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Die Zukunft Europas und das Judentum: Impulse zu einem gesellschaftlichen Diskurs

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Oskar Deutsch (Hg.)

Die Zukunft Europas
und das Judentum

Impulse zu einem
gesellschaftlichen Diskurs

Zum 120. Jahrestag des ersten Zionistenkongresses, der vom 29. bis 31. August 1897 in Basel stattfand.

»Fasse ich den Baseler Congress in ein Wort zusammen – das ich mich hüten werde öffentlich auszusprechen – so ist es dieses: in Basel habe ich den Judenstaat gegründet. Wenn ich das heute laut sagte, würde mir ein universelles Gelächter antworten. Vielleicht in fünf Jahren, jedenfalls in fünfzig wird es Jeder einsehen.«

(Auszug aus Theodor Herzls Tagebuch, 3. September 1897)

Inhalt

Vorwort

Arnold Schönberg

Ein Vier-Punkte-Programm für das Judentum

(Oktober 1938)

Ingo Zechner

Warum Israel

Eine Einleitung

Shlomo Avineri

Theodor Herzls Vermächtnis

Institutionen und Visionen

Wolfgang Benz

Anschwellende Judenfeindschaft oder gleichbleibend akutes Ressentiment?

Überlegungen zum Antisemitismus der Gegenwart

Jean-Yves Camus

Die französische extreme Rechte

Antisemitismus und Anti-Zionismus seit 1945

Ramazan Demir und Schlomo Hofmeister

Reise nach Jerusalem

Ein Imam und ein Rabbiner unterwegs

Charlotte Knobloch

Kein Grund aufzugeben – nicht die Hoffnung, schon gar nicht die Arbeit

Sebastian Kurz

Den sozialen Frieden sichern und ein »Wir-Gefühl« fördern

Österreichs Initiativen und Aktivitäten im Dialog mit Religionsgemeinschaften und Migrantencommunities

Ronald S. Lauder

Wenn wir die Flamme in uns wiederentdecken, hat das Judentum eine Zukunft

Theodor Herzls Botschaft ist aktueller denn je

Christian Ultsch im Gespräch mit Karl Fürst Schwarzenberg

»Die bösen Geister sind alle wieder unter uns«

Bassam Tibi

Migration aus der Welt des Islam und die Wiedereinführung von Judenhass und Antisemitismus nach Europa

Anhang

Vorwort

Zweiundsiebzig Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges und neunundneunzig Jahre nach Ende des Ersten Weltkrieges befindet sich die Welt in einer äußerst heiklen Phase. Ökonomische Krisen, negative ökologische Auswirkungen und Machtverlagerungen im globalpolitischen Gefüge bedingen eine weltweite Instabilität.

Während der Entstehung dieses Buchs wurde Donald Trump als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika angelobt. Bereits seine ersten Aktivitäten lösten international heftige Reaktionen aus. Noch nie war so wenig einschätzbar, in welche Richtung die USA gehen werden. Bereits unter dem ehemaligen Präsidenten Obama haben die USA ihre Rolle als »Weltpolizei« reduziert und stattdessen mehr auf Gespräche gesetzt. Es zeichnet sich ab, dass sich die USA unter Trump verstärkt auf eigene Interessen konzentrieren werden und sich auf solchem Kurs auch von ihrer Rolle als Beschützer Europas zurückziehen werden. In dieser Situation könnte China in seinen Bestrebungen, die globale Führung zu übernehmen, aktiver werden. Nach Michail Gorbatschows Reformpolitik und Jahren der Annährung ist seit dem Regierungswechsel von Boris Jelzin zu Wladimir Putin vor 14 Jahren Russlands Verhältnis zum Westen heute äußerst angespannt. Auslöser für die Spannungen sind Putins Bestrebungen, Russland als Großmacht zu erhalten und auszubauen. Wie weit er in seiner Absicht gehen wird, Russlands Einfluss in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion zu verstärken und welche Rolle die USA im europäischen Kontext spielen werden, wird uns die Zukunft zeigen. Blicken wir auf den Mittleren und Nahen Osten, müssen wir feststellen, dass diese Region seit Jahren von einer Unzahl von Konflikten und andauernden blutigen Auseinandersetzungen erschüttert wird. Fünf Jahre nach dem »Arabischen Frühling« sprechen verschiedene Faktoren, wie die schlechte wirtschaftliche Lage und damit wachsender sozialer Sprengstoff, erhöhte Kriminalität und Terrorismus, für das Aufkommen neuer Protestwellen.

Eine der Konsequenzen daraus sind massive Fluchtbewegungen und Immigration nach Europa. Dies stellt Europa vor eine große Herausforderung. Auswirkungen auf das Zusammenleben in den Ländern der EU, sei es in ökonomischen, religiösen oder kulturellen Fragen, zeichnen sich ab und es wird unumgänglich sein, hierfür Lösungen für die Zukunft auf gesamteuropäischer Ebene zu erarbeiten. »Brexit«, der Austritt des Vereinigten Königreiches aus der Europäischen Union, darf kein Signal an andere europäische Länder sein. Der Austritt eines Mitglieds bedeutet natürlich einen tiefen Einschnitt für die Europäische Union, umso wichtiger sind der Zusammenhalt und der Wille dieses einzigartige Friedensprojekt weiterzuführen.

