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Die Handgranate Gottes (Ein Dämonenjäger Murphy Roman)

Malte S. Sembten

Die Handgranate Gottes (Ein Dämonenjäger Murphy Roman)

Horror





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Zu Anfang

Malte S. Sembten

 

Die Handgranate Gottes

oder:

Murphy und die Diskette des Marquis de Sade

 

 

 

herausgegeben von Jörg Martin Munsonius

www.edition-baerenklau.de

Anregungen, Wünsche und Nachfragen richten sie bitte an den Verlag unter www.ed.b@arcor.de

©, 2013 des Romans „Die Handgranate Gottes oder Murphy und die Diskette des Marquis de Sade“ by Malte S.Sembten

©, Cover 2013 by Malte S.Sembten (www.mssembten.de)

Vertrieb im Internet:

Ein CassiopeiaPress E-Book

©, der Digitalausgabe 2013 by Alfred Bekker/CassiopeiaPress

www.AlfredBekker.de

 

 

Vorbemerkung des Verfassers

 

Wer ist ›Murphy‹?

Der Dämonenjäger David Murphy wurde vor achtzehn Jahren von Al Wallon und Marten Munsonius in der Tradition der Serien-Helden aus Heftromanen ins Leben gerufen. So weit ich mich erinnere, las ich das erste von ihnen verfasste Murphy-Abenteuer mit dem Titel Das Geheimnis des Rummels, den es nicht gab (oder einen Auszug daraus) in dem Horror-Fanzine Screem. Als die beiden Autoren verschiedene Kollegen aus der Fanschreiber-Szene einluden, sich an der Serie zu beteiligen, machte ich mit. 1999 druckte der Blitz Verlag einen fetten Sammelband mit Murphy-Geschichten verschiedener Verfasser. Mein Kurzroman war die Titelgeschichte.

Die Handgranate Gottes schließt lose an den Rummel, den es nicht gab an. Die Murphy-Erfinder ließen den Gastautoren viel Freiheit im Umgang mit der Figur und dem Rahmen der Serie, und das habe ich weidlich ausgenutzt.

Schon der Untertitel des Opus – Murphy und die Diskette des Marquis de Sade – deutet erstens das Alter der Geschichte an (wer weiß heute noch, dass Personalcomputer einmal Schlitze für 3,5-Zoll-Plastikdisketten besaßen?) und zweitens, dass ich zwinkernden Auges an die Sache heranging.

Anders gesagt: Als ich diese Eskapade zu Papier brachte, war meine Muse ›off duty‹, beschwipst und nur noch leicht bekleidet.

Daher war ich skeptisch, als Jörg (Marten) Munsonius mich fragte, ob ich an einer Wiederveröffentlichung der Handgranate als E-Buch interessiert sei. Falls ein solches Frühwerk überhaupt noch lesbar wäre, so fürchtete ich, dann nur nach umfangreicher Überarbeitung, die ich aber in eine uralte Fingerübung nicht investieren wollte. Mit einem mulmigen Gefühl las ich die alte Textdatei am Monitor … und staunte: denn was ich las, gefiel mir besser als erwartet, ja das erneute Eintauchen in die Geschichte machte mir richtig Spaß!

Geändert habe ich nichts, nur den Sprachstil hie und da ein wenig aufpoliert und den Wildwuchs an Motto-Zitaten ausgedünnt.

Möge der geneigte Handgranaten-Erstleser sich ebenso gut amüsieren wie ich es beim Wiederlesen tat!

Malte S. Sembten

Juli 2013

Marrak zugeeignet

Teil 1: Die Handgranate Gottes

 

 

Lasst uns also, meine Kinder,

dem Laster frönen!

de Sade: ›La nouvelle Justine‹

 

Die Frauen wissen nicht,

wie sehr Lüsternheit sie verschönt.

de Sade

 

 

Kapitel 1

 

Der Donnerstagabend brachte Abwechslung in die Woche der Longmans. Dann pflegte der Rechtsanwalt Andy Longman einen Vortrag im Lions Club zu hören und seine Frau Cora versuchte beim Bingo-Abend, ein Heizkissen oder einen tiefgefrorenen Truthahn zu gewinnen.

