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F.E.A.R.

F.E.A.R.

 

 

Dominik Kristen

F.E.A.R.

Psychothriller

Zum Buch

Der ehemalige Polizist, Nathan Gabriel, ehrenhaft entlassen aufgrund psychischer Störungen, tritt eine neue Stelle als Wachmann auf der Technologieanlage der Firma ATC an.

Zuerst läuft sein Dienst routiniert ab doch im Laufe der Zeit geschehen seltsame Dinge auf der Anlage als er unter anderem die Leichen einiger Mitarbeiter in riesigen Blutlachen findet.

Es gibt keine Spuren am Tatort. Keine Spuren eines Täters. Gabriel beginnt von neuem sich zu fragen wer er eigentlich ist und wo er herkommt als die Stimmen in seinem Kopf wieder auftauchen.

Frei nach dem gleichnamigen Computerspiel F.E.A.R.

Teilweise wechselnde Erzählform.

Prolog

 

 Tötet sie. Tötet sie alle.

Ihre strenge, mädchenhafte Stimme hallte durch die Nacht. Regen peitschte an das Fenster als wollte er es zerbersten mit seiner Kraft. Durch den Fensterrahmen pfiff der eiskalte Wind und die Bäume an den Straßen bewegten sich taktvoll zu der eiskalten Luft. Die Straßen waren leer, während der Sturm über die Stadt fegte. Keine Menschen waren zu sehen. Keine Autoscheinwerfer die den nassen Asphalt ausleuchteten.

Hihi.

Zartes Gekicher umgeben von verschwommenen Wänden ringsum rundeten diesen Albtraum ab.

Schweißgebadet rollte sich Nathan Gabriel in seinem Bett hin und her. Das Bettlaken wurde immer faltiger bei seinen Bewegungen und seine Decke lag schon längst auf dem Boden. Unter seinen Lidern bewegten sich die Augen wie unter Trance und gefangen in diesem Albtraum presste sich Gabriel seine Handflächen gegen die Ohren. Immer wieder kniff er tief schlafend seine Augen zusammen und wehrte sich gegen die Traumbilder.

Die großen LED-Ziffern des Weckers erhellten den Raum in einem grellen Rot und im blassen Mondlicht traten finstere Schatten, der tanzenden Bäume im Wind, an den Wänden auf. Gabriels Atem war schwer und ungleichmäßig. Schweißperlen liefen über seine Stirn und tropften auf das Kopfkissen.

Seine Hände krallten sich in das völlig verdrehte Laken und suchten Halt. Neben dem Wecker stand ein Glas, halbgefüllt mit Wasser. Daneben lag eine Schachtel mit Schlaftabletten.

Ohne Rezept bekam er von einem Freund die Tabletten um ruhig schlafen zu können.

Vergebens.

Jede Nacht suchten ihn zahlreiche Albträume heim und ließen ihm keine Ruhe. Wie viele andere war auch er deswegen schon beim Arzt, doch auch er wurde von einer Therapie zur anderen geschickt mit der hoffnungslosen Diagnose keine Abhilfe schaffen zu können.

Nathan war kein Mensch der zum Arzt gehen musste wenn er krank war. Eigentlich war er noch nie so ernsthaft krank, dass er hätte einen Arzt aufsuchen müssen. Wenn andere im Winter mit Grippe das Bett warmhalten mussten, konnte Nathan, fit wie ein Turnschuh, seiner Arbeit nachgehen.

Er konnte sich nicht daran erinnern wann er das letzte Mal krankheitsbedingt bei einem Arzt war. Außer vor ein paar Tagen, da schnitt er sich in den Finger beim kochen. Doch das war eine der wenigen Situationen um einen Fachmann für seine Genesung aufzusuchen.

Er war nie krank. Er hatte noch nie einen schlimmen Unfall der ihn tagelang an sein Bett fesselte. Geschweige denn in ein Krankhaus bringen sollte. Diese Einrichtungen kannte er nur von Freunden und Bekannten, die er mal besucht hat. Das Einzige was ihn Tag für Tag quälte und wofür es anscheinend keine Hilfe gab, waren seine Albträume. Immer wiederkehrend und fast täglich identisch.

Diese zarte Mädchenstimme. Das schelmische Kichern und diese langen schwarzen Haare die das Gesicht des unbekannten Mädchens verdeckten.

Der Sturm legte sich und der peitschende Regen wandelte sich in sanftes Plätschern an den Fensterscheiben. Die ersten Sonnenstrahlen wanderten über seine feuchten Wangen und erhellten den Raum.

Die Ziffern auf dem Display des Radioweckers schlugen um und entlocktem dem Lautsprecher das morgendliche Programm des örtlichen Radiosenders.

Es war sieben Uhr.

Gabriel schlug vorsichtig die Augen auf, legte seine Hand auf die Stirn und schützte sich vor dem grellen Licht der Sonne. Sein Blick war verschlafen und angespannt. Er griff nach dem Glas Wasser und nippte kurz daran um seine Lippen zu befeuchten.

Dann schleuderte er den restlichen Inhalt in sein Gesicht, stellte das Glas auf den Boden und drehte sich knurrend auf den Bauch. Seine Hand tastete nach dem Wecker und drückte abwechselnd die Tasten auf der Oberseite bis die Musik verstummte.