Eine weitere Zäsur stellen wohl die blutigen Anschläge in den letzten Jahren in Europa sowohl im Leben der Europäer als auch der Jüdischen Gemeinden dar. Terror und Islamischer Antisemitismus beschränken sich nicht alleine auf Frankreich. In Jüdischen Gemeinden vieler Länder Europas herrscht Verunsicherung und auch Angst. Viele Juden stellen sich mittlerweile Fragen wie: Wohin wird sich Europa entwickeln? Wie sicher können unsere Kinder in Europa leben? Oft enden diese Überlegungen in der Frage »Wohin kann ich gehen?«

Gespräche mit verschiedenen Persönlichkeiten haben mich unter anderem dazu bewogen, ein Buch herauszugeben, das diese Themen, nämlich die Zukunft Europas und des Judentums, aufgreift. Ich habe deshalb Freunde und Menschen, die sich mit diesen Fragen beschäftigen, gebeten, ihre Gedanken und Reflexionen einzubringen. Dies auch unter dem Aspekt, möglichst unterschiedliche und durchaus kontroverse Meinungen in einem Buch zusammenzuführen. Besonders inspiriert hierzu hat mich der wunderbare Text von Arnold Schönberg aus einem Briefwechsel mit Thomas Mann in den Jahren 1930–1951. Schönbergs »Vier-Punkte-Programm für das Judentum« ist ein visionärer Text und in seiner klaren Weitsichtigkeit ein verstörendes Zeugnis. Man kann diesen Text bei näherer Betrachtung der aktuellen Situation durchaus als Metapher sehen.

Was wurde aus Theodor Herzls Vision? Ich denke, diese Frage ist nicht ohne Berücksichtigung der Auswirkungen des Holocaust zu behandeln. Herzls Vision einer Heimstatt für alle Juden war von Optimismus und humanistisch-aufklärerischen Idealen getragen und wurde letztendlich zu einer unabdingbaren Notwendigkeit, zu einer Frage des Überlebens für das jüdische Volk. Herzl hat mit seiner ganz konkreten Vision der Zukunft eines jüdischen Staates Gestalt gegeben. »Wenn ihr wollt, ist es kein Traum«, schrieb der Vordenker und sollte Recht behalten. Der Staat Israel garantiert Juden weltweit das meistens nur bei Gedenkveranstaltungen vorgetragene »Nie wieder!«. Israel ist spirituelle Heimat und Lebensversicherung. Nicht voraussehen konnte er den nicht enden wollenden Kampf des Staates Israel um seine Existenz und um Frieden. Heute ist Israel ein moderner Staat mit einer kosmopolitischen Gesellschaft und einer leistungsstarken Wirtschaft. Ich bin überzeugt, dass viele Ideen Herzls und sein Ansatz zu Mäßigung und der Wahl des Mittelweges sowohl zum gelungenen Aufbau des Landes als auch viel zum heutigen Erfolg Israels beigetragen haben. Und ich möchte hier die von Prof. Shlomo Avineri in seinem Beitrag dargelegte Ansicht unterstreichen, dass Herzls weiser, gemäßigter und komplexer Ansatz den Israelis heute helfen könnte, eine gemeinsame Basis für Solidarität und Zusammengehörigkeit zu finden.

Die zwei Weltkriege liegen nun viele Jahrzehnte zurück und es ist zu hoffen, dass die Menschen daraus gelernt haben. Dass sie sich für die Vernunft, die Mäßigung und die Versöhnung entscheiden. Es ist unser aller Pflicht, unseren Kindern und der nächsten Generation ein stabiles Europa mit einer lebenswerten Zukunft zu übergeben. Das Erstarken der Rechten in Deutschland und Frankreich lässt Erinnerungen an eine bestimmte Zeit hochkommen und überwunden geglaubte Ängste wiedererstehen.

»Niemals wieder!« – darf nicht zu einem Slogan verkommen, sondern muss als tragende Kraft in unserer Gesellschaft wirken.

Das wünsche ich mir für Europa und seine Menschen, die da leben:

Eine solidarische Zivilgesellschaft, die gegen die Verführungen der Populisten immun ist.

Eine europäische Gemeinschaft, die in ihren Ländern Antisemitismus, Rassismus und Hetze nicht duldet.

Menschen in Europa, die sich für religiöse und ethnische Minderheiten in ihren Ländern verantwortlich fühlen.

Ein geeintes Europa, dessen Einwohner im Staat Israel ein Nachbarland sehen.

Ich bedanke mich bei allen Autoren für ihre Beiträge und bei jenen Menschen, die mich in meinem Vorhaben bestärkt und mich bei der Realisierung dieses Buchprojektes unterstützt haben.

Oskar Deutsch

Ein Vier-Punkte-Programm für das Judentum

(Oktober 1938)

Von Arnold Schönberg

I.Der Kampf gegen den Antisemitismus muß aufhören.

