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Der Stern von Bethlehem

Ulli Eike

Der Stern von Bethlehem

Ein Caro-und-Nessie-Weihnachtskrimi





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81669 München

Der Stern von Bethlehem

Der Stern von Bethlehem

Ein Caro-und-Nessie-Weihnachtskrimi

Ulli Eike

Copyright 2015 Ulli Eike

Alle Rechte, auch das des auszugsweisen Nachdruckes, der auszugsweisen oder vollständigen Wiedergabe, der Speicherung in Datenverarbeitungsanlagen und der Übersetzung, vorbehalten.

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Chorprobe

Chorprobe

 

Schnöseline von Kotzbrocken hatte das hohe Fis verfehlt. Schon zum zweiten Mal und um mehr als einen Halbton. Charlie strahlte begeistert. Verkackt, blitzte es aus ihren Augen.

Caro runzelte mit amüsierter Missbilligung die Stirn und richtete ihren Blick auf das Ziel der unziemlichen Schadenfreude ihrer Schwester.

Jacqueline Kohlbruckner, wie das Mädchen tatsächlich hieß, hatte offenkundig ein Problem. Und das war bestimmt nicht das zweigestrichene Fis. Selbst eine durchschnittliche Sopranistin beherrschte problemlos das zweigestrichene A und eine Sängerin vom Format einer Jackie Kohlbruckner erreichte auch ohne besondere Ausbildung die dreigestrichene Oktave. Nein, wenn Jackie verkackte, wie Charlie gerne den Prozess des Versagens beschrieb, wenn ihre Mutter nicht in der Nähe war, hatte das ganz bestimmt andere Gründe.

Caro blickte in das bleiche Antlitz unter den halblangen, brünetten Haaren. Jackie Kohlbruckners Gesicht trug schon an Sommertagen die Farbe Meißener Porzellans. Jetzt gerade war sie so kalkweiß wie die Wand des Proberaums. Selbst die sonst rostbraunen Sprenkel auf ihren Wangen sahen heute käsig-gelb aus.

Kurt Kruse, der Chorleiter, runzelte die Stirn. »Wir machen eine kurze Pause. Alles in Ordnung, Fräulein Kohlbruckner?«

Jackie nickte wortlos, wandte sich ab und lief dann eilig zur Tür.

Caro sah ihr besorgt hinterher. »Charlie, geh ihr doch mal nach. Mit der stimmt etwas nicht.«

Charlie verzog angewidert das Gesicht und tippte mit dem Zeigefinger gegen ihre Stirn. »Mit der stimmt einiges nicht. Aber daran können weder du noch ich etwas ändern. Und ich werde mich von der Ziege ganz bestimmt nicht blöd anmachen lassen. Geh du doch, wenn du Lust auf eine Abfuhr hast.«

»Mich kennt sie doch gar nicht. Ist sie wirklich so schlimm?«

»Schlimmer. Einen Namen wie Schnöseline muss man sich auch erst mal verdienen.«

»Du übertreibst.«

»Machst du gerade mit ihr Abitur, oder ich?« Charlies Argument war wenig entgegenzusetzen. »Dabei weiß ich gar nicht, worauf sie sich so viel einbildet. Außer Singen kann sie nicht viel. ... Wenn ich das täte ... aber tue ich es? Nein, ich bin ein liebes, natürliches Mädchen geblieben.«

Caro kniff ihre Augen zusammen und klemmte ihre Nasenwurzel zwischen Daumen und Mittelfinger. »Aua.«

Marie-Charlotte Gräfin Müller zu Greifsheim, von Familie und Freunden zumeist Charlie genannt, runzelte die Stirn. »Willst du das etwa bestreiten?«

»Liebe Mädchen geben ihren Mitschülerinnen nicht den Spitznamen Schnöseline und kluge Mädchen würden sich jetzt vielleicht mal ein paar Gedanken machen. Denn auch wenn du Jackie noch nicht so recht in dein großes natürliches Herz geschlossen hast, werden wir doch alle verkacken, wenn sie am Heiligen Abend in der Christmette nicht gescheit singt.«

Charlie starrte sie mit einer Mischung von Verlegenheit und Trotz im Blick an, schwieg aber jetzt.

»Oder willst du ihre Soli übernehmen?«

Charlie schwieg noch immer.

»Ach so ist das. Was für ein liebes Mädchen du doch bist, Schwesterherz. Du solltest dich schämen.« Caro hatte jetzt alle Wärme aus ihrer Stimme entfernt, weil sie aus jahrelanger Erfahrung wusste, welchen Ton sie anschlagen musste, um ihrer jüngeren Schwester ins Gewissen zu reden.

