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Die Connelly Dynastie (12-teilige Serie)

Leanne Banks, Kathie Denosky, Caroline Cross, Maureen Child, Kate Little, Metsy Hingle, Kathryn Jensen, Kristi Gold, Cindy Gerard, Katherine Garbera, Eileen Wilks, Sheri Whitefeather

Die Connelly Dynastie (12-teilige Serie)

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1. KAPITEL

Elena Delgado presste die Hand gegen den Magen, holte tief Luft und stand dann langsam auf. Sie schloss die Augen und lehnte sich gegen die Toilettenwand. Die Übelkeit sollte eigentlich nicht den ganzen Tag über anhalten, denn schließlich sprach man von morgendlicher Übelkeit. Aber ihr war von dem Moment an schlecht gewesen, als sich das Teststäbchen blau gefärbt hatte.

Es machte Elena nicht das Geringste aus. Sie würde alles ertragen, Hauptsache, sie bekam ein gesundes Baby. Sie biss sich auf die Unterlippe und atmete noch einmal tief durch. Dies war ihre letzte Hoffnung auf ein eigenes Kind – sie konnte sich einfach keinen weiteren Gang zur Samenbank leisten. Weder finanziell noch emotional.

Als sich ihr Magen beruhigt hatte, öffnete sie die Kabinentür und trat ans Waschbecken. Das Klacken ihrer halbhohen Pumps auf dem gefliesten Boden hallte im dem leeren Raum wider. Das hohl klingende Geräusch ließ sie erschaudern. Es lag so viel Einsamkeit darin.

Tränen traten ihr in die Augen, als sie in den Spiegel über dem Waschbecken blickte. Sie war ihr Leben lang allein gewesen. Warum fühlte sie sich ausgerechnet jetzt so einsam?

Ärgerlich auf sich selbst riss Elena Papiertücher aus dem Spender, hielt sie unter den Wasserhahn und drückte dann die nassen, kalten Tücher gegen ihre erhitzten Wangen. Ihr labiler Gemütszustand musste mit dem veränderten Hormonhaushalt während der Schwangerschaft zusammenhängen. Das war die einzig mögliche Erklärung.

Normalerweise weinte Elena Delgado nicht. Niemals.

Sie wischte die letzten Tränen weg und warf einen Blick auf ihre Uhr. Seufzend hängte sie sich die Tasche über die Schulter, schickte ein Stoßgebet gen Himmel, dass ihr Magen in der nächsten Stunde ruhig bleiben möge, und trat dann in den eleganten Empfangsbereich des Connelly Imperiums im Connelly Tower.

Elena eilte zu den Fahrstühlen. Sie hasste es, zu spät zu kommen. Es war unhöflich und rücksichtslos, Menschen warten zu lassen. Ungeduldig trat sie von einem Fuß auf den anderen, während sie auf einen der Lifte wartete. Eine weitere Verzögerung an einem Tag, der von einer Serie von Verspätungen und Frustrationen gekennzeichnet war.

Der Ärger hatte morgens mit dem Wachwerden begonnen. Die veraltete Heizung in ihrem Wohnblock hatte endgültig den Kampf gegen den kalten Chicagoer Winter aufgegeben und war irgendwann in der Nacht ausgefallen. Schlotternd vor Kälte hatte sie sich für die Arbeit fertig gemacht. Dann hatte ihr Wagen sie im Stich gelassen und war nicht angesprungen. Also war sie an diesem eisigen Morgen im Februar sechs Straßen weiter zur Station der L gelaufen, der Hoch- und Tiefbahn von Chicago.

Endlich glitt die auf Hochglanz polierte Messingtür des Fahrstuhls geräuschlos auf, und Elena betrat die Kabine. Sie drückte die Taste für die 17. Etage. Als der Fahrstuhl sich in Bewegung setzte, wurde ihr erneut übel. Elena schloss die Augen. Schnelle Aufzüge sollten verboten sein, dachte sie, als die rasante Auffahrt ihren ohnehin empfindlichen Magen völlig durcheinanderbrachte.

Ein paar Sekunden später stoppte der Aufzug, die Tür glitt auf, und Elena trat auf wackeligen Beinen in einen mit Teppichboden ausgelegten Flur. Nach ihrem Termin mit Brad Connelly, bei dem die Gesprächstermine mit den restlichen Familienmitgliedern arrangiert werden sollten, würde sie das Wochenende nutzen, um wieder ein Mensch zu werden.

Aber sie würde nicht den Fahrstuhl benutzen, sondern die Treppe hinunterlaufen.

Brad Connelly klopfte mit seinem Füllhalter auf die polierte Oberfläche seines Mahagonischreibtisches. Zum dritten Mal innerhalb weniger Minuten blickte er auf seine Uhr, dann starrte er wieder aus dem Fenster auf den Michigan See, auf den die ersten Schatten des frühen Abends fielen.

Brad hasste es, wenn man ihn warten ließ. Sollte die Beamtin, die das Attentat auf seinen älteren Bruder Daniel untersuchte, nicht bald auftauchen, würde er Feierabend machen. Babe mochte es gar nicht, wenn er spät aus dem Büro nach Hause kam. Er konnte froh sein, wenn sie nicht seine Sachen zerfetzte, um es ihm heimzuzahlen. Es wäre nicht das erste Mal.

Das Summen der Sprechanlage auf seinem Schreibtisch riss ihn aus seinen Gedanken. „Ja, Fiona?“

„Die Dame, die um vier Uhr einen Termin bei Ihnen hatte, ist jetzt da, Mr. Connelly.“

„Danke. Schicken Sie sie herein. Sie können jetzt gehen, wenn Sie wollen.“

„Danke, Mr. Connelly. Dann bis Montag. Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende.“

„Danke, Ihnen auch, Fiona.“

Sekunden später wurde die Bürotür geöffnet, und eine junge Frau mit hellbraunen schulterlangen Haaren betrat den Raum. Brad konnte nicht anders, er starrte die Frau an. Das sollte die hoch geschätzte Kriminalbeamtin der Spezialeinheit beim Chicago Police Department sein?

Wow! Er hatte eine Frau mittleren Alters erwartet, die wie ein Mann aussah und sich knallhart gab. Stattdessen stand eine zierliche Frau von Mitte zwanzig vor ihm, die jede Schönheitskönigin in den Schatten stellte. Im Geiste machte er sich eine Notiz, seinen Vater anzurufen und sich bei ihm zu bedanken, dass er ihn zum Mittelsmann zwischen Familie und Polizei auserkoren hatte.

Brad stand auf. Unwillkürlich fiel sein Blick auf ihre Hand, um zu sehen, ob sie einen Ehering trug. Tat sie nicht.

Er sandte einen stummen Dank an den Mächtigen im Himmel, ging um seinen Schreibtisch herum, setzte sein charmantes Lächeln auf – das Lächeln, das ihm schon seit seinem letzten Jahr an der Highschool einen vollen Kalender mit Verabredungen beschert hatte – und reichte ihr die Hand. „Ich bin Brad Connelly. Leiter der PR-Abteilung. Mit wem habe ich das Vergnügen?“

Elena schüttelte seine Hand, erwiderte das Lächeln jedoch nicht. „Elena Delgado. Entschuldigen Sie, dass ich mich verspätet habe, Mr. Connelly.“

Sie gab keine Erklärung für ihre Verspätung, und Brad fragte nicht nach. Zu sehr lenkte ihn das prickelnde Gefühl ab, das sich in ihm ausbreitete. „Da wir eng zusammenarbeiten werden, nennen Sie mich bitte Brad, Mrs. Delgado.“ Er rieb mit dem Daumen über die weiche Haut ihres Handrückens.

Sie ließ seine Hand los, und ihr Blick gab ihm zu verstehen, dass sie weder von seinem umwerfenden Lächeln noch von seiner Berührung beeindruckt war. „Lassen Sie uns zur Sache kommen, Mr. Connelly“, sagte sie höflich, aber bestimmt.

Sachliches Gebaren gehörte sicherlich zu ihrem Job. Aber Brad erlebte es nur selten, dass er eine Frau nicht in seinen Bann ziehen konnte. Er sah es als persönliche Herausforderung an.

Als sie ihn weiter erwartungsvoll anblickte, fiel ihm etwas auf, was ihm bisher entgangen war. Elena Delgado sah müde aus. Sehr müde. Sie war blass, unter ihren schönen schokoladenbraunen Augen zeichneten sich dunkle Ringe ab, und ihre Stimme klang erschöpft und matt. Vielleicht verhielt sie sich deshalb so distanziert und weigerte sich, ihn mit Vornamen anzureden.

Was auch immer der Grund für ihren Zustand sein mochte, ihr Desinteresse reizte ihn und forderte ihn heraus, etwas zu unternehmen, was ihre Stimmung verbesserte.

Brad sah auf die Uhr. Es war Essenszeit, und er kam sowieso zu spät nach Hause. Daniel und seine Frau Erin befanden sich auf dem kleinen Inselstaat Altaria in Sicherheit vor weiteren Anschlägen auf ihr Leben. Und Babe würde ihm auf jeden Fall die kalte Schulter zeigen. Wahrscheinlich hatte sie schon damit begonnen, sein Wohnzimmer zu verwüsten. Es würde also keinen Unterschied machen, wenn er noch eine oder zwei Stunden später kam.

Außerdem wirkte Elena so, als könnte sie etwas Aufmunterung gebrauchen.

