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Ein Bild von Eintracht und Verlorenheit

Max von der Grün

Ein Bild von Eintracht und Verlorenheit

Erzählungen

Ausgewählt von
Günther Butkus

Nachwort
von Klaus Antes

PENDRAGON

Inhalt

Am Tresen gehn die Lichter aus

Christoph Klein und der Stier

Etwas außerhalb der Legalität

Das Hobby

Der längst fällige Streit

Fahrt in den Morgen

Das Stenogramm

Der Igel

Masken

Wer sie nicht kannte

Ruhrschnellweg

Erster Sonntag im Mai

Ostende

Grenze

Urlaub am Plattensee

Rom

Im Tal des Todes

Fahrtunterbrechung

Eine Jugend in Franken

Waldläufer und Brückensteher

Ortsbesichtigung

Nichts als gegeben hinnehmen

Nachwort von Klaus Antes

Editorische Notiz

Am Tresen gehn die Lichter aus

Der Wirt dreht am Tresen das letzte Sparlicht aus und sagt: Feierabend. Unsere Proteste nützen nichts, wir werden auf die Straße gesetzt. Einmal muss ja Schluss sein, sagt der Wirt, und er gibt uns einen freundlichen Klaps auf die Schulter.

Fritz Bamberger und ich wanken nach Hause, wir stützen uns gegenseitig, dennoch wanken wir ein wenig, als wir durch die leeren Straßen unserer Siedlung zusteuern; es ist zwei Uhr nachts. Irgendjemand wird noch hinter einem Vorhang stehen, uns beobachten und am nächsten Morgen der Nachbarschaft erzählen, wer so spät nach Hause kam – und wie. In unserer Siedlung bleibt nichts verborgen.

Weiß du noch, lallte Fritz Bamberger unterwegs, als wir hier ankamen? Das waren noch Zeiten. Er sagte es so, als wären es gute Zeiten gewesen.

Vor zwanzig Jahren, 1951, verschlug es uns in dieses Dorf. Fritz erlag der Werbung für den Ruhrbergbau in Schleswig Holstein, ich erlag der Werbung für den goldenen Westen – wie das Ruhrgebiet Anfang der fünfziger Jahre scherzhaft genannt wurde – in Franken. Die Methoden waren überall gleich: Versprechungen, die selten oder überhaupt nicht eingelöst wurden.

Wir jungen Leute wurden in einem Ledigenheim untergebracht – in Baracken und Notunterkünften wie heute die ausländischen Arbeiter – vier Mann auf einer Stube. Dort lebten wir mehr oder minder einträchtig drei Jahre, bis wir eine Wohnung bezogen. Fritz ging in Miete, ich bewarb mich um ein Eigenheim. Wir zogen in die Häuser, für die damals bei unserer Ankunft schon der Boden ausgehoben wurde; Bulldozer räumten den Humus ab samt dem Weizen, der vierzehn Tage später schnittreif gewesen wäre. Wir standen dabei, sahen zu und erregten uns maßlos darüber. Sind die verrückt? Einfach den Weizen abtragen? Fünf Jahre nach Kriegsende, drei Jahre nach dem härtesten Hungerwinter? Haben die schon vergessen, was Hunger ist, vergessen, was ein Weizenhahn für ein Reichtum war? Wir waren furchtbar aufgebracht und sagten es wenig später dem Bürgermeister, der uns im Ledigenheim besuchen kam, lauthals ins Gesicht: dass auf der Welt noch Hunger sei, dass es drüben noch Lebensmittel auf Marken gebe, dass selbst die Engländer, Sieger des letzten Krieges, nicht ohne Lebensmittelrationierung auskommen. Und was tut ihr hier? Eine Sünde. Kommt es denn auf die vierzehn Tage an? Ihr grabt einfach den Weizen um, das ist ein Verbrechen! Jawohl, sagte Fritz noch, dann drehte er dem Bürgermeister den Rücken zu mit einem unflätigen Wort, das der Bürgermeister aber gelassen hinnahm, denn auch er war dreißig Jahre unter Tage und von dieser Untertage Sprache geprägt. Nur keine Gefühlsduseleien. Das bisschen Weizen. Wohnungen sind jetzt wichtiger. Wenn ihr erst mal in den neuen Häusern wohnt, habt ihr den Weizen und die Lebensmittelkarten hinter der Elbe längst vergessen. Die Baufirma hat Termine, die kann nicht auf ungeschnittenen Weizen Rücksicht nehmen.

Wir denken nur noch an das goldgelbe, schnittreife Feld, wenn am Tresen die Lichter ausgehen und wir biervoll nach Hause wanken, in unsere Siedlung. Wir sprechen dann von den alten Zeiten, als wäre es ein Menschenalter her und nicht erst zwanzig Jahre.

Für eine Gemeinde im Ruhrgebiet sind zwanzig Jahre eine lange Zeit. In diesen Dörfern erlebt man den Wandel bewusster und hautnaher als in den großen Städten.

Als ich in dieses Dorf kam, stand die katholische Kirche inmitten von Feldern und Wiesen, heute ist sie Mittelpunkt weitläufiger Kasernensiedlungen; da stand die alte Gemeinschaftsschule abseits des Dorfes, heute ist sie umgeben von Sportanlagen und ansehnlichen Siedlungskomplexen.

Mein Dorf liegt zwischen Dortmund und Hamm, es hat die denkbar günstigste Verkehrslage, besitzt man ein eigenes Fahrzeug, denn Autobahn und Ruhrschnellweg liegen sozusagen vor der Haustüre, Bahnstation hat es nicht, nie gehabt. Mein Dorf hat 10 000 Einwohner, aber einer kennt den andern. Jeder ist jedermanns Nachbar. Man ist unterrichtet über Geburten, Hochzeiten, Tod – und kommt jemand mit einem dicken Rausch nach Hause, bleibt es nicht verborgen. Der Briefträger fragt am nächsten Morgen: Na, was macht der Kater? Hast du Hering im Haus?

In unserer Siedlung hört man die Flöhe husten und die Töpfe auf dem Herd klappern, der Geruch durch die meist offen stehenden Haustüren verrät, was mittags oder abends auf den Tisch kommt, und ruft eine Mutter auf der Straße nach ihrem Kind, rufen wenig später zehn oder zwanzig Mütter den Namen des Kindes, schließlich ist es nicht nur ein Kind dieser Frau, es ist auch ein Kind dieser Siedlung. Und das zählt.

Sechs Siedlungskomplexe sind seit dem letzten Krieg um den eigentlichen Dorfkern – eine lange, triste und unansehnliche Straße – und um die Zeche herum entstanden. Jede Siedlung sieht anders aus. Von primitiv gebauten Häusern, immer noch ohne Badezimmer, bis hin zu fast villenartigen Bautypen entwickelte im Laufe der Jahre jede Siedlung ihr Eigenleben und hat jetzt ihren besonderen Charakter. Das mag äußerlich schon an den Gärten ablesbar sein, am Anstrich der Häuser, an der Sauberkeit der Straßen – denn hier fegt noch jeder zweimal die Woche vor seiner eigenen Tür – und daran, ob viele Frauen in Gruppen zusammenstehen und endlos palavern und ob sie aus den Fenstern sehen und sich über die Straße hinweg über andere Leute unterhalten. So unterschiedlich die Siedlungen sein mögen, eins haben sie gemeinsam: Es kann in ihnen nichts verborgen bleiben – aber auch nichts verloren gehen.

