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Das dunkle Paradies

Robert B. Parker wurde 1932 geboren. Nach seinem M.A. in amerikanischer Literatur promovierte er 1971 über die »Schwarze Serie« in der amerikanischen Kriminalliteratur.

Seit seinem Debüt »Spenser und das gestohlene Manuskript« im Jahr 1973 hat er über 50 Bücher veröffentlicht. 1976 erhielt er für den Titel »Auf eigene Rechnung« den Edgar-Allan-Poe-Award für den besten Kriminalroman des Jahres. Neben den überaus erfolgreichen »Spenser«- und »Jesse-Stone«-Reihen veröffentlichte Parker auch einzelne Krimis, darunter »Wildnis«. Am 18. Januar 2010 verstarb Robert B. Parker in Massachusetts. www.robertbparker.de

Robert B. Parker

Das dunkle Paradies

Ein Fall für Jesse Stone

Übersetzt von Robert Brack
Mit einem Nachwort von Frank Göhre

1

Am Rand des Kontinents, nicht weit vom unteren Ende des Wilshire Boulevards und direkt oberhalb des Santa Monica Beachs, lehnte Jesse Stone im Dunkeln am Geländer und starrte ins Nichts, während unter ihm der schwarze Ozean in Richtung Japan davonrollte.

Auf der Ocean Avenue war alles ruhig. Die Straßenlaternen hinter ihm verströmten ihr unbarmherziges Licht. Vor ihm lag die vollkommene Finsternis über dem ständigen verächtlichen Murmeln des Meeres.

Ein schwarzweißer Streifenwagen näherte sich und stoppte in der Parkbucht hinter seinem Wagen. Ein Scheinwerfer strahlte den Wagen an. Einer der Cops stieg aus und sah ins Innere. Dann strich der Scheinwerfer über den Rand der Klippen, über Jesse hinweg und an ihm vorbei, um dann wieder zu ihm zurückzukehren. Der durchtrainierte junge Polizist kam zu Jesse herüber. Er hielt die Lampe am vorderen Ende fest, der hintere Teil ruhte auf seinen Schultern, damit er ihn bei Bedarf als Schlaginstrument einsetzen konnte. Er fragte Jesse, ob mit ihm alles in Ordnung sei. Jesse versicherte, ihm gehe es gut, und der junge Polizist fragte ihn, warum er hier draußen um vier Uhr morgens herumstehe. Er war ungefähr vierundzwanzig Jahre alt. Jesse hatte das Gefühl, sein Vater sein zu können, obwohl er gerade zehn Jahre älter war.

»Ich bin Polizist«, sagte Jesse.

»Haben Sie Ihre Marke dabei?«

»Ich war Polizist. Ich verlasse die Stadt und wollte vorher nur noch einen Moment hier haltmachen.«

»Ist das Ihr Wagen?«

Jesse nickte.

»Zu welcher Abteilung haben Sie gehört?«

»Morddezernat.«

»Wer war Ihr Chef?«

»Captain Cronjager.«

»Sie haben Alkohol getrunken«, sagte der Cop.

»Ich warte hier, bis ich wieder nüchtern bin.«

»Ich kann Sie in Ihrem Wagen nach Hause bringen«, bot der Polizist an. »Mein Partner folgt uns im Streifenwagen.«

»Ich bleibe hier und warte, bis ich nüchtern bin.«

»Okay.« Der junge Polizist ging zum Streifenwagen zurück und sie fuhren weg. Sonst kam niemand vorbei. Bis auf das unentwegte Rauschen des tiefschwarzen Wassers war kein Laut zu hören. Das Licht der Straßenlaternen hinter ihm begann zu verblassen und er bemerkte die Umrisse des Piers zu seiner Linken. Er drehte sich langsam um, warf einen Blick auf die Stadt, die hinter ihm lag, und stellte fest, dass es dämmerte. Das Licht der Laternen hatte sich gelb verfärbt, der Himmel im Osten wurde weiß. Er warf einen letzten Blick auf den Ozean, ging zu seinem Wagen zurück und stieg ein. Er fuhr über die Ocean Avenue zum Santa Monica Freeway und wandte sich dort nach Osten. Als er Boyle Heights passierte, war die Sonne aufgegangen und schien ihm in die Augen. Er hielt direkt auf sie zu. Adieu, Hollywood, sag auf Wiedersehen, Baby.

2

Tom Carson saß auf dem Besucherstuhl vor dem Schreibtisch von Hastings Hathaway im Büro des Direktors des Paradise Trust. Er fühlte sich so unwohl, als säße er im Büro seines eigenen Vorgesetzten. Das gefiel ihm überhaupt nicht. Immerhin war er der Polizeichef und die Leute sollten vor ihm kuschen.

»Du hast die Möglichkeit, ohne großes Aufsehen zurückzutreten, Tom«, sagte Hathaway, »und einer Ortsveränderung zuzustimmen. Es sei denn, du willst die, äh, Konsequenzen tragen.«

»Konsequenzen tragen?«, Carson versuchte hart zu klingen, aber er spürte, wie der Boden unter ihm nachgab.

»Für dich selbst und, wenn nötig, für deine Frau und die Kinder.«

Carson räusperte sich und schämte sich, dass er das nötig hatte.

