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Deckungsbeitragsrechnung

Vorwort

Ob die Zahlen „stimmen“, dafür interessieren sich in einem Unternehmen nicht nur die Geschäftsleitung und Controller – auch Produktmanager müssen wissen, ob erbrachte Leistungen und die dafür aufgewendeten Kosten in einem gesunden Verhältnis stehen. Das heißt nichts anderes, als dass die Produkte, um die man sich den ganzen Tag kümmert, rentabel sein sollen. Ob dies so ist, zeigt der „Deckungsbeitrag“ – eine klare Entscheidungshilfe, mit der immer mehr Unternehmen arbeiten.

Der TaschenGuide erklärt Ihnen leicht verständlich, was sich hinter dieser Größe verbirgt, und erklärt die Anwendung: Wie kommt der Deckungsbeitrag zustande? Wie wird er rechnerisch ermittelt und welche Voraussetzungen sind dafür nötig? Wofür setzt man die Deckungsbeitragsrechnung ein? Wann ist ein Deckungsbeitrag gut, wann ist er schlecht? Welche Konsequenzen sind jeweils zu ziehen? … und vieles mehr.

Leicht nachzuvollziehende Beispiele mit Berechnungen und Kalkulationen sowie zahlreiche Tipps für die Praxis wollen Ihnen den Einstieg in die Deckungsbeitragsrechnung und das Verständnis für die Hintergründe erleichtern.

Prof. Dr. Roman Macha

Warum Sie den Deckungsbeitrag kennen müssen

Sind unsere Kosten gedeckt? Fahren wir mit Produkt X noch Gewinn ein? Rentiert es sich, diesen Auftrag selbst zu machen? Holen Sie sich Entscheidungshilfe wie die Profis im Controlling.

Im folgenden Kapitel erfahren Sie,

  • wie der Deckungsbeitrag den Gewinn darstellt,

  • welche Vorteile die Deckungsbeitragsrechung bietet und

  • worüber die Deckungsbeitragsrechnung Auskunft gibt.

Was bedeutet Deckungsbeitrag?

Von Kosten und Gewinn

Triebfeder jedes ökonomischen Handelns ist der Gewinn. Wenn Sie etwas verkaufen, egal ob ein Produkt oder eine Dienstleistung, dann mit dem Ziel, Gewinn zu erwirtschaften. Dies gilt für den Verkäufer auf dem Flohmarkt genauso wie für den internationalen Konzern.

Bevor Sie Umsatz und Gewinn machen können, fallen erst einmal Kosten an – Sie müssen investieren. Doch Kosten sind nicht gleich Kosten, wie das folgende einfache Beispiel zeigt.

Fallbeispiel: Kostenarten

Der fahrende Händler „Bar auf die Kralle“, verkauft Luftballons für 1,50 EUR auf Flohmärkten. Er selbst kauft den Luftballon für 0,25 EUR ein. Für 1.000 Stück bezahlt er 250 EUR. Für seinen Stand auf dem Markt bezahlte er 50 EUR.

Die Kosten für die Ballons hängen von der eingekauften Menge ab. Man nennt sie „variable Kosten“. Neben diesen variablen Kosten fallen aber auch sogenannte „fixe Kosten“ an.

Die Standmiete ist unabhängig von der verkauften Menge an Luftballons. Daher sind die Kosten fix. Diese Unterscheidung der Kostenarten in fixe Kosten und variable Kosten ist für den Deckungsbeitrag sehr wichtig.

Wichtig

Kosten, welche mit der Menge „atmen“, nennt man variable Kosten. Sind die Kosten starr bzw. unabhängig von der Menge, werden sie fixe Kosten genannt.

Am Abend ermittelt der Händler seinen Gewinn. Dazu zieht er vom Tagesumsatz all seine Kosten ab – übrig bleibt der Gewinn. Bei 600 verkauften Luftballons schaut die Ergebnisrechnung des Händlers wie folgt aus:

Beispiel: Ergebnisrechnung von „Bar auf die Kralle“
Umsatz600 × 1,50 EUR900 EUR
-variable Kosten600 × 0,25 EUR-150 EUR
-fixe Kosten- 50 EUR
=Gewinn700 EUR

Gewinn und Deckungsbeitrag

Was hat dies nun mit dem Deckungsbeitrag zu tun? Ganz einfach: Der Deckungsbeitrag ist ein Gewinnteilchen. Er zeigt uns, ob sich mit einem Produkt oder einer Dienstleistung ein Gewinn machen lässt.

