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Dunkles Fest der Leidenschaft

Inhalt

  1. Cover
  2. Über die Autorin
  3. Titel
  4. Impressum
  5. Widmung
  6. Danksagung
  7. Liebe Leser und Leserinnen!
  8. Kapitel 1
  9. Kapitel 2
  10. Kapitel 3
  11. Kapitel 4
  12. Kapitel 5
  13. Kapitel 6
  14. Kapitel 7
  15. Kapitel 8
  16. Kapitel 9
  17. Kapitel 10
  18. Kapitel 11
  19. Kapitel 12
  20. Kapitel 13
  21. Kapitel 14
  22. Kapitel 15
  23. Kapitel 16
  24. Kapitel 17
  25. Kapitel 18
  26. Kapitel 19
  27. Dark Desserts
  28. Anhang 1
  29. Anhang 2

Über die Autorin

Christine Feehan lebt gemeinsam mit ihrem Mann und ihren elf Kindern in Kalifornien. Sie schreibt seit ihrer frühesten Kindheit. Ihre Romane stürmen regelmäßig die amerikanischen Bestsellerlisten, und sie wurde in den USA bereits mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet. Auch in Deutschland erfreut sich die Autorin einer stetig wachsenden Fangemeinde.

Auf Christine Feehans englischsprachiger Homepage www.christinefeehan.com erhalten Sie weitere Informationen über die Autorin.

Christine Feehan

DUNKLES FEST
DER LEIDENSCHAFT

Roman

Aus dem amerikanischen Englisch von
Britta Evert

Danksagung

Herzlichen Dank an Diane Trudeau für ihre Unterstützung bei den Kochrezepten.

Cheryl Wilson, du weißt, dass du unersetzlich bist.

Denise, Manda und Brian, ich danke euch für eure unermüdliche Unterstützung und all die Arbeit, die ihr geleistet habt, um mir beim Schreiben meiner Bücher zu helfen.

Liebe Leser und Leserinnen!

Innerhalb der letzten Jahre habe ich unzählige Briefe erhalten, in denen um ein Zusammentreffen sämtlicher Karpatianer aus den Dark Novels gebeten wurde. Ich lehnte diese Idee längere Zeit ab, da ich nicht recht wusste, wie ich so viele ausgeprägte und überdimensionale Charaktere in einem Buch unterbringen sollte – ein, wie mir schien, unlösbares Problem. Dann saßen eines Abends einige befreundete Autoren und ich zusammen am Kamin und redeten über das missglückte Abendessen, das wir hinter uns hatten. Wir hatten gemeinsam ein Haus gemietet, um dort zu arbeiten, und leider zeigten einige von uns als Köche keine große Begabung. (Ich erwähne hier weder Namen, noch hebe ich selbst die Hand, aber einige der Missgeschicke, die in diesem Buch geschildert werden, haben sich tatsächlich so abgespielt, so beschämend es auch ist, das einzugestehen.) Wir mussten sehr viel lachen, und so entstand die Idee einer Weihnachtsfeier, wo die Karpatianer für ihre Freunde kochen.

Ich teilte meiner Lektorin mit, dass dieses Buch ein besonderes Geschenk für meine Leser zur Weihnachtszeit werden könnte. Zur Abwechslung mal ein lustiges Buch zu schreiben, empfand ich als sehr aufregend. Die Idee, diesem Buch Rezepte beizufügen, begeisterte mich, und viele nette Leute aus der ganzen Welt schickten mir die herrlichsten Rezepte. Das Konzept dieses Romans war für mich etwas völlig Neues, und ich war überzeugt, dass mir die Arbeit großen Spaß machen würde. Also ging ich frisch ans Werk und fing an zu schreiben …

Erstens hatte ich leider überhaupt nicht bedacht, dass es keinen Helden und keine Heldin geben würde und ich mir etwas einfallen lassen musste, um die Kapitel miteinander zu verbinden. Und zweitens – und wichtiger noch! –, meine Stoffe sind nun mal nicht fröhlich und unbeschwert. Meine Figuren neigen stark dazu, die Handlung an sich zu reißen, und darin bildete auch dieses Buch keine Ausnahme. Sosehr ich mich auch bemühte, die Geschichte geriet – ja, richtig geraten! – dunkel und düster!

Nachdem ich meine Lektorin angerufen und gewarnt hatte, dass mein Buch ein Eigenleben entwickelt hatte und ich nicht wie geplant ein humorvolles Werk abliefern würde, akzeptierte ich einfach die Situation und ließ meinen Charakteren freien Lauf. Unter ihrem Kommando wurde Dark Celebration zu einem Bestandteil des bunten Bilderbogens, den die Welt der Karpatianer darstellt. Es machte mir Freude, die einzelnen Figuren wiederzuentdecken und einerseits herauszufinden, wie sie miteinander auskamen und wie sich ihr Leben im Ehestand entwickelte, andererseits, wie die karpatianische Gesellschaft sich in ihrer Gesamtheit präsentierte.

Das Buch wurde zu einer echten Überraschung, aber es hat mir wirklich Spaß gemacht, es zu schreiben, und ich hoffe, dass es Ihnen genauso viel Spaß macht, es zu lesen. Wenn ich schreibe, bestimmen eindeutig die Charaktere die Handlung, daher stehen einige von ihnen eher im Vordergrund, während andere zurückhaltender agieren, als mir lieb ist. Alles in allem, denke ich, erhalten wir Einblick, wie sich alte Freunde wiederfinden und wie ihr Leben aussieht. Ich habe mich während des Schreibens häufig bei einem Schmunzeln ertappt und hoffe, dass Sie ebenso reagieren!

Herzliche Grüße, Christine

Kapitel 1

Sterne glitzerten am Nachthimmel, Mondlicht fiel auf die Bäume und verwandelte die Blätter in schimmerndes Silber. Ein Eulenweibchen strich über die Laubkronen, stieß hinab, um durch das Labyrinth des Waldes zu schießen, und stieg gerade noch rechtzeitig auf, um einem dicken Ast auszuweichen. Eine zweite, größere Eule jagte sie in einem weiten Bogen über den Wald rund um eine Lichtung, auf der sich ein großes zweistöckiges Haus befand. Das Weibchen ließ sich nach unten auf das steile Dach zufallen und streckte die Krallen nach dem Schornstein aus, schoss aber in der letzten Sekunde hoch und raste mit lautlos schlagenden Schwingen und im Wind raschelndem, schillerndem Gefieder vor dem Männchen davon.

Raven!, fuhr Mikhail Dubrinsky seine Gefährtin scharf an. Das war viel zu knapp.

Es war aufregend.

Du wirst bald erschöpft sein. Ein leises, warnendes Grollen schwang in Mikhails Stimme mit, als würde sich im Körper der Eule ein Wolf verbergen.

Ihr Lachen stieg wie weiche, warme Schaumbläschen in seinem Bewusstsein auf, während sie telepathisch miteinander kommunizierten. Ich bin keine Anfängerin mehr, Mikhail, und ich glaube, dass ich nach all den Jahren das Fliegen gut im Griff habe. Ich liebe es. Für mich gibt es nichts Schöneres. Wirst du deinen übertriebenen Beschützerinstinkt denn nie überwinden?

Ich finde es nicht übertrieben, auf die Frau aufzupassen, die mein Herz und meine Seele ist. Du bist es, die beim Fliegen jedes Mal übertreibt. Und du riskierst mehr, als du solltest.

Das mochte stimmen, aber das würde Raven nie zugeben. Wenn sie die Gestalt eines Vogels annahm, wünschte sie, sie könnte sie ewig beibehalten. Ich fühle mich so frei.

Von dem Moment an, als sie von einem Menschen zur Karpatianerin geworden war, war die Fähigkeit, fliegen zu können, das, was sie mehr als alles andere an ihrem neuen Leben mit Freude erfüllte. Sie konnte sich hoch über die Erde erheben und meilenweit herrliche Wälder, klare Seen und ein Meer von Wildblumen sehen. Wenn sie die Gestalt einer Eule annahm, war sie ständig von einer Schönheit umgeben, die sie zumindest für einige Augenblicke die enorme Verantwortung vergessen ließ, die es mit sich brachte, die Gefährtin des Prinzen des karpatianischen Volkes zu sein.

Einen Moment lang herrschte Schweigen.

Fühlst du dich nicht frei, wenn du mit mir zusammen bist, Raven? Ich habe dich nie eingesperrt, obwohl es mir manchmal am sichersten erschienen wäre.

Das Eulenweibchen kehrte um und flog im Schutz des linken Flügels der männlichen Eule weiter. Natürlich nicht, du Dummkopf. Liebst du es etwa nicht zu fliegen? Vom Wind getragen zu werden, während das Land unter uns wie verzaubert scheint?

Liebe lag in ihrer Stimme ebenso wie in ihrem Inneren, eine Liebe, auf deren unerschütterliche Standhaftigkeit Mikhail bedingungslos vertrauen konnte. O doch. Aber wenn du wieder einmal an mir verzweifelst, sag es mir bitte. Ich fühle manchmal deine Traurigkeit, Liebste, den Kummer in deinem Herzen.

Nicht, Mikhail. Es hat nichts mit dir zu tun. Oder mit uns beiden. Wie jede andere Frau, die ihren Gefährten des Lebens gefunden hat, wünsche ich mir Kinder. Ich kann mich nicht beklagen. Wir haben unsere Tochter Savannah, die uns beiden so kostbar ist, und damit mehr als viele andere. Auch wenn wir keine Kinder mehr bekommen, habe ich das Glück, meine Tochter und den einzigen Mann, der mich jemals glücklich machen kann, zu haben. Du und Savannah, ihr seid genug für mich.

Mikhail wünschte, sie wären zu Hause, wo er Raven in die Arme nehmen und ausgiebig küssen könnte. Er liebte sie mehr, als er es mit Worten ausdrücken konnte, und er konnte hören – und fühlen –, wie sehr sie sich danach sehnte, ein Kind in den Armen zu halten. Es war sein größtes Versagen – nicht nur seiner Gefährtin, sondern auch seinem Volk gegenüber. Nach Hunderten von Jahren konnte er sein Volk immer noch nicht vor der größten Gefahr beschützen. Es waren nicht Vampire oder Magier, nicht die moderne Welt, nicht einmal das völlige Fehlen von Gefühlen, das männliche Karpatianer nach zweihundert Jahren befiel, und die allgegenwärtige Dunkelheit, die sich ihrer Seelen bemächtigte, sondern das, was er allmählich für das Aussterben ihrer Spezies hielt.

Mikhail. Im Geist hörte er, wie Raven voll unendlicher Liebe und Mitgefühl seinen Namen wisperte. Du wirst die Antworten für unser Volk finden. Du hast schon sehr viel erreicht, indem du großartige Wissenschafter zusammengeführt hast, die an einer Lösung dieses Problems arbeiten. In den vergangenen Jahren haben drei Babys überlebt. Wir haben Savannah behalten. Francesca und Gabriel haben ihre Tamara, und jetzt gibt es auch noch Jennifer, Corinnes und Dayans Kind. Drei Mädchen, mein Liebster. Es besteht noch Hoffnung.

Mikhail schwieg, obwohl er seine Verzweiflung am liebsten laut herausgeschrien hätte. Drei weibliche Kinder, wenn so viele Männer seiner Spezies ohne jede Hoffnung waren. Um zu überleben, ohne dabei ihre Ehre zu verlieren, hatten sie keine andere Wahl, als die Frau zu finden, die ihre Seele vervollständigen und Licht in ihre Dunkelheit bringen würde. Ohne eine Gefährtin lag ein endloses, düsteres Dasein vor ihnen.

Das stimmt nicht, widersprach Raven. Viele der karpatianischen Männer haben unter meinesgleichen ihre Gefährtin gefunden.

Eine Hand voll, Raven. Warum können wir die Antwort nicht finden, obwohl sich so große Köpfe mit diesem Problem befassen? Wir brauchen Frauen und Kinder … oder unsere Art wird aufhören zu bestehen.

