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Der Alpdruck

Impressum

ISBN 978-3-8412-0251-2

Aufbau Digital,

veröffentlicht im Aufbau Verlag, Berlin, April 2014

© Aufbau Verlag GmbH & Co. KG, Berlin

Bei Aufbau erstmals 1947 erschienen.

Dieses Werk ist urheberrechtlich geschützt. Jegliche Vervielfältigung und Verwertung ist nur mit Zustimmung des Verlages zulässig. Das gilt insbesondere für Übersetzungen, die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen sowie für das öffentliche Zugänglichmachen z.B. über das Internet.

Umschlaggestaltung Mediabureau Di Stefano, Berlin

unter Verwendung eines Motivs von ullstein bild - Roger-Viollet und getty-images

E-Book Konvertierung: le-tex publishing services GmbH, Leipzig, www.le-tex.de

www.aufbau-verlag.de

VORWORT DES VERLAGS

Als der Aufbau Verlag im Herbst 1947 Hans Falladas vorletztes Werk Der Alpdruck herausbrachte, gelang es auch mit nachdrücklicher Empfehlung und Einsatz aller internationalen Beziehungen nicht, mehr als eine französische, eine norwegische, eine italienische und eine serbokroatische Ausgabe zu veranlassen – trotz unzähliger früherer Übersetzungen in den diversen ausländischen Fallada-Verlagen. Ähnlich wie der englische Verlag Putnam auf Jeder stirbt für sich allein reagiert hatte, erschien den zeitgenössischen Büchermachern dieser Roman als ein schwächeres Produkt eines ehedem erfolgreichen Autors, des Autors von Kleiner Mann – was nun? und anderen weltweiten Bestsellern, dessen Ableben man bedauerte, da er womöglich, wäre ihm die entsprechende Lebenszeit vergönnt gewesen, weitere Meisterwerke hätte schaffen können.

Schon im Fall von Jeder stirbt für sich allein hat die Nachwelt dies völlig anders beurteilt. Ausgerechnet dieses letzte, zunächst eher verhalten aufgenommene Werk wurde mit sechzig Jahren Verspätung international zu seinem wohl erfolgreichsten Buch, das zudem den Blick auf Fallada und, in Teilen, auf Deutschland nachhaltig verändert hat. Es bleibt die Frage zu stellen, ob für Der Alpdruck Ähnliches beansprucht werden darf – für jenes Buch, an dem Fallada unmittelbar nach dem Zusammenbruch Nazideutschlands von Februar bis August 1946, streckenweise als Patient in Heil- und Krankenhäusern, arbeitete und ohne dessen »Erledigung« er nach eigenem Bekunden das darauffolgende Thema nicht hätte angehen können. Er hatte bereits begonnen, sich mit den Gestapo-Akten zu beschäftigen, aus denen er den Stoff für Jeder stirbt für sich allein schöpfte, aber es wollte ihm erst nach Der Alpdruck gelingen, diese erschütternden, einzigartigen Dokumente auch in einen Roman zu verwandeln.

Warum sollte man nach dem sensationellen späten Erfolg von Jeder stirbt für sich allein, mit dem Hans Fallada in der Geschichte eines scheinbar sinnlosen Widerstandes kleiner Leute die gültige, schonungslose Beschreibung der moralischen Ambivalenz einer ganzen Gesellschaft liefert, nun ein Buch vorlegen (und als Leser: ein Buch lesen), das – so die Kritikerstimmen bei Erscheinen – »als eine Art charakterlicher Autobiographie kein reiner Genuss werden konnte« (Schwäbisches Tageblatt), als »ein Bekenntnis seiner eigenen menschlichen Schwäche und ein Zeitdokument aus Deutschland nach seinem tiefen Fall« (Leipziger Zeitung ) aufgefasst wurde, als eine »Darstellung, die vielleicht noch nicht den genügenden Abstand hat von den grausigen Ereignissen des Hitlerkrieges« (Freie Presse).

Nun, der vorzügliche holländische Fallada-Verlag Cossee etwa hat sich in heutiger Zeit diese Frage überhaupt nicht gestellt, sondern veröffentlicht Der Alpdruck im Zusammenhang der bedeutenden Spätwerke, in die das Buch entstehungsgeschichtlich und inhaltlich gehört: neben In meinem fremden Land (Gefängnistagebuch 1944), Der Trinker und Jeder stirbt für sich allein. Der Verlag tut gut daran, denn dieses Buch füllt durch die Direktheit seiner Beobachtungen aus einer lange verdrängten Phase der deutschen Geschichte – aus jener schwebenden, von nichts mehr oder noch nichts wieder zusammengehaltenen Zeit zwischen dem Ende der schlimmen alten Ordnung und dem erst langsamen Entstehen einer neuen – eine Lücke, die weitaus umfangreichere und ausgreifendere Werke wie Kasimir Edschmids Das gute Recht (erschienen 1946) nicht hatten schließen können. Das gilt für die ohnehin bei der literarischen Aufarbeitung dieser Zeitläufte eher am Rande stehende (hier: mecklenburgische) Provinz; ganz besonders aber gilt es für Berlin, den Schauplatz von Falladas letzten Lebensmonaten: die für ihre historische Schuld abgestrafte Stadt, in der die Bewohner wie der Autor zunächst orientierungslos, dann notgedrungen immer zielstrebiger um ihr Überleben kämpften.

Vor allem aber gelingt dem in dieser Zeit Verhafteten, dem im ganz privaten Ringen um Überleben, um Haltung, um einen Standpunkt zu eigener Schuld gefangenen Autor etwas Einzigartiges, das sein Nachrufschreiber Johannes R. Becher (der in diesem Buch als Dolls Fürsprecher Granzow in Erscheinung tritt) vielleicht am besten erfasst hat: »Der Widerspruch, den er verkörperte, war kein privater. Er verkörperte und stellte dar, in seinen Seelenkrisen, einen deutschen Zustand.« Nirgendwo in Falladas Werk erweist sich dieser Befund als gültiger denn hier, in Der Alpdruck.

Wenn wir von dem unschwer erkennbar eng aus Falladas Erleben erwachsenen Protagonisten, dem Autor Dr. Doll, erfahren, dass ihn ein »Gefühl hilflosester Scham« erfüllt, die »Zeitkrankheit abgrundtiefer Verzweiflung und Apathie«, dann repräsentiert diese von Hans Fallada geteilte persönliche Seelenverfassung die der ganzen sich im Ausnahmezustand befindenden Gesellschaft. Kann man einen beeindruckenderen, unverstellteren Einblick in das Innenleben, den schweren Erkenntnisprozess eines Deutschen jener Zeit geben, der nicht für die Nazis gewesen war, aber auch nichts gegen sie unternommen und sich, so gut es ging, mit ihnen arrangiert hatte, als in folgender Szene? Doll glaubt, die russischen Besatzer freudig als lange erwartete Befreier begrüßen zu können, nur um begreifen zu müssen: »Er war ein Deutscher, also gehörte er zu dem gehasstesten und verachtetsten Volke des Erdballs! […] Plötzlich wurde es Doll klar, dass sein Leben vermutlich nicht mehr ausreichen würde, um die Reinigung des deutschen Namens in der Welt Augen noch zu erleben, dass vielleicht seine eigenen Kinder und Enkel unter der Schmach ihrer Väter zu leiden haben würden.«

