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Entführung in den Highlands

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PROLOG

Ach, ihr Mädchen! Was zweifelt ihr gar so sehr! Ich hab Männer gesehn, auf denen ein Fluch lag. Doch kenn ich ebenso verfluchte Frauen …

So sprach die alte Heilerin Nora von Loch Lomond in einer kalten Nacht zu ihren drei jungen Enkelinnen.

Stirling, Schottland

9. April 1807

Jack Kincaid starb, wie er gelebt hatte: die Sinne betäubt von gutem Whisky, die Taschen seines perfekt geschnittenen Gehrocks voll Geld, welches er im Spiel gewonnen hatte, und vage nach dem Parfüm der Frau eines anderen Mannes duftend.

Diesen speziellen Abend hatte Jack in einem Herrenhaus ein wenig außerhalb von Stirling vertändelt, wohin ihn die Reize der lieblichen Lady Lucinda Featherington gelockt hatten. Lord Featherington, der einen großen Teil des Jahres als Botschafter im Ausland weilte, wurde täglich zu Hause zurückerwartet. Da die Dame große Befürchtungen angesichts der Anwesenheit eines berüchtigten Verführers in ihrem Hause hegte, hatte Jack sie mit einem heißen Kuss und einem geflüsterten Vorschlag, der die Wangen der ansonsten nicht gerade prüden Lady zum Glühen gebracht hatte, beruhigen müssen.

„Black Jack“ lebte ein Leben voller Leidenschaft. Die Frauen warfen sich ihm an den Hals, nur um sich am Ende von ihm das Herz brechen zu lassen. Allerdings war ihnen bis dahin eine vergnügliche Zeit in seinem Bett sicher.

Einige Stunden später, nachdem sie sich längst Jacks Verführungskünsten ergeben hatte, war die Lady beim Geräusch einer herannahenden Kutsche zusammengezuckt, hatte die Decke zurückgeworfen und sich aus Jacks Armen gewunden. Jack lachte nur. Er hatte keine Angst vor Lord Featherington; der Mann war ein erbärmlicher Schütze und hatte noch nie jemanden getroffen. Jack hingegen schoss niemals daneben.

Aber Lucinda fürchtete den Skandal. Die Sorge um ihren Ruf war größer als ihre Gefühle für Jack, und so bat sie ihn zu gehen.

Amüsiert und ein wenig angeheitert von den Whiskyproben, die er dem exzellenten Keller ihres Ehemannes entnommen hatte, ließ sich Jack von Lucinda überreden, aus dem Fenster zu klettern. Genau in dem Moment, in dem der Türknauf des ehelichen Schlafgemachs von außen herumgedreht wurde, sprang Jack vom Spalier aus hinunter in den Garten.

Vor sich hin pfeifend schlenderte er durch den Garten zu den Ställen, wo er sich von einem Knecht sein Pferd satteln ließ. Und schon war er fort, flog auf dem Pferderücken den Vergnügungen entgegen, die London zu bieten hatte. Wenn er unterwegs das Pferd wechselte, würde er sein Ziel in zwei Tagen erreichen, rechtzeitig zu Lord Moorelands Einladung zum Kartenspiel. Mooreland war ein Dummkopf, aber die Üppigkeit seiner Gesellschaften war unvergleichlich.

Ein besonnenerer Gentleman hätte die York Road genommen, eine breite Straße, an der in regelmäßigen Abständen Wirtshäuser lagen. Jack ritt in Richtung Ayr, auf einer dunklen und einsamen Straße, die wegen zahlreicher Wegelagerer berüchtigt war. Besonders gefährlich war die Ayr Road für einen einzelnen, nach der neusten Londoner Mode gekleideten Reiter, an dessen Hand ein Rubin funkelte und dessen Kopf von Lord Featheringtons bestem Whisky besäuselt war.

Unbekümmert gab Jack seinem edlen Pferd die Sporen, ohne auch nur einen Gedanken an die Dunkelheit und die Existenz von Straßenräubern zu verschwenden.

Genau in dem Moment, in dem er eine Kurve der Straße nahm, schlug das bislang ruhige, milde Wetter so plötzlich um, dass er höchst verblüfft war. Mit einem lauten Donnerschlag öffneten die Wolken ihre Schleusen, und ein heftiger Regenguss setzte ein. Innerhalb weniger Augenblicke durchnässte ihn das eisige Wasser, das sich auf seiner Haut wie Nadelstiche anfühlte, und der Donner ließ sein Pferd auf die Hinterhand steigen. Die Zügel entglitten Jacks nassen, kalten Händen, und er fiel. Während er zu Boden stürzte, nahm er den schwachen Duft von Lilien wahr. Dann ließ der harte Aufschlag seinen Atem stocken, und gleichzeitig wurde er ohnmächtig.

Jack wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war, als er von dem kalten Wasser wieder zu sich kam, das erbarmungslos auf sein Gesicht prasselte. Er lag im Morast und konnte sich nicht bewegen, weil der zähe Schlamm ihn regelrecht an den Boden saugte. Das Haar klebte ihm in der Stirn und im Nacken, und der Regen lief in Rinnsalen über seinen Körper.

Die Wärme des Morasts, welcher ihn so unerbittlich unten hielt, empfand er als seltsamen Kontrast zu der Kälte des Regens, der auf ihn herabströmte. Eines Regens, der nach Lilien duftete …

Fiona MacLean.

Aber das war völlig unmöglich. Es war fünfzehn Jahre her, seit er zuletzt mit ihr gesprochen hatte. Und doch sah er sie so deutlich vor sich, als hätte sie erst gestern vor ihm gestanden: das dichte braune Haar, das ihr Gesicht umrahmte, ihre Tränen, die sich mit dem Regen vermischten …

Sein Herz zog sich zusammen. Es hatte keinen Sinn, sich an damals zu erinnern. Und nur wegen des Liliendufts zu meinen, Fiona wäre in der Nähe, war absolut lächerlich. Er war wohl härter mit dem Kopf aufgeschlagen, als er geglaubt hatte. Tatsächlich fiel es ihm schwer, einen klaren Gedanken zu fassen, weil seine Schläfen so sehr schmerzten.

Zur Hölle, er hatte keine Zeit für diesen Blödsinn! Es gab noch so viel zu tun. So viele Frauen, die darauf warteten, verführt zu werden, Wetten, die es zu gewinnen galt, und Whisky, der getrunken werden musste.

Doch für all diese Dinge und noch viele andere in Jack Kincaids wildem Leben war es zu spät.

Viel zu spät.

Stöhnend stützte er sich auf seinen Ellbogen. Als er sich mühsam im zähen Schlamm hochstemmte, explodierte vor seinen Augen der Schmerz in grellen Farben. Plötzlich wusste er, dass dies das Ende war. Er würde es nicht schaffen. So also ist er, der Tod. Und hier bin ich: eisig kalt, durchnässt und völlig allein. Er hatte nicht vorgehabt, auf diese Weise zu sterben. Er hatte überhaupt nicht vorgehabt zu sterben. Als sich vor ihm eine riesige schwarze Welle erhob, schloss er die Augen und ließ sich zurück in den Dreck fallen.

Und da lag er nun, während der Regen langsam nachließ, bis schließlich nur noch vereinzelte Spritzer in sein nach oben gerichtetes Gesicht fielen.

1. KAPITEL

Die MacLeans sind eine alteingesessene Familie; eine Familie von altem Adel und großer Schönheit. Leider wissen sie um ihren Rang und ihre Vorzüge, das macht es schwierig, mit ihnen einen Handel abzuschließen. Scharfsinnig sind sie, und es geschieht selten, dass sie bei einem Geschäft den Kürzeren ziehen. Euer eigner Vater sagt, lieber möcht er von einem Schaf gebissen werden, als mit einem MacLean zu feilschen.

So sprach die alte Heilerin Nora von Loch Lomond in einer kalten Nacht zu ihren drei jungen Enkelinnen.

Gretna Green, Schottland

9. April 1807

Fiona MacLean zwang sich zu einem Lächeln. „Pater MacCanney, wir sind gekommen, damit Sie uns verheiraten.“

Der stämmige Pater ließ seinen Blick unschlüssig von Fiona zum Bräutigam und wieder zurück wandern. „A-aber … Er ist nicht … Ich kann nicht …“

„Doch, Sie können, Pater“, sagte Fiona so ruhig es ihr möglich war, während sie mit beiden Händen krampfhaft die Bänder ihres Retiküls umklammerte.

Sie würde Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um endlich der ältesten und sinnlosesten Fehde in ganz Schottland ein Ende zu bereiten – auch wenn sie dabei ihre Freiheit verlor, ihre sorgfältig geplante Zukunft und vielleicht sogar ein Stück ihres Herzens.

Dieser Gedanke lag ihr wie ein Stein im Magen. Und doch war die Heirat nötig, wenn sie ihre Brüder vor ihrem eigenen närrischen Temperament schützen wollte. Es ist die einzige Möglichkeit. Ich darf nicht zögern.

„Fiona, mein Kind“, sagte Pater MacCanney in verärgertem Ton, „er ist nicht in der Lage zu heiraten.“

„Ein Grund mehr für mich, die Gattin dieses Dummkopfs zu werden.“ Als der Pater sie erstaunt ansah, fügte sie rasch hinzu: „Es ist allgemein bekannt, dass eine gute Frau auch den unbeständigsten, faulsten, stursten Taugenichts zu einem verantwortungsbewussten Mann machen kann.“

Voll Unbehagen betrachtete der Pater ihren künftigen Bräutigam. „Ja, aber …“

„Machen Sie sich keine Sorgen um mich, Pater. Ich weiß, er ist nicht gerade eine glänzende Partie, aber er ist der Mann, den ich will“, behauptete Fiona mit unschuldigem Blick.

„Fiona, mir ist klar, dass der Bursche von der Heirat profitieren könnte. Es ist nur …“

„Ich weiß“, sagte sie, seufzte tapfer und sah dem Geistlichen mit weit aufgerissenen Augen ins Gesicht. „Er ist ein Schwerenöter, der schon bei jeder Frau zwischen der Nordsee und den Freudenhäusern Londons gelegen hat.“

Bei der Erwähnung der Londoner Freudenhäuser errötete der Pater. „Ja, ja. Jeder weiß das, aber dennoch …“

„Er ist außerdem ein furchtbarer Verschwender, der bisher nicht den geringsten Versuch unternommen hat, ein sinnvolles, ehrbares Leben zu führen. Mir ist wohl bewusst, er ist nicht die beste Wahl, die eine Frau treffen kann, und doch …“

„Er ist überhaupt nicht bei Bewusstsein!“, platzte der Pater heraus. „Er kann noch nicht einmal seinen eigenen Namen sagen.“

Fiona sah hinunter auf ihren Bräutigam, den ihr Diener Hamish auf die kalten Fliesen zu ihren Füßen fallen gelassen hatte. Schmutzige Rinnsale liefen aus Kincaids Kleidung auf den Fußboden der Kirche. „Ich habe befürchtet, dass Ihnen das Sorgen bereiten würde.“ Selbst im Zustand der Besinnungslosigkeit war Jack ein einziges großes Problem. Manche Dinge änderten sich nie.

„Sie können keinen bewusstlosen Mann zum Altar zerren, mein Kind.“

„Warum nicht?“

„Weil … Weil man das nun einmal nicht tut, deshalb!“

Pater MacCanney betrachtete misstrauisch Fionas Bewacher Hamish. Der hünenhafte Diener stand still und stumm hinter ihr, wie er es seit ihren Kindertagen getan hatte. Ein riesiges Messer hing an seiner Seite, drei geladene Pistolen steckten in seinem breiten Gürtel, sein buschiger roter Bart stand widerspenstig in alle Richtungen ab, und sein grimmiger Blick nagelte jeden der Anwesenden an seinem Platz fest.

„Wie kommt es, dass der Bursche bewusstlos und derart dreckig ist?“, erkundigte sich der Pater in spitzem Ton und sah wieder auf Jack Kincaid hinunter.

Fiona hasste es, lügen zu müssen. Sie hasste es aus tiefstem Herzen. Aber je weniger der Pater wusste, umso sicherer war er vor der Rache ihrer Brüder. Voller Schmerz, weil ihr jüngster Bruder getötet worden war, tobten sie seit Tagen mit geballten Fäusten und schäumend vor Wut durch Castle MacLean.

Der Fluch, der auf den MacLeans lastete, hatte seinen Höhepunkt erreicht. Tagelang hatte es in Strömen geregnet, und krachende Donnerschläge hatten die Menschen, die unterhalb von Castle MacLean lebten, in Angst und Schrecken versetzt. Der Fluss, der bereits von der Frühjahrsschmelze angeschwollen gewesen war, drohte über die Ufer zu treten und das Land zu überschwemmen.

Fiona konnte nicht zulassen, dass die Häuser und Felder unschuldiger Menschen überflutet wurden. Ebenso wie sie verhindern musste, dass ihre Brüder einen Rachefeldzug begannen. Und sie hatte einen Plan, wie sie die Fehde beenden konnte und beenden würde. Der erste Schritt war gewesen, sich auf die Suche nach Jack Kincaid zu machen. Zum Glück hatte Hamish einige Gerüchte aufgeschnappt und so erfahren, dass Jack gerade eine Liebelei mit einer Frau unterhielt, die in der Nähe von Stirling lebte; mit diesem Wissen war es ein Leichtes gewesen, den Taugenichts zu finden.

Sie konnte nur hoffen, dass der Rest ihres Plans ebenso gut funktionierte. Aus irgendeinem Grund bezweifelte sie, ihr könnte derart viel Glück beschieden sein. Sie zuckte mit den Achseln und sagte mit so viel heiterer Gelassenheit, wie sie aufbringen konnte: „Wir haben ihn gefunden.“

„Bewusstlos?“

„Ja.“ Sie nickte heftig.

„Wo?“

„Auf der Straße. Sein Pferd ist wohl durchgegangen.“

Der Pater wirkte nicht sonderlich überzeugt. „Und wie ist der Bursche so nass geworden?“ Er sah sie misstrauisch an. „In diesem Teil Schottlands hat es seit drei Wochen nicht geregnet.“

Fiona musste ihn von seinen durchaus logischen Überlegungen ablenken. „Hamish, kannst du den Rüpel aufwecken?“, wandte sie sich hastig an ihren Diener. „Pater MacCanney will uns seinen Segen nicht geben, solange mein Bräutigam bewusstlos ist.“

Hamish grunzte, dann beugte er sich hinunter, packte den ohnmächtigen Jack Kincaid bei den Haaren und zog seinen Kopf nach oben.

Als Fionas Blick auf Jacks Gesicht fiel, machte ihr Herz einen Satz. Selbst nachdem er in den Schlamm gefallen war und der Regen ihm das Haar flach an den Kopf geklebt hatte, war Jack Kincaid empörenderweise immer noch ein äußerst gut aussehender Mann. Er hatte klare, männlich geschnittene Gesichtszüge mit kräftigen Kieferknochen und einer maskulin geformten Nase, rotbraune Haare, und – wären sie denn offen gewesen – die tiefblauen Augen eines Engels.

Aber genau das war er nicht: ein Engel.

Ein fernes, leises Donnergrollen ließ den Pater in Richtung des offenen Fensters sehen. Draußen lag heller Sonnenschein auf der Landschaft und den Steinmauern, und kein Wölkchen trübte den blauen Himmel.

Fiona betrachtete immer noch Kincaid. Es kostete sie all ihre moralische Stärke, ihn nicht in die Seite zu treten – wenigstens ein kleines bisschen –, wie er da so bequem in Reichweite ihrer Fußspitzen lag.

Seit jenem finsteren Tag vor fünfzehn Jahren, an dem sie die Wahrheit über Jack Kincaids Charakter entdeckt hatte, hatte sie ihre Gefühle und Gedanken über ihn unter Verschluss gehalten. Sie hatte geglaubt, dass sie nichts mehr für ihn empfand, aber offensichtlich hatte ein Teil ihrer Wut und ihres Ärgers überlebt.

Hamish hielt Jack immer noch an den Haaren fest und schüttelte seinen Kopf. Dann blickte er Fiona an. „Der Esel wacht nicht auf.“

„Das ist mir nicht entgangen“, seufzte Fiona. „Lass ihn in Ruhe.“

Bei dem dumpfen Ton, mit dem Jacks Kopf auf die Fliesen schlug, als Hamish ihn einfach losließ, zuckte der Pater zusammen.

Dennoch zeigte sich in Pater MacCanneys Gesicht Erleichterung. „Dann können Sie ihn nicht heiraten.“

„Doch, das kann ich“, sagte Fiona mit fester Stimme. „Er wird bald aufwachen.“

Der Pater schüttelte den Kopf. „Sie sind die sturste junge Frau, die mir jemals begegnet ist.“

„Nur wenn es sich nicht umgehen lässt. Sie können nicht abstreiten, dass es dem Flegel guttun wird, unter der Obhut einer starken Frau zu sein.“

„Nein“, erwiderte Pater MacCanney mit gepresster Stimme. „Das kann ich tatsächlich kaum abstreiten.“

„Ich werde dafür sorgen, dass mit dem Saufen Schluss ist. Natürlich werde ich auch zu verhindern wissen, dass er weiterhin jeden Abend durch zwielichtige Häuser zieht. Stattdessen wird er regelmäßig den Gottesdienst besuchen. Auch wenn er es noch nicht ahnt – die wilden Tage des Jack Kincaid sind vorüber.“

Auf dem Gesicht des Paters zeigte sich ein Anflug von Mitleid. „Sie können einen Menschen nicht zwingen, sich zu ändern, mein Kind. Er muss sich ändern wollen.“

„Dann werde ich ihn dazu bringen, dass er sich ändern will.“ Energisch schob sie das Kinn vor.

Der Pater nahm ihre behandschuhte Hand in seine. „Warum wollen Sie sich mit diesem Verrückten einlassen?“

„Das ist der einzige Weg, die Fehde zu beenden. Callum wird das letzte Opfer gewesen sein“, erklärte sie mit harter Stimme.

Die Augen des Paters füllten sich mit Tränen. „Auch ich trauere um Ihren Bruder.“

„Mehr als ich können Sie Callum nicht betrauern. Und als ob sein Tod nicht schlimm genug wäre, rufen meine älteren Brüder nun nach Rache. Wenn niemand diesen Wahnsinn stoppt …“ Ihre Stimme brach, und sie sah an Pater MacCanney vorbei durchs Fenster hinaus in den immer noch blauen Himmel.

Callum, der wunderbare Callum. Ihr jüngster Bruder mit seinem rasch aufblitzenden Lächeln und dem ebenso quecksilbrigen Temperament lag nun sechs Fuß unter der Erde. Ein Grabstein war das Einzige, was an ihn und sein viel zu kurzes Leben erinnerte. Und all das wegen einer idiotischen Fehde, die vor hundert Jahren begonnen hatte.

Die MacLeans und die Kincaids bekämpften sich schon so lange, dass sich niemand mehr an den Grund für ihren gegenseitigen Hass erinnern konnte. Und nun, wegen Callums törichter Weigerung, die dumme Beleidigung eines Kincaid auf sich beruhen zu lassen, hatten sich die Dinge zugespitzt. Callum hatte den Streit, hatte den Kampf neu entfacht. Und seinen Starrsinn mit dem Leben bezahlt.

Ein Stoß, die Ecke des gemauerten Kamins – so war es passiert. Callum war tot, und nun schlugen aus dem schwelenden Feuer der uralten Fehde lodernde Flammen.

Der Pater drückte ihre Hand. „Ich habe erzählen hören, die Kincaids behaupten, sie trügen nicht die Schuld an Callums Tod. Sie sagen, es muss jemand anders …“

„Bitte, Pater! Es hat keinen Sinn“, unterbrach sie ihn mit gequälter Stimme.

Der Pater schaute ihr ins Gesicht. Sie wusste, was er sah: die Ringe unter ihren Augen, die Blässe ihrer Haut, das Zittern ihrer Lippen, während sie verzweifelt versuchte, die Tränen zurückzuhalten.

„Pater“, sagte sie leise, „meine Brüder geben Eric Kincaid die Schuld an Callums Tod. Nichts, was ich sage, kann ihren Rachedurst stillen. Aber indem ich Jack heirate, werden er und seine Verwandten zu einem Teil unserer Familie. Meine Brüder werden gezwungen sein, ihre blutigen Pläne aufzugeben.“ Entschlossen schaute sie den Pater an. „Ich werde nicht zulassen, dass noch einer meiner Brüder sein Leben verliert.“ Zorn stieg in ihr auf, wilder, grimmiger Zorn.

Trotz des klaren Himmels rollte bedrohlicher Donner durch die Luft. Hamish nickte, als würde er einem unausgesprochenen Gedanken zustimmen. Pater MacCanney indes wurde blass.

Der Gottesmann schwieg für einige Zeit, und Fiona konnte von seinen Gesichtszügen ablesen, dass er dicht davor war, ihr zuzustimmen und zu tun, was sie von ihm verlangte. Er brauchte nur noch einen kleinen Schubs. Fest umklammerte sie mit ihren schlanken Fingern seine breite, kräftige Hand, drückte sie bittend und aufmunternd.

„Und übrigens, Pater, wenn ich dieses Opfer bringe und heirate, um die Fehde zu beenden, könnte das auch den Fluch brechen“, erklärte sie ihm mit ruhiger, sanfter Stimme, obwohl in ihr immer noch die Wut loderte.

Pater MacCanney schluckte hörbar und befreite seine Hand aus ihrem Griff. „Pst, mein Kind. Ich gestatte nicht, dass an diesem geweihten Ort über solche Dinge wie Flüche gesprochen wird.“

Das sagte er, weil er wirklich an diesen Fluch glaubte. Alte Sagen berichteten davon, wie Fionas Urgroßvater dank seines unberechenbaren Temperaments und seiner Selbstsucht den Unmut einer mächtigen weißen Hexe auf sich gezogen hatte. Deswegen hatte sie bestimmt, dass von nun an jedes Familienmitglied der MacLeans etwas beeinflussen würde, was ebenso wechselhaft war wie die Launen der MacLeans – das Wetter.

Wann immer ein MacLean, egal ob männlich oder weiblich, die Beherrschung verlor, zündete der Blitz strohgedeckte Häuser an, und der Donner brachte die Erde zum Beben. Hagel schlug das Laub von allen Bäumen und Sträuchern im Umkreis. Fluten tosten durch das Tal, ruinierten die Ernte und spülten Häuser und manchmal auch Menschen fort.

Wenn die Dorfbewohner sahen, wie sich oben auf dem Hügel Wolken über Castle MacLean zusammenballten, verkrochen sie sich voller Furcht in ihren Häusern.

Fiona schloss die Augen. Sie gehörte zu den MacLeans, sie waren ihre Familie, so wie Callum ihr Bruder gewesen war. Sie durfte nicht versagen. Wenn es ihr nicht gelang, die Situation zu beruhigen, würden ihre Brüder in blindwütigem Zorn alles zerstören.

Die einzige Möglichkeit, den Fluch zu brechen, war die, dass in einer Generation jedes Familienmitglied eine „außerordentlich gute Tat“ beging. Bis jetzt war dies keiner Generation gelungen. Vielleicht würde das hier als Fionas gute Tat durchgehen.

Fiona sah den Pater unter ihren Wimpern hervor an. „Es hat sich wieder und wieder erwiesen, dass der Fluch existiert.“

Pater MacCanney schüttelte den Kopf. „Ich habe großes Mitgefühl mit Ihrer Familie, mein Kind. Aber diese verrückte Idee …“

Verzweifelt presste Fiona die Hände auf ihren Bauch. Meine letzte Hoffnung. „Ich habe keine Wahl, Pater“, stieß sie hervor, obwohl ihr ganz elend zumute wurde, als sie diese Worte aussprach. „Kincaid muss mich heiraten.“

Die Augen des Paters weiteten sich. „Heilige im Himmel, Sie meinen doch nicht … Sie haben nicht … Das kann nicht …“

„Doch, es ist so. Ich bin guter Hoffnung.“

Der Pater zerrte ein Taschentuch hervor und wischte sich damit über die Stirn. „Du liebe Güte! Du liebe Güte! Das ändert alles, einfach alles. Ich werde nicht zulassen, dass in meinem Kirchspiel ein Bastard zur Welt kommt.“

Fiona schlang die Arme um den Nacken des Paters. „Vielen, vielen Dank, Pater! Ich wusste, dass ich auf Sie zählen kann.“

Seufzend erwiderte er die Umarmung. „Sie würden sowieso jemand anders finden, der Ihnen hilft, wenn ich es nicht tue.“

„Ich würde nicht wollen, dass mich jemand anders traut als Sie, Pater.“ Natürlich hatte sie sich niemals träumen lassen, auf diese Weise zu heiraten. Sie hatte gedacht, eines Tages würde sie einem gut aussehenden Mann begegnen, der sich bis über beide Ohren in sie verlieben würde, und sie würde hier, in dieser Kirche, eine wundervolle Hochzeit erleben, umgeben von ihrer Familie, inmitten eines Meers von Blumen. Nichts dergleichen würde jetzt geschehen.

Die Traurigkeit über das, was sie nun niemals haben würde, machte ihr das Herz schwer. Doch dann verdrängte sie entschlossen die trüben Gedanken. „Pater MacCanney, es ist die richtige Entscheidung. Das hier bedeutet für uns alle einen neuen Anfang.“

Der Pater seufzte erneut und wandte sich dann an Hamish. „Stell ihn wenigstens auf die Füße. Kein Mann sollte im Dreck liegend heiraten.“

„Danke, Pater“, wiederholte Fiona. „Sie werden es nicht bereuen.“

„Nicht ich werde es sein, der diesen Tag bereuen wird, mein Kind, sondern Sie“, erkündete der Geistliche mit ernster Stimme und mahnendem Blick.

Fiona erwiderte nichts und hoffte inständig, dass er sich irrte.

Hamish stupste den liegenden Mann mit seinem riesigen Stiefel an. „Vielleicht sollt ich seinen Kopf ins Wasser tauchen.“ Er sah hinüber zum Weihwasserbecken.

Pater MacCanney schnappte nach Luft. „Das ist geweihtes Wasser!“

„Ich glaub nicht, dass es Gott stören würde“, stellte Hamish mit seiner tiefen, dröhnenden Stimme fest. „Außerdem ist es sein Hochzeitstag und …“

„Nein“, gebot Pater MacCanney ihm entschieden Einhalt und schürzte die Lippen. „Vielleicht bringt ein kleiner Schluck den Mann auf die Beine.“

Hamish sah starr vor sich hin und reagierte nicht.

„Hamish“, ermahnte Fiona ihn. „Wir alle müssen Opfer bringen.“

„Sie verlangen eine Menge“, brummte Hamish. Er fasste in seinen Mantel und zog eine Taschenflasche hervor. Widerstrebend öffnete er sie, zog Kincaids Kopf nach hinten und schüttete ein wenig Flüssigkeit in den Mund des bewusstlosen Mannes.

Kincaid hustete und prustete, aber er schob Hamishs Hand nicht weg. Im Gegenteil: Noch immer nur halb bei Bewusstsein, hob er den Arm, griff nach der Flasche und goss sich einen großen Teil des Inhalts in den Mund.

„Verdammter Kerl!“ Hamish entwand ihm die Flasche. „Sie ham die Hälfte von meinem Whisky getrunken!“ Der Hüne zog Kincaid an den Aufschlägen seiner Jacke hoch und machte Anstalten, ihn zu verprügeln.

„Danke, Hamish“, sagte Fiona rasch und eilte an Kincaids Seite.

Kincaid blinzelte und sah sich verwirrt um. „Das hier ist eine … Kirche? Ich habe noch nie geträumt, dass ich in einer Kirche war.“

In dem Bemühen, ihn aufrecht zu halten, schob Fiona ihren Arm unter seinen. Er sank gegen sie, und sein herber, männlicher Duft, eine Mischung aus Sandelholz und Moschus, hüllte sie ein. Sofort war die Erinnerung an eine andere Zeit wieder da. An eine längst vergangene Zeit. Die Erinnerung an heiße Hände und heißes Verlangen, an den verzweifelten Wunsch mit ihm …

Draußen grollte über dem in hellem Sonnenschein liegenden Garten erneut der Donner.

Pater MacCanney schien Schwierigkeiten mit dem Schlucken zu haben. Hamish, der inzwischen seine Flasche wieder sicher in der Manteltasche verstaut hatte, sah Fiona strafend an, als hätte er ihre Gedanken gelesen. Immerhin war er seit ihrer Kindheit derjenige, der auf sie aufpasste.

Sie errötete und räusperte sich. „Du bist tatsächlich in einer Kirche, Kincaid. Du bist hier, um mich zu heiraten.“

„Heiraten?“ Fragend sah er sie an, und die Klarheit seines Blicks, in dem das Blau des Loch Lomond leuchtete, traf sie wie ein Stoß vor die Brust.

Es war, als würde sie in dieses Blau hineingezogen, wäre in einen Sog geraten und würde nun in ein Becken voll warmem Wasser sinken.

Ein sanftes Lächeln legte sich um seine Lippen. „Fiona MacLean.“ Die Worte kitzelten rau und verführerisch ihre Sinne.

Zu ihrem Entsetzen spürte sie in seiner Nähe eine rasch wachsende Hitze, die sie nach Atem ringen ließ. Die Donnerschläge wurden lauter, und ein warmer Windstoß lief wie eine Welle durch das Gras und ließ die Blumen ihre Köpfe senken.

Fiona ballte die Hände zu Fäusten und konzentrierte sich auf den Rhythmus ihres Herzschlags. Auf keinen Fall durfte sie die Kontrolle verlieren. Sie wusste, dass sie einen gefährlichen Weg eingeschlagen hatte. Jack Kincaid hatte diese Wirkung auf Frauen. Auf jede Frau. Da ist eine wie die andere, beruhigte sie sich selbst.

Bei diesem Gedanken kühlte sich ihre Leidenschaft ab. „Bleib gefälligst wach, Kincaid“, sagte sie in munterem Ton. „Wir haben heute etwas Wichtiges zu erledigen.“

Er ließ seinen flackernden Blick über ihr Gesicht wandern und verweilte erst bei ihren Augen, dann bei ihren Lippen. Schließlich brachte er sein Gesicht so dicht an ihres, dass sein whiskygetränkter Atem ihr Ohr und ihre Wange wärmte. „Sag mir, Liebste, wenn ich dich in diesem Traum heirate, wirst du mich dann wieder in dein Bett lassen?“

Ihr Atem stockte, dann erwiderte sie, ebenfalls flüsternd: „Ja, du wirst in meinem Bett willkommen sein. Das hier ist eine echte Hochzeit, obwohl wir keine Gefühle füreinander haben.“

„Da sprichst du nur für dich“, stellte er mit weicher, heiserer Stimme fest.

Sie hob den Kopf und sah ihm in die Augen, während ihr Herz erstaunlich ruhig weiterschlug. „Was … Was willst du damit sagen?“

„Ich will damit sagen, dass ich sehr wohl Gefühle für dich habe. Ich lechze danach, dich zu berühren, dich …“

„Das hat nichts mit Gefühlen zu tun“, unterbrach sie ihn hastig. Wie hatte sie nur denken können, dass er etwas anderes meinte? Wenn ihre gemeinsame Zeit mit Jack ihr eine Erfahrung eingebracht hatte, dann die, dass er zu Gefühlen nicht fähig war. Jedenfalls nicht zu echten Gefühlen. „Das können wir alles später besprechen. Jetzt müssen wir erst mal heiraten.“

Wieder glitt sein Blick über ihr Gesicht und blieb an ihren Lippen hängen. Er schenkte ihr ein träges, verführerisches Lächeln. „Ich werde dich heiraten, Fiona MacLean, und werde dich in mein Bett bekommen, wie es sich für Braut und Bräutigam gehört. Wenn das kein wunderbarer Traum ist!“

Wütend zischte sie ihn an: „Das hier ist bitterer Ernst, Jack. Indem wir heiraten, können wir die Fehde beenden.“

„Fehde?“, erkundigte er sich, als hätte er noch nie etwas von dem jahrhundertealten Streit gehört.

Sie blinzelte, weil er es immer wieder schaffte, sie zu verwirren. „Die zwischen unseren Familien“, erklärte sie, als würde sie seine Frage ernst nehmen.

„Oh. Die Fehde. Darüber würde ich mir auch Gedanken machen, wenn ich nicht längst tot und mitten in einem Traum wäre.“ Er legte ihr den Arm um die Schultern. „Sei’s drum! Walten Sie Ihres Amtes, Pater“, sagte er großspurig. „Es ist ohnehin nur ein Traum.“

Pater MacCanney sah Fiona fragend an. „Sind Sie sicher, mein Kind?“, erkundigte er sich noch einmal.

Fiona atmete tief durch. In wenigen Augenblicken würde sie verheiratet sein. Verheiratet mit einem Mann, der schon bald wieder nüchtern und dann wegen der Sache, die sie hier eingefädelt hatte, wütend auf sie sein würde. Verheiratet mit dem Mann, der sie vor langer Zeit verraten hatte. Und der sie wieder verraten würde, wenn sie dumm genug war, ihm die Gelegenheit zu geben.

Sie straffte ihre Schultern. Er würde keine Möglichkeit mehr haben, ihr wehzutun, dafür würde sie sorgen.

„Ja, Pater“, sagte sie mit fester Stimme. „Ich bin bereit.“

2. KAPITEL

Vor langer, langer Zeit, noch bevor es England gab, ja sogar lange bevor Schottland existierte, lebten in diesem Tal sieben Clans. Die Zeiten waren friedlich, und alle trachteten danach, miteinander auszukommen. Alle, bis auf die MacLeans. Ach, dieser Clan bestand aus stolzen Menschen mit einem feurigen Wesen. Sogar schon damals, bevor Könige die Welt unter sich aufteilten und Länder schufen …

So sprach die alte Heilerin Nora von Loch Lomond in einer kalten Nacht zu ihren drei jungen Enkelinnen.

Jack erwachte ganz langsam, driftete ins Bewusstsein, als würde er auf einem dicken Federkissen dahingleiten. Vorsichtig wandte er den Kopf und runzelte gleich darauf verwundert die Stirn. Er lag tatsächlich auf einem Federkissen und war mit weißem Leinen zugedeckt, welches nach Seife und Lavendel duftete. Behutsam schob er seine Hände seitwärts und stellte fest, dass er auf einer Matratze ruhte, die ebenso federweich und bequem war wie das Kissen.

Dies war nicht der Tod. Dies war ein wuchtiges Federbett.

Mühsam öffnete er seine Augen einen Spaltbreit und blinzelte in das schmerzhaft helle Licht. Selbst von dieser kleinen Anstrengung pochte sein Kopf. Was war geschehen, um Himmels willen?

Er erinnerte sich, wie er durch die Wälder geritten war. Dann hatte er ein Geräusch im Unterholz gehört, anschließend hatte der Donner über ihm gegrollt, und schließlich war der eiskalte Regen auf ihn heruntergestürzt …

Regen. Und der Duft von Lilien. Fiona.

Gütiger Himmel, das war unmöglich. Und doch … Regen und Lilien? Es musste so sein.

Wieder legte Jack die Stirn in Falten, während er sich abmühte, einen Zipfel seiner Erinnerung zu erwischen und festzuhalten. Da war ein vages Bild von Fiona und ihrem riesigen Diener Hamish, der sich im Regen über ihn gebeugt hatte.

Und es gab noch mehr Bilder. Fiona und Hamish und … Pater MacCanney? War er wirklich in einer Kirche gewesen? Plötzlich hatte Jack eine lebhafte Erinnerung an den Geschmack von Whisky, goldgelb und scharf, und an das dunkle Grün von Fionas Augen. Augen, von denen er sich all die Jahre eingeredet hatte, es sei ihm gelungen, sie zu vergessen.

Offenbar war dem nicht so.

Er rollte sich auf die Seite, richtete sich auf und zuckte zusammen, als ihm das grelle Sonnenlicht in die Augen fiel, welches durch einen Spalt im nicht ganz zugezogenen Vorhang ins Zimmer drang. Was für ein seltsamer, verstörender Traum! Vielleicht würde dieser Traum ihn lehren, in Zukunft nicht mehr Whisky zu trinken, als Gott es für einen einzelnen Mann an einem einzigen Abend vorgesehen hatte.

Jack schwang seine Beine über die Bettkante und stellte seine bestrumpften Füße auf den kalten Boden. Verdammt, es hatte den Anschein, als hätten sie dieses Gasthaus auf einem Schiff untergebracht, so sehr schaukelte alles um ihn herum. Mit beiden Händen umklammerte er fest den Bettpfosten und richtete sich langsam auf.

Wo zum Teufel war er? Das Schlafgemach war höchst komfortabel nach der Mode von vor zwanzig Jahren ausgestattet, die Möbel waren gepflegt, aber alt. Es gab einen großen Kleiderschrank aus Eichenholz, einen Tisch mit einer Marmorplatte, auf der eine Schüssel und ein Krug neben einem ordentlich gefalteten Handtuch standen, direkt daneben hatte ein stabiler, jedoch abgewetzter Polstersessel seinen Platz. Der Geruch von Zitrone und Wachs, mit denen Fußboden und Gebälk gescheuert und poliert worden waren, kribbelte ihn in der Nase.

Er hatte noch nie ein Gasthaus gesehen, das so gepflegt und sauber war. Aber wo war er dann, wenn nicht in einem Gasthaus? Er lehnte sich gegen den Bettpfosten. Seine Stirn ruhte auf den dicken, abgeschabten Vorhängen aus verblichenem blauem Samt, und als sein Blick in Richtung seiner Knie ging, stellte er fest, dass die Hosen, die er trug, nicht seine eigenen waren. Er betrachtete das Hemd, welches ebenfalls nicht ihm gehörte. Niemals hatte er ein Hemd mit einem so albernen Spitzenbesatz auf den Ärmeln besessen. Der einzige vertraute Anblick im ganzen Zimmer waren seine Stiefel, die sauber und glänzend in der Ecke standen. Aber wie war er in diese Situation geraten? Wieso war er hier und trug die Kleidung eines Fremden?

Er hörte ein Rascheln draußen vor der Zimmertür, dann drehte sich der Türknauf aus Messing, und die Tür wurde aufgestoßen. Im hellen Licht, das aus dem Flur ins Zimmer fiel, erkannte er die Umrisse einer Frau. Zierlich und doch mit weiblichen Kurven versehen, bot sie einen reizvollen Anblick.

Jack erkannte sie auf den ersten Blick. Erkannte sie am Lilienduft, der von einer Sekunde auf die andere den Raum erfüllte. Erkannte sie an der sanften Rundung ihrer Wange, auf die von der Seite das Licht fiel. Erkannte sie an der anmutigen Art, mit der sie den Türgriff hielt. Erkannte sie daran, wie ihr Anblick seine Lenden zum Zittern brachte.

Es war also doch kein Traum gewesen. „Fiona MacLean.“ Als es ihm endlich gelang, ihren Namen hervorzustoßen, war seine Stimme rau und tief. „Was hat das alles zu bedeuten?“

Sie schloss die Tür und kam auf ihn zu. Einer der Sonnenstrahlen, die durchs Fenster fielen, tanzte in ihren Haaren.

Sein ganzes Gesicht verkrampfte sich. Seit er sie zuletzt gesehen hatte, waren fünfzehn Jahre vergangen. Ihre Augen im geheimnisvollen Schatten der langen Wimpern waren noch grüner, als er sie in Erinnerung hatte. Das Sonnenlicht malte goldene Strähnen in ihr dichtes, kastanienbraunes Haar und brachte ihr fein geschnittenes Gesicht zum Leuchten. Er hatte sich eingeredet, er hätte sie vergessen, doch dieser Moment bewies ihm, dass er sich an jede Kleinigkeit erinnerte.

Ihre vollen Lippen, die so sanft geschwungen waren, ihr kurzes Näschen, das mit goldenen Sommersprossen bestäubt war. Sie war üppiger als damals – aus dem Mädchen, das er gekannt hatte, war eine Frau geworden. Obwohl sie äußerst schicklich mit einem schlichten, taubenblauen Vormittagskleid samt hochgeschlossenem Überkleid bekleidet war, konnte er sehen, dass ihre Brüste und ihre Hüften von verschwenderischer Fülle waren.

In London war Jack Frauen wie ihr aus dem Wege gegangen. Prüde, hochanständige Jungfrauen, an die ein Mann wie er kaum das Wort zu richten wagte, aus Angst, sich unversehens in den Fesseln der Ehe wiederzufinden. Die Gesellschaft derart gefährlicher Frauen zu meiden hatte er von einer der ihren gelernt, nämlich von genau der, die in diesem Moment vor ihm stand.

Als Fiona nervös ihre Lippen befeuchtete, reagierten seine Lenden erneut prompt. „Es tut mir leid, was geschehen ist, Kincaid.“

Ihre leise, heisere Stimme jagte einen Feuerstoß durch sein Blut. „Wo zur Hölle bin ich?“

„In der Jagdhütte meines Bruders. Ich habe nicht gewagt, dich nach Castle MacLean zu schaffen. Wir leben in gefährlichen Zeiten.“

Verdammt, er hatte das Gefühl, sein Kopf wollte im nächsten Moment platzen, und sie hatte nichts Besseres zu tun, als in Rätseln zu sprechen! Er machte einen Schritt vorwärts, sofort schwankte das Zimmer vor seinen Augen von einer Seite zur anderen, und sein Magen machte jede dieser heftigen Bewegungen mit. Mit zusammengepressten Lippen griff er erneut Halt suchend nach dem Bettpfosten.

Der Blick ihrer grünen Augen glitt von ihm zur Tür und wieder zurück. Sie hatte schon immer äußerst faszinierende Augen gehabt, riesig groß, von langen Wimpern beschattet und etwas schräg stehend. Die Brauen darüber sahen aus wie Rabenschwingen. Der Kontrast war berückend und verwirrend zugleich: die wie flüchtige Kohlestriche kühn geschwungenen Brauen über den verrucht dreinblickenden Augen mitten im Antlitz eines Engels.

Natürlich wusste er es besser, als sich von diesem Anblick mitreißen zu lassen. „Warum bin ich hier, Fiona?“

Der Schatten einer Unsicherheit huschte über ihr Gesicht. „Du … du erinnerst dich nicht?“

„Woran sollte ich mich erinnern? Ich war auf dem Pferd unterwegs nach Hause und …“ Schmerzliche Erinnerungsfetzen ließen ihn zusammenzucken. Er hatte Lucindas Haus verlassen, weil ihr Ehemann zurückgekehrt war. Der Ritt durch den Wald. Der plötzliche Regen. Der Lilienduft. Dunkelheit, dann die Kirche und Pater MacCanney, der ihm gesagt hatte … Er klammerte sich fester an den Bettpfosten „Wir sind verheiratet?“

Sie wurde blass, widersprach aber nicht.

Zum Teufel, das alles war gar kein Traum gewesen! Der Boden und die Wände des Zimmers bewegten sich erneut heftig, und er schwankte unsicher hin und her.

Fiona streckte den Arm aus, um ihn zu stützen, aber er wehrte sie ab, während er auf die Bettkante sank. „Fass mich nicht an, du Hexe.“

Das letzte Wort hing zwischen ihnen in der Luft. Mit funkelnden Augen stieß sie zwischen schmalen Lippen hervor: „Ich bin keine Hexe!“

„Das weiß ich besser“, knurrte er.

„Falls du vom Fluch der MacLeans sprichst, muss ich allerdings zugeben, dass ich zu einigen …“, sie machte eine vage Geste, „. Aktivitäten fähig bin.“

„Du kannst es regnen lassen.“ Er schnaubte wutentbrannt. „Aber du bist unfähig, es wieder aufhören zu lassen.“

Ihre cremeweißen Wangen färbten sich rot.

Was für ein Schlamassel! Er war entführt und zur Heirat mit einer Frau gezwungen worden, die auf geheimnisvolle Art Wolken zusammenschieben und es regnen lassen konnte. Auf ihr lag derselbe Fluch wie auf ihrer ganzen Familie.

Sie machte eine geringschätzige Handbewegung. „Das hat nicht das Geringste mit dem Grund zu tun, aus dem du hier bist. Mit dem Grund, aus dem wir verheiratet sind.“

Verheiratet. Es gelang ihm nicht, diesen Gedanken in seinem schmerzenden Kopf festzuhalten. „Diese Hochzeit kann nicht rechtmäßig sein.“

„Doch, das ist sie. Ich … Ich habe mich vergewissert, dass unsere Ehe gültig ist.“ Sie hob beschwichtigend die Hand, offenbar sah sie ihm an, wie wütend er war. „Bitte, Jack. Ich habe nur getan, was ich tun musste. Mir blieb keine andere Wahl.“

Jede Faser seines Körpers pulsierte vor Wut, als er aufstand und einen Schritt auf sie zu machte. „Du hattest keine Wahl? Du warst nicht diejenige, die zum Altar geschleift wurde, während sie bewusstlos war!“ Sie hatte ihm seine Freiheit gestohlen. Ausgerechnet sie!

Sie wich zurück, bis sie mit dem Rücken an der Wand stand. „Es tut mir wirklich sehr leid, Jack. Ich habe nur getan, was ich tun musste.“

„Du musstest? Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, was so furchtbar ist, dass es einen Menschen zu einer solchen Hinterlist veranlassen könnte.“ Er starrte sie an, fragend und voller Zorn.

„Ich musste dafür sorgen, dass die Fehde aufhört. Unser beider Familien sind in Gefahr.“ Furchtlos erwiderte sie seinen Blick.

„Bist du verrückt geworden? Der Streit zwischen unseren Familien ist so alt wie die Berge und das Meer.“

„Es hat sich etwas geändert.“ In ihren Augen war plötzlich tiefer Schmerz zu sehen. „Du weißt doch sicher von Callum?“

Er zögerte. „Du meinst deinen Bruder?“

„Ja. Er war mein jüngster Bruder.“ Als sie das letzte Wort aussprach, erstarb ihre Stimme, und ihre Unterlippe begann heftig zu zittern.

Jack sah sie fragend an. „Er war dein Bruder? Was ist geschehen, Fiona?“

„Es passierte vor einer Woche in einem Gasthaus. Dein Halbbruder Eric und Callum … Du wusstest doch sicher …“ Mit unsicherer Miene brach sie ab.

„Ich habe meine Familie zuletzt vor fünf Jahren getroffen, auf der Beerdigung meines Großvaters.“ Die anderen Familienmitglieder waren nicht sonderlich erfreut über seine Anwesenheit gewesen, erst recht nicht, nachdem sie erfahren hatten, dass Jack das gesamte Vermögen seines Großvaters geerbt hatte. „Seitdem habe ich weder Eric noch sonst jemanden von der Familie gesehen.“

„Eric und Callum trafen sich zufällig im Wirtshaus. Sie gerieten in Streit. Es kam zum Handgemenge, und Callum starb.“

Unfähig, den Blick von ihren Augen abzuwenden, die nun voller Tränen standen, runzelte er die Stirn. „Davon hatte ich keine Ahnung.“

„Deine Familie behauptet, es sei ein kleiner Zwist gewesen und Callums Tod ein Unfall. Aber meine Brüder glauben ihnen nicht.“

Die Schärfe ihres Tons machte ihm deutlich, dass nicht nur ihre Brüder von Erics Schuld überzeugt waren.

Jack war fast zehn Jahre vor seinen Halbbrüdern geboren. Als er fünfzehn war, hatte das schwierige Verhältnis zwischen seinem Stiefvater und ihm bereits seinen Tiefpunkt erreicht. Es hatte einen Faustkampf zwischen ihnen gegeben, nach dem sie beide blutüberströmt und voller blauer Flecken gewesen waren – und so wütend aufeinander, dass es ihnen unmöglich gewesen war, jemals wieder unter einem Dach zu leben.

So hatte Jack im zarten Alter von fünfzehn eine kleine Tasche gepackt, sie auf den Rücken seines Lieblingspferdes geschnallt und war nach England aufgebrochen. Zu Besuch nach Schottland kam er nur noch selten. Die Mitglieder seiner Familie waren Fremde für ihn geworden, und Jack hatte sich im Laufe der Zeit daran gewöhnt, allein zu leben, ja, es war ihm am liebsten so.

„Ich habe nicht das Geringste mit der Geschichte zu tun“, erklärte er Fiona mit unbewegter Miene.

Sie wurde blass und presste die Lippen aufeinander. „Callum ist tot. Hast du das begriffen?“

„Du musst dich an Eric wenden“, erwiderte er barsch. „Nicht an mich.“

Sie griff nach seinem Arm, und er fühlte den Druck ihrer Finger durch sein Leinenhemd. „Jemand hat meinen Bruder getötet.“

Lange sah er sie an, bemerkte den scharfen Zug um ihren Mund und die Müdigkeit in ihren Augen. Sie war völlig erschöpft. Zugleich mit dieser Erkenntnis durchzuckte ihn ein leiser Hauch von … Sorge? Oder war es Bedauern, das er fühlte?

Mit einer ruckartigen Bewegung befreite er seinen Arm aus ihrem Griff. „Du hast den falschen Kincaid erwischt. Du hättest Eric oder Angus entführen sollen, jedenfalls nicht mich.“

Ihre Augen verdunkelten sich. „Wie kannst du das sagen? Du bist ein Kincaid. Und wir … Du und ich …“

Er hob die Hand und hinderte sie auf diese Weise am Weitersprechen. „Ich betrachte mich nicht als Teil dieser Familie, ebenso wenig wie sie in mir einenVerwandten sehen. Ich habe mich nie dazugehörig gefühlt. Warum sollte ich ausgerechnet jetzt damit anfangen?“ Nur allzu gut erinnerte er sich an den Tag, an dem er sein Zuhause verlassen hatte. Innerlich erstarrt vor Wut und Stolz, hatte er gehofft, einer von ihnen – seine Mutter oder sein Stiefvater oder wenigstens einer seiner kleinen Brüder – würde ihn bitten zu bleiben, ihn anflehen, nicht zu gehen. Stattdessen war ihre Erleichterung fast mit Händen greifbar gewesen. In den folgenden Monaten hatte es keinen Kontakt zwischen ihnen gegeben, und dadurch war ihm die Tatsache noch klarer geworden – er war ihnen egal, war ihnen immer egal gewesen.

Jack hatte für sich entschieden, dass sie ihm ebenfalls gleichgültig waren. Er verfügte über ein ausreichendes Einkommen, welches ihm der Bruder seiner Mutter zukommen ließ, und über eine angemessene Unterkunft in einem eleganten Wohnviertel Londons, die er gemietet hatte. Nur allzu leicht hatte er sich in einem Leben voller Müßiggang eingerichtet. Er spielte um Geld, nahm an allen erdenklichen Vergnügungen teil, umgarnte Frauen, trank bis zur Besinnungslosigkeit und lernte das einzige Gut zu schätzen, das ihm wirklich gehörte: seine Freiheit.

Mit neunzehn eilte ihm der Ruf eines abgebrühten Verführers und unverbesserlichen Spielers voraus. Außerdem war er bekannt für seine unglaublichen Glückssträhnen. Glück im Spiel, so schien es, hatten vor allem jene, die in Herzensangelegenheiten das Pech verfolgte. So ging es ihm, bis er im Alter von 22 Jahren, während eines seiner gelegentlichen Jagdausflüge nach Schottland, ins Land seiner Väter, Fiona MacLean über den Weg lief. Er würde sich auf keinen Fall wieder mit ihr einlassen! „Zieh mich nicht in diese Sache hinein, MacLean. Such dir einen anderen für deinen verrückten Plan.“

Sie schob ihr Kinn vor und funkelte ihn entschlossen an. „Es ist zu spät, Jack.“

„Ich weigere mich, das zu glauben.“

„Hältst du mich für einen Dummkopf?“, fragte sie mit hochgezogenen Brauen. „Glaubst du, ich nehme all die Mühe auf mich, um etwas zu erreichen, das mit Leichtigkeit rückgängig gemacht werden kann? Unsere Ehe hat Bestand, Kincaid. Bestand für immer.“

Jack starrte sie an und fühlte, wie sich in seinem Magen ein großer, schwerer Klumpen bildete. Hatte sie recht? Gab es tatsächlich keinen Weg, dieseVerbindung zu lösen?

Verdammt, wie hatte das passieren können? Und warum ausgerechnet mit der einzigen Frau, der er schon vor vielen Jahren nicht hatte widerstehen können?

Nur ein einziges Mal in seinem Leben hatte er jemandem gestattet, ihn tief in seinem Herzen zu berühren. Er hatte mit vollem Einsatz gespielt – und verloren. Von der ersten Begegnung an war er verrückt nach Fiona gewesen. Innerhalb einer Woche hatte er gewusst, dass sie die Richtige war, und mit dem ganzen Überschwang der Jugend hatte er sie gebeten, mit ihm durchzubrennen.

Zögernd hatte sie zugestimmt. Er hatte alle nötigen Vorbereitungen getroffen, eine sechsspännige Kutsche gekauft und am vereinbarten Treffpunkt auf sie gewartet. Die Nacht war vergangen, aber sie war nicht erschienen. An ihrer Stelle war, zusammen mit ihren beiden Brüdern, ein Gewitter gekommen, wie er noch nie zuvor eines erlebt hatte. Während es direkt über seinem Kopf donnerte und blitzte und ein Wolkenbruch auf ihn niederging, setzten Gregor und Alexander ihn brutal davon in Kenntnis, dass ihre Schwester es sich anders überlegt hatte.

Jack glaubte ihnen nicht, bis sie ihm den Brief gaben, den Fiona ihm geschrieben hatte.

Lieber Jack,

ich kann es nicht tun. Bitte geh und komm niemals wieder. Meine Gefühle für dich sind nicht so tief, wie sie sein sollten. Es tut mir leid, wenn du etwas anderes geglaubt hast.

Viele Grüße

Fiona.

Bei der Erinnerung an jenen Tag schnürte es ihm die Kehle zu. In jener Nacht war ihm nichts anderes übrig geblieben, als die Kutsche zu wenden und davonzufahren, gedemütigt und wütend.

Verdammt noch mal, er hätte es besser wissen sollen, als auf etwas so Unbeständiges wie Gefühle zu setzen, und doch war er nicht in der Lage gewesen, ihr zu widerstehen.

Diesen Fehler hatte er nie wieder gemacht. Gefühle mussten in kleinen Schlucken genossen werden, wie Champagner, bevor er schal wurde.

„Ich weigere mich zu glauben, dass diese Eheschließung gültig ist.“

Sie presste die Lippen zusammen, ihre Augen wurden schmal. „Es ist aber so, ich habe mich vergewissert. Und mit dir als Familienmitglied werden meine Brüder aufhören, nach Blutrache zu rufen.“

„Ich kenne deine Brüder. Es braucht mehr als eine simple Hochzeit, um ihnen Einhalt zu gebieten.“

Sie senkte den Blick. „Vielleicht.“

Jack spannte seinen Körper an und kniff die Augen zusammen. „Vielleicht?“

Achselzuckend wollte sie sich abwenden.

Er griff nach ihrem Arm und zwang sie, sich wieder umzudrehen. „Was meinst du damit? Erklär es mir!“

„Nicht, solange du mich festhältst! Ich lasse mich von dir zu nichts zwingen. Außerdem tust du mir weh.“ In ihren dunkelgrünen Augen funkelten zornige Blitze.

„Du verdammte Hexe“, fluchte er. Mit zwei Schritten vorwärts gelang es ihm, sie zwischen seinem Körper und der Wand gefangen zu nehmen. Durch den Stoff ihres Kleides fühlte er die Wärme ihrer Haut. Aus irgendeinem Grund machte ihn das noch wütender. „Was immer du getan hast, du wirst es rückgängig machen. Ich will nicht verheiratet sein. Nicht jetzt und überhaupt niemals!“ Er senkte den Kopf, bis seine Augen auf der gleichen Höhe waren wie ihre. „Ich werde meine Freiheit nicht aufgeben. Und Callum oder meine Brüder oder wer auch immer aus deiner oder meiner Familie interessieren mich einen feuchten Kehricht.“

Es folgte ein Augenblick entsetzen Schweigens. Fiona gab vor, tapfer zu sein, doch an der Art, wie ihre Lippen zitterten und ihre Brust sich mit ihren hastigen Atemzügen hob und senkte, konnte er erkennen, dass sie Angst hatte.

„Ich denke nicht daran, irgendetwas rückgängig zu machen“, hauchte sie mit rauer Stimme. „Wir sind verheiratet und werden es auch bleiben. Es tut mir leid, aber daran kann ich nichts ändern.“

Plötzlich hatte er das Gefühl, er sei unter die Wasseroberfläche geraten, könne nicht wieder nach oben und bekäme keine Luft. Hart krallte er seine Finger in ihre Schultern.

Sie wandte den Blick nicht ab, obwohl ihre Lippen weiß wurden. „Lass mich los, Kincaid.“

„Nein.“

Sie wehrte sich, trat rückwärts gegen die Wand. „Lass mich jetzt endlich los!“

„Nein. Nicht bevor du …“

Die Tür wurde aufgerissen, und Hamish betrat das Zimmer. Mit seinen roten Haaren und den blutunterlaufenen Augen sah er wie ein Racheengel aus.

„Zur Hölle“, murmelte Jack. Er ließ Fiona los und drehte sich um, sodass er zwischen ihr und ihrem Diener stand. „Hamish! Was für eine nette Überraschung!“

Hamishs rote Brauen zogen sich zusammen, während sein Blick von Jack zu Fiona und wieder zurück wanderte. „Was is’ hier los?“

„Nichts, das dich etwas anginge“, erwiderte Jack.

„Es is’ meine Aufgabe, meine Herrin zu bewachen. Wenn Sie noch mal die Hand gegen sie erheben, werd ich Ihr klägliches Lebenslicht auspusten“, brummte der Diener und starrte Jack drohend an.

„Hattest du irgendetwas mit der verdammten Hochzeit zu tun?“ Jack betastete seinen Kopf und zuckte zusammen, als seine Finger eine schmerzhafte Beule berührten. „Ich habe das Gefühl, du hast ihr weit mehr geholfen, als nötig gewesen wäre.“

„Ich wünschte, ich hätt’ Ihnen die Beule verpasst, aber ich war’s nicht. Sie sind vom Pferd gefallen und mit dem Kopf auf den Boden geknallt.“

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