„Ich wollte gerade Feierabend machen.“ Brad nahm sein Jackett von dem Garderobenständer aus poliertem Messing. Er schlüpfte hinein und griff nach seinem Ledermantel. „Lassen Sie uns die Details der Befragung beim Abendessen besprechen.“

Elena schüttelte den Kopf, und wenn der Ausdruck in ihrem hübschen Gesicht nicht täuschte, würde es nicht einfach werden, sie umzustimmen. „Lieber nicht, Mr. Connelly.“

Er ließ sich nicht abschrecken. „Ich habe nicht gefrühstückt und die Mittagspause durchgearbeitet“, sagte er wahrheitsgemäß. „Jetzt ist Zeit fürs Abendessen, und ich bin hungrig.“ Er lächelte. „Ich könnte wetten, Sie auch.“

In diesem Moment meldete sich ihr Magen vernehmlich, was jeden möglichen Protest ihrerseits im Keim erstickte. Elena wurde rot.

Seit Jahren hatte Brad keine Frau mehr erröten sehen. Er lachte. „Dann wäre das also geklärt.“ Er zog seinen Mantel an, legte Elena die Hand auf den Rücken und schob sie zur Tür. „Wir unterhalten uns beim Essen.“

Sie machte kein glückliches Gesicht, doch Brad wertete es als positives Zeichen, dass sie sich von ihm zum Fahrstuhl führen ließ. Die rasante Fahrt in die Tiefgarage verlief schweigsam, und er fragte sich langsam, ob er sein Gespür für Frauen verloren hatte. Elena fühlte sich in seiner Gegenwart ganz offensichtlich miserabel. „Wir kommen später hierher zurück, damit Sie Ihren Wagen holen können.“ Sie verließen den Fahrstuhl.

„Mein Wagen ist heute Morgen nicht angesprungen.“ Sie klang noch erschöpfter als zuvor. „Ich habe die Bahn genommen.“

„Zurück fahren Sie nicht mit der Bahn“, sagte er mit Nachdruck. Kripobeamtin oder nicht, ihm missfiel der Gedanke, dass eine Frau abends allein öffentliche Verkehrsmittel benutzte. Es war viel zu gefährlich. Bevor Elena protestieren konnte, führte er sie zu seinem schwarzen Jaguar Cabriolet und öffnete die Beifahrertür. „Mögen Sie italienisches Essen?“

Erschöpft sank sie in den Schalensitz. „Ja. Eigentlich liebe ich italienisches Essen, aber ich glaube nicht, dass es …“

„Gut, dann wäre das geklärt.“ Er schloss die Tür. Als sie zu ihm aufblickte, hatte er das Gefühl, dass sie etwas grün im Gesicht war. Doch er verwarf den Gedanken. Das Neonlicht in der Tiefgarage warf auf alles einen unnatürlichen Schimmer. Er ging um den Wagen herum, öffnete die Fahrertür und setzte sich hinter das Lenkrad. „Ich kenne ein tolles kleines italienisches Restaurant nicht weit von hier.“

Brad hatte das Gefühl, dass sie wieder protestieren wollte, doch als er den Motor anließ und ausparkte, presste sie die Lippen zusammen, schloss die Augen und lehnte sich zurück.

Brad hatte fast ein schlechtes Gewissen, dass er darauf bestanden hatte, sie zum Essen einzuladen. Es war nicht zu übersehen, dass sie sich kam noch auf den Beinen halten konnte. Doch nun setzte sich die Fürsorge durch. Elena musste etwas essen. Und so brauchte sie sich nichts mehr zu kochen, wenn sie nach Hause kam. Zufrieden, dass er ihr mit der Einladung wahrscheinlich einen Gefallen tat, lenkte er den Wagen aus der Tiefgarage und fädelte sich in den dichten Verkehr auf der Michigan Avenue ein.

Zehn Minuten später führte Brad Elena an den Stammplatz bei seinem Lieblingsitaliener, half ihr aus dem Mantel und rückte ihr den Stuhl zurecht. Nachdem er auch seinen Mantel ausgezogen und beide an die Garderobe gehängt hatte, setzte er sich Elena gegenüber und starrte sie über die Kerze in einer Chianti-Flasche hinweg an. Sie wirkte schrecklich erschöpft.

„Lassen Sie uns unser Gespräch auf Montag verschieben“, schlug er vor. „Sie sehen aus, als würden Sie gleich zusammenbrechen.“

„Mir geht es gut.“ Sie zog einen Notizblock aus ihrer Tasche. „Ich würde gern heute alles erledigen, was im Vorfeld geregelt werden kann, damit ich am Montagmorgen direkt mit der Befragung beginnen kann. Sind Sie darüber informiert worden, was ich von Ihnen brauche, Mr. Connelly?“

Brad lehnte sich zurück und verschränkte die Arme vor der Brust. Er versuchte, zur Sache zu kommen und das erotische Bild zu verdrängen, das ihre unschuldige Frage heraufbeschworen hatte. Ihm fielen einige sehr aufregende Dinge ein, die er mit Elena gern unternehmen würde, doch Treffen mit seiner Familie zu vereinbaren – das gehörte nicht dazu.

Brad räusperte sich und konzentrierte sich auf die Aufgabe, die sein Vater ihm übertragen hatte und die er gern erfüllte. Er wollte unbedingt herausfinden, wer versucht hatte, seinen Bruder Daniel zu ermorden. „Mein Vater hat mir gesagt, dass Sie mit sämtlichen Familienmitgliedern sprechen möchten.“

Elena nickte. „Richtig. Ihr Vater hat mir zugesagt, dass Sie die Zeiten koordinieren und den Ort für die Gespräche festlegen würden.“

Brad lächelte. Seine effiziente Arbeitsweise und seine Fähigkeit, die Bedürfnisse anderer Menschen vorauszuahnen, hatten ihm den Ruf eingebracht, einer der besten PR-Männer in der Textilbranche zu sein. „Das ist alles schon erledigt. Ich habe dafür gesorgt, dass Ihnen ab Montag ein Konferenzraum im Connelly Tower zur Verfügung steht, damit Sie ungestört Ihre Gespräche führen können.“

„Gut.“

„Es kann jedoch einige Tage dauern, bis Sie mit jedem gesprochen haben.“ Brad stützte sich mit dem Ellbogen auf dem Tisch ab und legte das Kinn in die Hand. Er beobachtete, wie sie sich eine Strähne ihrer seidig glänzenden Haare aus dem Gesicht strich. Wie gern würde er ihre makellose Haut berühren und ihr Haar zerzausen. Das Kerzenlicht warf einen sanften Schimmer auf ihr hübsches Gesicht. Brad fragte sich, wie es wäre, Elena in den Armen zu halten und sie zu küssen.

„Mir ist bewusst, dass es ein paar Tage dauern wird“, sagte sie und riss ihn aus seinen höchst angenehmen Gedanken. Sie blickte von ihrem Notizblock auf. „Ich würde auch gern einige der Angestellten befragen. Sie könnten über Informationen verfügen, die meinen Nachforschungen dienlich sind.“

„Das kann alles arrangiert werden. Sonst noch etwas?“

„Im Moment nicht.“ Sie sah auf ihre Notizen. „Natürlich muss ich auch Sie befragen.“ Sie lächelte ihn zaghaft an. „Und ich sehe keinen Grund, warum wir das nicht schon heute Abend erledigen sollten.“

Ermutigt durch ihr sanftes Lächeln kam er zu dem Schluss, dass noch nicht alles verloren war. Auch wenn es kein besonders warmherziges Lächeln war, der Anfang war gemacht.

Und darauf konnte er aufbauen.

„Nicht heute Abend.“ Er schüttelte den Kopf. „Ich bin müde, und Sie sind es auch. Außerdem stehe ich am Montag als Erster auf Ihrer Liste.“ Er grinste. „Sie wollen doch den Zeitplan nicht durcheinanderbringen, bevor wir überhaupt angefangen haben, oder?“

Sie runzelte die Stirn. „Es macht sicher keinen Unterschied, wenn ich Ihre Aussage jetzt schon aufnehme.“

„Oh doch.“ Er versuchte, ernst zu bleiben. „Wir könnten unser Essen nicht genießen, was bei mir zu Verdauungsstörungen führen könnte. Das hätte dann zur Folge, dass ich die ganze Nacht wach liege und morgen nichts schaffe, weil ich so müde bin. Dieses wiederum würde bedeuten, dass ich am Sonntag alles nachholen muss, was ich am Samstag nicht erledigt habe, und …“ Er setzte eine bedauernswerte Miene auf. „Ich denke, Sie sehen ein, dass es meinen ganzen Zeitplan über den Haufen werfen würde.“

Elena starrte ihn eine Weile lang schweigend an. Dann legte sie ihren Stift auf den Tisch. „Lassen Sie uns eines klarstellen, Mr. Connelly. Dies ist kein …“

Genau in diesem Moment stellte der Kellner einen Korb mit Brot auf den Tisch. „Guten Abend, Mr. Connelly. Möchten Sie die Weinkarte?“

Brad warf Elena einen fragenden Blick zu. Diese schüttelte den Kopf und blickte zu dem Ober auf. „Für mich bitte keinen Wein.“

„Ein Glas Wein wird Ihnen helfen, sich nach einem stressigen Tag zu entspannen.“ Brad wandte sich an den Kellner. „Bringen Sie bitte zwei Gläser und eine Flasche von Ihrem besten Wein, Vinnie.“

Elena kochte innerlich. Was bildete der Mann sich eigentlich ein? Nur weil er ungewöhnlich attraktiv, sehr erfolgreich und Mitglied einer einflussreichen Familie war, hatte er noch lange nicht das Recht, über sie zu bestimmen. Es wurde Zeit, ihm das unmissverständlich klarzumachen.