Jeder weiß.

Und jeder weiß, dass jeder weiß.

Und noch etwas verbindet sie: In allen Siedlungen wohnten bis heute Bergleute, die Männer trafen sich auf der Zeche, sie kannten sich, auch wenn sie weit auseinander wohnten, entweder durch die Arbeit unter Tage oder aber, wenn sie nackt in der Kaue standen.

Nacktheit verbindet, macht vertraulich, bringt Zutrauen. Das wird anders, und es ist zum Teil schon anders geworden. Die Pastoren beider Konfessionen genießen Ansehen, nicht weil sie etwa gute Predigten halten – wer von den Arbeitern geht schon in die Kirche, sie brauchen nicht, wie etwa Handwerker, auf Reputation zu achten – nein, sie spielen mit den Kumpels Skat in den Kneipen, sie schreien auf dem Fußballplatz genauso wie mein fanatischer Fußballfreund Fritz Bamberger, der mir nach jedem verlorenen Spiel seiner Mannschaft die Freundschaft aufkündigt; unsere Pastoren stehen am Tresen und reden über Politik, über die Möglichkeit zur Ansiedlung neuer Industrien, um das Monopol der Zeche und der Kohle zu brechen, über Vor- und Nachteile eines kommunalen Zusammenschlusses mit einer anderen Gemeinde, der Eingliederung etwa in die Stadt Kamen oder in die Stadt Unna.

Die Pastoren stehen am Tresen und diskutieren, sie werden von den Arbeitern ernst genommen, ernster als mancher Berufspolitiker, denn die Sorgen der Kirche sind plötzlich die Sorgen der Kumpels, die Sorgen der Arbeiter wurden über Nacht die Sorgen der Kirche. Die Pastoren versuchen, auf die Kommunalpolitik Einfluss zu nehmen, der evangelische Pastor ist Mitglied der SPD, vom katholischen weiß man, dass er die CDU wählt, sie streiten heftig, vergessen die individuelle Nächstenliebe aus Sorge um ihre Gemeinde; manchmal reden sie, bis am Tresen die Lichter ausgehen.

Wenn die Arbeiter schon nicht in die Kirche kommen, sagte mir der evangelische Pastor, müssen wir Pfarrer in die Kneipe gehen. Und das ist gut so. Unsere Pastoren halten das Leben am Tresen für das demokratischste überhaupt, da gibt es keine Tabus, auch die Kirche lässt da Federn.

Die jungen Männer, die nicht durch die Arbeit auf der Zeche an die Wohnung gebunden waren, wie ihre Väter es heute noch weitgehend sind, haben schon vor Jahren, bei Ausbruch der Kohlenkrise, die Zeche verlassen, obwohl die Zechenverwaltungen hohe Summen für ihre Ausbildung ausgaben. Das ist denen ihr Risiko, sagen die jungen Leute. Die jungen Leute kehrten sich ohne Groll von der Zeche ab, denn ihnen war, im Gegensatz zu ihren Vätern und Großvätern, die Zeche niemals Heimat, nur notwendiges Übel, ein Platz, an dem man ganz gut Geld verdienen konnte und weil es eben so Brauch war, dass man den Beruf des Vaters fortführte. Und einige sagten, Tradition ist nur ein Mittel, Menschen in Unfreiheit zu halten. Aber dann wollten sie nicht mehr ohne Sonne leben, nicht mehr zusehen, wie andere abends, wenn sie nach unter Tage fahren mussten, mit ihren Mädchen spazieren gingen; sie wechselten in einen Betrieb, wo es ihnen schon genügte, wenn man sie mit ihren Namen anspricht und nicht mehr als Nummer sowieso. Für die Jungen war das einen Arbeitsplatzwechsel wert. Auf der Zeche, das wussten sie von ihren Vätern, kann man nur Geld verdienen, arbeiten, alt werden und zum alten Eisen geworfen werden. Sonst nichts. Der Lohn für vierzig Jahre Arbeit unter Tage wird sein: eine halbwegs gute Rente, Staub in den Lungen und Angst vor jedem Witterungswechsel. Sonst nichts. Sie fahren jetzt in die Nachbarstädte im eigenen Auto, nach Unna, Hamm oder Dortmund, viele zu Opel nach Bochum, und nicht wenige haben bei Bayer Leverkusen Arbeit gefunden. Sie kommen am Freitagabend zu ihren Familien in ihre Siedlungen zurück und fahren am Montagmorgen, wenn die Kinder noch schlafen, nach Leverkusen wieder zur Arbeit. Sie stehen am Samstag am Tresen in der Kneipe und erzählen denen, die noch auf der Zeche bis zum bitteren Ende ausharren oder aushalten müssen, weil die betriebsgebundene Wohnung wie ein Mühlstein an ihrem Hals hängt, wie gut sie es haben, und bedauern, dass sie nicht schon früher den Sprung wagten.

Wunsch und Wirklichkeit fließen ineinander bei ihren Erzählungen am Tresen, sie können selbst nicht mehr unterscheiden, was in ihren Schilderungen wahr, was erfunden ist. Aber die auf der Zeche Verbliebenen hören interessiert und manchmal andächtig zu, als würde ihnen da von einem gelobten Land erzählt, das für sie verschlossen bleibt, verschlossen bleibt, nur weil sie einer anderen Generation angehören. Plötzlich fühlen sich die Daheimgebliebenen, der Zeche treubleibenden als Menschen zweiter Klasse, sie verfluchen plötzlich die Zeche, sie schimpfen auf ihre Arbeit, auf den Staub, auf den Dreck, den Schweiß, und sie schämen sich ihrer Nacktheit, und Fritz Bamberger schreit dann: Was wollt ihr Heinis eigentlich, ausgebeutet werdet ihr überall, ob auf Zeche oder bei Bayer in Leverkusen, ihr Idioten, ihr seid doch nicht freier, nur weil ihr nicht mehr nach unter Tage müsst, ihr macht euch doch was vor – er schreit es, bis am Tresen die Lichter ausgehen. Oder aber Fritz Bamberger versucht dann der Faszination dieser modernen Märchenerzähler dadurch zu entgehen, dass er abrupt aufsteht und sagt: Erzählt doch nicht solchen Mist, gearbeitet wird überall, es wird überall nur mit Wasser gekocht, wollte sagen mit Schweiß und Angst, überall ist man nur Schütze Arsch im dritten Glied. Dann geht er. Böse auf mich, weil ich bleibe.

Aber die Kumpels wissen in solch einer durchzechten Nacht, was sie all die Jahre bedrückte, was sie aber nicht zu artikulieren vermochten: Im Dorf ist jedermann wer, der nicht auf der Zeche arbeitet. Sie wussten es immer, aber sie konnten es sich nicht eingestehen, denn sonst hätten sie sich selbst verachten müssen, und wer sich selbst verachtet, der kann nicht arbeiten in einer Welt, in der jede Sekunde Unfall oder Tod neben einem stehen.