500.000 Juden aus Deutschland, 300.000 aus Österreich, 400.000 aus der Tschechoslowakei, 500.000 aus Ungarn, 60.000 aus Italien, mehr als eine Million und achthunderttausend Juden werden migrieren müssen – in welch kurzer Zeit, weiß keiner. Möge Gott dafür sorgen, daß es nicht zusätzlich 3.500.000 aus Polen, 900.000 aus Rumänien, 240.000 aus Litauen und 100.000 aus Lettland – fast 5.000.000 sein werden; und Jugoslawien mit 64.000, Bulgarien mit 40.000 und Griechenland mit 80.000 werden vielleicht auf einmal folgen, ganz zu schweigen von anderen Ländern, die zur Zeit weniger aktiv sind.

Gibt es Raum in der Welt für nahezu 7.000.000 Menschen?

Sind sie zur Verdammnis verurteilt? Werden sie ausgelöscht werden? Ausgehungert? Geschlachtet?

Jeder scharfe und realistische Beobachter hätte dies vorher wissen müssen, so wie ich es bereits vor zwanzig Jahren wußte. Sogar jemand, der die jüdische Intelligenz in politischen Angelegenheiten nicht überschätzt, wird zugeben, daß jeder Jude wenigstens hätte wissen müssen, daß das Schicksal der österreichischen und ungarischen Juden vor Jahren besiegelt wurde. Und kann ein Mann mit Voraussicht leugnen, daß die Juden in Rumänien und Polen in Gefahr eines ähnlichen Schicksals sind?

Was haben unsere jüdischen Führer, unsere jüdischen Männer mit Voraussicht getan, um dieses Desaster zu verhindern? Was haben sie getan, um die Leiden derer zu mindern, die bereits von diesem Unglück heimgesucht sind? Was haben sie getan, um Raum zu finden für die ersten 500.000 Menschen, die migrieren oder sterben müssen?

Laßt uns vergessen, daß man 1933, als die Wellen des Aufruhrs und des Mitleids hoch schlugen, Befriedigung über die Strafe, die den westlichen Juden auferlegt wurde, vernehmen konnte. Laßt uns vergessen, daß es der Selbstsucht geschuldet ist, daß keine effizienten Pläne vorgebracht wurden. Laßt uns beurteilen, was unsere Führer taten, vorschlugen, bewarben; laßt sie uns nur an den Ergebnissen beurteilen, die sie erreichten.

Sie, die Führer, erklärten dem Antisemitismus den Krieg und leiteten einen Boykott ein; sie schlugen die Überführung eines gewissen Anteils der Unglücksseligen vor; sie förderten die Emigration nach Palästina. Jeder scharfe und realistische Beobachter hätte die Unzulänglichkeit und Gefahren dieser Maßnahmen erkennen können.

Ich habe 1933 in Paris meine persönlichen Angelegenheiten dergestalt geregelt, daß ich in einem der demokratischen Staaten würde leben und meinen Lebensunterhalt verdienen können. In der Zwischenzeit habe ich prominente Juden kontaktiert, um sie zu veranlassen, die richtige Handlung vorzunehmen. Unter ihnen waren viele Amerikaner, die ich als die wertvollsten ansah, denn Amerika war und ist in vielerlei Hinsicht das gelobte Land, insbesondere bezüglich der Hoffnungen des Judentums. Es war mein Wunsch, nach Amerika zu kommen und hier die Bewegung zu beginnen, die meiner Ansicht nach der einzige Ausweg aus unseren Problemen ist. Als man mir plötzlich eine Stellung anbot, habe ich sofort zugesagt, auch wenn sie weder finanziell noch künstlerisch meinem Ruf entsprach, opferte meine europäischen Chancen und siedelte über zu tun, was ich als meine Pflicht als Jude ansah.

In Paris bereits habe ich diese unglückliche Idee des Boykotts bekämpft. In New York habe ich mit vielen prominenten Juden darüber gesprochen und hatte immer die Satisfaktion, daß meine Argumente nie widerlegt wurden. Allerdings war das amerikanische Judentum von dem Boykott hypnotisiert und ich habe keine Möglichkeit gefunden, meine Ansichten in Magazinen oder Zeitungen zu äußern.

Lassen Sie mich zitieren, was ich zu dieser Zeit gesagt und geschrieben habe, denn es zeigt, daß mein Urteil korrekt war, und es hilft vielleicht, den Dingen, die ich heute sagen werde, mehr Gewicht zu verleihen.

Das Interesse der Liberalen und Demokraten aller Länder im Kampf gegen Deutschland ist wenigstens genauso groß wie das des Judentums; aber das Interesse der Internationalisten, Sozialisten, Kommunisten, Katholiken und Protestanten ist sicher größer als unseres. Warum also sollten die Juden das zu einem jüdischen Boykott machen, wenn es doch ein internationaler, den Interessen der Liberalen, Demokraten, Sozialisten, Kommunisten, Katholiken und Protestanten dienender Boykott sein könnte? Warum sollte sich der Jude als Sündenbock anbieten; wurde er nicht in ähnlichen Fällen oft genug zum Sündenbock gemacht – ohne beteiligt gewesen zu sein?

Zeigt nicht das Beispiel Rußlands während der Revolution die Wirkungslosigkeit eines Boykotts?