Jede andere Frau würde wahrscheinlich im siebten Himmel schweben und dem Himmel danken, dass sie mit dem tollen Brad Connelly dinieren durfte. Aber Elena war nicht wie andere Frauen. Glücklicherweise war sie immun gegen sein attraktives Äußeres, seine ungewöhnlich blauen Augen und sein einnehmendes Lächeln. Auf so etwas war sie einmal hereingefallen. Ein zweites Mal würde ihr das nicht passieren. Das Letzte, was sie gebrauchen konnte, war eine Affäre mit einem Playboy, wie ihr Exmann einer gewesen war.

Sie wollte dem Kellner gerade sagen, dass er ihr kein Glas bringen sollte, als Brad sich wieder an den jungen Mann wandte. „Ich denke, wir nehmen beide einen Salat mit dem Hausdressing und dazu Calamares, Vinnie.“

„Sehr gern, Sir.“

Kaum hatte der Kellner sich entfernt, starrte Elena Brad an. „Finden Sie nicht, dass das etwas anmaßend war?“

„Mögen Sie keine Calamares?“ Brad machte ein erschrockenes Gesicht. „Ich dachte, jeder mag sie. Wenn Sie möchten, bestelle ich Ihnen etwas anderes.“

Als er die Hand hob, um Vinnie heranzuwinken, schüttelte sie den Kopf. „Darum geht es nicht, Mr. Connelly.“

Mit der widerspenstigen Haarsträhne, die ihm immer wieder in die Stirn fiel, dazu diesem verwirrten Gesichtsausdruck, sah er aus wie ein kleiner Junge, der nicht wusste, was er falsch gemacht hatte. Fast hätte sie gelacht. Sie könnte wetten, dass dieser Gesichtsausdruck Seltenheitswert hatte.

„Worum dann, Elena?“ Er bedeckte ihre Hand mit seiner. „Und bitte nennen Sie mich Brad.“

Plötzlich war er alles andere als ein kleiner Junge. Die Berührung und seine sympathische, warme Baritonstimme lösten die merkwürdigsten Gefühle in ihr aus. Auf einmal hatte sie Schmetterlinge im Bauch. Hastig entzog sie ihm ihre Hand und legte sie auf den Schoß. Der Mann machte seinem Ruf als Playboy alle Ehre. Schade nur, dass er seinen Charme bei ihr verschwendete. Dank ihres Exmannes Michael war sie gegen diese Art von Anmache total immun.

„Ich habe Ihnen gesagt, dass ich keinen Wein trinken möchte.“ Die Schmetterlinge beruhigten sich wieder. Stattdessen verspürte sie ein unangenehmes Rumoren, und ihre Handflächen wurden kalt und feucht. „Ich denke, es wird höchste Zeit, dass wir ein paar Regeln festlegen, Mr. Connelly. Ich bin nur an der Aufklärung des versuchten Mordes an Ihrem Bruder interessiert. Sie können also aufhören.“

Er zog eine Augenbraue hoch und sah sie fragend an. „Wie kommen Sie darauf, ich hätte etwas anderes im Sinn, Elena? Ich will Sie lediglich bei Ihrer Arbeit unterstützen.“

„Mr. Connelly …“

„Brad, bitte.“

„Sie haben mich mit diesem Dinner überrumpelt.“ Sie steckte ihren Notizblock und ihren Stift in ihre Tasche. „Sie haben beschlossen, dass ich mit der Befragung bis Montag warten kann. Sie sind sogar so weit gegangen, mir Wein zu bestellen, obwohl ich klar und deutlich gesagt habe, dass ich keinen trinken möchte. Verstehen Sie, was ich meine, Mr. Connelly?“

„Nicht ganz.“

„Ich lasse mir nicht gern sagen, was ich zu tun habe.“ Um Abstand zwischen sich und Brad Connelly zu bringen, sprang Elena auf. Plötzlich begann sich der Raum um sie zu drehen, und Elena musste sich am Tisch festhalten. „Ich bin daran gewöhnt, das Sagen zu haben, wenn ich … an einem Fall arbeite.“

„Ist alles in Ordnung mit Ihnen?“ Brad stand auf.

Elena musste ihm zugutehalten, dass er ernsthaft besorgt schien. „Mir geht’s … gut.“ Sie schloss kurz die Augen. Als sie sie wieder öffnete, stand Brad neben ihr und hatte die Hand an ihren Ellbogen gelegt. „Es war ein langer, anstrengender Tag nach einer arbeitsreichen Woche, Mr. Connelly. Ich denke, ich lasse das Essen ausfallen und fahre mit dem Taxi nach Hause.“

„Ich fahre Sie.“

„Nein, das ist nicht nötig.“ Elena versuchte verzweifelt, gegen die aufsteigende Übelkeit anzukämpfen. „Bitte … bleiben Sie … und genießen Sie Ihr Essen.“

Brad sah sie nachdenklich an. Er wusste nicht, was das Problem war, aber er war sicher, dass Elena nicht nur unter Erschöpfung litt. Ihr Atem ging schwer, und ihr Gesicht war kreidebleich.

„Mario!“ Brad rief nach dem Chef des Restaurants. Als der kleine Mann zu ihnen geeilt kam, erklärte Brad: „Mrs. Delgado fühlt sich nicht wohl, und wir haben beschlossen, nichts zu essen.“

„Natürlich, Signore Connelly.“ Mario warf Elena einen besorgten Blick zu, als Brad ihr in den Mantel half. „Tut mit leid, dass die signorina krank ist. Ich hoffe, dass es ihr bald besser geht.“

Brad nickte. Er legte die Hand an Elenas Ellbogen und wollte sie zum Ausgang führen. Doch als sie sich umdrehte, kam sie ins Straucheln und blieb abrupt stehen.

Sie blickte zu ihm auf, und er sah die Angst und Panik in ihren ausdrucksvollen Augen. Und die Verzweiflung, als sie gegen ihn sackte. „Bitte … helfen Sie mir … Brad“, flüsterte sie. Im nächsten Moment verlor sie das Bewusstsein.

Ohne nachzudenken hob er sie auf seine Arme und trug sie zum Ausgang. Glücklicherweise hatte er direkt vor dem Restaurant geparkt. So waren es nur ein paar Schritte bis zum Wagen.

Er setzte sie auf den Beifahrersitz, schnallte sie an und lief dann um den Jaguar herum zur Fahrerseite, startete den Wagen, legte den ersten Gang ein und schoss vom Parkplatz.

„Halt durch, Elena“, sagte er und kämpfte gegen die ungewohnte Panik an, als er langsamer fahrende Autos überholte. „In zwei Minuten sind wir in der Notaufnahme des Memorial Hospitals.“

2. KAPITEL

Brad lockerte seine Krawatte, steckte die Hände in die Hosentaschen und lief nervös vor dem Untersuchungszimmer der Notaufnahme auf und ab. Er war daran gewöhnt, dass ihm die Frauen sprichwörtlich zu Füßen lagen, aber heute war das erste Mal, dass es im wahrsten Sinne des Wortes geschah. Und das Schlimmste daran war, dass er Schuld hatte.

Warum hatte er nicht auf sie gehört? Elena hatte ihm gesagt, dass sie nicht essen gehen wollte, dass sie einen schweren Tag gehabt hatte und nur noch nach Hause wollte. Doch er konnte ein Nein nicht akzeptieren.

Im Gegenteil, Brad Connelly, der Frauenkenner, hatte ihr Nein als Herausforderung angesehen, seinen ganzen Charme spielen zu lassen – als wäre sie eine Trophäe, die erobert werden wollte. Ihm war einige Male aufgefallen, dass sie ein Gesicht machte, als fühlte sie sich nicht wohl, doch er hatte es ignoriert. Er hatte sich sogar eingeredet, dass ein Glas Wein und ein leckeres Essen genau das waren, was Elena brauchte. Wie hatte er nur so unsensibel sein können? So verdammt dumm?

„Brad Connelly, du bist der Letzte, den ich hier zu sehen erwartet hätte!“, rief eine weibliche Stimme.

Brad blickte auf und sah Meg O’Reilly auf sich zu kommen. Toll. Was würde heute Abend noch alles passieren? Nicht nur, dass er dafür verantwortlich war, dass eine Frau beim Dinner mit ihm zusammenbrach, jetzt verfolgte ihn auch noch die Vergangenheit.

Brad hatte Meg seit fünf Jahren nicht gesehen. Seit jener Nacht, als ihm die hübsche Blondine gestanden hatte, dass sie ihn liebte und heiraten wollte, sobald sie ihr Medizinstudium beendet hatte. Nur einen Monat zuvor war Talia gestorben, die Frau seines Zwillingsbruders Drew. Und die Verzweiflung seines Bruders war ihm noch zu präsent gewesen. Wie es meistens bei Zwillingen der Fall war, litt Brad genauso wie Drew. Damals hatte Brad sich geschworen, sich nie freiwillig diesen Schuldgefühlen, diesem Gefühl des Versagens auszusetzen.

Und so hatte er Meg an jenem Abend nach Hause gebracht und ihr freundlich, aber bestimmt erklärt, dass er für die Ehe nicht geschaffen war. Wortreich hatte er versucht, ihr zu erklären, dass sie zwar keine feste Beziehung haben, trotzdem aber befreundet bleiben könnten. Doch sie hatte ihm seine Ehrlichkeit übel genommen und eine Lampe nach ihm geworfen.

