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Einblicke in die Kinderseele

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Die Autorin Astrid Wiesner ist Diplom-Sozialpädagogin (FH) und ausgebildete systemische Therapeutin für Kinder und Jugendliche, Paare und Familien.

Sie ist außerdem Mitglied im Verband für Systemische Therapie und Familientherapie (DGSF) und hat an Weiterbildungen in systemischer Traumatherapie, Ego-State-Therapie und hypnosystemische Verfahren teilgenommen. Seit vielen Jahren praktiziert sie in ihrer eigenen Praxis in Waldkirchen.

Astrid Wiesner begann ihre Arbeit in Brennpunktfamilien und baute vor vielen Jahren die sozialpädagogische Familienhilfe (jetzige mobile Erziehungshilfe) auf. Nach zehn Jahren Arbeit mit und in Familien wollte sie Möglichkeiten finden, vor allem die Kinder besser zu verstehen. Sie suchte und fand in der systemischen Therapie die Grundlage. Eine Hilfe für Eltern und Kinder jeden Alters und jeder Bildungsschicht. Die Sozialpädagogin ist fasziniert von der Kompetenz der Kinder, welche in ihren Spielen und im Erleben mit ihnen sichtbar wurde. Mit diesem Buch möchte sie diese Geschichten teilen und Eltern Mut machen, wahrzunehmen, hinzuschauen und auf sich und der Weisheit ihrer Kinder zu vertrauen.

Frei nach dem Motto von Ben Fuhrmann:

„Es ist nie zu spät, eine glückliche Kindheit zu haben“

© 2016 Astrid Wiesner

Umschlag, Illustration: Nadine Drexler, Astrid Wiesner und Lena

Verlag: Edition Sternsaphir, Saldenburg

ISBN

Paperback978-3-9817493-1-1
Hardcover978-3-9817493-2-8

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung,

Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Inhaltsverzeichnis

Vorwort von Petra Bartoli y Eckert

Wege aufzeigen

Gedanken zur Säuglingsforschung der vergangenen 30 Jahre

Die nonverbale Kindersprache verstehen

Körpersignale und Fähigkeiten des Babys

Was ist Systemische Therapie?

Lena und der Walfisch

Helmuts Erinnerung

Daniels Operation

Kunsttherapeutisches Arbeiten

Kontrolle über die Körperfunktionen erlangen

Doppelte Botschaft

Kim ist nicht da

Kims Verlust der Mutter im Spiel

Aufbau einer neuen Welt

Scheidungskind Maria

Diagnose ADHS

Bindung, Beziehung und Sicherheit

Marias Verlassenheit

Einen sicheren Platz finden

Wirklichkeit miteinander teilen, Lösungen finden

Lisas Reise ins Phantasialand

Der Nutzen von Panikattacken und Phobien

Entwicklungsaufgaben der Pubertät

Rollenspiele mit Marionetten

Julian und das helle Licht (I. Kern-Minckwitz)

Kleiner Exkurs in die Welt der Osteopathie (Martina Scholz)

Traumabehandlung bei Kindern

Die vier Grundprinzipien

Schreibaby Paul

Die Geburt - vom Wassermilieu in ein Luftmilieu

Caroline, Michael und Johannes

Vom Kleinkind bis zum Schulkind

Kaiserschnittgeburten

Die Lebensgeschichte ist entscheidend

Nachwort von Martina Scholz

Astrid Wiesner

Einblicke in die Kinderseele

Lena und der Walfisch

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Vorwort von Petra Bartoli y Eckert