Am anderen Morgen trösten sie sich: Bald stirbt die Zeche. Sie stirbt nicht plötzlich – der Schacht wurde auch nicht in einer Nacht geteuft – nein, sie stirbt langsam und für den Nichtbetroffenen kaum sichtbar. Es wird immer stiller. Heute gehen drei von der Zeche, gestern waren es vier, morgen werden es elf sein, langsam aber stetig schrumpft die Zahl der Beschäftigten. Auch die Lösung, die man glaubte gefunden zu haben, die Abwanderung deutscher Arbeitskräfte mit Türken und Spaniern aufzufangen, bleibt nur eine Lösung auf Zeit. Die Zeche stirbt, man weiß zwar nicht, wann sie endgültig ihr Leben aushaucht, in einem Jahr, in zwei, in fünf? Aber was tut’s, sagen sie, uns soll es nicht kümmern, kommt Zeit, kommt Rat. Die Zeche hat unsere Gesundheit bekommen, die Zeche hat uns zeitweise gut entlohnt, aber sie kann niemals das einlösen, was wir ihr bezahlt haben, Väter, Großväter, Urgroßväter. Sie arbeiteten damals für trockene Kartoffeln, wir, die Söhne, können uns ein Auto leisten. Was hat sich geändert? Nichts.

Sie wandern ab, sie laufen auseinander wie ein Haufen aufgescheuchter Hühner, die einen Fuchs kommen ahnen.

Für die jungen Leute ist der Anfahrtweg, etwa nach Hamm oder Dortmund, zur neuen Arbeitsstelle – im Gegensatz zu früher, wo die Zeche vor der Haustüre lag und man die Räder hatte surren hören – keine sonderliche Strapaze, eher eine sportliche Betätigung, im Winter nimmt man es eher als Abenteuer. Sie machen sich immer noch was vor, denn sie leben noch im Rausch der Veränderung und finanzieller Verbesserung, denn nicht selten schließen sie am Tresen Wetten ab, wer am andern Morgen zuerst im Betrieb die Stechkarte in die Uhr schiebt. Aber die jungen Leute haben es leichter als ihre Väter; viele leben, wenn auch verheiratet, bei ihren Eltern. Die Väter bezahlen für die relative Freiheit ihrer Söhne und Töchter damit, dass sie auf der Zeche bleiben, bis zum Ende, damit die Wohnung gesichert bleibt. Nun laufen etappenweise die gebundenen Fristen ab, innerhalb derer sie das Anrecht auf ein Eigenheim verloren hätten, wären sie vorzeitig von der Zeche gegangen. Nun verlassen auch viele Väter die Zeche – sofern sie nicht Staub in den Lungen haben und im anderen Betrieb ein Fünfundvierzigjähriger noch nicht zum alten Eisen gehört – kaufen sich ein Moped oder einen gebrauchten VW, um in die Nachbarstädte zu kommen, in einen neuen Betrieb, in dem man Gefahr läuft, immer ein Fremder zu bleiben. Viele aber sind zu alt geworden für eine neue Arbeit, zu unbeweglich für einen Wechsel, sie haben nur Kopf und Hände für eine Arbeit unter Tage; wieder andere haben Staub in den Lungen, kein Betrieb will sie haben. Staublunge ist nicht gefragt.

Der Dank unserer Industrie ist uns gewiss, sagen sie bitter. Sie müssen bleiben, abwarten, was mit ihnen geschieht, bis nicht nur am Tresen die Lichter ausgehen, sondern auch unter Tage die Neonröhren verlöschen.

Wir sind zu lebenslänglich verurteilt, eine Amnestie haben wir nicht zu erwarten.

Erst hatte meine Gemeinde einen Bürgermeister, alter Sozialdemokrat, der ausgesprochen bildungsfeindlich war, er konnte weder Lehrer leiden noch das, was mit der Schule zusammenhing, aber mit seiner Initiative entstanden Schulen, die zu den modernsten des Landes gehören, ein Schwimmbad und vorbildliche Sportstätten.

Er konnte Flüchtlinge nicht ausstehen, aber er sorgte persönlich dafür, dass sie vor allen anderen eine Wohnung bekamen.

Als ich, mit dreihundert anderen, in den ersten Jahren in einem Ledigenheim wohnte, setzte er sich dafür ein, dass den Verheirateten schnellstens eine Wohnung zugewiesen wurde. Das ist doch kein Leben, sagte er manchmal, die Frau irgendwo und der Mann hier unter einer Horde. Das geht nicht. Den Ledigen redete er zu, ein Mädchen aus dem Dorf zu nehmen, dann würden auch sie innerhalb eines Jahres eine Wohnung haben. Dafür sorge ich schon, ich, der Bürgermeister.

Als er starb, verehrt und gehasst, rückte ein neuer Sozialdemokrat nach; ein Zecheninvalide wurde Bürgermeister. Bei einer Parteiversammlung rebellierten die Jungen – neue Kandidaten wurden aufgestellt und auch gewählt. Wer in unserem Dorf erst einmal als Kandidat für die Kommunalwahl aufgestellt ist, der wird auch gewählt – sofern er Sozialdemokrat ist. Nun sind Lehrer im Gemeindeparlament – im Volksmund Lehrerparlament genannt – und für viele stellt sich die Frage, ob künftig auch so viel für die Gemeinde getan wird wie unter dem lehrerfeindlichen Bürgermeister, der noch an Klassenkampf glaubte und der Ansicht war, Intellektuelle hätten bei den Sozis nichts zu suchen. Der verstorbene Bürgermeister glaubte noch an schwarz und rot und nicht an eine formierte Gesellschaft, die er mit uniformiert gleichsetzte.

Kurz vor seinem Tod stand ich einmal mit ihm am Tresen, wir unterhielten uns, bis am Tresen die Lichter ausgingen. Er sagte damals: Lass mal andere rankommen, wirst sehen, was die aus der Gemeinde machen – kaputt machen sie die, weil sie nie böse Zeiten erlebt haben wie ich. Nur wer die Not nicht kennen gelernt hat, der träumt von der Revolution.

Der neue Bürgermeister und das neue Gemeindeparlament machen alle Anstrengung, Industrie anzusiedeln, damit die Abwanderung aufhört. Zwei frühere Wirtshaussäle wurden an Firmen verpachtet, die Kleinelektroartikel herstellen. Aber es sind ausschließlich Frauen beschäftigt. Der Bürgermeister gibt zu, dass dies nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist, sein kann, ein lächerlicher Anfang – aber immerhin ein Anfang. Die Sorgen der Gemeinde wachsen in dem Maße, wie das Sterben der Zeche fühlbarer wird. All die Jahre war die Zeche eine fette Kuh, die man melken konnte, wann immer man wollte. Nun ist sie alt geworden und magert ab. Die Jungen singen: Sie gibt keine Milch mehr… Das Euter ist leer…

Tausend Mann fahren täglich noch in die Grube, früher waren es dreitausend.

Dreihundert der heutigen Belegschaft sind Ausländer, und die siebenhundert deutschen Arbeiter werden, wenn die Zeche endgültig schließt, ein Alter erreicht haben, in dem sie vorzeitig ihre Rente beantragen dürfen. Die Arbeiter werden älter, das Steueraufkommen der Gemeinde sinkt.