Dementsprechend schadet der Boykott vielleicht Deutschland, aber es wird den Juden keinen Vorteil bringen. Wir haben kein Interesse an einem Schaden Deutschlands. Unser einziges Interesse ist es, die Juden zu retten. Wir haben nicht gegen den Antisemitismus oder den Nazismus zu kämpfen, sondern für etwas; für die Existenz einer jüdischen Nation.

Ich hätte den Boykott eine Verschwendung genannt, aber es war nur eine Verschwendung von Zeit, nicht von Geld. Und ich habe korrekt vermutet, daß es nur ausgeführt wurde, weil es kein Geld erforderte, weil es der billigste Weg war, den Eindruck zu erwecken, es werde etwas getan.

Heutzutage ist es unwichtig, ob meine Vorhersage korrekt war oder nicht. Aber es ist sehr wichtig festzustellen, daß die Vorhersagen unserer Führung falsch waren, gänzlich falsch. Und es muß festgestellt werden, daß die Personen, die eines solchen fatalen Fehlers schuldig waren, das Recht verloren haben, im Namen ihres Volkes zu sprechen.

Der Boykott war ein Fehlschlag und der Kampf gegen den Antisemitismus ist ein weiterer.

Was uns zu einer Nation macht, ist nicht so sehr unsere Rasse wie unsere Religion. Daß wir Gottes erwähltes Volk sind, ist Teil des religiösen Glaubens, den noch kein Jude aufgegeben hat. Demgemäß gehören wir auf Grund unserer Religion zusammen. Rassen wurden durch Kriege, Vernichtung, biologische Prozesse ausgelöscht; Rassen wurden von anderen Völkern absorbiert, verschwanden so in einer neuen, gemischten Rasse. Das ist ein natürlicher Prozeß, für den wir vorgesehen sind, denn wir sind ausgewählt zu überleben, Jahrhunderte zu überdauern, die Gesetze der Natur zu widerlegen. Dies legt uns die Pflicht zur Selbsterhaltung auf. Größere Minderheiten als die unsere unter den herrschenden Völkern wurden absorbiert. Wir waren niemals erfolgreich in der Assimilation und wenn viele von uns bereit waren, sich zu assimilieren, erhob sich die Verfolgung, um die Nation zu bewahren, als ob es ein Werkzeug Gottes wäre, uns zu stimulieren, wenn wir in Gefahr waren, unseren ererbten Glauben zu vergessen.

Auf der anderen Seite gibt es keinen überzeugenden Grund, warum die Menschen uns hassen sollten. Wir wissen, daß wir nicht so sind wie unsere Feinde uns beschreiben. Im Gegenteil, auf Grund unserer Qualitäten sollten wir geliebt und bewundert werden. Wir sind großzügig, freundlich, treu und wenigstens genauso ehrlich wie andere Leute. In unseren Köpfen ist die Pflicht verankert, den Armen zu helfen, was seit 5000 Jahren ein besonderer Teil unseres religiösen Gesetzes ist. Aber wir besitzen eine Qualität, die bemerkenswert, wenn nicht gar einzigartig erscheint – während andere Völker konvertierten, ist es unmöglich gewesen, Israel zu konvertieren. Es ist unsere Zuwendung zu einer Idee, einem Ideal, und es entspringt unserer tiefen Hingabe zu unserem ererbten Glauben. Einmal von einem Ideal überzeugt, ist der Jude bereit, dafür zu leiden oder zu sterben; im Martyrium geübt, ist der Jude in jeder geistigen Hinsicht ein bereitwilliger Märtyrer.

Was Juden zum Vorteil der Völker, in denen sie lebten, erreicht haben, verlangt dankbare Anerkennung. Gezwungen, den Handel in verschiedenen Ländern zu etablieren, gelang es ihnen ausnahmslos, diese Länder wohlhabend und manchmal gar zu Weltherrschern zu machen. Sie brachten Wissenschaft, Medizin, Kultur, Musik und Literatur in barbarische Länder; und laßt uns nicht vergessen, daß die gesetzlichen und moralischen Standpunkte der Bibel das Rückgrat fast der Hälfte der zivilisierten Weltbevölkerung darstellen. Es mag menschlich sein, daß die, die wir begünstigen, wünschen sollten, uns loszuwerden, alsbald wir ihnen alles, was wir haben, gegeben haben.

Aber es scheint, daß es nicht wir sind, die darüber beschämt sein sollten.

Allerdings gibt es einen elementaren Grund: den arroganten Juden. Viele werden zugeben, daß sie nicht wissen, warum wir so bezeichnet werden. Für geringwertige Menschen gehalten, unterdrückt, geächtet, verdächtigt, Böswillig- und Feindseligkeit erfahren, haben wir kaum gewagt zu fragen, rechtmäßig behandelt zu werden, und so gut wie möglich die Irritation unserer Feinde vermieden, um so nicht ihrem Ärger ausgesetzt zu sein. Wie konnte es passieren, daß Menschen, die noch nicht einmal um Gleichberechtigung gebeten haben, arrogant genannt werden?