Zunächst einmal ist die Sache recht leicht: Der Deckungsbeitrag bleibt übrig, wenn Sie vom Stückpreis Ihres Produkts jeweils die variablen Kosten pro Stück abziehen. Unser Flohmarkthändler etwa kann wie folgt denken:

Preis pro Luftballon1,50 EUR
-variable Kosten pro Luftballon0,25 EUR
=Deckungsbeitrag pro Luftballon1,25 EUR

Pro Luftballon beträgt das Gewinnteilchen 1,25 EUR. Anfangs tragen diese Gewinnteilchen zur Deckung der fixen Kosten in Höhe von 50 EUR bei. Sind diese fixen Kosten einmal bezahlt, so ist jeder Deckungsbeitrag nur noch purer Gewinnbeitrag.

Wichtig

Jeder Deckungsbeitrag trägt zur Deckung der Fixkosten bei. Daher auch der Name: Deckungsbeitrag.

Vom Stückdeckungsbeitrag zum einfachen Deckungsbeitrag

Das Gewinnteilchen pro Luftballon wird Stückdeckungsbeitrag genannt, da es sich auf das einzelne Stück bezieht. Dieser Stückdeckungsbeitrag errechnet sich, wie oben gezeigt, aus der Differenz zwischen Stückpreis und variablen Stückkosten. Wird der Stückdeckungsbeitrag mit der verkauften Menge multipliziert, dann erhält man den Gesamtdeckungs-beitrag oder auch „einfachen Deckungsbeitrag“. Zieht man hiervon die fixen Kosten ab, erhalten Sie wiederum den Gewinn oder den Verlust, den Sie mit ihrem Produkt machen.

Formel zur Errechnung des einfachen Deckungsbeitrags
Preis pro StückP
-variable Kosten pro Stück-kv
=Deckungsbeitrag pro Stück=db
×abgesetzte Menge×x
=Gesamtdeckungsbeitrag=DB
-fixe Kosten-Kf
=Gewinn/Verlust=G

Klingt Ihnen das noch zu kompliziert? Stellen Sie sich ein Gefäß vor und den Deckungsbeitrag als eine Menge von Tropfen, die das Gefäß füllen. Auf dem Gefäß sind bestimmte Markierungen angebracht: In Höhe der Markierung „Fixkosten“ hat das Gefäß einen Ablauf.

Jeder Tropfen lässt den Flüssigkeitsstand in diesem Gefäß langsam steigen. Damit beginnen die einzelnen Stückdeckungsbeiträge, die Fixkosten zu decken. Solange die Differenz zwischen Fixkosten und Flüssigkeitsstand negativ ist, liegt ein Verlust vor. Tropfen jedoch noch weitere Deckungsbeiträge hinein, so sind die fixen Kosten irgendwann einmal erreicht (gedeckt) und das Gefäß läuft über. Dieser Punkt wird übrigens Break-Even-Punkt genannt.

Ein Modell für den Deckungsbeitrag
Ein Modell für den Deckungsbeitrag

Jeder weitere Deckungsbeitrag ist nun Gewinn pur. Er wird in einem weiteren Gefäß gesammelt, an dessen Füllstand Sie den Gewinn ablesen können. (Siehe hierzu auch: Roman Macha, Grundlagen der Kosten- und Leistungsrechnung, 3. Aufl., Frankfurt/NY 1999, S. 173.)

Welche Vorteile hat die Deckungsbeitragsrechnung?

Wie Sie sich vorstellen können, ist die Berechnung der Kosten und des Gewinns, den einzelne Produkte einfahren, ein wichtiges Informationsinstrument für Entscheidungsträger im Unternehmen.

Ein herkömmliches Instrument, um Kosten und Gewinne kalkulieren bzw. nachvollziehen zu können, ist die Vollkostenrechnung. Doch ist die Deckungsbeitragsrechnung – die auch Teilkostenrechnung genannt wird – der Vollkostenrechnung in mancherlei Hinsicht überlegen. Insbesondere bei Entscheidungen über

  • „Make or buy“: selber machen oder zukaufen?