Neulich stand ich mit dem Bürgermeister, mit dem ich einige Jahre unter Tage zusammengearbeitet habe, am Tresen, bis die Lichter ausgingen, und draußen auf der Treppe sagte er mir: Hoffentlich gehen in der Gemeinde die Lichter nicht aus. Ich sehe schwarz, auch wenn keine Stromsperre ist.

Wird schon werden, antwortete ich. Mein Freund Fritz Bamberger schrie: Quatsch! Die Gemeinde soll jetzt die Suppe auslöffeln! Aber Fritz vergaß dabei, dass wir in den vergangenen Jahren alle mitgeholfen hatten, die Suppe einzubrocken, wir, die Arbeiter auf der Zeche, hatten uns all die Jahre dagegen gewehrt, dass neue Betriebe in die Gemeinde kamen, wir wussten nicht, warum, wahrscheinlich war uns eingeredet worden, dass dies dann unser Schaden sei. Die Suppe hatte uns all die Jahre gut geschmeckt. Jetzt schmeckt sie bitter.

Aber sie hat immer bitter geschmeckt, nur, wir hatten keine Zeit, ihren Geschmack zu prüfen, wir waren froh, dass wir überhaupt Suppe hatten.

Unser Dorf hat zwei Wahrzeichen. Es ist der sechzig Meter hohe Förderturm, der alles überragt und der, steht man auf dem Haarstrang, einem dem Sauerland vorgelagerten Bergrücken südlich von Unna, aus der Ebene strebt wie eine zum Abschuss bereite Rakete.

Das andere Wahrzeichen sind die Invaliden. Unsere Invaliden werden sie im Dorf genannt. In dem »unsere« kommt eine Liebe zum Ausdruck, die nur der versteht, der weiß, was vierzig oder fünfzig Jahre Arbeit unter Tage für jeden Einzelnen bedeutet haben.

Ja, die Invaliden.

*

Der Himmel ist grau, die Sicht verschlechtert sich im Zusehen. Nebelschwaden jagen wie feine Gespinste vom freien Feld in die Straßen der Siedlung und lösen sich im Handumdrehen auf.

Wieder ist die Sicht geringer geworden.

Der Nebel wird sich ein paar Tage halten, sagt Heinrich.

Jaja, sagen die andern, jaja. Sonst nichts.

Zehn Männer stehen, leicht vorgebeugt, auf dem Bürgersteig vor der Kneipe »Zum Igel«, hustend, krächzend, röchelnd. Von weitem wirkt die Gruppe wie ein Denkmal, kommt man ihr näher, dann beginnen die Hunde der Invaliden zu kläffen. Jeder der zehn trägt einen Lodenmantel, grün, an den Stößen mehr oder minder abgegriffen, abgewetzt, nicht selten knöchellang. Unsere Invaliden, sagt man im Dorf, oder man bedenkt sie mit allerlei Namen: Silikosegardisten, Huste- oder Mummelmänner. Nein, die Leute meinen das nicht böse, eine schwer zu deutende Zuneigung schwingt in ihren Worten mit, denn jeder weiß, was der Einzelne im Verlauf der Jahre und Jahrzehnte geleistet hat. Unsere Invaliden – Jeder von ihnen hat in seinem Leben so viel Kohlen gefördert, dass ein ganzer Stadtteil sie nicht in einem Menschenalter verheizen könnte. Überall, nicht nur in meinem Dorf, kann man diese Männer antreffen, von Hamm bis Duisburg, von Recklinghausen bis Witten. Sie sind immer in Gruppen, und nur selten trifft man sie in den Innenstädten. Die Invaliden treffen sich in ihren Siedlungen, da sind sie zu Hause, da kennen sie die Menschen, und die Menschen kennen sie, die Kinder kennen ihre Hunde und die Hunde die Kinder, sie treffen sich zu bestimmten Zeiten, einmal am Vormittag, einmal am Nachmittag, entweder am Kriegerdenkmal oder vor der Kirche, und dann gehen sie gemeinsam spazieren. Sie gehen durch die Vororte der großen Städte und durch ihre Siedlungen und, wenn es das Wetter erlaubt, auf das freie Feld, sie schlurfen langsam dahin, gebeugt, als kröchen sie noch durch die niedrigen Stollen unter Tage.

Vierzig Jahre Arbeit ohne Sonne – sie sind gezeichnet. Rund 30 000 Silikosefälle sind seit dem letzten Kriege registriert worden, was heißt, dass jeder zehnte Bergmann von dieser furchtbaren Berufskrankheit betroffen worden ist – trotz anerkennenswerter Bemühungen, diese Krankheit einzudämmen, so zum Beispiel durch das Schmidt’sche Absaug-Gerät vor Ort, das es ermöglicht, den Staub bis zu achtzig Prozent zu binden, indem es ihn, mit Wasser durchsetzt, in Kübel einfängt. Oder auch in letzter Zeit die Presslufthämmer, die, in Betrieb gesetzt, Wasser sprühen und so den Staub niederdrücken, verhindern, dass er aufgewirbelt und eingeatmet wird.

Trotzdem gelang es nicht, den Staub völlig zu binden, er ist unter Tage allgegenwärtig, man kann ihm nicht ausweichen, es sei denn, man weicht der Arbeit aus. Berufsunkundige glauben, Staublunge habe etwas mit Kohle zu tun. Aber das stimmt nicht, der Staub gebrochener Steine führt diese Krankheit herbei; Kohle wird wieder ausgespuckt. Kohlestaub setzt sich nicht fest, und es gibt genug Bergleute, die behaupten, Kohlestaub sei gesund, er reinige die Lungen – eine Legende des Selbstbetrugs wie so vieles in diesem Beruf der frommen Täuschungen zu dem Zwecke, nicht nachdenken zu müssen. Es gibt nun mal Berufe, die man niemals ausüben würde, finge man an, über sie nachzudenken.

Zu diesen Täuschungen gehört auch der Steinhäger, der Korn, den sie vor einem Glas Bier hinunterkippen. Korn brennt den Staub aus den Lungen, sagen sie, und als ich einmal ungehalten einwarf, der gehe doch in den Magen und nicht in die Lungen, sahen sie mich an, lange und stumm.

Endlich sagte Heinrich Pankauke: Halt die Klappe, das verstehst du nicht.

Damit war der Fall ein für alle Mal erledigt.

Die Invaliden gehen morgens und nachmittags ihren stets gleich bleibenden Weg, die Uhren könnte man nach ihnen stellen. Sie tapsen durch die Vorstadt gleich bleibenden Zielen zu, entweder zur Autobahnbrücke, auf der sie dann nicht selten zwei Stunden stehen und auf den Verkehr hinunterstarren und vielleicht von der großen weiten Welt träumen, die sie nie gesehen haben, oder sie werden sich aufregen über einen rücksichtslosen Fahrer, oder sie wandern hinaus auf die Felder, die an die Vorstädte stoßen, als sei das Ruhrgebiet ein Bauernland. Sie betrachten dann Kampmanns Kühe oder Sellmanns Weizen, oder sie sehen dem Bauern Wittbräuke zu, der schon pflügt, wenn andere noch einfahren, oder sie streiten über die gelben Wolken über den Hoesch Werken, deren Einfärbung heute anders zu sein scheint als gestern, woraus das Wetter für morgen oder übermorgen abgelesen werden kann. Oder sie starren mit fast hypnotischer Ausdauer auf die Räder eines nahen Förderturmes und weissagen aus dem Surren der Räder, was sich momentan unter Tage tut.

