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Die Hexenagentur

Aufregung im Lilienland

Im Lilienland herrschte tiefe Nacht.

Überall schliefen die Zauberer und Hexen, die Trolls und die Elfen.

In den Bergen und Wäldern, an den Seen und Teichen rührte sich nichts.

Alles lag in tiefem Schlaf – bis auf eine Ausnahme.

Im Tränenwald wurde Gericht gehalten.

Das geschah nicht oft, denn die Bewohner des Lilienlandes lebten sehr friedlich zusammen und bis auf kleinere Streitigkeiten kam selten etwas vor. Doch heute Abend war in einer Lichtung des Tränenwaldes mächtig was los.

Aus der näheren und weiteren Umgebung waren zahlreiche Gestalten gekommen: Grottenhüpfer und Weiherelfen, Duftdrachen und Rumpelriesen.

Sie alle saßen im weiten Rund der Lichtung, die zu den Seiten hin steil anstieg.

Es war ein einziges Geschnatter und Geplappere. Alle redeten durcheinander.

Über drei Lichthexen sollte geurteilt werden. Lix, Trix und Xina hatten eine schlimme Verfehlung begangen. Viele Gestalten aus dem Publikum kannten die drei Hexen und waren gespannt wie ein Flitzebogen.

Mit einem Mal verstummte jedoch das Gerede, denn die Mitglieder des Hohen Rates traten in die Mitte der Lichtung.

Es waren Torkun, der Vorsitzende des Hohen Rates, eine große, hagere Gestalt in einem nachtblauen Umhang, dann Gandor, ein kleiner Mann mit einer schwarzen Hornbrille, der eine große Würde ausstrahlte, Maffin, eine Lufthexe in weiten Kleidern und Asmar und Barunde, zwei zerbrechliche Wesen aus dem Reich des klaren Glases, die sich an den Händen hielten.

Alle fünf setzten sich auf die Sessel in der Mitte der Lichtung.

Torkun erhob sich gleich wieder mit einer würdevollen Bewegung, stieß mit seinem elfenbeinernen Stab sachte auf die Erde und begann zu sprechen:

"Bewohner des Tränenwaldes, Bewohner des Lilienlandes! Nicht oft geschieht es, dass der Hohe Rat zusammengerufen wird. Leider ist es diesmal kein Grund zur Freude, der uns zusammengebracht hat. Umso wichtiger ist es, dass ihr, die Bewohner des Lilienlandes, hier erschienen seid, um Zeugnis abzulegen über die Versammlung des Hohen Rates. Nicht unmittelbar drohende Gefahr ist es, sondern eine ernste Verfehlung, über die heute zu entscheiden ist. Und diese Verfehlung könnte auch unser Land über kurz oder lang in sehr ernste Schwierigkeiten bringen, ja sogar in seiner gesamten Existenz bedrohen."

An dieser Stelle ging wieder ein Raunen durch die Ränge, dem Torkun jedoch mit einer Handbewegung und neuerlichem, sachtem Klopfen mit seinem Stab schnell Einhalt gebot.

"Ja, eine ernste Verfehlung", fuhr Torkun fort, "denn ihr wisst: Ihr und alle Bewohner des Lilienlandes habt nahezu jede Freiheit, zu tun und zu lassen, was euch beliebt, außer zweierlei Dingen", und hier hob Torkun seinen knochigen Zeigefinger, "ihr dürft anderen keinen Schaden zufügen und: Ihr dürft den innersten Zirkel nicht betreten!"

Hier entstand nun so viel Bewegung im Rund der Zuschauer, dass Torkun erst nach mehreren energischen Stößen mit seinem Stab soweit Ruhe hergestellt hatte, dass er weitersprechen konnte.

"Ihr wisst, dass sich der Innerste Zirkel tief im schlohweißen Gebirge befindet und ich weiß, dass viele von euch gar nichts Näheres darüber wissen wollen und das ist gut so. Ihr wisst auch, dass der Innerste Zirkel von mehreren Hundertschaften Rumpelriesen bewacht werden, denen ich an dieser Stelle für ihre aufopferungsvolle Tätigkeit ausdrücklich danken möchte."