Nichtsdestotrotz ist die »Arroganz« der Juden der wahre Grund für den Antisemitismus. Diese Bezeichnung bezieht sich nicht nur auf das Verhalten oder die Haltung einer einzigen Person, sondern auf uns alle, das gesamte Judentum. Jeder Nicht-Jude glaubt, bewußt oder unbewußt, daß in jedem Juden das Gefühl lebendig sei, er unterscheide sich kraft seiner Zugehörigkeit zu Gottes auserwähltem Volk von allen anderen Menschen. Das ist es, was sie in feindseliger Weise große Vermutung nennen und auf welche sie mit Verachtung und Haß reagieren.

Folglich, wenn das Judentum eine Religion ist, wenn unsere Nationalität auf dem Glauben beruht, wir seien Gottes auserwähltes Volk, wäre der Antisemitismus unausweichlich und der Kampf dagegen Unfug. Ein Versuch, Regen und Schnee zu bekämpfen, Blitz und Schneesturm, Wirbelsturm und Erdbeben; ein Versuch, Tod und Schicksal zu bekämpfen.

Diese abschließende Feststellung muß sogar jene Unglücklichen überzeugen, die ihren religiösen Glauben verloren haben, denn es ist durch unsere Geschichte bewiesen. Wo ist das Land, in dem wir nicht verfolgt wurden, das Jahrhundert, in dem wir nicht gehaßt wurden? Ist es vielleicht besser zu glauben, wir verdienten die Mißachtung auf Grund der charakterlichen Mängel, die unserer Rasse fälschlicherweise zugeschrieben? Verlangt nicht die Courage, der vollen Wahrheit ins Gesicht zu sehen und anzuerkennen, daß wir, die Ehre der Gunst Gottes genießend, die Folgen erdulden müssen, für dieses Privileg leiden müssen wie das Genie leiden muß? Man muß falsche Hoffnungen aufgeben. Antisemitismus ist natürlich und kann nicht bekämpft werden. Niemals hat dieser Kampf mehr erreicht als einen bloßen Aufschub, eine Atempause, und der endgültige Zornesausbruch war stärker, je länger er verborgen gehalten wurde. Wenn die Furie einmal gewütet hat, in die Festung eingedrungen ist und angefangen hat zu plündern, gibt es keine Gelegenheit zur Verhandlung und zum Angebot der Kapitulation. Es bleibt entweder, den Widerstand in Verzweiflung aufzugeben, oder die Furie bis zum bitteren Ende zu bekämpfen. Die Entscheidung wird nicht mehr gefunden werden, indem richtig oder falsch diskutiert wird. Des Einen Recht ist Macht, des Anderen Unrecht ist Schwäche.

Glücklicherweise hat die Furie noch nicht die ganze Festung beeinflußt, dennoch besitzt sie eine bemerkenswerte Anzahl an Festungen. Gegen Antisemitismus zu protestieren, hat sich als unzulänglich und nutzlos erwiesen. Es hat uns dem Untergang eher näher gebracht. Es hat jede männliche Haltung, jede dynamische und intelligente Aktion eingelullt. Und es hat uns gehindert zu tun, was Intelligenz und Ehre von uns verlangen. Der Kampf gegen den Antisemitismus ist nicht nur dumm, feige und unwürdig, sondern er ist – und das ist entscheidend – eine Verschwendung, eine fatale Verschwendung von Energie. Er erweckt trügerische Hoffnungen und lenkt wesentliche Kräfte in die falsche Richtung.

Jetzt ist keine Zeit für idealistische Gespräche, für gefühlvolle Reden, unsere Verdienste zu erwähnen, unsere Schwächen zu diskutieren; es ist nur an der Zeit, eine andere Position einzunehmen und zu tun, was noch helfen könnte.

Aber aus diesem Grund muß der Kampf gegen den Antisemitismus sofort aufhören.

II.Eine vereinte jüdische Partei muß gegründet werden.

Gibt es einen Menschen, der die Anzahl von Parteien kennt, in welche die Juden aufgeteilt sind? Amerika hat nur drei oder vier hauptsächliche Parteien. In Frankreich dürften sie, vermischt, aufgeteilt und klar voneinander abgegrenzt, wahrscheinlich auf mehr als zehn hinauslaufen. Aber die jüdische Gesellschaft ist sehr komplex aufgeteilt. Im Wesentlichen ist die ganze Gesellschaft in drei Hauptteile aufgeteilt, feindlich gegeneinander, der Religion entsprechend: orthodox, reformistisch, atheistisch; dann ist jede von diesen Gruppen gemäß der sozialpolitischen Prinzipien in Konservative, Liberale und Sozialisten aufgeteilt. Weiterhin unterteilt die westliche, östliche und orientalische Herkunft der Juden wiederum jede Gruppe.

Und schließlich beinhaltet jede dieser geographischen Gruppen »Nationalitäten«, begierig, ihre jeweiligen Eigentümlichkeiten zu bewahren, stolz auf sich selbst, feindlich gegenüber allen anderen, während sie die Tendenz erhöhen, sich in eine fast grenzenlose Anzahl von »Ismen« zu zersplittern. Das ist schon schlimm genug, aber tatsächlich ist es noch schlimmer. Tausende von Jahren von ihren Lehrern in der Exegese der Geheimnisse der Bibel ausgebildet, sind sie gewöhnt, individuelle Lösungen für ihre Probleme zu finden. Nun wenden sie die gleiche Eigenwilligkeit auf dem Gebiet der Politik an. Wahrscheinlich wird jeder Jude seine eigene Denkweise anwenden, eine hausgemachte Theorie, eine persönliche Einstellung zu dem Problem, mit dem er konfrontiert ist.

