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Die Sekunden vor Augenaufschlag

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„Das Augenaufschlagen ist die erste Verletzung”, hat Ludwig Fels einmal gesagt. Was sind dann „Die Sekunden vor Augenaufschlag”? Sind es die letzten Momente eines Traumes? Einer Schonfrist? Oder einer Lüge, bevor sie auf dem harten Boden der Wahrheit landet? Eines lässt sich mit Sicherheit sagen: Diese Gedichte sind etwas für Leser mit offenen Augen. Störrisch sinnhafte Reizgedichte, flimmernde Schwebestoffe, Nervenstimulanzien, kurz: Gedichte, die man ebenso gut sehen wie lesen kann. Voller Leichtigkeit, intimer Melancholie und hintersinniger Komik – und immer wieder diese Bilder, die einleuchten im wahrsten Sinne des Wortes.

Pressestimmen:

„Die scheinbare Leichtigkeit und Direktheit seiner Gedichte ist kunstvoll hergestellt.”
Michael Braun, Lexikon der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur

„Was am meisten für ihn einnimmt, ist die Macht seiner Bildsprache.”
Matthias Politycki, Frankfurter Rundschau

Winterschlußverlauf

Alles muß raus. Mäntel,
Handschuhe, Schneeglöckchen.
Mild treibts der späte Januar:
verschleudert Autos an
Kurven und wattierte Jacken
an den meistbietenden Sturm.
Von weiter unten, tief aus
dem Süden des Übermuts
zieht schon das erste
Hochdruckgebiet Richtung
Mundraum. Doch die
Winterware des Herzens
bleibt hinter den Zähnen
vergraben, jedes Lächeln
ein Friedhof. Tulpen
platzen heraus.

Nur auf Nichtgesagtes
ist jetzt noch Verlaß.

Nordseewinter

Mitten in meinen Schädel platzte das
Meer, befreit aus seinem engen Bett,
ausgebrochen aus der Anstalt von Ebbe
und Flut, die reine Tollwut schoß
über die Promenade und ließ zwei Autos
mitgehen. Das Excelsior erhob Einspruch,
mit einer einzigen Bewegung seiner Hand
schnitt ihm ein Brecher das Wort
ab, wischte Tische und Stühle beiseite
und rollte und rollte an meine
Schläfen. An Schlaf war nicht zu denken.
Mein Kopfschmerz hämmerte
Dübel in die Dämmerung, um ein Bild
aufzuhängen, auf dem ein Irrer
tobt und schäumt und den Beton
bezweifelt, den man ihm entgegenhält.

Auf einen Wink erhob sich der Wind,
sein Komplize, die Steppdecke der Wolken
weit von sich wirbelnd fuhr er in die
Fahnen. Alle Masten machten einen Knicks
vor ihm, als er sich den Himmel unter den
Nagel riß, den Mond, der wie ein Scheibchen
Zitrone in einem dunklen Drink versank.
Sogar die großen Hotels schwankten auf dem
Heimweg im Lichtkegel des Leuchtturms.
Noch ehe eins von ihnen lang hinschlagen
konnte, hatte jemand den Winter angerufen,
der kam mit Männern in weißen Kitteln,

kalten Umschlägen und Eiszäpfchen. Da ließ
es nach. Ein paar Gischtflocken aus Lärm
noch, ein letztes Aufbrausen.
Dann war die Welt ruhig gestellt.

Am nächsten Morgen durfte ich sie besuchen:
Links das Meer, mürrisch vor sich
hinmurmelnd, tief versunken in seinem
Hospitalismus des Anrollens und
Abrollens, daneben die Stadt in ihrer weißen
Zwangsjacke, besinnungslos lächelnd
der Wind: Man hatte ihm Schirme zum Spielen
gegeben und Papierkörbe. Als ich ihm einen
Gruß zurief, winkte er aus heiterem Himmel
zurück. Nur mein Kopfschmerz blieb ernst und
schweigsam und hartnäckig: nicht löslich in
Tränen, Wellen, Windstärke elf.

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