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Ein Wochenende mit dem Chef?

1. KAPITEL

Adam Palmer hatte sich gegen die Theke gelehnt, die Arme vor der Brust verschränkt, und betrachtete die bunte Menge, die sich um die Spieltische drängte. Wie immer achtete er nicht darauf, dass Frauen jeden Alters ihn neugierig musterten.

Er hatte nur Augen für seine potenziellen neuen Geschäftspartner, die offenbar äußerst zufrieden an einem der Roulettetische saßen. Es war eine gute Idee gewesen, sie in Aucklands Sky City Kasino zu führen. Wie gebannt verfolgten sie jede Bewegung des Croupiers, als hinge ihr Leben von der rollenden Kugel ab. Besser konnte der Abend nicht laufen, und Adam sollte eigentlich zufrieden sein.

Aber er war es nicht.

Immer noch ärgerte es ihn, dass seine Assistentin Lainey Delacorte an diesem Abend keine Zeit hatte. Normalerweise begleitete sie ihn, wenn er Kunden ausführen musste. Seit wann war ihr das Privatleben wichtiger als der Beruf? In den zweieinhalb Jahren, die sie nun schon für ihn arbeitete, war das noch nie vorgekommen. Kein Wunder, dass er sich darauf verlassen hatte, dass sie immer zur Verfügung stand.

Er war so froh gewesen, eine Assistentin zu finden, für die der Beruf genauso wichtig war wie für ihn. Auch er war ein Workaholic. Oft aber war Lainey sogar schon vor ihm im Büro und empfing ihn bereits mit einer Tasse seines Lieblingskaffees und einer Auswahl von Zeitungen.

Und ausgerechnet an diesem einen Abend hatte sie dann eine „Verabredung“?

Gerade jetzt hätte er sie gern dabeigehabt. Denn es ging nicht nur um die potenziellen Geschäftspartner selbst. Auch ihre Frauen mussten unterhalten werden, und da war Lainey einfach besser. Aus Erfahrung wusste er, wie wichtig es war, die Kunden bei Laune zu halten. Wenn Adam Palmer an Kontakten mit einer Firma interessiert war, kümmerte er sich zuallererst intensiv um die Leute, die dort das Sagen hatten. Und dabei war Lainey einfach unentbehrlich.

Auf eine sehr angenehme und unaufdringliche Art sorgte sie dafür, dass alle sich wohlfühlten. Jeder mochte sie, die mächtigen Vorstandsvorsitzenden ebenso wie deren minderjährige Enkel, die nur Computerspiele im Kopf hatten. Sie strahlte eine freundliche Ruhe aus und wirkte dabei auf eine gelassene Art und Weise selbstsicher, sodass man nicht nur zu ihr, sondern auch zu ihrem Chef Vertrauen fasste. Und das stellte bei Verhandlungen letzten Endes für beide Seiten einen ungeheuren Vorteil dar.

Verdammt, und ausgerechnet an diesem Abend war sie nicht da.

Wer war denn das da hinten? Aus dem Augenwinkel hatte Adam auf der anderen Seite des Raumes eine Bewegung wahrgenommen und sah genauer hin. Donnerwetter, was für eine Frau. Sie trug ein feuerrotes enges Kleid, das die leichte Bräune ihrer nackten Arme noch betonte. Das dunkelbraune Haar fiel ihr in weichen Wellen auf die Schultern.

Adam kniff leicht die Augen zusammen und beobachtete die Frau in Rot genau. Sie war groß und schlank und bewegte sich in einer Art und Weise, die ihm irgendwie bekannt vorkam. Warum drehte sie sich nicht um, damit er ihr Gesicht sehen konnte? Ob sie von vorn genauso aufregend aussah wie von hinten? Vielleicht kannte er sie tatsächlich?

Dennoch konnte er sich nicht vorstellen, dass sie mal was miteinander gehabt hatten. Er liebte die zierlichen Blonden, Frauen, die so aussahen, als sehnten sie sich nach dem Schutz eines großen, starken Mannes, der immer genau wusste, was er wollte. Die Frau dahinten war sicher nicht ein solcher Typ.

