Logo weiterlesen.de
Die Schwestern

 

Nicht weil es schwer ist,

wagen wir es nicht,

sondern weil wir es nicht wagen,

ist es schwer.

Seneca

 

I don’t want to hate

but that’s all you’ve left me with.

A bitter aftertaste and a fantasy o

f how we all could live.

Robbie Williams

 

Erwartet wie eine unangenehme Tante aus Kindertagen, der man nach vielen Jahren mit Nachsicht zu begegnen versucht, tauchte rechter Hand ihre Vergangenheit auf, entlang einer normalen, unverfänglichen Stadtautobahn, die sich so nichtssagend dahinzog wie tausend andere Stadtautobahnen auch und an deren Peripherie man hätte vieles erwarten können – nicht aber die weiß-braun gescheckten Außenfassaden einer Plattenbausiedlung, deren beste Jahre vorbei waren, wenn es sie denn je gegeben hatte. Schon eher die eines ausladenden Gewerbegebietes, wie sie den Brachen am ostdeutschen Stadtrand seit nunmehr zwanzig Jahren transplantiert worden waren und bei deren Anblick man sich die Trostlosigkeit des einst verwilderten Landstücks zurückwünschte.

Während das Ziel näher rückte und die Frage, was sie hier eigentlich taten, sich noch stellen würde, ragte ihnen nun auch der Zipfel ihres alten Hochhauses ins Sichtfeld, ein Anblick, der sich in gut zehn hier gelebten Jahren in ihre Netzhäute eingebrannt hatte und der in diesen Minuten dafür zuständig war, dass sowohl Anflüge von Freude als auch Furcht die Schwestern durchfuhren.

Dass es in ihrem Familienzusammenhang eine unbeschwerte Fahrt an die Ostsee ebenso wenig geben würde wie den Weltfrieden, verdrängten sie für den Moment und zugunsten einer mit dem Alter anschwellenden Sehnsucht nach Harmonie. Ein Clan wie ihrer, der nie den Mut zur offenen Schlacht und anschließenden Versöhnung, dafür aber die Gabe besessen hatte, all die unnützen Streite und überflüssigen Verletzungen über Jahrzehnte mit dem Gallert des oberflächlichen und einander ausweichenden Gesprächs zu überziehen – wie sollte der eine Begegnung mit der eigenen Vergangenheit bewältigen, in der nun wirklich einiges schiefgelaufen war? Sie würden tun, was sie immer getan hatten. Sie würden heillos übereinanderherfallen und gegenseitig auf dem rissigen Narbengewebe herumtrampeln.

Und so redeten Martha und Johanne Andruschat, seit gut zwei Stunden in einem altersschwachen Renault aus Berlin in Richtung Nordosten unterwegs, ganz im Sinne des Gallerts lieber über Unverfängliches, froh darüber, dass sich ihnen diese Möglichkeit bot. Reden, wenn auch nur über das Wetter, den Verfall der Sitten oder lustige Verfehlungen der eigenen Männer (böse wurden wegen des Gutdastehenwollens vermieden), war allemal besser als Schweigen, Schweigen bedeutete Gefahr. Geschwiegen wurde in ihrer Sippe nicht aus Genuss oder weil man es konnte, geschwiegen wurde aus Beleidigtsein. Oder weil man züchtigen wollte, wie die Mutter, die das Schweigen noch verlängerte, je mehr das Kind an ihrem Rockzipfel um Ansprache flehte. Dieses Verhalten hatte bei den Schwestern die kräftezehrende Macke hinterlassen, sich umgehend schuldig zu fühlen, sobald jemand in ihrer Nähe in grimmige Wortlosigkeit verfiel.

Was die Verbreitung des Gallerts anging, war aus Marthas Sicht Johanne immer die Engagiertere gewesen, und so war sie es nun, die rief: »Guck mal, die Bäume, wie riesig!«

Sie hatte recht, eindeutig, die florale Dekoration ihres Wohnviertels, der mildernde Umstand für eine Betonwüste am Rande der Stadt, war rasant in die Höhe geschossen, in zwanzig vergangenen Jahren hatten sich spacke Jungbäume zu kerligen Stämmen aufgeschwungen. Vorbei die Zeit, da die Bezeichnung Trabantenstadt von nahezu erschreckender Gültigkeit war, weil kahle Modderlandschaften sich um nackte Neubaublöcke zogen und Areale ohne Aura erschufen. In weiteren zwanzig Jahren würde das jetzt schon potente Grün wahrscheinlich ganz die Führung übernommen und die Fassaden gänzlich verschlungen haben – ein endgültiger und längst überfälliger Beweis, dass Wohnghettos dieser Art – wenn nicht ein Verbrechen – zumindest aber ein Vergehen an der Menschheit gewesen waren.