Nach dem Anschlag auf sein Leben fürchtete Mikhail mehr als alles andere, dass ihre Feinde erkannt hatten, wie verwundbar die karpatianische Rasse geworden war. Sie hatten sehr viele Gegner, und es brauchte nur einer von ihnen zu durchschauen, wo der wunde Punkt der Karpatianer lag – in dem Mangel an Frauen und Kindern. Bis jetzt hatten sich alle Angriffe gegen die Männer gerichtet, aber früher oder später würde ihren Feinden klar werden, dass sie nur die Frauen und Kinder der Karpatianer töten mussten, um die Spezies auszurotten.

Der Gedanke, Raven, seine angebetete Gefährtin, oder seine geliebte Tochter Savannah könnten zum Ziel eines Anschlags werden, war beinahe mehr, als er ertragen konnte, aber dennoch nicht von der Hand zu weisen. Der Feind hatte sich mit dem dunklen Magier verbündet und eine Möglichkeit gefunden, seine Anwesenheit zu verbergen, was ihn doppelt gefährlich machte. Die Karpatianer konnten sich nicht länger auf ihre Fähigkeit verlassen, die Gedanken ihrer Gegner zu lesen und ihre bedrohliche Nähe zu spüren. Sie mussten wachsamer denn je sein. Selbst jetzt war Mikhail nicht völlig entspannt, sondern suchte unablässig den Wald unter ihnen ab.

Mikhail. Du verschließt dich innerlich vor mir.

Er zwang sich, seine Gedanken wieder auf ihr Gespräch zu lenken. Es war schlimm genug, dass er seine Gefährtin wegen des Verlustes eines Kindes nicht trösten konnte, ganz zu schweigen davon, bei einem derart wichtigen Thema an etwas anderes zu denken. Du lebst erst seit fünfzig Jahren bei uns und hast bereits ein Kind verloren. Kannst du dir vorstellen, wie groß dein Kummer in ein-, zweihundert Jahren sein wird? Unsere Frauen können diese Verluste nicht ohne schwerwiegende seelische Folgen verwinden.

Shea glaubt, dass sie und Gary der Lösung näher als je zuvor sind. Auch Gabrielle hilft uns jetzt, erinnerte Raven ihn. Gary war ein Mensch, und Gabrielle war es früher gewesen. Vor Kurzem hatte Gabrielle die Umwandlung zur Karpatianerin vollzogen, um ihr Leben zu retten, aber noch vor diesem Ereignis hatte sie Shea unermüdlich dabei unterstützt herauszufinden, warum karpatianische Frauen so häufig Fehlgeburten erlitten. Mit ihrer Ausbildung zur Ärztin und ihrer natürlichen Begabung als Heilerin ist Shea ein unschätzbarer Gewinn für uns. Sie arbeitet mit Gabrielle und Gary und natürlich auch Gregori daran, die Antwort auf die Frage zu finden, warum unsere Frauen ihre Kinder nicht mehr bis zur Geburt austragen können. Die wenigen Babys, die geboren wurden, überstanden kaum jemals ihr erstes Lebensjahr. Raven war beinah dankbar, dass sie eine Fehlgeburt gehabt hatte und ihr so der furchtbare Schmerz erspart geblieben war, einem Kind das Leben zu schenken und es ein Jahr lang zu haben, um es schließlich doch zu verlieren. Shea hat schon sehr viele Informationen zusammengetragen. Sie wird dieses Rätsel lösen.

Mikhail hielt es durchaus für denkbar, dass Shea es schaffen könnte. Sie hatte ihre Ausdauer und ihren Mut bereits hinreichend bewiesen, als sie seinen Bruder Jacques davor bewahrt hatte, den Verstand zu verlieren, aber Mikhail befürchtete, dass die Antworten zu spät für sein Volk kommen würden. Ihre Feinde schlossen sich zusammen, rückten näher und schlugen immer öfter zu. Schlimmer noch, ihr ältester und grausamster Gegner, den man für tot gehalten hatte, war möglicherweise noch am Leben. Xavier, der mächtige dunkle Magier, und sein Enkel Razvan unterstützten die Untoten mit ihrem Wissen aus alter Zeit.

Raven setzte sich von ihm ab, um mit ihrer üblichen Sorglosigkeit viel zu dicht über das Laubdach der Bäume zu fliegen. Mikhail blieb beinahe das Herz stehen, und es kostete ihn sehr viel Selbstbeherrschung, sie nicht an seine Seite zurückzubefehlen, wo sie in Sicherheit wäre. Er konnte sie ebenso wenig einsperren wie die anderen Karpatianer ihre Gefährtinnen, aber der Wunsch und das Bedürfnis waren vorhanden und ließen ihn nicht los.

Mikhail beschleunigte sein Tempo, um die Frau einzuholen, die seine Seele vervollständigte, und überprüfte mit seinen scharfen Augen das Gelände unter ihnen, als er und Raven wieder gemeinsam flogen. Er konnte das Glück fühlen, das sie ausstrahlte, und es half ihm, die Last zu erleichtern, die er trug.

Dir ist hoffentlich klar, mein Liebling, rief Raven ihm heiter zu, dass du heute Abend bei der Weihnachtsfeier für die Kinder den Weihnachtsmann spielen musst.

Zum ersten Mal in Hunderten von Jahren verlor Mikhail das geistige Bild des Tieres, dessen Gestalt er angenommen hatte. Sein Körper sackte zehn Meter in die Tiefe und streifte beinahe eine Baumspitze, ehe er sich von seinem Schock erholte. Er erschauerte. Das solltest du lieber gleich vergessen.

Raven schwebte in weiten Kreisen anmutig nach unten zu ihrem Haus und landete auf dem Weg, der zu ihrer Veranda führte, wobei sie während der Landung ihre normale Gestalt annahm. Mikhail folgte ihr und veränderte seine Gestalt, als er direkt vor ihr zum Stehen kam, um ihr den Weg abzuschneiden. Die Kanten und Furchen seines Gesichts verhärteten sich zu einer grimmigen Miene, die einschüchternd wirken sollte. Dieses Gespräch ist nicht beendet. Er konnte das Entsetzen, das durch seinen Körper lief, nicht unterdrücken. »Es gibt Dinge, die man von einem Mann nie verlangen sollte.«

Raven verdrehte die Augen. »Die Kinder erwarten einfach, dass der Weihnachtsmann erscheint. Das ist unsere erste große Weihnachtsfeier, die erste richtige, und da die Frauen sich bereit erklärt haben zu kochen, müssen die Männer auch ihren Teil beitragen. Du musst den Weihnachtsmann spielen, Mikhail.«

»Das glaube ich kaum«, gab er zurück. Sein Gesichtsausdruck hätte den gefährlichsten aller Vampire oder Jäger verunsichert, aber auf seine Gefährtin schien er nicht die gewünschte Wirkung zu haben.

Raven schnaubte verärgert. »Sei nicht kindisch! Bei den Menschen machen die Männer so etwas ständig, und sie haben kein bisschen Angst davor.«

»Ich habe keine Angst.«

Sie zog eine Augenbraue hoch, eine Geste, die ihn immer faszinierte, doch diesmal sah es verdächtig danach aus, als lachte sie ihn aus. »Doch, hast du. Du siehst zu Tode erschrocken aus und bist ganz blass geworden.«

»Ich bin blass, weil es mich Kraft gekostet hat zu fliegen, ohne vorher Nahrung zu mir zu nehmen. Ich bin der Prinz des karpatianischen Volkes, nicht der Weihnachtsmann.«

»Das ist keine Entschuldigung. Als Herrscher deines Volkes ist es deine Pflicht, diese Rolle zu spielen. Es ist eine Tradition.«

»Nicht bei den Karpatianern. Es ist würdelos, Raven.« Mikhail fing sein Haar im Nacken ein und schlang es mit einem schmalen Lederband zusammen. Seine schwarzen Augen funkelten sie drohend an.

Sie brach in Gelächter aus, ohne jedes Mitgefühl und ganz bestimmt nicht eingeschüchtert. »Pech gehabt, mein Schatz. Es ist dein Job. Karpatianische Tradition oder nicht, du hast mir versprochen, eine große Weihnachtsfeier für alle zu veranstalten. Unsere Gäste sind aus den Vereinigten Staaten, aus Südamerika und mehreren anderen Ländern gekommen, um mit uns zu feiern. Wir dürfen sie nicht enttäuschen.«

»Es wird niemanden enttäuschen, wenn ich mich auf diesen albernen Kram nicht einlasse.«

Ihr Lachen vertiefte sich zu einem vollen, warmen Klang, der ihm über den Rücken lief und ein eigenartiges kleines Kribbeln in seinem Inneren hervorrief. Nur Raven hatte diese Wirkung auf ihn. Nur sie konnte in ihm den Wunsch wecken, alles Erdenkliche auf sich zu nehmen, um ihr eine Freude zu machen.

»Glaub mir, Mikhail, das gesamte karpatianische Volk wird schwer enttäuscht sein, wenn du nicht in die Rolle des Weihnachtsmanns schlüpfst.« Sie strich mit den Fingerspitzen über sein Gesicht. »Ein schöner weißer Bart.« Ihre Hand glitt über seine Brust zu seinem flachen, harten Bauch. »Ein kleines, rundes Bäuchlein …«

»Du bist kein bisschen witzig.« Aber sie war es doch, und er musste seine ganze Selbstbeherrschung aufwenden, um sie nicht anzulächeln.

»Du hast mir versprochen, alles zu tun, damit unsere erste Weihnachtsfeier ein Erfolg wird.«

»Zu dem Zeitpunkt konnte ich nicht klar denken«, knurrte er. »Du hast mich abgelenkt.«

»Wirklich?« Raven machte große, unschuldige Augen. »Daran erinnere ich mich gar nicht.«

Mikhail schlang seine Arme um sie und zog sie an sich. Als er leicht an ihrem Hals knabberte und mit seinen Zähnen ihre Pulsader streifte, spürte er ihre Erregung und wusste, dass es zwischen ihnen immer so sein würde. Raven. Er konnte sich nicht vorstellen, dass es möglich wäre, sie noch inniger zu lieben, aber das Gefühl wurde von Tag zu Tag stärker. Manchmal glaubte er, vor Liebe schier zu bersten. Manchmal, wenn sie nicht hinsah, spürte er, wie ihm blutrote Tränen in die Augen stiegen. Wer hätte gedacht, dass der mächtige Prinz der Karpatianer so verliebt sein könnte?

Wie jeder Mann seiner Art war er mit dem Wissen um die rituellen bindenden Worte geboren worden. Als sich eine menschliche Frau als seine Gefährtin des Lebens entpuppt hatte, war es zunächst ein Schock für ihn gewesen, ebenso wie die Entdeckung, dass sie erfolgreich zu einer Karpatianerin umgewandelt werden konnte. Stärker noch als das Staunen über all das aber waren die überwältigende Liebe und das Verlangen, das er für Raven empfand und das mit jedem Augenblick, den sie miteinander verbrachten, stärker wurde. Sie nur anzuschauen, raubte ihm den Atem.

»Du riechst immer so gut.«

Raven legte einen Arm um seinen Hals und zog seinen Kopf näher zu sich heran, um ihn zu küssen. In dem Moment, in dem ihre Lippen seine berührten, loderte ein Feuer in seinem Unterleib auf, das durch seine Adern raste, bis sein Blut schwer und träge wurde und sein Puls raste. Er presste sich enger an sie, damit sie den Beweis seiner Erregung spüren konnte.

Sie lachte leise. »Du bringst mich immer dazu zu vergessen, was ich noch zu tun habe. Ich muss den Truthahn zubereiten. Es ist lange her, dass ich zuletzt ein Weihnachtsessen ausgerichtet habe, und ich muss gut aufpassen, dass mir kein Fehler unterläuft. Wir haben die Familie Ostojic und alle Gäste, die zurzeit in ihrem Gasthof wohnen, eingeladen. Auch wenn wir selbst nichts von den Speisen essen können, brauchen wir richtige Nahrung für die Menschen, und da es meine Idee war, darf ich den wichtigsten Teil unseres Festmenüs nicht jemand anders überlassen. So etwas gehört sich einfach nicht.«

»Ach was, das wäre halb so wild.« Mikhail klang auf einmal sehr selbstgefällig.