Sie stehen und starren, stützen sich auf Krückstöcke und geben sparsame Kommentare.

Ist früh dran, der Wittbräuke, sagt Heinrich.

Sehr früh, sagt Emil und hustet.

Warum der so früh dran ist?, sagt Fritz. Und keiner beantwortet seine Frage, die keine war.

Dann gehen sie weiter, umkreist von ihren Hunden, und von weitem sieht es so aus, als bewachten die Hunde die Gruppe Männer, die alle den gleichen Mantel tragen, keiner weiß warum.

Der grüne Lodenmantel wurde zum Markenzeichen dieser Menschen, die, betrachtet man sie von außen, doch eigentlich mit dem Leben, mit dem wirklichen Leben, so wie wir es verstehen, nichts mehr zu tun haben. Sie leben in der Vergangenheit, sie sind Fremdkörper einer Gesellschaft geworden, mit der sie nichts mehr anzufangen wissen, weil sie nicht mehr in der Lage sind, Schritt zu halten. Und könnten sie es auch, sie wollen nicht, denn ihnen läuft diese Gesellschaft, deren Entwicklung sie mitbestimmten, weg.

Heinrich Pankauke sagte mir einmal: Weißt du, wenn du bezahlt bekommst für nichts tun, dann weißt du erst mal, wie überflüssig du bist.

Sie haben resigniert und leben weiter.

Wenn ein Invalide stirbt, rollen die Angehörigen seinen Lodenmantel zusammen und geben ihn mit in den Sarg. Keiner weiß warum, es ist halt so, es war immer so, was würden die Nachbarn sagen oder seine Kollegen. Man soll Gewohnheiten beibehalten, auch wenn sie nicht erklärbar sind.

Vielleicht ist es die Krankheit, die Angst vor dieser Krankheit, die im grünen Lodenmantel jedermann sichtbar wird, und wenn wir diesen Mantel begraben, verbannen wir diese Krankheit ein für alle Mal.

Vielleicht. Ich weiß es nicht, alle, die ich daraufhin ansprach, schwiegen nach dem alten Aberglauben, wenn man ein Unheil mit Namen nennt, dann ruft man es herbei. Vierzig Jahre lang trommelte sie morgens um halb fünf der Wecker aus Schlaf und Wünschen, in Hitze und Hetze und Staub unter Tage – nun haben sie Zeit, nun ist für sie, falls sie überhaupt noch in Haus und Garten Hand anlegen können, keine Arbeit so wichtig, als dass sie sich nicht auch morgen tun ließe.

Wenn der Nebel kommt, wird man die Invaliden vergeblich suchen. In ländlichen Gegenden des Ruhrgebietes ist ihr Verhalten für die Bauern zuverlässiger als der Wetterbericht aus dem Radio. Sehen die Bauern keinen Invaliden die Wege zwischen den Feldern dahintapsen, dann wissen sie, in spätestens zwei Tagen wird der Nebel das Land bedecken.

Heinrich Pankauke sagt dann, treffe ich ihn auf der Straße und fange an, über Fußball zu reden, was er am liebsten hat: Er kommt. Vom Westen kommt er. Bald. Ich spür’s.

Vom Westen ist besonders schlimm. Dann liegt Heinrich Pankauke zu Hause auf der Couch oder im Bett, japst nach Luft und versucht, dem Betonklotz, der ihm Hals und Brust verengt, mittels einer Sauerstoffpumpe zu entkommen.

Alle zehn Minuten führt er den Schlauch der Pumpe in den Mund und pumpt und schluckt und pumpt und schluckt. Für wenige Minuten wird ihm leichter, aber wenn der Nebel kommt, lässt sich der Betonklotz aus seinen Lungen nicht vertreiben, er wird immer schwerer, je länger der Nebel anhält, er erstickt sogar den Husten. Zurück bleibt eine Kreatur, für die sogar die moderne Medizin keine Hilfe hat, sie kann ihr höchstens das Sterben erleichtern – sonst nichts. Und das ist für diese Männer schon viel. Viele der Invaliden überleben den Nebel nicht. Einer, der seinen Vater sterben sah, sagte mir einmal: Wenn man das so sieht… wenn man das so sieht…

Mehr sagte er nicht.

Die Angehörigen stehen dann im Zimmer und warten, sie sehen aus dem Fenster, wo der Nebel an den Scheiben zu Grieß gerinnt. Wenn der Nebel hereinbricht, und der Nebel ist hier gefährlicher als anderswo, weil er Staub und die Abgase der großen Hüttenwerke mit zwischen die Häuserzeilen nimmt, Smog sagt man heute auch dazu, dann zittern Tausende von Männern in ihren Betten, und viele murmeln dabei vor sich hin, als meditieren sie Gebete.

Wer in den Kreis der Spaziergänger aufgenommen wird, und es gelingt selten jemandem, denn die Invaliden kapseln sich ab, sie wollen allein sein, unter sich, der wird vielleicht mit Erschrecken feststellen, dass sich ihre Gespräche nie um das Morgen bewegen, selten um das Heute, immer aber um das, was gestern war, was gestern hätte sein können, warum es nicht so geworden ist, warum es so ist. Ihre Zukunft ist Vergangenheit. Heinrich, weißt du noch?

So fängt mancher Satz an, und obwohl Heinrich nicht weiß, wovon Emil sprechen will, sagt er: Und ob, genau weiß ich das, ganz genau.

Aber du warst doch damals gar nicht dabei, wirft ein anderer dazwischen. Sie sehen Heinrich an.

Was? War nicht dabei? Sicher war ich dabei, da hat doch der, wie heißt er doch noch mal, na der, ihr wisst schon, der… Dann streiten sie vielleicht eine Stunde darüber, ob der andere dabei war; dabei ist völlig überflüssig und unwichtig, bei welcher Gelegenheit. Sie haben plötzlich wieder ihr Gestern, sie fühlen sich wohl, sie wühlen in der Vergangenheit und sezieren sie mit einer Intensität, die manchmal etwas Grausames an sich hat für den, der diese ihre Vergangenheit nicht bewusst miterlebte, nämlich die Arbeit unter Tage, dreißig Jahre, vierzig Jahre, fünfzig Jahre, die Schwere der Arbeit mit allen politischen Begleitumständen, Aussperrung, Streik, Kurzarbeit, Überstunden, Sonntagsarbeit, zwölf Stunden Arbeit unter Hitler in der Kriegszeit, und was es da alles so gibt, und was es da alles so gibt…

Sie hassen Hitler und seine Zeit nicht etwa wegen Auschwitz oder Dachau, das habe ich erfahren müssen, oder der Millionen Toten, sie hassen ihn, weil er sie zwang, zwölf Stunden am Tag und länger zu arbeiten, sie auch den Sonntag zum Alltag machen mussten, sie hassen ihn, weil Aufsichtspersonen ihnen die kalten Pellkartoffeln mit einem Stock aus der Hand schlugen, die sie hungrigen russischen Kriegsgefangenen mit nach unter Tage brachten. Sie verstehen diese Unmenschlichkeit nicht – Zahlen übersteigen ihr Vorstellungsvermögen, denn drei Tote unter Tage bei einem Strebbruch sind schon viel. Viel zu viel.