Martha hatte ab jenem September vor etlichen Jahren, da sie von der Polytechnischen an die Erweiterte Oberschule wechselte und auf nicht mehr nachvollziehbare Art eine Kurzhaarfrisur gegen den Willen ihrer Eltern durchzusetzen vermochte, jeden Wochentag auf der Brücke nahe des nun erwachsen gewordenen Birkenhains gestanden und im Morgengrauen der S-Bahn entgegengefröstelt. Als Plattenkind, wie sie sich seinerzeit selbst bezeichnete und damit eine gewisse Selbstabwertung vornahm, die sie im Laufe ihres Aufwachsens noch perfektionieren sollte, hatte sie ihre Mitschüler in den maroden Jahrhundertwendevillen im Stadtzentrum immer beneidet. Ihrer Meinung nach schätzten die ihren Standortvorteil viel zu wenig: Vom Zentrum aus war es nur ein Katzensprung zur Schule, und man war mittendrin im Geschehen, anstatt wie sie an dessen Rand.

Während Marthas Eltern nicht müde wurden, den Warmwasser- und Zentralheizungsvorteil ihrer Neubauwohnung zu preisen, nahm ihre Tochter diese nur als grobschlächtig und geheimnislos wahr. Wirklich schöne Behausungen hatten schon in ihren krakeligen Kindergartenzeichnungen anders ausgesehen und alle Anzeichen des Morbiden gehabt, windschiefe Dächer, morsche Fenster. Den zukünftigen Abstieg der Platte schon ahnend, hatte sich Martha immer von dort weggewünscht, hin zu den Villen der Innenstadt, die sich an der Umgehungsstraße zum Bahnhof aufreihten wie Cremetorten in einem Konditorregal und in deren Winkeln die stofflichen und unstofflichen Hinterlassenschaften vergangener Zeiten nisteten. Dort duftete es einen Duft, der sich aus den Aromen des Eingelagerten im Keller speiste, aus in Holzkisten gestapelten Äpfeln, erdkrustigen Kartoffeln, aus einer ganzen Phalanx von Essbarem und Eingewecktem, Rotkraut, Sauerkraut, Blut- und Leberwurst. Alles in Weckgläser und Tonbottiche abgefüllt und von Frauen gemacht, die mit dieser Vorratswirtschaft noch dem Mangel trotzten und nicht einer manufactumisch aufgeladenen Philosophie huldigten, der zufolge allem industriell Erzeugten zu entsagen und sich wieder auf Selbst- und Handgemachtes zu konzentrieren sei. Jedenfalls für eine immer mäkliger werdende Bio-Elite in den Großstädten, die sich mittlerweile nicht zu dumm war, selbst in als BioBioBio!!! deklarierten Läden das Verkaufspersonal in unerträglich lange und inquisitorische Dialoge über die Bestandteile eines einzelnen Vanillekipferls zu verwickeln, das sie zu kaufen beabsichtigte.

Neben dem Duft gehaltvoller Nahrung hatte Martha in den Kellern der Tortenhäuser auch immer das Bukett all der Dramen und Komödien gewittert, die sich über Dekaden hier zugetragen haben mussten und in dem Kommerzienräte und Kammerzofen genauso vorkamen wie nach ihnen Kriegsflüchtlinge oder später Konsumverkäuferinnen. Die typische Besetzungsliste eines DDR-Hauses eben, da konnte es noch so viel Villa sein, wie es wollte. In Zeiten, in denen noch keine Vorhängeschlösser, Schilder und drohende Ausrufezeichen privaten Grund auswiesen, weil alles allen gehörte oder niemandem richtig, war sie im Hause einer Schulfreundin auf dem Dachboden herumgestiegen, dabei immer wieder das klebrige Gespinst ungestört agierender Insekten streifend, das ihr, nach Rückkehr ins Licht, noch in den Haaren hing.

»Na, was hast du wieder entdeckt?«, pflegte der Vater ihrer Schulfreundin Vicky, ein schwerer, heiterer Mann mit Verständnis für ihr Faible, Martha nach solchen Touren zu fragen, damit zuverlässig die Verwandlung eines schüchternen Backfisches in eine übersprudelnde Jungendliche in Gang setzend. Einmal war es eine alte Truhe gewesen, einsam und verstaubt unter den Dachbalken. Martha gestand, an ihr herumgerüttelt, das Unterfangen aber wegen Erfolglosigkeit wieder gelassen zu haben.