Mit den High Heels, die sie trug, war sie bestimmt fast so groß wie er und konnte ihm direkt ins Gesicht sehen. Seltsam, plötzlich hatte diese Vorstellung etwas sehr Verführerisches.

Die Frau in Rot sah nicht so aus, als brauche sie Schutz. Ihrer stolzen Haltung nach zu urteilen war sie in der Lage, sich selbst zu nehmen, was sie wollte.

Umso besser, das machte die „Jagd“ nur interessanter. Adam genoss das erregende Kribbeln auf der Haut und die Wärme, die sich in seinem Körper ausbreitete. Niederlagen kannte er nicht, und er freute sich schon jetzt darauf, diese stolze Schönheit gefügig zu machen. Sie würde es bestimmt nicht bereuen. Frauen waren bei ihm schon immer auf ihre Kosten gekommen.

Wie sich der dünne Stoff an ihre Rundungen schmiegte! Man brauchte nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, was sich darunter befand. Und dennoch gab es für Adam nichts Aufregenderes, als eine Frau Stück für Stück zu entkleiden und ihre weiche glatte Haut zu liebkosen. Wie gut, dass er für solche Fälle ein Apartment in der Stadt hatte.

Er umfasste sein Whiskeyglas fester. Er liebte es, Frauen zu erobern. Leider ging die Sache nicht immer so aus, wie er sich das vorstellte. Denn nicht alle Frauen waren mit einer lockeren sexuellen Beziehung einverstanden, wie er sie bevorzugte, und am Ende gab es oft Tränen.

Aber so weit war er noch nicht. Hier ging es erst einmal um einen Anfang. Adam liebte dieses erste Stadium der Eroberung. Doch seit Monaten war er über einen mehr oder weniger höflichen Flirt nicht hinausgekommen. Ihm fehlte einfach die Zeit.

Als er im letzten Monat an der Trauerfeier für die Frau eines alten Lehrers teilgenommen hatte, war ihm bewusst geworden, wie einsam er eigentlich war. Professor Woodley sah aus, als habe er das Wichtigste in seinem Leben verloren. Sicher, er nahm sich zusammen und lächelte auch, als er seine alten Schüler begrüßte. Aber Adam hatte genau gespürt, dass er tief in seinem Herzen todtraurig war. Dabei war Adam aufgefallen, dass er selbst so etwas nicht kannte, diese tiefe Liebe zwischen Mann und Frau, die aus zwei Menschen ein Paar machte. Ob er so etwas jemals erleben würde? Wahrscheinlich nicht.

Jetzt stellte die Frau in Rot ihr Glas ab und schob sich durch die Menge. Wie hypnotisiert folgte Adam jeder ihrer Bewegungen. Wie sie wohl im Bett war? Neugierig? Bereit, alles Mögliche auszuprobieren? Witzig? Oder liebte sie genauso langsam und elegant, wie sie sich bewegte?

Wie auch immer. Ohne die Frau aus den Augen zu lassen, nahm Adam einen Schluck von seinem Whiskey. Er würde es sehr bald herausfinden, da war er sicher. Schnell stellte er das Glas auf dem Tresen der Bar ab. Zeit, sich endlich mit ihr bekannt zu machen.

Er hatte den Raum schon halb durchquert, als er stehen blieb und unwillig die Augenbrauen zusammenzog. Was wollte der denn? Ein kleiner untersetzter Mann war auf die Frau in Rot zugegangen und nahm sie vertraulich beim Arm.

Lee Ling.

Der Mann bewegte sich unter Spielern wie der große weiße Hai unter Beutefischen, bereit, sofort zuzuschnappen. Natürlich betrieb er seine Geschäfte sehr diskret, denn sonst dürfte er das Kasino nicht mehr betreten. Aber jeder, der nicht nur Gelegenheitsspieler war, wusste, dass er sich auf Lee Ling verlassen konnte, wenn ihm mal ein paar Tausender fehlten.