Raven fuhr herum und musterte den etwas zu unschuldigen Gesichtsausdruck ihres Gefährten. »Was hast du vor, Mikhail?«

»Ich werde die Aufgabe, den Weihnachtsmann zu spielen, einem anderen übertragen.«

Raven stemmte ihre Hände in die Hüften, legte den Kopf zur Seite und betrachtete ihn aus schmalen Augen. »Du führst etwas ganz, ganz Schlimmes im Schilde. Ich kann dein Lachen fühlen. Was ist so komisch?«

»Mir ist gerade eingefallen, dass ich einen Schwiegersohn habe.«

Obwohl Raven nach Luft schnappte und unwillkürlich eine Hand an ihre Kehle legte, breitete sich langsam ein Grinsen auf ihrem Gesicht aus. »Das kannst du nicht machen! Nicht Gregori! Er würde allen Kindern Angst einjagen. Nicht einmal, wenn er es versuchte, könnte er fröhlich und jovial aussehen.«

»Wir haben ihm unsere Tochter gegeben«, sagte Mikhail. »Ich bin der Meinung, dass er seinem Schwiegervater diesen Wunsch kaum abschlagen kann.«

»Und du behauptest, ich wäre schadenfroh«, warf Raven ihm vor.

»Was glaubst du wohl, von wem ich das habe?«, murmelte Mikhail, während er mit seinen Lippen über ihren Hals strich.

Ein vertrautes Prickeln der Erregung lief ihr über den Rücken. Raven liebte es, dass jede Berührung Mikhails unglaublich intim wirkte. »Das macht er nie, nicht in einer Million Jahren! Du musst es wohl doch selbst übernehmen, aber ich würde unheimlich gern sein Gesicht sehen, wenn du ihn fragst.«

»Ich habe nicht die Absicht, ihn zu fragen«, sagte Mikhail und richtete sich zu seiner vollen Größe auf. »Ich bin ebenso sein Prinz wie sein Schwiegervater, und er ist mein Stellvertreter und mein Schwiegersohn. Es ist seine Pflicht, mir derartige Dinge abzunehmen.«

»Du kannst ihm nicht befehlen, den Weihnachtsmann zu spielen.« Raven bemühte sich verzweifelt, ihr Lachen zu unterdrücken. Kein Mann hatte ihr je mehr Furcht eingeflößt als Gregori. Allein der Gedanke, ihn für die Rolle des Weihnachtsmanns in Betracht zu ziehen, erschien ihr ebenso albern wie grotesk.

»Ich denke schon, dass ich es kann, Raven«, sagte Mikhail gewichtig. »Du hast mir einen Befehl gegeben, und ich bin der Prinz.«

Raven rümpfte die Nase. »Wahrscheinlich wäre es dir lieber, wenn ich vor dir zu Kreuze kriechen würde.«

Seine Hände rahmten ihr Gesicht ein, und er beugte sich vor, um ihren Mund mit einem Kuss zu erobern. Er liebte ihren Mund … ihren Geschmack … ihre spontane Reaktion auf ihn. Ich könnte dich immer und ewig küssen.

Dafür muss ich wohl dankbar sein, wenn ich daran denke, dass du mich als strampelndes und kreischendes Etwas in deine Welt geholt hast. Raven schloss die Augen und überließ sich der reinen Magie seines Kusses. Ihre Arme stahlen sich um seinen Hals, und sie schmiegte sich an ihn, weil sie es brauchte, seinen Körper an ihrem zu spüren. Es hatte zu viele Anschläge auf Mikhails Leben gegeben. Erst vor Kurzem hatten sie eines ihrer Häuser bei einem erbitterten Kampf gegen die vereinten Kräfte von Razvan, einem Magier, und Vampiren verloren. Bisher war es nie vorgekommen, dass Vampire sich zusammenschlossen, geschweige denn, sich mit anderen Arten verbündet hatten.

Der Gedanke, dass es eine Verschwörung mit dem Ziel gab, Mikhail zu töten, ängstigte sie. Die Furcht, ihn zu verlieren, war teilweise der Grund gewesen, warum sie eine große Weih. nachtsfeier vorgeschlagen hatte. Obwohl dieses Fest von Karpatianern gewöhnlich nicht begangen wurde, vermissten es etliche ihrer menschlichen Gefährtinnen, nicht mehr Weihnachten zu feiern. Raven selbst erging es da nicht anders. Außerdem brauchte sie etwas, um sich von ihrer wachsenden Sorge um Mikhails Sicherheit abzulenken.

Mikhail hob den Kopf. »Es gibt keinen Grund, um meine Sicherheit zu fürchten, Raven.«

Das Lächeln auf ihrem Gesicht verblasste, und sie trat einen Schritt zurück. »Es gibt jeden Grund dazu.« Plötzlich stockte ihr der Atem, und ihr Blick flog beunruhigt zum Wald. »Da kommt jemand!«

»Niemand, vor dem wir uns fürchten müssten, Raven.« Mikhail zog ihre Hand an seinen Mund und hauchte einen Kuss auf die Innenfläche. »Ich habe dich noch nie so nervös erlebt.«

»Ich versuche hinzunehmen, was wir nicht ändern können, Mikhail, aber die Gefahr, in der du dich befindest, ist im Lauf der Jahre immer größer geworden. Ich bemühe mich, ein so normales Leben wie möglich zu führen, doch nicht einmal jetzt, da nichts wichtiger ist, als dich zu schützen, kann ich meinen Abscheu davor, in der Erde zu schlafen, überwinden. Meine Angst, lebendig begraben zu sein, macht uns angreifbarer denn je.« Beschämt senkte sie den Kopf, um seinem Blick auszuweichen.

Raven. Mein Liebes. Wieder beugte er sich über sie und strich mit einer Zärtlichkeit, die ihr Tränen in die Augen trieb, mit seinen Lippen über ihren Mund. »Ich habe dir ein Versprechen gegeben, und ich werde es halten. Du musst nie wieder unter der Erde schlafen. Die Erde wirkt in unserem Schlafzimmer genauso heilend und verjüngend, und es gibt keinen Grund für dich zu befürchten, dass du in irgendeiner Weise mein Leben in Gefahr bringst. Du bist mein Leben. Ich kann nicht zulassen, dass dir auch nur das Geringste zustößt. Wenn ich glauben müsste, dass es gefährlich wäre, in unserem Zimmer zu schlafen, würde ich mir etwas anderes einfallen lassen.«

Ihre Augen forschten in seinen, während sie gleichzeitig in seinem Bewusstsein die Wahrheit suchte. Sie wusste, dass er sehr wirkungsvolle unsichtbare Barrieren um ihr Haus errichtet hatte, um sie beide zu schützen, aber sie befürchtete trotzdem, dass sie Mikhail und sich selbst durch ihre starke Aversion, in der Erde zu liegen, in Gefahr brachte.

Das Rascheln von Blättern auf dem Weg, der zum Haus führte, ließ sie auseinanderfahren, wobei Mikhail sich sofort zwischen seine Gefährtin und den Wald stellte. Eine junge Frau, die etwas unsicher, aber dennoch entschlossen wirkte, trat hinter einigen immergrünen Sträuchern hervor. Sie war mittelgroß und hatte dunkles, lockiges Haar mit rötlich schimmernden Reflexen. Ihre Haut war die eines jungen Mädchens, aber die Augen schienen einer sehr viel älteren Frau zu gehören.

Skyler, teilte Mikhail Raven mit. Gabriel und Francesca haben sie adoptiert, und beide haben ihr Blut gegeben. Sie ist immer noch ein Mensch, doch sie hat eine sehr mächtige Blutlinie. Sie verfügt über außergewöhnliche übersinnliche Fähigkeiten.

Raven lächelte den Teenager an. Sie ist beunruhigt, dass karpatianische Männer sie jetzt, da sie sechzehn ist, für sich beanspruchen könnten, obwohl sie noch viel zu jung ist, um sich über derlei Dinge Sorgen zu machen. »Du musst Skyler sein. Wie nett von dir, uns besuchen zu kommen! Möchtest du nicht hereinkommen und ein bisschen mit mir plaudern, während ich mich um den Truthahn kümmere?«

»Wie ich sehe, ist Gabriel nicht bei dir«, bemerkte Mikhail scharf. Dieses junge Mädchen stellte neue Hoffnung für seine Rasse dar, und doch ging sie unbegleitet durch den Wald.

Mikhail! Mach ihr keine Angst!

Im Wald gibt es Wölfe, und es könnten Feinde dort lauern.

Skyler blieb abrupt stehen und richtete ihren Blick auf Mikhail. Einen Moment lang blitzten ihre dunklen Augen ihn herausfordernd an. »Gabriel traut mir zu, selbstständig zu handeln. Ich bin kein Kind mehr.«

»Das sehe ich. Ich bin Mikhail, und das ist meine Gefährtin Raven. Gabriel und Francesca sprechen so oft von dir, dass ich das Gefühl habe, dich schon lange zu kennen. Entschuldige, wenn ich mir Sorgen um eine junge Frau mache, die ich als Verwandte betrachte.«

Ein kurzes Lächeln huschte über Skylers Gesicht. »Eins zu null für Sie, Mr. Dubrinsky. Jetzt sollte ich wohl völlig zerknirscht sein, bin ich aber nicht. Ich bin hier, weil ich unmissverständlich klarstellen will, dass ich für niemanden als Gefährtin des Lebens zur Verfügung stehe.«

Ein Schatten zog über den Mond und verdunkelte einen Moment lang das Licht, das auf den Wald fiel. Fledermäuse, die auf der Jagd waren, flitzten verschreckt über den Nachthimmel.

Mikhail stand ganz still da und suchte mit seinen geschärften Sinnen die Umgebung ab, bevor er gebieterisch auf die Haustür zeigte, die Raven offen hielt. Sie gingen mit Skyler hinein. »Und du bist dir deiner Sache ganz sicher?«

Der Duft von Truthahn erfüllte das Haus, und Mikhail verbarg seine angeborene Aversion gegen den Geruch von gebratenem oder gekochtem Fleisch. Gerüche, die sie an ihre Vergangenheit erinnerten, wirkten oft tröstlich auf Raven. Sie war sich dessen nicht bewusst, aber Mikhail spürte, wie glücklich sie dieser Duft machte, als wäre der Truthahn im Backofen ein wichtiger Teil ihres Lebens – eine schöne Kindheitserinnerung –, und deshalb achtete er darauf, ihr diese Freude nicht zu verderben. Raven warf ihm ein kurzes Lächeln zu, als könnte sie trotz seiner geistigen Barrieren seine Gedanken lesen. Er musste gut aufpassen. Ihre Macht und ihre Fähigkeiten nahmen von Tag zu Tag zu.