Vickys Vater war daraufhin mit ihr gemeinsam auf den Dachboden des alten Hauses gestiegen, und schnell wurde klar, dass er sehr wohl wusste, was es mit der Truhe auf sich hatte. Und dass erst ein großes Dunkel zu durchgreifen war, bevor man an ihre Einlagerungen gelangte – alte Magazine. Wie über eine Schar flauschiger Welpen strich der Vater der Freundin über deren Titelseiten, und dem aufgeregten Mädchen an seiner Seite erzählte er, dass er die Hefte vor vielen Jahren, als junger Bursche, im noch offenen Westteil Berlins und bei einem seiner zahlreichen Kinobesuche dort gekauft hatte – mit abgezähltem Geld. Nie hatte er es fertiggebracht, sie wegzuwerfen. Um ein bisschen abzubekommen von dieser Freundlichkeit, die da ein sogenanntes Elternteil ausströmte, rückte Martha noch dichter an ihn heran. Auch er schien Gefallen daran zu finden, sich in alte Zeiten, noch älter als die, die er selbst erlebt hatte, zurückzuversetzen. Und wahrscheinlich würde auch er beim Auffinden eines alten Emailleschilds, das mit wilhelminischer Strenge Betteln, Hausiren, Musicieren & Ausrufen verbot, aufjuchzen. Derart schön-schaurige Accessoires der Vergangenheit bestaunend, ersann Martha in ausschweifenden Tagträumen romantische Geschichten, die in jedem Fall das tragische Nichtzueinanderkommen zweier Liebender beinhalten mussten, sollten sie Marthas dramatische Saite zum Klingen bringen. Graf und Zofe, Butler und höhere Tochter.

Mehr noch als ein lichterloher Sommer beflügelte sie die Dunkelheit des Winters zu solchen Schmachtereien, als würden Frost und Kälte ihre Phantasie besonders befeuern. Oder das Winterkind in ihr beleben, das sie war. Eines, das schon in den ersten Tagen seines Daseins von der Mutter im Kinderwagen vorm Haus abgestellt wurde und dort ohne Daueraufsicht derselben (wie es heute üblich war) verblieb. Weil erbärmliches Schreien nicht half, die Mutter zu erweichen und die Rückkehr ins Warme zu erzwingen, trotzte es der Kälte durch steinernen Schlaf – ein Gebaren, das es für immer versöhnen sollte mit klirrenden Wintern.

 

Mit gedrosselter Geschwindigkeit steuerte Martha den Renault an einer Anordnung von Neubauten vorbei, die nicht einsehbar war, weil eine Art Frontblock sie abriegelte und in Schach hielt. Ihre Platte, die den Namen Neubau nun wirklich nicht mehr verdiente, war früher noch eine der hübscheren hier gewesen, die Fassaden mit rostroten und braunen Keramikklinkern versehen und der klobige Gesamteindruck somit aufgelockert, den andere Neubauquartiere links und rechts der S-Bahn-Schienen verströmten.

Während Martha aus heutiger Sicht sicher war, nie mehr in einem solcher Klötze wohnen zu können, in denen noch immer Neonlicht von der Flurdecke gleißte und mehr denn je der anschwellende Frust im Lande hellhörige Hausflure erschütterte, ging es einigen ihrer Berliner Bekannten genau andersherum. Besonders denen, die in kleinen Käffern im Westen groß geworden und nun dem Sog der Hauptstadt erlegen waren. Mit Vorliebe bezogen sie den WBS 70, lobten ihn für seine schräge Urbanität, schälten die nackten Betonwände unter Tapetenschichten hervor und möblierten die Wohnraumwaben, die aus Ostzeiten nur das öde und ewig gleich ausgerichtete Ensemble von Couch und Schrankwand kannten, mit ihren Retrosachen, von denen viele heute aus angesagten Szeneläden stammten, viel früher aber aus genau diesen Osthaushalten, welche die Zuzügler nun beerbten. Nur eines musste die Platte sein, um das Interesse dieser Neubewohner zu erregen: zentral gelegen. In den sogenannten In-Bezirken. Dort, wo sich alle die zusammenrotteten und ihr Äußeres uniformierten, die besonders individuell und einzigartig sein wollten.

Über den Kindheitsort der Schwestern Andruschat düsterte an diesem Vormittag ein dramatischer Himmel hinweg, von Anmutung und Volumen her passte er nicht zur Jahreszeit – es war Mai, Ende Mai sogar, und bislang hatte es den Anschein gehabt, als ob es abermals früher als gewöhnlich warm werden würde. Nur mit Jeans und leichten Jacken bekleidet, fuhren die Schwestern an den Kulissen vergangener Tage vorbei, wohl wissend, wer jetzt von früher anfangen würde, von ihrer Vier-Zimmer-Wohnung im dritten Stock des Juri-Gagarin-Rings 27, der gäbe den Startschuss für eine Unterhaltung, die im Streit enden würde, denn keine von beiden ließ sich ihre Sicht auf die gemeinsame Kindheit nehmen, in der sie zu machen hatten, was er sagte, solange sie die Füße unter seinen Tisch streckten. Nur dass Martha sich schon damals die Füße lieber abgehackt als sie unter den Tisch des Vaters geschoben hätte. Achtzehn Jahre lang hatte er Angst und Schrecken verbreitet, obwohl seine Töchter schon im Kleinkindalter zu extremer Schüchternheit abgerichtet waren. Von der Mutter war Beistand nicht zu erwarten gewesen, sie hatte es vorgezogen, ihren Mann zu körperlichen Bestrafungen noch anzustacheln. So einigte einen wenigstens der Groll, den man gegen den anderen und sich selbst hegte und der an den Kindern abzulassen so einfach war.