Von weitem hat die Gruppe der Invaliden auf ihren Spaziergängen etwas von Würde. Manchmal stelle ich mir die Frage, warum zum Beispiel Künstler so mit Würde alt werden können, Arbeiter nicht. Das liegt wohl daran, dass der Künstler seinen Arbeitsrhythmus weitgehend selbst suchen und bestimmen kann, für ihn gibt es kein Ende der Arbeit wie bei dem Arbeiter, der vierzig Jahre in stoischer Gleichmäßigkeit seine Arbeit tat und nicht fragte, wofür und wozu und zu wessen Nutzen, schließlich hatte er fünf hungrige Mäuler zu stopfen und am Sonntag wollte man selbst auch mal eine Flasche Bier. Für den Arbeiter hört plötzlich alles auf, ein Schnitt, kein Übergang, kein langsames Sichanpassen an Alter und Lebensumstände. Von heute auf morgen werden sie auf die Straße gesetzt, gestern noch auf stolzen Rossen, gestern war man noch wer, gestern war man noch gefragt und wurde gebraucht, heute stehen sie sich selbst im Wege, ganz zu schweigen von ihrer Umwelt, die sie als Last empfindet, und die Invaliden fragen, warum das so sei, so sein muss.

Morgens schrecken sie hoch und starren verdaddert auf den Wecker, bis sie begreifen: Uns braucht keiner mehr, der Betrieb nicht, die Menschen nicht, wir haben unsere Schuldigkeit getan, für uns blieb nichts mehr übrig. Wir brauchen uns nur noch selbst, und das ist zu wenig. Was sollen Menschen in ihrer freien Zeit tun, die nie gelernt haben, mit freier Zeit umzugehen.

Wohl denen, die etwas haben, das nach ihnen verlangt: Brieftauben, Hühner, Hunde, Kaninchen oder die Enkelkinder des Sohnes, der Tochter, die beide arbeiten gehen. Dann ist das Leben noch schön: Man wird ja gebraucht.

Hier, meine ich, ist in der Vergangenheit gesündigt worden, schwer, und es sieht so aus, als werde weiter am Menschen gesündigt werden, auch die Gewerkschaften tragen da ein gut Teil Schuld, denn sie praktizieren eine Politik, als lebe der Mensch nur vom Brot allein und seine Glückseligkeit werde gewährleistet, sitze er an den Fleischtöpfen Babylons. Welch eine Menschenfeindlichkeit.

Ich habe viele Häuser besucht, in denen, wie es so schön heißt, Altenbetreuung betrieben wird, Freizeitbeschäftigung nach Plan. Beschäftigungstherapie haben wir so etwas in der Kriegsgefangenschaft genannt. Ich finde es einfach würdelos, was sich da drinnen abspielt. Ein Mensch, der fünfzig Jahre nicht gesungen hat, wird keine Freude am Singen haben, ein Mensch, der fünfzig Jahre keine Freude am Schachspiel hatte, wird das Spiel nur unlustig erlernen und an seinen Skat in der Kneipe denken.

Nein, sagte mir Heinrich Pankauke, dann lieber in die Kneipe einen kippen, wer weiß, wie lange ich noch einen kippen kann. Weißt du, sagte er noch, ich habe ja nichts gegen solche Häuser, aber da tun sie ja so, als würde man sich noch in die Windeln machen und alles so nach backe backe Kuchen…

Wenn sie nach drei, vier Tagen Nebel – freilich hält er manchmal Wochen an – wieder aufstehen können und ihren gleich bleibenden Weg spazieren, sprechen sie nicht von der Zeit, da ein Betonklotz auf ihrer Brust lag, nicht von den durchjapsten Nächten. Mir ist, als schämten sie sich, von ihrer kreatürlichen Angst zu sprechen.

Sie gehen ihren Weg wie zuvor auch. Sie haben einfach Glück gehabt. Nach dem November kommt der Mai, Hoffnung für ein weiteres Jahr Leben. Leben im Gestern.

Sicher, manchmal fehlt einer, den hat dann, wie sie sagen, der Nebel geholt. Und ein anderer sagt, wie zur Entschuldigung: War auch besser so, dem war ja schon der Weg zur Autobahnbrücke zu viel. Die anderen nicken, für sie ist der Fall erledigt, bis zum nächsten Nebeleinbruch, vielleicht wird dann wieder einer fehlen, oder einer kommt hinzu, das ist dann ein »Junger«, er geht am ersten Tag in der Gruppe, selbstverständlich, als sei er schon immer mitgegangen. Nur wenn er einen Hund mitbringt, bedarf es einiger Tage der Gewöhnung, denn die Hunde der Invaliden sperren sich ebenso wie die Invaliden selbst gegen jeden Eindringling. Die Männer wollen allein sein. Sie waren es unter Tage, sie wollen es über Tage bleiben, sie wollten niemand Einblick geben in ihre Welt, denn wem man Einblick gewährt, der will auch Auskunft. Und sie sind nicht bereit, Auskunft zu geben. Die Welt draußen braucht sie nicht mehr, also brauchen wir die Welt nicht mehr, diese Welt hat uns ein Leben lang betrogen, sie hat uns mit Krumen abgespeist, wo andere in Butter ertranken.

Na ja, sagt Heinrich Pankauke, ich habe jetzt eine gute Rente, was will ich mehr, und wenn der Wecker rasselt, strecke ich ihm die Zunge raus.

Und warum lässt du den Wecker rasseln?, frage ich.

Warum? Weil ich ihm die Zunge rausstrecken will.

Unverständlich? Nein, es ist die Logik, die auf Rache basiert. Was will Heinrich mit seiner guten Rente anfangen, verreisen kann er nicht mehr in die große weite Welt, von der er ein langes Leben hindurch träumte, seine Betonlungen erlauben es nicht, jeder Klimawechsel kann gefährlich sein, jede Aufregung tödlich. Manchmal nehme ich ihn mit zu Borussia Dortmund oder zu Schalke nach Gelsenkirchen, dann geht er oft schon in der Halbzeit vom Platz und wartet in meinem Wagen, bis das Spiel zu Ende ist. Es war mir zu viel, sagt er dann wie entschuldigend, und ich habe den Eindruck, er schämt sich deswegen.

Wie schwer muss der Betonklotz auf seiner Brust liegen, denn Heinrich ist ein fanatischer Fußballanhänger.

Viele Invaliden sehen, neben den Spaziergängen, ihren Lebensinhalt nur noch darin, ihre Kinder finanziell zu unterstützen; sie sollen es leichter haben, sie sollen nicht ein Leben lang anschaffen und sparen müssen wie sie selbst, deren Verdienst all die Jahre vorne und hinten nicht reichte. Die Kinder sollen möglichst schnell und alles haben, nicht nur arbeiten, sondern auch genießen. Gönnt euch was, sagen sie zu ihren Kindern, das Leben ist kurz, gönnt euch was, die Arbeit läuft euch nicht weg. Die finanzielle Unterstützung fallt ihnen nicht allzu schwer, sie haben eine ganz gute Rente, 700 bis 900 Mark im Monat, oft sogar mehr, sie dürfen nach wie vor in den verhältnismäßig billigen Zechenwohnungen bleiben, ihr Invalidendasein garantiert ihnen weiterhin billige Kohlen, sie haben ihr Gärtchen und einige Hühner, sie fühlen sich in den alten Wohnungen wohl, da kennt man sich, hat dreißig Jahre nebeneinander gelebt – und miteinander – unter Tage zusammen gearbeitet, hat seine und des Nachbarn Kinder heranwachsen sehen.