Tragische Beobachtungen wie die der Apothekerfamilie, die alles Schreckliche überstanden hatte, sich nun aber aus Angst vor den Siegern versuchte das Leben zu nehmen, wechseln ab mit alltäglichen wie der, dass sich niemand, der fort war, in Berlin mehr zurechtfindet, da alle markanten Punkte in einer uniformen Trümmerlandschaft verschwunden sind. Erbarmungslos blickt Fallada auf das alles umgreifende Elend, das nicht zuletzt auch sein eigenes war: »Was Doll aber nicht vorausgesehen hatte, war eine neue Einbuße seines Selbstgefühls. […] Nackt und leer sollten sie dastehen, mit den Lügen, die man ihnen ein Leben lang als tiefste Wahrheit und Weisheit eingetrichtert hatte, sollte auch der Eigenbesitz an Liebe und Hass, Erinnerung, Selbstachtung, Würde verlorengehen.« So schildert er unverhüllt Dolls und Almas Drogenexzesse, sichtlich auf die eigenen Erfahrungen zurückgreifend, immer anrührende, mitunter mitleiderregende, dann wieder unübertroffen komische Beschreibungen, etwa wenn Doll und Alma listig bis schamlos um immer neue »Mittelchen« feilschen, in den Kliniken oder bei niedergelassenen Ärzten (hier hat Gottfried Benn seinen Gastauftritt als »papierener Arzt« namens Pernies). Mit einzigartigem, Fallada’schem Einfühlungsvermögen schildert er auch hier die kleinen Leute, zum Beispiel die gutmütige, hilfsbereite Frau Minus, die ihm in ihrem Laden einmal die Tüten großzügig mit Lebensmitteln füllt, ohne entsprechende Bezugskarten, während er an anderer Stelle zu ebenso Fallada-typischer Schönfärberei neigt, insbesondere im Hinblick auf Alma. Zu Beginn besorgt sie sich einmal etwa harmlos »ihr Narkotikum gegen ein Gallenleiden« (sprich: die Süchtige eine weitere Morphiumdosis).

Zugleich kommt dieser dem Erzähler Fallada über fast das gesamte autobiographisch inspirierte Werk eigene Hang zum Beschönigen dem Romancier wie dem Leser durchaus zugute. Dieser erfreut sich zweifellos an der folgenden kleinen Szene: In einer Elektrischen weigert sich Doll gerade beharrlich, auch nur ein Wort mit seiner Frau zu sprechen, die statt von ihrer Sucht zu genesen, lieber auf nichts verzichten will. Die beiden finden Platz gegenüber einer alten Dame, die sich wegen der unbekümmert in dem Wagen rauchenden Alma zu ereifern beginnt. Den Ausruf der Alten: »Immer dieselben aufgedonnerten Weiber, die!«, pariert Alma mit: »Und immer dieselben ollen Pappeulen, die!«, und der ganze Wagen lacht, ein Fahrgast trampelt sogar vor Vergnügen mit den Füßen, und schon heißt es: »Zwischen den beiden Eheleuten aber war nach diesem Intermezzo alles in bester Ordnung.« Falladas erzählerisches Naturtalent bricht sich auch im Elend und mitten zwischen den Trümmern Berlins Bahn.

Damit macht er die entmutigende Realität durchaus erträglicher – für den Leser, für sich selbst? Denn schwer zu ertragen war für Fallada, war für Doll diese Zeit allemal: »›Sterben müssen wir wahrscheinlich doch in aller Kürze, aber in der Großstadt macht sich das doch am unauffälligsten und bequemsten. Denke nur an das Gas –!‹« Sogar hieraus erwächst bei Fallada eine kleine Tragikomödie: »Wie macht man es nur –? Gift ist uns unerreichbar. Wasser –? Wir schwimmen beide zu gut. Strick –? Widerwärtig! Gas – aber nicht einmal eine Küche mit Gasherd besitzen wir mehr.« Und alledem zum Trotz scheint kurz darauf für einen Moment ein Streifen Hoffnung am Horizont, ein winziges Stück Optimismus auf: »Aber die Welt da draußen, dieses ungeheuer große, verworrene Berlin, ist so wunderlich, so voll von Wundern!«

Solche nur bei Fallada zu findenden Qualitäten, die Qualitäten eines starken Buches über einen schwachen Menschen, führten dazu, dass ein wiedererstarkendes zeitgenössisches Feuilleton ihm den Respekt nicht versagen konnte. Der Berliner Tagesspiegel urteilte: »Der ›Alpdruck‹ ist Symbol für das, was sich in Deutschland nach der Kapitulation abspielte.« Die Berliner Zeitung: »Ein Stück verdichtete Zeitgeschichte von überindividuellem Wert […]. Dass das Buch fesselnd und lebendig geschrieben ist, braucht nicht gesagt zu werden.« Die Frankfurter Neue Presse: »Ein höchst ehrliches Buch, ein menschliches Dokument.« Die Norddeutsche Zeitung: »›Der Alpdruck‹ ist die Quintessenz von Falladas Erkenntnis, dass nicht die Ruinen wichtig sind, sondern dass es nur auf das Leben ankommt.« Am besten fasst es der Zwiebelfisch: »Hans Fallada gibt in seinem vortrefflichen Buch ›Der Alpdruck‹ ein Bild der Mutlosigkeit, der Apathie des Deutschen. Meisterhaft sind die letzten Monate des Kriegserlebnisses geschildert, der Kriegsschluss, der Einzug der russischen Truppen, die ›bürgerliche‹ Welt in ihrer Einstellung zur neuen Umgebung, der moralische Niedergang der Bevölkerung.«

Fallada vollbrachte selber noch eines der Wunder, von denen Berlin, wie er befand, in jenen Tagen voll war. Er rang sich noch die für sein Fortleben als bedeutender Autor entscheidenden Spätwerke Der Alpdruck und Jeder stirbt für sich allein ab. Doch noch vor Erscheinen dieser letzten beiden Bücher starb der Mensch Rudolf Ditzen am 5. Februar 1947 an Herzversagen, er war am Ende seiner Kräfte angelangt.

Das Schwäbische Tageblatt bedauerte bei der Erstveröffentlichung von Der Alpdruck, dass der ausgezeichnete, erschütternde Nachruf von Becher auf den Schriftstellerfreund (wie auch in dieser Ausgabe) erst am Ende des Bandes steht, »besser noch wäre ein Vorwort gewesen«. Dem hier ausgedrückten Bedürfnis versucht diese kurze Vorbemerkung Rechnung zu tragen – auch wenn der mittlerweile erreichte zeitliche Abstand Urteil und Einordnung für den heutigen Leser einfacher macht. Die private Direktheit dieses »starken Buches, das uns sehr, sehr viel vom Autor sagt« (so der damalige Leiter des Aufbau Verlages Erich Wendt), verkürzt diesen Abstand wiederum auf eine Weise, wie es nur relevante Literatur vermag. Solche Literatur darf man dem Leser nicht vorenthalten – auch wenn er vielleicht mehr Einsicht in die menschlichen Abgründe eines von ihm geschätzten Autors erhalten wird, als ihm genehm und bequem ist. Denn nur so erfahren wir Entscheidendes zu der elementaren Frage: Wie soll man aus einer geschändeten wieder eine glückliche Welt aufbauen?