In der Schule hatte Martha nur geschuftet, um doch noch die Zuneigung ihrer Erziehungsberechtigten zu gewinnen, jede Eins, jede Auszeichnung – in Wahrheit ein Geschenk für sie. Allein, es half nichts. Auch eine Verschärfung in der sowieso fortwährenden Dauerkrise der Eltern, die beinahe zur Scheidung führte, brachte keine Linderung, und die heimliche Hoffnung Marthas, Johanne und sie könnten wenigstens ein Elternteil durch Trennung loswerden, verlief im Sande.

Nach außen hin waren sie eine normale Akademikerfamilie gewesen, der Vater als Ingenieur im Fischkombinat arbeitend, die Mutter als Lehrerin in einer POS. Gepflegte Leute für die Nachbarn, mit Wartburg und Westklamotten und einem Stück Ruhm, das nicht sie selbst, sondern ein Großonkel, der Bruder des Vater-Vaters, eingefahren hatte, das aber auch auf sie abstrahlte, weil sie denselben seltsamen Namen trugen.

»Sprechen dich die Leute heute eigentlich auch noch so oft auf Onkel Kurt an?«, fragte Martha Johanne in eine der von ihnen selten gewagten Schweigepausen hinein, in der Johanne in ihren Schoß stierte, wo ein French-Nail-verzierter Daumennagel (zum Glück einer der gemäßigten Art) über die Tastatur ihres Handys klackerte. Eine Mode, die Martha scheußlich fand, etwas für Friseusen und Sonnenstudio-Miezen, aber doch nicht für ihre Schwester, eine seriöse und tendenziell eher biedere Chemikerin mit Hang zu Seidenschal und Perlenohrringen. Zur Sprache hätte Martha die Fingernägel allerdings nie gebracht, weil generell nichts behandelt wurde, was Ärger heraufbeschwören konnte – und die kleinste Kleinigkeit war Anstoß dazu.

»Doch, schon«, beantwortete Johanne die Frage nach Onkel Kurt, »gar nicht mal so selten. Meistens, wenn gerade mal wieder ein Film mit ihm lief. Oder eben von Leuten, die sich auskennen mit unserer Kunstszene damals.«

Es war offensichtlich, dass sie der Empfänger der Kurzmitteilungen, die sie ohne Unterlass tippte und die ein rosiges Beben in ihrem hübschen Gesicht entfachten, mehr interessierte, als Onkel Kurt es je getan hatte. Wenigstens in ihrer Zurückhaltung ihm gegenüber waren sie sich immer einig gewesen. Sein Leben lang hatte er beide vornehmlich ignoriert und nur halbherzig versucht, diese Unerträglichkeit bei den wenigen Malen ihres Aufeinandertreffens durch Alibifragen wettzumachen. Trotzdem ließen sie ihn gewähren, wenn er, einem Foto für die Nachwelt zuliebe, kurz den Arm um sie legte. Das ihnen vorgeschriebene Betragen verbot es ihnen, sich gegen solche Annährungen von Verwandten, zumal von Onkel Kurt, zu sträuben. Ein sehr beliebter Bühnen- und Filmschauspieler war er gewesen, der sich nicht nur Martha und Johanne, sondern seiner gesamten Familie mit eiserner Konsequenz entzog. Manchmal sickerte durch, sie alle seien ihm zu fad mit ihren Ingenieursberufen und ihren einfältigen Träumen vom Eigenheim oder Urlaub am Plattensee, doch niemand hatte ihn das je sagen hören. Als Darsteller von vor allem schweren und düsteren Charakteren, die er äußerst verstörend zu spielen verstand, war er in die Theater- und Filmannalen eingegangen und zeit seines Künstlerlebens vergöttert worden. Ein nur anteilig verdientes Glück, wie Martha fand, hätten seine Fans auch nur ansatzweise geahnt, dass er seinen eigenen Kindern, die mit der Mutter schon nach ein paar Ehejahren über alle Berge waren, ein Despot gewesen war.

Als Erwachsene hatte Martha keine Mördergrube mehr aus ihrem Herzen gemacht und Onkel Kurts Bewunderer, wenn diese allzu schmachtend daherkamen, mit der Wahrheit brüskiert. Eine Maßnahme, bei der sie all ihren Mut zusammennehmen musste und die sie sich selbst gegenüber mit der Tatsache legitimierte, dass es schließlich ihr Vater gewesen war, der ihr neben tausend Ängsten auch Ehrlichkeit eingebläut hatte. Bei den Onkel-Kurt-Bewunderern allerdings trübten sich die Blicke auf diese Unverblümtheit hin meist seltsam ein, so als sprächen sie nunmehr nicht mit einer Verwandten, sondern mit einer zweifelhaften Person. Den Mund süß-säuerlich verzogen, war offensichtlich, dass sie sich das Bild eines Mannes, der ihnen so hohe ästhetische Befriedigung verschaffte, nicht durch jemanden zerstören lassen wollten, der selbst ein Niemand war und sich nur wichtig machen wollte.

