Logo weiterlesen.de
Der unglaubliche Wolfgang

Sissi Kaipurgay

Der unglaubliche Wolfgang

Ein Kühlschrankdrache reist





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Falscher Kühlschrank

 

„Magst du auch ein Bier, Schatz?“, rufe ich und öffne die Tür des Kühlschranks.

„Gerne“, antwortet Johannes vom Schlafzimmer aus.

Ich greife in den Schrank, zucke aber sofort zurück, da dort, wo sonst die Biervorräte schlummern, ein grüner Drache sitzt und mich schläfrig anblinzelt.

„Hallo“, sagt das Ding. „If bin Wolfgang, wer bift du?“

„Ach du Scheiße“, entfährt es mir, bevor ich mich zurückhalten kann.

„Komifer Name“, brummelt der Drache, hüpft mir vor die Füße und streckt sich. „Eng da drinnen“, setzt er hinzu.

„Verdammt, du bist doch dieses Ding, das Männlein mit Weiblein verbandelt“, bemerke ich entsetzt. „Ich hab von dir gelesen.“

 

Anmerkung:

Wer den Kühlschrankdrachen nicht kennt: Er ist eine Art Partnervermittler für Heteros. Bisher zumindest.

 

„Tu if daf?“ Der Drache zwinkert mir zu, legt die Klauen auf den Rücken und wandert durch die Küche, dabei inspiziert er alles. „Fauftall“, murmelt er halblaut.

„Johannes“, rufe ich laut. „Komm bitte mal.“

Dieser Wolfgang fährt herum und glotzt zur Tür.

„Johannef?“, haucht er erstaunt.

„Ja, mein Freund. Was dagegen?“, frage ich trotzig.

„Weia! Falfer Kühlfrank! Daf ift mir nof nie paffiert.“ Der Drache schnaubt, zwei grüne Rauchwölkchen entweichen seinen Nüstern.

„Was ist denn das für ein Ding?“, fragt Johannes, als er nackt im Türrahmen erscheint.

„If bin Wolfgang von Hengftenberg“, erklärt der Drache und wirft sich in die Brust. „If bin kein DING.“

„Tschuldige“, murmelt mein Freund und Stille breitet sich aus.

„Alfo“, meint Wolfgang nach einer Weile. „Du da fteckft deinen Pifi dem da in den Popo?“ Bei diesen Worten zeigt er erst auf mich, dann auf Johannes.

„Nö, das ist andersher…“ Mein Freund fängt einen eisigen Blick auf und verstummt.

„Alfo, Afdufeiffe“, spricht mich der Drache an und stemmt vorwurfsvoll die Pfoten in die Seiten. „Waf foll if hier?“

Ich zucke mit den Schultern.

„Dann will if furück in den Kühlfrank“, jault Wolfgang und hat schon die Tür in der Hand, da habe ich ihn gepackt und unter meinen Arm gestopft.

„Nichts da“, fauche ich den kleinen Gesellen an. „Da ist kein Platz für dich.“

„Was machen wir mit dem Ding?“ Johannes betrachtet den Drachen und zieht die Augenbrauen hoch.

„In den Müll werfen“, knurre ich.

„Nift in den Müll, bitte“, kommt es von Wolfgang. „If bin total harmlof. Ehrlif.“

„Tu das Ding ins Bad“, schlägt Johannes vor, kratzt sich die Eier und tappt zurück ins Schlafzimmer.

War ja klar. Immer muss ich mich um alles kümmern. Ich bringe Wolfgang ins Bad und setze ihn dort ab. Der Kleine klettert sofort in die Badewanne und gähnt ausgiebig.

„Haft du einen Flafanfug und eine Decke für mif?“, fragt er mit Hundeblick.

„Also, eine Decke hab ich schon, aber einen Pyjama wohl eher nicht“, brumme ich und mache mich auf die Suche.

Nachdem ich dem Drachen eine Wolldecke gebracht habe, scheint dieser zufrieden und schließt die Augen, schmatzt ein paar Mal und beginnt zu schnarchen. Allerliebst! Ich mach die Tür vom Bad zu, damit das Sägen gedämpft wird.

 

Auf dem Weg ins Schlafzimmer besorge ich endlich das Bier, stelle dabei fest, dass sämtliche sauren Gurken und auch ein paar Magermilchjoghurt verschwunden sind, und schüttle verwundert den Kopf. So etwas essen Drachen? Wenigstens hat er die Biervorräte nicht angetastet.

Als ich ins Schlafzimmer komme, erwartet mich Johannes schon mit einer stahlharten Erektion. Ich seufze im Stillen und stell die Flaschen auf den Nachtschrank.

„Du erwartest jetzt sicher, dass ich dir einen blase, richtig?“

Johannes grinst breit und nickt.

„Könnten wir nicht … Ich meine, vielleicht möchte ich auch mal …“, beginne ich, traue mich dann aber nicht weiter.

