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Die Waldschmerzklinik

Die Waldschmerzklinik 1 – wahre Schönheit entsteht unter dem Messer des Chirurgen

Mein Name ist Prof. Dr. Brechmann. Ich bin leitender Chefarzt und Eigentümer der „Waldschmerzklinik“, die auf plastische Chirurgie spezialisiert ist. Hier ein neuer Busen, dort eine Penisverlängerung - eben der normale Wahnsinn. Das Interessante an meiner Arbeit ist aber nicht der Körper, den ich verändere, sondern der Mensch, der dahinter steckt. Eigentlich hätte ich lieber Psychologie studiert, aber wie so oft im Leben kam es anders. Anstatt den Patienten einfach ihre Wünsche zu erfüllen, improvisiere ich manchmal und habe damit schon so manchem zu seinem wahren Glück verholfen. Okay, das neulich – also, dass ich dem Kerl seinen Penis nicht in eine Vagina verwandelt habe – es war ein wenig Eigennutz dabei. Zugegeben.

Meine Oberschwester Gabriele ist mir stets eine Stütze und das nicht nur, wenn ich mal wieder einen über den Durst getrunken habe. Ha-ha, ein Witz! Natürlich trinke ich selten. Gabriele ist, glaube ich, ein wenig verliebt in mich. Das macht sie zu einer erstklassigen Schwester, die mir jeden Wunsch von den Augen abliest. Leider ist sie kein Mann, sonst würde ich ihre Dienste sicher öfter in Anspruch nehmen.

Was wollte ich eigentlich sagen? Ach ja – ich berichte nun ein wenig aus meinem Berufsalltag. Nichts Besonderes, aber vielleicht findet der eine oder andere geneigte Leser eine Anregung, was er an sich selbst verändern möchte. Betrachten wir es als Werbekampagne. Mein Slogan: „Wahre Schönheit kommt von innen, helfen wir ihr nach draußen“. So. Ich krempel jetzt einmal die Ärmel hoch und greife nach dem Messer.

Husum, der ganz normale Wahnsinn

Ein Montag, wie er im Buche steht, beginnt. Der Kaffee schmeckt wie Abwaschwasser, Schwester Gabriele macht mir schöne Augen und das erste Brustimplantat steht an. Seufzend betrachte ich die Aufnahmen, die ich von dem Busen der Patientin gemacht habe, und wünsche mir, weit weg zu sein. Der Golfplatz würde vorerst reichen, langfristig muss es aber ein Strand mit Palmen sein, vorzugsweise zusammen mit einem knackigen Lover, der mir die Nächte versüßt.

„Viktor, die Patientin ist vorbereitet und liegt in OP-Saal drei“, verkündet Gabriele, der ich leider irgendwann erlaubt habe mich mit Vornamen anzusprechen, durch die halb geöffnete Tür.

„Gut, dann mal ran an die Silikonkissen, die die Welt bedeuten“, sage ich und stemme mich aus dem Sessel.

Im OP drei erwartet mich schon Waine, meine rechte Hand, und grinst mir zu. Wenn er nicht so ein guter Chirurg wäre und für mich unabkömmlich – ich würde ihn vernaschen. Mit seinen grünen Augen und der athletischen Figur ist er ein echtes Sahnestückchen - nur leider eines aus meiner Konditorei, und die sind für mich tabu.

„Alles bereit?“, frage ich aus reiner Gewohnheit.

„Klar, wie immer“, antwortet Waine und jongliert dabei mit den Implantaten.

Er ist ein lausiger Jongleur, eines fällt auf den Boden, platzt aber zum Glück nicht.

„Ups“, macht er und bückt sich nach dem Beutelchen, wiegt es prüfend in der Hand und bläst ein paar Staubflusen weg, die sich an dem Plastik verfangen haben. „Nichts passiert“, meint er zufrieden.

„Sehr gut.“ Ich nähere mich der Patientin, deren Quarktaschen bereits freigelegt und mit Edding markiert sind.

Schaudernd greife ich ein Skalpell und bedeute der Schwester, die auf der anderen Seite des Tisches steht, mit dem Tupfen zu beginnen. Blut spritzt, ich wische es mir mit dem Ärmel vom Gesicht und rücke die Brille zurecht, die ich bei Eingriffen immer trage. Ich bräuchte dringend eine neue, denn die Gläser sind leider nicht mehr passend für meine Augenschärfe, vergesse aber immer wieder, mir eine zu besorgen.