Martha konnte damit leben, dass noch Jahre nach seinem Tod Menschen auf sie zukamen (nachdem sie in ihr eine Großnichte ausgemacht hatten) und in Ermangelung Onkel Kurts sie auf seinen Autogrammkarten unterschreiben hießen. Sie ließ diese Momente zu, weil sie ihre eigene Sehnsucht nach Wertschätzung bedienten. Manchmal kam sie sich vor, als wäre sie diejenige gewesen, der über Jahre rote Rosen und stehende Ovationen zuteilgeworden waren. Wie musste es ihm gutgegangen sein, Onkel Kurt, so geliebt zu werden. Er musste sich groß- und einzigartig gefühlt haben. Und warum hatte ihn das nicht davon abgehalten, ein schlechter Vater zu sein? Wo hatte diese Härte, die sich in seiner Familie fortpflanzte wie in anderen Stämmen ein zu kleiner Wuchs oder der Hang zur Fettleibigkeit, einst ihren Ursprung gehabt? Wer auch immer von denen, die Onkel Kurt zu Füßen lagen, Mäuschen hätte spielen können, als Martha und Johanne (sie waren noch Kinder) einmal ein paar Tage bei ihm wohnten, sie hätten ihn vielleicht ein bisschen weniger hofiert. Aber wer wusste das schon.

Weil ihre Eltern für ein paar Tage auf einen Ehegatten-Betriebsausflug in den Spreewald fuhren, hatte Onkel Kurt – augenscheinlich widerwillig – die Ferienbeherbergung der Mädchen übernommen und sie am ersten Abend dieses Aufenthaltes zu einer Premierenvorstellung einbestellt. Brav erwarteten sie ihn im Foyer des Theaters, in dem er zweifellos ein Berühmter war, wenn die Raunerei in der Familie nicht trog. Schon wieder in der Zeitung, Nationalpreis bekommen, Handschlag von Honecker. Das waren nur einige der Satzfetzen, die am Rande aufgebrachter Familienplappereien zu Boden fielen, auch entging ihnen die Mischung aus stolz-hämischer Aufgeregtheit nicht, die über die Gesichter der Verwandtschaft huschte, wenn Onkel Kurt in Abwesenheit Thema war. Und das war er oft.

An diesem Abend im Theater beobachteten Martha und Johanne geduldig, dass er nach der Vorstellung, der sie in der letzten Reihe beiwohnen durften, eine geschlagene halbe Stunde brauchte, um eine Dreißig-Stufen-Treppe herabzusteigen und zu ihnen vorzudringen. Das lag – um bei der Wahrheit zu bleiben – auch an einem schwarzen und heftig changierenden Pulk von Verehrern, der ihn umkreiste – so nah war dem abgeschminkten King Lear schließlich selten zu kommen. Onkel Kurt gab sich abwiegelnd, ganz sicher aber war sich Martha nicht, ob er es in Wahrheit nicht auskostete, so umschwärmt zu werden. Immerhin unterschrieb er, während ihn der Pulk verschluckt und auf der obersten Treppenstufe fixiert hatte, ausführlich Autogrammkarten, auf denen er in zerknirschter Pose und mit der obligatorischen Baskenmütze abgebildet war.

»Ihr habt ja gesehen, was los war, Kinder«, sagte er, als er endlich bei ihnen ankam und einen Schwall bekannten Wohlgeruchs von seinem bordeauxfarbenen Seidenschal (Duftpartikelchen seines Aftershaves) auf sie niederregnen ließ.

Dabei hatte er sich zu ihnen, den viel Kleineren, nicht herabgebeugt, sondern seinen Hals in Richtung Decke gestreckt, wo ein riesiger Lüster über seinem Kopf kreiste wie eine Königskrone.

Vielleicht waren es Attitüden wie diese, die Martha und Johanne dem Onkel gegenüber immer in eine Art Duldungsstarre verfallen ließen, weil sie sonst an keinem anderen Verwandten zu beobachten waren. Onkel Kurt war einfach anders als der Rest des Familienstranges, von denen hatte nie einer Baskenmütze getragen. Und im Gegensatz zu deren abgezirkeltem Leben, das um sieben Uhr morgens mit einem Marmeladenbrot begann, den oder die Beteiligte danach in ein vermieftes Büro und in noch vermieftere Parteileitungssitzungen spülte, mittags in der Betriebskantine mit verkochten Kartoffeln und roter Grütze aufwartete und abends mit »Der Staatsanwalt hat das Wort«, führte Onkel Kurt das Leben eines Künstlers. Er trug nicht nur Baskenmützen, sondern auch Westen und Hosenträger. Meist ging er erst abends zur Arbeit, kochte für seine Gäste »Coq au vin«, und seine Wohnung befand sich in eben so einer alten Villa, wie Martha sie liebte; sie war ein Märchenreich mit knarzenden Holzböden, verschachtelten Gängen und einem schweren Windfang aus Samt im Eingangsbereich, dem man – hatte man sich erst einmal in ihm verfangen – nur durch heftiges Rudern mit den Armen wieder entkam. Abgesehen davon, dass sich diese Wohnstatt dramatisch von der ihren in der Platte unterschied, seltsamerweise aber gar nicht dazu beitrug, dass eine Art Wohlgefühl in den Schwestern aufkam, schürte sie einen seltsamen Respekt gegenüber dem Onkel, der erst aufgehoben wurde, als ihnen nach dem Mauerfall Häuser und Wohnungen unterkamen, die die von Onkel Kurt in der Fähigkeit, ihnen den Atem zu rauben, weit übertrafen.