Für die dreizehnjährige Lisa Brennan hingegen verlief der Donnerstagabend eher langweilig. Während die Longmans sich vergnügten, spielte sie, um sich pro Abend fünfzehn Dollar zu verdienen, den Babysitter für den fünfjährigen Andy Longman Jr. Der einzige Pluspunkt neben den fünfzehn Dollar war, dass sie den ganzen Abend lang freien Zugang zum Kühlschrank und zum Telefon der Familie genoss.

Sie traf immer um Viertel nach Sieben ein, kurz bevor Mr. und Mrs. Longman das Haus verließen. Andy Jr. lag zu diesem Zeitpunkt schon im Bett, war aber alles andere als schläfrig. Er gab Lisa nicht frei, bevor sie eine halbe Stunde lang Star Ranger-Comics mit ihm gelesen hatte. Oder er nötigte sie, in seiner Gesellschaft auf dem leiernden Fisher Price-Rekorder Witzkassetten anzuhören. Hatte sie Andy Jr. endlich so lange bespaßt, bis er schlief, verließ sie ihn auf Zehenspitzen, nicht ohne die Tür spaltbreit offen zu lassen, damit ein Streifen Flurlicht ins Schlafzimmer fiel. Anschließend holte sie in der Küche eine Schachtel Eiskonfekt aus dem Kühlschrank und zog sich ins Wohnzimmer zurück, wo sie den Fernseher einschaltete und sich durch das Abendprogramm zappte.

Dann kam der Abend, an dem die allwöchentliche Routine eine spannende Abwechslung erfuhr.

Beim Stöbern im Bücherschrank der Wohnstube entdeckte Lisa in zweiter Reihe einen laufenden Meter unbeschrifteter Videokassetten. Es handelte sich um die ›private‹ Videosammlung des Ehepaars Longman. Und sie versprach ein verbotenes Vergnügen, das nur eine sehr selbstsüchtige Person für sich allein genossen hätte. Daher beschloss Lisa, es mit ihrer besten Freundin Suzanna zu teilen. Lisa war stolz auf Suzannas Freundschaft. Immerhin war Suzanna fast drei Jahre älter als sie, verfügte bereits über einen ansehnlichen Busen und war der Star der feuchten Träume aller Highschool-Boys.

Es war schon nach neun Uhr abends. Lisa hatte diesmal mehr Mühe als sonst damit gehabt, Klein-Andy zum Einschlafen zu bringen. Lisa rief ihre Freundin an, und eine Viertelstunde später klopfte Suzanna an die Verandatür der Longmans.

Lisa hatte Eispralinen und Trinkjoghurts bereitgestellt und das Video eingelegt. Die Mädchen kuschelten sich in die weiche Ledercouch. Lisa nahm die Fernbedienung des Videorekorders und drückte auf ›Play‹.

Der Film eröffnete mit einer Szene in einem Wolkenkratzerbüro. Die hintere Zimmerwand bestand aus einem riesigen Fenster mit Ausblick auf die Glas- und Betonkulisse von Manhattan Island. In dem Chefsessel hinter dem gigantischen Edelholzschreibtisch saß eine Blondine, deren streng geschnittenes Kostüm, hochgesteckte Haare und stahlgerahmte Brille ihre sexy Reize kaum kaschierten. Sie fertigte arrogant eine Handvoll Managertypen mit Spitzbäuchen und Glatzen ab. Als die Bosse das Büro kleinlaut verlassen hatten, griff die Frau zum Tischtelefon und verlangte eine internationale geschäftliche Verbindung. Zugleich senkte sich hinter ihrem Rücken auf der anderen Seite der Panoramascheibe die Arbeitsplatform eines Fensterputzers herab.

