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Die Überraschungsparty

Überraschung!

Weil Ursula und Erwin Heimann im Jahr 1946 geboren wurden, würden sie – nach Adam Riese und Schürmanns Rechenbuch – im Jahr 2006 jeweils sechzig Jahre alt werden. Lange überlegten sie, wie sie diese Ehrentage begehen sollten. Erwin hatte überhaupt keine Lust, groß zu feiern, Ursula auch nicht. Seinen vierzigsten Geburtstag hatten sie groß gefeiert, seinen fünfzigsten und Ursulas fünfzigsten jeweils auch. Jetzt war ihnen überhaupt nicht nach einer großen Feier zumute.

Erwin war ein schlanker, sportlicher Mann. Bei einer Körpergröße von 185 Zentimetern wog er rund achtzig Kilogramm, er war blond, blauäugig, und fühlte sich viel jünger, als sein zahlenmäßiges Alter verriet. Seit über einem Jahr war er bereits im Ruhestand, weil er vor beinahe sechs Jahren einen Altersteilzeitvertrag unterschrieben hatte. Seine Frau Ursula hatte gleichzeitig mit ihm ihren Job aufgegeben. Ursula war ebenfalls blond, blauäugig, und auch sie war rank und schlank.

Beide fühlten sich viel jünger als sie waren; beide waren topfit. Beide genossen ihr Leben im Ruhestand; beide genossen die Zeit miteinander. Sie hatten jetzt Zeit füreinander. Alle Zeit der Welt. Zeit für sich und Zeit für die Welt.

„Lass uns verschwinden“, sagte Erwin eines Tages zu seiner Frau, „wenn wir hier bleiben, wird vielleicht ohne unser Wissen irgendetwas organisiert, was wir gar nicht wollen.“ Er dachte an eine Überraschungsparty.

Erwin und Ursula hatten zwei gemeinsame Kinder, Rebecca und Ulf, die beide bereits erwachsen waren.

 

Rebecca war eine große und sehr schlanke junge Frau. Sie hatte lange, blonde Haare und unglaublich blaue Augen. Rebecca machte nach ihrem Abitur eine Ausbildung zur Industriekauffrau bei einem großen Unternehmen in Essen. Sie schloss ihre Ausbildung mit der Traumnote „Sehr Gut“ ab und begann anschließend ein Abendstudium, welches sie als Betriebswirtin VWA abschloss, wiederum mit „Sehr Gut“.

Ulf Heimann, Rebeccas Bruder, besuchte nach der Grundschule die Städtische Realschule und verließ sie mit dem Realschulabschluss. Anschließend machte er eine Ausbildung zum Automobilkaufmann. Nach Abschluss dieser Ausbildung bildete er sich in Abendkursen weiter, erwarb den Abschluss als Handelsfachwirt und nahm anschließend an diversen weiteren Fortbildungsmaßnahmen teil. Wegen seines fehlenden Abiturs konnte er allerdings keinen akademischen Abschluss anstreben oder gar erreichen.

 

Im Alter von neunzehn Jahren lernte Rebecca den Freund eines Klassenkameraden kennen, den Ludwig Hummels. Ludwig Hummels, Lutz, wechselte nach der Grundschule zur Gesamtschule und verließ diese nach der zehnten Klasse. Damit hatte er – genau wie Ulf Heimann – die Mittlere Reife erreicht. Lutz machte eine Lehre zum Gas- und Wasserinstallateur und war, als Rebecca ihn kennen lernte, auch in diesem Beruf tätig.

Lange bevor Ulf mit seinen Abendstudien begonnen hatte und lange bevor Rebecca ihr Abendstudium begann, gab es für Lutz ein ähnliches Problem wie für Ulf. Lutz war ein einfacher kleiner Arbeiter oder Angestellter in einem mittelständischen Handwerksbetrieb, während seine Freundin das Abitur und einen verheißungsvollen und vielversprechenden Bürojob hatte und ein Abendstudium beginnen wollte.

Deshalb machte Lutz in Abendkursen sein Fach-Abitur.

An einem Abend saß Lutz im Wohnzimmer der Heimanns neben Erwin auf der Couch. Im Fernsehen lief eine Unterhaltungssendung. Plötzlich sagte Lutz: „Herr Heimann, darf ich Sie mal was fragen?“

„Ja, logisch, was denn? Schieß mal los!“

„Rebecca und ich denken schon etwas länger darüber nach. Jetzt brauchen wir Ihren Rat: Was meinen Sie, soll ich meinen Job kündigen und studieren, Maschinenbau studieren? Wenn alles klappt, wäre ich nach dem Studium Diplom-Ingenieur.“

„Und wenn es nicht klappt?“

„Dann stehe ich auf der Straße, denn meinen Job muss ich für das Studium aufgeben. Mein Arbeitgeber hält die Stelle natürlich nicht jahrelang für mich frei, nur für den Fall, dass ich mit meinem Studium scheitere und ich doch wieder bei ihm anfangen will. Wenn ich kündige, dann ist mein Job weg.“

„Traust du dir das Studium zu?“

„Ich weiß es nicht. Es ist schon ein ziemliches Risiko!“

„Glaubst du daran, dass du es schaffen kannst?“

„Ich glaube schon; aber glauben heißt nicht wissen!“

Sie unterhielten sich länger über dieses Thema, Rebecca und Lutz hatten sich schon eine ganze Zeitlang ernsthaft damit befasst. Die Entscheidung durfte man schließlich keinesfalls leichtfertig treffen, ging es doch um das Leben der beiden, um ihre Zukunft. Den Job aufgeben? Was ist, wenn Lutz das Studium nicht schafft? Oder wenn er das Studium schafft, aber keinen neuen Job findet? Lohnt sich das Studium überhaupt?

Es gab inzwischen sehr viele Arbeitslose in Deutschland, deshalb bestand durchaus die Gefahr, dass Lutz eines Tages einer von ihnen sein könnte. Außerdem, wovon sollte er während der Zeit seines Studiums leben?

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