Als er sie jetzt mit einem Kunststoffschlauch in der Hand sah, der für intravenöse Flüssigkeits- und Medikamentenzufuhr benutzt wurde, fürchtete er, sie würde ihn damit gleich hier im Gang des Krankenhauses erdrosseln.

„Hallo, Meg.“ Sein Blick fiel auf ihre Hand, und er atmete erleichtert auf, als er den schmalen goldenen Ehering erblickte. „Wie ist es dir inzwischen ergangen?“

Sie deutete auf den Titel vor ihrem Namen auf dem kleinen Schildchen, das an ihrem weißen Kittel steckte. „Ich habe mein Medizinstudium beendet.“ Sie lächelte ihn schief an. „Und ich stelle fest, dass du immer noch auf den Ringfinger einer Frau schielst.“

Brad nickte zerstreut. In Gedanken war er schon wieder bei der zierlichen blonden Kripobeamtin in dem Untersuchungszimmer gegenüber. Er hatte das Gefühl, als wäre sie seit Stunden dort. „Würdest du mir einen Gefallen tun, Meg? Könntest du herausfinden, was der Patientin in dem Zimmer dort drüben fehlt?“

„Sicher. Gehört sie zur Familie?“

Er schüttelte den Kopf. „Nein. Ich war mit der Frau essen. Sie ist ohnmächtig geworden.“

Meg warf ihm einen nachdenklichen Blick zu. „Mal sehen, was ich erfahren kann.“

Eine Ewigkeit schien zu vergehen, bis die Tür endlich geöffnet wurde. „Ist alles in Ordnung mit ihr?“ Megs Gesichtsausdruck verriet nichts, was seine Angst noch erhöhte.

Was auch immer Elena fehlen mochte – wenn sich ihr Zustand verschlechtert hatte, weil er darauf bestanden hatte, dass sie mit ihm essen ging, dann würde er sich das nie verzeihen.

„Sie muss sich einfach etwas mehr schonen.“ Meg lächelte vielsagend. „Sie wird entlassen, sobald ihr die diensthabende Ärztin etwas gegen die Übelkeit verschrieben hat. Aber deine Aufgabe ist es jetzt, darauf zu achten, dass sie regelmäßig isst und etwas Ruhe bekommt. Das ist für jeden wichtig, aber besonders für jemanden in Mrs. Delgados Zustand.“

„Okay.“ Er würde allem zustimmen, wenn er damit sein mangelndes Feingefühl wettmachen konnte.

Meg machte ein ernstes Gesicht. „Wenn sie es nicht tut, verliert sie das Baby, Brad.“

„Das Baby“, wiederholte er tonlos.

„Ja, das Baby.“ Megs Pieper ertönte. Nachdem sie einen Blick auf das schmale Display geworfen hatte, lächelte sie. „Ich muss los.“ Sie berührte verständnisvoll seinen Arm. „Hör zu, Brad, sie ist ziemlich durcheinander und hat schreckliche Angst vor einer Fehlgeburt. Ich merke, dass sie und das Baby dir sehr viel bedeuten. Pass einfach gut auf die beiden auf, dann wird nichts passieren.“

„Ich? Ich habe nicht … ich meine … ich bin nicht …“

„Entspann dich. Du wirst ein wundervoller Vater werden.“ Meg drehte sich um. „Alles Gute für euch drei.“ Brad blickte der Frau nach, die um die Ecke verschwand. Meg hielt ihn für den Vater von Elenas Baby.

Die Vermutung, dass er der Vater war, war einfach lächerlich. Er konnte von keinem Baby der Vater sein. Kopfschüttelnd wartete er auf Elena. Wenn die Wahrheit ans Licht käme, wären die Klatschbasen der feinen Gesellschaft geschockt. Brad Connelly war vielleicht beim Dinner oder irgendwelchen gesellschaftlichen Anlässen in unterschiedlicher weiblicher Begleitung gesehen worden, aber eine feste Beziehung hatte er schon lange nicht mehr gehabt. Und abgesehen davon, dass er sehr verantwortungsvoll mit der Verhütung umging, wenn er mal mit einer Frau schlief, hatte er seit mehr als einem Jahr keinen Sex gehabt.

Angst ergriff Besitz von Elena, und Tränen verschleierten ihren Blick, als sie sich langsam wieder anzog. Sie konnte nur an eines denken: Sie durfte das Baby nicht verlieren. Es durfte einfach nicht passieren. Während ihrer katastrophalen Ehe hatte sie bereits zwei Fehlgeburten erlitten.

Sie holte tief Luft und zwang sich, positiv zu denken. In sieben Monaten würde sie ein wunderschönes Baby in den Armen halten, das sie lieben konnte und das ihre Liebe erwiderte. Dieses Mal würde sie ihr Kind nicht verlieren.

Sie wischte sich die Tränen von den Wangen und hoffte inständig, dass Brad das Warten leid geworden war und das Krankenhaus verlassen hatte, um den Abend noch zu genießen. Sie war stolz auf ihren beruflichen Erfolg und den hart erkämpften Job in dieser Spezialeinheit. Wenn sie im Dienst war, so wie heute Abend, ließ sie es nicht zu, dass irgendjemand sie schwach und wenig professionell erlebte.

Brad jedoch war Zeuge ihrer Schwäche geworden. Es war schon demütigend genug, ihm am Montagmorgen wieder unter die Augen treten zu müssen, wenn sie mit der Befragung der Familienmitglieder begann. Heute Abend wäre es eine Katastrophe.

Sie steckte das Rezept und die Tabletten, die ihr die Ärztin gegen die Übelkeit gegeben hatte, in ihre Tasche, stieß die Tür des winzigen Untersuchungszimmers auf und trat hinaus in den Gang. Fast hätte sie laut aufgestöhnt. Da stand Brad. Groß und attraktiv wie eh und je.

Er wirbelte herum, als er ihre Schritte hörte. Sein Gesichtsausdruck überraschte sie. Sie hätte Ungeduld und Verärgerung wegen der Unannehmlichkeiten erwartet, die sie ihm bereitet hatte. Diesen bedrohlichen Gesichtsausdruck hatte ihr Exmann Michael immer gehabt, wenn sie irgendwie seine Pläne durchkreuzt hatte. Brad dagegen schien einfach nur besorgt zu sein.

„Ist alles in Ordnung mit Ihnen?“ Er trat zu ihr und legte die Hände auf ihre Schultern. Sie empfand die Wärme seiner Handfläche als seltsam beruhigend.

Elena nickte, konnte ihm jedoch nicht in die Augen sehen. Wie sollte sie auch? Die ganze Geschichte war ihr viel zu peinlich. Er war Zeuge ihrer Schwäche geworden.

„Soll ich irgendjemanden anrufen? Ihren Mann oder Freund?“

Immer noch unfähig, seinem Blick zu begegnen, schüttelte sie den Kopf. „Es gibt keinen Mann in meinem Leben.“

Brad legte den Finger unter ihr Kinn und hob ihr Gesicht. „Es tut mir aufrichtig leid, Elena.“ Seine Stimme klang sanft und beruhigend. „Ich hätte auf Sie hören sollen, als Sie sagten, Sie wären zu müde, um mit mir essen zu gehen. Können Sie mir verzeihen, dass ich so unsensibel war?“

Bei seiner zarten Berührung, dem ernsten Tonfall und dem flehentlichen Blick traten ihr die Tränen in die Augen, und sie hatte einen Kloß im Hals. Sie konnte sich nicht erinnern, dass sich jemals ein Mann bei ihr für irgendetwas entschuldigt hatte. Geschweige denn, sie um Verzeihung gebeten hatte.

In den vier Jahren ihrer Ehe hatte Michael höchstens einmal sein Bedauern ausgedrückt, aber niemals hatte er sie gebeten, ihm zu verzeihen. Nicht, als sie seine erste Affäre entdeckte. Nicht, als er ihr sagte, dass er ausziehen würde, um mit der Frau zu leben, mit der er bereits seit sechs Monaten ein Verhältnis hatte.

„Vielen Dank für Ihre Hilfe. Aber Sie hätten nicht warten müssen. Ich bin sicher, Sie haben abends etwas Besseres zu tun, als im Krankenhaus herumzustehen.“

„Kein Problem.“ Lächelnd half er ihr in den Mantel. „Sobald wir in Ihrer Wohnung sind, lasse ich vom Lieferservice etwas zu essen bringen.“

Elena schüttelte den Kopf. „Danke, aber das ist nicht nötig. Ich nehme ein Taxi und mache mir dann selbst etwas zu essen.“

„Die Ärztin hat gesagt, dass Sie regelmäßig essen müssen und Ruhe brauchen.“ Brad geleitete sie zum Ausgang am Ende des langen Korridors. „Und diese Ruhe bekommen Sie nicht, wenn Sie selbst kochen müssen. Außerdem ist es spät, und Sie sind müde. Sie müssen die Füße hochlegen und sich schonen.“

„Ich bin es gewohnt, für mich selbst zu sorgen.“

„Das ist das Mindeste, was ich tun kann. Ich fühle mich dafür verantwortlich, dass Sie den Abend in der Notaufnahme verbringen mussten.“

Als sie hinaus in die kalte Nacht traten, legte er den Arm um ihre Schultern und zog sie an sich, um sie vor dem eisigen Wind zu schützen, der vom Michigan See herüberwehte. Bevor sie ihm sagen konnte, dass er ihr nichts schuldete, saßen sie schon in seinem Jaguar.