Hier ist jeder jedermanns Nachbar, ihre Wünsche sind gering geworden, leichtes Essen, abends eine Stunde in die Kneipe zu zwei, drei Bier und einen Korn, einen kurzen Skat oder Kiebitzen bei den jungen Leuten, die natürlich nichts vom Skat verstehen – und dann nach Hause, mal sehen, was die uns im Fernsehen wieder bieten. Abends um zehn geht man dann mit dem Hund noch einmal Gassi.

Bescheiden sind sie geworden. Aber sie waren es immer. Sie brauchen nicht mehr viel, aber sie haben nie viel gebraucht, und jetzt haben sie nicht selten monatlich mehr Rente, als sie früher verdienten, also gibt man den Kindern etwas ab, besser noch den Enkeln, und hier denken sie fortschrittlicher als ihre Kinder, die Enkel auf eine höhere Schule zu schicken, mit dem Argument: Auf einer höheren Schule lernt man mehr, und wer mehr weiß, der braucht sich im Leben nicht so viel gefallen lassen, so wie wir, die wir immer nur kuschen mussten, Maul halten, und wer mehr weiß, der braucht vor seinem Direktor nicht stramm zu stehen und nicht den Rücken zu beugen. Eine, wie mir scheint, handfeste Werbung zum Besuch höherer Schulen. Sie geben gern für ihre Kinder und Enkel, und wenn sie spazieren gehen, überbieten sie sich gegenseitig darin, was sie ihren Kindern geben werden oder schon gegeben haben. Nicht selten finanziert ein Invalide das Auto des Sohnes, das Schlafzimmer für die Tochter, das Studium für den Enkel. Sie finden nichts dabei, dass das Leben ihrer Kinder komfortabler geworden ist.

Das kriegen sie ja alles nicht geschenkt, verteidigen sie ihre Kinder, dafür müssen sie ja schließlich was tun, nicht mehr so malochen wie wir, so mit Armen und Muskeln und so, aber anders, jetzt mit Nerven.

Unter gut haben verstehen sie, das zu besitzen, was in landläufiger Meinung zum Wohlstand gehört. Nur einen Unterschied gibt es zu den Kindern: Während die jungen Leute oft leugnen, Arbeiter zu sein, sich hinter materiellen Statussymbolen verschanzen, sind die Invaliden stolz darauf, Arbeiter gewesen zu sein. Für sie hatte die Arbeit noch einen Inhalt, war nicht Job, war neben Geldverdienen mehr, war etwas, mit dem man sich zeigen konnte: Nämlich, aufeinander angewiesen zu sein.

Sie begreifen die Hetze nicht mehr, die im Arbeitsprozess um sich greift, dieser Ablauf erlaube ja nicht einmal mehr, ein Wort mit dem Nebenmann zu wechseln.

Ist ein Invalide Witwer, wird er nicht in ein Altersheim abgeschoben, wie vielleicht in anderen Berufen; in Bergleutekreisen tut man das nicht, das gehört sich nicht, das verstößt gegen den Anstand. Die Kinder nehmen ihn auf. Sicher gibt es da Spannungen, und die Spannungen resultieren vor allem daraus, dass der Vater oder Schwiegervater eine Krankheit mit ins Haus bringt, die zwar, wie man weiß, nicht ansteckend ist, wohl aber mehr als lästig wirkt.

Der Husten, das beständige, nie verlöschende Krächzen, die Sonderwünsche, durch die Krankheit bedingt, das ewige Gerede über das Gestern, wo die jungen Leute doch im Morgen leben. Aber darüber geht man hinweg, Opa hat eine gute Rente, so lange er lebt, so lange brauchen wir die Mark nicht in den Fingern umzudrehen, wenige Tage vor Ultimo, wenn kein Geld mehr im Haus ist, Opa hat immer Geld – und Opa gibt. Was soll er denn mit seinem Geld. Und dann ist er doch die meiste Zeit auf seinem Zimmer oder geht mit seinen Kollegen spazieren oder sitzt in der Kneipe und spielt Skat, und abends ist er ruhig beim Fernsehen, man stellt den Apparat eben etwas lauter, damit sein Husten und Krächzen übertönt wird, und wollen wir mal weg, passt er auf die Kinder auf. So ein Invalidenopa hat auch seine guten Seiten. Nur wenn der Nebel kommt, dann… Auch die jungen Leute vollenden den Satz nicht, man weiß, dass es einmal so kommen wird, aber nur nicht darüber sprechen, denn wenn es da ist, kann man ja doch nichts machen, auch der Arzt steht daneben und dreht hilflos die Hände.

Ein beliebter Treffpunkt der Invaliden ist das Kriegerdenkmal. Ein Findling inmitten gepflegter Anlagen, Rosenrabatten, Ziersträuchern, Kinder spielen da, junge Mütter sitzen mit ihren Säuglingen auf den roten Bänken in der Sonne.

Es gab Ärger in der Gemeinde, die Hunde der Invaliden verschmutzen die Anlagen, sie heben das Bein, sie machen einen Buckel; das ließen sich die jungen Mütter im Interesse ihrer Kinder nicht mehr gefallen, sie beschwerten sich beim Bürgermeister. Der verstand die Frauen, und er ging, ein ernstes Wort mit den Invaliden zu reden. Sie sollen doch ihren Hunden angewöhnen, ihre Geschäfte anderswo zu erledigen. Die Invaliden sahen ihren Bürgermeister nur stumm an, sagten nichts, gingen ihren gleich bleibenden Weg zur Autobahnbrücke und sahen auf den Verkehr hinunter. Am Abend kam Heinrich Pankauke zu mir in meine Wohnung, er druckste herum, trank drei Korn, schließlich, als er schon wieder unter der Tür stand und gehen wollte, platzte er heraus, ich möge eine Eingabe an den Gemeinderat abfassen, die dahingehend lauten soll: Wenn sich die Invaliden sammeln, soll sich ein städtischer Arbeiter am Denkmal einfinden, um die kleinen Denkmale ihrer Hunde zu beseitigen, schließlich habe die Gemeinde durch sie seit Jahrzehnten Nutzen gehabt, nun wollten sie von der Gemeinde auch einmal Nutzen haben, zum Nutzen der Mütter und Kinder, die in den Anlagen Erholung suchten. Ich konnte mich seiner Logik nicht verschließen, ich verfasste die Eingabe an den Gemeinderat, sie kam bei der nächsten öffentlichen Sitzung auf die Tagesordnung.

Als sie verlesen wurde, brachen die Gemeindevertreter in schallendes Gelächter aus. Natürlich wurde der Antrag abgelehnt, was der Logik der Kommunalverwaltung entsprach.