„Professor“, wagt die Schwester zu bemerken, „Sie schneiden an der falschen Stelle.“

„Wieso falsch?“, nuschle ich hinter meinem Mundschutz.

„Ach, Viktor, den Smiley habe ich nur aus Jux dahin gemalt“, sagt Waine hinter mir und lacht schallend los.

Seine Heiterkeit ist ansteckend, ich kichere und zwinkere der Schwester zu.

„Erinnern Sie mich daran, dass die Patientin einen Gutschein für eine Brustwarzenrekonstruktion bekommt“, sage ich zu ihr.

Sie nickt und ich beuge mich vor, um die richtigen Schnitte zu setzen. Dann habe ich die Brust geöffnet und halte Waine meine Handfläche hin, damit er mir ein Implantat hineinlegt. Er wischt den Beutel an seinem Kittel ab, bevor er ihn in meine Hand plumpsen lässt. Gekonnt schiebe ich das Silikon an die richtige Stelle, wiederhole den Vorgang auf der anderen Seite und betrachte zufrieden mein Werk. Moment, sind die schief? Ich lege prüfend meine latexummantelten Finger auf die neuen Titten und schiebe sie ein wenig hin und her, bis ich mit dem Ergebnis leben kann.

„Okay, dann mal her mit Nadel und Faden.“ Ich strecke den Arm aus und nehme der Schwester das Gewünschte ab.

Früher – vor meinem Studium – hatte ich Schneider werden wollen. Das kommt mir jetzt zugute. Ich setze zwei schicke Ziernähte und werfe nach vollbrachter Tat das blutige Gerät in eine Nierenschale. Mir die Latexhandschuhe von den Fingern ziehend gehe ich in den Nebenraum, wo die Waschbecken sind. Waine folgt mir, stellt sich neben mich und begegnet meinem Blick im Spiegel.

„Ich hasse Quarktaschen“, bekenne ich seufzend.

„Ich auch. Vielleicht sollten wir uns auf Männer spezialisieren“, schlägt er vor.

„Pfffft, kein Potential“, brumme ich, wobei ich mir die Finger kräftig schrubbe. „Die drei Schwellkörperimplantate pro Jahr reichen nicht aus, um meine Hobbies zu finanzieren.“

„Wir könnten für mehr Fettabsaugungen werben. Außerdem wäre eine Kampagne für mehr Doppelkinn- und Schlupfliderkorrekturen sicher erfolgreich“, gibt Waine zu bedenken.

Ich denke nach, desinfiziere automatisch meine Hände und komme zu dem Schluss, dass wir auf Weiber einfach nicht verzichten können. Wenigstens nicht im Hinblick auf die Klinikkasse, sonst natürlich schon.

„Vergiss es“, informiere ich meinen Kollegen, „die Tittensache läuft einfach zu gut.“

Zurück in meinem Büro genehmige ich mir einen Cognac und fläze mich in meinen Ledersessel. Das Leben könnte so angenehm sein, wenn es mehr schönheitsbewusste Männer gäbe, so wie mich. Nein, ich habe nicht an mir rumgeschnippelt, und auch kein anderer. Ich lebe eben gesund und mache Sport, pflege mich und sehe daher aus wie dreißig, statt wie – ach nein, mein Alter ist ein Geheimnis und soll es bleiben. Schmunzelnd lehne ich mich zurück und genieße den Ausblick auf den Husumer Hafen.

„Viktor, der Herr von Pirschhausen ist hier“, unterbricht Gabriele meine Gedanken.

Ich drehe mich langsam mit dem Sessel herum, wobei ich gemächlich den Cognac in seinem Schwenker wiege. Nach einem genüsslichen Schluck nicke ich ihr auffordernd zu. Wir verstehen uns ohne Worte, auch wenn sie meine homosexuelle Neigung geflissentlich übersieht. Weiber. Die denken immer, es muss nur die Richtige kommen, damit ein Kerl wieder auf die Heteroschiene einlenkt. Nun, bei mir liegt sie da falsch, denn ich liege goldrichtig. Das wird mir wieder besonders klar, als Herr Pirschhausen hereinschleicht. Der Kerl ist kleiner als ich – kein Wunder, bei meinen stolzen Eins fünfundneunzig – und seine Schultern hängen, als trüge er eine schwere Bürde. Seine blauen Augen wirken stumpf und glanzlos. Ein Bild des Jammers, ein Appell an den Psychologen in mir.

„Setzen Sie sich“, sage ich und winke zu dem Sessel, der vor meinem imposanten Schreibtisch steht.