Seine Hände schoben sich unter sein Kissen und er presste seinen Kopf tief hinein als würde er krampfhaft den Traum von letzter Nacht vergessen wollen.

Zaghaft drehte er sich auf die Seite und stellte seine Füße auf den Boden. Er richtete seinen muskulösen Oberkörper auf, die Hände auf dem Schoß zusammengefaltet und den Kopf auf die Brust gesenkt.

»Was für eine Nacht!«, murmelte er.

Die Sonne knallte in sein Schlafzimmer und auf den Straßen sah man erste Bewegungen von Menschen, die ihre Hunde in die Vorgärten führten oder die Briefkästen nach Post untersuchten.

Kinder verabschiedeten sich von ihren Müttern und liefen zu dem gelben Schulbus der die Straße entlang fuhr. Einige Männer verließen in Anzügen ihre Häuser, gaben ihren Frauen einen Kuss und öffneten ihre Limousinen per Knopfdruck am Schlüsselbund. Der Alltag in der Manham Street war in vollem Gange.

Gabriel schleppte sich schwer gezeichnet in sein Bad. Er stützte sich am Waschbecken ab und betrachtete sich im Spiegel. Seine vom Schweiß und Wasser glänzende Stirn schlug Falten.

»Junge siehst du scheiße aus!«, fauchte er sein Konterfei an. Er öffnete den Spiegelschrank, griff nach einem kleinen Döschen mit Pillen und drehte den Deckel ab.

Vorsichtig schlug er die Öffnung des Döschens gegen seine Handfläche, bis zwei kleine, weiße Pillen in selbige fielen. Das Döschen wanderte zurück in den Spiegelschrank, während er seine Hand zum Mund führte und die beiden Pillen mit zurückschnellendem Kopf schluckte.

Gabriels Tag begann wie jeder andere gottverdammte Tag in seinem Leben. Seine Wand im Flur war verziert mit Bildern von ihm in Polizeiuniform. An der gegenüber liegenden Wand hingen Orden, Urkunden und Auszeichnungen. Gabriel hielt nicht viel von Prestige und Stolz, doch wusste er nie wohin mit dem Zeugs als an seine Wand.

Er hatte schon lange keinen Besuch mehr. Weder von Freunden noch von irgendwelchen Beziehungskisten. Er war Single und lebte in einer schlichten drei Zimmer Wohnung. Für seinen Polizeidienst gab er viele Freunde auf und verlor auch die Zeit für eine Partnerin.

Letztes Jahr verlor er seine letzte Freundin, genauso wie seinen Dienst bei der Polizei.

Der Polizeiarzt schrieb ihn Dienstuntauglich auf Grund seiner psychischen Neurosen. Nicht tragbar hieß es im Gutachten. Als er anfing seinen Verlust mit Alkohol zu ertränken, bemerkte er nicht wie er dadurch einen weiteren Verlust provozierte.

Kate, seine damalige, langjährige Freundin packte über Nacht ihre Klamotten und ließ ihn sitzen. Anstrengend genug für sie ihn täglich mit Albträumen zu erleben, wurde es für sie immer schwieriger als er tagsüber auch noch in Visionen verfiel und wie in Trance vor ihr stand.

Es war eine Art der Angst und Verzweiflung die sie plagte und als er keinen anderen Ausweg mehr wusste griff er zur Flasche womit er Kate natürlich langfristig nicht mehr halten konnte.

Seit knapp einem halben Jahr hatte Gabriel keinen Alkohol mehr angefasst. Er war weder bei einer Suchtberatung noch bei einer Therapie.

Von heute auf morgen ließ er seine hochprozentigen Spirituosen verschwinden und fing an sich einen Job zu suchen. Als Lagerarbeiter bei einem Autoteilelieferanten versuchte er sich anfangs und stellte schnell fest das diese Art der Arbeit nicht sein Milieu war.

Ferner vermisste er den Dienst als Beamter. Seine Ausgeprägtheit Sachen zu erkennen und im Voraus zu erahnen bevor sie passieren. Diese Gabe nutzte er zweifelsohne erfolgreich im Polizeidienst und sie bescherte ihm eine Auszeichnung nach der anderen. Er hatte ein Gespür für Dinge die passieren sollten.

Er verstand etwas von Kausalität und sah in seinen Tagträumen immer wieder Dinge die er zu seinem Erfolg nutzen konnte. Er wusste nicht warum er diese Sachen sehen konnte. Er sah sie einfach.

Nur als Lagerarbeiter fühlte er sich fehl am Platz. Unterqualifiziert in seiner sturen aber selbstbewussten Art.

Heute würde er seinen neuen Job antreten. Ein alter Freund aus Polizeizeiten hatte ihn darauf gebracht.

Die Firma Armacham Technologie Corporation suchte einen Wachmann für die Nacht. Gabriel kannte das Gelände auf dem die Firma ihren Sitz hatte. Vor einigen Jahren waren die alten Gebäude dort Trainingsgebiet der Polizeispezialeinheiten und des Militärs. Jahre vorher, vermutete er, hatte das Militär auf dem Gelände einige Anlagen für Waffenerprobungszwecke errichtet.

Der Job wäre genau sein Fall. Ein wenig Geld nebenbei verdienen und dabei genau das tun wofür er jahrelang ausgebildet worden war. Heute sollte die Einweisung stattfinden vor Ort.