»Welche zum Beispiel?«, fragte er so unnachgiebig wie möglich und bemühte sich, seinen Blick nicht von Hathaway abschweifen zu lassen.

Warum war Hathaway so furchteinflößend? Er war ein Fiesling. Damals in der achten Klasse, bevor Hasty abgegangen war, hatte Tom Carson ihn aufgezogen. Alle anderen hatten es auch getan. Hathaway lächelte. Es war ein fieses Lächeln und es machte Tom Carson noch mehr Angst.

»Wir haben viele Möglichkeiten, Tom. Wir können die Angelegenheit Jo Jo und seinen Leuten überlassen oder uns auch selbst damit befassen. Ich möchte es allerdings nicht so weit kommen lassen. Ich bin dein Freund, Tom. Bis jetzt war es mir möglich, die, äh, Feuersbrunst unter Kontrolle zu halten, aber du musst mir vertrauen. Du musst tun, was ich sage.«

»Hasty«, sagte Carson. »Ich bin der Polizeichef, gottverdammt.«

Hathaway schüttelte den Kopf.

»Du kannst nicht einfach beschließen, dass ich es nicht mehr bin.«

»Du bestimmst nicht, was in dieser Stadt geschieht, Tom.«

»Aber du tust es?«

Carson spürte, wie sich seine Gesichtszüge verhärteten und seine Arme und Hände schwach wurden.

»Wir tun es, Tom. Betonung auf wir.«

Carson schwieg und starrte Hathaway an. Angesichts der Drohung mit Jo Jo fühlte er sich leer und zerschlagen. Hathaway zog einen großen, braunen Briefumschlag aus seiner mittleren Schublade.

»Du bist kein besonders guter Polizist, Tom. Es war nur ein trauriger Zufall, dass du einiges herausgefunden hast. Aber es ist nun mal passiert und es war gut, dass du gleich zu mir gekommen bist. Bis jetzt ist es mir gelungen, dich vor den Folgen deiner Entdeckung zu bewahren.«

»Was wäre, wenn ich damit zum FBI gehe?«

»Genau dem will ich ja vorbeugen«, sagte Hathaway. »Andere, Leute wie Jo Jo, würden die Sache an sich reißen. Und deine Familie …« Hathaway zog bedauernd die Schultern hoch, hielt einen Moment inne und seufzte theatralisch, bevor er fortfuhr.

»Aber wir beide wissen doch, Tom, dass du für so etwas nicht gemacht bist. Die bessere Lösung für dich, und ich bin sicher, dass du das selbst erkennen wirst, ist doch, unser großzügiges Abfindungsangebot anzunehmen. Wir haben ein Haus für dich gefunden und steuern ein wenig Bargeld bei, um dir bei den Umzugskosten unter die Arme zu greifen. Die näheren Details stehen hier drin.«

»Was ist, wenn ich verspreche, kein Wort über alles auszuplaudern, Hasty? Warum kann ich nicht einfach bleiben? Dann hättet ihr einen Polizeichef, der euch keine Schwierigkeiten macht.«

Hathaway schüttelte langsam den Kopf, als Carson das sagte, mit einem traurigen Lächeln auf den Lippen.

»Ich meine, der nächste Polizeichef könnte wesentlich unangenehmer für euch sein.«

Hathaway behielt sein trauriges Lächeln bei und schüttelte weiter langsam den Kopf.

»Ich versuche nur, dir zu helfen, Tom«, sagte er. »Aber ich kann dir nicht helfen, wenn du dir nicht selbst helfen willst.«

»Ich bin kein Unruhestifter«, sagte Carson. »Was aber, wenn der Neue Ärger macht?«

»Wir haben uns deinen Nachfolger schon ausgesucht«, sagte Hathaway. »Genau den Richtigen.«

Er hielt Tom Carson den Briefumschlag hin. Der zögerte einen kurzen, unbestimmten Moment lang, dann griff er zu und nahm den Umschlag an sich.

3

Jesse verließ die Route 10 hinter Upland, wo er auf die Route 15 fuhr, der er nach Norden bis Barstow folgte, wo er Richtung Osten auf die Route 40 wechselte. Das Radio ließ er aus. Er wollte seine Ruhe haben. Er stellte den Temporegler auf 70 ein, legte die eine Hand leicht auf das Lenkrad, sackte in sich zusammen und gab den Gefühlen die Möglichkeit, aus seinem geschrumpften Inneren zu entweichen. Er hatte keine Polizeimarke mehr. Er hatte sie zusammen mit seiner Dienstpistole abgegeben. An seiner linken Hand war kein Ehering. Er lächelte freudlos vor sich hin. Den hatte er ebenfalls abgegeben. Es machte ihm direkt Angst, keine Marke und keinen Ring mehr zu tragen. Nicht einmal 35 und keine offiziellen Bindungen mehr. Mit der rechten Hand wühlte er in seiner Sporttasche auf dem Beifahrersitz herum, bis er seine Privatpistole gefunden hatte, eine kurzläufige .38er Smith & Wesson. Er platzierte sie so, dass sie ganz oben in der Tasche lag, wo er sie schnell greifen konnte, und ließ seine Hand eine Weile auf ihr ruhen. Auf diese Weise fühlte er sich nicht mehr ganz so verloren. Er hielt an einer Raststätte außerhalb von Needles, setzte sich an die Theke und bestellte Orangensaft, Schinken, