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Eine Nacht am Moskitogulch

Eine Nacht am Moskitogulch

„Sorgen? – Bah, wer kennt hier Sorgen, Goldgräber, ho!“ (Goldgräber-Lied)

 Weit im fernsten Osten der kalifornischen Goldminen, das heißt so weit, wie damals die kühnen Miner nach Osten vorgedrungen waren und Gold gefunden hatten, und gerade dort, wo sich die Wasser der südlichen Flüsse Macalome und Calaveres scheiden, läuft mitten durch die mit dem herrlichsten Baumwuchs bedeckten höchst romantischen Berge, dicht im schattigen Grün versteckt, ein kleiner Bergbach, der sich nur eine kurze Strecke weiter unterhalb, aber fast immer steil und schäumend, in den tief unten dahinbrausenden Südarm des Macalome ergießt oder eigentlich hineinstürzt.

Diesen kleinen Creek oder Gulch (wie sich der kalifornische Name nach und nach durch allgemeinen Gebrauch gebildet, da Gulch eigentlich nur die Schlucht bedeutet, durch welche der Bach läuft) hatten die ersten Entdecker desselben, Deutsche, den Moskitogulch genannt. In dem wildverwachsenen Dickicht, der den unteren Teil des Gulchs füllte und meist aus einer Art wilder Kirschen- und Haselbüsche bestand, hielten sich auch in der Sommerzeit eine ganz ansehnliche Menge dieser lieben Tierchen auf und spornten die Arbeiter zu neuer Tätigkeit, wenn sie einmal kurze Zeit in dem kühlen Schatten der dort wirklich riesenhaften Zedern und Fichten ausruhen und Spitzhacke und Schaufel, wie sie es nannten, wollten „kalt werden lassen“. Es sind vortreffliche Aufseher, die Moskitos.

Gar arg waren sie übrigens, beiläufig gesagt, bei alledem nicht. Die Leute, die den klaren, freundlichen Bach so nannten und ihm dadurch gewissermaßen einen schlechten Namen gaben, hatten nur noch keine Plätze gesehen, wo wirklich Moskitos sind – sie waren noch nicht am Mississippi gewesen.

Etwa halbwegs also an dem Waldstrom, so weit vielleicht von seiner Quelle wie seiner Mündung entfernt und an dem Hang des Hügels, der an drei Seiten von tiefen Schluchten begrenzt wurde (im Norden von dem Mac Gualome selber, über den hin diese Abdachung eine wundervolle Fernsicht nach seinen nördlichen fichtenbewaldeten Ufern gestattete, während tief von unten herauf sein hohles Brausen, wie er über Felsblöcke und Baumstämme wegsprang, in das Ohr des Lauschenden tönte – im Osten von einer kleinen, nicht so tiefen trockenen Schlucht, und im Westen von dem tief und scharf eingeschnittenen Moskitogulch, nach dem ein schmaler Pfad etwa zweihundert Schritt lang steil hinabführt) – dort stand ein kleines Zeltlager oder Camp, wie es in der Minensprache genannt wurde. Die vier kleinen Zelte, drei weiße und ein blaues, waren dicht und heimlich unter wahrhaft großartige Fichten und niedere Eichbäume hineingeschmiegt, und zur Nachtzeit loderten mächtige Feuer in ihrer Mitte.

Diese vier Zelte wurden von ebenso vielen „Kompagnien“ (wie die zwei, drei, vier oder mehr, die zusammen arbeiteten, genannt werden) bewohnt. Es waren dies, mit Ausnahme eines einzigen Amerikaners, lauter Deutsche, die Meisten sogar mit den Bremer Schiffen Talisman und Reform von Deutschland, einzelne aber auch aus Australien und anderen Teilen der Erde hierher gekommen. Nach echt kalifornischer Wanderart hatten sie sich hier, meist zufällig, auf dem einsamen, aber reizend gelegenen Hügelrücken zusammengefunden.

Etwa hundert Schritt davon stand noch ein anderes Zelt, in welchem eine Kompagnie englischer und irischer Miner hauste, und noch weiterhin lagerten ein Pole und ein Deutscher, beide von Texas herübergekommen, unter freiem Himmel. Die Regenzeit war noch nicht eingetreten, und die Nächte blieben fast immer sternenhell.

Hast du, lieber Leser, Lust und nichts Besseres zu tun, so wollen wir einmal den heutigen Abend – es ist ein Sonntag – dort zubringen. Wir finden ein lustiges Völkchen, gute Gesellschaft und jedenfalls ein freundliches Willkommen.

Es ist etwa vier Uhr nachmittags und das Lager außergewöhnlich still; was mag aus all den Menschen geworden sein, die es sonst so lebendig machen?

Ja, Freund, wir leben hier fünf englische Meilen von dem nächsten Store oder Proviantladen entfernt, und da geht von jeder Kompagnie wenigstens einer (gewöhnlich aber auch mehrere) Sonntags zu Esel, Maultier oder Pferd – denn diese drei verschiedenen Beförderungsmittel existieren hier sämtlich – nach Charles’ Store. Dies ist ein in der ganzen Gegend wohlbekannter Platz, wo sich die Miner die nötigen Proviante an Mehl, Kartoffeln, ...

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