Wenn alles gut geht dann würde er schnell in seinen neuen Job finden und sich wieder gebraucht fühlen. Auf der Karriereleiter hochzusteigen hielt er jedoch für ausgeschlossen, da diese Zeiten wohl nun doch vorbei sind.

Einmal aus dem Polizeidienst ausgetreten ist es schwierig wieder einen Job zu finden der dem der Polizei ähnelt. Private Sicherheitsfirmen sind nicht vergleichbar mit der Polizei oder anderen Behörden.

Da im privaten Bereich keine hoheitlichen Aufgaben durchgeführt werden, hat man auch nicht dieselben Befugnisse. Vom Waffeneinsatz ganz zu schweigen.

Doch das war Nathan im Moment völlig egal. Es war ein Einsteig in ein neues Leben. Viele ehemalige Polizisten setzen sich so zur Ruhe.

Ob es das war was er wollte wusste Nathan nicht. Sich zur Ruhe setzen oder noch etwas Action in seinem jungen Leben suchen.

Ein wenig Zeit hatte er noch und entledigte sich seiner Boxershort um unter die Dusche zu gehen. Er stieg in die Wanne, zog den Duschvorhang zu und drehte an den Armaturen das heiße Wasser auf. Das Badezimmer unterlag einem dichten Nebel von Wasserdampf und der Spiegel an der Wand beschlug schon in kurzer Zeit. Gabriel stützte sich an die Wand und ließ das heiße Wasser auf seinen durchtrainierten Körper prasseln.

Er schloss die Augen und genoss sein morgendliches Duschbad. Heute würde ein neues Leben beginnen.

Dachte er.

Interval 01 – Kate Stewart

Die Jukebox in der Ecke des kleinen Lokals war gefüllt mit Vinylplatten aus den 60er und 70er Jahren. Man musste keine Münze einwerfen um die Musik zu hören.

Dafür hatte George Stewart schon vor langer Zeit gesorgt. Ihm gehörte die Bar und er hasste es wenn keine Musik lief, weil die Leute zu faul oder zu geizig waren sich zur Jukebox zu begeben und sie mit ein paar Penny zu füttern. Also ließ er kurzerhand die Musikkiste umbauen, um ununterbrochen Musik laufen zu lassen. Das war besser fürs Geschäft wie er meinte.

Die Mechaniken der Jukebox gerieten gerade in Bewegung und legten eine neue Platte auf, als Kate aus der Küche kam und sich die Schürze anlegte.

Sie arbeitete schon seit Ewigkeiten in dem Lokal ihres Vaters um sich anfangs ein paar Dollar nebenbei zu verdienen. Nun da ihr Vater schon etwas älter ist, entschloss sie sich mit ihm gemeinsam den Laden zu führen.

Nach dem College begann sie an der Universität zu studieren, doch seitdem ihre Mutter vor Jahren bei einem Autounfall ums Leben kam, war sie immer sehr besorgt um ihren Vater und ließ ihn nie im Stich. So kam es auch das sie ihr Studium schmiss um sich ganz ihrem Vater und des Lokals zu widmen.

Es war kurz vor neun Uhr morgens und an der Theke saßen schon die ersten Gäste. Wie jeden Tag waren es dieselben Gesichter. Einer von ihnen war arbeitslos und bestellte gleich morgens schon sein erstes Bier.

Die anderen waren entweder gerade von ihrer Nachtschicht zurück und gönnten sich noch einen Kaffee oder frühstückten in ihrem Stammlokal bevor sie den Weg zur Arbeit antraten.

»Engel, machst du Pete bitte ein Spiegelei und holst schon mal die ersten Steaks raus?«, entgegnete George dem fragenden Blick seiner Tochter. Sie strich ihm mit ihrer Hand über die Wange, lächelte ihn an und richtete ihren Blick zu einem der Gäste.

»Hey Pete, mit Bacon wie immer?«, fragte sie mit gehobenen Augenbrauen.

»Schätzchen, wie immer. Aber mit Liebe machen, bitte!«, erwiderte Pete und zwinkerte ihr zu.

George knallte ihm ein Glas vor die Nase und füllte es mit einem Schuss Whiskey.

»Du kannst von mir aus zu jeder Tageszeit meinen Whiskey saufen, aber meine Tochter bekommst du nicht!«

Pete war erschrocken von der Reaktion. Es herrschte kurz Stille bevor George anfing laut zu lachen und Kate sich über die Theke beugte um Pete ein Küsschen auf die Wange zu geben.

»Alter Geizhals!«, knurrte Pete schelmisch.

Kate drehte sich grinsend um, überprüfte nochmals die Schleife an ihrer Schürze und begab sich in die Küche.

Dröhnende Motorengeräusche eines auf den Parkplatz fahrenden Autos ließen die Köpfe von Pete und George simultan in Richtung Eingangstür schwenken.

»Kate, du bekommst Besuch!«, rief George mit leicht gedrehtem Kopf zur Küche.

Nathan Gabriel kam zur Tür rein, schmiss sich im gehen die Jacke um und zupfte sich den Kragen zurecht.

»Hi George, ist Kate....«

In diesem Augenblick kam Kate um die Ecke und verschränkte die Arme.

»Was willst du?«, fragte sie und rümpfte die Nase.

»Ich ähm... Wie geht’s Dir Kate?«, entgegnete er schüchtern.