Die anwesenden Rumpelriesen rumpelten dankend in ihre nicht vorhandenen Bärte, einige hoben ihren Krug voll Met, wurden aber sofort von ihren Kameraden leicht angerumpelt, denn dies war nicht unbedingt die angemessene Geste. Torkun strich sich durch seinen langen Bart, dann sprach er weiter.

"Umso schlimmer ... umso schlimmer ist es, dass drei von euch tief bis in den Innersten Zirkel vorgedrungen sind, ja sogar bis in die Nähe des Kelchs des Lebens gelangten." Donnernd stieß er auf den Boden, um den Wogen der Entrüstung Herr zu werden.

"Doch es soll keine Anklage ohne Angeklagte stattfinden." Hierbei stieß er in gemessenem Abstand dreimal hintereinander auf den Boden.

Sofort hörte man einige Bewegung außerhalb des Runds, das von einem leichten Schnarren begleitet wurde. Durch die Reihen sah man einen sogenannten Schnurrdachs, der auf zwei Beinen lief und ständig ein Schnurren von sich gab. Schnurrdachse waren für ihre etwas beschränkte Ordnungsliebe bekannt und wurden deshalb immer als Gerichtsdiener eingesetzt. Hinter ihm folgten drei Frauen in verschiedenfarbigen Kleidern. Lix, die Älteste, hatte ihre dunklen Haare hinten zu einem Knoten zusammengebunden. Sie hatte ein von vielen Falten durchzogenes, aber sehr gleichmäßiges Gesicht mit einem energischen Mund. Stolz und aufrecht ging sie mit geradem Blick durch die Reihen der Zuschauer, die wütend zu zischen begannen. Hinter ihr folgte Trix, eine Frau mittleren Alters mit einem herzförmigen Gesicht, die ihre gelockten, brünetten Haare offen trug und durch eine kleine, kreisrunde Brille etwas verhuscht ab und zu nach links und nach rechts zu den Zuschauern guckte. Als letzte schließlich ging Xina, eine ganz junge Frau, die für Hexenbegriffe den Kinderschuhen gerade erst entwachsen war und die den hübschen Kopf mit den kurzen, blonden Haaren gesenkt trug. Den Abschluss bildete wieder ein Schnurrdachs, der ständig aufmerksam den Kopf hin und her ruckte, ob auch niemand aus der Reihe tanzte. Die drei Frauen stellten sich unter dem allgemeinen Gezische vor dem Hohen Rat auf.

Torkun vollführte mit unbewegtem Gesicht eine kreisrunde Geste mit seiner rechten Hand.

"Es handelt sich, wie ihr alle erkennen könnt, um drei Lichthexen!"

Er zeigte auf die drei: "Lix, Trix und Xina! Lichthexen aus dem Grünen Moor! Ihr habt euch eines schweren Vergehens schuldig gemacht. Ihr seid in den Innersten Zirkel vorgedrungen."

"Aber ich wollte doch nur helfen!", rief Xina. "Ich ..."

"Schweig!", herrschte Torkun sie an. "Du redest nur, wenn du gefragt wirst. Ähm ... Warum bist du denn in den Innersten Zirkel vorgedrungen?"

"Der alte Knochen", knurrte Lix leise. "Der weiß auch nicht, was er will."

"Ich habe ein jämmerliches Wimmern gehört. Wir haben sehr feine Ohren, musst du wissen. Wir hören so gut wie alles. Im Gegensatz zu manchen anderen Gestalten." Hierbei dreht Xina sich etwas verächtlich zu den Rumpelriesen um, die vom mitgebrachten Met schon ziemlich beduselt auf ihren Plätzen saßen.

"Und es war so ein herzzerreißendes Wimmern, da konnte ich doch nicht einfach ..."