Gleichzeitig tat Charlie ihr auch ein bisschen leid, denn eigentlich hätte es in diesem Jahr ihre große Christmette werden sollen. Nachdem die erste Sopranistin im Sommer geheiratet hatte und aus Greifsheim weggezogen war, hatte sich Caros Schwester berechtigte Hoffnungen gemacht, ihre Nachfolge anzutreten. Dann war Jacqueline Kohlbruckner wie aus dem Nichts aufgetaucht und hatte sie und zwei weitere Anwärterinnen mühelos an die Wand gesungen. Charlie hatte die Niederlage nach außen hin mit Fassung getragen, aber anscheinend saß der Stachel weit tiefer, als Caro geahnt hatte. Sie hätte in den letzten Jahren viel öfter zu Hause sein sollen, viel häufiger mit Rat und Tat für ihre kleine Schwester da sein. »Entschuldige, Charlie. Ich sollte dir nicht Moral predigen.«

»Du hast ja recht. Sie ist verdammt noch mal die bessere Sängerin und es geht doch vor allem um den Chor, oder?«

»Nein, in diesem Fall geht es vor allem um dich. Und darum, das Richtige zu wollen und zu tun. Du bist in diesem Jahr volljährig geworden. Du bist jetzt eine Erwachsene. Also benimm dich auch so.«

Charlie rollte mit den Augen. »Ist auch nicht leicht, eine Heilige als Schwester zu haben.« Geschickt wich sie Caros Schlag mit den zusammengerollten Notenblättern aus. »Ich gehe dann mal nachsehen, welches Staubkorn der Diva Gebläse verstopft.«

 

 

Caro sah ihrer demonstrativ lustlos davonschlendernden Schwester amüsiert nach und wollte sich gerade pflichtbewusst in die Noten des einzigen in diesem Jahr neu hinzugekommenen Liedes vertiefen, als sie eine tiefe, angenehme Stimme in ihrem Rücken zusammenfahren ließ.

»Frau Gräfin? ... Oh, Pardon, ich wollte sie nicht erschrecken.«

»Nennen Sie mich bitte Caro, Herr Pfarrer.« Caro wandte sich um und lächelte den gut aussehenden jungen Mann mit den dunklen, fast schwarzen Haaren an. Ein Jammer dachte sie, dass dieses Geschöpf der Damenwelt vorenthalten blieb. Aber seine warmen, braunen Augen und der ausdrucksstarke Mund hatten zweifellos das Potenzial, ganze Nonnenklöster in die Häresie zu treiben. Da war das Zölibat sicher die für beide Seiten gerechteste Lösung.

»Oh, ich fürchte, so viel Vertraulichkeit würde mir der Kirchenvorstand übel nehmen. Schließlich sind Sie nicht gerade eines unserer aktivsten Gemeindemitglieder.«

Seine Stimme klang freundlich, aber Caro glaubte, einen besorgten Ausdruck in seinen Augen zu erkennen.

»Wäre Komtesse in Ordnung für den Vorstand? Das Frau Gräfin heben Sie sich doch besser für meine Mutter auf«, schlug Caro vor.

Sie glaubte nicht eine Minute daran, dass Pfarrer Gottlieb ihr gerade die Wahrheit sagte. Seit er vor zwei Jahren die Pfarrei von seinem Vorgänger übernommen hatte, hatte er die Kirchengemeinde vorsichtig aber unbeirrbar modernisiert. Und in diesem Jahr würden sie bei der Christmette nun erstmals ein Weihnachtslied in englischer Sprache singen. Nein, Pfarrer Gottlieb würde sich kaum vom Vorstand vorschreiben lassen, ob er sie beim Vornamen nannte oder nicht. Und so einer ist Geistlicher, schmunzelte Caro in sich hinein. Schwindelt mir schamlos ins Gesicht.

»Schön, dann eben Komtesse«, lächelte der Pfarrer. »Haben Sie fünf Minuten Zeit für mich, Komtesse?«

»Ja, sicher.« Caro suchte die Aufmerksamkeit des Chorleiters, deutete auf den Pfarrer, hob die andere Hand mit fünf ausgestreckten Fingern und formte »fünf Minuten« mit den Lippen.

Kurt Kruse nickte bereitwillig. Caroline Elisabeth Gräfin Müller zu Greifsheim, wie Caros voller Name lautete, sang seit nunmehr fast zwanzig ihrer bald einunddreißig Lebensjahre regelmäßig zu Weihnachten im Chor mit und war in jedem Jahr eine willkommene Verstärkung. Denn zu Weihnachten wurden die Bässe und Tenöre des gemischten Kirchenchores auf die Bänke verbannt, und die Frauenstimmen mit Freiwilligen wie Caro aufgefüllt. Der reine Frauenchor ersetzte den traditionellen Kinderchor, den es mangels Nachwuchs bereits seit vielen Jahren nicht mehr gab. Zumindest erklangen die Lieder so jedoch noch immer in den gleichen Stimmlagen.

Caro kannte die Partituren in- und auswendig, sodass der Chorleiter sie je nach Bedarf in die erste oder in die zweite Alt-Gruppe stellen konnte. Sie benötigte gewöhnlich nur zwei oder drei Proben, um sich wieder nahtlos einzufügen.

Caro folgte dem Pfarrer aus dem Probenraum neben dem Gemeindesaal den Gang entlang bis in ein kleines, einfach eingerichtetes Büro.

»Setzen Sie sich bitte.« Gottlieb deutete auf den Stuhl vor dem Schreibtisch. Er selbst nahm auf dem schlichten Drehstuhl hinter dem Schreibtisch Platz.

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