Berlin, April 2014

Nele Holdack

René Strien

VORWORT

Der Verfasser dieses Romans ist keineswegs zufrieden mit dem, was er auf den folgenden Seiten schrieb, was der Leser jetzt gedruckt vor sich hat. Als er den Plan zu diesem Buch fasste, schwebte ihm vor, dass neben den Niederlagen des täglichen Lebens, den Depressionen, den Erkrankungen, der Mutlosigkeit – dass neben allen diesen Erscheinungen, die das Ende des schrecklichen Krieges unvermeidlich jedem Deutschen gebracht hat, auch Aufschwünge zu schildern sein würden. Taten hohen Mutes, Stunden voll Hoffnung – es war ihm nicht beschieden. Das Buch ist im Wesentlichen ein Krankheitsbericht geblieben, die Geschichte jener Apathie, die den größeren und vor allem den anständigeren Teil des deutschen Volkes im April des Jahres 1945 befiel, von der sich viele heute noch nicht frei gemacht haben.

Dass er dies nicht ändern konnte, dass er nicht mehr Leichtigkeit und Heiterkeit in diesen Roman bringen konnte, liegt nicht allein an des Verfassers Art, die Dinge zu sehen, es liegt vor allem an der Gesamtlage des deutschen Volkes, die heute, fünf viertel Jahr nach Beendigung der Kampfhandlungen, noch immer düster ist.

Wenn der Roman der Öffentlichkeit trotz dieses Mangels übergeben wird, so darum, weil er vielleicht ein »document humain« ist, ein möglichst wahrheitsgetreuer Bericht dessen, was deutsche Menschen vom April 1945 bis in den Sommer hinein fühlten, litten, taten. Vielleicht wird man schon in naher Zeit die Lähmung nicht mehr begreifen, die so verhängnisvoll dies erste Jahr nach Kriegsende beeinflusste. Eine Krankheitsgeschichte also, kein Kunstwerk – verzeiht! (Auch der Verfasser konnte nicht aus seiner Haut, auch der Verfasser war »gelähmt«.)

Soeben ist von »wahrheitsgetreuem Bericht« gesprochen worden. Aber nichts von dem, was auf den folgenden Seiten erzählt wird, ist so geschehen, wie es hier berichtet ist. Ein Buch wie dieses kann schon aus räumlichen Gründen nicht alles sagen, was geschah; es musste ständig eine Auswahl getroffen, es musste erfunden werden, Berichtetes konnte in der berichteten Form nicht verwendet, sondern musste abgewandelt werden. Dass das Ganze darum doch »wahr« sein kann, wird davon nicht berührt: Alles hier Erzählte konnte so geschehen und ist doch ein Roman, also ein Gebilde der Phantasie.

Das Gleiche ist von den eingeführten Personen zu sagen: So, wie sie hier geschildert sind, lebt keine außerhalb des Buches. Wie die Geschehnisse den Gesetzen des Erzählens folgen mussten, so auch die Personen. Manche sind erfunden, andere sind aus mehreren zusammengesetzt.

Es war nicht erfreulich, diesen Roman zu schreiben, aber das Buch schien dem Verfasser wichtig. Immer, zwischen Aufschwüngen und Niederlagen, blieb ihm wichtig, was innerlich und äußerlich nach Beendigung des Krieges erlebt wurde. Wie fast alle den Glauben verloren und endlich doch ein wenig Mut und Hoffnung wiederfanden – davon ist auf diesen Seiten zu lesen.

Berlin, August 1946

H. F.

ERSTER TEIL
Der Sturz

ERSTES KAPITEL
Die eine Täuschung

Immer in diesen Nächten um den großen Zusammenbruch herum wurde Dr. Doll, wenn er wirklich einmal einschlief, von dem gleichen Angsttraum heimgesucht. Sie schliefen sehr wenig in diesen ersten Nächten, stets angstvoll irgendeine Bedrohung des Leibes oder der Seele erwartend. Längst war die Nacht gekommen – nach einem Tage voller Qual –, und noch immer saßen sie an den Fenstern und spähten auf die kleine Wiese, nach den Büschen, zu dem schmalen Zementfußweg hinaus, ob ein Feind käme, bis ihren schmerzenden Augen alles ineinanderfloss und sie nichts mehr sahen.

Oft fragte dann eines: »Wollen wir nicht doch lieber schlafen gehen?«

Aber meist antwortete niemand, sondern weiter saßen sie, starrten und fürchteten sich. Bis Dr. Doll dann plötzlich vom Schlaf wie von einem Räuber überfallen wurde, dessen große Hand sich erstickend über sein ganzes Gesicht legte. Oder es war auch wie dichtes Spinnengewebe, das mit der Atemluft in seine Kehle drang und sein Bewusstsein überwältigte. Ein Alpdruck …

So eingeschlafen zu sein war schon schlimm genug, aber solchem schlimmen Einschlafen folgte sofort der Angsttraum, immer der gleiche. Und zwar träumte Doll dies:

Er lag am Grunde eines ungeheuren Bombentrichters, auf dem Rücken, die Arme fest an die Seiten gepresst, im nassen gelben Lehm. Ohne den Kopf zu bewegen, konnte er die in den Trichter hinabgestürzten Baumstämme sehen, auch die Fassaden von Häusern mit den leeren Fensterhöhlen, hinter denen nichts mehr war. Manchmal quälte Doll die Befürchtung, diese Dinge könnten tiefer in den Bombentrichter und damit auf ihn stürzen, aber nie änderte eine dieser bedrohlichen Ruinen ihre Lage.

Noch quälte ihn der Gedanke, dass tausend Wasseradern und Quellen, Doll überschwemmend, seinen Mund ganz mit dem gelben Lehmbrei füllen würden. Dem war nicht zu entgehen, denn Doll wusste, er würde aus eigener Kraft nie aus diesem Trichtergrunde aufstehen können. Aber auch diese Befürchtung war grundlos, denn nie hörte er einen Laut von den Quellen und dem Rieseln der Wasseradern, wie es überhaupt totenstill war in dem riesigen Bombentrichter.

Dann war auch der dritte quälende Eindruck eine Täuschung: Ungeheure Raben- und Krähenschwärme zogen ununterbrochen über den Himmel des Bombentrichters dahin; er fürchtete sich sehr, sie könnten ihr Opfer im Lehm erspähen. Aber nein, alles blieb weiter totenstill, es gab diese ungeheuren Vogelschwärme nur in Dolls Einbildung, er hätte wenigstens ihr Krächzen hören müssen.