Bei einem Unfall, bei dem der Körper eines Menschen verletzt ist, ruft man den Rettungsdienst. Der gerufene Arzt und die Sanitäter versuchen, Verletzungen zu versorgen, den Körper zu verbinden, Schmerzen zu lindern und zu heilen. Das leuchtet jedem von uns ein, ist richtig und rettet Menschenleben. Die Verletzungen, die bei sehr belastenden Erlebnissen an der Seele eines Menschen entstehen, machen sich nicht wie Platzwunden oder Knochenbrüche bemerkbar. Erst später zeigen sich diese Wunden durch Verhaltensweisen, die nicht in die Norm passen. Aber auch oder gerade für diese Wunden sind Menschen wichtig, die sich derer annehmen. Während meiner jahrelangen Arbeit mit sich anders verhaltenden oder psychisch erkrankten Kindern und Jugendlichen habe ich viele Zeichen solcher Wunden gesehen. Auf dem Weg, diese zu orten und die Auswirkungen der Verletzungen zu lindern, habe ich die Kinder und Jugendlichen begleiten können. Glücklicherweise hatte ich dabei immer wieder die Möglichkeit, mich mit meiner sehr geschätzten Kollegin und mittlerweile lieb gewonnenen Freundin Astrid Wiesner darüber kollegial auszutauschen. Von den theoretischen Kenntnissen und praktischen Erfahrungen der Sozialpädagogin und Therapeutin durfte ich, und somit auch meine Klienten, so manches Mal profitieren. Nun freue ich mich ganz besonders, dass sie sich dazu entschlossen hat, ihre Erfahrungen und Beispiele aus der Praxis mit anderen in diesem Buch zu teilen. Ich freue mich, dass dieses Buch ein kleiner Wegweiser ist, wie Verletzungen der Seele gelindert und geheilt werden können. Und natürlich darüber, dass ich dieses Vorwort schreiben durfte.

Petra Bartoli y Eckert

 

Wege aufzeigen

Als ich mich mit dem Gedanken beschäftigte, ein Buch über die Behandlung seelisch verletzter oder traumatisierter Kinder zu schreiben und darüber mit Bekannten sprach, meinten viele: „Ist Trauma das, wenn jemand stirbt oder etwas Schlimmes passiert?“

Bei großen Katastrophen, wie dem Terroranschlag auf das World Trade Center in Amerika oder dem Tsunami in Thailand, kann sich jeder vorstellen, wie traumatisch sie für die Betroffenen sind. Dies gilt auch bei Unglücksfällen, Gewaltverbrechen und plötzlichen Todesfällen.

Ich erlebe jedoch in der Praxis, dass seelische Verletzungen viele Gesichter haben können und die wenigsten davon erkannt werden. Aus der Arbeit mit Erwachsenen kenne ich Schilderungen wie: „Als meine Schwester starb, war das Leben mit einem Mal vorbei. Nichts war mehr so wie vorher, es gab plötzlich niemanden mehr, der für mich da sein konnte. Ich verlor meine Fröhlichkeit und trug fortan eine große Last mit mir herum.“ Die Frau ist zu diesem Zeitpunkt acht Jahre alt gewesen, als das Unglück geschah.

Die Auswirkungen des damaligen Unglücks brachten sie als Erwachsene zu mir in die Praxis, wo sich sehr schnell der Bezug zum Trauma ergab. Meine Klientin traf das Unglück plötzlich und unvorbereitet, sie konnte nichts dagegen tun, fühlte sich von der Situation überfordert und war hilflos.

Sie fühlte sich von ihren Eltern alleingelassen und subjektiv in ihrem Leben dadurch bedroht. Beziehungen konnten plötzlich nicht mehr gelebt werden, die Eltern erstarrten.

In einem anderen Fall brachte eine Mutter ihre 10-jährige Tochter zu mir. Das Mädchen hatte Lernprobleme, Entwicklungsverzögerungen, Konzentrationsschwierigkeiten und klammerte an der Mutter.

Das Mädchen sei ein „Schreikind“ gewesen und die Mutter suchte bei Ärzten und Bekannten Rat. Ihr sagte man damals, das Verhalten sei normal und würde sich schon auswachsen. So musste das Baby täglich bis zu acht Stunden schreien und es entwickelte sich zwischen Mutter und Kind keine positive Gegenseitigkeit, „Engelskreis“ genannt, sondern eine negative Gegenseitigkeit, der „Teufelskreis“. Es kam zu keiner beglückenden Begegnung, sondern zu einer Negativspirale, die in der beschriebenen Verhaltensweise endete. Die Gründe für das Schreien wird man im Nachhinein vielleicht nicht mehr finden, sie müssen auch nicht unbedingt traumatischer Natur gewesen sein. Die Auswirkungen für die nicht geglückte Kommunikation zwischen Mutter und Kind können jedoch sehr wohl traumatischen Charakter annehmen.