Skyler betrachtete die hohen Deckenbalken und den großzügigen Raum, bevor ihr Blick zu den drei großen Bleiglasfenstern wanderte. Ihr Gesicht erhellte sich, und sie ging direkt zu den Fenstern. »Das ist Francescas Werk. Fantastisch, nicht wahr? Bei dem hier habe ich ihr geholfen.« Sie legte den Kopf zur Seite, um die leuchtenden Farben zu betrachten. »Ich habe noch nicht gelernt, Schutzschilde in das Glas einzuarbeiten. Bei Decken kann ich es, aber Glas ist komplizierter als Stoff.« Sie schaute Raven an. »Stehst du manchmal unter der untergehenden Sonne und empfindest es als tröstlich?« Skyler trat ein kleines Stück nach links. »Genau hier. Wenn du direkt an dieser Stelle stehst, während die letzten Sonnenstrahlen hereinfallen, kannst du es fühlen. Das ist von mir.«

»Es ist ein Kunstwerk«, sagte Raven. »Wenn ich könnte, würde ich jedes Fenster von Francesca anfertigen lassen. Ich hatte keine Ahnung, dass du ihr bei ihrer Arbeit hilfst.«

»Ich habe eine gewisse Begabung auf diesem Gebiet, längst nicht so viel wie sie, aber sie hilft mir, mein Talent auszubauen. Ich hoffe, eines Tages mit ihr zusammenzuarbeiten.« Das Lächeln verblasste, und ihre Augen wirkten auf einmal sehr düster. Als sie sich eine dunkle Haarsträhne aus dem Gesicht strich, konnte man eine kleine halbmondförmige Narbe an ihrer Schläfe und weitere dünne weiße Narben an ihren Händen und Unterarmen sehen. Skyler schien ihre nervöse Geste zu bemerken und verschränkte sofort die Hände. Ihr Kinn hob sich leicht. »Ich habe Gerüchte gehört, dass es eine Art Fest gibt, bei dem die Männer zusammenkommen, um zu sehen, ob vielleicht eine der Frauen zu ihnen passt …«

»Wir haben keine Frauen«, erinnerte Mikhail sie, »und deshalb gibt es auch keine derartigen Feste.«

Skylers Lippen pressten sich zu einem schmalen Strich zusammen, als sie dem Paar in die Küche folgte. »Gabriel und Francesca sind für mich meine Familie.«

Mikhail nickte. »Sie lieben dich, als wärst du ihre leibliche Tochter.« Er atmete tief ein, um ihren Geruch in seine Lungen zu ziehen. »Ihr Blut fließt in deinen Adern, deshalb bist du durch Liebe und Blutsbande und in jeder anderen Hinsicht ihre Tochter.«

»Sie haben mir angeboten, mich umzuwandeln, wenn ich einundzwanzig bin, und ich habe darüber nachgedacht, aber ich will sicher sein, dass man mich nicht mit einem Mann zusammenbringt, egal, mit welchem.«

»Niemand würde dich je zu so etwas zwingen«, versicherte ihr Raven. »Gabriel ist sehr mächtig. Glaubst du, er würde dich nicht beschützen?«

»Natürlich würde er das. Aber ich will nicht, dass er oder Francesca mich überhaupt beschützen müssen. Wenn ich mich auf die Umwandlung einlasse, darf niemand versuchen, Anspruch auf mich zu erheben.«

»Weißt du nicht, in welcher Notlage sich unser Volk befindet? Unsere Männer?«, fragte Mikhail.

Raven legte beschwichtigend eine Hand auf seinen Arm. »Setz dich doch, Skyler. Kann ich dir etwas zu essen oder zu trinken anbieten? Wir haben Saft im Kühlschrank.«

Ohne den Blickkontakt zu Mikhail zu unterbrechen, ließ sich das junge Mädchen mit einem fast königlichen Neigen des Kopfes auf einen Stuhl sinken. »Ja, danke, Saft wäre fein.«

Ist sie nicht großartig, Mikhail? Sie ist nervös, aber entschlossen, sich Gehör zu verschaffen. Bewunderung – und eine Warnung – schwangen in Ravens stummer Mitteilung an ihren Gefährten mit. Sie schenkte ein Glas Orangensaft ein und stellte es vor Skyler auf den Tisch.

Mikhail hob abrupt den Kopf und trat ans Fenster, um seinen Blick forschend durch die Dunkelheit wandern zu lassen. Er spürte die Gegenwart von Wölfen und Eulen, die auf Beutezug waren, aber er nahm nichts wahr, was seine innere Unruhe erklärt hätte. Als er das trotzige junge Mädchen anschaute, um behutsam ihr Bewusstsein zu erkunden – und ihre Erinnerungen –, stieß er an Francescas und Gabriels Schutzschilde, die das Mädchen vor der Brutalität ihres Lebens abschirmen sollten. Bevor die beiden sie in ihre Obhut genommen hatten, hatte Skyler Schlimmes durchmachen müssen. Trotz dieser Barrieren wurde Mikhail bei dem flüchtigen Einblick in die Grausamkeit und Gewalt, die Skyler erlitten hatte, elend.

Er spähte zu Raven und sah Tränen in ihren Augen schimmern. Auch sie erlebte Skylers Vergangenheit und fühlte ihren Schmerz und ihre Verzweiflung, die völlige Hoffnungslosigkeit eines Kindes, für das es kein Entkommen aus der erbarmungslosen Welt der Erwachsenen gab. Raven drehte sich hastig zum Herd um, um nach dem Truthahn zu schauen.

»Riecht gut«, stellte Skyler fest.

»Ich habe eine Füllung mit wildem Reis verwendet«, sagte Raven. »Ich kann mich aus meiner Kindheit daran erinnern. Es war ein bisschen zeitaufwendig, das Rezept zu finden, aber es müsste eigentlich ganz gut schmecken, auch wenn es lange her ist, seit ich etwas gekocht habe.«

»Francesca lässt mich kochen, wann immer ich will. Sie traut mir zu, meine eigenen Entscheidungen zu treffen.« Skyler warf Mikhail einen Blick zu.

»Ist dir bewusst, was mit einem männlichen Karpatianer ohne Gefährtin passiert?«, fragte Mikhail eindringlich.

Skyler nickte. »Gabriel und Francesca haben es mir erklärt. Karpatianer verlieren zuerst die Fähigkeit, Farben zu sehen und Gefühle zu haben. Im Lauf der Jahrhunderte kann auch ihr Ehrgefühl schwächer werden, und dann werden sie gefährlich, vor allem die Jäger. Und irgendwann können sie zu Vampiren werden, den grausamsten aller Geschöpfe.«

»Und diesem Schicksal könntest du deinen Gefährten des Lebens ausliefern? So hartherzig und unmenschlich könntest du sein? Soll einer dieser Männer noch mehr erdulden, als er bereits erduldet hat, nur weil du gelitten hast?«

»Mikhail!« Raven wirbelte erschrocken herum. Sie ist noch ein Kind! Wie kannst du nur? Unsere Tochter Gregori zu überlassen, als sie noch kaum den Kinderschuhen entwachsen war, war schlimm genug, aber dieses Kind hat Furchtbares durchgemacht. Und wir können unmöglich wissen, ob sie überhaupt für irgendeinen unserer Männer die Gefährtin des Lebens ist.

Sie ist ihrem Alter an Reife weit voraus, Raven. Lass sie antworten.

Skyler stellte sorgfältig ihr Glas auf den Tisch, stand auf und verschränkte die Arme, während sie Mikhail offen ansah. »Nein, natürlich nicht. Ich möchte nicht, dass irgendjemand meinetwegen leiden muss, aber ich scheine meine Vergangenheit nicht bewältigen zu können.« Sie streckte ihre bebenden Hände aus. »Ich fühle mich in Gegenwart von Männern nicht wohl. Ich bin nicht in der Lage, irgendjemandem eine Gefährtin zu sein, und ich will nicht in eine Situation gedrängt werden, in der ich keine Wahl, kein Mitspracherecht mehr habe. Ich habe diesen Entschluss nicht leichtfertig gefasst. Ich liebe Gabriel, und es wäre eine furchtbare Vorstellung, dass er tot sein könnte oder leiden müsste oder zu einem Vampir würde, doch ich weiß, dass ich mich nie wieder machtlos fühlen will. Karpatianische Männer sind viel zu dominant, und ich hätte das Gefühl, wieder an den dunklen Ort zu geraten, an dem Francesca mich gefunden hat.«

Mikhail runzelte die Stirn. »Glaubst du denn, unsere Frauen hätten keine Macht? Siehst du Francesca so?«

Skyler schüttelte den Kopf. »Francesca liebt und wird geliebt. Sie kann etwas sein, was ich nicht bin -und nie sein werde. Gabriel und Lucian haben mir beide versprochen, nie einem anderen zu erlauben, mein Nachgeben zu erzwingen, doch ich weiß, dass ein Karpatianer die Fähigkeit hat, eine karpatianische Frau an sich zu binden. Ich möchte Karpatianerin werden und dadurch voll und ganz Gabriels und Francescas Kind sein, aber ich will mich nicht den Gesetzen eurer Welt unterwerfen.«

Ihr ist nicht klar, dass ihr Gefährte des Lebens sie auch an sich binden könnte, solange sie noch ein Mensch ist. Mikhail wandte sich an Raven, weil er sich auf einmal sehr hilflos fühlte. Warum haben Francesca und Gabriel und sogar Lucian ihr diese Information vorenthalten?

»Skyler«, bemerkte er laut. »Ein Karpatianer muss seine Gefährtin des Lebens über alles andere stellen. Er würde für dein Wohlergehen sorgen, Geduld mit dir haben. Du bist noch jung. Du hast keine Ahnung, wie du in ein paar Jahren darüber denken wirst.«

»Ich weiß es.«

»Und du würdest einen Karpatianer, einen, der jahrhundertelang treue Dienste geleistet hat, zum Tod verurteilen – oder schlimmer noch: zum Dasein eines Untoten?«

»Seine Entscheidungen haben nichts mit mir zu tun.«

»Und was ist mit dem Volk der Karpatianer? Unsere Art ist nahezu ausgestorben. Wir können ohne Frauen und Kinder nicht existieren. Eine Frau kann einen Mann retten und ein Kind zur Welt bringen.«

»Ich sehe, wie sehr Francesca manchmal kämpfen muss, um sich selbst treu zu bleiben, und sie ist eine starke Persönlichkeit. Gabriel ist sehr wachsam und lässt sie nur ungern ohne seine Begleitung fortgehen.«

Mikhail schirmte sein Bewusstsein sofort mit einer geistigen Barriere ab, um zu verhindern, dass Raven seine Gedanken las. Gabriel musste befürchten, dass ihre Feinde die Frauen angreifen würden, und trotzdem hatte er Skyler erlaubt, allein durch den Wald zu gehen. Oder etwa nicht? »Hast du Gabriel gegenüber erwähnt, dass du uns besuchen willst?«

Skyler scharrte mit ihrer Stiefelspitze auf dem Küchenboden. »Kann sein, dass ich es vergessen habe. Er war damit beschäftigt, Francesca zu helfen, Pfefferkuchen für das Haus zu backen, das wir für die Kinder basteln wollen.«

Raven, die schweigend den Truthahn mit Bratensaft übergoss, dachte über Skylers Befürchtungen nach. »Wogegen muss Francesca kämpfen, Skyler?«, fragte sie.

Skyler zuckte die Schultern. »Wogegen musst du kämpfen?«

Mikhail war leicht schockiert über die Erwiderung des jungen Mädchens. Sie klang viel zu abgeklärt für ihr Alter, und das allein barg eine Gefahr, an die er noch nicht gedacht hatte. Wenn Gabriel und Francesca an die potenziellen Risiken gedacht hätten, bevor sie Skyler in ihre Heimat brachten, hätten sie ihm gegenüber erwähnt, wie weit das Mädchen war. Sie war erst sechzehn – nach karpatianischem Standard praktisch ein Wickelkind, aber ihre Erfahrungen hatten sie über ihre Jahre hinaus reifen lassen. Rein äußerlich und auch von ihrem Auftreten her wirkte sie wie eine Erwachsene. Würde ihre Stimme die verzweifelten Bedürfnisse männlicher Karpatianer wecken? Falls es so war und sie ihrem Gefährten Farbe und Gefühl wiedergab, noch ehe sie bereit war, seinen Bedürfnissen gerecht zu werden, könnte das für den Betreffenden genauso gefährlich sein, als würde er seine Gefährtin nie finden. Unter Gefährten des Lebens kamen starke körperliche Anziehungskraft und sexuelles Verlangen häufig vor Liebe oder auch nur Zuneigung.