Die Invaliden treffen sich seitdem vor der evangelischen Kirche, denn der Küster, ein lang gedienter Bergmann, entfernt die Beanstandungen schweigend und selbstverständlich, wenn sie sich auf ihren Spaziergang begeben.

Seitdem aber umwerben die jungen Frauen die Invaliden, sie möchten wieder zum Kriegerdenkmal zurückkommen, die Kinder vermissen sowohl die Männer als auch die Hunde, und die Kinder sagen, es sei gar nicht mehr schön, seit die Hustemänner nicht mehr kommen, sie erzählen so schöne Geschichten, und die Hunde machten so lustige Kunststücke. Die Invaliden sind weiterhin freundlich, aber sie bleiben beim Sammelpunkt vor der evangelischen Kirche, ihnen wurde einmal Unrecht getan, sie verstehen nicht, dass andere sie nicht verstehen. Und dann: Gleich gegenüber ist die Kneipe »Zum Igel«, in der sie ihr Bier trinken, ihren Skat spielen.

Manchmal sind sie verbittert, dann bricht es aus ihnen heraus: Man nimmt uns als notwendiges Übel hin, die Ruhrknappschaft würde am liebsten sehen, wenn wir abkratzen, damit sie die Rente sparen kann, und unsere Kinder dulden uns doch nur, weil wir eine gute Rente haben. Ein ganzes Leben haben wir geschuftet, waren Wohltäter der Gemeinde, als ein Zentner Kohle noch einem Zentner Gold gleichkam. Jetzt braucht man die Kohlen nicht mehr, was sollen da die Invaliden. Wir werden auf Halde gekippt.

Solche Ausbrüche aber sind selten, was sie sagen möchten, fressen sie in sich hinein, warum sich über etwas aufregen, das doch nicht zu ändern ist, weil sie es selbst nicht mehr ändern können. Sie sind weise geworden, und sie wissen, dass sie dieser Gesellschaft, die sie ein Leben lang ausnützte, nicht mehr lange lästig fallen müssen.

Wenn der Nebel kommt, dann wird bestimmt einer fehlen, wenn der Nebel kommt…

Sie sind über diesen ihren Zustand nicht traurig, sie haben ja sich, und sie reden über ihr Gestern, über das nur sie sprechen können, denn sie haben ja kein Morgen, sie haben nur Tage, Tage voller Furcht vor dem nächsten Nebel, und haben sie den überstanden, dann haben sie einfach Glück gehabt.

Sie nehmen hin, was ist, sie kehren, nach einem entbehrungsreichen Leben, zurück in eine fast archaische Welt, ihre Wünsche sind gewesen, ihre Sehnsüchte erfüllen sich auf der Autobahnbrücke oder dann, wenn sie einmal ihre Enkel auf einen Spaziergang mitnehmen dürfen. Selten habe ich so viel Stolz erlebt, bringt ein Invalide seinen Enkel mit und stellt ihn seinen Kollegen vor.

Stramme Beine hat er, sagt Emil.

Und ob, die hat er von mir, sagt Heinrich Pankauke.

Von dir? Hör doch auf, du hast doch spindeldürre.

Ja, jetzt, aber ihr habt mich doch gar nicht gekannt, als ich Fußball gespielt habe.

Du? Fußball? Das muss aber schon lange her sein, feixt Emil.

Na ja, Emil, du bist auch nicht mehr der Rüstigste.

Da hast du auch wieder Recht, sagt Emil.

Sie nehmen den Jungen in die Mitte, zeigen ihm die Vögel, sagen die Namen der Bäume, erklären dem Jungen den Unterschied von Roggen und Weizen, und es kann vorkommen, dass sie in der Schule sagen, diese Enkel, Gerste sei nur zum Brauen von Bier bestimmt. Der Lehrer weiß dann, der Junge hat einen Bildungsgang mit seinem Opa gemacht.

Zwischen den Zeiten des Nebels finden unsere Invaliden das Leben erträglich. Sie haben sich gefunden, sie leben im Gestern, und das Gestern war sogar schön, denn heute kennt man das nicht mehr: Zueinander. Heute kennt man nur noch Nebeneinander – sie wollen damit nichts zu tun haben. 30 000 Fälle von Silikose – eine kleine Zahl? Sie ist erschreckend hoch, jeder zehnte Bergmann wird seinen Lebensabend damit verbringen, einen Betonklotz in seinen Lungen mit sich herumzutragen.

Heinrich Pankauke, mein Nachbar, ist gestern beerdigt worden. Ich kam von Münster und bog in unsere Siedlung ein. Ein Menschenauflauf, grüne Lodenmäntel. Emil winkt mir, ich stoppte und stieg aus, ich dachte erst, ein Verkehrsunfall habe die Menschen zusammengeholt. Bring mich nach Hause, sagte Heinrich. Wir hoben ihn in meinen Wagen, sein Hund sprang wie selbstverständlich auf den Rücksitz. Er jaulte. Die Invaliden winkten mir nach, als ich losfuhr, ich sah im Rückspiegel, wie sie in der Kneipe verschwanden. Vor Heinrichs Wohnung hielt ich, sagte: Hast dich was übernommen, Heinrich, darfst nicht mehr so viel laufen. Ich griff über ihn hinweg, öffnete die Tür. Heinrich kippte einfach auf den Bürgersteig. So leicht geht das. Er hat den ersten Nebel dieses Jahres nicht überlebt. Seine Tochter holte Dr. Löffler, der schrieb einen Schein aus, er nickte mir zu, sagte: Ist besser so. Ich bin immer wieder darüber erschreckt, wie man so leicht sagen kann: Es ist besser so. Er war doch ein Mensch, wenn auch zum krächzenden Wrack geworden am Ende seiner Tage, war doch ein Mensch, der vierzig Jahre Kohlen gebrochen hat, Staub in sich hineinfraß, immer da war, wenn man ihn brauchte, und er brauchte zu seinem Leben nur ein Gärtchen, ein paar Tauben, seinen Hund, manchmal die Kneipe – sonst nichts. Und den Wunsch: Meine Kinder werden es einmal besser haben, und als er sah, dass sich an seinen Kindern sein Wunsch nicht erfüllte, sagte er: Meine Enkel werden es einmal besser haben. Unter besser haben verstand Heinrich schon, keinen Staub mehr in die Lungen zu atmen, einen angstfreien Lebensabend zu verleben. Nicht leben unter der Bedrückung: Wenn der Nebel kommt, dann…

Zwei Tage nach Heinrichs Beerdigung ging die Gruppe Invaliden an meiner Wohnung vorbei, sie winkten mir zu, sie waren zehn. Für Heinrich Pankauke war ein neuer hinzugekommen, ich kenne ihn noch nicht, aber ich werde bald erfahren, wer das ist, denn spätestens übermorgen wird Emil zu mir kommen, er erkundigt sich immer scheinheilig nach dem Befinden meines Hundes, er wird da sitzen, meinen Korn trinken, wird sagen: Schön hast du es hier, er wird nach einer halben Stunde aufstehen und unter der Tür sagen: Schön hast du es hier… ja, was ich noch sagen wollte, der Paul ist jetzt bei uns. Ist ja ein kleiner Angeber, achtzig Prozent hat er, sagt er, aber das glaubt ihm doch keiner. Nehmen ihn halt mit, das Angeben gewöhnen wir ihm schon noch ab.

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