Nichts könnte verheerender für ein Volk sein als das.

Die jüngste Geschichte des Judentums zeigt die Effekte. Man lese zum Beispiel die Berichte über den Zionistischen Zentralrat, um herauszufinden, daß ein Mann in einer führenden Position sein Amt aufgab, weil seine Ideen nicht die erforderliche Unterstützung erhielten. Das erscheint mir unvorstellbar. Wie ist das möglich für einen Mann, der an seine Idee glaubt und an die Erforderlichkeit und den Nutzen für die Organisation, in der er eine führende Rolle spielt, wie ist es möglich für ihn, beides aufzugeben? Weil sein Stolz verletzt wurde? Wenn bei einem Feuer eine Gruppe von Männern, die gekommen war, es zu bekämpfen, dachte, es sollte von der rechten Seite gelöscht werden, und eine andere Gruppe behauptete, es könnte nur von der linken Seite ausgelöscht werden – was würde man von der Gruppe denken, welche die andere im Stich ließ, wohl wissend, daß jeder für die Arbeit notwendig sein würde? Ist es nicht eine moralische Pflicht, ungeachtet des eigenen Standpunktes für den gemeinsamen Zweck zu kämpfen?

Eine Gesellschaft von heterogenen Konzepten neigt unbezwingbar dazu, alles abzulehnen, was nicht eines jeden Idee entspricht. Die Aversion jedes einzelnen Mitgliedes gegen Einvernehmen macht es hoffnungslos, eine Mehrheit für eine Idee zu finden, sondern schafft Mehrheiten dagegen. Als Theodor Herzl seinen Fehler erkannt und sich entschieden hatte, für eine Weile die Idee Palästina aufzugeben und das Angebot Englands zu akzeptieren (Uganda als eine jüdische Kolonie), war er einer solch gewaltigen Opposition ausgesetzt, daß die Aufregung und die Angst vor einem Scheitern des Unternehmens wahrscheinlich seinen Tod verursacht hat. Er zeigte ein exzellentes Gespür für realistische Politik, indem er einen Fehler korrigierte, anstatt ihn fortzuführen. So stimmte der Kongreß nach Herzls Tod gegen das Uganda-Projekt, man darf wahrscheinlich bezweifeln, ob sie überhaupt für das Palästina-Projekt waren oder lediglich gegen etwas, gegen eine Person, gegen den Schatten einer Idee, gegen das Verhalten einer Gruppe oder einer einzelnen Person, oder tatsächlich gegen das ganze Uganda-Projekt. Ich nehme an, daß es nur noch von zweitrangiger Bedeutung für die Mehrheit der Mitglieder war, die vielleicht nur von ihrer Zielvorgabe Opposition beherrscht und aufgebracht war ob der »unverschämten« Anfrage, zu Gunsten einer Idee zu stimmen, die nicht exakt der ihren entsprach.

Die Folgen einer solchen Haltung zeigt die spätere Entwicklung. Die Freunde und Anhänger Herzls, die weiterhin treu zu seiner Idee standen, nachdem sie von der Mehrheit überstimmt worden waren, fanden keinen besseren Ausweg zur Verwaltung des Erbes, als aus der Partei auszutreten und eine neue zu gründen. Das ist sehr ehrenwert, aber es ist keine Realpolitik.

Ich handelte in einem – natürlich – geringeren Rahmen unterschiedlich. 1920 war ich eine Art Diktator in einer Musikgesellschaft, errichtet von mir selbst und meinen Ideen und im Ganzen sehr erfolgreich. Auf einmal entstand eine starke Opposition zu meinen Plänen, angestachelt von einigen politischen Extremisten. Ergebnislos versuchte ich, sie zu überzeugen, ergebnislos zeigte ich, daß die Idee scheitern würde, führten sie ihre Opposition fort, aber schnell entstand die Gefahr, daß sie eine Mehrheit gegen meine Grundsätze gewinnen könnten. Ich trat nicht zurück. Im Gegenteil, ich tat etwas, was unter anderen Umständen illegal gewesen wäre: Ich löste die gesamte Gesellschaft auf, bildete eine neue, akzeptierte nur solche Mitglieder, die in vollem Einklang mit meinen künstlerischen Prinzipien waren, und schloß die gesamte Opposition aus. Es gab einige Sentimentalisten, die dies für falsch erachteten, aber es war das einzige heilvolle Mittel, um die Beeinträchtigung der künstlerischen Prinzipien durch die nicht-künstlerischen zu verhindern. Richtig oder falsch – diese Grundsätze waren meine Heimat.