Raven berührte seine Hand. Es war nur eine kleine Geste, aber sie reichte aus, um seine Stimmung zu heben. Sie lächelte das junge Mädchen an. »Ich kämpfe mit der furchtbaren Last, dass so viele von meinem Gefährten abhängen, und mit dem Wissen, dass so viele seinen Tod wollen. Und ich kämpfe mit meinen eigenen Unzulänglichkeiten. Es gibt immer noch Aspekte des karpatianischen Lebens, mit denen ich nicht zurechtkomme, und das könnte eine zusätzliche Gefahr für meinen Gefährten darstellen.«

Sie lächelte Mikhail an. Angesichts der Liebe, die unverhohlen in ihren Augen schimmerte, schnürte sich seine Kehle zusammen. »Ich habe nie, nicht ein einziges Mal, bereut, die Gefährten dieses Mannes zu sein. Ich glaube, du unterschätzt deine Fähigkeiten, Skyler. Du bist eine sehr mutige junge Frau. Du bist viel zu jung, um daran zu denken, einen Karpatianer zum Gefährten zu nehmen, aber irgendwann wirst du im vollständigen Besitz deiner Fähigkeiten sein. Die meisten Männer haben keine Ahnung, worauf sie sich einlassen.« Sie zwinkerte dem Mädchen zu. »Es dauert eine Weile, seine Kräfte zu entwickeln und auszubauen, und die meisten von uns waren sehr jung, als wir in diese Welt eingetreten sind, doch durch die enge geistige Bindung an unsere Männer lernen wir schnell dazu.«

Skyler nickte. »Gabriel und Francesca bringen mir Dinge bei, indem sie mir die Informationen telepathisch übermitteln, und ich finde, dass es viel detaillierter ist als ein normales Gespräch. Kein Wunder, dass du schnell gelernt hast.«

»Wie geht es der kleinen Tamara?« Ravens Stimme klang gepresst, und sie traute sich nicht, in Mikhails Richtung zu schauen. Natürlich würde er es trotzdem merken – ihm entging nie etwas.

Sein scharfer Blick fand zu ihr und glitt wissend über ihren Körper. Raven hatte ihm verschwiegen, dass sie zurzeit eine sehr fruchtbare Phase hatte und leicht schwanger werden könnte – dass jetzt der optimale Zeitpunkt wäre und Jahre vergehen könnten, ehe es wieder so weit war, wenn sie diese Gelegenheit ungenutzt verstreichen ließen. Beschämt wegen ihrer Furcht und bekümmert, weil es sehr viel Leid und Schmerz mit sich bringen konnte, diese Empfängnisbereitschaft zu nutzen und sich auf das Wagnis einer Schwangerschaft einzulassen, wandte Raven sich von ihm ab. »Und manchmal, Skyler, kämpfe ich gegen meine Schwächen und Ängste, aber nie, niemals gegen meine Verbindung mit Mikhail.«

Skyler, die offensichtlich empathisch veranlagt war, rückte näher an Raven heran, als könnte sie durch ihre körperliche Nähe ihren Kummer lindern. »Ich schätze, das tun wir alle, oder?« Sie sah Mikhail fragend an.

Er strich sanft über Ravens Haar. Raven, mein Liebes. Seine Stimme erklang unendlich zärtlich in ihrem Inneren. Jeder Karpatianer weiß es, wenn seine Gefährtin empfängnisbereit ist. Du bist alles, was ich mir je gewünscht habe. Nur wenn du bereit bist, erst dann, versuchen wir es noch einmal. Er lächelte Skyler an, obwohl sein Blick seine Gefährtin liebkoste. »Du bist eine sehr weise junge Dame.«

Schwarze Wolken zogen über den Mond, verdunkelten kurz den Himmel und warfen bizarre Schatten in die große Küche. Die Silhouette eines riesigen Wolfes strich vor dem Fenster vorbei, als hätte sich ein großes Tier auf die Veranda geschlichen und liefe draußen auf und ab. Instinktiv drehten sich Mikhail, Raven und Skyler zu dem zweiten Fenster direkt über dem Spülbecken um. Skyler stieß einen erstickten Schrei aus, als ein mächtiger zottiger Schädel mit schwarzem Fell und rötlich glimmenden Augen sie durch die Glasscheibe anstarrte.

»Bleibt hier drinnen«, befahl Mikhail, während seine Gestalt schon flimmerte, durchsichtig wurde und sich dann in Dunst auflöste, der durch die Küche schwebte und unter der Tür hindurch in die Nacht hinausglitt.

Der Wolf verschwand abrupt, und die beiden Frauen starrten ins Dunkel.

»Es könnte Gabriel oder Lucian gewesen sein, die nach mir schauen wollten«, meinte Skyler. »Sie nehmen oft die Gestalt eines Wolfes an.«

Raven schüttelte den Kopf. »Sie wären ins Haus gekommen, um mit Mikhail zu sprechen und dir zu sagen, dass sie sich Sorgen machen.«

Skyler legte tröstend eine Hand auf Ravens Arm, was ihr bei ihrer Aversion gegen körperliche Berührungen nicht leichtfiel. »Es befinden sich Dutzende Karpatianer in Hörweite. Wenn der Prinz Hilfe braucht, muss er nur rufen.«

Raven, die eine Hand unwillkürlich an ihre Kehle gelegt hatte, lächelte sie an. »Ja, natürlich. Was auch da draußen ist, es kommt mir nicht wie eine echte Bedrohung vor.« Für einen erfahrenen Karpatianer -oder Vampir – wäre es in Tiergestalt ein Leichtes, seine wahre Identität und seine Absichten zu verschleiern, aber das würde sie Skyler gegenüber nicht erwähnen. »Mikhail wird uns Bescheid geben, wenn etwas nicht stimmt. Ich habe immer noch diesen Truthahn im Backrohr. Es ist lange her, dass ich zuletzt gekocht habe – ich könnte wirklich ein bisschen Hilfe gebrauchen.«

Skyler lachte. »Francesca lässt mich hin und wieder kochen. Normalerweise haben wir eine Haushälterin, die sich um die Mahlzeiten kümmert. Gelegentlich lässt sie mich in die Küche, doch eigentlich hat sie es nicht gern, wenn ihr jemand bei der Arbeit im Weg ist. Sie tut so, als mache es ihr nichts aus, aber ich weiß, dass es so ist.«

»Natürlich weißt du es. Du bist empathisch und kannst fühlen, was sie fühlt. Das muss manchmal sehr unangenehm für dich sein.«

Skyler zuckte die Schultern. »Gabriel und Francesca bringen mir bei, wie ich mich dagegen abschirmen kann. Bis jetzt beherrsche ich es noch nicht ganz, aber ich glaube, im Lauf der Zeit kriege ich es schon hin. Francesca hilft mir, wenn sie wach ist.«

»Warum möchtest du dich von ihnen umwandeln lassen?«

»Sie sind meine Familie. Ich möchte mit ihnen zusammen sein.«

»Und sie haben beide Blut mit dir getauscht?«

Skyler nickte. »Für die Umwandlung ist nur noch ein Austausch erforderlich. Gabriel hat es mir erklärt, doch er findet, dass ich warten soll, bis ich älter bin. Er glaubt, ich brauche noch mehr Zeit zum Nachdenken, aber ich weiß, was ich will. Falls der Prinz nicht darauf besteht, dass ich einen der Karpatianer zu meinem Gefährten des Lebens mache, möchte ich Gabriel überreden, den Austausch so bald wie möglich vorzunehmen.«

»Die Umwandlung ist körperlich nicht ganz leicht zu verkraften«, warnte Raven sie. »Sie ist mit Schmerzen verbunden, vor denen dich die beiden nicht schützen können.«

»Ich kann fühlen, dass du unsicher bist, Raven. Es gibt da etwas, das du mir verschweigst.«

Raven war genauso wie Skyler ein Mensch gewesen, wenn auch mit sehr starken übernatürlichen Fähigkeiten. Sie spürte, dass das karpatianische Blut Skylers Sinne bereits geschärft hatte. Das Mädchen war intelligent und begabt und hatte stark entwickelte übersinnliche Fähigkeiten. Raven konnte sich noch gut an jene Zeit erinnern, an das Gefühl, scharf und eindringlich die Empfindungen eines anderen wie die eigenen zu spüren. Dem Bösen haftete stets ein unverkennbarer Geruch an, und ein so sensibles und empathisches Mädchen wie Skyler musste vor dem ständigen Ansturm an Sinneswahrnehmungen, dem sie ausgesetzt war, geschützt werden. Es war nicht verwunderlich, dass Francesca und Gabriel ihr beide Blut gegeben hatten, um sie dagegen abzuschirmen.

»Ich glaube, du weißt bereits, was ich nicht ausspreche, Skyler. Du bist nicht hier, um Zusicherungen von Mikhail zu bekommen, sondern um ihn auf deinen starken Widerstand aufmerksam zu machen. Francesca und Gabriel würden dir nie verheimlichen, dass dein wahrer Gefährte des Lebens dich auf jeden Fall an sich binden kann, ob du nun Mensch bist oder Karpatianerin. Wenn du die andere Hälfte seiner Seele bist, kann er euch zusammenführen. Das weißt du, nicht wahr?«

Skyler wurde rot und nickte. »Tut mir leid, ich hätte nicht lügen sollen. Manchmal erfahre ich mehr, wenn ich Unwissenheit vortäusche. Die meisten Leute trauen einem Teenager weder Reife noch Intelligenz zu. Ich kann um Schutz vor meinem Gefährten des Lebens bitten, oder?«

Raven betrachtete die viel zu wissenden Augen. »Bist du ihm schon begegnet?«

Skyler schüttelte den Kopf und wandte den Blick ab. »Ich habe Albträume. Manchmal höre ich Stimmen, und dann habe ich Angst.« Sie zögerte. »Als ich noch klein war und Männer furchtbare Sachen mit mir gemacht haben, schrie ich im Geist immer wieder. Und dann hörte ich eine Stimme nach mir rufen. Damals dachte ich, ich würde verrückt. Aber jetzt weiß ich, dass er irgendwo da draußen ist und nach mir sucht.« Sie rieb sich die Stelle zwischen ihren Augen. »Ich wollte nicht in die Karpaten kommen, weil ich Angst hatte, er könnte vielleicht hier sein, aber Gabriel und Francesca wollten mich nicht allein lassen. Gabriel sagt, dass ich ständigen Schutz brauche.«

Ravens Herz machte einen Satz. »Das hat er gesagt?«

Skyler nickte. »In letzter Zeit ist er ziemlich seltsam und will nicht, dass Francesca oder ich ohne ihn irgendwohin gehen. Es regt sie auf, das merke ich, aber sie begehrt nicht dagegen auf. Sie arbeitet im Krankenhaus und in einigen Obdachlosenheimen, und ich begleite sie oft, doch es gefällt Gabriel gar nicht, dass sie diese karitativen Aufgaben immer noch wahrnimmt.«

Raven wandte sich schnell ab und übergoss den Truthahn erneut mit Bratensaft, obwohl es eigentlich nicht nötig war. »Seit wann regt es Gabriel so auf, wenn ihr zwei allein unterwegs seid?« Sie stellte die Frage ganz beiläufig, fing aber aus dem Augenwinkel den scharfen Blick des Mädchens auf.

»Seit dem Angriff auf den Prinzen.«

Hier draußen gibt es nichts, wovor wir uns fürchten müssten, Raven. Einer der Männer, der im Wald unterwegs war, wollte bei uns vorbeischauen, sah dann aber, dass wir Besuch hatten. Ich gehe jetzt zu meinem Bruder. Lass Skyler nicht ohne Begleitung durch den Wald wandern.

Sollte ich mir wegen irgendetwas Sorgen machen, Mikhail?

Raven spürte sein kurzes Zögern. Ich weiß nicht. Ich bin unruhig, obwohl es dafür keinen Grund zu geben scheint.

Pass auf dich auf, Mikhail. Sag Shea, dass ich sie demnächst besuchen komme. Worüber willst du mit Jacques sprechen?

Jetzt fühlte sie seine Erheiterung. Über Gregori als Weihnachtsmann, umgeben von einer Schar lieber Kinderchen.

