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Die Rache des Mercedariers

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Der junge Ritter Raimund Berengar von Elvaz kehrt nach drei Jahren vom Feldzug nach Ägypten zurück. Doch das Schloss seiner Väter ist eine Ruine, all seine Angehörigen sind tot. Ermodert von Jean von Montfort.

Doch Montfort der Jüngere, der Erbfeind seiner Familie, hat ebenfalls ein Schloss, ein Weib und Kinder. Und: Rache ist süß.“

In neuer deutscher Rechtschreibung und Korrektur gelesen.

1. Des Ritters Heimkehr

Die letzten Strahlen der untergehenden Sonne blitzten über den blauen Spiegel des Mittelländischen Meeres und funkelten in der eisernen Waffenrüstung eines Ritters, der längs der sandigen Küste Südfrankreichs seines Weges zog.

Ross und Reiter zeigten die Spuren einer langen, beschwerlichen Fahrt. Der weiße Mantel des noch jugendlichen Kriegers schien im Sturm und Wetter arg mitgenommen, die Spitze der Lanze, die am Sattelbügel zum Griff bereit aufrecht stand, war vom Regen gerostet, und der schwarze Rappe ließ müde seinen eisengepanzerten Kopf hängen.

So oft ein Windstoß den Mantel des Ritters etwas zurückwehte, sah man auf dem Brustharnisch ein rotes, gemaltes Kreuz hervorschimmern. Der Reiter war offenbar ein Kreuzfahrer, der von einem Zuge ins Land der Ungläubigen heimkehrte. Das zurückgeschlagene Visier zeigte ein frisches, sonngebräuntes Gesicht und zwei helle, scharfe Falkenaugen, die suchend die Gegend abstreiften und jetzt freudig aufleuchteten.

Da, an einer Wegkrümmung stand im Schatten einiger knorriger Olivenbäume ein Kapellchen, aus dessen offener Nische das Bild der schmerzhaften Mutter herabgrüßte. Der junge Ritter ließ sein Ross stehen, sprang herab, schritt mit klirrenden Sporen die Steinstufen hinauf und kniete vor dem Bilde nieder.

„Sei gegrüßt, Mutter der Gnade und Barmherzigkeit“, begann er zu beten. „Ich komme zurück von weiter Fahrt, von blutigen Kämpfen. Deinem Schutze danke ich’s, dass meine Augen die schöne Provence, mein Vaterland, wiederschauen. Hier war es, wo ich vor drei Jahren, da ich zum heiligen Kriege zog, mein letztes Gebet verrichtet und mein letztes Gelübde gemacht. Ich habe es nicht vergessen, gnädige Herrin. So du mich glücklich zurückführtest, gelobte ich, an diesem Orte eine Kirche oder ein Kloster zu bauen, wo arme Pilger Schutz und Obdach fänden. Und jährlich will ich, dein Ritter Raimund Berengar von Elvaz, einmal zu deinem Heiligtum ziehen und 33 Arme speisen zu Ehren des Lebens deines erbarmungsreichen göttlichen Sohnes. Ich werde das Gelöbnis halten, wenn ich heute mein Haus glücklich wiedersehe.“

So betete der junge Ritter. Er hatte Grund zu besonderem Danke. Mit der Blüte des französischen Adels war er vor drei Jahren unter Führung des heiligen Königs Ludwig ausgezogen. Aber der ruhmvoll begonnene Feldzug in Ägypten hatte ein trauriges Ende genommen. Die Niederlage von Massurah brachte den König und einen großen Teil des Heeres in die Gewalt des Feindes. Sie schmachteten in der Gefangenschaft, bis der König dem Emir das verlangte Lösegeld von 800000 Goldstücken bezahlt und ihm das eroberte Damiette als Pfand in der Hand gelassen hatte. So in Freiheit gesetzt, segelte Raimund von Elvaz über das Meer nach Italien und befand sich jetzt auf der Rückkehr in seine Heimat, einer von den wenigen, die sie wiedersahen.