Hätten die Freunde und Anhänger Herzls die Macht besessen, ähnlich zu agieren, hätten vielleicht viele unselige Schritte vermieden werden können. Sie hätten in der Partei bleiben sollen und innerhalb ihrer den Kampf für ihre Ideen fortführen sollen; sie hätten nicht aufgeben, sondern versuchen sollen, die Außenstehenden zu überzeugen. Neue Mitglieder hätten angeworben, die alten mit allen Mitteln erobert werden sollen, bis ihre Mehrheit aufgehoben worden wäre; mit allen Mitteln, wären sie nur in der Lage gewesen, die Arbeit zu tun: Derjenige, der für seine Nation arbeiten will, darf kein Sentimentalist sein, sondern muß – wenn erforderlich – skrupellos, nur seinem Ziel ergeben sein. Diese ehrenwerten Bürger, die wahrhaft wie Gentlemen, aber nicht wie Staatsmänner handelten, hatten kein Recht, sich in die Angelegenheiten einer Nation einzumischen, zu versuchen, das Schicksal eines Volkes zu entscheiden.

Wenn ich sagte, daß es zweifelhaft sei, ob der Kongreß für Palästina stimmen wollte, hatte ich nicht beabsichtigt, dies wirklich zweifelhaft erscheinen zu lassen. Jedem Juden ist die Idee Palästina augenscheinlich, ohne Frage, eine Tatsache, die keiner besonderen Erwähnung bedarf und die nicht von einer Abstimmung abhängt. Jeder Jude fühlt, weiß und kann niemals vergessen, daß Palästina unser ist und daß wir seiner lediglich gewaltvoll beraubt wurden; daß wir niemals dem Anspruch einer anderen Nation auf unser gelobtes Land zustimmen werden. Diese Überzeugung beherrscht auf emotionale Weise unsere politischen Standpunkte, aber ein Staatsmann muß Sentimentalitäten unterdrücken. Als Herzl realisierte, daß zu dieser Zeit ein »Judenstaat« in Palästina nicht würde errichtet werden können, hätte nichts seine Akzeptanz und Ausführung des Uganda-Projekts hindern dürfen.

Wie unterschiedlich wäre die heutige jüdische Situation, gäbe es nun einen unabhängigen Staat in Uganda, gegründet 1905, mit einer Bevölkerung von fünf bis zehn Millionen, in der Lage, zusätzlichen 20 Millionen ein Heim zu schaffen, wirtschaftlich unabhängig, vielleicht auch mit modernen Waffen ausgestattet und vielleicht sogar nicht ohne politischen und diplomatischen Einfluß. Es kann vielleicht sein, daß dieser Staat weder Schutz vor der Verfolgung antisemitischer Kräfte bieten könnte noch irgendeinen Wert in Verhandlungen. Aber sicherlich könnte er Land, ein Heim, einen sicheren Platz für Flüchtlinge bieten. Realisieren all diejenigen, die gegen das Uganda-Projekt stimmten, was sie taten? Wissen sie, daß es ihr verdammter Individualismus, ihre unsinnige Sturheit, ihre phantasielose Rechthaberei, ihre politische Kurzsichtigkeit, ihre arrogante Unfähigkeit in Welt- und Staatsangelegenheiten, ihre Eitelkeit, ihr Stolz, ihre Gedankenlosigkeit, Leichtfertigkeit und Frivolität waren, die uns in diese Situation gebracht haben, die uns angesichts der Katastrophe machtlos gemacht hat? Wissen sie, daß ihre Namen in der Geschichte unseres Volkes vermerkt werden sollten als die Namen derer, welche die Schuld an diesem ungeheuren Unglück tragen?

Ich will nicht gemein sein und deshalb werde ich zugeben, daß darunter Männer waren, die sich in anderen Bereichen der Organisation sehr verdient gemacht haben, Männer mit Überzeugung, Männer, die bereit waren, für ihre Ideen zu leiden, all ihren Besitz und ihre Kapazitäten dem endgültigen Erfolg ihres Ideals zu opfern. Ich will zugeben, daß ihr Fehler nicht nur ihr eigener war, sondern einer, der durch Umstände außerhalb ihres Einflusses verursacht worden war. Der Sieg der Demokratie hatte dem Judentum die Freiheit der Gedanken, des Handelns und des Lebens gegeben. Kein Wunder, daß sie an die Demokratie glaubten, kein Wunder, daß sie die Demokratie in ihrem eigenen Bereich anwendeten, kein Wunder, daß sie mit Eifersucht ihr Recht bewachten zu entscheiden, was sie als ihre eigene Angelegenheit erachteten, kein Wunder, daß sie an Wahlen glaubten, an das bessere Einverständnis einer Mehrheit, in die Fähigkeit einer Mehrheit, nicht nur zu tun, was jedermann wollte, sondern was das Beste für jedermann war, die Gegner eingeschlossen. Sie bezweifelten die Fähigkeiten eines einzelnen Mannes oder einer kleinen Gruppe, die nicht in der Lage waren, ihre Gegner zu überzeugen, obgleich doch die Geschichte immer gezeigt hatte, daß die großen Männer, obwohl allein, verfolgt, ohne Unterstützung, letztlich den Sieg erreichten und bewiesen, recht zu haben. Dies hat einen abweisenden Effekt auf den durchschnittlichen jüdischen Intellektuellen: Ein Individualist, trotz seiner angeblichen Demokratie, wird das niemals freiwillig anerkennen.