"Warum hieltest du dich denn überhaupt dort auf?", fragte Gandor und rückte seine schwarze Hornbrille zurecht. "Soweit ich weiß, befindet sich das Revier der Lichthexen nicht gerade im Schlohweißen Gebirge."

Xina senkte den Kopf.

"Nun, wir hatten doch gerade meinen ersten Besen aus dem Wandernden Wald geholt. Nur dort wachsen die richtigen Stämme und nur dort gibt es Rudolf, den Reisigmacher."

"Das weiß ich, dass im Wandernden Wald fliegende Besen hergestellt werden", sagte Gandor scharf.

Xina senkte den Kopf noch tiefer.

"Dachtest du dir, du machst auf deinem ersten Flug mal eine kleine Extratour?" Gandors Augen blinzelten wütend hinter den großen Gläsern.

"Ihr wart auch mal jung, Gandor", sagte Lix, um Xina etwas in Schutz zu nehmen und blickte Gandor direkt an. "Ich erinnere nur daran, dass Ihr Torkun in jungen Jahren zur allgemeinen Belustigung eine Fuchsrute angehext habt."

Vereinzelt hörte man ein Kichern aus dem Publikum.

"Ein kleiner Scherz", erwiderte Gandor und sah etwas betreten zu Torkun hinüber. "Torkun brauchte nicht lange und er hatte ihn wieder weggehext."

"Nun denn, es ist euch also nicht unbekannt, dass man in jungen Jahren dazu neigt, einmal über die Stränge zu schlagen."

"Das Ganze wäre auch nicht weiter schlimm gewesen, wenn der Besen nicht mit ihr durchgegangen wäre", ließ Trix sich vernehmen. "Xina wollte ja nur eine kleine Runde drehen, nicht wahr?"

Xina nickte verhalten und schwieg.

"Wir hatten sie so gut wie eingeholt, um sie auf den rechten Weg zurückzubringen, da gingen mit dem Besen alle Gäule durch."

"Es war furchtbar", sagte Xina leise. "Ich hatte noch nie so eine Angst."

"Ganz recht, und wir mussten alles geben, um an ihr dran zu bleiben", sagte Trix und blickte von einem Mitglied des Hohen Rates zum anderen.

"Und als ihr Besen sich dann endlich ausgetobt hatte, da hörten wir tatsächlich alle drei dieses entsetzliche Wimmern. Kein Mensch, und erst recht keine Lichthexe, konnte da so herzlos sein und das arme Geschöpf, das um Hilfe schrie, sich selbst überlassen. Wir mussten einfach sehen, wer sich dort in Gefahr befand. Nach einigem Suchen haben wir dann schließlich ein junges Seidenreh entdeckt, dass in der Nähe der dunklen Höhle in eine Felsspalte gestürzt war. Wir hatten einige Mühe, es zu befreien, doch wir konnten es dann glücklich nach Hause bringen und dort wieder gesund pflegen."

Aus den oberen Rängen hörte man ein unterdrücktes Schluchzen, das aber sofort von ärgerlichem Rumpeln einige Sitze tiefer übertönt wurde.

"Unter normalen Umständen hättet ihr recht gehandelt", ließ sich nun Asmar mit weicher, klarer Stimme vernehmen, "doch im Innersten Zirkel gelten andere Gesetze."

" Das Gefährliche an eurem Verhalten war, dass ihr unter Umständen dunkle Gestalten, die immer auf Beute lauern, auf eure Spur hättet locken können und somit zum Kelch des Lebens hättet führen können. Er ist durch viele Fallen und magische Formeln geschützt und sollte so unberührt wie möglich bleiben. Wenn der Kelch des Lebens entwendet würde, wäre das eine Katastrophe für unser Reich", führte Maffin, die Lufthexe, weiter aus.