»Du bist doch nicht hier um mich zu fragen wie es mir geht oder?«

»Ich habe einen neuen Job. Fünf Meilen von hier auf dem ATC Gelände. Dachte vielleicht interessiert es dich?«

Kate öffnete ihre verschränkten Arme und ging zur Theke. Sie gab sich völlig desinteressiert, doch merkte man ihr an das es nur Fassade war.

»Bist du unter die Wissenschaftler gegangen, Junge?«, fragte George mit lächelndem Blick.

Für Gabriel war George Stewart so etwas wie eine Vaterfigur. Mehr als nur ein Stiefvater oder ein Schwiegervater. Er hatte immer einen guten Draht zu ihm und konnte mit ihm über viele Dinge reden, welche er Kate niemals anvertrauen konnte oder wollte.

Das war in der langjährigen Beziehung auch immer ein Grund für Kate gewesen Unverständnis zu zeigen.

George wusste von Nathans labiler Psyche.

Und doch war er einer der wenigen die ihn nicht damit abstempelten das es etwas mit Alkohol oder dergleichen zu tun haben könnte. Er wusste das Nathan jede Nacht mit Albträumen bestraft wird die er noch nicht einmal identifizieren kann, geschweige denn sich an seine erste Lebenshälfte erinnern kann.

Trotzdem wusste er wie sehr er dem Alkohol verfallen war und seiner Tochter damit das Herz brach.

»Nein, ich fange dort als Wachmann an. Habe heute Einweisung und werde so wie es aussieht mit einem Kollegen die Nachtschichten verbringen.«

»Das freut mich für Dich Nathan!«, lächelte Kate leicht zurückhaltend. Gabriel stützte seine Ellenbogen auf die Theke und konnte sich ein erleichterndes Grinsen nicht verkneifen.

Er schaute rüber zu George und kniff seine Lippen zusammen. George griff nach hinten, nahm ein hohes Glas aus dem alten Buchenregal und füllte es mit ein paar Eiswürfeln. Nathan’s Blick wanderte von Kate zum Glas und mit einem kurzen Nicken bestätigte er George seinen Wunsch nach Tonic Water.

Er setzte das Glas an seine Lippen und trank es in einem Zuge aus.

»Ok, ich muss los. Danke für das Wasser George. Wir sehen uns Kate!«

»Lässt sich wohl kaum vermeiden.«, antwortete Kate zart lächelnd.

Ohne dabei zynisch zu wirken, verabschiedete sie Gabriel noch einmal mit einem Lächeln und winkte ihm zu, während sie sich rumdrehte.

Gabriel klatschte noch einmal mit seiner flachen Hand auf die Theke und verabschiedete sich. Kate stand wieder am Türrahmen zur Küche angelehnt mit verschränkten Armen.

Sie sah nachdenklich aus.

Wieder ertönten die lauten Motorengeräusche vom Parkplatz als Gabriel seinen Wagen anschmiss und George legte sich ein Küchentuch auf die Schulter und blickte zu seiner Tochter.

»Fehlt er dir mein Kind?«

»Nein Dad. Ich war nur kurz in Gedanken versunken!«, erwiderte sie und ging zügig in die Küche. George grinste und drehte seinen Kopf in Richtung der Küche während er Pete nachschenkte.

»Denk nicht soviel. Tu es einfach!«, rief er und sein Grinsen verschwand.

Er wandte sich wieder seiner Theke zu und zapfte ein paar Gläser Bier vor.

Die Hauptstraße führte entlang der Anlage und die letzten Meter musste man die befestigte Straße verlassen um auf sandigen Boden das Gelände zu erreichen.

Nathan Gabriel erinnerte sich zurück als er das erste Mal dort war. Die Sonne zauberte einen hellen Schimmer über den Horizont und auf der Straße stand die Luft.

In der Ferne schimmerten die großen Gebäude seines neuen Arbeitsplatzes in dem Flimmern der Hitze.

Gabriel stand vor dem riesigen Tor am Gelände des Technologiezentrums. Es war eine kleine Straßeneinmündung die an einem grünen Stahltor endete.

Ein paar Meter rechts daneben war eine weitere Einfahrt die jedoch von zwei großen Schranken unterbrochen wurde.

Neben den Schranken stand ein hell beleuchtetes, weißes Schild mit großen dunkelblauen Lettern welche die ansässige Firma präsentierte: ATC – Armacham Technology Corporation.

Gabriel hatte die Order bekommen am grünen Tor zu warten bis er abgeholt werden würde.

An der Mauer neben dem Tor befand sich ein Kasten aus poliertem Edelstahl der eine Klingel und eine kleine Kamera beinhaltete.

Er stieg aus seinem Wagen und schaute durch die stählernen Stäbe des Tores um einen Blick auf das Gelände zu werfen. Selbst an einem Freitag wie diesem war nicht viel zu sehen auf dem Außengelände.

Weder Fahrzeuge die ihre Runden drehten, noch Menschen in weißen Kitteln mit irgendwelchen Klemmbrettern in den Händen.

Es war ruhig auf dem Gelände. Jedenfalls sah es so von außen aus. Von weitem glich die Anlage einem Militärstützpunkt und die äußeren Zäune schreckten schon bei bloßen betrachten ab.