Die Entscheidung über das Schicksal einer Nation scheint eine viel zu wichtige Frage zu sein, um sie einer Mehrheit anzuvertrauen, sogar wenn die Mehrheit überwältigend wäre. In einer Organisation wie dem Zionistischen Kongreß könnte diese Entscheidung gut von der Mehrheit einer Stimme abhängen, der Stimme eines Mannes, der vielleicht geschlafen hat, während die Wichtigkeit der Angelegenheit diskutiert wurde. Wie würde eine Armee handeln, wenn der kommandierende General gezwungen wäre, eine Mehrheit unter seinen Obersten zu finden, nachdem diese ihrerseits die Entscheidung von ihren Hauptmännern erhalten haben, die von dem abhingen, was die Unteroffiziere glaubten oder der letzte Landser abgestimmt hatte; sollte man von der rechten oder linken Flanke angreifen, oder frontal, sollte man überhaupt angreifen oder sich vielleicht zurückziehen. Die Mehrheit hat vielleicht eine korrekte Entscheidung getroffen, aber aller Wahrscheinlichkeit nach wird sie zu spät gekommen sein. Reden, Erklärungen, Diskussionen und Kontroversen müssen der Abstimmung in jeder Gruppe vorausgehen, manche vertagen ihre Stimmabgabe vielleicht und verlangen nach mehr Information, und wenn schließlich die Untergebenen des Kommandierenden wählen können, haben sie keine Gelegenheit, weil der Feind bereits die Position eingenommen hat und die Armee auf der Flucht ist.

Passierte dies nicht dem Zionistischen Kongreß? Stimmen sie nicht seit 1904 ab, um das Problem eines jüdischen Staates zu lösen? Hätte Herzl allein zu der Zeit das Recht gehabt zu entscheiden, wäre Uganda unseres und wir wüßten nun, wo die jüdischen Flüchtlinge untergebracht werden könnten. Es hat mehr als dreißig Jahre gedauert, den Führern des Judentums ihren Fehler bewußt zu machen, und es ist problematisch, ob er ihnen gerade jetzt bewußt ist.

Eine vereinte jüdische Partei muß gegründet und so organisiert werden, daß diese Übel so weit vermieden werden können als menschliche Voraussicht nützt. Es sollte nicht notwendig sein zu erklären, was das kleine Wort »vereint« bedeutet. Es sollte für jeden offenkundig sein. Aber man weiß aus Erfahrung, daß Menschen in jedem Konzept eine linke und eine rechte Seite finden, ein vor und ein dahinter, ein wenn und ein ob, ein aber und ein trotzdem.

Diese Einheit meint keine Vereinigung von verschiedenen jüdischen Organisationen, in denen die jeweiligen Ideen aller dieser Organisationen repräsentiert sein werden. Es bedeutet nicht, daß dort ein Präsident gewählt werden wird, eine Anzahl von Vizepräsidenten, ein Vorstand, in den alle Organisationen ihre Vertreter entsenden; es werden keine prominenten Männer eines jeden Landes zu Ehrenmitgliedern, Ehrenpräsidenten oder dergleichen ernannt werden. Es wird keine gesellschaftlichen Angelegenheiten, Dinner, Empfänge, Treffen mehr geben, um Begierden, Eitelkeiten und Verlangen nach Öffentlichkeit zu befriedigen.

Eine vereinte jüdische Partei sollte wie eine ideale Ehe sein: ein Mann und eine Frau vereint zu dem Zweck, Kinder hervorzubringen, deren Vater dieser Mann und deren Mutter diese Frau ist. Alles, was diesem einzigen Zweck widerspricht, muß vermieden werden, keine andere Neigung kann zugelassen, kein anderer Kontakt erlaubt werden. Alles, was diesen gemeinsamen Zweck fördert, ist Pflicht, Moral, Gesetz.

Dementsprechend kann eine vereinte Partei keine Opposition haben, es kann keine Mehrheit geben, die nicht alle Mitglieder einschließt, es kann niemals ein den Prinzipien anderer Parteien tendenziell verbundener Gedanke zugelassen werden; jeder Kontakt, der die Einstimmigkeit der vereinten Partei behindert, muß abgebrochen werden. Es wird die Pflicht und Moral der Mitglieder sein, alles zu tun, was die Einhelligkeit dieser Partei fördert. Natürlich mit einer Ausnahme: So wie kein Ehemann und keine Ehefrau etwas tun darf, was dem Gesetz widerspricht, so wird jedes Mitglied in jedem Land Konflikte mit den Gesetzen des jeweiligen Landes zu vermeiden haben. Diese Beschränkung kann die Einstimmigkeit der Partei nicht hindern. Es mag manchmal ihre Aktivitäten begrenzen und die Tatsache, daß Juden im Kriegsfall in Gehorsam und Ergebenheit der Gesetze ihrer Länder sich vielleicht gegenseitig töten müssen, wird die Prinzipien der Partei nicht störend beeinflussen. Leben und Tod des Individuums haben keinen Einfluß auf den historischen Prozeß, und während ein Jude innerhalb der Partei nur ein Jude und nichts sonst sein wird, wird er als Bürger alle Pflichten erfüllen, die den anderen Bürgern seines Landes befohlen werden.

Die Neigung von Menschen, die Anhänger anderer Ideen sind oder die politischen Parteien gegenteiliger Prinzipien angehören, dieser Partei beizutreten, dürfte nicht sehr stark sein.

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