Am Theaterabend jedoch ließ die Verwirrung darüber, ihn einmal in seiner Welt besuchen zu können, die Mädchen wieder nur herumdrucksen und seine Order erwarten, die nach seinem Abstieg auch ohne Aufschub erging.

»Lasst uns gehen für heute«, sagte er, legte seine Schaufelhände auf ihre Schultern und schob sie – abermals nach links und rechts grüßend – in die winterliche Kälte vor seiner Wirkungsstätte. Gern wären sie noch geblieben, Martha eindeutig mehr als Johanne, und sei es nur als stumme und staunende Pagen eines Bühnenhelden, den andere nur von weitem, sie beide aber aus der Nähe betrachten konnten. Seine Wohnung, zu der es mit seinem Lada und durch schwammig beleuchtete Straßen ging, erschien Martha an diesem Tag wie die Verlängerung der Bühne, auf der er eben noch gestanden und gewütet hatte. Nachdem er die Tür aufgeschlossen und sie sich durch den Windfang gearbeitet hatten, der die eindringende Abendkühle wie eine Glucke ihre Küken unterm Gefieder hielt, verschwand Onkel Kurt in der Küche, wo er für ewig anmutende Minuten herumfluchte und in den Schränken kramte und von wo er mit einer Zigarre im Mund zurückkehrte – den Rauch ungehemmt in ihre Richtung paffend und verkündend, dass sie auf dem Sofa, in das er sich mit Karacho plumpsen ließ und das ein antikes Ungetüm war, schlafen müssten.

»Bettzeug ist im Schrank«, war eine der letzten Äußerungen, die er von sich gab, bevor er zu einer Zeitschrift griff und sich ins Lesen vertiefte. Martha versuchte den Titel zu entziffern, aber nur das Wort »Sinn« erschloss sich ihr; sie ordnete diesen Eindruck der Aura zu, die Onkel Kurt umgab. Trotz dieser wagte sie noch einen kindlichen Vorstoß. »Kannst du uns noch eine Geschichte erzählen, Onkel Kurt«, hörte sie sich fragen, den Blick absichernd auf Johanne gerichtet, »du weißt schon, von früher, als du und Opa noch Kinder wart.«

Sein schweres Räuspern hielt sie in ihrer naiven Freudigkeit für einen Moment des Überlegens, aber es entpuppte sich als Missbilligung ihrer Bitte, denn diese würde sein angestrebtes Zubettgehen und Sichabsentieren von der aufgehalsten Nichtenschaft nur hinauszögern.

»Da gibt es nichts zu berichten«, raunzte Onkel Kurt, und seine buschigen Augenbrauen bäumten sich auf wie ein Stachelschweinrücken.

»Vater sagt, dass ihr viele Strafen bekommen habt«, traute sich Martha in einem seltenen Anflug von Hartnäckigkeit weiterzubohren, ganz in der Hoffnung, von ihm zu hören, dass auch er und vielleicht auch ihr Vater einmal ein Kind gewesen war – ein ängstliches, wie sie.

»Ja, aber das sind nun wahrlich keine schönen Geschichten«, entgegnete Onkel Kurt, »und demzufolge nicht der Stoff für Kinder vor dem Schlafengehen.«

»Bitte, Onkel Kurt, so klein sind wir doch gar nicht mehr. Ich hab schon Bruchrechnung in der Schule.« Aber auch die verhalten-kokette Mädchenart brachte sie nicht voran.

»Bruchrechnung, na sieh mal an, und da glaubst du, dass du die Brüche im Leben eines Menschen auch schon verstehst?«

Martha grinste, sie konnte ihm nicht folgen. Waren die Brüche, von denen er sprach, die gescheiterten Ehen, die ins Heim gesteckten Kinder und die Tanten, mit denen sie Karten spielten und die wie Freundinnen der Ehefrauen wirkten, in Wahrheit aber Geliebte waren? Sie schaute sich um. Von Johanne, die auf dem Boden saß und der lahmen und vorwürflich dreinschauenden Katze von Onkel Kurt den Latz kraulte, war eine Antwort nicht zu erwarten.