Suzanna nahm den Strohhalm aus dem Mund. »Spul vor!«

Als Lisa das Band wieder in Normalgeschwindigkeit laufen ließ, war die Plattform des Fensterputzers leer und durch ein großes Loch in der Panoramascheibe flatterten Tauben ins Büro. Die Karrieretussi war kaum wiederzuerkennen: Sie kniete nackt auf dem Teppich vor dem Schreibtisch, bekleidet nur mit ihrem Perlenschmuck, der auf ihren Brüsten schaukelte. Ihr linker Arm rieb zwischen ihren Schenkeln, die Finger ihrer Rechten umschlossen einen Penis, der so hart war wie ein Polizeischlagstock. Darunter baumelte ein prall gefüllter Hodensack, dessen dichte schwarze Behaarung über den bleichen Unterleib seines Besitzers bis zum Bildschirmrand des Fernsehgerätes wucherte. Aber am stärksten schockierten Lisa die zwei silbernen Ringe, die durch die Vorhaut des Gliedes gezogen waren. Die Frau ergriff einen Ring und entblößte die pilzförmige Eichel.

»Glaubst du, Mr. Gregory hat auch so ein großes Ding?«, kicherte Lisa, in der Erregung und Ekel um die Vorherrschaft rangen. Paul Gregory, der Trainer der Highschool-Footballmannschaft, sah aus wie George Clooney und war der Schwarm aller pubertierenden Mädchen.

»Nach der Delle in seiner Hose zu urteilen, wenn er mich anstarrt, ist seiner viel kleiner. Aber Mike Frazer hat einen, gegen den ist der da nur ein verbrutzelter Hot Dog!« Eines der Dinge, um die Lisa ihre Freundin beneidete, waren die sexuellen Erfahrungen, mit denen das ältere Mädchen angab.

Die Pornoaktrice stieß einen Seufzer aus und äußerte sich beeindruckt von den Ausmaßen des blutprallen Fleisches in ihrer Hand, was von einer Männerstimme aus dem Off heiser bekräftigt wurde. Dann verlangte dieselbe tiefe Stimme, sie solle den Penis in den Mund nehmen.

»Igitt!« entfuhr es Lisa. »Hast du das etwa auch schon gemacht?«

»Da steh’n die Typen drauf«, antwortete Suzanna. »Aber ich würd’s nie runterschlucken.«

Die Frau ließ wie eine witternde Schlange ihre Zungenspitze gegen die Peniseichel schnellen. Jetzt hörte man den Mann stöhnen. Nach einer Weile zog die Frau ihre linke Hand zwischen ihren Schenkeln hervor. Die Finger glänzten feucht. Sie verrieb das Sekret auf ihren Lippen, um diese anschließend mit einem lasziven Gurren zu teilen. Der Riesenpenis glitt Zentimeter für Zentimeter in ihren Mund. Es glich der Akrobatik eines Schwertschluckers, wie sie das Gemächt bis zum Anschlag in sich aufnahm. Kurz darauf zuckte das Becken ihres Partners und am Hals der Frau traten hektische Muskelkontraktionen auf.

Mit glühendem Gesicht beobachtete Lisa ihre Freundin Suzanna, die grinsend den Rest ihres Joghurts durch den Strohhalm saugte.

In diesem Moment erklang ein Geräusch und ließ sie herumfahren. Auf der Wohnzimmerschwelle stand Andy Jr., seinen Schlaf-Teddy im Arm, und starrte den Fernseher an.

Lisa griff hastig nach der Fernbedienung, um den Videorekorder auszuschalten. In ihrer Panik traf sie den falschen Knopf und schaltete auf Standbild. Suzanna grinste schadenfroh.