„Meinen Sie, Ihr Magen verträgt eine Suppe?“

„Ich glaube schon, aber Sie müssen nicht …“

„Doch, Elena, ich muss“, unterbrach er sie. „Ich hätte auf Sie hören sollen. Doch ich habe es nicht getan und mit meiner Sturheit Sie und Ihr Baby in Gefahr gebracht. Es tut mir wirklich leid, und ich möchte mein Vergehen gern wiedergutmachen.“

Das war zu viel für Elena. Die ehrliche Entschuldigung und der Selbstvorwurf, der sich in seinen blauen Augen widerspiegelte, kombiniert mit ihrem labilen Gemütszustand sprachen Gefühle tief in ihrem Innern an, die sie verschüttet geglaubt hatte. Schon wieder traten ihr Tränen in die Augen. Schnell drehte sie sich weg.

Zu spät.

Brad hatte die Tränen gesehen und zog Elena in seine Arme. „Elena, Liebes, bitte nicht weinen.“ Er hielt sie eng an sich gepresst und streichelte ihr liebevoll über die Wange. „Alles wird gut. Ihrem Baby geht es gut. Die Ärztin hat mir gesagt, dass Sie nur mehr Ruhe brauchen. Und ich werde dafür sorgen, dass Sie sie bekommen.“

Die Tränen flossen noch stärker. Wie toll! Sie weinte nicht nur, weil ihr Hormonhaushalt durch die Schwangerschaft völlig durcheinandergeraten war, sondern auch, weil es ihr schrecklich peinlich war, dass er erst ihren Ohnmachtsanfall im Restaurant und jetzt auch noch ihren Nervenzusammenbruch erlebte.

Seine liebevolle Umarmung und der zärtliche Tonfall ließen sie fast daran glauben, dass er ehrlich meinte, was er sagte. Fast. Doch da sie mit einem Mann wie Michael verheiratet gewesen war, wusste sie es besser. Männer würden alles sagen, wenn sie ihren Kopf damit aus der Schlinge ziehen oder eine Frau in ihrem Sinne manipulieren konnten.

Aber im Moment war sie viel zu erschöpft und emotional ausgelaugt, um zu protestieren. Sie wollte nur noch nach Hause, ins Bett krabbeln und vergessen, dass es diesen Tag überhaupt gegeben hatte.

Als sie sich schließlich wieder so weit unter Kontrolle hatte, dass sie sprechen konnte, gab sie Brad die Adresse ihrer Wohnung. „Bitte, bringen Sie mich einfach nach Hause.“

Er nickte und ließ sie los. Dann startete er den Wagen und legte einen Gang ein. „Das ist nicht weit von hier. Gleich sind Sie zu Hause.“

Brad sah sich um, als er vor einem schäbigen Apartmenthaus hinter einem wartenden Taxi anhielt. Eigentlich war es eine respektable Gegend, doch der Eigentümer dieses Hauses schien keine Notwendigkeit darin zu sehen, seine Immobilie in Ordnung zu halten.

„Danke, dass Sie mich nach Hause gebracht haben, Mr. Connelly.“

Brad runzelte die Stirn, als Elena wieder die förmliche Anrede gebrauchte und ihm die Hand geben wollte. Sie versuchte also, die Zeit zurückzudrehen und auf die rein berufliche Ebene zurückzukehren.

Nicht mit mir, dachte er und ignorierte ihre Hand. Er hatte gut zwei Stunden in der Notaufnahme verbracht und sich Sorgen um sie gemacht. Dadurch verband sie seiner Meinung nach mehr als nur die gemeinsame Arbeit an der Aufklärung des versuchten Attentats auf seinen Bruder.

Außerdem war sie im Moment extrem empfindlich, ob sie es nun wahrhaben wollte oder nicht. Sie brauchte jemanden, der für sie da war und sie moralisch unterstützte. Und da er zumindest teilweise für ihre Probleme am heutigen Abend verantwortlich war, fühlte Brad sich verpflichtet, dafür zu sorgen, dass es ihr an nichts fehlte, bevor er ihr eine gute Nacht wünschte. Die Tatsache, dass es ihm gefallen hatte, sie in den Armen zu halten, hatte nichts mit seiner Entscheidung zu tun.

„Mr. Connelly …“

„Brad.“ Er lächelte sie an. „Ich finde, wir können endlich zum Du übergehen, Elena. So, und jetzt lass uns endlich ins Warme gehen.“

Der eisige Februarwind blies ihnen den Schnee ins Gesicht. Brad legte den Arm um Elenas Schultern. Er redete sich ein, dass er sie nur vor der Kälte schützen wollte. Aber es war herrlich, ihren zierlichen Körper an seinem zu fühlen, und Brad fragte sich unwillkürlich, wie es wäre, wenn sie nicht diese dicken Mäntel anhätten.

Als sie die Treppe erreichten, öffnete eine rundliche Frau um die fünfzig die Tür. In der Hand trug sie eine Sporttasche. „Sie müssen heute Nacht woanders schlafen, Elena“, sagte sie durch den Wollschal, der Mund und Nase bedeckte. „Die Heizung wird frühestens morgen repariert, vielleicht auch erst am Montag. Der Hausmeister hat gesagt, es hängt davon ab, wie schnell die benötigten Teile geliefert werden.“

Die wie ein Eskimo vermummte Frau eilte zu dem Taxi, das vor dem Haus wartete, warf die Tasche auf den Rücksitz und ließ sich dann selbst hineinfallen.

„Na toll“, murmelte Elena und sah dem Taxi nach. „Das hat mir heute gerade noch gefehlt.“

Brad hielt ihr die Tür auf. „Kein Problem. Pack ein paar Sachen zusammen, und dann kommst du mit zu mir. Ich habe ein schönes großes Gästezimmer, und ich garantiere dir, dass es warm ist.“

Er war selbst über seine Einladung überrascht, doch je länger er darüber nachdachte, desto logischer erschien sie ihm. Angesichts der Umstände würden seine Eltern von ihm erwarten, dass er sich um Elena kümmerte. Diese Frau hatte den Auftrag, den Anschlag auf seinen Bruder, den neuen Fürsten von Altaria, aufzuklären. Und er war dazu auserkoren, ihr in jeder Hinsicht behilflich zu sein.

Wenn Elena bei ihm übernachtete, konnte er außerdem sein Versprechen einlösen, auf sie aufzupassen. Und wenn ihr später danach war, dann könnten sie auch noch die Fragen durchgehen, die sie seiner Familie stellen wollte.

„Nein, ich kann nicht bei dir übernachten.“ Sie betraten die Lobby des Apartmenthauses.

Sie drehte sich zu ihm, und wenn er ihren Gesichtsausdruck richtig deutete, dann würde eher die Hölle zufrieren, als dass sie sein Angebot annahm. Brad hätte fast gelacht. „Jetzt stell dich nicht so an, Elena. Wir wissen doch beide, dass du nicht hierbleiben kannst.“

„Ich werde … ich gehe zu …“

Als sie verstummte, nickte er. „Das habe ich mir gedacht. Du weißt nicht, wohin du gehen sollst. Richtig?“

„Ich gehe ins Hotel“, erwiderte sie trotzig.

Er schüttelte den Kopf. „Das kommt gar nicht infrage.“

Sie warf ihm einen empörten Blick zu. „Ach ja? Und warum nicht?“

„Weil du jemanden brauchst, der sich um dich kümmert.“

Kaum hatte er die Worte ausgesprochen, wünschte er, er wäre etwas diplomatischer gewesen. Ihre unvermittelt abweisende Haltung und das wütende Funkeln in ihren großen braunen Augen sagten ihm, dass er einen großen Fehler gemacht hatte.

„Mr. Connelly, ich habe noch nie jemanden gebraucht, und werde ich auch niemals jemanden brauchen, der auf mich aufpasst. Solange ich mich erinnern kann, war ich auf mich allein gestellt, und das hat immer sehr gut funktioniert. Ich sehe keinen Grund, warum das jetzt anders sein sollte.“

Warum ließ er sie nicht endlich in Ruhe? Sie wollte seine Hilfe nicht. Aber egal, ob sie sie wollte oder nicht, sie brauchte Hilfe. Er hatte keine Ahnung, wer Elena geschwängert hatte, doch offensichtlich spielte der Mann keine Rolle mehr in ihrem Leben. Sie war auf sich allein gestellt. Und das beunruhigte ihn mehr, als es sollte.

„Elena, du willst doch dein Kind nicht verlieren, nur weil du die irrige Vorstellung hast, du könntest deine Unabhängigkeit aufgeben. Überleg doch mal, was das Beste für dein Kind ist. Und wenn es bedeutet, dass du heute Nacht bei mir übernachtest, dann schluck deinen Stolz hinunter und nimm mein Angebot an.“

Ihr empörter Gesichtsausdruck verwandelte sich in einen angstvollen. Brad fühlte sich total mies. Er zog sie in seine Arme. „Entschuldige, das hätte ich nicht sagen sollen.“ „Doch, du hast ja recht. Ich muss an das Baby denken. Aber es wäre das Beste, ich ginge …“ Wohin sollte sie gehen? In ein Hotel? Zu Verwandten konnte sie nicht. Sie hatte keine. Ihre letzte Pflegemutter – die einzige, die sich wirklich etwas aus Elena gemacht hatte und auch den Kontakt aufrechterhalten hatte, als Elena volljährig wurde und die Pflegefamilie verlassen musste – würde ihr sicherlich gern helfen. Aber Marie Waters lebte dreihundert Meilen entfernt in dem kleinen Ort Johnston City.

Elena könnte auch zu Freunden gehen, doch seit ihrer Scheidung vor einem Jahr war der Kontakt zu den Freunden nicht mehr so eng.