"Ganz recht", sagte Torkun mit strenger Stimme. "Dieser Bereich darf unter keinen Umständen von Bewohnern des Lilienlandes betreten werden und wenn sich ein Tier dorthin verirrt und verunglückt, so ist es ein grausames Los, doch ein Schicksal der Natur, wie es tausendfach vorkommt und hingenommen werden muss. Ich will gar nicht erst erwähnen, wie nah ihr euch am Kelch des Lebens befunden habt, doch ich sage nur eins: Dieses Vergehen muss geahndet werden!"

"Alter Klugschwätzer", flüsterte Lix erbost.

"Um ein angemessenes Urteil zu finden, werden sich die Mitglieder des Hohen Rates nun zur Beratung zurückziehen."

Alle fünf erhoben sich und gingen durch die Reihen nach draußen.

Lix, Trix und Xina blieben im Rund zurück, überflüssigerweise bewacht von den zwei Schnurrdachsen, die voller Eifer und schnurrend hierhin und dahin liefen, ihre schmalen Nasen ständig in die Luft gereckt, damit ihnen auch ja nichts entging. Unter den Zuschauern machte sich nach der anstrengenden Verhandlung wohlige Entspannung breit. Man war gespannt, wie die fünf entscheiden würden und diskutierte angeregt die möglichen Urteile. Die Eisechsen hatten alle Klauen voll zu tun und flitzten zwischen den Reihen hin und her.

"Na, ihr drei", rief ein Erdmiesling hämisch, "habt euch wohl verkalkuliert mit eurer Rettungsaktion? Ist wohl ein bisschen zu schnell geflogen, der Besen, was?"

"Na, dich würden wir bestimmt nicht retten", gab Lix zurück. "Selbst wenn du uns deine ganzen Runkelrübenvorräte dafür bieten würdest."

Gelächter machte sich breit, denn Erdmieslinge horteten das ganze Jahr über Runkelrüben und hielten sie für das Wertvollste auf der Welt, waren aber ziemlich allein mit dieser Ansicht.

Lix drehte sich wieder zu den beiden anderen um: "Ich wette, dass Torkun dafür sorgen wird, dass wir eine ordentliche Strafe aufgebrummt bekommen. Wenn er nicht dabei wäre, kämen wir vielleicht mit einer Verwarnung davon. Aber wenn er schon mal die Gelegenheit zu einem großen Auftritt hat, wird er sie auch nutzen. Davon bin ich überzeugt."

"Vielleicht werden Asmar und Barunde für uns eintreten", meinte Trix.

"Sie sind in solchen Situationen immer sehr nachsichtig."

"Es ist mir egal, wie sie entscheiden", meinte Xina. "Hauptsache, sie entscheiden endlich. Mir ist schon ganz schlecht vor Aufregung."

"Keine Sorge, sie sind mit ihrer Beratung fertig", sagte Trix. Lix wandte den Blick zum Eingang. Torkun führte wiederum die kleine Prozession an, die im Gänsemarsch in das innere Rund zurückkehrte. Gespannte Stille trat ein.

Torkun ergriff das Wort: "Nach eingehender Beratung sind wir zu folgendem Urteil gekommen: Da der heiligste Bereich unseres Reiches entweiht wurde und der magische Bezirk des Kelchs des Lebens gestört wurde, müssen die drei dafür verantwortlichen Lichthexen zur Verantwortung gezogen werden. Das Urteil für Lix, Trix und Xina lautet folgendermaßen: Die drei werden solange in das Menschenreich verbannt, bis sie dort durch entsprechende Taten ihren guten Ruf als Lichthexen wiederhergestellt haben. Da sie Lichthexen sind, gilt das Gebot, dass sie, wie auch schon hier im Lilienland, so auch im Menschenreich niemals für sich selbst, sondern nur für andere Wesen hexen dürfen. Wir werden uns regelmäßig über ihr Ergehen informieren. Amashi sei mit euch."

"Ins Menschenreich", stöhnte Lix. "Na Prost Mahlzeit."

Torkun schwenkte seinen elfenbeinernen Stab über den Köpfen der drei, murmelte einige Worte und dann gab es einen lauten Knall.