Barfuß tappte Andy Jr. näher. Seine Hand umkrampfte seinen Stoff-Saurier, doch sein Blick wurde vom Fernsehbild aufgesogen.

Endlich schaffte es Lisa, den Videorecorder auszuschalten. Das Bild schrumpfte und erlosch.

»Andy …« Sie fand keine Worte.

Der Junge kam zu ihr, als suchte er Schutz. Er blickte misstrauisch auf Suzanna. Lisa sah ihrer Freundin an, dass sie Mühe hatte, sich das Lachen zu verkneifen.

»Wer ist das?«, fragte Andy leise.

»Das ist Suzanna. Meine beste Freundin. Sie soll heute mit auf dich aufpassen!«

»Sie soll rausgehn«, verlangte Andy. »Ich muss dich was fragen.«

Nur Lisa sah, wie sich Suzanna hinter Andys Rücken gespielt lüstern mit der Zungenspitze über die Lippen leckte, ehe sie erklärte: »Ich geh aber nicht weg. Ich will das nicht verpassen!«

»Sag ihr, sie soll rausgeh’n«, quengelte Andy.

Lisa verdrehte die Augen und seufzte: »Geh halt raus, wenn er es so will.« Mit den Lippen formte sie eine stumme Botschaft: »Ich erzähl’s dir dann!«

Suzannas pinkfarben geschminkter Mund formte einen Flunsch, aber sie verzog sich auf den Flur. Lisa bemerkte, dass die Tür spaltbreit offen blieb. Lisa fühlte sich unbehaglich. Andy hielt den Teddybären vor sich und sah sie aus dunklen Augen an. Was mochte jetzt wohl kommen?

Andy zierte sich. »Ich muß es dir ins Ohr sagen!«

Lisa beugte sich ein Stück hinab. Sie spürte ein Prickeln im Bauch und zugleich einen Knoten im Magen. Sie nahm Andys süßen Schlafgeruch wahr. Ihr Atem ging flach.

Mit belegter Stimme hauchte Andy: »Macht das Pipi von dem bösen Mann der Frau Bauchweh?«

Das hatte Lisa nicht erwartet. Sollte sie enttäuscht sein oder erleichtert? Oder war das zum Lachen?

Sie fühlte die Versuchung und konnte nicht widerstehen: »Das war kein Pipi, sondern Sperma – männlicher Samen. Damit werden die Babys gemacht!«

Andy sah sie staunend an und schwieg. Er war wirklich noch zu klein für so etwas. Sie rief Suzanna herein und brachte Andy zurück ins Bett. Als sie wieder nach unten kam, platzte es aus Suzanna heraus: »Na, was hast du mit ihm getrieben? Zeigst-du-mir-deins-zeig-ich-dir-meins? Man kann ja gar nicht früh genug mit der Aufklärung anfangen …«

Lisa tippte sich an die Stirn und schubste ihre Freundin lachend aufs Sofa zurück. »Jedenfalls hat der Kurze jetzt was, worüber er beim Einschlafen nachdenken kann. Wahrscheinlich hat er bis eben an den Klapperstorch geglaubt …«

 

 

Kapitel 2

 

In jenen Tagen, als die Countrystraße den Touristik- und Transportverkehr noch nicht an die neugebaute Interstate 92 verloren hatte und sie noch regelmäßig von Polizeistreifen patrouilliert worden war, hatte sich ›Josh’s Liquor Store‹ einen Namen als effiziente Führerscheinentwertungsanstalt gemacht. Doch seitdem die Greyhounds und Gear Jammer auf dem Country Highway zur ausgestorbenen Spezies zählten, war Joshua Simms’ bester Kunde er selbst. Falls es hierfür eines Beweises bedurfte, so genügte ein Blick in Joshuas aufgedunsenes Gesicht mit der von geplatzten Adern marmorierten Nase.

