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Die Rhinozerosjagd auf Java

Friedrich Gerstäcker

Die Rhinozerosjagd auf Java

Erzählung





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Die Rhinozerosjagd auf Java

 

Auf Mittwoch, den 3. Dezember, war meine Rhinozerosjagd festgesetzt, und da ich keine Vorbereitungen dazu nötig hatte, konnten wir an dem Morgen mit aller Bequemlichkeit früh aufbrechen. Ich konnte so wenige Menschen mitnehmen, als ich wollte, und nur einen musste ich haben, um mich zu den Stellen, wo sich die Rhinozerosse aufhielten und die ich sonst nur mit langem Herumsuchen hätte finden können, hinzuführen.

Da ich jedenfalls auch über Nacht ausbleiben wollte, beschloss ich also, zwei Begleiter mitgehen zu lassen, und zwar den einen, um unsere Lebensmittel zu tragen, da mein Führer, der gewissermaßen zu den Honoratioren zu gehören schien, ebenfalls eine Flinte – ein Doppelgewehr – mitnahm. Mit diesen beiden konnte ich dann auch machen, was ich wollte, konnte sie zurücklassen oder in eine andere Richtung schicken, und hatte nicht zu fürchten, dass sie mir durch ihr Geschrei die ganze Gegend in Alarm brächten.

Dass wir übrigens nur zu dritt gehen würden, darin hatte ich mich getäuscht und kannte doch noch die Landessitte zu wenig. Wo wäre es meinem Führer – der einen so verwünschten Namen hatte, dass ich ihn nie behalten konnte, und den ich deshalb Peter nannte – je eingefallen, seine Flinte selber zu tragen und dabei zu gleicher Zeit zu Pferd zu sitzen? Musste er ebenfalls nicht einen andern Kuli haben, der ihm seinen Reis nachtrug, und konnte dieser nicht auch möglicherweise etwas trockene Wäsche transportieren? – Gott bewahre – drei Menschen führte er, der zu meiner Bequemlichkeit mitgegeben war, zu seiner eigenen bei sich, und unserer sechs waren wir schon, ehe wir nur den Kampong verließen.

Ich wollte dagegen protestieren, er hatte aber so viel zu sagen und zu bemerken, dass ich ihn zuletzt gern gewähren ließ, nur, um Frieden zu haben; von der Jagd wollte ich mir die Kerle schon zurückhalten.

Unser Jagdzug galt diesmal dem nicht weit von dem Tancuban prau und etwas westlich von diesem gelegenen Berg Boerangeang, in dessen dichten Waldungen ein kleiner Bergsee nahe an fünftausend Fuß über der Meeresfläche liegen sollte, und gerade hier war der gute Jagdgrund für Rhinozerosse, da diese Tiere zu dem See kommen, um sich im Wasser desselben und in dem weichen, warmen Schlamm zu baden.

Es war ein wundervoller Morgen, und unser Ritt ging erst volle sechs Meilen durch die Kaffeegärten zu Lembang, die, von Dadapbäumen mit ihren herrlich roten Blüten überschattet, düster und schweigend dalagen. Lebende Wesen sahen wir aber keine, ein kleines Eichhörnchen ausgenommen, das uns neugierig zu betrachten schien, und nur an einer Stelle war eine Anzahl Arbeiter beschäftigt, die sich hier ihre kleinen, schwachen, mit Pisangblättern notdürftig und unvollkommen gedeckten Hütten aufgerichtet hatten, um die breiten, vortrefflich angelegten Wege vom Gras freizuhalten. Es schienen meistens Frauen und Kinder zu sein; als sie uns aber kommen sahen und dabei entdeckten, dass sich ein Europäer ihnen näherte, glitten sie wie scheue Rehe in die dichten Kaffeebüsche, und ich bekam nichts weiter von ihnen zu sehen.

Endlich erreichten wir bei einem kleinen Kampong, durch den das Wasser der von dem Berg kommenden Quellen hindurchgeleitet war, um einige schmale Reisfelder zu tränken, das Ende der Kaffeegärten und mit ihnen den wilden, freien, herrlichen Wald. Schon als wir noch die äußersten Grenzen der Kaffeepflanzung an unserer Linken hatten, riss sich rechts eine tiefe, gewaltige Schlucht ein, und die Farnpalmen schauten mit ihren langen, schlanken Hälsen wie vorsichtig aus dem Gebüsch heraus und an dem schroff einstürzenden, aber in seinen kleinsten Ritzen und Spalten dicht mit der üppigsten Vegetation bewachsenen Abgrund nieder.

Höher und höher in die Berge hinauf zogen wir, und es war jetzt nur noch ein schmaler, kleiner, oft überwachsener Pfad, dem wir folgten; wo ein Baum über ihn weggestürzt war, mussten wir uns eine neue Bahn durch das Dickicht hauen, und als wir die letzte Hütte, eine Art Vorposten menschlichen Wirkens, weit in die Wildnis hinausgerückt, hinter uns hatten, war es nur noch eine Art Wildpfad, oft nicht so breit wie eine Rhinozerosfährte, dem wir durch Gras und Dornen folgten.

Hier aber, wo die wirklich tropische Vegetation des niederen warmen Landes aufhörte, schuf sich die Natur wie zum Spiel eine ganz neue, in ihren tropischen Formen fast ebenso imposante Welt. Der Pohon paku, die Farnpalme, stand hier in dichten Gruppen, bis zu fünfunddreißig und vierzig Fuß ...

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