Mühsam unterdrückte Adam seine Enttäuschung. Es gab nur einen Typ Frau, der sich freiwillig mit Lee Ling sehen ließ. Und die Frau in Rot gehörte nun ganz sicher nicht dazu. Zumindest hätte Adam sie nicht so eingeschätzt. Er wollte sich gerade verächtlich abwenden, als die Frau sich zu ihrem Begleiter umdrehte. Kurz konnte er das Profil erkennen, bevor ihr das glänzende Haar über die Wange fiel.

Das konnte doch nicht wahr sein!

Adam blieb wie erstarrt stehen. Lainey? Was, zum Teufel, tat sie hier? Und, schlimmer noch, was hatte sie mit Ling zu schaffen?

Wut stieg in ihm auf. Was dachte sie sich dabei? Wenn Palmer Enterprises irgendwie in Verbindung mit Lee Ling gebracht wurde, konnte Adam die bevorstehenden Verhandlungen vergessen. Und er hatte die potenziellen neuen Kunden vergeblich ausgeführt. Wer sich mit Lee Ling einließ, war als ernstzunehmender Geschäftsmann diskreditiert. Das wusste Lainey ganz genau. Weshalb hing sie dann an Lings Arm, als sei er die Liebe ihres Lebens? Und noch dazu in diesem sexy Outfit?

Das Paar drehte sich um, und Adam stockte der Atem. Von vorn sah Lainey tatsächlich genauso aufregend aus wie von hinten. Das eng anliegende Oberteil wurde von sehr schmalen Trägern gehalten, der Ausschnitt ließ keine Wünsche offen. Der Ansatz ihrer vollen Brüste war deutlich zu sehen.

Adam wurde der Mund trocken. Nie wäre er auf die Idee gekommen, dass sie eine solche Figur hatte. Mann, wenn sie jemals so im Büro aufgetaucht wäre, wären sie wohl nicht zum Arbeiten gekommen. Kein Wunder, dass sie sich immer wie eine graue Maus anzog und ihre aufregenden Formen unter weiten Blusen und Pullovern verbarg. Und dieses Haar. Locker und glänzend fiel es ihr auf die nackten Schultern. Im Büro hatte sie es immer streng in einem Nackenknoten zusammengefasst.

In Lainey Delacorte mussten zwei Persönlichkeiten stecken. Diese Sirene in Rot, die sofort sein Verlangen hervorgerufen hatte, hatte mit seiner schwer arbeitenden Assistentin, die immer bescheiden im Hintergrund blieb, nichts zu tun.

Aber sie war seine Assistentin, verdammt noch mal! Sie sollte an diesem Abend die Gäste von Palmer Enterprises unterhalten. Mit ihm zusammen. Und nicht am Arm von diesem Gauner Lee Ling herumflanieren.

Die beiden kamen auf ihn zu und blieben hin und wieder stehen, weil Ling mit dem einen oder anderen ein paar Worte wechselte. Er sondiert sein Terrain, dachte Adam verbittert. Zwar spielte er selbst ganz gern, aber er ging nur kalkulierte Risiken ein. Mit Menschen wie ihm konnte Ling keine Geschäfte machen. Er brauchte die Spielsüchtigen, die hoch setzten, weil sie entweder gerade verloren hatten oder meinten, eine Glückssträhne zu haben. Das waren seine Opfer.

Wieder sah Adam Lainey von oben bis unten an, von dem leuchtend glänzenden Haar bis zu den silbernen Sandaletten. Wer war diese Frau? Auf keinen Fall die Lainey, die er kannte. Aber er würde es bald herausfinden.

Dann erkannte sie ihn, und er konnte auf die Sekunde genau sagen, wann es geschah. Sie riss die Augen auf, die Pupillen weiteten sich, bis von der grünen Iris fast nichts mehr zu sehen war. Grüne Iris? Seit wann hatte sie grüne Augen? Ihre Augen waren braun, das wusste er ganz genau.

Er biss die Zähne zusammen, aber nur kurz, denn er wollte auf keinen Fall zeigen, dass er zornig war.