Aber zwei andere Dinge waren keine Einbildung, von ihnen wusste er ganz genau. Das eine dieser Dinge war dies, dass endlich Friede geworden war. Keine Bombe zerriss mehr kreischend die Luft, kein Schuss fiel mehr; es war Friede, es war still geworden. Eine letzte ungeheure Explosion hatte ihn noch in den Grundlehm dieses Trichters hinabgerissen. Nicht allein lag er in diesem Abgrund. Obwohl er nie einen Laut hörte und nichts wie das Beschriebene sah, wusste er doch: Mit ihm lag seine ganze Familie hier und das ganze deutsche Volk und überhaupt alle Völker Europas, alle ebenso hilf- und wehrlos wie er, alle von den gleichen Ängsten wie er gequält.

Aber immer, in all den endlosen qualvollen Traumstunden, da der am Tage tätige und energische Dr. Doll ausgelöscht und nur Angst in ihm war – aber immer in diesen mörderischen Schlafminuten sah er noch ein anderes. Und das, was er sah, war dies:

Am Rande des Trichters saßen schweigend und still und ohne eine Bewegung die Großen Drei. Noch im Traume nannte er sie nur mit diesem Namen, den der Krieg unauslöschlich in sein Hirn gebrannt hatte. Dazu fanden sich dann die Namen Churchill, Roosevelt und Stalin, obwohl ihn der Gedanke manchmal quälte, dass es da vor kurzem noch eine Veränderung gegeben habe.

Diese Großen Drei saßen dicht bei- oder doch nicht weit auseinander; sie saßen, wie sie eben aus ihrer Weltgegend gekommen waren, und starrten voll stummer Trauer in den ungeheuren Trichter hinab, auf dessen Grund Doll mit seiner Familie und das deutsche Volk und alle Völker Europas wehrlos und beschmutzt lagen. Und während sie so stumm und voller Trauer saßen und starrten, wusste Doll mit aller Bestimmtheit in seines Herzens tiefstem Grunde, dass die Großen Drei ununterbrochen darüber nachgrübelten, wie ihm, dem Doll, und mit ihm allen andern wieder aufzuhelfen und wie aus einer geschändeten wieder eine glückliche Welt aufzubauen sei. Ja, darüber grübelten sie ununterbrochen, die Großen Drei, während endlose Krähenschwärme über das befriedete Land heimzogen, von den Schlachtfeldern der Welt zu ihren alten Horsten, und während stille Quellen unhörbar rieselten, deren Wasser den gelben Lehmbrei seinem Munde immer gefährlicher nahe brachten.

Er aber, Doll, konnte gar nichts tun, mit den eng an seinen Leib gepressten Armen musste er stille liegen und warten, bis die traurig grübelnden Großen Drei zu einem Entschlusse gekommen waren. Dies war vielleicht das Allerquälendste in diesem Angsttraum für Doll, dass er, noch immer von vielen Gefahren bedroht, nichts tun konnte, sondern stille warten musste, eine endlose, endlose Zeit! Die leeren Häuserfassaden konnten noch über ihn einbrechen, die leichenhungrigen Krähenschwärme den Wehrlosen entdecken, der gelbe Lehm seinen Mund füllen: Er konnte gar nichts tun, nur warten, und vielleicht wurde es über diesem Warten für ihn und die Seinen, die er sehr liebte, zu spät … Vielleicht gingen sie doch noch alle zugrunde!

Es dauerte eine sehr lange Zeit, bis die letzten Reste dieses quälenden Angsttraums Doll verließen; völlig frei wurde er erst von ihnen, als eine Wendung seines Lebens ihn zwang, das Grübeln aufzugeben und wieder ein tätiger Mensch zu sein. Aber noch viel länger dauerte es, bis Doll klar erkannte, dass dieser ganze aus seinem Innern gespenstisch aufgetauchte Angsttraum ihn nur narrte und täuschte. So qualvoll dieser Traum auch war, Doll hatte an seine Wahrheit geglaubt.

Sehr lange dauerte es, bis er begriff, dass da niemand in der Welt war, bereit, ihm aus dem Dreck aufzuhelfen, in den er gestürzt war. Kein Mensch, nicht die Großen Drei, von seinen Landsleuten ganz zu schweigen, interessierte sich für Dr. Doll. Wenn er im Lehmbrei verkam, umso schlimmer für ihn, aber nur für ihn! Kein Herz auf der Welt wurde schwerer darum. Wenn er ernstlich den Wunsch hatte, noch einmal etwas zu arbeiten und darzustellen, so war es seine Sache allein, diese Apathie zu überwinden, aufzustehen, den Dreck von sich abzuklopfen und ans Werk zu gehen.

Aber von dieser Erkenntnis war Doll in jener Zeit noch sehr weit entfernt. Nachdem nun endlich Friede geworden war, meinte er noch lange, die ganze Welt warte nur darauf, ihm auf die Beine zu helfen.

ZWEITES KAPITEL
Die andere Täuschung

Am Morgen dieses 26. April 1945 war Doll endlich einmal wieder in guter Stimmung erwacht. Nach Wochen und Monaten tatenlosen Wartens auf das Kriegsende schien der Augenblick der Befreiung nahe. Die Stadt Prenzlau war genommen, der Russe konnte jede Stunde kommen; am Vortage hatten schon Flieger über der Stadt gekreist, und es waren keine deutschen Flieger gewesen!

Die beste Kunde aber hatte Doll am späten Abend gehört: Die SS war im Abrücken, der Volkssturm aufgelöst, die kleine Stadt würde nicht gegen die anziehenden Russen verteidigt werden! Damit war eine Bergeslast von seiner Seele genommen: Seit Wochen hatte er nicht mehr sein Haus zu verlassen gewagt, um nur niemanden auf seine Person aufmerksam zu machen. Denn er war fest entschlossen gewesen, nicht im Volkssturm zu kämpfen.

Nun, nach diesen günstigen Nachrichten, konnte er sich wieder vor die Tür wagen, ohne Sorge um das Gerede der lieben Nachbarn, von denen ihm mindestens drei über Zaun und Hecke schauen konnten. Er trat also mit seiner jungen Frau in den herrlichen Frühlingstag hinaus. Die Sonne schien warm, und ihre Wärme tat – namentlich hier unten am Wasser – nur gut. Das Grün hatte noch die tausend leichten frohen Schattierungen des ersten Wachstums, und der Boden schien unter den Füßen vor drängender Fruchtbarkeit zu schwellen und zu schwanken.

Als Doll so mit seiner Frau behaglich vor dem Hause stand, fiel sein Blick auf zwei lange Staudenbeete, die rechts und links von dem schmalen zementierten Wege, der zu seiner Tür führte, lagen. Auch auf diesen Staudenbeeten grünte es, ja, es blühte dort sogar schon ein wenig mit den ersten Traubenhyazinthen, Primeln und Anemonen. Aber dieser an sich erfreuliche Anblick war verdorben durch ein Gewirr von Drähten, die, teils abgerissen, teils an hässlichen Pflöcken festsitzend, das junge Wachstum durch Unordnung beleidigten und mit ihren hinterlistig hängenden Drahtenden sogar das Betreten des Zementfußweges gefährlich machten.

Kaum war sein Blick auf diese Unordnung gefallen, als Doll schon ausrief: »Da habe ich ja meine Arbeit für heute! Dieser elende Drahtverhau hat mich schon lange geärgert!« Er holte Zange und Hacke und machte sich eifrig an die vorgesetzte Arbeit.