Der Gedanke an das väterliche Schloss, das nicht mehr fern lag, ließ den jungen Ritter alle Leiden und Strapazen vergessen. Bald, so träumte er vor sich hin, würde er seinen edeln Vater, die Mutter und seine Schwester Bianka in die Arme schließen. An langen Winterabenden beim prasselnden Kaminfeuer wollte er von seinen Kämpfen und Abenteuern erzählen, dachte auch die Geschichte von Damiette nicht zu verschweigen, da er einer der Ersten gewesen, die von den Schiffen ins Meer gesprungen waren, um den König zu schützen, als dieser fast tollkühn dem am Strande aufgestellten Feinde sich entgegenwarf. Mutter und Schwester würden weinen, wenn sie von der schrecklichen Niederlage bei Massurah und den Leiden der Gefangenschaft vernähmen!

Weiter malte sich der heimkehrende Kreuzfahrer aus, wie alle in der Burg, vom alten Jacques, dem Turmwart, bis zum letzten Küchenjungen, den jungen Schlossherrn jubelnd willkommen heißen und selbst der treue Schlosshund ihn noch kennen und mit freudigem Gebell begrüßen würde.

Ein Lächeln zog bei diesen Gedanken über die Züge des jungen Ritters.

Inzwischen war die Sonne am Meeresrande niedergesunken; rasch brach die Nacht herein, und bereits stieg der blasse Mond am dunkelnden Himmel empor.

Der Reiter fasste die Zügel fester und sprach seinem Ross gut zu: „Halte dich, Tisonne, bald sind wir zu Hause, und du weißt, in Elvaz gibt’s einen guten Stall, und der alte Roland spart den Hafer nicht. Auf, mein Schatz!“

Gehorsam dem Zuruf seines Herrn, nahm der edle Rappe seine letzte Kraft zusammen und fiel in Trab längs einer dunkelnden Straße, die hier der kleinen Einbuchtung des Meeres folgte.

Nach einem halbstündigen Ritt sah man rechts von einem Hügel herab die Umrisse einer hohen Burg deutlich vom dämmernden Nachthimmel sich abheben.

Das Herz des Ritters schlug vor freudiger Erregung. Aber seltsam, nirgends flimmerte ein Licht in den Fenstern des Schlosses. Wie ausgestorben lag es da.

»Sie werden wohl alle in der hinteren Halle des Palas versammelt sein“, sagte sich der Kreuzfahrer. „Dort ist gewiss mein Vater und spielt Schach mit dem Burgkaplan. Mutter und Schwester sitzen mit ihrer Stickarbeit dabei. Das Gesinde wird im unteren Gelasse sein. Muss doch den alten Jacques oben auf dem Bergfried aus seinen Träumen wecken.“

Damit griff der Ritter zu dem versilberten Hifthorn, das an seinem Gürtel hing, setzte es an seine Lippen und gab das Zeichen, das er ehemals bei der Rückkehr von der Jagd so oft geblasen hatte. Weithin schmetterten die hellen Töne durch die stille Nachtluft und weckten das Echo der nahen Felsen und Hügel. Der Bläser lauschte. Keine Antwort. Er wiederholte das Hornsignal noch zweimal. Alles blieb still, und das Schloss schaute in düsterem Schweigen auf den späten Wanderer herab.

»Was mag los sein?“, murmelte er besorgt und schlug den Seitenweg ein, der in weiten Krümmungen zur Burg hinaufführte. Bald stand das schnaubende Ross vor der Schlossbrücke. Ringsum Totenstille und Finsternis. Und sonderbar, die Zugbrücke, die über den tiefen Graben führte und die sonst stets nach Sonnenuntergang aufgezogen wurde, war herabgelassen. Wieder setzte der Ritter sein Horn an die Lippen und weckte das laute Echo der hohen Mauern und Zinnen. Es war die einzige Antwort.

Unruhig trabte der junge Schlossherr über die Brücke; er fand das schwere Falltor aufgezogen, aber nirgends die Spur eines Menschen, und er lauschte umsonst nach dem so wohlvertrauten schweren Schritt der Burgwache auf den Basteien.

„Jacques, Roland, Colas“, schrie er aufgeregt in das finstere Gelass der Torhüter hinein. Der Ruf verklang wie in einem Grabgewölbe.

Ein tödlicher Schrecken erfasste den Ritter. Er sprang mit einem Satz vom Pferde und schritt tastend nach dem inneren Hofraum. Da stolperte er über einen wirren Steinhaufen.

