonnenmilch bewaffnet – nach draußen zum weißen Standstrand, der sich direkt vor unserer Haustür befand.

Doch leider war ich heute nicht allein in meiner privaten Bucht, denn eine weitere Person lag einige Meter entfernt auf ihrem Handtuch und sonnte sich. Die Person war eindeutig männlich und schien ein wenig zu schlafen. Schulterzuckend breitete ich mein großes grünes Handtuch aus und legte mich - mit Bikini bekleidet - bäuchlings darauf und fing an zu lesen. Die fremde Person, die vermutlich ein Tourist war, vergaß ich beinahe sofort wieder.

Ryans Sicht:

Am nächsten Morgen wachte ich ziemlich früh auf. Zuerst packte ich alle Sachen in den geräumigen Eichenholzschrank und danach duschte ich ausgiebig und ließ mir dabei alle Zeit der Welt. Anschließend ging ich runter zum Speisesaal, in welchem noch sehr wenig Betrieb herrschte. Wie ich schon angenommen hatte, war ich der erste unserer Truppe, denn alle anderen waren extreme Langschläfer. Nach dem Frühstück erkundete ich die riesige – und wenn ich riesige sage, dann meine ich auch WIRKLICH riesige – Anlage. Es gab drei Pools und mehrere Cocktailbars und Restaurants. Die komplette Anlage war sehr idyllisch gestaltet und versprühte in jeder Ecke Urlaubsfeeling. Die Wege waren von großen Palmen umsäumt und die Animateure – die alle samt jung und braun gebrannt waren - hatten bunte Blumenketten um ihre Hälse geschlungen.

Nachdem ich mir alles genauer angesehen hatte, lief ich herunter zum Meer, welches genauso schön aussah wie in meinem Traum. Der Strand war noch ziemlich leer gefegt. Die meisten Touristen saßen wohl gerade beim Frühstück und stürzten sich auf das ausgiebige Buffet. Doch mir sollte es recht sein. So hatte ich wenigstens meine Ruhe.

Ohne lange nachzudenken, zog ich mir meine Klamotten aus und stieg ins Wasser. Es war herrlich warm und trotzdem eine wohltuende Erfrischung. Ich schwamm eine ganze Weile einfach vor mich hin und ließ meinen Blick umher schweifen. Und während ich so im Wasser lag und mich treiben ließ, entdeckte ich sie.

Eine kleine abgelegene Bucht.

Sie war nur etwa fünfhundert Meter entfernt vom breiten Hotelstrand und sie sah wirklich traumhaft schön aus. Oberhalb der Bucht stand ein kleines weißes Häuschen ganz einsam und verlassen da. Ich fragte mich, ob da wohl auch jemand wohnte und ich beschloss mir die Bucht mal ein wenig näher anzusehen. Schnell schwamm ich zum Strand zurück und schnappte mir meine Klamotten und mein Handtuch und lief den unebenen Weg zur Bucht entlang. Ich musste über einige größere Steine steigen, doch ich nahm es in Kauf.

Der Anblick der sich mir bot, war den steinigen Weg wirklich wert gewesen. In der Bucht war ganz feiner weißer Sandstaub zu finden, welcher sehr gepflegt wirkte. Kein einziger Müll lag herum, was wohl ein Anzeichen dafür war, dass nur selten Menschen hierher kamen. Das Meer war türkisblau und einige kleinere Palmen vollendeten das traumhafte Bild. Wer auch immer hier in diesem Häuschen wohnte, hatte unglaubliches Glück.

Ohne lange nachzudenken breitete ich mein Handtuch auf dem weichen Sand aus und legte mich darauf und genoss die warme Sonne, die meine Haut erwärmte.

Ich hatte keine Ahnung wie lange ich einfach nur so dalag und das prickelnde Gefühl auf meiner Haut genoss. Doch ich wurde irgendwann von dem lauten Klingeln meines Handys aus meinen Träumen gerissen. Stöhnend fischte ich es aus meiner Hosentasche und ging ran. ››Ja?‹‹

››Hey Ryan, wo steckst du denn? Wir sind gerade am Strand und du warst nicht in deinem Zimmer.‹‹ Shane war am anderen Ende der Leitung und er klang leicht besorgt. Ich lächelte schwach.