Während er so in der Sonne beschäftigt war, hatte er endlich einmal wieder Einblick in die Anwesen seiner nächsten Nachbarn. Bald merkte er dort eine ungewohnte Geschäftigkeit. Da war, nahe wie fern, ein ständiges Hinundhergelaufe, ein Schleppen von Koffern und Möbeln in die Schuppen aus den Häusern und umgekehrt, ein anscheinend zielloses Umherwandern mit Spaten, die da und dort wie aufs Geratewohl in den Boden gestoßen wurden.

Schon lief ein Nachbar eilig auf den Bootssteg hinaus und blieb auf ihm stehen, die Hände in den Taschen, als habe er plötzlich viel Zeit. Dann plumpste etwas ins Wasser, und nachdem der Nachbar sich so unauffällig-auffällig wie nur möglich umgesehen, ob er auch beobachtet gewesen – Doll hackte munter fort –, ging er breitbeinig, wie in tiefen Gedanken, zu seinem Haus zurück, wo er alsbald eine neue fieberhafte Tätigkeit entfaltete.

Dann plötzlich kam das alles wieder zum Stillstand. Gruppen sammelten sich an den trennenden Zäunen und flüsterten eifrig miteinander. Schon wechselten große Pakete über den Draht fort den Besitzer, und alles lief auseinander, wiederum sich eifrig umschauend, wiederum mit andern Heimlichkeiten beschäftigt.

Doll, der erst seit einigen Monaten auf diesem seiner zweiten Frau gehörigen Grundstück wohnte, blieb von all dieser Geschäftigkeit als »Fremder« ausgeschlossen, und er freute sich dessen. Denn alle diese so offenkundigen Heimlichkeiten wurden fast nur von Frauen und sehr alten Männern betrieben und wurden als »Weiberkram« von ihm entsprechend verachtet.

Freilich, lange konnte er sich nicht seiner Vereinzelung freuen, denn es erschienen zwei Damen auf seinem Grundstück, vorgebliche Freundinnen seiner Frau. Diese Frauen, die er nie hatte ausstehen können, blieben bei ihm stehen und taten sehr überrascht, dass er an solchem Tage zu solcher Arbeit Zeit habe. Der Russe stünde doch vor der Tür –!

Mit ein wenig spöttischem Lächeln erklärte Dr. Doll, zu dem sich nun auch seine Frau gesellt hatte, er mache eben grade für diese so lange erwarteten Besucher die Wege frei. Überrascht erkundigten sich die Damen, ob er denn den Feind hier an Ort und Stelle zu erwarten gedenke, das sei bei zwei Kindern, einer alten Großmutter und einer jungen Frau doch wohl kaum ratsam. Sie hier im Ausbau des Städtchens wenigstens hätten alle miteinander beschlossen, bei Einbruch der Dämmerung mit den Kähnen das andere Ufer des Sees zu erreichen und, im tiefen Walde verborgen, die weitere Entwicklung der Dinge dort abzuwarten.

Für Doll antwortete die Frau den Freundinnen: »Wir werden nichts Derartiges tun. Nicht einen Schritt gehen wir von hier, nichts verstecken wir; auf der Schwelle unseres Hauses werden mein Mann und ich die so lange erwarteten Befreier begrüßen!«

Eifrig sprachen die Damen dagegen, aber je eifriger sie sprachen, umso wankender wurden sie in ihrem eigenen Entschluss, umso zweifelhafter erschien ihnen die eben hoch gepriesene Sicherheit der tiefen Wälder, und als sie schließlich gingen, meinte Doll lächelnd zu seiner Frau: »Du wirst sehen, sie werden gar nichts machen. Sie werden noch ein paar Stunden, wie die Hühner vor einem Gewitter, ziellos herumklucken, hier etwas ablegen und dort etwas aufnehmen. Aber schließlich werden sie sich erschöpft irgendwo hinsetzen und tun, was wir alle seit Wochen tun: nur auf den Erlöser warten.«

Was ihre Freundinnen anging, so war Frau Alma völlig einer Ansicht mit ihrem Manne, was sie selbst anging, so fühlte sie sich weder erschöpft noch wartegeduldig. Nach dem Essen eröffnete sie Doll, der sich nach der ungewohnten Morgenarbeit ein wenig auf die Couch legen wollte, sie radele jetzt schnell noch einmal in die Stadt, um ihren Vorrat an Gallenmedizin zu ergänzen, in den nächsten Tagen werde kaum Gelegenheit dafür sein.

Doll hatte leichte Bedenken, da die Russen jeden Augenblick kommen konnten und am besten gemeinsam im eigenen Heim erwartet wurden. Er wusste aber aus mancher Erfahrung, dass es vollkommen aussichtslos war, die junge Frau mit dem Hinweis auf etwa drohende Gefahren von einem Vorhaben abzubringen. Dutzende Mal hatte sie ihm im ärgsten Bombenhagel, die Feuersbrünste Berlins bekämpfend, bei Tieffliegerangriffen bewiesen, dass sie völlig furchtlos war. Er sagte also mit einem leichten Seufzer: »Meinethalben! Mach’s gut, meine Süße!«, sah sie durchs Fenster abradeln, legte sich lächelnd auf die Couch und schlief ein.

Frau Alma Doll strampelte unterdes eifrig bergauf und bergab dem Städtchen entgegen. Ihr Weg führte sie zuerst über abgelegene Pfade, an denen kaum ein Haus lag, dann durch eine Allee, deren Seiten mit Villen bestanden waren. Schon hier fiel ihr auf, dass kein einziger Mensch auf den Straßen zu sehen war und dass die Villen – vielleicht durch die ausnahmslos geschlossenen Fenster – einen unbewohnten, fast gespenstischen Eindruck machten. Womöglich alle schon im Walde, dachte Frau Doll und fühlte ihre Unternehmungslust noch steigen.

Dort, wo die Allee in die erste wirkliche Stadtstraße einmündet, stieß sie endlich auf ein Lebenszeichen; es war ein großer Wehrmachtslastwagen. Ein paar SS-Männer waren einigen jungen Frauen und Mädchen beim Aufsteigen behilflich. »Kommen Sie rasch, junge Frau!«, rief einer der SS-Männer Frau Doll fast befehlend an. »Dies ist das letzte Wehrmachtsauto, das die Stadt verlässt!«

Wie ihr Mann war Frau Doll sehr zufrieden gewesen, dass die Stadt nicht verteidigt, sondern kampflos übergeben werden sollte. Das hinderte sie aber nicht, jetzt zu antworten: »Das sieht euch Scheißkerlen ähnlich, jetzt, wo der Russe kommt, auszureißen! Seit ihr hier seid, habt ihr getan, als wäret ihr die Herren der Stadt, alles habt ihr uns weggefressen und weggetrunken, aber nun, wo’s Ernst wird, reißt ihr aus wie Schafleder!«

Noch am Vortage hätte sie nicht ohne die schlimmsten Folgen für sich und ihre Angehörigen so zu einem SS-Mann sprechen dürfen. Die Lage musste sich in den letzten vierundzwanzig Stunden wirklich grundlegend gewandelt haben, denn der SS-Mann antwortete ganz friedlich: »Machen Sie, dass Sie auf den Wagen kommen, und reden Sie keinen Kohl! Die russische Panzerspitze ist schon oben in der Stadt!«

»Umso besser!«, rief Frau Doll. »Da kann ich denen gleich guten Tag sagen!«

Trat auf die Pedale und fuhr fort von dem wohl letzten Wehrmachtsauto, das sie in ihrem Leben sehen sollte, tiefer in die Stadt hinein.