Gerade wollte er den Knopf der Klingel drücken als die kreisförmig angeordneten Lichter neben dem Kameraobjektiv anfingen zu blinken und sich eine Stimme meldete.

»Sie müssen Gabriel sein. Warten Sie bitte einen Augenblick, ich hole Sie sofort ab.«

Die Lichter um die Kamera gingen aus und man vernahm nur das leise Summen des Objektivs.

Gabriel stutzte und zog seine Augenbrauen in die Höhe. Man erwartete ihn ja schon, aber das man gleich schon wusste wer er war hätte er nicht gedacht.

Die Kamera jedenfalls machte nicht den Anschein als würde man klar und deutlich erkennen können wer vor dem Tor steht. Gabriel schob seine Hände in die Hosentasche und drehte sich rum.

Er blickte in Gedanken versunken auf die Hauptverkehrsstraße welche man von weitem noch sah.

Das Gelände von ATC lag in einem abgelegenen Industriegebiet nahe der Grenze.

Der Boden hier war sandig, fast schon wüstenartig. Fehlten nur noch die Kakteen und das Ambiente einer abgelegenen Militäranlage in der Wüste wäre perfekt.

Früher jedenfalls war es so, als das Militär das Gelände für ihre Testzwecke nutzte.

Hier in Texas war die Verkehrsanbindung damals noch nicht so weit ausgebreitet wie heute. Die Logistik lief weitestgehend über Flugzeuge und Hubschrauber ab, welche auf dem kleinen Flughafen neben der Anlage landen und starten konnten.

Jahre später verbesserte man die Infrastruktur und errichtete auf dem sandigen Boden ein Industriegebiet.

Viele Firmen siedelten sich hier an und bauten ihren Hauptsitz auf. Doch als ATC kam verschwanden diese kleinen Firmen wieder genauso schnell wie sie damals kamen. ATC kaufte das Gelände und expandierte.

Soviel Gabriel wusste ging es auf dem Gelände um Luft- und Raumfahrttechnik sowie um Telekommunikation. Nichts wildes wie er sich dachte aber wild genug um es bewachen zu müssen.

Bestimmt sind die Hallen und Gebäude gefüllt mit millionenschweren Geräten die vor Diebstahl und Sabotage oder sogar Spionage beschützt werden müssen.

Als er sich auf Rat seines Freundes bewarb, wusste er bereits das ATC nur ehemalige Polizisten oder Soldaten anstellen würde, da ihnen die Gegebenheiten und der Umgang mit Sicherheit vertraut waren.

Sein anfängliches Schmunzeln darüber verflog sofort wieder bei dem Gedanken an seine Blackouts. Doch bevor er lange darüber nachdenken konnte wurde er durch eine tiefe, brummige Stimme wieder zurück zu den Tatsachen geholt.

»Nathan Gabriel? Mein Name ist Sam Hunter, wir werden zusammen arbeiten. Ich zeige ihnen jetzt mal die Räumlichkeiten und gehe mit ihnen den Kontrollgang ab, den sie dann demnächst alleine gehen werden.«

Gabriel schüttelte Hunters Hand und hörte ihm gespannt zu. Er schaute nochmals über das Gelände und musterte mit seinem Blick das Hauptgebäude, hinauf bis zum Dach. Oben auf dem Dach war genau wie auf dem kleinen Schild an der Schranke das Firmenlogo zu sehen welches mit seinen großen Buchstaben das Wort ATC in den Himmel ragen ließ.

Hunter ging durch den kleinen Personeneingang am Tor durch und nickte mehrmals mit seinem Kopf in Richtung Gelände um Gabriel zu signalisieren das er ihm folgen solle.

Das Tor ging automatisch zu und fiel mit einem stählernen Knall ins Schloss.

Sam Hunter ging leicht träge voraus und winkte immer wieder mit der Hand um Nathan zügig folgen zu lassen. Er wirkte nicht wie ein ehemaliger Polizist oder Soldat, eher wie ein gutmütiger Großvater der seinem Enkel das erste Mal seine Angelausrüstung zeigen wollte.

Hunter war nicht mehr der Jüngste. Doch Nathan stellte seine Erfahrung nicht in Frage. Bei aller Personalverwaltung konnte Nathan sich nicht vorstellen der Einzige hier zu sein. Es mussten logischerweise mehrere Schichten eingeteilt werden. Vielleicht würde er dann auch die anderen Wachmänner kennenlernen.

Sam Hunter wackelte seine alte Hüfte hin und her als er den Weg voran zu seinem Wachhäuschen entlang schlenderte. Wie ein Fremdenführer fuchtelte er nach links und nach rechts und erzählte zu jedem Gebäude, zu jedem Stückchen Erde eine Geschichte wie man sie sonst nur von Stadtrundfahrten kannte.

Nathan nahm dies alles nicht richtig wahr, sondern machte sich selber ein Bild von der monströsen Anlage.

Interval 02 – Paxton Fettel

Tötet sie. Tötet sie alle!

Paxton Fettel fiel auf die Knie und hielt sich die Ohren zu. Das Mondlicht projizierte die Stahlgitter seiner Fenster als düsteren Schatten auf den Boden.

Modergeruch lag in der Luft und von den Wänden bröckelte der feuchte Putz. Seine Zelle wirkte eng und kalt. Auf dem Boden lag nur eine alte Matratze, deren Stoff völlig vergilbt und angefressen war von Ratten. Kakerlaken nisteten sich unter ihr ein und liefen von einer Ecke in die andere.