››Ich bin auch am Strand. Doch ich liege in einer kleinen Bucht. Ihr müsst unbedingt herkommen. Hier ist es wahnsinnig toll und ruhig. Kein anderer Tourist ist da.‹‹

››Aha und wo ist diese Bucht?‹‹, wollte mein bester Kumpel wissen und im Hintergrund konnte ich Clary und Toby laut reden hören. Sie ärgerten sich mal wieder gegenseitig.

››Du musst nur etwa 500 Meter nach oben laufen. Aber passt auf die Kleinen auf. Es sind ein paar spitze Steine mitten im Weg. Ich warte hier auf euch.‹‹

››Klaro bis gleich.‹‹ Mit einem Grinsen legte ich auf. Ich hatte eindeutig meinen Lieblingsplatz gefunden und ich würde mit Sicherheit jeden Tag hier her kommen.

Als ich mein Handy wieder in die Hosentasche schob, bemerkte ich dass ich doch nicht - wie ich es vermutet hatte - allein hier war. Einige Meter entfernt von mir lag eine Frau oder ein Mädchen - ich konnte es nicht genau erkennen - ebenfalls auf einem Handtuch. Sie las ein Buch und schien ganz vertieft in dieses zu sein. Ihre Haut war sehr hell und sie war schlank. Ihre hellblonden Haare fielen ihr ins Gesicht, daher konnte ich dieses nicht erkennen. Ihr Körper sah in dem knappen blauen Bikini ziemlich gut aus, wie ich feststellte. Eine ganze Weile starrte ich sie einfach nur an und beobachtete sie dabei wie sie vollkommen vertieft in ihr Buch war und alles um sich herum gar nicht wahrzunehmen schien. Ich lauschte sogar dem Geräusch der umschlagenden Seiten. Und ehrlich gesagt wusste ich wirklich nicht warum ich das tat. Normalerweise starrte ich fremde Leute nicht so aufdringlich an. Es war mir ja selber unangenehm wenn ich angestarrt wurde. Was leider viel zu oft der Fall war. Also beschloss ich meinen Blick von ihr abzuwenden.

Nach einer Weile traf auch endlich meine Familie ein. Jake hatte Toby auf seine Schultern gesetzt und Shane Clary. Die Mädchen liefen hinter den Jungs her und unterhielten sich lachend. Das Mädchen auf dem grünen Handtuch schaute verwundert auf, als sie die anderen ankommen hörte. Nun konnte ich auch endlich ihr Gesicht sehen. Sie hatte sehr feine Gesichtszüge und wirkte jugendlich. Ich schätzte sie so auf die 16 bis 18 Jahre. Ihre Augen sahen ein wenig verschleiert und überrascht aus und glänzten in der Sonne. Sie schien zu bemerken, dass ich sie anstarrte, denn nach einigen Sekunden drehte sie ihren Kopf in meine Richtung und wir sahen uns direkt in die Augen. Doch schon nach wenigen Augenblicken wandte sie ihren Blick wieder scheu ab und ihre Wangen färbten sich in einem sanften Rotton.

››Hey da bist du ja. Echt schön hier. Wie hast du diese Ecke denn nur wieder gefunden Bruder?‹‹ Jake ließ sich neben mir auf das Handtuch fallen und setzte Toby neben sich auf den Boden. Die Mädchen breiteten ihre eigenen Handtücher aus und bewunderten die Bucht mit staunenden Blicken.