Wieder verstärkte sich der Eindruck, dass sie da durch eine verlassene Stadt fuhr – vielleicht waren jene paar Frauen bei dem Wehrmachtsauto wirklich die letzten Einwohner der Stadt gewesen und alle andern geflohen. Kein Mensch, ja nicht einmal ein Hund oder eine Katze waren auf der Straße zu sehen. Alle Fenster waren geschlossen, alle Türen sahen verrammelt aus. Und doch, während sie da, sich immer mehr dem Stadtkern nähernd, durch die Straßen fuhr, hatte sie das Gefühl, als halte dieses vielhundertköpfige Wesen nur den Atem an, als könne es jetzt gleich hinter ihr, neben ihr in einen schrecklichen Schrei gequälter Warteangst ausbrechen! Als wohnten eben doch hinter all diesen blinden Fenstern Menschen, fast irr vor Angst um das, was nun kam, vor Hoffnung, dass der grauenhafte Krieg nun wirklich zu Ende ging.

Dieses Gefühl wurde noch verstärkt durch ein paar weiße Lappen, die da und dort, kaum handtuchgroß, über den Türen hingen. In der gespensterhaften Atmosphäre, in der sich Frau Doll seit ihrem Eintritt in die Stadt befand, dauerte es einen Augenblick, bis sie verstand, dass diese weißen Tücher bedingungslose Ergebung bedeuten sollten. Seit zwölf Jahren sah sie zum ersten Male andere Fahnen als die mit dem Hakenkreuz an den Häusern hängen. Unwillkürlich beschleunigte sie ihre Fahrt.

Sie bog um eine Straßenecke, und sofort war das Gefühl dieser unbestimmten Gespensterangst von ihr abgefallen; unwillkürlich musste sie lächeln. Auf der holprigen Kleinstadtstraße bewegten sich, anscheinend regellos in alle Richtungen fahrend, acht oder zehn Panzer. An den Uniformen, an den Kopfbedeckungen der Männer, die in den geöffneten Deckenluken standen, erkannte Frau Doll sofort, dass dies keine deutschen Panzer waren, nein, es war die russische Panzerspitze, vor der sie eben gewarnt worden war!

Aber dies schien nichts zu sein, vor dem man gewarnt werden musste. Wie da diese Panzer in der schönen Frühlingssonne hin und her fuhren, jetzt mühelos die Kante eines Bürgersteiges nehmend, nun wieder, hart an den Lindenbäumen vorbeistreifend, auf die Fahrbahn zurückkehrend, hatten sie nichts Bedrohliches. Im Gegenteil: es schien ein leichtes, fast fröhliches Spiel. Nicht einen Augenblick überkam sie eine Ahnung von Gefahr. Sie fuhr mit ihrem Rade zwischen die Panzer und sprang dann, an ihrem Ziel, der Apotheke, angekommen, ab. In der befreiten Stimmung, in der sie plötzlich war, hatte sie nicht darauf geachtet, dass auch die Häuser dieser Straße ängstlich verrammelt und verschlossen waren und dass sie die einzige Deutsche unter all den Russen war, von denen übrigens auch einige mit Maschinenpistolen auf der Straße standen.

Nur zögernd löste Frau Doll ihren Blick von diesem ungewohnten Straßenbild und wandte sich der Apotheke zu, deren Eingang wie der aller Häuser fest verrammelt und verschlossen war. Da Klopfen und Rufen nichts halfen, zögerte sie nur einen Augenblick und ging dann rasch auf einen Russen mit Pistole los, der ganz in der Nähe stand. »Hör mal, Wanja«, sagte sie zu dem Russen, lächelte ihm dabei zu und zog ihn am Ärmel in der Richtung auf die Apotheke, »mach mir doch den Laden da mal auf!«

Der Russe begegnete dem lächelnden Blick ihrer Augen mit einem gleichgültigen Zurückschauen, einen Moment hatte sie das ein wenig beunruhigende Gefühl, als werde sie angesehen wie eine Hauswand oder ein Tier. Aber dieses Gefühl verging so rasch, wie es entstanden war, als sich der Mann willig genug von ihr zur Apotheke ziehen ließ und dort, rasch ihre Absicht verstehend, mit dem Kolben seiner Maschinenpistole ein paarmal donnernd gegen die Türfüllung schlug. Schon erschien der Löwenkopf des Apothekers, eines Mannes in den Siebzigern, an einem Glasfensterchen oben in der Tür, ängstlich nach der Ursache dieses Lärmens spähend. Das sonst stets von einem freundlichen Weinrot gefärbte Gesicht sah jetzt fahlgrau aus.

Frau Doll nickte dem alten Manne aufmunternd zu und sagte zu dem Russen: »Es ist gut, danke auch schön. Du kannst jetzt wieder gehen.«

Der Soldat trat, ohne eine Miene zu verziehen, ohne sich auch nur nach ihr umzusehen, auf die Straße zurück. Jetzt drehte sich der Schlüssel im Schloss, und Frau Doll konnte in die Apotheke, in der sich außer dem Siebzigjährigen noch seine wesentlich jüngere Frau und deren nachgeborenes Kind von zwei oder drei Jahren befanden. Sofort nach Frau Dolls Eintritt war die Apothekentür wieder verschlossen worden.

So lebhaft jede einzelne Erinnerung an diesen ersten Besetzungstag noch viel später in ihr lebte, so unbestimmt war Frau Dolls Erinnerung an das, was in der Apotheke gesprochen worden war. Ja, ihr Medikament bekam sie mit der gewohnten Präzision ausgehändigt, sie wusste auch noch, dass die Bezahlung dafür erst abgelehnt, dann mit einem trübe lächelnden Auge wie das Spiel eines törichten Kindes angenommen worden war. Nachher aber kam nur Geschwätz, zum Beispiel, sie könne jetzt keinesfalls zwischen den Russen den weiten Weg nach Haus machen, sie müsse unbedingt hier in der Apotheke bleiben. Und doch bezweifelten die Überredenden einige Augenblicke später selbst, ob dieses Haus noch einige Sicherheit biete, ob es nicht doch besser gewesen wäre, sich in den Wäldern zu verstecken. Schon begann man sich Vorwürfe zu machen, warum man nicht schon viel früher in den Westen Deutschlands geflohen sei – kurz, Frau Doll stieß hier auf das gleiche unselige, sinnlose Geschwätz der von endlosem, gequältem Warten Zermürbten, wie es um diese Tage herum in fast jedem deutschen Hause zu hören war.