„Was denn?“ Mein Freund legt den Kopf schief und streicht neckend mit dem Finger über die Beule in meinem Slip.

„Ach nichts.“

Ich streife die Wäsche ab und begebe mich aufs Bett. Gerade will ich mich über den riesigen Samtlolli hermachen, als …

„If hab Durft“, klagt es von der Tür her. Wolfgang!

Die Störung kommt so unerwartet, dass ich einen Moment wie erstarrt bin. Der Drache räuspert sich, blinzelt und legt dann die Klauen vor seine Augen.

„If bin gerade blind geworden“, jammert er.

„Verdammt“, zischt Johannes und der Lolli gerät außer Form.

Irgendwie erheitert mich die Situation. Mein Freund, der sich sonst so selbstbewusst gibt, verliert die Fassung und die Lust. Ich kichere, während ich mich vom Bett schiebe und zur Tür laufe.

 

Nachdem ich Wolfgang mit einem Kakao ruhiggestellt habe, kehre ich zum Bett zurück. Johannes hat die Decke bis zum Kinn gezogen und sich umgedreht, womit klar ist, dass heute nichts mehr läuft.

Ich lege mich neben ihn und fühle mich gleichzeitig meilenweit entfernt. Wir sind jetzt seit drei Wochen liiert und was zuerst nur ein einmaliger Fick sein sollte, hat sich zu einer längerfristigen Verbindung gemausert. Ich habe mich gleich in Johannes verliebt und bin froh, dass er immer wieder zu mir kommt, daher habe ich bislang keine Forderungen an ihn gestellt. Die Angst, dass er dann abhauen könnte, hält mich davon ab.

Ich seufze leise und dreh ihm den Rücken zu. Ob ich mal mit ihm reden sollte? Ich bin sonst nicht schüchtern, aber was mein Gefühlsleben angeht, doch sehr verschlossen. Der letzte Mann, dem ich vertraut habe, hat mich ausgelacht und sitzen gelassen.

 

„If hab Hunger“, schnarrt eine erboste Stimme an meinem Ohr.

Das grüne Ungeheuer hockt zwischen mir und Johannes auf dem Kopfkissen und starrt mich vorwurfsvoll an. Jetzt erdreistet sich das Kerlchen auch noch und kitzelt mich am Kinn.

„Gutfi-gutfi-gutfi“, säuselt es dabei.

Widerwillig schlage ich die Klaue weg und befördere Wolfgang kurzerhand vom Bett. Er landet auf dem Bettvorleger, schimpft wie ein Rohrspatz „Krutfitürken, daf tut weh“ und reibt sich den Allerwertesten. Ich schwinge die Beine aus dem Bett und beachte das Monster nicht weiter, als ich erst ins Bad laufe und danach in die Küche.

Während ich die Kaffeemaschine bediene, kommt Wolfgang angetrippelt und schmiegt sich an mein Bein, dabei schnurrt er. Seine Schuppen sind trocken und irgendwie ist das Gefühl gar nicht schlecht, wie er mich da umwirbt.

„Huuuunger“, wispert er mit aufgerissenen Augen. „If hab folfen Huuunger.“

Ich muss einfach lachen, denn das Kerlchen ist richtiggehend niedlich. Mein Herz schmilzt und ich beuge mich zu ihm runter.

„Was magst du denn zum Frühstück? Ein Ei mit Toast?“

„Faure Gurken, bittefön, und …“, er verschluckt sich vor Aufregung, „… und Fokocreme.“

„Das willst du doch aber nicht zusammen essen?“, frage ich erstaunt.

Allein der Gedanke daran dreht mir den Magen um.

„Dof. Daf ift foooo lecker.“ Wolfgang fährt mit der Zunge einmal über die Schnauze.

Uah! Ich hab Mühe, die Vorstellung zu verdrängen und laufe ins Schlafzimmer zurück, um mich anzuziehen. Johannes ist inzwischen erwacht und streckt sich. Wie gern würde ich wieder zu ihm kriechen, aber die Arbeit und ein kleiner, hungriger Drache rufen.

 

Als ich am Abend nach Hause zurückkehre, finde ich Wolfgang im Wohnzimmer auf der Couch. Vor ihm alle Fernbedienungen und – klar – ein Glas Gurken, daneben die Schokocreme. Ich möchte nicht wissen, wie ...

„Hallo Afdufeiffe“, begrüßt er mich, spießt ein Gürkchen mit einer Kralle auf und tunkt es in das Glas mit der Schokocreme.

Mein Magen hebt sich und ich kann nur mit Mühe das Mittagessen unten halten. Angewidert wende ich den Blick ab.

„Mein Name ist Marius“, brumme ich.

„Hallo Mariuf“, berichtigt der Drache unbekümmert. „Mir ift langweilig. Fpielen wir waf fufammen?“

 

Also, eigentlich dürfte ich das niemandem erzählen, aber Wolfgang und ich veranstalten tatsächlich einen Spieleabend. Gegen Mitternacht hat er mich beim Monopoly komplett abgezockt und will mich gerade zu einer Runde Skat überreden, als sich ein Schlüssel in der Wohnungstür dreht. Johannes!