››Tja du kennst mich doch. Ich finde immer die besten Orte. Aber wie ich das schaffe bleibt mein Geheimnis‹‹, scherzte ich grinsend und boxte ihn leicht gegen den trainierten Oberarm. Wie von selbst wanderte mein Blick wieder zu dem Platz an dem das fremde Mädchen lag. Doch verwundert stellte ich fest, dass sie verschwunden war. Ich konnte gerade noch so sehen wie sie in dem kleinen weißen Haus verschwand und die Tür hinter sich zuzog. Anscheinend hatte ich die Besitzerin dieses traumhaften Hauses ausfindig gemacht. 

 

Männerabend im "Day and Night"

  

Andys Sicht:

Ich sah noch immer die dunklen Augen des Jungen vor mir. Er hatte mich so neugierig gemusterte, dass es mir richtig unangenehm gewesen war. Trotz allem konnte ich nicht verleugnen das er wirklich hübsch war mit seinen verstrubbelten dunkelblonden Haaren und der gebräunten Haut. Ich vermutete, dass er ein Tourist war und vom Hotel direkt nebenan gekommen war. Ich mochte es nicht wenn sich noch jemand anderes in meiner kleinen Idylle aufhielt und ich hoffte, dass er und seine Freunde nicht mehr kommen würden.

››Hey du warst heute ja lange draußen Schatz.‹‹ Meine Mutter saß noch immer vor ihrer Leinwand und pinselte wild auf ihr herum. Sie hatte nun noch viel mehr Farbkleckse auf ihren Sachen als zuvor und ich schüttelte grinsend den Kopf.

››Ja, ich habe gelesen und die Zeit vergessen‹‹, antwortete ich mit ruhiger Stimme. ››Ich gehe dann mal nach oben.‹‹ Lächelnd drückte ich meiner Mum noch einen schnellen Kuss auf die Wange und stapfte dann die lange Treppe nach oben und lief in mein kleines Zimmer.

Die meisten Wände meines Zimmers waren in einem sanften lindgrün gestrichen, da ich diese Farbe über alles liebte. In meinem kleinen Reich standen meine bequeme Schlafcouch, mein alter Holzschreibtisch mit Computer, mein riesiger Kleiderschrank (Ich liebte es zu shoppen), mein vollgestopftes Bücherregal und mein etwas veralteter Fernseher. Doch das Beste an meinem Zimmer war der direkte Zugang zu meinem ganz persönlichen Balkon, von welchem ich einen perfekten Blick auf unsere kleine Bucht hatte.

Schnaufend schmiss ich mich auf meine Schlafcouch und schaltete den Fernseher ein. Ungeduldig zappte ich durch die Kanäle und stellte nach einer Weile entmutigt fest, dass überhaupt nichts Gescheites lief. Genervt schaltete ich den Fernseher wieder auf und hievte mich von der Couch. Nach kurzen Bedenken ging ich auf meinen Balkon und lehnte mich über das weiße Geländer. Wie automatisch glitt mein Blick zu den sieben Personen in der Bucht. Die zwei Mädchen hatten es sich auf ihren Handtüchern bequem gemacht und genossen die restlichen Sonnenstrahlen. Die Jungs hingegen waren mit den zwei kleinen Kindern im Meer und planschten herum. Sie lachten viel und herzhaft und ohne dass ich es wollte begann ich ebenfalls zu lächeln. Es war ein schönes Bild diese Leute so ausgeglichen zu sehen und manchmal wünschte ich mir doch Freunde mit denen ich meine Freizeit verbringen konnte. Unwillkürlich dachte ich an früher in England. Da war ich noch ein Kind gewesen und hatte viele Freunde gehabt. Ich hatte jeden Tag etwas mit ihnen unternommen und die Zeit genossen und sogar in Deutschland hatte ich viel Zeit mit anderen Teenagern verbracht. Und nun war ich 17 und hatte zwei Freundinnen, mit denen ich mich ausschließlich in der Schule traf. Das war das negative an unseren ständigen Umzügen. Ich traute mich einfach nicht mehr neue Leute kennenzulernen, da ich immer daran denken musste, dass ich sie jeder Zeit wieder verlieren würde. Die einzige Konstante in meinem Leben war meine Mum. Und ganz ehrlich welches pubertierende Mädchen wünschte sich das denn schon?