»Das Leben ist eben nicht einfach, was glaubst du denn? Und jetzt wird geschlafen bitte.«

Selbst mit dem Wörtchen bitte garniert, ließ dieser Satz keinen Zweifel daran, dass er eine Anweisung war, die klang, als hätte Marthas Vater sie ausgesprochen, und die genauso wenig Widerspruch duldete. Die Zigarrenschwaden, die der Onkel beim Hinausgehen nach sich zog und die sich vor den obersten Reihen seines überdimensionalen Bücherregals zu einer bedrohlichen Wolke verdichteten, erschienen ihr plötzlich wie die Emissionen eines bösen Geistes. Nun, da Martha und Johanne allein waren zwischen schweren Samtstores und vollgestopften Vitrinen, wollten sie nur noch, dass die Ferien zu Ende waren und sie in die quirlige und lichte Welt ihres Schulgebäudes zurückkehren und einer nicht näher erklärbaren Stimmung von Überlegenheit und Ablehnung entrinnen konnten.

 

Während Johanne sich früheren Zeiten gegenüber versöhnlich, beinahe beschönigend gab, trieb Martha ihre Vergangenheit immer noch um. Nicht nur einmal musste sie sich von guten Freunden und einer gestrengen Therapeutin die Frage gefallen lassen, ob sie wirklich bereit sei, den alten Mist über Bord zu werfen, oder ob alles Jammern, dass dies nicht klappen würde, nicht nur Makulatur und sie gar nicht willens sei, vom vertrauten Scheusal Schmerz zu lassen – einfach, weil es ihr fehlen würde. Eine These, die Martha einleuchtete, die aber wohl kaum auf sie zutraf, denn wenn sich jemand bemühte, genau der sonnige Mensch zu sein, den die Außenwelt von ihm kannte, dann doch sie! Nichts war ihr gruseliger, als eine dieser Frauen mittleren Alters zu werden, deren Gesicht zu einer einzigen Anklage geronnen war und die mit dauerleidvollem und galligem Blick ihrer Umwelt auf den Docht gingen, da mochten sie noch so flotte Designerkleider tragen und sich den Mund mit kirschrotem Lippenstift bemalen. Ein bitterer Mund blieb bitter, selbst mit einer Farbe, die das Gegenteil behauptete. Sie wollte keine von denen sein, die ihr Geld nonstop zu Wunderheilern trugen, von denen höchstens ein Drittel seinen Job gut machte, der Rest jedoch unfähig war oder sich ins Fäustchen darüber lachte, wie einfach sich mit dem wahren und eingebildeten Leid anderer Reibach machen ließ. Wenn es eine Zukunftsbranche gab, dann diese. Den nächstgrößeren Zulauf würde der Berufsstand der Osteopathen, Astrologen und Hypnotiseure spätestens dann verzeichnen, wenn die Nachfahren gegenwärtiger Bio-Bürgerlicher das Erwachsenenalter erreicht und sich als völlig untauglich für die Welt herausgestellt hatten. Die Prägung des wärmenden Wattebauschs, wo doch der Planet immer kälter und gnadenloser wurde und nur darauf wartete, Verwöhntheit oder Blauäugigkeit zu zermalmen.

Glücklich ist, wer vergisst, was nicht mehr zu ändern ist.

Ein Satz, der zu Marthas Lieblingsmantras geworden war und dessen Ursprung sie nicht mehr benennen konnte. Den emotionalen Trost, den diese in Lakonie getränkte Aussage ausstrahlte, hatte sie in weite Gegenden ihres zweifelnden Hirns transplantiert wie Ärzte einen Herzschrittmacher in die Nähe schwächelnder Kammern. Wann immer sie sich mit nutzlosen Wiedergutmachungsansprüchen an ihre Eltern herumschlug (und das tat sie mit dem Älterwerden wieder vermehrt) und ihre Dämonen – hungrig nach Veitstanz – mit den Hufen scharrten, ließ sie sich den Geschmack dieses Satzes auf der Zunge zergehen und lullte sich ein in dessen tröstlichen Nachhall.

In ihren Zwanzigern war das anders gewesen, Kraft und Tatendrang hatten da überwogen, und froh war sie gewesen, weggekommen zu sein, gleich mit achtzehn. Über viele Jahre war sie fortgeblieben vom Elternhaus, verschollen und ohne ein Lebenszeichen, je weiter entfernt, desto besser. In diesem Lebensabschnitt focht sie das Ausbleiben elterlicher Sorge und Nachfrage nicht an. Allerdings blieb sie die Einzige, die pausenlos sezierte, warum alles so gekommen war, wie es jetzt hässlich und verkorkst vor ihnen lag. Aber wie sich selbst den großen Zusammenhang erklären, wenn alle nur das Maul hielten und dem Gallert den Vorzug gaben?