Die drei Lichthexen waren verschwunden.

Eine Ankunft mit viel Arbeit und eine tolle Idee

 

Ein rauer Wind wehte über das Feld. Lix, Trix und Xina lagen inmitten von wogendem Weizen. Trix rieb sich stöhnend den Kopf und auch die anderen beiden richteten sich etwas schwindelig geworden auf.

"Immer dasselbe, wenn man verzaubert wird", ächzte Lix und ordnete ihre Röcke. Xina bekrabbelte sich als erste der drei, stand auf und blickte über den Weizen hinweg.

"Keine Hexen-, pardon Menschenseele zu sehen", verkündete sie. "Nur ganz dahinten, da steht ein Haus."

Trix kam ebenfalls auf die Beine und blickte über ihre Schulter in dieselbe Richtung.

"Das muss ein Bauernhof sein."

"Kinder, helft mir hoch. Mit meinen 228 Jahren brauche ich etwas Hilfe." Lix streckte ihnen ihre Hände entgegen und gemeinsam zogen sie sie auf die Füße.

Nachdem sie einmal rundum geblickt hatten, jedoch bis auf den einen Bauernhof nur Weizen, Pappeln, Eschen und noch einmal Weizen gesehen hatten, entschied Lix: "Wir marschieren in Richtung Bauernhof."

Xina ging voraus und teilte mit ihren Händen die Weizenähren. Nach etwa hundert Metern gelangten sie auf einen Feldweg, der genug Platz bot, um hintereinander darauf entlangzutippeln. Einmal sahen sie ein Auto auf einer Landstraße weit hinten am Horizont entlangfahren.

"Das ist ein Automobil", meinte Trix.

"Ein Was ...?", fragte Xina etwas verängstigt.

"Ein Automobil", wiederholte Trix geduldig. "Du wirst schon noch sehen, was es damit auf sich hat."

"Die Menschenwelt hält noch so manche Überraschung für dich parat. Verlass dich drauf", ließ sich Lix von hinten vernehmen.

Sie stapften weiter. Vereinzelt fielen einige Regentropfen und nach etwa einer Viertelstunde erreichten sie bei hereinbrechender Dunkelheit den kleinen Hof, der aus einem mit roten Pfannen bedeckten Haus und einer schindelgedeckten Scheune bestand. Ein Hund schlug an.

"Wir sollten fragen, ob wir auf dem Hof übernachten dürfen. Wir brauchen für die Nacht ein Dach über dem Kopf", meinte Lix.

"Zu fragen wäre nicht verkehrt. Besser als mitten in der Nacht entdeckt und wieder nach draußen gejagt zu werden", sagte Trix.

Vorsichtig schritten sie an der Umzäunung entlang und bogen schließlich auf den Kiesweg ein, der zur Eingangstür führte. Der Hund bellte lauter und wütender. Innen hörte man Stimmen und gerade als sie die Stufen zum Eingang hinaufgingen, öffnete sich die Tür. Ein vierschrötiges, leicht gerötetes Gesicht erschien und guckte misstrauisch nach draußen.

"Entschuldigen Sie bitte vielmals", sagte Trix höflich, "wir sind auf der Durchreise und bräuchten für eine Nacht eine Unterkunft und ..."

Hinter dem Bauern erschien eine Frau in einem bunt geblümten Kittel.

"Kommt rein, ich habe gerade eine große Kanne Tee gemacht", sagte sie ohne Umschweife. "Wenn ihr für die Nacht mit einem Platz unterm Dach zufrieden seid, könnt ihr gerne hierbleiben."

Ohne ein Wort zu sagen, gab der Mann die Tür frei und verschwand im Flur.

"Kommt nur rein, Hermann ist kein Freund der großen Worte", meinte die Bäuerin und hielt die Tür auf. Die drei traten in den Flur. Angenehme Wärme schlug ihnen entgegen. Ein braun gefleckter Jagdhund kam auf sie zu und schnüffelte neugierig an ihren Röcken. Linker Hand ging es in die Küche, wo auf einem altmodischen Gasherd ein großer Metallkessel stand. In einer gelben Kanne zog ein Tee, der aromatisch nach Vanille duftete.