  • Angebotskalkulation bzw. der Ermittlung einer Preisuntergrenze: Wann muss ich auf einen Auftrag verzichten?

  • und der Frage nach dem optimalen Produktionsprogramm: Welche Produkte soll ich herstellen?

ist die Deckungsbeitragsrechnung der Vollkostenrechnung vorzuziehen. Denn bei Anwendung einer Vollkostenrech nung kann es zu Fehlentscheidungen kommen, die das Unternehmen teuer zu stehen kommen. Das unterschiedliche Vorgehen beider Rechnungen soll gleich an den folgenden Beispielen deutlich werden.

Warum die Deckungsbeitragsrechnung der Vollkostenrechnung vorzuziehen ist

Drei Beispiele zeigen Ihnen die Überlegenheit der Teilkostenrechnung gegenüber der Vollkostenrechnung und die Gefahren bzw. Fehlerquellen, wenn Sie anstelle der Deckungsbeitragsrechnung die Vollkostenrechnung anwenden. Dabei berücksichtigen wir die drei oben genannten Entscheidungen: Outsourcing, Angebotskalkulation und Produktionsprogramm.

Fallbeispiel: Make or buy – Selber machen oder zukaufen?

Eine Maschinenfabrik mit eigener Gießerei steht vor dem Entscheidungsproblem: Soll sie für einen Auftrag selbst produzieren oder einkaufen?

Die eigene Gussfertigung verursacht Herstellkosten von 100 EUR. Von einem indischen Billiganbieter liegt ein Angebot vor. Er verspricht in gleicher Qualität, pünktlich (just in time) das Produkt für 80 EUR frei Haus zu liefern.

Wie würden Sie entscheiden? Sie vergleichen die Kalkulation Ihrer Herstellkosten mit dem Angebot und überlegen, welche fixen Kosten weiter bei Ihnen im Unternehmen anfallen werden. Diese fixen Kosten müssen Sie bei Ihrer Überlegung einbeziehen. Wir stellen gegenüber:

Kosten für Inhouselösungin EURKosten für Zukaufin EUR
Materialeinzelkosten20Preis laut Angebot80
+Materialgemeink. 50 %10Anteilige Fixkosten10
=Materialkosten (1)30
Fertigungslöhne35
+Fertigungsgemeink. 100 %35Anteilige Fixkosten35
=Fertigungskosten (2)70
Herstellkosten (1) + (2)100Zukaufen125

Wenn Sie das Produkt selbst herstellen, bezahlen Sie an variablen Kosten 55 EUR (20 EUR Materialeinzelkosten und 35 EUR Löhne). Darüber hinaus werden Fixkostenanteile von 45 EUR (Materialgemeinkosten und Fertigungsgemeinkosten) verrechnet. Die Herstellkosten betragen somit 100 EUR.

Doch Achtung: Auch beim Zukauf müssen diese Fixkostenanteile verrechnet werden – da es sich ja um Kosten handelt, die immer anfallen. Das gekaufte Produkt verteuert sich somit von 80 EUR um die Fixkostenteile von 45 EUR auf 125 EUR. Sie sehen, nach Übernahme der fixen Kosten ist das Zukaufen teurer. Der Lieferant müsste zu Ihren variablen Kosten, d. h. zu einem Preis von 55 EUR anbieten, um gleich gut zu sein.

Fallbeispiel: Angebotskalkulation in harten Märkten*

Der Schreinermeister Holzwurm kalkuliert auf Basis der Vollkostenrechnung Stühle für die Kantine der Schlemmer AG. Hierzu geht er wie folgt vor: Er rechnete mit einem Auftrag von etwa 200 Stühlen und legte einen Gemeinkostenzuschlag von 200 % pro Stuhl fest.

Kalkulation von Schreiner Holzwurm:
Einzelkosten: Holz und Löhne50 EUR
+Gemeinkostenzuschlag 200 %100 EUR
=Selbstkosten150 EUR
+Gewinnzuschlag 30 %45 EUR
=Angebotspreis195 EUR

Zu den variablen Material- und Lohnkosten (pro Stuhl) in Höhe von 50 EUR verrechnet unser Schreiner damit anteilige Fixkosten von 100 EUR. In Summe landet er also bei einem Selbstkostenpreis von 150 EUR.

Wichtig

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