Kapitel 2

Mikhail beugte sich vor und gab Shea Dubrinsky einen Kuss auf die Wange. »Du siehst ein bisschen schwanger aus, meine Liebe.«

Seine Schwägerin pustete sich ein paar rote Haare aus dem Gesicht. »Ein bisschen schwanger, ach ja? Wenn dieses Baby nicht bald kommt, explodiere ich noch, glaub mir.«

»Du siehst außerdem erhitzt aus. Stimmt etwas nicht?« Er schaute sich nach seinem Bruder um. Jacques wich kaum jemals von der Seite seiner Gefährtin.

Ein langsames Lächeln stahl sich auf Sheas Gesicht. »Er ist in der Küche – und backt.«

Mikhails Augenbrauen schossen hoch. »Ich habe mich wohl verhört?«

»Nein, hast du nicht. Mein Rücken tut mir schon den ganzen Abend weh, und ich habe Probleme mit dem Rezept. Das Schlimmste ist, dass die meisten Rezepte von Raven, Corinne und mir stammen. Es sind Lieblingsgerichte aus Ravens Kindheit und ein paar, an die ich mich erinnern konnte. Den Rest hat Corinne beigesteuert. Und jetzt kriege ich es nicht hin! Es ist beschämend, es zuzugeben, aber ich scheine zu emotional zu sein. Ich weine ständig, deshalb hat Jacques das Backen übernommen.«

Mikhail, der plötzlich einen Frosch im Hals spürte, wandte sich höflich ab, um sich zu räuspern. »Jacques kocht?«

Ihr Lächeln wurde breiter. »Na ja, zumindest versucht er es. Bis jetzt waren unsere Bemühungen noch nicht unbedingt von Erfolg gekrönt, und ich glaube, er lernt ein paar neue Wörter dazu.« Sie legte den Kopf zur Seite, sodass ihr leuchtend rotes Haar um ihr Gesicht fiel und ihren klassischen Knochenbau betonte. »Möchtest du ihm nicht helfen? Nur zu, er wird begeistert sein, dich zu sehen.« Sie verdrehte die Augen. »Seine Majestät hat mir den strikten Befehl erteilt, mich eine Weile hinzulegen.«

Mikhail runzelte die Stirn. »Dann tu das, Shea, und zwar sofort. Du hast noch keine Wehen, oder? Ich lasse lieber Francesca und Gregori kommen, damit sie dich untersuchen.«

»Ich bin Ärztin, Mikhail«, erinnerte Shea ihn, »und ich wüsste es, wenn ich Wehen hätte. Ich bin nahe dran, und wahrscheinlich geht es bald los, doch noch ist es nicht so weit.« Sie machte eine anmutige Handbewegung, bevor sie auf die Geheimtür zuging, die in den Keller führte. »Ich verspreche dir, dass ich die beiden sofort rufe, falls ich sie brauche. Ich würde nie das Risiko eingehen, dass dem Baby etwas zustößt. Ich bin bloß müde.«

Mikhail beobachtete, wie sie verschwand, ehe er durch das weitläufige Haus zur Küche ging. In der Tür blieb er wie angewurzelt stehen und starrte seinen Bruder entgeistert an. Eine weiße Wolke schwebte in der Luft und ließ feine Partikel wie Schneeflocken auf den Boden rieseln. Überall war Mehl – auf dem Boden ebenso wie auf den Tellern und Schüsseln, die sich auf der Arbeitsfläche und im Spülbecken türmten. Jacques stand am Küchentisch. Er hatte sich eine Schürze umgebunden, und eine Puderschicht aus weißem Mehl bedeckte sein Gesicht, hing in seinen Augenbrauen und Wimpern und überzog sein tiefschwarzes Haar.

Mikhail brach in schallendes Gelächter aus. Selbst bei Raven, über die er sich oft amüsierte, ließ er nur selten dieses tiefe, volle Lachen hören, aber der Anblick seines sonst so grimmig wirkenden Bruders, der jetzt über und über mit Mehl bestäubt war und offensichtlich Blut und Wasser schwitzte, war sogar für ihn zu viel.

Jacques fuhr herum. Seine Augen funkelten bedrohlich, und seine Miene war so finster, dass sie selbst den mutigsten und stärksten aller Krieger eingeschüchtert hätte. Eine dünne weiße Narbe, das beredte Zeugnis seiner Vergangenheit, zog sich um seinen Hals und verlief von dort bis über sein Kinn und seine Wange. Es war bei Karpatianern extrem selten, dass von ihren Wunden Narben zurückblieben, doch Jacques’ Körper mit der dünnen Narbe um seine Kehle und dem hässlichen Mal auf seiner Brust, wo ihm ein Holzpflock tief ins Herz gerammt worden war, trug die Zeichen einer brutalen Folter und würde sie wahrscheinlich immer tragen. »Das ist nicht komisch.«

»Doch, sehr sogar«, entgegnete Mikhail. Soweit er sich erinnern konnte, war es das erste Mal, dass er seinen Bruder so ratlos erlebte. Shea hatte Jacques nicht nur das Leben gerettet und ihn vor dem Wahnsinn bewahrt, sondern ihm mit ihrer Fröhlichkeit und ihrem Humor Lebensfreude geschenkt. Mikhail übermittelte das Bild seines Bruders an Raven. Sofort nahm er ihr leises Lachen wahr und spürte die Liebe, die in dem warmen Klang mitschwang. Zwischen ihm und Raven bestand eine unglaubliche Nähe, eine Nähe, von der er wusste, dass sein Bruder sie mit Shea teilte – und das hatte Jacques das Leben gerettet. Allein dafür würde Mikhail seiner Schwägerin immer dankbar sein. »Sogar Raven findet die Situation amüsant.«

»Raven! Erwähne lieber nicht ihren Namen. Sie hat mir diesen Schlamassel eingebrockt.« In der Hoffnung, das Mehl aus seinen Wimpern zu bekommen, pustete Jacques nach oben.

»Und ich dachte, du willst Shea helfen«, bemerkte Mikhail, der das Grinsen nicht mehr von seinem Gesicht bekam.

»Shea war hier in der Küche und hat geweint. Geweint, Mikhail. Sie hockte auf dem Fußboden und weinte – wegen eines blöden Laibes Brot!« Jacques’ Miene verfinsterte sich, als er sich umschaute. Er senkte seine Stimme. »Ich konnte es nicht ertragen, das mit anzusehen.«

Einen Moment lang wirkte Jacques völlig hilflos und ganz und gar nicht wie der gefährliche Jäger, als den Mikhail ihn kannte.

»Wer denkt denn auch, dass Brot explodieren kann? Die Hefe ging auf, bis sie zu einem Vulkan wurde, über den Schüsselrand quoll und über die Tischplatte kroch. Irgendwann dachte ich schon, das Zeug wäre lebendig.« Jacques schüttelte ein mehlbestäubtes Blatt Papier. »Das ist das Rezept, und da steht, dass man den Teig mit einem Geschirrtuch zudecken soll. Das Geschirrtuch hatte nicht die geringste Chance gegen diese fürchterliche brodelnde Masse.«

Mikhail hielt sich mit einer Hand die Seite. So viel hatte er in den letzten hundert Jahren nicht gelacht. »Ich kann nur sagen, ich bin froh, dass ich nicht dabei war.«

»Hör endlich auf zu lachen, und hilf mir!« Jacques’ Ton grenzte an Verzweiflung. »Aus irgendeinem Grund, der mir persönlich völlig schleierhaft ist, ist Shea wild entschlossen, das Brot für die Feier zu backen. Sie will, dass es, geflochten und zu Laiben geformt, und in den Ofen geschoben wird. Das ist mein dritter Versuch. Ich dachte, die Leute gehen einfach in ein Geschäft und kaufen das Zeug dort.«

»Du jagst Vampire, Jacques«, gab Mikhail zurück. »Einen Laib Brot zu backen, kann doch nicht so schwer sein.«

»Das sagst du bloß, weil du es noch nie versucht hast. Komm rein, und mach die Tür zu.« Jacques fuhr sich mit einem Arm über sein Gesicht und beschmierte sich dabei noch mehr mit Mehl. »Ich wollte sowieso mit dir reden.« Er vergewisserte sich, dass Shea in ihrer Schlafkammer und somit weit genug entfernt war, und starrte dann wieder auf den Teig, um dem eindringlichen Blick seines Bruders auszuweichen. »Shea korrespondiert mit einer Frau, die es für möglich hält, dass die beiden weitläufig miteinander verwandt sind.«

Das Lächeln auf Mikhails Gesicht verblasste. »Wie lange geht das schon?«

»Ungefähr ein Jahr. Die Frau, die sich anscheinend für Ahnenforschung interessiert, hat auf ihrem Dachboden Fotos gefunden und Shea geschrieben, um sie zu fragen, ob sie miteinander verwandt sein könnten. Shea wollte die Bilder von ihrer Mutter gern haben und schrieb zurück.«

Mikhail unterdrückte ein Stöhnen. »Jacques! Du solltest klüger sein. Wie konnte diese Frau Shea überhaupt aufspüren? Wir achten immer gut darauf, keine Spuren zu hinterlassen.«

»Heutzutage mit all den Computern ist es nicht mehr so leicht, Mikhail, und Shea braucht sie für ihre Forschungen. Über das Internet kommt sie an alle möglichen Orte.«

»Sie hätte gar nicht erst antworten dürfen.«

»Ich weiß, ich weiß. Ich hätte es nicht erlauben sollen, doch Shea hat so viel aufgegeben, um mit mir zusammen zu sein. Ich bin nicht wie ihr anderen und werde es auch nie sein. Das weißt du.« Jacques wandte den Blick von seinem Bruder ab, und einen Moment lang vibrierte die Luft zwischen ihnen vor Schmerz. »Sie hat etwas Besseres verdient, und dieses kleine Zugeständnis wollte ich ihr machen. Mit einer Frau in Briefkontakt zu stehen, die eine Verwandte sein könnte und die behauptet, Bilder von ihrer Mutter zu haben – wie hätte sie da widerstehen können? Ich habe es einfach nicht übers Herz gebracht, ihr diesen Wunsch abzuschlagen.«

»Du weißt, dass es brandgefährlich ist. Wir dürfen keine schriftlichen Aufzeichnungen zurücklassen. Und der Kontakt mit Menschen ist gefährlich, besonders wenn er schriftlich festgehalten wird. Dadurch bringt sie uns alle in Gefahr.«

Jacques knallte den Teig auf die Tischplatte. »Shea versucht herauszufinden, warum wir unsere Babys verlieren, obwohl sie gerade selbst ein Kind erwartet. Sie hat die Todesfälle von dreißig Kindern unter einem Jahr untersucht. Was glaubst du, wie ihr dabei zumute ist?« Seine Faust drosch auf den Teig. »Sie steht kurz vor der Niederkunft, und sie hat Angst, auch wenn sie versucht, es vor mir zu verbergen. Bis jetzt habe ich es nicht geschafft, ihr auch nur ein Minimum an Privatsphäre zu lassen.« Er schämte sich, diese Schwäche einzugestehen, doch er wollte, dass sein Bruder die Wahrheit erfuhr. »Die Sorge um meine geistige Gesundheit lastet ständig auf ihr.«

»Jacques, du liebst Shea.«

»Sie ist mein Leben, meine Seele, und das weiß sie, Mikhail, aber das macht es für sie nicht leichter, mit mir zu leben. Ich kann andere Männer in ihrer Nähe nicht ertragen. Ich bin immer wie ein Schatten in ihrem Bewusstsein und habe uns mit meiner Angst um das Baby … mit meiner Angst um Shea selbst … fast beide wahnsinnig gemacht. Wenn ihr etwas passiert …«

»Shea wird euer Kind zur Welt bringen, und es wird gesund sein«, sagte Mikhail und sprach insgeheim ein stummes Gebet, damit auch recht zu behalten. »Francesca und Gregori werden beide dafür sorgen, dass es Shea gut geht. Und du wirst nicht zulassen, dass deiner Gefährtin in dieser Zeit etwas zustößt, darauf vertraue ich fest.«