Josh dachte noch immer an die drei nachtschwarzen Trucks und das entgangene Geschäft zurück. Aus dem Fernsehapparat kämpfte das Krachen von Dirty Harrys .44er Magnum erfolglos gegen den Jukebox-Lärm von Hank Williams Gibson-Sixstring an. Joshs altersschwache 1937er ›Seeburg Model J‹ (die sein Großvater gekauft hatte, als er fünf Jahre nach dem Ende der Prohibition seine Spelunke wieder eröffnete und auf der die Singles klangen wie das Gekrächze eines Gospelsängers mit künstlichem Kehlkopf) plärrte den Titel schon den ganzen Nachmittag über, und zu jeder Wiederholung riss Joshua eine Dose Michellob auf. Das Wort ›Nüchernheit‹ hätte er längst nicht mehr buchstabieren können. Wegen der flirrenden Hitze hatte Joshua den Platz im Korbstuhl auf der Veranda seines Geschäfts längst mit der Kühle des Ladeninneren vertauscht.

Deshalb hörte er das Herannahen des Fahrzeugs, bevor er es sah. ›Vielleicht habe ich diesmal mehr Glück‹, dachte er träge, als der Wagen seine Geschwindigkeit hörbar drosselte und mit knirschenden Reifen auf die Parkbucht vor dem Liquor Store einscherte. Durch das schmutzstarrende Fliegengitter des Ladenfensters erspähte er einen Ford Bronco Pickup. Auf der Plane über der Ladeflächen des Fahrzeugs prangten in schwungvoller Schrift die Worte: Hallelujah! Danket Gott dem Herrn! Die Handgranate Gottes ist da!!

Die Seeburg beendete ihren Hank Williams-Marathon justament, als Joshua den Fahrer des klapprigen Pritschenwagens aussteigen und auf die Ladentür zugehen sah. Er stürzte den letzten Schluck aus seiner Bierdose hinunter und erhob sich von seinem Sitz, um hinter der Ladentheke Aufstellung zu nehmen.

Die Tür schwang knarrend nach innen, und der Neuankömmling betrat Joshs Laden.

»Hallelujah!« rief der Fremde euphorisch. »Das heißt: Gepriesen sei Gott der Allmächtige!«

Joshua Simms riss die Augen auf.

»Amen! Das heißt: So sei es!«

»Amen«, echote Joshua verblüfft.

Der Fremde war hochgewachsen – über einen Meter und neunzig von der Sohle bis zum Skalp. Er hatte reichlich Speck am Bauch und um die Hüften, aber noch breiter waren seine Schultern. Er trug Cowboystiefel aus Alligatorleder, eine ausgewaschene schwarze Levi’s, ein schwarzes Jeanshemd, dessen Ärmel wegen der Hitze hochgekrempelt waren, und darüber eine graue Seidenweste mit Uhrkette. Unter der breiten Krempe seines Schlapphuts fielen dichte Strähnen rotblonden Haars auf seine Schultern. Im Gegenlicht, das durch die offen gebliebene Ladentür schien, glühte die Mähne wie ein Lavastrom.

Der Blick zweier eisblauer Augen fror förmlich an Joshua fest.

»Verwehre einem dürstenden Motor nicht die Erlabung, Bruder! Kann man hier tanken?«

»Haben Sie etwa eine Tanksäule gesehen? Hier gibt’s kein Benzin. Nur Whiskey, Gin und Bier!« antwortete Josh.

