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Die Abenteurer - Folge 19

Inhalt

  1. Cover
  2. Über diese Serie
  3. Über diese Folge
  4. Über die Autoren
  5. Impressum
  6. Inferno unter dem Meer
  7. In der nächsten Folge

Die Abenteurer – Auf den Spuren der Vergangenheit

Auch in unserer modernen Welt gibt es unzählige Rätsel. So ist bis heute das Geheimnis des Bermuda-Dreiecks ungelöst. Auch wurde bisher noch kein Hinweis auf die Existenz von Atlantis gefunden. Und welche Vorgänge verbergen sich hinter der Entstehung von Kornkreisen? Können tatsächlich alle UFO-Sichtungen auf optische Täuschungen zurückgeführt werden? Und gibt es irgendwo nicht doch ein „El Dorado“ zu entdecken?

Diesen und vielen anderen Rätseln sind die Abenteurer Thomas Ericson und Gudrun Heber auf der Spur. Egal, ob als dynamisches Duo oder in Zusammenarbeit mit ihren Kollegen des A.I.M.-Teams, sie entschlüsseln antike Hinweise, erkunden atemberaubende Orte und bestehen tödliche Gefahren.

Doch nicht nur sie haben es auf die vergessenen Geheimnisse abgesehen. Verfolgt vom mysteriösen Professor Karney hetzen die Forscher über den ganzen Globus. Und dabei entpuppt sich ihr größenwahnsinniger Verfolger schnell als intelligenter Gegner: berechnend, eiskalt und immer tödlich …

Über diese Folge

Die atlantische Station, in die es Tom Ericson verschlagen hatte, ist zerstört. Dieser Weg zur »Insel der Götter« kann nie wieder beschritten werden. Schlimmer noch: Mit Toms Eindringen in die atlantische Station wurde ein Schrecken aus tiefster Vergangenheit geweckt – ein Wesen, das in unsere Welt entkommen ist!

Doch es gibt noch Hoffnung für die Abenteuer. Die Zerstörung der atlantischen Station muss ein Beben verursacht haben, das von seismologischen Instituten registriert wurde! Damit sollte es möglich sein, Atlantis zu lokalisieren! Eine Tauchfahrt soll Klarheit bringen. Doch was sie finden ist ein Inferno unter dem Meer …


Die Abenteurer - Auf den Spuren der Vergangenheit: Ein rasanter Trip an atemberaubende Orte der Menschheitsgeschichte. Ein Wettlauf um nie endenden Ruhm, unermesslichen Reichtum und längst vergessene Geheimnisse. Spring auf und entdecke zusammen mit den Abenteurern die Rätsel der Vergangenheit!

Über die Autoren

An der Romanserie Die Abenteurer haben die Autoren Robert deVries, Wolfgang Hohlbein, Karl-Heinz Prieß, Hubert H. Simon, Frank Thys und Marten Veit mitgewirkt. Sie alle haben jahrelange Erfahrung im Schreiben von Spannungs-, Fantasy- und Abenteuergeschichten. Durch ihre jeweils besonderen Interessen und Stärken entstand mit Die Abenteurer ein genresprengendes Epos um die größten und ältesten Mysterien der Menschheit.

 

Die Abenteurer

 

Hubert H. Simon

Inferno unter dem Meer

 

INFERNO UNTER DEM MEER

Der Aschenbecher quoll über. Aber nur wenige Zigaretten waren tatsächlich zu Ende geraucht; die Mehrzahl war angezündet und nach zwei oder drei Zügen zur Seite gelegt und vergessen worden. Andere waren zerfasert, von nervösen Fingern ausgedrückt und dabei zerbrochen. Tabak, Asche und Filter vermischten sich zu einem Stillleben besonderer Art.

Obwohl Connor seit Stunden am Computer saß, konnte er dem neuen Tag bislang keine positive Seite abgewinnen. Es war jetzt kurz nach fünf Uhr morgens, außerhalb der trutzigen Steinmauern von Oake Dûn erwachte die Natur zu neuem Leben. Der Schotte dachte an die Flut, die gischtend gegen die Klippen brandete, und an die taufeuchten, zu einem Morgenspaziergang einladenden Wiesen. Wo heute spärliches Gras wuchs, hatten sich vor Jahrhunderten noch ausgedehnte Eichenwälder erstreckt.