Als Brad sie weiterhin in den Armen hielt, fühlte sie ihren Widerstand dahinschmelzen. Sie waren eigentlich Fremde, dennoch hatte er angeboten, sie in seinem Haus aufzunehmen.

Ihr wurde auf einmal warm ums Herz, was sie seit Jahren nicht mehr gespürt hatte. Sie versuchte dieses Gefühl zu ignorieren, denn sie wollte Brad Connelly als oberflächlichen, egoistischen Playboy sehen. Nur so konnte sie die Situation nüchtern betrachten und sich ihre Professionalität bewahren.

Er rieb über ihren Rücken. „Fällt dir niemand ein, zu dem du gehen könntest?“

Als sie nicht antwortete, hielt er sie noch einem Moment länger fest. „Dann wäre das also geklärt.“ Er schenkte ihr sein charmantes Lächeln, blies sich in die Hände und rubbelte sie aneinander. „Jetzt lass uns in deine Wohnung gehen, ein paar Sachen packen und dann fahren. Es ist kalt hier.“

3. KAPITEL

Zwanzig Minuten später parkte Brad auf seinem Platz in der Tiefgarage seines Apartmenthauses und begleitete Elena zum Fahrstuhl. Nur mit Mühe unterdrückte sie ein Stöhnen, als er den Sicherheitscode eingab, um die Tür zu öffnen. Warum konnte er nicht im Erdgeschoss arbeiten und wohnen? Oder zumindest die Treppe hinauf zu seinem Apartment nehmen?

Elena hielt den Atem an und betete, dass das Medikament, das ihr die Ärztin in der Notaufnahme gegeben hatte, mittlerweile wirkte, als die Tür leise aufglitt und sie die Kabine betraten. Zu ihrer großen Erleichterung war die Fahrt bei Weitem nicht so schlimm wie befürchtet, und als Elena in der 12. Etage den Fahrstuhl verließ, verspürte sie nur leichte Übelkeit.

Brad führte sie ans andere Ende des Gebäudes zu seinem exklusiven Penthouse und schloss die Tür auf. „Wundere dich nicht, wenn hier das absolute Chaos herrscht“, warnte er. „Babe verwüstet die Wohnung immer, wenn ich zu spät von der Arbeit nach Hause komme.“

„Babe?“ Er lebte mit jemandem zusammen?

Brad nickte und schaltete das Licht in der Diele an. In dem Moment kam schon ein schwarzes Wollknäuel um die Ecke gestürmt. Der kleine Hund bellte aufgeregt und hüpfte fröhlich um Elenas Füße herum, doch als Brad sich bückte, um ihn hochzuheben, lief er davon, drehte sich dann um und starrte sein Herrchen an.

„Na, spielst du wieder die beleidigte Leberwurst?“ Brad lachte und brachte Elena in sein geräumiges Wohnzimmer. „Zu dir ist sie superfreundlich, aber mir wird sie den ganzen Abend die kalte Schulter zeigen.“

Als er Licht machte, stieß er einen leisen Fluch aus. „Sieht ganz so aus, als müsste ich wieder neue Kissen kaufen.“

Elena lachte auf, als sie die Füllung der Sofakissen auf dem dicken beigefarbenen Teppich verstreut liegen sah. „Verstehe ich das richtig? Du hast dies schon häufiger erlebt?“

Brad half Elena aus dem Mantel. „Jedes Mal, wenn ich zu spät nach Hause komme.“

„Das macht sie nur, wenn du zu spät bist? Während des Tages ist sie friedlich?“ Elena bückte sich, um das zerfetzte Kissen aufzuheben.

„Lass liegen.“ Brad klang beunruhigt. Er deutete auf einen bequem aussehenden, dick gepolsterten Sessel mit einem Hocker davor. „Mach es dir gemütlich und leg die Füße hoch, während ich das Chaos beseitige.“

„Ich helfe dir.“

„Nein, du setzt dich hin.“ Er nahm Elena die Kissenreste ab und geleitete sie fürsorglich zu dem Sessel. „Entspann dich einfach. Babe hat es heute gut mit mir gemeint und nur zwei Kissen zerfetzt. Normalerweise müssen drei oder vier dran glauben. Und meistens auch noch ein paar Zeitschriften.“

Elena saß gerade, da sprang der Hund schon auf ihren Schoß. Aus dem dichten, langen Fell blickten zwei schwarze Knopfaugen zu ihr empor, dann stieß das freundliche Tier mit dem Kopf gegen Elenas Hand, um gestreichelt zu werden.

„Was ist das für eine Rasse?“ Elena kraulte Babe.

Brad zuckte mit den Schultern, als er sich bückte und die Kissenfüllung einsammelte. „Der Tierarzt meint, sie ist ein Shih-Tzu, unter den sich vor ein oder zwei Generationen ein Pekinese gemischt hat.“ Grinsend richtete er sich auf. „Aber ich bin ziemlich sicher, dass in ihr auch etwas von einem Tasmanischen Teufel steckt.“

Lächelnd streichelte Elena den kleinen Körper. „Egal, was sie ist, sie ist einfach süß. Wie alt ist sie?“

„Der Tierarzt schätzt, dass sie etwa sechs Monate alt war, als ich sie vor dem Connelly Tower fand. Sie war halb verhungert, total verängstigt und äußerst dankbar.“ Er lachte. „Das war vor etwa einem Jahr. Jetzt ist sie gut gefüttert, unglaublich arrogant und meint, mich zu besitzen statt andersherum.“

Brad brachte die Kissenreste in den Müll. Als er ins Wohnzimmer zurückkehrte, hielt er eine Hundeleine in der Hand. Elena sah, dass er sich Jeans und ein Sweatshirt angezogen hatte. „Ich hoffe, du magst chinesisches Essen.“ Als sie nickte, schien er erleichtert. „Gut. Ich habe nämlich gerade eine Hühnersuppe mit Nudeln, Reis und Pfannengemüse bestellt. Das Essen müsste in zwanzig Minuten hier sein.“

Er kam zu ihr und hakte die Hundeleine an Babes Halsband ein. Dabei berührte er Elenas Hand.

Ein Prickeln lief über ihren Arm. Schnell zog sie die Hand zurück. Sie wusste nicht, warum, aber jedes Mal, wenn Brad sie berührte – egal, wie flüchtig der Kontakt war –, wurde ihr heiß. „Hast du jemanden, der mit ihr Gassi geht, wenn du arbeitest?“

„Zweimal am Tag kommt jemand vom Dog-Walking-Service.“ Brad nahm Elena den Hund vom Schoß und setzte ihn auf den Fußboden. „Wollen wir los?“

Elena lachte laut, als der Hund zu seinem Herrchen aufblickte und dann beleidigt den Kopf wegdrehte. „Es war gar kein Witz, als du gesagt hast, sie würde dir den ganzen Abend die kalte Schulter zeigen, oder?“

„Sie hat einfach keinen Respekt vor mir.“ Dann fügte er ernst hinzu: „Bleib dort sitzen und entspann dich. Ich bin in ein paar Minuten zurück.“

Brad zog seinen Mantel an und ließ sich von Babe zur Tür ziehen. Elena legte die Füße hoch und dachte über Brad Connelly nach. Zuerst hatte sie den Eindruck gehabt, dass er genauso wie ihr vergnügungssüchtiger Exmann war. Ein Mann, der für den Moment lebte und vor allem davonlief, was sein bequemes Leben störte oder Verantwortung forderte.

Sie schüttelte den Kopf. Normalerweise konnte sie die Persönlichkeit eines Menschen schon nach fünf Minuten sehr genau einschätzen. Es gehörte zu ihrem Job, schnell zu erkennen, ob der Gesprächspartner der Mensch war, der er zu sein vorgab.

Doch sie musste sich eingestehen, dass sie mit ihrem ersten Eindruck von Brad etwas voreilig gewesen war. Er hatte sie nicht nur mit seiner ehrlichen Entschuldigung im Krankenhaus und später in ihrer Wohnung überrascht, sondern auch mit seinem großzügigen Angebot, dass sie bei ihm wohnen könnte, bis die Heizung in ihrem Apartment wieder funktionierte.

Elena sah sich in seiner Wohnung um, betrachtete die exklusiven Möbel und Originalgemälde. Welcher Playboy, der etwas auf sich hielt, rettete einen streunenden Hund und regte sich nicht groß darüber auf, wenn das Tier die Wohnung verwüstete? Oder versprach einer schwangeren Polizistin zu helfen, die niemanden hatte, an den sie sich wenden oder zu dem sie gehen konnte?

Als Babe auf seinen Bauch sprang und dort einen Stepptanz aufführte, öffnete Brad verschlafen ein Auge. „Jetzt sag nicht, dass du jetzt rauswillst“, murmelte er. „Es ist noch nicht einmal hell.“

Als Antwort jaulte das kleine Tier und schleckte Brads Wange ab.

Brad kraulte den Hund. „So, du meinst also, ein feuchter Hundekuss reicht aus, und dein Verhalten gestern Abend ist vergessen und vergeben?“

Babe legte sich auf Brads nackte Brust, bettete den Kopf auf die Vorderpfoten und starrte ihn aus ihren unschuldsvollen Augen an, während sie ihre Entschuldigung winselte.

Brad stöhnte. „Okay, ich habe dir verziehen. Ich gehe mit dir spazieren. Aber ich will nicht diesen traurigen Hundeblick sehen.“

Er schob Babe von seiner Brust, rollte sich auf die Seite und setzte den Hund auf den Boden. Als er seinen Jogginganzug anzog, sprang Babe aufgeregt um seine Füße herum. Hoffentlich fing sie nicht noch an zu bellen. Elena schlief in dem Gästezimmer direkt gegenüber, und er wollte sie nicht wecken. Sie brauchte Ruhe.