Was war denn überhaupt noch echt an Lainey Delacorte? Wer weiß, was sie ihm alles vorgelogen hatte. Sie war immer seine rechte Hand gewesen, und plötzlich musste er befürchten, dass sie in dieser Hand ein Messer hielt, um ihn hinterrücks zu erdolchen. Wenn sie sich derart verwandeln konnte, dann war sie vielleicht auch fähig, Geschäftsgeheimnisse zu verraten … War ihre Loyalität der Firma gegenüber möglicherweise nur vorgetäuscht?

Die beiden waren näher gekommen, und Adam fiel auf, dass Lainey ihn mit kaum verhohlener Furcht ansah. Die Begegnung war unvermeidlich. Er lächelte kurz. Was auch immer in ihr vorging, er würde erfahren, was er wissen wollte. Und auch Lee Ling konnte ihn nicht daran hindern.

Adam trat dem Paar in den Weg und nickte dem kleinen Mann kurz zu. „Ling.“

„Ah, Mr. Palmer, wenn ich mich nicht irre? Wie geht es Ihnen?“ Lee musterte sein Gegenüber aufmerksam, als wolle er abschätzen, ob Adam Palmer wohl seine Dienste gebrauchen könne.

„Danke, und Ihnen? Wollen Sie mich nicht Ihrer …?“ Mit Absicht brachte Adam den Satz nicht zu Ende. Stattdessen grinste er bedeutungsvoll, woraufhin Lainey ihn wütend ansah.

„Aber selbstverständlich. Miss Lainey Delacorte, dies ist Mr. Adam Palmer. Mr. Palmer, darf ich Ihnen Miss Delacorte vorstellen?“ Ein Mann erschien an Lees Seite und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Sofort leuchteten Lees Augen auf, und er wandte sich an Adam. „Wenn Sie mich bitte einen Augenblick entschuldigen wollen … Geschäfte. Darf ich Ihnen Miss Delacorte so lange anvertrauen?“

Besser hätte es nicht kommen können. Hoch erfreut über diesen glücklichen Zufall nickte Adam vielsagend lächelnd.

Nervös trat Lainey von einem Fuß auf den anderen. Was für ein Pech. Ausgerechnet ihren Chef musste sie hier treffen! Sie sah zu Boden, um Adams wütendem Blick auszuweichen. Fieberhaft dachte sie darüber nach, wie sie ihr Erscheinen hier und vor allem in dieser Begleitung erklären könne.

„So, dann war Ling also derjenige, mit dem Sie schon ewig lange verabredet waren?“ Adam kam gleich zur Sache.

Lainey straffte die Schultern und sah ihn entschlossen an. „Ja.“ Dass diese Verabredung nur aufgrund einer Erpressung zustande gekommen war, durfte sie nicht zugeben. Niemals.

„Aber sind Sie nicht bei mir angestellt? Sie sollten für mich arbeiten und nicht für ihn.“

„Wie kommen Sie darauf, dass ich für ihn arbeite?“

„Pah!“ Adam lachte kurz und verächtlich auf. „Für wie dumm halten Sie mich eigentlich? Sie wollen mir doch nicht erzählen, dass Sie mit Lee befreundet sind? Ich kenne Ling und weiß, womit er sein Geld verdient. Aber was haben Sie damit zu tun?“

„Von Montag bis Freitag bin ich ab neun Uhr morgens bis sechs Uhr abends bei Ihnen angestellt. Ich mache meinen Job exzellent, das wissen Sie genauso gut wie ich. Wie und mit wem ich jedoch meine Freizeit verbringe, geht Sie nichts an. Das ist allein meine Sache.“

Als Adam näher an sie herantrat, musste Lainey sich zwingen, nicht zurückzuweichen. Der Duft seines Aftershaves war allzu verführerisch, und sie hätte am liebsten tief eingeatmet. Doch sie nahm sich zusammen. Schließlich war er ihr Chef.

Bisher hatten sie diese Grenze nicht überschritten, und sie würde es auch jetzt nicht tun. Gerade in dieser Zeit war sie sehr auf ihren Job und ihr Gehalt angewiesen.

„Und wenn ich es auch zu meiner Sache machen möchte?“, fragte er so leise, dass Lainey ihn verwirrt ansah. „Dann … dann wären Sie schwer enttäuscht“, brachte sie stockend hervor und wich schnell einen Schritt zurück.