Er gähnte und fuhr sich mit der flachen Hand übers Gesicht. Der blaue Dunst vor dem Bildschirm war ebenso hartnäckig wie der Nebel, der um diese Jahreszeit allmorgendlich die Küste entlangkroch.

Die Grafiksegmente auf dem Monitor wichen grell blinkenden Schriftzeichen: Rechnerkapazität überlastet. Zugriffsberechtigung erster Priorität erforderlich.

Connor tippte einen Code ein.

Eingabe wiederholen! erschien auf dem Schirm.

Er drückte die Escape-Taste. Danach erneut das Kennwort, das den Zugriff auf den Großrechner des Erdbebenobservatoriums auf der Isle of Wight ermöglichte.

Ohne den Blick abzuwenden, griff Connor nach der Zigarettenschachtel, schüttelte die letzte Gaulouises heraus und steckte sie an. Ein hastiger Zug, anschließend paffte er nur, und als gleich darauf, dass ersehnte Logo auf dem Monitor entstand, drückte er die Glut ab. Seine Finger huschten wieder über die Tastatur.

Die noch wenig detaillierte Weltkarte veränderte sich. Eine erste Ausschnittsvergrößerung zeigte das Zentralpazifische Becken mit den von West nach Ost verlaufenden Bruchzonen der Erdkruste. Die San Andreas-Spalte kam ins Bild … Aktuelle Messdaten wurden eingeblendet – sie interessierten Connor nicht.

Type past, tippte er.

Month?

November.

Date?

22.

Ein besonderer Tag. Nicht für die Weltöffentlichkeit, deren Vertrauen in die Zukunft durch lokale Kriege, Katastrophen und wirtschaftliche Rezession getrübt wurde, sondern für Ian Sutherland und seine Mitarbeiter.

Eine alte Schriftrolle, im Dschungel von Yukatan aufgefunden, hatte sie nach Tiahuanaco in Bolivien geführt, zu den verborgenen Zeugnissen einer frühen Kultur. Atlantis war für sie greifbar geworden – und für den Archäologen Tom Ericson sogar erschreckende Realität. Durch ein durchlässiges Steintor war er in eine uralte atlantische Station verschlagen worden – irgendwo auf der Welt.

Connor blinzelte und massierte sich die Nasenwurzel. Was blieb anderes übrig, als die Funktion jenes mysteriösen Tores mit Magie zu erklären – oder mit einer der Menschheit noch nicht (oder nicht mehr?) zugänglichen Transmittertechnik, wie sie in Science Fiction-Romanen längst Einzug gehalten hatte?

Vermutlich war jene atlantische Station unmittelbar nach Tom Ericsons Rückkehr zerstört worden. Alle Anzeichen deuteten darauf hin. Ian Sutherland, der Gründer und Finanzier von A.I.M., des Analytic Institute for Mysteries, war gerade im Begriff gewesen, wieder nach Tiahuanaco zu reisen, um bei der Erforschung der atlantischen Anlage zugegen zu sein, als ihn die unerwartete und ebenso niederschmetternde Nachricht erreicht hatte.

Time? war auf dem Bildschirm erschienen.

0:00 to 24:00 MEZ, gab Connor ein.

Die Zerstörung hatte in der Erdkruste Bebenwellen ausgelöst, daran gab es keinen Zweifel. Das Epizentrum zu lokalisieren, war Connors Aufgabe.

Er wählte bewusst den Zeitraum eines ganzen Tages und begrenzte die Suche nicht nur auf die exakt definierte Stunde von Ericsons Rückkehr. Die Vernichtung der Station war spontan erfolgt; alle Orte, an denen sich Vorbeben ereignet hatten, schieden damit als potenzieller Standort aus.

Connor verschob den Bildausschnitt weiter nach Osten. Die Great Plains … die Ostküste der USA … Er hatte nach Mitternacht schon vorselektiert. Die Wahrscheinlichkeit, im Bereich des Nordatlantischen Rückens fündig zu werden, betrug demnach knapp 65 Prozent.

Connor arbeitete verbissen und nur auf den Bildschirm konzentriert. Endlos lange Listen von Messdaten flimmerten vor ihm vorüber.

Mehr als eine Million Beben ereignen sich jährlich auf der Welt, die meisten so schwach, dass nur seismologische Instrumente sie registrieren. Nicht weniger als 3000 Erdstöße erreichen jedoch die Stärke sechs bis sieben auf der nach oben offenen Richterskala und erweisen sich, sofern sie bewohnte Regionen treffen, häufig als katastrophale Naturereignisse.