Wie bedrohlich mag es für das Kind sein, ohne Hilfe zu bleiben und infolge der missglückten Interaktion mit der Mutter, sich von dieser später abgelehnt und alleingelassen zu fühlen? Wie elend mag sich eine Mutter fühlen, wenn sie ihr Kind nicht beruhigen kann, wenn sie über einen langen Zeitraum unter Schlafmangel leidet und von dem erhofften Glück mit Kind wenig spürbar wird? Was geschieht mit dem Partner, für den keine Kraft mehr bleibt?

Es geht mir bei den Schilderungen nicht darum, jemanden die Schuld für das Geschehen zu vermitteln, denn wer ist verantwortlich für ein Unglück?

Auch die Mama mit dem Schreikind wollte eine gute Mama sein und wünschte sich, ihr Kind beruhigen zu können.

Sie hatte alles getan und konnte dennoch keine Hilfe finden.

Ich wende mich in diesem Buch ganz bewusst auch den vielen kleinen Katastrophen zu, die einzeln genommen noch keine dauerhaften seelischen Wunden hinterlassen, aber in der Summe traumatische Auswirkungen haben können.

Ich möchte beschreiben, was geschieht, wenn die Entwicklung eines Kindes unterbrochen wird und wodurch. Ein Trauma unterbricht die Entwicklung, aber nicht jeder Stress ist Trauma und nicht jedes Trauma hinterlässt dauerhafte Schäden.

Vor allem: Was erlebt ein Kind als Trauma?

Die Bewertung einer Situation oder einer Erfahrung findet immer im Betrachter statt und ist von vielen Faktoren abhängig. Wie belastende und / oder verletzende Lebensereignisse verarbeitet und integriert werden, hängt von unterschiedlichen Ursachen ab.

So spielt das Alter des Kindes eine große Rolle, ebenso seine Intelligenz, das jeweilige Temperament, ob dem Kind eine Bindungsperson hilfreich zur Seite steht und wie verletzlich es ist. So ist es immer wieder erstaunlich zu sehen, wie schwerstverletzte und missbrauchte Menschen ihr Leben meistern und schier Unerträgliches überstanden haben, ohne daran zu zerbrechen.

Andererseits gibt es Menschen, die im Auge des Therapeuten weit weniger schlimme Dinge erleben mussten und doch viel größere Probleme im täglichen Leben aufweisen. Wir können heute davon ausgehen, dass jedes Kind einen Selbstschutz und eine Selbstheilungskraft hat, die ihm hilft, Schweres zu überstehen. Auch wurde durch Untersuchungen erkannt, wie unterschiedlich verletzlich Kinder sind. Der Mama mit dem Schreikind wäre vielleicht schnell geholfen gewesen, hätte man sie an eine Schreikind-Ambulanz oder an eine andere kompetente Beratung überwiesen.

Ich möchte die Leser sensibilisieren, Trauma auslösende Situationen zu erkennen und Wege aufzeigen, die Hilfe möglich machen.

 

Gedanken zur Säuglingsforschung der vergangenen 30 Jahre

Noch bis in die 70er Jahre ging man davon aus, dass das Ungeborene wenig bis gar keinen Schmerz verspürt, schlecht ausgerüstet für das Überleben in einer Welt ist, hilflos, ohnmächtig und klein, eben ein Mängelwesen. Die Geburt war hoch technologisiert. Der Arzt bestimmte den Zeitpunkt der Geburt, wann sie künstlich eingeleitet wurde, die Geburt mit der Saugglocke oder der Zange abgekürzt wurde, zum Teil rein zur Vorbeugung oder zu Übungszwecken.