Hier aber war es – angesichts der vor den Apothekenfenstern herumrollenden Panzer – besonders sinnlos; keine Entscheidung war mehr zu treffen – alles war entschieden und das Warten vorbei! Dazu kam Frau Doll von draußen, aus der sonnigen Frühlingsluft, sie war zwischen den Panzern gefahren, hatte kurz entschlossen einen Russen beim Ärmel gepackt, der letzte Rest von Gespensterangst war von ihr abgefallen – sie konnte dies Geschwätz einfach nicht mehr ertragen. Sie bat schließlich ziemlich kurz, ihr die Tür wieder zu öffnen, trat auf die Straße, in die Helle zurück, bestieg ihr Rad und fuhr, immer zwischen den stets zahlreicher werdenden Panzern hindurch, weiter in die Stadt hinein.

Vermutlich ist Frau Doll die Letzte gewesen, die den Apotheker mit Frau und Kind an diesem Nachmittag am Leben gesehen hat: Ein paar Stunden später gab er sich, seiner Frau und dem Kinde Gift, anscheinend völlig sinnlos, im letzten Augenblick hatten die gequälten Nerven versagt. So vieles hatten sie nun durch Jahre ertragen, nun, da es doch aussah, als könne manches besser, nichts mehr aber schlimmer werden, weigerten sie sich, die Ungewissheit allerkürzesten Wartens noch zu ertragen.

Aber die gleiche Apothekerhand, die eben noch Frau Doll mit größter Präzision ihr Narkotikum gegen ein Gallenleiden zugemessen, war nicht so glücklich in der Bemessung des Giftes für sich und die eigene Familie: Der sehr alte Mann und das sehr junge Kind starben. Die Frau aber genas nach längerem Leiden zum Leben und wiederholte – obwohl vereinsamt – den Selbstmordversuch nicht.

Alma Doll war noch nicht viel weiter gefahren auf ihrem Rade, als ein wesentlich anderes Bild ihre Aufmerksamkeit fesselte und sie zu einem neuen Halt bewog: Vor dem größten Hotel des Städtchens hatte sich eine Gruppe von etwa einem Dutzend Kindern versammelt, zehn- bis zwölfjährige Jungen und Mädchen. Sie sahen dem Fahren der Panzer zu, schrien und lachten, während die russischen Soldaten sie überhaupt nicht zu sehen schienen.

Die fast wild ausgelassene Stimmung dieser sonst ländlich stillen Kinder erklärte sich durch die Weinflaschen, die sie in ihren Händen hielten. Eben grade, als Frau Doll von ihrem Rade sprang, schlüpfte ein Junge aus dem Tor des Hotels, die Hände voll neuer Flaschen. Die Kinder auf der Straße begrüßten ihren Kameraden mit einem Jubelgeschrei, das fast dem Aufheulen eines jungen Wolfsrudels glich. Sie ließen die Flaschen, die sie in der Hand hatten, ob sie nun ganz, teilweise oder gar nicht gefüllt waren, achtlos auf dem Pflaster zersplittern und stürzten sich auf die neuen, denen sie ohne weiteres die Hälse auf den Steinstufen der Hoteltreppe abschlugen, worauf sie die Flaschen zu den Kindermündern erhoben.

Dieser Anblick rief in Frau Doll sofort den äußersten Zorn wach. War ihr schon als Mutter der Anblick eines betrunkenen Kindes verhasst, so steigerte es noch ihren Zorn, dass diese noch nicht Halbwüchsigen den ersten Einmarsch der Roten Armee durch Trunkenheit schändeten. Fast laufend stürzte sie sich auf die Kinder, entriss ihnen die Weinflaschen und verteilte so ausgiebig Ohrfeigen und Püffe, dass einen Augenblick später der ganze Spuk um die nächste Ecke verschwunden war.

Aufatmend blieb Frau Doll stehen. Der eben noch heftige Zorn war schon wieder verebbt, und fast heiter blickte sie auf die von ihren Einwohnern verlassene Straße, auf der es außer ihr nichts gab als Panzer und vereinzelte russische Soldaten mit Maschinenpistolen. Dann erinnerte sie sich daran, dass es nun doch wohl an der Zeit sei, heimwärts zu fahren, und mit einem leichten glücklichen Seufzer wandte sie sich wieder ihrem Rade zu. Sie hatte es aber noch nicht erreicht, als diesmal ein russischer Soldat auf sie zutrat, der, auf ihre Hand weisend, ein Päckchen aus der Tasche zog, das er aufriss.

Sie sah auf ihre Hand und entdeckte erst jetzt, dass sie sich beim Wegnehmen der Flaschen die Hand zerschnitten hatte: Blut tropfte von ihren Fingern. Mit lächelnder Miene ließ sie sich von dem hilfreichen Russen die Hand verbinden, klopfte ihm zum Dank auf die Schulter – er sah fremd durch sie hindurch –, stieg aufs Rad und fuhr nun ohne weitere Abenteuer nach Haus. An ebenjener Stelle aber, an der vor einer Stunde noch das Wehrmachtsauto gehalten, fuhren nun auch schon russische Panzer. Ob der Wagen wohl noch fortgekommen war? Sie wusste es nicht, sie würde es wohl nie erfahren.

Als Frau Doll mit diesen neuen Nachrichten vor ihrem Manne erschien, hörte er aus dem Bericht nur eine Bestätigung des Entschlusses, an der Schwelle seines Hauses die Sieger und Befreier zu erwarten. Aber da die Ankunft der Russen auch an dieser abgelegenen Stelle des Städtchens nun jeden Augenblick erfolgen konnte, brach Doll das Gespräch mit seiner Frau kurz ab und kehrte mit einer in solcher entscheidenden Stunde fast unbegreiflichen Hartnäckigkeit zu seiner Arbeit an den Staudenbeeten zurück, um die letzten Drahtschlingen zu entfernen und säuberlich aufzurollen und die letzten hässlichen Pfähle zu entfernen.

Weder Abfahrt noch Rückkunft der jungen Frau waren auf den Nebengrundstücken unbemerkt geblieben. Bald fanden sich diese Nachbarn – natürlich stets unter schicklichen Vorwänden, wie etwa, ein Werkzeug zu entleihen – bei Doll ein, schauten seiner Arbeit zu und suchten hintenherum zu erkunden, was Frau Doll wohl in der Stadt gewollt und etwa Neues gesehen habe –? Doll, der auf eine direkte, in solcher Lage völlig berechtigte Frage sofort Auskunft gegeben hätte, hasste dieses fein tuende, katzenhafte Herumschleichen um den heißen Brei sehr und dachte nicht daran, eine so verhohlene Neugier zu befriedigen.

So hätten die Nachbarn unverrichteter Sache wieder abziehen müssen, wenn sich nicht Frau Alma, aus dem Hause kommend, zu ihrem Manne gesellt hätte. Nach Art der meisten jungen Menschen brannte sie darauf, ihre Erlebnisse zu erzählen, und dies umso mehr, da sie doch höchst erfreulich und beruhigend gewesen waren.