»Shea hat mich gebeten, ihr zu versprechen, dass ich in dieser Welt bleibe und mein Kind großziehe, falls ihr etwas passiert.« Jacques richtete seine gequälten Augen auf seinen Bruder. »Nach ihrer eigenen furchtbaren Kindheit ist dir sicher klar, warum sie diese Zusicherung von mir braucht.« Er rieb sich den Nasenrücken. Sein Gesicht wirkte müde und abgezehrt vor Kummer. »Du weißt, dass ich ohne sie nicht existieren kann. Sie ist mein Halt. Es ist das Einzige, worum sie mich je gebeten hat, und trotzdem kann ich ihr dieses Versprechen nicht mit gutem Gewissen geben, so gern ich sie auch beruhigen möchte.«

»Was weißt du von dieser Frau, von der du mir erzählt hast?« Er war ärgerlich, obwohl er durchaus Verständnis für seinen Bruder hatte. Doch indem Jacques Shea erlaubte, mit einer Fremden zu korrespondieren, einer Frau, die ihnen völlig unbekannt war, brachte er ihre ganze Art in Gefahr. »Sie heißt Eileen Fitzpatrick und hat Shea etliche Fotos von Maggie, Sheas Mutter, und einer Frau, von der Eileen behauptet, sie wäre Maggies Halbschwester, geschickt. Anscheinend ist die Halbschwester Eileens Großmutter.«

»Wie hat sie Shea gefunden?«

Jacques zuckte die Schultern. »Durchs Internet. Shea befasst sich ständig mit Genealogie.«

Mikhail zog die Augenbrauen hoch. »Warum? Sie ist kein Mensch mehr, sondern Karpatianerin.«

»Und wie es aussieht, spielen Erbanlagen bei ihrer Forschung eine große Rolle, Mikhail«, sagte Jacques. »Das betrifft nicht nur Shea, sondern ebenso Raven und Alexandria und Jaxon – und unsere Familien. Gregori und Francesca befassen sich mit dem Teil der karpatianischen Genealogie, der für die Erforschung der Kindersterblichkeit bei uns interessant ist.«

»Und diese Eileen hat sie über die Genealogie-Website gefunden, mit der Shea arbeitet?«, bohrte Mikhail nach.

Jacques nickte. Ihm war eindringlich bewusst, wie gerechtfertigt Mikhails Missbilligung war. »Eileen wurde in Irland geboren, aber sie lebt in den Vereinigten Staaten. Ich habe Aidan gebeten, sie diskret unter die Lupe zu nehmen. Sie besitzt eine Buchhandlung in San Francisco und verbringt viel Zeit damit, in die Bibliothek zu gehen und dort am Computer Ahnenforschung zu betreiben.«

»Wenigstens ist diese Frau weit weg.« Noch während er das sagte, verfinsterte sich Mikhails Miene, und draußen ertönte lautes Donnergrollen. Er las die Wahrheit auf Jacques Gesicht. »Sie ist hier?«

»Sie trifft heute Abend im Gasthof ein. Eileen hat Shea gefragt, wie sie Weihnachten verbringen würde, und da Shea davon ausging, dass es für Menschen ganz normal ist, in dieser Zeit zu backen und zu kochen und für die Kinder eine große Weihnachtsfeier auszurichten, hat sie es ihr gegenüber erwähnt.«

Mikhail schaute zu, wie Jacques mit einem Nudelholz den Teig ausrollte. »Diese Feier passt mir überhaupt nicht. Ich hätte Raven gleich sagen sollen, dass es nicht geht. Ich muss in letzter Zeit immer öfter daran denken, dass unsere Feinde früher oder später unsere Frauen und Kinder angreifen werden. Und welche Gelegenheit wäre besser als diese Weihnachtsfeier, wenn so viele von uns an einem Ort zusammen sind?«

»Raven hat recht, Mikhail. Nach dem letzten Anschlag auf dein Leben brauchen wir alle etwas, das uns aufheitert. Ich gebe zu, ich bin unruhiger als sonst, aber ich nehme an, das liegt daran, dass die Geburt unseres Kindes immer näher rückt.«

»Mag sein«, murmelte Mikhail. »Mag sein.«

»Ich glaube nicht, dass unsere Feinde es schaffen, sich schnell genug zusammenzuscharen, um einen neuerlichen Angriff auf uns zu starten, Mikhail, doch wir werden natürlich alle Vorkehrungen zu unserer Sicherheit treffen.« Jacques rollte den Teig mit mehr Schwung als Können aus und warf eine Hand voll Mehl darüber, sodass erneut eine weiße Staubwolke aufstieg.

Mikhail konnte seinen faszinierten Blick nicht von dem seltsamen Gebilde losreißen, das unter den Händen seines Bruders entstand. »Wo ist Shea jetzt?« Er senkte seine Stimme noch mehr.

»Ich hoffe stark, dass sie sich hingelegt hat. Es geht ihr nicht besonders gut.«

»Möglicherweise sind die Vampire noch nicht so weit, aber das Syndikat, das sich gegen uns verschworen hat, hat uns hier in den Bergen bereits aufgespürt. Diese Leute haben Spione, und es ist durchaus möglich, dass sie von unserem Treffen Wind bekommen haben. Einer oder mehrere von den Einheimischen müssen in ihrem Sold stehen. Und wir dürfen natürlich nicht vergessen, dass der dunkle Magier noch am Leben ist.«

Jacques’ eiskalte schwarze Augen glitzerten bedrohlich und erinnerten Mikhail daran, dass sein Bruder auch mit Shea als Gefährtin immer noch ein sehr gefährlicher Mann war. Das weiße Mehl, das sein Gesicht bestäubte und an den Spitzen seiner Wimpern hing, verminderte den Eindruck tödlicher Gefahr, der von ihm ausging, nicht im Geringsten. »Wir sollten regelmäßig Streifzüge durch die Stadt und die Umgebung unternehmen und uns gründlich umschauen.«

Mikhail sog scharf den Atem ein und musste sofort husten, als Mehlpartikel in seine Lungen drangen. Er mochte die meisten Dorfbewohner, war mit einigen wenigen gut befreundet, und der Gedanke, ständig in ihr Inneres und damit in ihre Privatsphäre einzudringen, war ihm unangenehm. Doch es war unumgänglich.

Jacques warf ihm einen finsteren Blick zu. »Damit werde ich schon fertig.«

»Du weißt genauso gut wie ich, dass unsere Feinde eine Möglichkeit gefunden haben, uns daran zu hindern, ihre Anwesenheit zu entdecken. Unsere Nachbarn ständig zu beobachten oder bewusst ihr Blut zu nehmen, um sie überwachen zu können, heißt, ihnen die Intimsphäre zu nehmen, auf die sie ein Recht haben. Wir würden ein derartiges Eindringen in unser Privatleben auch nicht wollen.« Es war eine alte Diskussion, aber er führte sie immer wieder, um sich selbst in Erinnerung zu rufen, was falsch und was richtig war.

»Wir haben mehr als das Recht, wir haben die Pflicht, unsere Frauen und Kinder zu beschützen, Mikhail, und das sollte ich dir eigentlich nicht sagen müssen. Du hättest Raven mittlerweile dreimal fast verloren.«

Mikhail bändigte das wilde Tier, das sich in seinem Inneren aufbäumte. Es würde zu nichts führen, eine sinnvolle Diskussion zu einem Streit ausarten zu lassen. Jacques’ Argument war genauso stichhaltig wie seines, und letzten Endes würden sie tun, was nötig war, um ihr Volk zu schützen.

Mikhail studierte die grimmige Miene seines Bruders. Jacques war knapp davor gewesen, den Verstand zu verlieren, als Shea ihn gerettet hatte, und selbst nach all den Jahren mit ihr lauerten die Dämonen immer noch sehr dicht unter der Oberfläche. Bei der leisesten Andeutung, dass Shea in Gefahr sein könnte, rührte sich das wilde Tier in ihm, und jeder in Jacques’ Nähe war in Gefahr.

»Jacques?«

Beide drehten sich beim Klang von Sheas Stimme um. Sie stand in der Tür, ihr leuchtend rotes Haar wie eine Wolke um ihr Gesicht, in dem vor allem die strahlend grünen Augen auffielen, auch wenn jetzt dunkle Schatten unter ihnen lagen. Ich habe gefühlt, dass du mich brauchst. Was ist los, wilder Mann? Sie klang leicht belustigt, hüllte ihn aber gleichzeitig mit Wärme und Liebe ein.

Jacques holte tief Luft und zwang sich, ruhiger zu werden, als ihm klar wurde, dass er seinen geistigen Zugriff auf Shea unbewusst verstärkt hatte. Auf andere wirke ich ganz normal, aber ohne dich bin ich immer noch völlig aus dem Gleichgewicht. Tut mir leid, dass ich dich gestört habe. Seine Stimme klang sanft und zärtlich und barg eine Welt von Gefühlen in sich, als er die Liebe seines Lebens betrachtete. Etwas in ihm wurde ruhig und dämpfte das Brüllen des Dämons, der sich in ihm erhob – die inbrünstige Wut, die ihn nie ganz losließ, sosehr er sich auch bemühte, seine Vergangenheit hinter sich zu lassen. Er würde sich in der Gesellschaft von Menschen nie so unbefangen fühlen wie sein Bruder, und er fand, dass dieses Eindringen in anderer Leute Privatsphäre kein zu hoher Preis für seinen Seelenfrieden und sein Bedürfnis war, seine Gefährtin bis in alle Ewigkeit zu beschützen.

»Du siehst richtig niedlich aus«, stellte sie fest.

Jacques blinzelte und wich dem Blick seines Bruders aus. »Karpatianer sind nicht niedlich, Shea. Wir sind gefährlich. Ich sehe immer gefährlich aus.«

»Nein, mein Schatz«, widersprach Shea, während sie hereinkam und an Mikhail vorbeirauschte. »Du siehst so niedlich aus, dass ich wünschte, ich könnte ein Bild von dir machen und allen anderen zeigen, wie süß du in Wirklichkeit bist.«

Jacques drehte sich zu ihr um, nahm sie in seine Arme, bevor sie protestieren konnte, und zog sie so stürmisch an sich, dass Mehl auf sie hinunterrieselte, ihre Kleider und ihr Kinn bestäubte und sich wie Schnee auf ihr Haar legte. Er vergrub sein Gesicht an ihrem Hals und rieb sich bewusst an ihr, während er mit seinen Lippen über ihre warme Haut strich und spielerisch mit seinen Zähnen an ihr knabberte.

Shea legte lachend einen Arm um seinen Kopf und protestierte, obwohl sie ihn zärtlich an sich zog. Jacques’ wesentlich größere Gestalt erdrückte sie förmlich, und sein langes Haar, das im Nacken von einem Lederband zusammengehalten wurde, fiel in einer wilden Mähne über seinen Rücken, in der sie ihre Finger vergrub, um ihn noch enger an sich zu ziehen.

Mikhail spürte eine Woge von Emotionen in seinem Inneren aufsteigen. Zuneigung, aufrichtiger Respekt und Liebe überfluteten ihn, und er teilte diesen kurzen Moment mit Raven. Shea O’Halloran hatte nicht nur seinem Bruder das Leben gerettet und ihn vor dem Wahnsinn bewahrt, sondern auch Raven und ihr Kind gerettet. Shea wirkte mit ihren zarten Gesichtszügen und dem gerundeten Bauch sehr zerbrechlich, aber er kannte den Kern grenzenloser Tapferkeit und Hingabe und den eisernen Willen, der sich hinter ihrem Äußeren verbarg. Als Mensch war sie eine bekannte Chirurgin und eine brillante Wissenschafterin gewesen, und jetzt als Karpatianerin setzte sie all ihr Wissen ein, um ihre Spezies vor dem Aussterben zu bewahren.