Wo blieb Lee? Hastig sah sie sich um. Nie hätte sie gedacht, dass sie sein Erscheinen jemals so herbeisehnen würde. Um sie vor dem Mann zu schützen, den sie immer sehr bewundert hatte. Obwohl sie so eng zusammenarbeiteten, dass sich unbeabsichtigte Berührungen nicht vermeiden ließen, hatte sie nie etwas anderes als Bewunderung und Respekt für ihren Chef empfunden. Denn er war hochintelligent und einer der erfolgreichsten Unternehmer Neuseelands.

Aber an diesem Abend … jetzt … da war plötzlich alles ganz anders.

Als sich ihre Blicke trafen, hatte sie das Gefühl, ihm hilflos ausgeliefert zu sein. Die Art und Weise, in der er sie von oben bis unten musterte, dieser heiße Blick, der auf ihrem Körper ruhte, ließ sie erröten und sehr deutlich fühlen, dass ihr Körper auf ihn reagierte. Sicher, sie hatte Adam immer für sehr attraktiv gehalten, das tat wohl jeder. Und falls sie jemals mehr für ihn empfunden hatte, hatte sie das sehr schnell unterdrücken können.

War sie zu weit gegangen, als sie ihm sagte, ihr Privatleben ginge ihn nichts an? Hoffentlich nicht. Er wirkte nicht gerade erfreut, aber eigentlich konnte er nichts dagegen einwenden. Während der Arbeitszeit war sie hundertprozentig für ihn da, da durfte er sich wahrlich nicht beschweren. Und nur weil er sie hier mit Lee gesehen hatte, konnte er sie doch nicht feuern?

Da kam Lee, endlich. Auch Adam hatte ihn gesehen und sagte verärgert: „So schnell kommen Sie mir nicht davon, Lainey. Ich erwarte eine Erklärung. Gleich morgen früh.“

Lainey sah ihm hinterher, als er zu dem Roulettetisch ging, an dem die Geschäftsleute aus Europa saßen. Sie hatte gewusst, dass heute Geschäftsbesuch aus Europa kommen sollte. Eigentlich hätte sie sich denken können, dass Adam die Gäste am ersten Abend ins Kasino ausführen würde. Vielleicht hätte sie die Verabredung mit Lee absagen sollen, aber sie wusste, er hätte es nicht zugelassen. Lee setzte durch, was er wollte, und er hatte sie in der Hand. Schließlich ging es um sehr viel Geld. Und sie hatte ihm geschworen, alles dafür zu tun, damit er zu seinem Geld kam.

Während sie sich bei Lee unterhakte, zwang sie sich zu einem freundlichen Lächeln. Das ungleiche Paar nahm seine Runde durch die Räume wieder auf, und Lainey bereute nicht zum ersten Mal, dass sie sich auf diesen Deal mit Lee eingelassen hatte. Das Geld war eine Sache, aber dass er sie zwang, auf eine bestimmte Art und Weise mit seinen „Kunden“ umzugehen, war etwas ganz anderes.

Der Abend schien sich endlos vor ihr in die Länge zu ziehen, es gab kein Entkommen. Und dennoch konnte die Nacht nicht lang genug dauern, denn Lainey hatte Angst vor dem kommenden Tag. Am nächsten Morgen musste sie Farbe bekennen, und wenn sie an das bevorstehende Gespräch mit Adam dachte, überlief sie ein eiskalter Schauer.

2. KAPITEL

„Grün“, sagte Adam statt einer Begrüßung.

„Wie bitte?“ Überrascht sah Lainey ihn an.