Wirklich führten die Erzählungen der jungen Frau einen völligen Umschwung in der Meinung der Nachbarn herbei: Kein Gedanke war noch daran, in den Wald zu flüchten. Alle würden sie, wie Dolls, ihre Befreier in den Häusern erwarten. Ja, manche fingen schon mit deutlichen Worten davon zu reden an, dass es vielleicht gut sein würde, Verstecktes oder Vergrabenes auf den gewohnten Platz zurückzubringen, schon um die Sieger nicht durch Misstrauen zu kränken. Solche Bemerkungen wurden freilich von den Familienmitgliedern mit ärgerlichen Ausrufen und Kopfschütteln aufgenommen: »Du wirst doch nicht, Olga!« – »Was du auch redest, Elisabeth, sicher bleibt sicher!« Oder auch: »Ich weiß bei uns von nichts Verstecktem, Minnie, du phantasierst wohl!«

Dies nachbarliche Gespräch fand seine Krönung durch zwei greise Männer, von Alter schon in den Siebzigern, deren Phantasie sich an der Schilderung der kindlichen Trinkszene vor dem Hotel entzündete. Zuerst war die Wut der beiden Alten unbeschreiblich gewesen. Waren sie denn nicht seit Wochen und Monaten gerade zu diesem Hotelier, dessen Stammgäste sie seit undenklichen Zeiten waren, gepilgert – und das trotz ihrer hohen Jahre und des weiten Weges fast alltäglich –, und hatte dieser Schurke, dieser Verbrecher, dieser Verräter am eigenen Volke ihre Bitten um eine Flasche, ja nur um ein Glas Wein nicht fast stets mit dem Bemerken zurückgewiesen, er habe selbst nichts mehr, die SS habe ihm alles weggetrunken –?! Und jetzt stellte sich heraus, dass doch noch Wein da war, viel Wein vermutlich, ein Keller voll, viele Keller voll, der ihnen gegen alles Recht vorenthalten war, den jetzt Kinder auf die Straße schütteten –!

Und die beiden Greise stellten sich einander gegenüber, ihre eben noch sorgengrauen Gesichter waren wie vom Widerschein des Weins lieblich gerötet, bis in ihr weißes Haar hinein. Sie klopften sich gegenseitig auf die im letzten Jahre so schlaff gewordenen, längst nicht mehr hosenfüllenden Bäuche und schrien einander die geliebten Namen der von ihnen bevorzugten Kreszenzen ins Gesicht. Der eine, kleine, immer im grünen Jägeranzug, reiner Anbeter des Moselweins, der andere, lange, stets in Hemdsärmeln, mehr den französischen Weinen hold. Wie sie da bäucheklopfend umeinandertanzten und brüllten, schienen sie bereits trunken von dem Wein, den sie noch gar nicht hatten. Die höchst ungewisse Stunde, der kaum erst zu Ende gehende Krieg, die vielleicht nahe Gefahr waren vergessen, jede Erinnerung an lange ertragene Qual verdrängt durch die Aussicht auf einen Trunk. Und als sie nun, einander ständig steigernd, beschlossen, mit zwei Handwagen sofort in die Stadt zu ziehen und auf der Stelle die ihnen widerrechtlich vorenthaltenen Weine zu holen, glichen sie Doll völlig jenen, die sich auf einem ausbrechenden Vesuv zum Tanzen anschicken.

Gottlob hatten sie beide Frauen, und diese Frauen sorgten dafür, dass heute aus dem geplanten Ausfluge nichts mehr wurde, zumal der Lärm von durchfahrenden schweren Fahrzeugen sich, von der Stadt her klar über den See schallend, ständig verstärkte. »Aber«, sagte Doll und kehrte damit zu seinen Drahtenden zurück, »aber kommt etwas anders, als wir jetzt erwarten, werden wir immer schuld sein, dass sie nicht in den Wald flohen. Wie wir überhaupt an allem, was kommen wird, schuld sein werden …«

»Ich habe ihnen doch mit keinem Worte ab- oder zugeredet«, verteidigte sich die junge Frau.

»Es kommt nicht darauf an, was du geredet hast«, antwortete Doll und riss mit einer Zange eine Drahtkrampe vom Pfosten los. »Sondern es handelt sich vielmehr darum, dass die lieben Nachbarn jetzt einen Sündenbock für alles, was schiefgeht, gefunden haben.« Er wickelte einen Draht auf. »Sie werden uns nichts ersparen, verlass dich darauf! Sie waren in den vergangenen Jahren schon immer darauf aus, die Schuld für alles, was geschah, stets bei den andern, nie bei sich zu suchen – warum sollten sie sich geändert haben –?!«

»Wir werden es mit Fassung ertragen«, antwortete die junge Frau mit lächelndem Trotz. »Wir sind schon immer die bestgehassten Menschen im Städtchen gewesen – ein bisschen mehr oder weniger macht da auch nicht viel aus, nicht wahr?«

Damit nickte sie ihm zu und ging in das Haus zurück.

Der Rest des Nachmittags verging qualvoll langsam. Noch einmal kamen sie wieder in dieses schreckliche Warten hinein, das sie doch endgültig vorüber hofften – und wie oft sollten sie in den nun folgenden Tagen und Monaten noch warten, warten, warten! Manchmal unterbrach Doll seine Arbeit und ging allein oder mit seiner Frau bis an das Seeufer, von wo sie über das Wasser fort eine Zeile der Stadtstraße sehen konnten. Aber sie sahen allein die hohlen, toten Häuser, ohne ein Zeichen menschlichen Lebens, nur ihr Ohr wurde erfüllt von dem Geräusch nicht abreißenden Rollens, Dröhnens, Hupens, eines riesigen Trosses, der ungesehen, gespensterhaft westwärts durch die Stadt zog.

Endlich – die Dämmerung war schon nicht mehr fern – rief die junge Frau aus dem Haus, es werde gleich Abendessen geben. Doll, der in der letzten Stunde mehr gespielt als gearbeitet hatte, packte sein Handwerkszeug zusammen, trug es in den Schuppen und wusch sich in der Sommerküche. Dann saßen sie in der Ecke um den runden Abendbrottisch: die alte Großmutter, Doll, sein Weib und die beiden Kinder. Die Unterhaltung lief nur zwischen der alten Großmutter und ihrer Tochter hin und her. Die greise Frau, die, fast gelähmt, nur in ihrem Lehnstuhl saß, war begierig nach Neuigkeiten und ihre Tochter heute Abend willig genug, sie ihr zu geben (was durchaus nicht immer der Fall war). Die Großmutter wollte alles ganz genau wissen, sie hörte eine Sache lieber drei- als einmal und setzte der Tochter gewaltig mit Fragen wie diesen zu: »Und was sagte sie dann? – Und was hast du dazu gesagt? – Und was hat sie darauf gesagt?«

Sonst hatte Doll gerne diesen weiblich breit dahinplätschernden Gesprächen gelauscht, immer gespannt darauf, welche Veränderungen bei der nächsten Wiedererzählung der Stoff im alten Kopf der Großmutter erfahren haben würde. Aber heute Abend, da seine gute Stimmung vom Morgen bis auf den allerletzten Rest verbraucht war, konnte er nur mit äußerster Überwindung dieses »Geschwätz« ohne Widerspruch ertragen. Er wusste, das war ungerecht, aber eben ungerecht zu sein, gelüstete es ihn jetzt.

P

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