"Setzt euch", sagte die Bäuerin und deutete auf einen großen Küchentisch, um den eine Eckbank und mehrere Stühle standen. Die drei setzten sich dankbar hin. Der Jagdhund machte es sich auf seiner Matte, die neben dem Tisch stand, bequem.

"Marthe ist übrigens mein Name", stellte sich die Bäuerin vor, während sie den dreien Tee eingoss.

"Oh, dies ist Lix, dies ist Xina und mein Name ist Trix", beeilte sich Trix zu sagen.

"Hübsche Namen", meinte Marthe. "Aber habt ihr überhaupt kein Gepäck dabei?"

"Ähm ... das ..." machte Trix.

"Das haben wir in der Stadt gelassen", sagte Lix. "Am Bahnhof. Wir ... wir wollten nur einen kleinen Spaziergang machen und haben uns etwas verlaufen."

"Na, da habt ihr euch aber mächtig verlaufen", sagte Marthe und nahm einen großen Schluck aus ihrer Teetasse. "Wo wollt ihr denn überhaupt hin?"

"Tja", meinte Trix, "eigentlich ... suchen wir Arbeit."

"Arbeit. Arbeit haben wir hier auf dem Hof genug. Wenn ihr mit Essen und Unterkunft und etwas Geld einverstanden seid, könnt ihr bei uns helfen."

"Das wäre doch ein Anfang", meinte Lix. Trix und Xina nickten etwas verhalten.

Sie saßen noch etwas zusammen und plauderten über dies und das, bis es Zeit war, ins Bett zu gehen. Marthe zeigte ihnen unter dem Dach eine Kammer, in der ein großes Doppelbett stand.

"Wenn ihr euch schmal macht, passt ihr ohne weiteres zu dritt dort hinein", meinte sie. "Ansonsten wünsche ich euch eine gute Nacht."

Die drei wünschten dies ebenfalls - Xina verkniff sich gerade noch ein "Amashi sei mit dir" - und warteten, bis sich die Tür geschlossen hatte. Sofort hockten sie sich auf das Bett und hielten Kriegsrat.

"Was zum Teufel ist arbeiten?", legte Xina sofort los.

"Arbeiten, arbeiten, wie soll ich dir das erklären?", antwortete Trix. "Schuften, plockern, den Rücken krumm machen. Arbeiten halt. Du wirst es morgen schon noch erfahren."

"Fragt sich nur, wie lange wir hier bleiben. Ich hoffe, der Alte kommt nicht auf die Idee und informiert die Polizei", sagte Lix. "Polizei ist so eine Art Schnurrdachs", setzte sie sofort hinzu, als sie Xinas fragenden Gesichtsausdruck sah.

"Ich glaube nicht, dass er das tut. Obwohl er keinen Ton gesagt hat, ist er kein schlechter Bursche", meinte Trix. "Und selbst wenn, befänden wir uns in einem Notfall und dann wäre Hexen erlaubt."

Sie kicherte etwas, weil sie sich ausmalte, was sie dann alles anstellen würde.

"Das Beste wäre, wenn wir uns jetzt schlafen legen. Morgen wird ein anstrengender Tag", beschloss Lix.

Mit den Worten "So viel Hexerei muss sein" schnippte sie mit den Fingern, um das Licht zu löschen und schon bald lagen die drei in tiefem Schlaf.

 

 

 

Heftig polterte es gegen die weiße Holztür der Kammer.

"Aufstehen, ihr drei! Es wartet eine Menge Arbeit auf euch", rief Hermann vom Flur aus.

"Meine Güte", sagte Xina im Halbschlaf, "ich habe doch gerade erst die Augen zugemacht. Es ist doch noch mitten in der Nacht."

"Bauern stehen früh auf", meinte Trix und rieb sich die Augen.

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