An der gegenüberliegenden Wand war eine Toilette aus matt gebürstetem Edelstahl angebracht aus der üble Gerüche von Fäkalien in die Luft stiegen. Fettel kniff die Augen zu und senkte seinen Kopf zu Boden.

Tötet sie alle.

Machtlos kauerte er am Boden und die Kinderstimme hallte durch den Raum. Diese sanfte, unschuldige und doch strenge Mädchenstimme fügte ihm Schmerzen zu. Aus seinem Ohr floss eine schmale Spur von Blut welche über sein Ohrläpchen tropfte. Schluchzend ballte er seine Hände zu Fäusten und presste sie vor seine Augen.

»Nein. Nein. Was willst du von mir?«

Die Schatten am Boden verschwanden, während sich grelles Licht in der Zelle ausbreitete. So stark das es selbst Fettel durch seine geschlossenen Augen blendete.

Der kleine Raum leuchtete weiß und die Wände schienen zu glühen als sich vor Fettels Augen die Silhouette eines Kindes auftat.

Die dunklen Kerben an den Wänden waren verschwunden, ausgeleuchtet durch das unheimliche Licht. Alles erschien so steril und weiß wie der Schlachtraum bei einem Fleischer.

Wie kalte Fliesen ließ das Licht den Boden erstrahlen und selbst die Toilette aus Metall war verschwunden. Fettel schien zu träumen. Zu phantasieren. Er war gefangen in seinen Visionen. Das abgelegene Gefängnis mit seinen heruntergekommen Zellen war typisch für südamerikanische Verhältnisse. Schlechte Hygiene war zu erwarten und machte sich vor allem bei den vielen kranken Gefangenen bemerkbar.

Fettel saß noch nicht lange in diesem Knast und dennoch kam es ihm vor wie Jahre. Seine Kleidung war noch so gut wie frisch. Keine Löcher oder Risse, keine Fetzen die von einem langen Aufenthalt zeugten.

Selbst der Geruch seiner Klamotten war noch lange nicht so ekelhaft wie der der anderen Insassen. Sein rotes Oberteil war verfärbt von Dreck und Schmutz.

Er trug immer noch seine Stiefel, die man ihm bei der Inhaftierung angelassen hatte. Selbst seine Schnürsenkel besaß er noch. Anders als sonst durften die Insassen Gürten und Schnürsenkel behalten. Falls sie dennoch auf den Gedanken kommen sollten sich damit zu erhängen so wäre der Selbstmord eine bürokratische Erleichterung und ein erneuter freier Zellenplatz für die nachfolgenden Ganoven.

So jedenfalls tickten die Behörden in den südlicheren Gegenden.

Fettel war ein Psychopath, der unter starken Stimmungsschwankung litt.

Ein unzurechnungsfähiger Mensch mit einer schier unmöglichen telepathischen Begabung die ihm immer wieder half der Polizei einen Schritt voraus zu sein. Doch diesmal ging er ins Netz einer weltweit angelegten Fahndung. Zuviel Blut wurde vergossen.

Seine letzten Opfer waren Melissa Hart und John McKinley, zwei angesehene Wissenschaftler die womöglich kurz vor einem Durchbruch standen und ihnen den Nobelpreis in greifbare Nähe rücken ließ.

Ihre Aufzeichnungen der letzten Projekte an denen sie gearbeitet hatten ließen für Fachmänner in diesem Punkt keine Zweifel aufkommen.

Fettel tötete sie fast lautlos. Doch mussten sie gelitten haben, wie es die Spurensicherung damals bestätigte. Die Rechtsmediziner bekamen an diesem Tag zwei Skelette auf die kalten Tische gelegt.

Fotos zeigten die beiden Leichen an ihrem Fundort. In zwei fast identischen, riesigen Blutlachen lagen die Überreste der beiden Wissenschaftler.

Keine Haut und keine Haare blieben erhalten. Es war als hätte man die Beiden in Säure schwimmen lassen bis nur noch die Knochen übrig waren. Jedoch war das auf Grund der Blutlachen sehr unwahrscheinlich gewesen.

Man identifizierte sie anhand ihres Zahnstatus, der vollkommen erhalten blieb und Auskunft über ihre Person lieferte. Fettel fand man kniend neben den Opfern, wie er mit blutverschmierten Mund die Polizisten anstarrte. Wie ein Raubtier das sich an seiner Beute vergeht war Fettel seiner Gier verfallen und bemerkte erst zu spät die Bamten hinter ihm. Er wehrte sich auch nicht bei seiner Verhaftung sondern ließ sich ohne Gegenwehr abführen. Wie ein vollgefressenes Tier, müde und erschöpft begleitete man ihn hinaus.

Seine Augen waren kalt und starr. Die Beamten gaben nachher zu Protokoll, dass Fettel höhnisch lachte als man ihn antraf und er sich dabei genüsslich seine blutroten Finger ableckte.

In der Pathologie deutet nichts auf Kannibalismus hin, jedoch konnte man es dennoch nicht komplett ausschließen.

Tötet sie alle. Tötet die Armacham Mitarbeiter!

Die Stimme wurde strenger und bestimmender. Fettel griff sich an seinen Kopf, legte ihn in den Nacken und starrte an die Decke.