»Was ist das für eine Oase am Rande des Highway, wo kein müder Motorist sein Stahlross tränken kann?«

»Außerdem gibt’s warm zu essen.«

Der Kauz legte die Hände auf die Theke. »Du bist Josh, stimmt’s, Bruder? Natürlich, es steht ja draußen auf deinem Ladenschild. Ich hätte gern ein saftiges Steak, blutig, mit scharfer Sauce und einer Exraportion Zwiebeln. Du darfst mich Reverend nennen!«

»Tut mit Leid, Reverend. Aber ich kann mit Hamburgern und Hot Dogs dienen. Beides mit einer Exraportion Ketchup. Aber von Heinz, vom besten!«

Der Reverend verzog das Gesicht. »Hat Jesus Christus Brot und Fische oder Hamburger und Hot Dogs vermehrt, als er die Fünftausend speiste? Nein, danke! Doch wie lautet das Wort Christi nach Markus, Kapitel 9, Vers 41? ›Aber wer jemandem auch nur einen Becher Wasser gegen den Durst gibt, weil er zu mir gehört – Amen, ich sage euch, er wird nicht um seinen Lohn kommen …‹ Schenk mir einen Kentucky Straight ein!«

»Gern!« Josh stellte ein Glas auf den Tresen und schraubte eine halbvolle Flasche auf.

»Sag, Bruder, kannst du mir von drei Peterbilts berichten, schwarz wie die Hölle und mit verspiegelten Scheiben, die Richtung Crescent Falls strebten? Und zwar schneller als die geflügelte Pest?«

Der bernsteingelbe Strahl, der den Pegel des Whiskeyglases ansteigen ließ, versiegte abrupt. Josh hatte den ganzen Nachmittag über an die drei riesigen Lastzüge und ihre unsichtbaren Fahrer denken müssen. Einer von ihnen hatte ihn nach der Kilometerzahl gefragt, die den Konvoi noch von Crescent Falls trennte. Zu seiner Enttäuschung hatten die seltsamen Trucker nicht nur auf einen Besuch seines Ausschanks verzichtet, sondern sich noch nicht einmal die Zeit für ein Dankeswort gelassen, nachdem er ihnen die gewünschte Information geliefert hatte.

»Sie haben vor kaum zwei Stunden hier angehalten. Und sie schienen es sogar verdammt eilig zu haben …«

Er schob dem Reverend das gefüllte Glas zu. »Bitte entschuldigen Sie das Fluchwort.«

Der Reverend zuckte bloß die mächtigen Schultern und sagte doppeldeutig: »Danke Gott für ihre Eile, mein Sohn!«

Er hob das Glas an die Lippen. Doch ehe er zum ersten Schluck ansetzte, zuckten seine Nasenflügel, und er hielt inne.

Sein Grinsen entblößte zwei blitzende Zahnreihen, die so kraftvoll und ebenmäßig waren wie Patronen in einem Munitionsgurt, während er den Inhalt des Glases provozierend langsam in den Spülstein schüttete.

»Bruder Joshua – das ist kein Straight Bourbon«, sagte er mit schmalen Augen, wobei er Silbe für Silbe betonte.

Dann wandte er sich ohne ein weiteres Wort um ging mit knirschenden Stiefeln zu seinem Pickup hinaus.

Jetzt erst nahm Joshua den Geruch aus der Spüle wahr.

Der komische Heilige hatte allen Ernstes Bourbon in Benzin verwandelt …

Und wie war der Fünf-Dollar-Schein auf die Theke gelangt?

 

 

Kapitel 3

 

Als er Hank Millner die in heißem Dampf durchweichten Tücher aus dem Gesicht nahm, wehte Rory Williams der Gestank eines langgezogenen Rülpsers entgegen. Er kam aus den Tiefen von Hanks Eingeweiden und roch nach Magengeschwür. Rory schlug die Rasierseife zu Schaum und pinselte Hanks untere Gesichtshälfte ein. Hank schnaubte, als ihm eine Seifenblase in eines seiner Nasenlöcher geriet.

Rory Williams klappte sein schärfstes Rasiermesser auf. Er drehte die blitzende Klinge und fing einen Sonnenstrahl ein, den er gezielt in Hanks blaue Augen lenkte. Hank blinzelte nervös.

»Fang schon an, Ry. Martin wartet auf mich«, brummte Hank unwirsch, schloss die Augen und lehnte den Kopf zurück.

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