Keins!

Seufzend stützte ich meine Ellenbogen auf dem Geländer ab und beobachtete die Fremden beim baden. Ich beneidete sie. Ich konnte es nicht verhindern. Plötzlich fühlte ich mich so allein wie schon lange nicht mehr und mein Herz krampfte sich zusammen. Eine Erkenntnis traf mich mit ziemlicher Wucht und ließ mich beinahe aus meinen Schuhen kippen. Ich fühlte mich nicht nur allein. Ich war allein.

Mutterseelenallein.

Ryans Sicht:

Wir alle verbrachten einen wundervollen Tag in der kleinen Bucht. Wir waren so lange dort, bis unsere Mägen knurrten und die Kleinen anfingen zu nörgeln. Nachdem wir alles zusammengesucht hatten liefen wir zurück zum Hotel. Schworen es uns aber morgen wieder her zu kommen. Rebecca hatte es sogar so wundervoll in der Bucht gefunden, dass sie überlegte die Besitzer des Hauses zu fragen, ob sie ihre Hochzeit dort feiern konnte. Ich fand diese Idee einfach spitze. Und das nicht nur wegen der wunderschönen Landschaft, sondern auch da ich – keine Ahnung warum – unbedingt einmal mit diesem hübschen Mädchen reden wollte. Irgendwie wollte ich sie unbedingt näher kennenlernen. Ich wusste selber nicht warum. Immerhin hatte ich bisher kein einziges Wort mit ihr gewechselt. Und normalerweise war ich auch nicht so interessiert an irgendwelchen Mädchen. Immer noch verwirrt verdrängte ich meine wirren Gedanken wieder in den Hintergrund. Es war immerhin merkwürdig über ein Mädchen nachzudenken, welches man nicht einmal kannte.

Nach der kleinen Wanderung zurück zum Hotel, gingen wir alle gleich in eines der vielen Restaurants. Die Auswahl auf der Speisekarte war riesig und ich konnte mich gar nicht entscheiden. Alles klang so lecker. Nach einer Weile entschied ich mich daher einfach für Rippchen mit Pommes. Ich war nicht gerade ein Fan von ausgefallenen Sachen. Und ich genoss es mal nicht halb verkohlte Pommes und viel zu stark gewürzte Rippchen zu essen, wie sie Maggy immer mit Liebe zubereitete.

Während des Essens redeten Maggy und Becky viel über die anstehenden Hochzeitsplanungen. Die beiden wollten morgen in die Stadt und sich nach einem Hochzeitskleid umschauen. Bei ihrer Shoppingtour wollten sie auch die Kinder mitnehmen. Daher hatten Jake, Shane und ich morgen einen Männertag vor uns und ich war froh darüber. Natürlich liebte ich Becky, Maggy und die Kinder über alles, doch ich hatte schon lange keine Freizeit allein mit den Jungs. Ich würde sie genießen, dass stand schon mal fest.

Andys Sicht:

Am nächsten Morgen stand ich sehr früh auf und bereitete das Frühstück für meine Mum und mich vor. Da meine Mum allerdings ein ziemlicher Langschläfer war, aß ich selber schon und ging dann nach draußen. Ich ging fast jeden Morgen schwimmen. Es war mein Ritual um wach zu werden. Und heute musste ich besonders wach sein, denn ich hatte heute Abend eine lange Schicht. Ich arbeitete schon eine Weile als Barkeeperin in einer kleinen Touristendiscothek. Die Disco hieß Day and Night und war jedes Mal sehr gut besucht. Eigentlich mochte ich meinen Job nicht besonders, doch ich konnte das Geld gut gebrauchen.

Nach einer halben Stunde stieg ich wieder aus dem Wasser und fühlte mich erfrischt und hellwach. So konnte mein Tag gut beginnen. Als ich wieder ins Haus ging, schlief meine Mutter immer noch und ich ging zu ihr und weckte sie grinsend.