Ein Blick auf den Monitor und mir stockt der Atem. Yannik von Pirschhausen, fünfunddreißig Jahre alt, Therapie: Penisentfernung. Ich greife mir unwillkürlich in den Schritt, als wollte ich mich versichern, dass meiner an Ort und Stelle ist. Verlustängste wallen hoch, ich kann sie nur mit äußerster Konzentration unterdrücken.

„Herr von Pirschhausen“, sage ich und lege meine Hände gefaltet auf die Tischplatte, „das ist doch nicht Ihr ernst?“

Der arme Kerl, der eigentlich ein hübscher Mann sein könnte, wenn er denn aufrecht säße und nicht so traurig gucken würde, sieht mich mit großen Augen an.

„Doch“, wispert er und senkt die Wimpern.

Sündhaft lange und dichte Wimpern, bemerke ich nebenbei, obwohl ich mich natürlich ganz auf die Psyche meines Patienten konzentriere. „Aber – Sie brauchen Ihr Glied doch. Ich meine – wie wollen Sie urinieren? Sex haben? Falls Sie es vergessen haben: dieses Körperteil hat mehr als eine Funktion.“

Pirschhausen sackt in sich zusammen. Wie machte er das nur? Er war doch auch so nur noch ein Häufchen Elend.

„Ich brauche das Ding nicht mehr“, murmelt er mit einem Anflug von Trotz.

Oha, Liebeskummer, diagnostiziert mein Psychologengehirn. Ich stehe auf und laufe um den Schreibtisch herum, lege dem Patienten wohlwollend eine Hand auf die Schulter.

„Das wird schon wieder, Sie werden sehen. Zeit heilt alle Wunden“, sage ich mit Samtstimme.

„Also, machen Sie’s nun oder nicht?“, wird Pirschhausen plötzlich laut.

„Sch-sch.“ Ich drücke seine Schulter, er strafft sich und sitzt endlich gerade. „Nicht aufregen, wir finden eine Lösung“, sage ich und lass ihn langsam los. „Was wollen Sie denn anstatt Ihres Penis?“

Pirschhausen überlegt, er hebt den Blick und schaut mich treuherzig an. „Weiß nicht, eine Vagina?“

Dies ist normalerweise der Moment, in dem ich lospruste. Eine Möse – ach ne, was will er denn damit?

„Soll das bedeuten, dass Sie sich als Frau im falschen Körper fühlen?“, taste ich mich vor.

„Nö, eigentlich nicht“, sagt mein Patient und kaut auf seiner Unterlippe.

Meine Augen erfreuen sich an dem Anblick und mein Schwanz überlegt, ob diese Lippen sich gut anfühlen würden.

„Ich will ihn nur loswerden“, erklärt Pirschhausen bestimmt.

„Hm, okay. Das habe ich verstanden“, brumme ich und gehe zurück zu meinem Sessel, in den ich mich schwer fallen lasse.

Das ganze Leben erscheint mir in diesem Moment kalt und grau. Ein Mann, der sich freiwillig und vehement von seinem Kameraden trennen will – wer hätte das gedacht? Sicher, ich habe schon Geschlechtsumwandlungen vollzogen, aber es hatte sich stets um – hm, Individuen gehandelt, deren Geschlecht mit bloßem Auge wirklich nicht eindeutig zu bestimmen gewesen war. Dieser Typ hier, mit dem Dreitagebart und den eindeutig maskulinen Gesichtszügen – welche Verschwendung.

„Also gut“, seufze ich und schaue auf meinen Monitor, „Sie müssen für die psychologische Vorbehandlung eine Woche einplanen, für die Nachbehandlung eine weitere. Soll ich ein Bett für Sie reservieren?“

Nachdem Pirschhausen davon gepirscht ist, sehe ich nachdenklich aus dem Fenster. Diesem Mann muss geholfen werden. Keinesfalls werde ich ihm sein bestes Stück abschnippeln, kommt gar nicht infrage. Irgendwie werde ich ihn schon davon überzeugen, dass ein Schwanz durchaus nützlich sein kann.

„Viktor, das nächste Brustimplantat wartet“, sagt Gabriele, die gerade hereingetrippelt kommt.

Sie beugt sich vor und hat wohl heute ihren BH vergessen. Ich riskiere mit Schaudern einen Blick, bevor ich mich hochstemme und der Tür zustrebe.

„Hab gehört, da will sich einer den Schwanz abschneiden lassen“, sagt Waine, nachdem ich ein weiteres Paar Silikonbeutel verstaut habe und wir nebeneinander an den Waschbecken stehen.