Aber nicht danach suchte Sutherlands Butler und Computerspezialist, sondern nach einer jener schwachen Erschütterungen, die durchschnittlich alle dreißig Sekunden irgendwo Messgeräte zum Ausschlag bringen. Knapp 3000 solcher Beben pro Tag bescheren eine erdrückende Datenfülle.

Wieder griff Connor nach der Zigarettenschachtel. Sie war leer. Ärgerlich knüllte er das Papier zusammen und fischte aus dem Aschenbecher eine noch einigermaßen heil gebliebene Kippe. Alle Versuche, sich das Rauchen abzugewöhnen, waren bislang vergebliche Mühe geblieben.

Hinter ihm betrat jemand den Computerraum.

»Pierre?«, fragte Connor, ohne den Blick vom Bildschirm abzuwenden.

Ein gequältes Husten antwortete ihm. Gleich darauf fragte eine weibliche Stimme: »Haben Sie keine Angst, an Rauchvergiftung zu sterben, Connor?«

»Geräucherte Ware hält sich länger, Miss Heber«, erklärte er und fügte überrascht hinzu: »Sie sind schon wieder fit?«

»Ich habe keinen schweren Kopf, falls Sie das meinen. Außerdem habe ich weniger getrunken als die anderen.«

Sutherland, Ericson, Connor, Leroy, sie selbst und Valerie Gideon hatten den Abend und die halbe Nacht zusammengesessen und geredet. Über Bolivien, Tibet und China – über Atlantis im Besonderen. Natürlich war es nicht bei einem Whisky geblieben. Lediglich Valerie, die gesundheitlich immer noch angeschlagen war, hatte sich schon nach zehn Uhr auf ihr Zimmer zurückgezogen; die anderen hatten bis gegen Mitternacht diskutiert.

»Wie lange haben Sie geschlafen, Connor?«, wollte Gudrun wissen.

»Sechzig Minuten. Ungefähr.« Er warf einen kurzen Blick über die Schulter. »Sind Sie gekommen, um mich das zu fragen?«

»Um Ihnen einen Kaffee anzubieten. Ich dachte mir, dass Sie unermüdlich durcharbeiten.«

»Seit zwei Tagen sind wir aus Bolivien zurück. Es wird Zeit, Ergebnisse vorzuweisen.«

»Stark?«, erkundigte sich Gudrun.

»Ich verstehe nicht …«

»Wollen Sie den Kaffee schwarz und bitter und so stark haben, dass der Löffel darin steht, oder süß und mit Milch?«

Connor schenkte ihr ein dankbares Lächeln. »Sie sind Gast auf Oake Dûn«, wehrte er ab. »Wieso überlassen Sie die Arbeit nicht dem Personal?«

»Also stark«, sagte die Anthropologin in einem Tonfall, der keinen Widerspruch duldete. »Mit Milch?«

Connor seufzte ergeben. »Wenn Sie es nicht anders wollen: Stark, schwarz, bitter und sehr heiß. Möglichst eine Kanne voll. Und außerdem Zigaretten.«

»Welche Marke?«

»Egal.« Connor konzentrierte sich wieder auf den Computer.

Abermals hatte sich die Anzeige verändert. Die geografische Abbildung war in ein Fenster verdrängt, den Rest des zur Verfügung stehenden Platzes beanspruchte eine Tabelle.

»Was sagen die Seismografen?« Für eine Weile beobachtete Gudrun ebenfalls die Datenkolonnen auf dem Bildschirm.

»Ein schwacher Erdstoß in Kairo zur fraglichen Zeit.« Connor tippte mit dem Finger auf die betreffende Zeile. »Aber hier – mehrere Vorbeben. Deshalb ist die Umgebung von Kairo für uns wenig interessant.«

Langsam wanderten die Zahlen weiter. Sobald Positionsangaben im nordatlantischen Bereich erschienen, wurden die betreffenden Zeilen farbig hervorgehoben.

»Stopp!«, rief Gudrun unvermittelt. »Das sollten wir uns näher ansehen!«

Connor unterbrach den Programmablauf zugunsten detaillierter Einzeldaten. Er verschränkte die Hände, stützte das Kinn auf beiden Daumen ab und las. Im Fenster war ein Teilausschnitt des östlichen Mittelmeerraumes erschienen.

»Unwichtig«, bemerkte er nach einer Weile.