Ich habe ihm – wohl allein um ihn an mich zu binden – einen Wohnungsschlüssel gegeben, auch als Zeichen meines Vertrauens. Bisher hat er ihn nur dazu genutzt, um zu kommen und zu gehen, wie es ihm beliebt, so wie jetzt auch.

„Störe ich?“, fragt er ironisch, als er mich mit dem Drachen auf dem Wohnzimmerteppich inmitten der Spiele vorfindet.

„Ift daf eine ernftfunehmende Frage?“ Wolfgang guckt von mir zu Johannes, und wenn er Augenbrauen hätte, dann wären die jetzt hochgezogen.

„Nein“, beschwichtige ich den kleinen Kerl, den ich inzwischen richtig liebgewonnen habe, auch wenn er ein schlechter Verlierer ist.

„If geh dann mal flafen“, verkündet der Drache, springt auf die Füße und trippelt in Richtung Bad.

Wie selbstverständlich hat er sich in der Badewanne eingerichtet und ich bin froh um die zusätzliche Dusche, sonst wäre das ein Problem. Rasch räume ich die Spiele zusammen und gehe anschließend ins Schlafzimmer, in das sich Johannes verkrümelt hat.

„Hallo Schatz“, begrüße ich ihn jetzt richtig und lege meine Arme um ihn.

„Marius“, stöhnt er und küsst mich wild. “Ich bin so scharf auf dich.“

 

Diesmal ist die Zimmertür geschlossen, während ich Johannes verwöhne. Der Ablauf ist wie immer: Erst lutsch ich ihn, dann fickt er mich. Wenigstens nimmt er mich danach in seine Arme, was mich etwas entschädigt. Es wird schon alles gut werden.

 

„If hab geftern durf daf Flüffellof geguckt“, gesteht mir am nächsten Morgen beim Frühstück der Drache.

Ich bin eh schon gebeutelt durch den Anblick der Schoko-Gurken Mahlzeit, jetzt haut es mich ganz aus den Socken.

„Du hast – gespannt?“

„Feldforfung“, erwidert Wolfgang gelassen und beißt mit sichtlichem Genuss in ein Schokogürkchen.

„Feldforschung? Das Liebesleben schwuler Kerle? Ja, spinnst du völlig, oder was?“, fahre ich ihn an.

„Was’n hier los?“, fragt Johannes, der in diesem Moment die Küche betritt.

Es ist Samstag, daher müssen wir beide nicht arbeiten. Scheint zu einem Familienfrühstück auszuarten.

„Morgen Johannef“, lispelt der Drache artig.

„Morgen“, brummt mein Lover und latscht rüber zur Kaffeemaschine.

„Duhu, Johannef?“ Wolfgang blinzelt und verzieht das Maul zu einem Lächeln. „Wiefo ift der Mariuf bei euf die Frau?“

Stille. Einzig das Geräusch, das beim Verspeisen schokoummantelter Gurken entsteht, füllt die Luft.

 

Johannes rastet wie ein Irrer aus und schreit herum. Wolfgang guckt nur dumm und ich ziehe den Kopf ein. Was den Drachen unser Sexleben angehen würde? Wieso ich mit diesem Ding überhaupt darüber reden würde? Was mir einfiele? Was dem Drachen einfiele und überhaupt – es gäbe gar keine Drachen. Danach trampelt Johannes wutschnaubend ins Schlafzimmer, zieht sich an und verlässt die Wohnung grußlos.

 

„Feiffe“, meint Wolfgang und guckt mitleidig rüber zu mir.

Mir kullert eine einsame Träne über die Wange und mein Herz liegt in tausend Scherben auf dem Boden. Jetzt ist das passiert, was ich immer befürchtet habe.

„Keine Forge, der kommt wieder“, nuschelt der Drache, der vom Stuhl gehopst ist und nun eine Klaue auf mein Knie legt. Ist er größer geworden?

„Wie konntest du nur?“, schluchze ich.

„Du haft fo unglücklif aufgefehen“, wehrt sich Wolfgang, umschlingt jetzt mein Bein mit seinen Stummelärmchen und legt die Schnauze auf meinen Schenkel.

Unwillkürlich beginne ich, seinen Kopf zu kraulen, woraufhin ein wohliges Schnurren erklingt.

 

Eine Woche lang sehe ich Johannes nicht. Er meldet sich nicht und ich traue mich auch nicht, bei ihm anzurufen. Wolfgang gibt sich Mühe mit mir und versucht sogar zu kochen, was ich ihm aber nach einem Desaster in der Küche untersage. Es dauert eine Stunde, die angebrannten Eier nebst Schale aus dem Topf zu kratzen, von dem Gestank rede ich lieber nicht.

&

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Der unglaubliche Wolfgang" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen






Teilen