Der Flurfunk in meiner Klinik ist berühmt für seine Schnelligkeit und – vor allem – für seine Respektlosigkeit dem Patientengeheimnis gegenüber. Ich nicke.

„Ja, ich bin auch fassungslos“, brumme ich, wobei ich mir die Hände abtrockne und hoch in Waines blitzende Augen schaue.

„Eine simple Geschlechtsumwandlung oder eine echte Kastration?“ Neugierig hebt er die Augenbrauen.

„Ist es nicht immer eine Kastration?“, fragt der Philosoph in mir.

Bevor ich Medizin studiert habe, habe ich ein paar Semester bei den Philosophen verbracht. Ach, wenn ich denn schon über meine Berufslaufbahn rede, will ich meine Schlachterlehre nicht auslassen. Auch die ist mir jetzt nützlich, vor allem bei den Titten.

„Irgendwie schon“, sinniert Waine grinsend.

„Ich schneide dem Kerl gar nichts ab, außer vielleicht seine Haare“, erkläre ich überzeugt. „Der wird hier raus laufen und froh sein, dass sein Ding noch dran ist.“

Waine lacht und schlägt mir kameradschaftlich auf den Rücken.

„Das will ich sehen“, sagt er.

„Wetten wir?“ Lauernd gucke ich ihn an.

„Klar. Worum?“ Waine feixt.

„Meinen Ferrari“, sage ich, aber nur, weil ich mir meiner Sache absolut sicher bin.

Hamburg, eine günstige Wohngegend

„He, guck mal, Tilo“, sagt mein Freund Jason und guckt schwärmerisch auf ein Plakat, das diesen Vollpfosten Robert Patterson in voller Größe zeigt. „Wenn ich den doch mal treffen könnte. Einmal in diesen geilen Knackarsch beißen.“

Ich sehe keinen Knackarsch, nur die Fresse von dem Kerl. Jason steht immer noch wie festgewachsen, ich ziehe an seinem Arm.

„Komm, wir wollen ins Kino“, brumme ich mürrisch.

Genau, ins Kino und diesen dämlichen ‚Twilight‘ Mist ansehen, was ich nur Jason zuliebe mache. Liebe macht blöd, nicht blind. Ich jedenfalls mache mich schon seit fast einem Jahr zum Affen, nur um ihm zu gefallen. Mit welchem Erfolg? Keinem.

„Stimmt ja, gleich sehe ich meinen Liebling ganze zwei Stunden lang“, säuselt Jason, wofür ich ihm am liebsten die Fresse polieren würde, obwohl mir eigentlich nach küssen ist.

„Genau, mir wird auch ganz warm um die Puperze, wenn ich daran denke“, erwidere ich und ziehe ihn weiter.

Jason lacht und legt einen Arm um meine Schultern, während wir zum Kino traben. Er ist immer gut gelaunt und sieht heute mal wieder umwerfend aus. Seine dunklen Augen blitzten und seine schwarzen Locken stehen wild um seinen Kopf. Antonio Banderas wäre neidisch, vor allem auf seine Jugend. Auch körperlich ist Jason ein Augenschmaus, mit den Muskeln und den knappen Einsneunzig, mit denen er mich fast um einen Kopf überragt. Okay, ich schwärme hier rum, weil er mein Traummann ist – und mein bester Freund. Eine dumme Mischung – untragbar eigentlich. Ich ertrage diese Situation schon viel zu lange und morgen…

„Ich lade dich ein.“ Wir haben das Kino erreicht und Jason lächelt mir zu, reicht einen Schein durch die schmale Lücke, die die Kassiererin mit uns verbindet.

Die Dame krallt sich das Geld und schiebt im Gegenzug die Karten rüber. Jason greift sich die Billets und zieht mich zu den Kinosälen. Die Werbung läuft schon, es ist stockdunkel. Blind halte ich mich an ihm fest und lass mich zu unseren Plätzen führen.

„He, Tilo, alles klar?“, flüstert Jason.

Ich bin kurz versucht, laut zu schreien und ihm zu sagen, dass gar nichts klar ist. Wie immer beherrsche ich mich und lass es sein.

„Geht schon, ist nur so dunkel“, nuschele ich.

„Keine Angst, ich bin hier.“ Er tastet nach meiner Hand und hält sie fest, ganze zwei Stunden lang.

 

„War das nicht der Wahnsinn?“, stöhnt Jason, während wir mit der Menge aus dem Saal stolpern.

Er hat seine Finger immer noch mit meinen verschlungen und ich mache ihn nicht darauf aufmerksam.

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