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Der Pürschgang auf Bären

Friedrich Gerstäcker

Der Pürschgang auf Bären

Erzählung





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Der Pürschgang auf Bären

 

An dem kleinen Flüsschen Tironia, nahe zu dessen Vereinigung mit dem Big Creek, war ein Lager aufgeschlagen, wie es die Jäger gewöhnlich abends herstellen, wenn das Wetter stürmisch und drohend aussieht. Zwei starke, tief in den weichen Boden gerammte Holzgabeln trugen eine Querstange, auf welcher, schräg nach dem Boden zu laufend, andere längere und schwächere Stangen gelegt und ihrerseits wieder mit großen abgeschälten Stücken Baumrinde bedeckt waren. Zwei solche einander ähnliche Dächer standen sich, mit einem Zwischenraum von etwa zwölf Fuß, gerade gegenüber, die hohe offene Seite einem gewaltigen Feuer zugewandt, das eben wieder, von einem der Lagernden neu aufgeschürt, in roten, wirbelnden Gluten emporloderte.

Dieser, eine schlanke kräftige Gestalt, saß, den Schürstecken, mit welchem er die umgeworfenen Kohlen zusammenschob, in der Hand, auf seiner Decke dicht am Feuer und betrachtete, wie es schien, mit großer Aufmerksamkeit die zerfallenden Äste, dann und wann mit dem Stock dazwischen hineinfahrend, dass die Funken hoch aufsprühten. Ungeduldig hatte er jedoch schon mehrere Male zu dem dunklen, dicht mit Sternen besäten Nachthimmel emporgeschaut, noch aber keine Spur des nahenden Tages erkennen können.

Da tönte unfern von ihm der leise klagende Ruf des Whip-poor-will, und ferner Eulenruf ließ sich dazwischen vernehmen. Das waren beides Boten des heranrückenden Morgens, und der einsame Wächter schien sich jetzt völlig berechtigt zu glauben, seine schläfrigen Kameraden zu wecken.

„Hallo, Dehart, hallo Frederic, Thompson, hallo – auf, auf mit euch! Es ist unverantwortlich, sieben Stunden in einem Strich fortzuschlafen, ohne ein einziges Mal zu erwachen. – Hallo, in die Höh’ mit euch, sag ich!“

Mühsam ermunterten sich die Jagdgefährten, wickelten sich aber endlich nach wiederholten Aufforderungen aus ihren Decken und rückten zu der erwärmenden Glut, schlaftrunken dabei hinauf zu den Sternen blickend, um die Tageszeit und den Stand des Wetters zu erforschen.

„Hört, Rawlin“, sagte Dehart gähnend, indem er sich die Augen rieb, „Ihr müsst Eure Uhr nicht aufgezogen haben, denn wenn Ihr das hier Tagesanbruch nennt, so möcht’ ich nur in aller Welt wissen, was Ihr für einen Begriff von Mitternacht habt!“

„Der Whip-poor-will hat schon ein paar Mal gerufen“, entgegnete Rawlin, „Tagesanbruch ist also keine halbe Stunde mehr fern, und ich hatt’ es satt, hier allein zu sitzen. Es war ja auch gestern Abend kaum dunkel, da ihr euch aufs Ohr legtet, und keiner hat die ganze Nacht daran gedacht, auch nur einmal das Feuer aufzuschüren. Ja, wenn Rawlin dabei ist, nicht wahr, der sorgt dafür?“

„’s ist wahr, Rawlin“, lachte Dehart, „Ihr seid ein vorzüglicher Schlafkamerad; hier, Frederic, geht auch noch an, denn die zwei Nächte, mit denen ich mit ihm allein am Big Creek lagerte, besorgte er das Feuer. Thompson aber und ich, ich glaube, wir fänden morgens kalte Kohlen.“

„Das kommt bei mir daher“, sagte Thompson, „weil ich so viel mit jungen Leuten im Walde bin, wo es sich immer von selbst versteht, dass diese das Lager instandhalten. Wie ich noch jung war, wachte ich im Winter regelmäßig vier Mal in jeder Nacht, im Sommer drei Mal auf und legte nach; jetzt hab ich mir das freilich ein wenig abgewöhnt.“

„Ich war die Nacht einige Male munter“, sagte Frederic, „jedes Mal aber saß Rawlin am Feuer, und da blieb ich denn freilich liegen: Ihr müsst gar nicht schlafen gegangen sein, Rawlin?“

„Doch, doch“, erwiderte dieser, „ich habe mehrere Stunden lang gelegen, ihr und die Hunde schnarchtet aber, dass einem Hören und Sehen verging. Was gibt’s denn übrigens heute Morgen zum Frühstück? Ich will doch nicht hoffen, dass wir wieder von der alten Hirschkuh zehren sollen? Verdammt will ich sein, wenn mir die Kinnladen nicht noch heute Morgen wehe tun; das Zahnfleisch ist ordentlich wund!“

„Ich möchte wissen, wo wir etwas anderes hernehmen sollten“, lachte Dehart. „Hätten wir, wir ich es vorschlug, von unserem gestrigen Lager Provisionen mitgenommen, so wär’ es besser gewesen; kaum, dass ihr mich das Stückchen Bärenfett einstecken ließet, und schoss ich nicht noch vor Sonnenuntergang die alte Hirschkuh, so möcht’ ich nur wissen, was wir dann zu kauen ...

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