Schon früh war klar, dass Martha so schnell wie möglich für sich selbst sorgen würde, schon um der jahrelangen elterlichen Insinuation, sie würde es sowieso zu nichts bringen, entgegenzuwirken. Am Ende eines längeren Irrlaufs in der Arbeitswelt, der sie in ein Heimatmuseum in Dresden, in ein Meeresfrüchterestaurant in Hamburg und in die Redaktion eines Gesellschaftsmagazins mit Sitz in Berlin gespült hatte, versuchte sie sich als Texteabfasserin, die jeden und alles belieferte. Geschriebenes wurde schließlich immer gebraucht. Und solange ihr die Stadtillustrierte, die Tee-Company, die Stiftung für benachteiligte Kinder und andere Inhaber von Magazinen und Broschüren nicht von der Fahne gingen, würde sie überleben können. In früheren Jahren und noch voll im Saft stehend, hatte es Ansätze gegeben, eine Reporterin aus ihr zu machen, Spezialgebiet Soziales. Aber irgendwie war sie nicht drangeblieben respektive nicht selbstsicher genug gewesen. Für Martha keine unbedingt bedauernswerte Entwicklung, wurde auch die Welt des gedruckten Wortes nicht schöner und besser. Ihre Talente lagen vor allem im Umgang mit denen, die sich nicht von selbst in die Presse drängten, wenigstens damals noch nicht: Schlingernde, Strauchelnde, Gefallene.

»Frau Andruschat, Sie sind ein Menschenöffner«, hatte ein zufriedener Berliner Chef zu ihr gesagt, »da machen wir was draus.« Und Martha, süchtig nach Lob, wie es nur die Gedemütigten kennen, schleppte gute Geschichten heran wie früher Einsen für den Vater. Nur dass es in der Redaktion auch manchmal Anerkennung dafür gab. Und auch genau das Stück Despektierlichkeit, das ihr den Umgang mit Untergang und Verdammnis erträglicher machte. Martha, unsere Frau fürs Grobe, Martha, unsere Sozialtante. Solche Spötteleien waren wie geschaffen dafür, einer wie ihr die Schwere zu nehmen, sie zu bremsen in ihrem Impuls, die Welt retten zu wollen. Sie, die selbst dem Sog der Täler nicht immer entkommen war, fühlte sich denen, die darin versanken, verpflichtet. Auch wenn sie nichts aufhalten konnte mit ein paar Artikeln. Nicht den Selbsthass, nicht den Schnaps und schon gar nicht die in den Müll geworfenen Babys.

Im Renault war es immer noch still. Der Blick nach rechts und das Vorbeistreifen einer Zeit, die Martha rückblickend gern mit der gleichen Verklärung betrachtet hätte wie Pionierappelle, Maidemonstrationen und GOL-Sitzungen, wühlte sie auf. Würde sie Johanne bitten können, ans Steuer zu wechseln – kühnerweise auf dem Seitenstreifen? Wie aber die Schwester, die schon das Unterfrankieren eines Briefes zum Verbrechen erhob, für ein verbotenes Straßenmanöver gewinnen?

»Ich halte mal rechts.« Martha tastete aus dem Augenwinkel Johannes Gesicht nach einer Reaktion ab.

»Aber bitte mit Warnblinker, und lass uns im Auto bleiben, man sieht genug von hier.« Johanne schniefte und zog ihr Gequältengesicht, wie Martha es nannte, mit steiler Falte zwischen den Brauen und halb heruntergelassenen Lidern und Mundwinkeln. Sie mochte es nicht, dieses Gesicht, es war darauf angelegt, ihr ein schlechtes Gewissen zu machen, und das funktionierte immer noch gut. Zudem ließ es ihre ansonsten hübsche Schwester älter aussehen, als sie war. Genau wie die Haarfarbe, die ihr seit ihrer Jugend nicht auszureden war und die sie von vornherein als Ostfrau ausmachte – wenn man den Blick dafür hatte. Als hätte es schon früher eine geheime Absprache unter Frauen zwischen Ahlbeck und Zittau gegeben, hatten diese ihr Haar mit einer grellen Kastanientönung gefärbt, nur, um inmitten eines gräulichen Alltags mit ein bisschen Extravaganz auftrumpfen zu können. Wenigstens war Johanne anzurechnen, dass sie sich für Mähne anstatt für raspelkurz-asymmetrisch entschieden hatte, zumal das Kastanienrot, das an seiner Oberfläche blau und stählern schimmerte, sie ziemlich blass um die Nase erscheinen ließ und dieser Anblick bei Martha das Gefühl auslöste, als beiße sie mit einem plombierten Backenzahn auf Alufolie.

Den Renault zum Stehen gebracht, schälte sie sich – ohne die mögliche Nachfrage der Schwester abzuwarten – hinterm Lenkrad hervor. Nur noch acht Kilometer bis ans Wasser. Johanne, im Innern des Autos, beobachtete die Schwester beim Beobachten, und ihr fiel auf, dass Martha abgenommen hatte. Zwischen dem prallen Hinterteil, das ihr zeit ihres Lebens hinterhergewippt war, und der zumeist sehr engen Jeans, die es umspannte, war ein Hohlraum entstanden, offensichtlich, weil raumgreifendes Fett zurückgewichen war.

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Die Schwestern" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen






Teilen