Schnell zog Brad seine Joggingschuhe an, hob Babe hoch und trat hinaus in den Flur. Die Tür zum Gästezimmer war noch geschlossen, und es waren auch keine Geräusche zu hören. Gut. Sie hatten Elena nicht gestört.

Gestern Abend, als er mit Babe vom Spaziergang zurückkehrte, hatte er Elena zusammengekauert auf dem Sessel vorgefunden. Er musste unwillkürlich lächeln, als er sich an den Anblick erinnerte.

Sie hatte so entspannt ausgesehen und friedlich wie ein Kind geschlafen, dass Brad nicht den Mut gehabt hatte, sie zu wecken. Daher hatte er sie hochgehoben und ins Bett getragen. Sie hatte sich nicht einmal gerührt, als er ihr die Schuhe auszog und mit der Decke zudeckte. Heute Morgen würde ihr das sicher peinlich sein.

Ihm dagegen waren zwei äußert angenehme Dinge bei der Aktion aufgefallen. Erstens, dass ihr Körper sehr weich und weiblich war. Und zweitens, dass er scharf auf sie war. Ihm wurde jetzt noch heiß, wenn er daran dachte.

Und noch etwas war ihm aufgefallen. Er hatte zwar keine Erfahrung mit schwangeren Frauen, doch er war ziemlich sicher, dass sie kräftiger sein sollten, als Elena es war. Es hatte ihn beunruhigt, wie leicht sie war und was für einen zerbrechlichen Eindruck sie machte. Sie wog sicherlich kaum fünfzig Kilo.

Die Ärztin hatte regelmäßige Mahlzeiten angeordnet, doch das Abendessen gestern hatte Elena schon wieder verpasst. Brad würde dafür sorgen, dass sie heute Morgen alles nachholte. Er würde ihr ein kräftiges Frühstück zubereiten und dafür sorgen, dass sie alles aufaß.

Als er eine halbe Stunde später die Wohnungstür öffnete, stieg ihm ein köstlicher Duft nach gebratenem Schinken in die Nase. „Elena?“

„Ich bin hier!“, rief sie.

Er zog seine Jacke aus und nahm Babe von der Leine. „Was zum Teufel machst du?“ Er trat in die Küche. „Du sollst dich doch schonen.“

„Dir auch einen guten Morgen.“ Sie nahm einen Streifen des knusprigen Schinkens aus der Pfanne. „Wo ist Babe?“

Brad deutete mit dem Daumen in Richtung Wohnzimmer. „Sie liegt auf dem Sofa unter den noch vorhandenen Kissen.“ Er bemerkte, dass Elena geduscht und sich umgezogen hatte. Sie trug jetzt Jeans und ein legeres graues Sweatshirt mit dem Logo der Chicagoer Police Academy über der Brust.

„Warum?“, fragte Elena und holte eine Packung Eier aus dem Kühlschrank.

„Das macht sie immer, um sich nach einem Spaziergang aufzuwärmen.“ Brad nahm Elena die Eier aus der Hand und stellte sie auf die Arbeitsfläche.

„Verständlich.“ Elena lächelte. „Der Februar in Chicago kann verdammt kalt sein.“ Sie nahm ein Ei. „Wie möchtest du die Eier? Normales Spiegelei oder von beiden Seiten gebraten oder Rührei?“

„Beidseitig gebacken.“ Er nahm ihr den Pfannenheber aus der Hand und führte sie an den Frühstückstisch. „Aber ich kümmere mich darum. Du setzt dich hin.“

„Ich kann kochen.“ Sie kniff die Augen zusammen. „Ich hätte gestern Abend auch allein ins Bett gehen können, wenn du so freundlich gewesen wärst, mich zu wecken.“

Er hatte damit gerechnet, dass sie ihn darauf ansprechen würde. „Du warst müde.“

„Darum geht es nicht.“

„Doch, Elena, genau darum geht es“, sagte er barscher als beabsichtigt. „Du sollst dich schonen, und ich werde dafür sorgen, dass du dich an die Anweisungen der Ärztin hältst. Außerdem bist du mein Gast. Also setz dich hin.“

Sie machte ein Gesicht, als wollte sie sich nicht so schnell geschlagen geben, doch unverhofft gab sie nach und setzte sich an den Tisch. „Brad, ich …“

Zu seinem Entsetzen füllten sich ihre Augen mit Tränen, und ihre sinnlichen Lippen fingen an zu beben. Sein Magen zog sich zusammen. Er hatte nicht damit gerechnet, dass er ihre Gefühle mit so etwas Banalem verletzen konnte. Er hatte doch nur darauf bestanden, dass sie sich entspannte, während er das Frühstück zubereitete.

„Elena, Liebes, es tut mit leid.“ Er ging vor ihr in die Hocke und nahm ihre Hände. „Bitte weine nicht.“

„Ich hasse das.“ Sie zog ihre Hände zurück, bedeckte ihr Gesicht und weinte noch schrecklicher.

Er fühlte sich furchtbar mies, als er die Arme um sie schlang und sie an sich zog. „Entschuldige. Ich hätte dich nicht so anfahren dürfen.“

Sie schüttelte den Kopf und weinte sich an seiner Schulter aus. „Das ist es nicht.“

„Was ist es dann?“

„Es sind … die Hormone“, schluchzte sie. „Ich kann nichts dagegen tun.“

Das war es also. Ihr Schluchzen hing mit ihrer Schwangerschaft zusammen.

Brad konnte sich gut an die Erzählungen seines Zwillingsbruders Drew vor einigen Jahren erinnern. Seine Frau hatte auch die unterschiedlichsten Emotionen durchlebt, als sie mit Amanda schwanger gewesen war. Er und Drew hatten Talias Gefühlsschwankungen im Scherz als Neun-Monats-Marotte bezeichnet.

Natürlich hatten sie den Ausdruck weder in Talias Gegenwart noch in der anderer Frauen gebraucht. So viel Gespür hatten sie immerhin besessen.

„Fühlst du dich wieder besser?“, fragte er, als Elenas Weinen schwächer wurde und das Beben in ihrem Körper nachließ.

Sie nickte und löste sich aus seiner Umarmung. „Es ist mir so peinlich.“ Ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern, während sie den Blick auf ihre Hände im Schoß gesenkt hielt.

Er zog einige Papiertaschentücher aus einer Box und wischte damit liebevoll die Tränen von ihren Wangen. „Das muss dir nicht peinlich sein. So etwas gehört zu einer Schwangerschaft.“

Elena blickte auf und zog eine perfekt gezupfte Augenbraue hoch. „Du kennst dich mit schwangeren Frauen aus?“

„Nein, aber die verstorbene Frau meines Zwillingsbruders hatte während der Schwangerschaft Probleme mit ihrem Gefühlsleben“, erklärte Brad. „Damals haben Drew und ich noch über alles gesprochen.“

Der Schatten, der sich über sein attraktives Gesicht legte, und die Traurigkeit in seiner tiefen Baritonstimme weckten Elenas Neugier. „Ihr steht euch nicht mehr nah?“

„Nicht so nah wie damals.“ Er zuckte mit den Schultern, doch sie sah ihm an, dass ihn das bedrückte. „Nach Talias Tod hat Drew sich ziemlich von der Familie abgekapselt.“

„Warum?“ Warum kapselte sich jemand zu einem Zeitpunkt von der Familie ab, an dem er sie am dringendsten benötigte? Wenn sie selbst je eine Familie gehabt hätte, dann hätte sie sich sicher unzählige Male an sie gewandt, um Liebe und Unterstützung zu erfahren. Die Familie hätte ihr geholfen, mit den beiden Fehlgeburten und ihrer gescheiterten Ehe zurechtzukommen.

Brad richtete sich auf und ging an den Herd. Er schlug Eier in die Pfanne, bevor er weitersprach. „Ich glaube, Drew hat sich von der Familie zurückgezogen, weil er sich die Schuld an Talias Tod gibt. Sie ist an einer Überdosis Medikamente gestorben, als ihre Tochter noch klein war.“

Brad drehte sich zu ihr. „Der Rest der Familie wusste, dass irgendetwas nicht mit ihr stimmte, dass sie zu viele verschreibungspflichtige Medikamente nahm. Wir haben versucht, es ihm zu sagen. Doch Drew wollte nicht wahrhaben, dass sie Probleme hatte. Als er schließlich den Beweis fand und damit konfrontiert wurde, dass der Star der Gesellschaft medikamentenabhängig war, reagierte Drew nicht konsequent genug. Eines Tages kam er aus dem Büro nach Hause und fand sie leblos vor.“

„Darüber habe ich gelesen. Es muss schrecklich für ihn gewesen sein.“

Brad nickte. „Und die Presse hat noch dazu beigetragen. Da sie eine Van Dorn war, verheiratet mit einem Connelly, haben sich die Pressevertreter wie Haie auf die Geschichte gestürzt. In jeder Publikation von hier bis Milwaukee wurde darüber berichtet, und auch die Radio- und Fernsehsender machten eine große Sache daraus.“

Elena konnte sich nur zu gut vorstellen, wie sich die sensationsgierigen Reporter auf diese heiße Story gestürzt hatten. „Mir ist die Presse schon so manches Mal auf die Nerven gegangen“, sagte Elena verständnisvoll. „Mehr als einmal hat sie Ermittlungsarbeiten kompliziert oder sogar gefährdet.“