»Ganz ehrlich, Jacques, das Mehl und die Schürze beeinträchtigen das Image des gefährlichen Raubtiers tatsächlich«, sagte Mikhail, um seinen jüngeren Bruder ein bisschen aufzuziehen, obwohl Lachen und Scherze in letzter Zeit bei ihnen selten geworden waren.

Jacques drehte sich zu ihm um, und zwar weit entspannter, als er es noch vor wenigen Sekunden gewesen war. Sheas besänftigender Einfluss hatte die winzigen roten Flammen in seinen Augen gelöscht und den grausamen Zug um seine Lippen verschwinden lassen. »Ermutige sie nicht noch«, protestierte er.

Mikhail zwinkerte Shea zu. Sie schmiegte sich in die Arme seines Bruders und legte ihren Kopf an dessen Brust, ohne sich von dem Mehl, das sie beide bedeckte, abschrecken zu lassen. »Ich glaube nicht, dass sie Ermutigung nötig hat«, bemerkte Mikhail. »Ich überlasse euch jetzt euren Backkünsten. Ich muss mit Aidan und Julian sprechen.«

Du willst die Frau überprüfen, die behauptet, mit Shea verwandt zu sein.

Mikhail neigte kaum merklich den Kopf. »Julian war früher mit Dimitri befreundet, nicht wahr?«

»Vor einigen hundert Jahren«, antwortete Jacques, dessen Augen plötzlich sehr wachsam waren. »Warum fragst du?«

Mikhail zuckte die Schultern. »Ich habe Dimitri seit Jahrzehnten nicht mehr in seiner wahren Gestalt gesehen. Falls er hier ist, dann sicher in der Gestalt eines Wolfs. Viele Jäger schlüpfen in den Körper eines Tieres, wenn sie knapp davor sind, auf die dunkle Seite überzuwechseln.«

Er beunruhigt dich, stellte Jacques fest, während er einen sanften Kuss auf Sheas pochende Pulsader an ihrem Hals hauchte.

Ein wenig. Ich bin bloß vorsichtig. Wir sind durch dieses ungewöhnliche Treffen alle ein bisschen verunsichert. Zu viele unserer Frauen und Kinder an einem Ort geben mir das Gefühl, dass sie alle verwundbar sind. Julian soll Kontakt zu Dimitri aufnehmen, um ihre alte Freundschaft wieder aufleben zu lassen.

Es ist schwer, Freunde aus der Kindheit zu durchleuchten.

Nein, das ist es wirklich nicht, gab Mikhail seinem Bruder mit einem leisen Seufzer recht.

»Jacques!« Shea langte nach seiner Hand. »Unser Baby tritt ganz schön fest zu. Es war heute Abend so ruhig, dass ich schon anfing, mir Sorgen zu machen.«

Jacques legte seine Handfläche auf ihren gewölbten Bauch, um die Tritte des winzigen Fußes zu spüren. Er lächelte Shea an. »Unglaublich! Ein kleines Wunder.«

»Ja, wirklich.« Shea wandte ihm ihr Gesicht für einen kurzen, zärtlichen Kuss zu. »Ich konnte einfach nicht anders, als mir Sorgen zu machen. Ich habe so viel mit den anderen diskutiert, die an dem Problem der Kindersterblichkeit unserer Art arbeiten, und jeder von uns hat eine andere Theorie.«

»Wie lautet deine, Shea?« Mikhail richtete seinen eindringlichen Blick auf sie.

Shea strich ihre roten Locken zurück und wandte sich zu ihm um. Ihr Gesicht wirkte auf einmal müde und verhärmt, und in den Tiefen ihrer Augen war zu sehen, wie stark der Druck auf ihr lastete. »Gregori und ich glauben, dass mehrere Faktoren für die Fehlgeburten und Todesfälle verantwortlich sind. Wir konzentrieren uns vor allem auf das Erdreich. Erde verjüngt und heilt uns, und ohne sie können wir nicht lange überleben. Wir müssen im Erdreich ruhen, ob wir nun vollständig darin begraben sind oder nur zum Teil. Die Zusammensetzung der Erde hat sich im Lauf der Zeit verändert, an diesem Ort hier weniger als woanders, aber Chemikalien und Giftstoffe sind auch in unsere Welt eingedrungen. Ich glaube, dass das ebenso wie bei anderen Arten unsere Fähigkeit beeinträchtigt, Kinder auszutragen.«

Mikhail versuchte, jede Reaktion zu unterdrücken. Erde. Sein Volk konnte ohne Erde nicht lange existieren. Selbst jene, die die Karpaten verlassen hatten, suchten die gehaltvollste Erde auf, die in anderen Ländern zu finden war. Aber was Shea sagte, klang durchaus sinnvoll. Vögel beispielsweise hatten wegen der Umweltverschmutzung Probleme mit der Aufzucht ihrer Jungen, warum nicht Karpatianer? Er unterdrückte ein Stöhnen – und das jähe Bedürfnis nach Ravens geistiger Nähe. Er wünschte sich sehnlich, dass sie erneut versuchten, ein Kind zu bekommen. Was er jetzt überhaupt nicht brauchen konnte, war, dass sie zu einem Zeitpunkt, zu dem sie empfängnisbereit war, den Mut verlor. Diese fruchtbaren Zeiten waren bei Karpatianerinnen sehr selten, und eine versäumte Gelegenheit bedeutete, dass viele Jahre verloren gingen.

»Du hast unsere Erde untersucht?«, fragte er.

»Shea nickte. »Selbst hier an unserem Zufluchtsort finden sich Schadstoffe. Wir haben jede einzelne unserer reichhaltigsten Ablagerungen untersucht, um die bestmögliche Erde für unsere schwangeren Frauen zu finden. Und das ist nur ein Aspekt eines sehr komplexen Problems.«

Jacques, der die ängstliche Besorgnis in ihrer Stimme hörte, tauchte eine Hand in das Gewirr ihrer Nackenhaare. »Du hast unglaubliche Fortschritte gemacht, Shea. Und du wirst die Antworten finden.«

»Das glaube ich auch«, stimmte sie zu, »aber ich bin mir nicht sicher, ob wir viel gegen diese spezielle Problematik ausrichten können. Und ich bin in Sorge, ob ich die Teile des Puzzles rechtzeitig zusammensetzen kann, damit es uns noch etwas nützt.« Ihre Hand ruhte auf ihrem ungeborenen Kind.

Es war für beide Männer das erste Mal, dass sie Shea so niedergeschlagen erlebten. Sie war sehr beharrlich in ihrem analytischen Denken und überzeugt, dass die Wissenschaft alle Antworten liefern konnte.

Sie ist müde, Mikhail. Sie wird nicht aufgeben.

Mikhail zwang sich zu einem Lächeln. Da die Geburt von Sheas und Jacques’ Kind so kurz bevorstand, wäre es sicher keine gute Idee, die hohe Sterblichkeit unter den Neugeborenen zur Sprache zu bringen. Er musste unbedingt das Thema wechseln. »Ich habe vergessen, einen sehr wichtigen Punkt der geplanten Festivitäten zu erwähnen. Raven hat mich informiert, dass es als Prinz unseres Volks meine Pflicht sei, den Weihnachtsmann zu spielen.«

Jacques brachte einen gurgelnden Laut heraus. Shea hustete hinter vorgehaltener Hand.

Mikhail nickte. »Genau. Ich habe nicht die Absicht, mir einen weißen Bart umzuhängen und einen roten Mantel anzuziehen. Allerdings …« Er grinste boshaft.

»Was hast du vor, Mikhail?«, fragte Jacques argwöhnisch. »Falls du nämlich glauben solltest, du könntest diese abstoßende Sache deinem Bruder anhängen …«

Mikhail schüttelte feierlich den Kopf, aber seine dunklen Augen blitzten übermütig. »Ich habe festgestellt, dass ein Schwiegersohn doch von Nutzen sein kann. Ich werde dem lieben Gregori mitteilen, dass es seine Pflicht ist, den roten Anzug zu tragen.«

Jacques öffnete den Mund, um etwas zu erwidern, brachte jedoch kein Wort heraus. Sheas Augen weiteten sich, und sie legte unwillkürlich eine Hand an ihren Mund. »Nicht Gregori! Er wird sämtlichen Kindern Angst einjagen«, flüsterte sie, als könnte Gregori sie hören. »Du willst ihn doch nicht im Ernst fragen, oder? Keiner der Brüder Daratrazanoff kann den Weihnachtsmann spielen. Es wäre irgendwie … falsch.«

Jacques’ Grinsen vertiefte sich, und Mikhail spürte, wie sich sein Herz zusammenzog.

Was ist, Liebster? Ich komme zu dir, falls du mich brauchst. Ravens leise Stimme erfüllte Mikhail mit Wärme.

Gar nichts, mein Liebes, beruhigte Mikhail sie über ihre telepathische Verbindung.

»Ich würde zu gern Mäuschen spielen, wenn du ihm das vorschlägst«, bemerkte Jacques. »Sag mir Bescheid, wenn du zu ihm gehst.«

Shea warf ihrem Gefährten einen tadelnden Blick zu. »Ermutige ihn nicht noch! Gregori ist der Schrecken der Karpaten. Schon jetzt sprechen die Kinder nur im Flüsterton von ihm und verstecken sich, wenn er in ihre Nähe kommt. Ich bin mir nicht sicher, ob ich den Mann schon jemals habe lächeln sehen.«

»Ich würde auch nicht lächeln, wenn ich einen roten Anzug und einen weißen Rauschebart tragen müsste«, teilte Mikhail ihr mit.

»Aber du bist freundlich, Mikhail, und Gregori ist …« Sie runzelte die Stirn bei dem Versuch, ein Wort zu finden, das nicht beleidigend wirkte.

»… ist einfach Gregori«, beendete Jacques den Satz für sie. »Eine fabelhafte Idee, Mikhail. Hast du vor, es seinen Brüdern zu erzählen? Sie wollen bestimmt dabei sein, wenn du ihm eröffnest, was für eine wichtige Rolle er bei den Festivitäten des heutigen Abends zu spielen hat.«

Shea schnappte nach Luft. »Das ist nicht euer Ernst, oder? Scherze zu machen, ist eine Sache, aber Gregori als Weihnachtsmann übersteigt jedes Vorstellungsvermögen.«

»Ich will heute Abend auch ein bisschen auf meine Kosten kommen, Shea«, meinte Mikhail. »Allein der Gedanke an Gregoris Gesicht, wenn ich ihm sage, dass es seine Pflicht ist, diese alberne Verkleidung anzulegen! Dieser Gedanke genügt, um meine Stimmung trotz der geplanten Feier beträchtlich zu heben.«

Shea stemmte die Hände in die Hüften. »Karpatianische Männer sind so was von kindisch!«

»Ich gehe jetzt mal zu Aidan«, verkündete Mikhail. »Viel Glück beim Brotbacken, Jacques.« Er schaute sich in der Küche um. »Ich nehme an, du wirst keine menschlichen Hilfsmittel benutzen, um diese Schweinerei zu beseitigen.«

Shea lachte und scheuchte ihn mit einer Handbewegung weg. »Das Brot wird fantastisch.« Als Mikhail aus dem Haus war, drehte sich Shea zu Jacques um. Ein langsames Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus, und ihre Augen tanzten vor Übermut. »Hat es dir Spaß gemacht, mit deinem Bruder karpatianische Männergeheimnisse auszutauschen? Du weißt hoffentlich, dass du mir alles erzählen wirst, was er gesagt hat, oder?«

»Ach ja?« Jacques schloss sie in seine Arme. »Ich kann fühlen, wie müde du bist, und dir tut immer noch der Rücken weh. Du solltest im Bett liegen und dich ausruhen.« Er unterlegte seinen Befehl mit kleinen Küssen, die er über ihr Gesicht bis zu ihrem Mundwinkel zog, während er sie gleichzeitig sanft zur Küchentür drängte.

»Du kommst nicht drum herum, mir alles zu erzählen, egal, wie charmant du es anstellst«,

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