Wie jeden Morgen.

Immerhin musste sie zur Arbeit. Gähnend streckte sie sich und sah mich mit verschlafenem Blick an. ››Guten Morgen Mum. Ich hab dir dein Frühstück schon hingestellt.‹‹ Meine Mutter seufzte leise und nickte kurz.

››Wenn ich dich nicht hätte‹‹, murmelte sie leise und ich grinste breit und vollende ihren Satz.

››Dann wärst du verloren. Und jetzt husch, husch und wehe du schläfst wieder ein.‹‹ Mit einem breiten Grinsen im Gesicht verließ ich das Zimmer wieder und ging ins Bad und duschte das Salzwasser von meiner Haut. Danach schaute ich noch einmal kurz in Mums Zimmer. Zu ihrem Glück lag sie nicht mehr im Bett. Dann schlenderte ich in mein Zimmer und zog mich an und kämmte meine kurzen Haare durch.

Der restliche Tag verlief eigentlich wie immer. Ich lag eine Weile draußen und sonnte mich, bis dann diese Fremden wiederkamen. Doch diesmal waren es nur die drei Jungs. Schnell - so schnell, dass es schon auffiel das ich flüchtete – packte ich meine Sachen zusammen und ging wieder rein. Als ich um neun Uhr abends das Haus wieder verließ, waren die Jungs nicht mehr da.

Mit dem Fahrrad fuhr ich zu der kleinen Discothek und stellte es dann auf dem Innenhof ab. In der Disco erwartete mich schon meine Kollegin Maya, welche im Day and Night jobbte um sich ihr Auslandsstudium finanzieren zu können. Sie war ursprünglich Deutsche und studierte Spanisch und Portugiesisch. Ich fand sie nett und es machte Spaß mit ihr zusammen zu arbeiten, auch wenn sie manchmal schnell und ohne ersichtlichen Grund zickig wurde. Zumindest bei weitem mehr Spaß als mit Alejandro. Dieser war ein kleiner Möchtegernkasanova, der sich die ganze Zeit nur am flirten war und jede Nacht eine andere mit sich nach Hause nahm. Ich konnte die Mädchen, die sich auf ihn einließen, einfach nicht verstehen. Er sah in meinen Augen nicht einmal sonderlich gut aussehend aus. Und außerdem hatte er wahrscheinlich noch nie eine echte Beziehung in seinem Leben gehabt. Doch leider musste ich heute auch wieder mit Alejandro arbeiten, aber wie immer ignorierte ich ihn geflissentlich. Und obwohl er meine Meinung zu ihm genau kannte, versuchte er es jedes Mal aufs Neue bei mir zu landen. Wirklich erbärmlich der Typ.

Ich bereitete zusammen mit Maya alles vor für heute Abend. Während wie Gläser reinigten und neue Flaschen besorgten quatschten wir ziemlich viel und ich fühlte mich endlich wieder gut. Ich war nicht mehr allein und konnte mich mit einer netten Person unterhalten. Das war noch ein Grund warum ich meinen Job hier hatte.

Nach einer Stunde trudelten so langsam die ersten Gäste ein und bestellten ihre Cocktails. Da zurzeit Saison in Spanien war, war die Disco innerhalb einer weiteren Stunde voller gut gelaunter und angetrunkener Touristen und Maya, Alejandro und ich hatten alle Hände voll zu tun.

Ryans Sicht:

Jake, Shane und ich hatten den heutigen Tag wieder in der idyllischen Bucht verbracht und waren erst abends zurück zum Hotel gegangen. Nach dem Abendbrot hatten wir uns entschieden noch zur Disco zu gehen und mal ordentlich ohne die Mädchen zu feiern, welche immer noch nicht wieder da waren. Mit einem kleinen Taxi wurden wir zu einer der beliebtesten Touristendiscos gefahren, welche sich in der Nähe unserer Hotelanlage befand.

Die Disco war vollkommen überfüllt, als wir gegen 11 Uhr ankamen. Doch das störte uns nicht.

