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WEGE ZUM GLÜCK, BAND 1

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Dr. Markus Overbeck schreckte an seinem Schreibtisch zusammen, als er ein Geräusch an der Eingangstür hörte. Er diktierte gerade den letzten Arztbrief für seine Sprechstundenhilfe. Sie war an diesem Abend schon gegangen und würde den Brief am nächsten Morgen schreiben.

„Sind Sie das, Lena?“, rief Markus Richtung Tür, ohne aufzusehen. Vermutlich war seine Angestellte noch einmal zurückgekommen, weil sie etwas vergessen hatte.

Markus erhielt keine Antwort. Stattdessen hörte er, wie jemand tief seufzte. Er schaltete das Diktiergerät aus, legte es auf den Schreibtisch und erhob sich. Irgendetwas stimmte da nicht, das sagte ihm sein Instinkt. Und der mahnte ihn auch zur Vorsicht, denn es kam immer mal wieder vor, dass in Arztpraxen eingebrochen wurde. Markus hatte die Praxis erst vor Kurzem von einem älteren Arzt übernommen, der in den Ruhestand getreten war. Und gleich zu Anfang ein Einbruch wäre ein schlechter Start, dachte er, als er Richtung Eingangstür ging.

Er wusste nicht, was er erwartet hatte, aber sicher nicht den Anblick, der sich ihm jetzt bot.

Eine Frau um die vierzig stand da, die Tür hinter ihr noch halb offen, als könnte sie sich nicht entscheiden, ob sie tatsächlich hereinkommen wollte oder nicht. Ihr braunes, halblanges Haar wirkte zerzaust, der dunkelblaue abgetragene Mantel hing formlos an ihrem schlanken Körper. Was Markus jedoch am meisten irritierte, war der Blick aus ihren grauen Augen. Er wirkte seltsam leer und verloren. Und gleichzeitig stand Sorge darin. Nein, nicht Sorge, verbesserte er sich im Stillen. Es war tiefe Trauer.

„Kann ich Ihnen helfen?“, fragte er so ruhig wie möglich, um die Fremde zu besänftigen. Irgendetwas musste sie bekümmern, da war er sicher.

Es dauerte einen langen Moment, bis Bewegung in die Frau kam. Sie fasste sich ans Herz, ohne Markus dabei anzusehen.

„Sie haben also Herzprobleme?“, fragte er gezielt, da die Fremde weiterhin schwieg.

Wie in Zeitlupe schüttelte sie den Kopf und hob dann ebenso langsam den Blick. „Ich …“ Hektisch holte sie Atem, dann noch einmal, als hätte sie Angst, keine Luft mehr zu bekommen. „Ich sollte jetzt besser gehen.“ Sie seufzte wieder tief, als hätte dieser Satz sie schon zu viel Kraft gekostet.

Markus verspürte augenblicklich Mitleid mit ihr. Auch wenn diese Frau seine Frage nach Herzproblemen verneint hatte, war doch offensichtlich, dass sie schlecht Luft bekam und es ihr ganz und gar nicht gut ging. Aufmunternd lächelte er sie an. „Kommen Sie doch bitte mit durch in mein Sprechzimmer“, sagte er freundlich. „Dann können wir uns in Ruhe unterhalten.“ Die Fremde folgte ihm, als er vorausging.

Eigentlich war Markus todmüde. Er hatte einen langen Arbeitstag hinter sich – ohne Mittagspause, da er mehrere Hausbesuche hatte machen müssen. Aber sein Verantwortungsgefühl den Patienten gegenüber war ungleich größer als seine Erschöpfung. Also bot er der Frau einen der Stühle an, die rechts von seinem Schreibtisch standen. „Möchten Sie ein Glas Wasser trinken?“, fragte er lächelnd. Da die Fremde genickt hatte, kam er wenig später mit einem gefüllten Glas aus der kleinen Küche zurück, die an das Wartezimmer grenzte. Er stellte es vor ihr auf den Beistelltisch hin und setzte sich dann ihr gegenüber auf den zweiten Stuhl. Normalerweise nahm er, wenn Patienten bei ihm waren, hinter seinem Schreibtisch Platz, um sich auch gleich Notizen machen zu können. Aber bei dieser Frau schien es ihm angebracht zu sein, keine zu große Distanz zu schaffen.

„Vielleicht wollen Sie mir erzählen, warum Sie gekommen sind?“, fragte er vorsichtig, da er spürte, dass er sie mit allzu gezielten Fragen nur noch mehr verschrecken würde.

Statt zu antworten, nahm sie mit zitternden Händen das Glas auf und trank gierig einen Schluck. Fest hielt sie das Glas umklammert, während sie ihren Blick unstet durch das Sprechzimmer schweifen ließ.

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