„Mein Gott“, entfuhr es ihm, „was ist das?“ Der nächste Augenblick gab ihm die schreckliche Antwort. Eben trat der Mond aus den Wolken und warf seinen Schein auf Mauern und Zinnen. Ein Blick zeigte dem Erschreckten alles: Das Schloss seiner Väter war eine Ruine, das Dach eingestürzt, die brandgeschwärzten Mauern zum Teil geborsten, die hohen Fensterbogen ihrer Füllung beraubt, der ganze Hofraum voll von wirr durcheinanderliegenden Mauerresten, Möbelstücken, zerrissenen Wandbehängen, halbverkohlten Balken.

Ein geller Schrei entfuhr den Lippen des jungen Ritters. Dann setzte er in wilden Sprüngen über die Trümmer und rannte die Treppe hinauf, die zum Waffensaale führte. „Vater, Mutter, Schwester“, schrie er, „wo seid ihr? Um Gottes willen, wo seid ihr?“

Da antwortete aus der dunklen Ecke hervor ein dumpfes, unverständliches Gemurmel.

Der Ritter fuhr zusammen. „Wer ist da? Wer immer du seist, sag mir, was ist hier geschehen?“

Im Finstern tappend ging er auf die Ecke zu und stieß an einen vorgestreckten Arm. Er fasste ihn mit eisernem Griff und zerrte den Unbekannten heftig nach einer Fensternische, durch die der Mond schien. In seinem fahlen Lichte sah er jetzt einen breitschultrigen Mann vor sich stehen mit struppigem Bart und Haar und einem Wams aus zottigen Ziegenfellen.

„Jacques“, rief der Ritter, „bist du es?“

„Ja, mein Herr und Gebieter, ich bin es, der alte Jacques.“ Der Mann ließ sich auf ein Knie nieder und küsste ehrfurchtsvoll die geharnischte Hand. Dann packte es den Alten. Krampfhaft schluchzte er.

Sein junger Herr hob ihn auf und sagte: „Um Gottes willen, Jacques, sprich, was ist hier geschehen? Wo ist mein Vater, meine Mutter und Schwester?“

„Herr Raimund, fasst Euch!“

„Sag alles, Jacques. Ich sah genug, um auf das Schlimmste gefasst zu sein.“

„Gut denn: Euer Vater und Eure Mutter, die gnädige Herrin, und das Edelfräulein, Eure Schwester, sind tot und liegen in der Gruft drüben in der verfallenen Kapelle.“

„Mein Gott!“, rief der Ritter und verbarg sein Gesicht.

„Tot sind sie“, wiederholte der alte Mann, „ermordet!“

Die weit aufgerissenen Augen des Gepanzerten verengten sich zu schmalen Schlitzen, seine Züge wurden hart, und er flüsterte kaum vernehmbar: „Das war Jean von Montfort.“

„Ja, Herr, der war’s. Hört, wie es gegangen ist. Als die Kunde von dem unglücklichen Tage in Massurah zu uns gelangte, da fürchteten viele, auch Ihr wäret unter den Gefallenen. Die Eurigen weinten, aber gaben die Hoffnung noch nicht auf. Montfort, der alte Erbfeind Eures Hauses, der längst nach einer Gelegenheit ausgespäht, sich an Elvaz zu rächen, glaubte sichere Kunde zu haben, dass Ihr tot und Eure Rückkehr nicht zu fürchten sei. In einer dunklen Nacht – es ist jetzt fast ein Jahr her – überfiel Jean, der jüngere Montfort, unversehens unsere Burg. Sie drangen auf Leitern in den hinteren Schlosshof und machten die Wache nieder. Als ich das Alarmzeichen gab, war’s schon zu spät. Wir, Euer Vater an der Spitze, schlugen uns verzweifelt; aber wir standen einer gegen zehn. Auf der Wendeltreppe, die zur Kemenate Eurer Mutter, der gnädigen Herrin, und Eurer Schwester führte und die Euer Vater mit seinen wackersten Streitern verteidigte, schlug Montfort mit der Streitaxt ihn nieder. Das Edelfräulein, das, erschreckt über den Tumult, aus ihrem Gemache trat, fiel, von einem Pfeil ins Herz getroffen; Eure Mutter starb vor Schreck und Schmerz über den Tod der Ihrigen.

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