„Gestern Abend hatten Sie grüne Augen. Heute sind sie wieder braun. Was ist denn nun die richtige Farbe?“

„Ich habe grüne Augen.“ Lainey seufzte leise. „Das Braune sind farbige Kontaktlinsen.“

Das Ganze schien noch mühsamer zu werden, als sie befürchtet hatte. Erst der lange Abend, dann die beinah schlaflose Nacht und jetzt dieses Verhör … Wie sollte sie das nur durchhalten? Leider war Adam schon da, als sie durch die Tür kam, und dabei war sie an diesem Morgen extra früh dran. Er hatte sogar schon den Kaffee aufgesetzt. Das war normalerweise ihre Aufgabe, bevor sie die E-Mails durchging und ihm die Morgenzeitungen auf den Schreibtisch legte. Der Kaffeeduft hatte sie bereits auf dem Flur empfangen, als sie aus dem Aufzug trat. In dem hohen Gebäude, der Zentrale von Palmer Enterprises, hatte Adam das ganze oberste Stockwerk gemietet.

„Aber warum verbergen Sie Ihre grünen Augen?“ Adam stand auf, kam um den Schreibtisch herum und stellte sich so dicht vor Lainey hin, dass sie ihm in die Augen sehen musste. „Warum verbergen Sie überhaupt … alles?“

Schnell wandte Lainey sich ab, trat ein paar Schritte zurück und strich sich nervös den Rock ihres beigen Kostüms glatt. „Ich weiß nicht, was Sie meinen.“

„Machen Sie mir doch nichts vor, Lainey. Sie wissen genau, wovon ich spreche. Nämlich davon.“ Er wies auf das Kostüm, das zwar edel aussah, aber offensichtlich einige Nummern zu groß war, sodass Lainey fülliger aussah, als sie war. „Und das.“

Mit einer schnellen Bewegung zog er ihr die Spange aus dem Haar, mit der sie den Knoten im Nacken befestigt hatte. Sobald ihr das Haar weich auf die Schultern fiel, sah sie wieder diesen Ausdruck in seinen Augen, der ihr schon am Vortag aufgefallen war, dieses ungezähmte Verlangen danach, sie zu besitzen. Ein Blick, der sie zugleich erregte und erschreckte.

„Ich verberge überhaupt nichts. Wollen Sie damit sagen, dass ich in einem ähnlichen Aufzug wie gestern hier im Büro auftauchen sollte?“

Adam lachte kurz auf. „Hm, auf alle Fälle wäre das mal eine interessante Abwechslung. Aber nein, das meine ich nicht. Seit mehr als zwei Jahren arbeite ich jetzt mit Ihnen zusammen. Aber seit gestern Abend kenne ich Sie nicht mehr. Wer ist Lainey Delacorte? Die Frau im beigen Kostüm oder die in dem engen roten Kleid?“

„Ist das denn wirklich so wichtig?“ Entnervt strich Lainey sich das Haar zurück. „Während meiner Arbeitszeit erledige ich alles sehr gewissenhaft. Sie sind zufrieden, Ihre Kunden sind zufrieden. Wie ich mich außerhalb des Büros anziehe, ist doch nicht entscheidend.“

„Da bin ich vollkommen anderer Ansicht. Und was ist mit den Leuten, mit denen Sie außerhalb der Dienstzeit zu tun haben? Glauben Sie wirklich, dass es gut für Palmer Enterprises ist, wenn Sie mit jemandem wie Ling zusammen gesehen werden?“

„Jetzt übertreiben Sie aber. Lee weiß noch nicht einmal, dass ich für Sie arbeite. Inwiefern sollte meine Bekanntschaft mit ihm nachteilig für die Firma sein?“

„Ja, können Sie sich denn nicht vorstellen, dass es ein negatives Licht auf das Unternehmen wirft, wenn Kunden von uns Sie mit diesem Mann sehen? Kunden, die sehr genau wissen, dass Sie eng mit mir zusammenarbeiten? So naiv können Sie doch nicht sein.“ Adam fuhr sich frustriert durchs Haar. „Das muss aufhören, Lainey. Ich weiß zwar nicht, was Ling Ihnen bedeutet, aber Sie dürfen sich nicht mehr mit ihm treffen.“

„Das ist doch einfach lächerlich! Sie können mir nicht befehlen, mit wem ich in meiner Freizeit zusammen bin.“