Er schrie vor Schmerzen und sank schließlich in sich zusammen. Das grelle Licht verblasste und an den Wänden erschien wieder der kalte, feuchte Putz. Die dunklen Schatten der Gitterstäbe bildeten wieder Kreuze auf dem Boden der Zelle. An der Wand tat sich allmählich das kleine Rechteck des Fensters auf und man erkannte wieder die leichten Umrisse der Umgebung.

Auf dem Boden lagen die Kakerlaken auf dem Rücken, zappelten mit ihren Beinen und versuchten sich auf die Seite zu drehen.

Ihre Bewegungen wurden langsamer im blassen Mondlicht bis sie schließlich regungslos dort lagen.

»Ich töte sie alle...«, knurrte Fettel leise in sich.

Immer dunkler wurde das Licht und auch die Matraze kam wieder zum Vorschein.

Leicht verschwommen wirkten die Kanten der Wände. Ein dunkler Schleier machte sich breit und Fettel streckte die Arme in die Luft.

Plötzlich war das Licht weg und auch der Schleier der die Wände so verzerrt wirken lies wie in einem Traum war verschwunden.

Auf den Gängen hörte man das Stampfen von schweren Stiefeln. Schlüssel klapperten bei den Laufbewegungen der Wärter. Wildes Hundebellen schallte durch die steinigen Gänge des Gefängnisses.

Das Schloss an der schweren Stahltür zu Fettels Zelle krächzte bei dem Versuch es zu öffnen. Quietschend öffnete sich seine Tür und im Türrahmen standen zwei groß gebaute und durchtrainierte Wärter mit einer Waffe in der Hand. Sie musterten die Zelle mit ihrem gekonnten Blick und suchten wild nach dem Funkgerät an ihrem Gürtel.

Die Zelle war leer.

Kapitel 1

Die langen Gänge in den Gebäuden der Armacham Technology Corporation Anlage zogen sich ins Unendliche. Tagsüber waren sie durch Neonröhren an den Decken ausgeleuchtet und am Abend wurden diese durch kleine Notlampen an den Wänden ersetzt.

In einigen Büros blinkten noch die Anrufbeantworter und selbst manche Computer waren nicht ausgeschaltet. Die große Eingangshalle des Hauptgebäudes war mit edlen Holzwänden verziert und am Boden reihten sich Anthrazit farbige Platten.

Das genial architektonische Glasdach ließ zur Tageszeit das Licht durch die ganze Halle scheinen und füllte es mit einer ausgewogenen Wärme.

Die Inneneinrichtung vermittelte einem Fachfremden sofort die Nähe zur Technologie.

Am Ende eines langen Flures war eine Notausgangstür durch die wir gingen um ins Freie zu gelangen. Ich schaute mich um, erkannte aber keine Ähnlichkeit mit dem Gelände aus damaliger Zeit.

Unter meinen Füßen vernahm ich leichte Vibrationen, während ich mich hinhockte und mit der Hand über den Sand strich.

»Keine Ahnung was das ist. Da haben wir jedenfalls keinen Zutritt.«, sagte Sam, als konnte er meine Gedanken lesen.

Unser Weg führte weiter durch die Tiefgarage. Einige Fahrzeuge standen aneinandergereiht in den Etagen. Viel los war heute nicht.

Ich vermutete, dass sich zur Ende der Woche einige Beschäftigte frei genommen haben um die Zeit mit ihrer Familie zu verbringen.

Eine Etage tiefer verließen wir das Parkdeck und gingen durch die Tür im Treppenhaus. Ohne ein Wort folgte ich Sam wie ein treuer Dackel und nickte bei jeder Anweisung die er mir gab.

»Denk dran eine Taschenlampe mitzunehmen. Wir gehen jetzt durch einen Gang im Keller, da ist das Licht nicht besonders gut. Und ich will dich nicht suchen müssen nur weil du gegen ein Rohr gelaufen bist.«, lachte Sam.

Er ging zügig die Treppe hinunter und rückte seinen Gürtel zurecht. Sam war Mitte Fünfzig und schon seit einigen Jahren hier beschäftigt.

Auch er war damals Polizist, kündigte aber nach einem schweren Dienstunfall. Mehr wollte er mir dazu nicht sagen und ich habe auch nicht weiter nachgefragt, weil es mich zum einen nichts angeht und zum anderen, ehrlich gesagt, überhaupt nicht interessierte. Ich hatte genug eigene Probleme.

Sam war Witwer und lebte ungefähr zehn Meilen von hier in einem kleinen Haus. Über sein Privatleben sprach er genauso wenig wie ich über meins. Jedenfalls war das so gut wie alles was ich von ihm wusste.

Seine dunkelblaue Jacke mit dem schwarzen Fell am Kragen hatte schon ein paar Löcher welche mit Flicken überdeckt waren. Beim Anblick mancher Rohre die von den Decken hingen und das ganze Gerümpel was in einigen noch nicht fertig gestellten Räumen rum lag, war es auch kein Wunder das man sich seine Kleidung daran aufriss.

Sam war bestens ausgestattet bei seinen Kontrollgängen. An seinem Gürtel hing eine große MagLite Taschenlampe, einige Schlüsselbunde, ein Funkgerät, ein Multifunktionstool und ein Reizstoffsprühgerät.

Für den Notfall, erklärte er mir.