»Der Meinung bin ich nicht«, widersprach Gudrun. »Die Koordinaten bezeichnen die südlichste Insel der griechischen Kykladen. Wenn ich mich recht entsinne, stammt von einem gewissen Doktor Galanopoulos die These, Atlantis wäre das Zentrum Santorins gewesen. Um 1500 vor Christus sollen nach einem Vulkanausbruch Teile der Insel im Meer versunken sein.«

»Atlantis wurde von allen möglichen ›Experten‹ schon rund um die Welt lokalisiert.«

»Sehen Sie hier!« Die Anthropologin tippte auf den Monitor. »Nach 18:00 Uhr Ortszeit erfolgten drei schwache Erdstöße innerhalb eines Zeitraums von nur fünf Minuten. Ausgangspunkt ist der südöstliche Küstenbereich der Insel Therasia. Keine Vorbeben, keine weiteren Erschütterungen.«

»Aber dennoch Vorankündigungen«, widersprach Connor. »Ich habe mich in die Materie eingearbeitet, Miss Heber, und das Programm ist umfangreicher, als es den Anschein hat. Hier, diese beiden Symbole verweisen auf weitere Datensätze.« Er setzte den Cursor auf die betreffenden Stellen und aktivierte eine zweite Seite, die überwiegend Text enthielt. Gudruns Miene verdüsterte sich, je länger sie las.

»Das ist allenfalls die Aussage eines Laien«, bemerkte sie. »Was hat ein schwaches Abendrot mit tektonischen Erschütterungen zu tun?«

»Kein Abendrot, sondern ein rötliches Glimmen«, berichtige Connor. »Als Folge des wachsenden Drucks im Erdmantel wird das Gestein elektrisch leitfähiger. Durch feinste Haarrisse entweichen geladene Schwebeteilchen, die jene mysteriöse Färbung hervorrufen.

Außerdem wurde nachträglich eine erhöhte Konzentration des radioaktiven Gases Radon festgestellt. Es ist anzunehmen, dass der Austritt vor den Erdstößen erfolgte.«

»Okay«, versprach Gudrun, »ich rede Ihnen nicht mehr drein. Seismologie ist nicht mein Fach.«

Sie leerte den überquellenden Aschenbecher aus, ein kostbares Stück hauchdünnen Porzellans in Kobaltblau und mit handgemaltem goldenen Familienwappen der Sutherlands. Das Wappen stellte einen aufrecht stehenden Feuer speienden Drachen dar, die lederhäutigen Schwingen leicht abgespreizt und den kräftigen Schwanz noch halb im aufgebrochenen Erdreich verborgen. Zwischen den Pranken hielt er einen kantigen Schild, dessen Gravur die Gebäude von Oake Dûn zeigte. Bis auf die knorrigen Eichen, die heute nicht mehr existierten, wirkte jedes Detail stimmig.

Das Wappen war anders als die vergleichbarer Adelsfamilien. In der Bibliothek und im Kaminzimmer hingen in Kupfer gehämmerte Ausführungen. Aber nicht einmal Sir Ian kannte die ursprüngliche Bedeutung der Bildelemente.

Gudrun versorgte Connor mit einer großen Kanne dampfenden Kaffees und einer Packung englischer Zigaretten. Vorübergehend verdrängte das Aroma der frischen Bohnen den kalten Rauch, aber dann paffte der Schotte wieder drauflos. Ihm war klar, dass er mit seiner Gesundheit Raubbau trieb. Irgendwann würde er vielleicht damit aufhören.

***

Der Tag wurde trist und grau – das typische Novemberwetter hoch im Norden Schottlands. Der Wind, der von den Orkneys her wehte, war eisig. Es schneite leicht, und selbst zur Mittagszeit blieb die Sonne hinter tief hängenden Wolkenbänken verborgen.

Dichte Nebelschwaden kletterten an den Klippen empor. Bedrohlich fluteten sie über die Felskante hinweg und brandeten gegen die Mauern von Oake Dûn.

An Tagen wie diesem wirkte die karge Landschaft der Highlands überaus melancholisch. Die Natur schien den Atem anzuhalten und sich der Vergänglichkeit allen Lebens bewusst zu werden.

Weder Regen noch Schnee hatten Gudrun Heber von einem Spaziergang abgehalten. Den Mantelkragen hochgeschlagen, die Hände in den Taschen vergraben, genoss sie die raue Seeluft und die Abgeschiedenheit vom Rest der Welt. Mitunter schien hier im äußersten Norden der Insel die Zeit stehen zu bleiben.