Sofort fiel mir auf, dass die gesamte Discothek sehr schön eingerichtet war und Urlaubsfeeling in jeder Ecke versprühte. Überall standen kleine Palmen und andere exotische Pflanzen und die Sitzmöglichkeiten, welche aber alle belegt waren, stellten bequeme Liegestühle dar. Ich war begeistert. Das war wirklich eine extrem coole Disko. ››Lasst uns erst einmal Trinken holen. Ich habe das Ziel mich zu betrinken!‹‹, schrie Jake gegen die laute House-Musik an. Ich grinste breit über die Aussage meines Bruders. Er wollte eindeutig mal seinen Abend genießen ohne ein schlechtes Gewissen wegen Maggy und den Kindern zu bekommen, da sie es hassten wenn er betrunken war.

››Ich bin dabei. Heute Abend wir ordentlich getrunken Jungs!‹‹, stimmte Shane grölend meinem Bruder zu. Dann sahen die beiden mich an.

››Was fragt ihr da überhaupt noch! Auf zur Bar!‹‹, brüllte ich schmunzelnd. Ich musste immerhin kein schlechtes Gewissen wegen einem Mädchen haben. Ich war ein freier Mensch und das hatte eben auch ab und zu seine Vorteile.

Lachend quetschten wir uns durch die Menschenmassen. Es dauerte eine Weile bis wir an der Bar ankamen, denn die drei Barkeeper, die hier arbeiteten, hatten ziemlich viel zu tun und sahen leicht gestresst aus. Nur einer von ihnen, ein spanischer Mann Ende 20, ließ sich alle Zeit der Welt und schenkt ruhig die Getränke ein. Dagegen wuselten die zwei jungen Mädchen wie Verrückte umher und beeilten sich die Getränke schnell zu liefern. Nach einiger Zeit kam eines der Mädchen auf uns zu und ich erstarrte vor Überraschung. Ich kannte dieses Mädchen. Es war das Mädchen aus der Bucht. Erstaunlich was es doch für Zufälle gab, schoss es mir durch den Kopf.

Das Mädchen lächelte uns geschäftsmäßig an und als ihre Augen auf meine trafen sah ich wie sie mich ebenfalls überrascht musterte. Sie hatte mich auch erkannt. Stumm sah ich sie an und es schien mir so als hätte ich meine Zunge verschluckt, da ich keinen Ton heraus brachte, obwohl ich sie eigentlich ansprechen wollte.

››Hey wir hätten gerne drei White Brazilian.‹‹ Shanes laute Stimme direkt neben meinem Ohr lenkte wieder meine Aufmerksamkeit auf meine Freunde. Auch das Mädchen schien aus ihren Gedanken aufgeschreckt zu sein und nickte stumm. Dann begann sie damit unserer Cocktails zu mixen und ich beobachtete sie dabei genau. Ihre relativ kurzen blonden Haare fielen ihr in die Stirn und verdeckten ihre Augen. Ich konnte nur sehen wie sie ihre Lippen verkrampft aufeinander presste. Was war nur los mit ihr? Lag es etwa an uns? Immerhin war sie heute auch gleich verschwunden als wir in der Bucht angekommen waren. Aber wieso? Ich wollte am liebsten in ihren Kopf schauen können.

Während sie die Cocktails mit viel Geschick zusammen mixte, trat der faule Barkeeper an sie heran und flüsterte ihr etwas ins Ohr. Ich hatte zwar bessere Sinne wie die Menschen, doch wegen der lauten Musik konnte ich nicht verstehen was er sagte. Die Miene des Mädchens verdüsterte sich noch mehr und ihre Lippen bebten gefährlich. Entweder sie konnte den Kerl absolut nicht leiden oder er hatte ich gerade etwas Furchtbares gesagt. Das hübsche Mädchen schob den aufdringlichen Typen von sich weg und funkelte ihn mit wütendem Blick an. Okay also es war offiziell. Sie konnte ihn absolut nicht leiden. Innerlich stieg in mir eine extreme Freude über diese Neuigkeit auf und ich wusste mal wieder nicht wieso. Immerhin schien sie mich ja auch nicht leiden zu können und wir hatten nicht mal ein einziges Wort miteinander gewechselt. Dieses Mädchen war mir irgendwie ein Rätsel und ich wollte dieses Rätsel unbedingt lösen.