„Das überrascht mich nicht.“ Brad holte zwei Teller aus dem Schrank und gab die Eier darauf. Dann schlug er ein weiteres Ei in eine Schüssel, rührte es und gab es in eine kleinere Pfanne. „Wie lange bist du schon Polizistin?“

„Ich arbeite seit acht Jahren für das Chicago Police Department – zuerst als Büroangestellte. Mit einundzwanzig habe ich mich dann an der Polizeiakademie beworben und wurde auch genommen.“ Sie runzelte die Stirn. „Erwartest du noch jemanden zum Frühstück?“

„Nein.“ Lächelnd zuckte er mit den Schultern. „Ich esse gern ein Spiegelei, doch Babe bevorzugt Rühreier.“

Elena musste lachen. „Es geht mich eigentlich nichts an, aber warum hast du sie ‚Babe‘ genannt?“

Er wurde verlegen. „Ich glaube nicht, dass dir die Antwort besonders gefallen wird.“

„Du machst mich neugierig.“

Er räusperte sich und holte tief Luft. „Nicht lange, nachdem ich sie gefunden hatte, stellte ich fest, dass Frauen von süßen, kleinen Hunden angezogen werden.“

„Oh nein, das hast du nicht getan.“

Er nickte und wurde noch verlegener. „Ihr voller Name ist Babe Magnet, Frauenmagnet.“

Brad räumte den letzten Teller in die Spülmaschine und ging anschließend ins Wohnzimmer. Elena hatte es sich dort auf der Couch mit Babe gemütlich gemacht. Er beobachtete, wie sie einen Notizblock aus ihrer Tasche holte. Sie kritzelte etwas auf das oberste Blatt und blickte zu ihm auf.

„Hast du etwas dagegen, wenn ich dir ein paar Fragen zur Familie stelle?“

„Ich würde lieber bis Montag warten, wenn du nichts dagegen hast.“

Sie warf ihm einen argwöhnischen Blick zu. „Warum? Willst du nicht, dass derjenige, der versucht hat, deinen Bruder umzubringen, so schnell wie möglich gefasst wird?“

„Versteh mich nicht falsch. Ich will, dass der Kerl schleunigst hinter Gitter kommt. Aber nicht auf Kosten deiner Gesundheit.“ Er setzte sich neben sie. „Daniel befindet sich in Sicherheit, und ich würde lieber bis Montag warten. Dann bist du ausgeruhter.“

„Mir geht es gut.“ Sie errötete leicht.

Brad wusste, dass es ihr immer noch unangenehm war, dass er ihren Zusammenbruch und ihre Tränen erlebt hatte. Sie betrachtete es als Schwäche und mangelnde Selbstbeherrschung – etwas, was in ihren Augen untragbar war, wie er schnell herausgefunden hatte.

„Die Ärztin hat gesagt …“

„Oh Mann.“ Elena verdrehte die Augen. „Fällt dir nichts anderes ein? Du klingst wie eine Schallplatte mit einem Sprung.“

„Ich habe dir gesagt, dass ich dafür sorgen werde, dass du dich schonst und es nicht übertreibst.“ Er nahm ihr den Block aus der Hand und legte ihn auf den Couchtisch.

Sie blickte ihn einen Moment lang stumm an, bevor sie die Hand ausstreckte und den Block wieder an sich nahm. „Mach dir keine Gedanken, Brad. Hier auf meinem Hintern zu sitzen ist nicht besonders anstrengend.“

Er schnappte sich den Block und warf ihn auf den Sessel. „An welchen Tagen hast du normalerweise frei?“

Ihr heiseres Lachen sandte wohlige Schauer durch seinen Körper. „Wenn man zu dieser Spezialeinheit gehört, hat man keine festen Arbeitszeiten mit regulären freien Tagen“, erklärte sie. „Wenn wir gerade an einem Fall arbeiten, haben wir vielleicht mal dienstfrei, aber wir sind immer in Bereitschaft.“

„Immer?“

3. KAPITEL

„Ich weiß, dass noch einiges getan werden muss, bis die Amtsübernahme über die Bühne gehen kann, und ich bin bereit weiterzumachen“, sagte Daniel drei Tage später zu seinem Bruder, als er eine weitere Marketingidee für Connelly Corporation notierte.

„Wie meinst du das?“, fragte Brad.

Daniel konnte nicht länger ruhig sitzen. Ungeduldig sprang er auf. Er war es leid, sich zwischen zwei Welten zu bewegen. „So langsam verliere ich die Geduld. Wenn alles nach meinem Willen ginge, dann wäre ich bereits in Altaria. Ich bekomme die gewünschten Informationen von Erins Vater, dem Außenminister, immer noch nicht so schnell, wie ich sie gern hätte. Es ist fast so, als würde mir jemand Steine in den Weg legen, um mich zu bremsen.“

Brad warf ihm einen neugierigen Blick zu. „Du weißt, dass du nicht alles innerhalb eines Tages ändern kannst.“

„Natürlich weiß ich das. Aber solange ich die Informationen nicht bekomme, kann ich gar nichts tun. Ich sage dir das, weil ich meine Zeit bei Connelly einschränken werde. Ich werde es meiner Assistentin irgendwann nächste Woche mitteilen.“

Brad nickte. „Du weißt, dass deine Thronbesteigung sofort in den Nachrichten erscheinen wird.“

Daniel holte tief Luft. Er war sich bewusst, dass sich sein Leben von Grund auf ändern würde, sobald die Presse herausfand, dass er die Thronfolge antrat. „Das gehört zum Job. Ebenso wie dieses höfische Protokoll, das Miss Perfekt Erin mir beibringen will.“

Genau in diesem Moment erschien Miss Perfekt hinter seinem Bruder.

Daniel sah ihren verletzten Gesichtsausdruck und unterdrückte einen Fluch. Er sollte seinen Frust nicht an ihr auslassen, aber verdammt, die Frau hatte ihn nach dem Ball so oft mit „Hoheit“ und „Sir“ angeredet, dass er ganz verrückt wurde.

„Wir machen später hiermit weiter“, sagte Daniel zu Brad.

Verwirrt sah Brad ihn an. „Aber …“

„Hallo, Erin“, sagte Daniel bedeutungsvoll und merkte, dass sein Bruder endlich begriff.

„Oh.“ Brad nickte. „Später. Halt mich auf dem Laufenden. Hi, Erin.“ Er ging zur Tür.

„Hallo“, murmelte sie.

„Hoheit“, sagte sie kühl zu Daniel.„Mit Verlaub, aber vielleicht haben Sie vergessen, dass wir uns vor dem Lunch für eine Stunde treffen wollten.“

„Ich habe es tatsächlich vergessen“, gestand er und schloss die Tür hinter ihr. „Und ich habe Sie verletzt. Tut mir leid.“

Sie winkte ab. „O nein, Sir. Es ist mein Job, ein bestmögliches Vorbild zu sein, und natürlich ist es Ihr Recht, Ihre Meinung zu äußern. Ich bedaure außerordentlich, dass ich es bisher nicht geschafft habe, Ihnen die Wichtigkeit von Traditionen und höfischer Etikette zu vermitteln.“

Ihre knappe Sprechweise traf sein Gewissen wie ein Dolchstoß. Schuldbewusst rieb Daniel sich das Gesicht. „Sie haben recht. Mir ist die Tradition nicht so wichtig wie Ihnen. Aber das gibt mir noch lange nicht das Recht, Ihre Gefühle zu verletzen.“

Ihre Augen weiteten sich. „Nein, Sir, Sie haben meine Gefühle nicht …“

„Natürlich habe ich das“, unterbrach er sie. „Und das ärgert mich. Wir müssen Waffenstillstand schließen.“

„Waffenstillstand, Sir?“

„Wir kommen nicht weiter, wenn Sie an Ihren Prinzipien festhalten und ich an meinen. Ich werde versuchen zu verstehen, warum dieses königliche Protokoll so wichtig für Sie ist, wenn Sie daran arbeiten, einen Weg zu finden, wie ich einen Teil meiner Welt nach Altaria bringen kann.“

Verwirrt zog sie die Augenbrauen zusammen. „Ich verstehe nicht ganz, was Sie meinen, Sir.“

Daniel warf frustriert seinen Stift auf den Schreibtisch. „Ich meine, dass ich versuchen werde, die Dinge aus Ihrer Sicht zu sehen, und Sie werden die Dinge von meinem Standpunkt aus betrachten.“

Erin runzelte die Stirn. „Wie soll das funktionieren, Sir? Ich weiß viel zu wenig über Ihr Leben.“

Daniel fragte sich, ob er sich nur deshalb über ihr ständiges „Sir“ ärgerte, weil es ihn daran erinnerte, dass er zwölf Jahre älter war als sie. „Sie werden mehr Zeit mit mir verbringen müssen. Außerdem kein ‚Sir‘ und ‚Hoheit‘ mehr; es sei denn, wir diskutieren gezielt das königliche Protokoll.“

Sie hob das Kinn. „Entschuldigen Sie, Sir, aber es ist absolut korrekt, wenn ich Sie mit ‚Hoheit‘ anspreche.“

„Das mag sein, aber es geht mir total auf die Nerven.“

„Tut mir leid, aber jeder in Altaria wird Sie so anreden.“

„Es sei denn, ich befehle ihnen, mich anders anzusprechen.

Richtig?“

„Ja, Sir.“

„Dann befehle ich Ihnen, das ‚Sir‘ wegzulassen. Nennen Sie mich einfach Daniel.“

„Wenn Sie darauf bestehen, Si…“