Nur das Rauschen der Brandung durchbrach die Stille auf dem Hochplateau. Und hin und wieder war der heisere Ruf eines Seevogels zu vernehmen.

Gudrun ging den kurzen Weg hinüber zu den Gesindehäusern, vorbei an verlassenen Pferchen. Selbst den Schafen war die Kälte unangenehm.

Der nasse Schnee gefror. Innerhalb von Minuten fielen die Flocken dichter, verschwand Oake Dûn hinter einer diffusen weißen Wand. Das Schneetreiben drückte den Rauch aus den Kaminen zu Boden. Gudrun hatte es plötzlich eilig, in die anheimelnde Wärme der Festung zurückzukehren.

Mortimer, der alte, leicht senile Diener, öffnete ihr erst nach dem dritten Läuten, und auch dann nur einen winzigen Spalt weit. Sein Gesicht drückte Verärgerung aus.

»Die Herrschaften sitzen bereits zu Tisch«, bekundete er. »Was immer Sie verkaufen wollen, jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt dafür.«

Ehe die Anthropologin zu einer Erwiderung ansetzte, schlug das Tor ins Schloss. Kopfschüttelnd zog sie erneut an der Kette. Die Türglocke überschlug sich schier.

Nach abermals einer kleinen Ewigkeit öffnete Mortimer gerade so weit, dass er um die Ecke nach draußen blinzeln konnte. »Habe ich mich missverständlich ausgedrückt? Sir Ian wünscht seine Mahlzeiten ungestört einzunehmen.«

Diesmal war Gudrun schneller. Ihr Fuß verhinderte, dass das Tor zufiel.

»Erkennen Sie mich nicht, Mortimer? Ich bin es, Miss Heber.«

Der alte Diener rümpfte die Nase. »Miss Heber ist dunkelhaarig, nicht blond. Nehmen Sie bitte Ihren Fuß da weg!«

Für einen Moment stutzte Gudrun, dann war sie nahe daran, hell aufzulachen. Sie schüttelte sich, fuhr mit den Fingern durch ihr Haar und beförderte eine Menge Schnee zu Boden. Mortimer verfolgte die Verwandlung mit sichtlichem Erstaunen. Als die Anthropologin schließlich den pelzverbrämten Mantelkragen zurückschlug, schüttelte er nur noch den Kopf.

»Mylady«, stammelte er. »Wieso haben Sie mir nicht gesagt, dass Sie das Haus verlassen?«

»Ich wollte einfach für kurze Zeit allein sein«, erklärte Gudrun offenherzig.

»Aber … ich habe Sie eben noch im Salon gesehen.«

»Das war vor einer Stunde, Mortimer.«

»Oh, oh«, machte der Diener und kratzte sich ungeniert die Wange. »Die Zeit ist ein Rennpferd, das jedes Jahr schneller läuft.« Pflichtvergessen verlor sein Blick sich in weiter Ferne.

»Ich würde mich jetzt gerne aufwärmen«, sagte Gudrun.

Mortimer zuckte sichtlich zusammen und öffnete rasch das Tor. »Bitte, Mylady. Wenn Sie ablegen wollen, ich helfe Ihnen aus dem Mantel.«

Es blieb bei dem Versuch, denn er reagierte viel zu langsam. Aber immerhin trug er das gute Stück zur Garderobe.

»Lunch wird heute im kleinen Saal serviert!«, rief er über die Schulter zurück. »Die Herrschaften sind schon alle versammelt.«

Er irrte insofern, als Connor fehlte.

»In Kürze dürfen wir mit brauchbaren Ergebnissen rechnen«, eröffnete Sutherland. »Das heißt, dass wir morgen, spätestens übermorgen ein neues Ziel vor Augen haben.«

»Wir werden nach Atlantis vorstoßen«, sinnierte Leroy. Er ließ den Satz langsam auf der Zunge zergehen. »Tom ist einem leibhaftigen Atlanter begegnet – gut. Aber was erwartet uns andere? Manchmal frage ich mich, ob es wirklich vernünftig ist, alle offenen Fragen der Vergangenheit lösen zu wollen.«

»Soll das so etwas wie eine düstere Vorahnung sein, Pierre?«, fragte Valerie Gideon spöttisch.

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