Der Barkeeper ließ sich von der gereizten Geste des Mädchens allerdings nichts abschrecken und er umfasste ihren Arm und drehte sie zu sich herum. Mit hochgezogener Augenbraue musterte ich diese Szene. In meinen Fingerspitzen kribbelte es verdächtig, doch ich versuchte es zu ignorieren. Das was da zwischen den beiden lief ging mich immerhin nichts an. Vielleicht war er ja ihr Freund und sie hatten einen Streit. Und warum überhaupt interessiert mich das eigentlich? Gott ich war wirklich ein hoffnungsloser Fall. Der Typ strich dem Mädchen langsam über den Arm. Ich konnte ihr Gesicht allerdings nicht sehen, da sie mit dem Rücken zu mir stand. Doch ich sah genau wie die Hand des Typen immer tiefer rutschte und schließlich auf ihrem Hintern lag. Ein dicker Kloß bildete sich in meinem Hals und ich schluckte schwer und ballte meine Hände zu Fäusten. Das Mädchen quietschte empört auf und schlug die Hand des aufdringlichen Barkeepers weg. Das war mein Zeichen. Sie wollte es nicht. Sehr gut! ››Hey Arschloch hast du nichts anderes zu tun als dieses Mädchen zu belästigen? Lass sie endlich in Ruhe. Sie ist genervt von dir. So wie alle anderen hier auch. Mach endlich deine Arbeit und behalte deine Finger bei dir‹‹, schrie ich lauthals los und der Blick des Typen und der vieler anderer Leute heftete sich auf mich, doch es war mir vollkommen gleichgültig. Der Typ nahm tatsächlich seine Pfoten von dem Mädchen und kam näher auf mich zu, doch uns trennte noch immer der breite Tresen.

››Ich wüsste nicht das es dich was angeht, was ich tue Arschloch.‹‹

››Ich denke schon. Oder möchtest du es unbedingt darauf anlegen eine in die Fresse zu bekommen?‹‹ Ich war selten so ungehalten wie in diesem Moment, doch ich konnte es nicht verhindern. In mir loderte ein Vulkan und dieser drohte bald auszubrechen, wenn dieser widerliche Kerl nicht bald aus meinem Blickfeld verschwand.

››Du willst mir drohen? Das ich nicht lache!‹‹ Der Typ lachte laut auf und musterte mich abschätzend. Er hatte zwar Muskeln, aber gegen mich kam dieser Schwächling ganz sicher nicht an. Von hinten wurde mir eine Hand auf die Schulter gelegt. Es war Jake, dass wusste ich auch schon bevor er anfing zu sprechen.

››Zieh Leine Arschloch und lass das Mädchen ihren Job machen, oder meine Freunde und ich vergessen unser gutes Benehmen‹‹, erwiderte mein Bruder mit bedrohlicher Stimme. Er schaffte es immer anderen Angst einzujagen mit seinem Äußeren. Auch auf diesen Typ wirkten seine Muskeln und er hob schnell die Hände, als würde er sich ergeben und zischte ab. Mit zornigem Blick sah ich dem Mistkerl hinterher.

››Ähm danke‹‹, hörte ich eine leise Stimme gerade so nuscheln. Das Mädchen lächelte uns drei entschuldigend an. ››Alejandro ist manchmal ein Blödmann. Doch ich komme schon klar mit ihm. Trotzdem danke für die… Hilfe.‹‹ Die Stimme des Mädchens war hoch und klar. Sie klang genauso verletzlich wie ihr schlanker Körper. ››Hier sind eure Cocktails. Ich wünsche euch einen schönen Abend.‹‹ Mit einem letzten Lächeln wandte sie sich von uns ab und nahm die Bestellung eines Mädchens auf. Shane, Jake und ich hingegen verließen die Bar und steuerten mit unseren Getränken auf die Tanzfläche zu.