Das Neugeborene begrüßte man mit grellem Scheinwerferlicht, sein Nasen-Rachen-Raum und Magen wurden abgesaugt und die Nabelschnur, sobald sie erreichbar war, durchtrennt. Die Kinder schrien vor Angst und Schmerz und versuchten sich zu wehren. Man wusch sie mit kaltem Wasser ab, das wäre angeblich gut für die Atmung und Durchblutung, oft schliefen die Kinder dann aus Erschöpfung ein. Danach brachte man sie separat von der Mutter im Säuglingszimmer unter und fütterte sie nach der Uhr im 4-Stunden-Rhythmus.

Der französische Arzt und Geburtshelfer Frédérick Leboyer verließ 1973 seinen Platz als Chefarzt für Geburtshilfe und Gynäkologie, weil er diese Form der Geburtshilfe nicht mehr mit ansehen konnte. Sein 1974 erschienenes Buch „Geburt ohne Gewalt“ löste weltweit ein Umdenken aus.

Er schreibt:

„Was bedeutet das Schreien des Neugeborenen?
Dass die Reflexe normal sind?
Dass die Maschine funktioniert?
Sind denn die Menschen nur Maschinen?
Drückt weinen nicht auch Leid aus?
Könnte es nicht sein, dass das Baby ungeheuren Schmerz empfindet und deshalb so brüllt?

Vielleicht ist die Geburt für das Kind ebenso schmerzhaft, wie sie für die Mutter war?

Und wenn das so ist, wer kümmert sich darum? Niemand, fürchte ich, wenn ich sehe, wie wenig umsichtig unsere Kinder bei ihrer Ankunft behandelt werden. So tief ist die Vorstellung verwurzelt, so festgefahren die Meinung, dass das Neugeborene etwas ist, das nicht fühlt, etwas, das nicht hört, etwas, das nicht sieht. Wie kann „Etwas“ Kummer haben? Es schreit, es brüllt und das ist alles. Mit anderen Worten: Es ist ein Objekt. Wenn es nun nicht so wäre, wenn es überraschenderweise schon eine Person wäre...?“

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Die vergangen 25 Jahre haben durch neue bildgebende Darstellungen und Untersuchungsmöglichkeiten bahnbrechende Ergebnisse in der Säuglingsforschung hervorgebracht. Durch Martin Dornes („Der intelligente Säugling“) und Daniel Stern („Die Lebenserfahrung des Säuglings“) erfahren wir über die vielen Fähigkeiten, Neigungen und Möglichkeiten des Ungeborenen und Neugeborenen mit seinen Bezugspersonen in Kontakt zu treten und sich auszutauschen. Welche Situationen kann ein ungeborenes oder neugeborenes Kind als belastend erleben und welche Möglichkeiten hat ein Neugeborenes schmerzhaftes Erleben mitzuteilen?

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Die Neurophysiologie hat festgestellt, dass die Gehirnregion, in welcher Traumata gespeichert werden, bereits in der 12. Schwangerschaftswoche ihre Funktion aufnimmt und spätestens ab diesem Zeitpunkt alles, was die Mutter erlebt, auch vom Kind erlebt wird. Dies gilt insbesondere auch während der Geburt.

Angefangen vom Umgang mit vorzeitigen Wehen, der Berechnung des Geburtstermins und einer möglichen medikamentösen Einleitung, bis hin zur instrumentalen oder operativen Geburtshilfe, wird alles vom Kind miterlebt und unterschiedlich empfunden. All das wirkt sich prägend auf die frühe Bindung zur Mutter aus.

Bindung ist das angeborene Streben eines jeden Neugeborenen nach emotionalen Beziehungen, welches bis ins hohe Alter vorhanden bleibt (John Bowlby, brit. Kinderarzt). Dieses Streben sichert uns Schutz, Halt, körperliche und seelische Nahrung und ist unerlässlich für eine positive Persönlichkeitsentwicklung. Bereits im ersten Lebensjahr prägt sich ein Bindungsmuster heraus, das je nachdem, was das Kind erfährt,

sicher gebunden,
unsicher - vermeidend gebunden,
unsicher - ambivalent gebunden oder
desorganisiert / desorientiert gebunden
(1971 Mary Ainsworth) sein kann.

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