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Der gemalte Indianer

Friedrich Gerstäcker

Der gemalte Indianer

Erzählung





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Der gemalte Indianer

 

Die Vereinigten Staaten von Nordamerika waren von ihren roten Ureinwohnern teils durch Verträge, teils durch Gewalt gereinigt und den Eingeborenen oder sogenannten »Wilden« die westliche Grenze, das sogenannte »indianische Territorium«, angewiesen worden, um sich dort – angeblich für ewige Zeiten – niederzulassen und ihre Heimat zu gründen. Natürlich wurden dort auf einem verhältnismäßig engen Raum eine Menge verschiedener Stämme zusammengedrängt. So feindselig sich aber früher einzelne von ihnen auch gegenübergestanden sein mochten, so sehr sahen sie hier die Notwendigkeit eines friedlichen Betragens ein, wo den Friedensbrecher nicht mehr die weiten, schwer durchdringlichen Wälder und Sümpfe schützten und die Strafe dem Vergehen auf dem Fuß folgte.

Auch die Jagd, die früher fast allen den alleinigen Lebensunterhalt geboten hatte, reichte hier nicht mehr überall aus, ihre Existenz zu sichern. Der Indianer kennt und achtet keine Jagd- oder Schonzeit, und wo so viele vortreffliche Jäger auf einen kleinen Raum zusammengedrängt wurden, ist es natürlich, dass sie das Wild bald ausrotten oder verjagen mussten. Unter diesen Umständen hörte die Jagd auch auf, ein Vergnügen zu sein, und viele der Stämme sahen sich ernstlich genötigt, ihre Zuflucht zu dem ihnen von den Staaten gebotenen Mittel zu nehmen: den Acker nämlich, den sie bewohnten, auch zu bebauen.

Viele der Stämme – besonders die Choctaws, die Tscherokesen selbst die Creeks, die sonst ihrer kriegerischen Neigungen wegen berüchtigt waren – haben sich zivilisiert, d. h. das Christentum und viele Sitten der Weißen angenommen. Die Tscherokesen und Choctaws geben sogar eine Zeitung heraus, und man findet bei diesen Stämmen vortrefflich angelegte Farmen und gute Schulen – also mit den Letzteren auch die Bürgschaft, dass eine heranwachsende Generation sich mehr und mehr den Sitten der Weißen anschließen und das alte wilde Leben vergessen wird.

Zahlreiche Stämme haben aber auch noch trotz dieses vortrefflichen Beispiels die alte Lebensart behalten, ja zu ihrem Schaden nur das von den Sitten der mit ihnen Verbindung getretenen Weißen angenommen, was sie lieber hätten meiden sollen: Fluchen, Trinken und liederliches Leben.

Zu den Letzteren gehört die Mehrzahl der Kaws oder Kansas-Stämme, der Kickapoos, der Dakotas, der Pawnees, der Sioux und wie sie alle heißen, und selbst die Osagen haben ihre Lebensart nur wenig verändert, wenn sie sich auch vor allen anderen noch am besten darin hielten, den bösen und für sie so gefährlichen Trunk zu meiden. Sie alle fast leben noch, so gut es geht, von der Jagd und dem, was ihnen die Vereinigten Staaten für das Abtreten ihrer früheren Ländereien östlich vom Mississippi bezahlt haben, und sie gehen somit – langsam wohl, aber doch sicher – ihrer Ausrottung entgegen.

Nur fern im Westen, wo sie sich in den ungeheuren Steppen mit Hilfe zahlloser Büffelherden noch völlig unabhängig gehalten hatten, trieben einzelne Stämme ganz ihr früheres wildes Leben, überfielen und skalpierten, was sie von Weißen bekommen konnten; ja sie wagten sich sogar an die Karawanen, die in großen Zügen nach Oregon und später nach Kalifornien und Neu-Mexiko wanderten, und nahmen nicht die geringste Notiz von den Gesetzen und Drohungen ihrer mächtigen zivilisierten Nachbarn, bis diesen die Geduld ausging und ein Detachement Kavallerie gegen die räuberischen Horden ausgeschickt wurde, um ihnen wieder einmal auf eine Zeitlang Furcht einzujagen.

So interessant nun auch diese wilden wie die zivilisierten Indianer für uns sein mögen, ebenso großes Interesse – vielleicht noch größeres – bieten jene halbzivilisierten Eingeborenen, in denen der Wilde noch ganz und vollkommen steckt, die aber doch mit ihrem Äußeren wenigstens eine Veränderung vorzunehmen anfangen. Schade nur, dass diese nicht immer zum Besseren ausfällt.

Das »Feuerwasser«, der Branntwein, ist ihre erste Leidenschaft, zugleich mit alten, abgetragenen Kleidern der Weißen; dann kommt die Feuerwaffe, die Büchse, die ihnen, je scheuer das Wild, desto unentbehrlicher wird. Schmuck und Glasperlen lieben sie ebenfalls, und sie suchen sich für den Erlös ihrer Jagden Messer, Pulver und Blei, Fischhaken und andere derartige Dinge zu verschaffen. Nur das wirklich Gute der weißen Rasse, ihren Fleiß, ihre Ausdauer, ihre Sorgen für die Zukunft, teilen sie nicht.

Der eigentliche Indianer lebt für den Moment, für den einen Tag.

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