Spontane Einladung

 

Andys Sicht:

 

Nach dem Zwischenfall mit den drei Jungs ließ Alejandro Maya und mich tatsächlich in Ruhe. Was ich nicht gedacht hätte, da er ziemlich wütend gewesen war. Vorhin war ich selber einfach zu erschrocken gewesen als Alejandro meinen Hintern angetatscht hatte, daher konnte ich nicht rechtzeitig reagieren. Bisher hatte er das noch nie gemacht, deswegen war ich auch so überrascht und überfordert mit der Situation gewesen. Natürlich hatte er mich oft genug versucht anzumachen, doch nicht so extrem. Wer weiß wie viel er schon wieder getrunken hatte, oder was ihn diesmal dazu getrieben hatte. Ich war daher wirklich erleichtert gewesen als sich einer der Jungs, der hübscheste in meinen Augen, sich eingemischt hatte. Er hatte mir geholfen, obwohl er mich nicht einmal kannte. Ich nahm mir vor mich unbedingt noch einmal bei ihm zu bedanken. Immerhin hätte mir gewiss nicht jeder geholfen. Und bestimmt auch nicht auf solch eine heldenhafte Weise. Die meisten Kerle hätten sich doch nur amüsiert an dem Mädchen in Not oder hätten sich etwas durch ihre Rettung erhofft. Doch dieser fremde Junge schien keinesfalls so einer zu sein. Ich kannte ihn zwar nicht, doch dieser Sache war ich mir gewiss.

Meine Schicht ging wie immer bis 0 Uhr, da ich noch minderjährig war und aus rechtlichen Gründen danach nicht mehr arbeiten durfte. Als Elena kam, eine nette Frau um die Mitte 30, packte ich meine Sachen zusammen und verließ die Disco. Ich war ziemlich erschöpft, da die vielen Gäste mir keine einzige freie Minute gegönnt hatten. Ich freute mich schon riesig auf mein kuschliges Bett. Draußen war es leicht frisch und ich zog mir meine dunkelgrüne Strickjacke über. Vor der Discothek tummelten sich einige Leute in kleinen Grüppchen. Die meisten rauchten, da es ihnen im Day and Night verboten war. Und die anderen schienen einfach mal etwas Freiraum zu brauchen, der in der Disco nicht möglich war. Ein leises Gähnen entfuhr mir als ich zu meinem Fahrrad lief. Ich hätte heute wirklich länger schlafen sollen. Dieses Frühaufsteher-Ding tat mir nicht gut.

Ich suchte eine halbe Ewigkeit in meiner Tasche nach dem doofen Schlüssel für das Sicherheitsschloss, doch ich fand ihn einfach nicht. Es war zu dunkel. Stöhnend stellte ich die Tasche auf dem Sattel ab und wühlte mich durch den gesamten Inhalt. Die Tasche war einfach zu voll gepackt. Ich schleppte viel zu viele Sachen mit mir herum. Die meisten davon brauchte ich nicht mal. Ich musste unbedingt mal wieder ausmisten. Ich nahm es mir gleich für morgen vor.

Das durfte doch nicht wahr sein! Wo war denn nur dieser doofe Schlüssel? Mit jeder Sekunde die verstrich wurde ich immer genervter, da ich einfach nur nach Hause wollte. In mein BETT! Endlich hörte ich etwas klimpern und schnell holte ich ihn heraus. Natürlich zu schnell. Der Schlüssel landete klirrend auf dem Fußweg und ich schmiss seufzend die Arme in die Luft. Das war anscheinend nicht mein Tag heute. Große Klasse! Diese Vorstellung war mal wieder Oskarreif gewesen Andy Parker! Ich hoffte nur mich hatte gerade niemand beobachtet.

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