„Nein? Da seien Sie sich mal nicht so sicher. In der letzten Zeit gab es durchaus hin und wieder etwas an Ihrem Arbeitsstil zu bemängeln. Sie schienen oft mit Ihren Gedanken ganz woanders zu sein. Ihnen sind Fehler unterlaufen, die Sie zwar noch rechtzeitig bemerkt haben und wieder ausbügeln konnten. Aber glauben Sie nicht, dass mir das nicht aufgefallen ist. Das bedeutet, dass das, was Sie in Ihrer freien Zeit tun, durchaus einen Einfluss auf die Arbeit hier hat. Betrachten Sie das als mündliche Abmahnung. Beim nächsten Fehler bekommen Sie es schriftlich. Was Sie außerhalb der Arbeitszeit tun, darf sich nicht negativ auf Ihre Arbeit im Büro auswirken. Das kann ich nicht tolerieren.“

Was? Fassungslos starrte Lainey ihn an. Das war doch wohl nicht sein Ernst? „Das geht zu weit, Adam. Dass Ihnen die Leute nicht gefallen, mit denen ich ausgehe, tut mir leid. Aber Sie können mir doch nicht vorschreiben, mit wem ich in meiner Freizeit zusammen bin. Nur weil Sie meinen, dass das Ihre Kunden stört.“

„Nein? Da wäre ich mir nicht so sicher. Aber es ist Ihre Entscheidung. Sie wissen, wie wichtig es ist, dass ich mich hundertundzehnprozentig auf Sie verlassen kann. Das war Ihnen klar, als Sie den Vertrag unterschrieben haben. Wenn Sie diese Bedingung nicht erfüllen können, dann muss Ihnen leider kündigen.“

„Aber ich kann es mir nicht leisten, den Job zu verlieren!“ Das hätte sie nicht sagen sollen, doch sie konnte die Worte nicht mehr zurücknehmen. Die Vorstellung, den gut bezahlten Job zu verlieren, war einfach furchterregend. Um das Geld an Lee zurückzuzahlen, seine Wucherzinsen eingeschlossen, musste sie jeden Cent zusammenkratzen und versuchen, eher mehr als weniger zu verdienen.

„Adam, ich gebe zu, ich war in der letzten Zeit etwas unkonzentriert. Aber ich verspreche Ihnen, das wird nicht wieder vorkommen.“

So ist das also. Adam beobachtete Laineys Mienenspiel genau. Die Drohung, sie eventuell zu entlassen, hatte sie zu Tode erschreckt, das war sehr deutlich zu sehen. Dass sie zugab, das Geld zu brauchen, ja, es sich nicht leisten zu können, den gut bezahlten Job zu verlieren, sprach Bände. Wie hoch ihre Schulden bei Lee wohl waren? Und wie war sie überhaupt in diese Situation gekommen? Er zahlte ihr doch ein sehr gutes Gehalt und wäre nie auf die Idee gekommen, dass sie in finanziellen Schwierigkeiten war. Aber warum sollte sie sich sonst mit diesem schmierigen Ling abgeben? Vielleicht war sie spielsüchtig …

Das wäre fatal. Im letzten Jahr hatte Palmer Enterprises ein paar sehr lohnende Geschäfte an die Tremont Corporation verloren. Die „undichte Stelle“ im Unternehmen war zwar gefunden und beseitigt worden, aber Adam war verständlicherweise jetzt sehr misstrauisch, wenn er hörte, dass eine seiner Mitarbeiterinnen in finanziellen Schwierigkeiten steckte. Denn in einer solchen Situation waren die meisten Menschen Geldangeboten gegenüber sehr aufgeschlossen. Und das konnte bedeuten, dass er oder sie vertrauliche Informationen ausplaudern könnte.

Da Lainey bei ihm wirklich sehr gut verdiente, hätte Adam nie gedacht, dass auch sie gefährdet sein könnte. Denn sie lebte allein und hatte keine Kinder, zumindest hatte sie das in dem Bewerbungsgespräch behauptet, sodass sie eigentlich keine Geldsorgen haben dürfte.

Doch vielleicht stimmte das alles nicht. Ihre Angst um den Arbeitsplatz ließ nur eine Deutung zu: Sie brauchte dringend Geld.

Dass sie bereute, ...

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