Immer wieder rückte er seine alte Cordhose zurecht, die er wohl seit seinem ersten Arbeitstag auf dieser Anlage trug. Er öffnete eine große Stahltür und schob sie auf. Mit seiner MagLite leuchtete er in den dunklen Gang hinein.

»Siehst du, dunkel wie in einem Bärenarsch.«

Der schmale aber helle Lichtkegel der Taschenlampe erhellte den dunklen Gang.

An der linken Seite war ein etwa dreißig Zentimeter im Durchmesser großes Rohr, welches entlang des Ganges hing. An den Schellen und den Nieten der Übergänge zeigte sich starker Rost.

An einer Stelle tropfte es von der Decke. Man konnte dem Wasser zusehen wie es sich an der Decke zu einem großen Tropfen formte und beim erreichten Gewicht durch die Schwerkraft nach unten in eine kleine Pfütze fiel.

»Muss ich hier keine Kontrollpunkte anlaufen?«, fragte ich Sam und schaute mich um.

»Das tun wir gerade Nathan. Die Jungs in der Sicherheitszentrale von ATC wissen das wir hier sind und wo wir hingehen oder waren.«

»Woher wissen die das denn, wenn wir nicht auf unserem Kontrollgang Bestätigungen mit einem Scanner abgeben?«, fragte ich erstaunt.

»Das Funkgerät!«, grinste Sam und klopfte mit der Hand an seinen Gürtel wo das Funkgerät hing.

Ich sah ihn fragend an und bevor ich etwas sagen konnte kam er mir entgegen.

»Ich erkläre es dir gleich wenn wir hier unten raus sind.«

Am Ende des Gangs gab es zwei Abzweigungen und in diesem Moment war ich froh das Sam dabei war, denn um ehrlich zu sein ist dieses Labyrinth unter der Erde furchteinflößend. Ohne Karte wäre auch ich hier aufgeschmissen, so glaubte ich.

Zehn Minuten später waren wir auch schon wieder draußen. Wir kniffen die Augen zusammen als die Sonne uns an der Oberfläche begrüßte.

»Was ist eigentlich mit meinem Vorgänger?«

»Nun, der hat gekündigt nachdem er festgestellt hatte, dass dies doch nicht der richtige Job für ihn ist.«

»Er war doch mit Sicherheit vorher auch Polizist, oder? Wie kann dann der Job eines Wachmanns nicht der Richtige sein?«, fragte ich.

»Naja Nathan, er fand zwei Leichen und der Anblick hat ihm wahrscheinlich den Rest gegeben. Aber frag mich bitte nicht was passiert war. Ich weiß es nicht.«, seufzte Sam.

Leichen? Hier? Ich war erstaunt. In den Nachrichten hatte man jedenfalls davon nichts gehört, geschweige denn irgendwo gelesen. Aber es schien mir nicht fremd zu sein, wenn ich an das starke Vibrieren von eben dachte, konnte ich mir gut vorstellen wie es war in so manchen Geräten hier auf der Anlage reinzugeraten.

Wer sich im Chemieunterricht schon die Haare ansengt mit dem Bunsenbrenner, der konnte davon ausgehen, auf einer so komplexen Anlage wie ATC es ist, mit dem Leben zu spielen. Ich rümpfte die Nase und grinste ein wenig schadenfroh.

»Angeblich war es Mord. Ich habe ein paar Polizisten an dem Tag hier reden hören.«, sagte Sam.

Mein Grinsen verschwand sofort. Ich zog die Augenbrauen hoch und schaute Sam an.

Vergessen was ich eben noch gedacht habe. Fast schon peinlich berührt von meiner Schadenfreude mit dem Leben zu spielen wenn man sich ganz der komplexen Wissenschaft hingibt. Plötzlich taten mir auch all die Lehrer leid die vor ihren Schülern standen und mit dem Bunsenbrenner zu kämpfen hatten.

Nein, an Mord hatte ich nun wirklich nicht gedacht. Wer würde schon zwei Beschäftigte hier töten? Und vor allen Dingen, so kaltblütig und uneingenommen das es selbst einem Wachmann, nein, ehemaligen Polizisten die Blässe ins Gesicht trieb und ihn dazu brachte seinen Job zu kündigen?

Plötzlich geisterten viele Fragen in meinem Kopf, was man mir anscheinend ansah.

»Denk nicht drüber nach Nathan, das war ein Einzelfall. Wir gehen jetzt zurück, dann erklär ich dir unser neues Funkgerät.«

Ich war erleichtert als Sam mich in meinen Gedanken unterbrach. Wir gingen über den großen Hof zurück zu unserem Wachhaus in der Nähe von dem großen Tor am Eingang.

Die Sonne knallte immer noch auf das Gelände. Mittlerweile war es später Nachmittag.

Das kleine Wachhaus war mit dem nötigsten Mobiliar ausgestattet. Zwei Drehstühle standen an dem großen Schaltpult, welches zahlreiche, bunt leuchtende Knöpfe beherbergte. Die großen Fensterscheiben ringsum waren aus speziellem Verbundmaterial welches undurchdringend für Geschosse war. In der Mitte befand sich eine Gegensprechanlage wie man sie aus Mehrfamilienhäuser kannte. Auf der linken Seite des Wachhauses stand ein großer Tisch mit mehreren Monitoren.

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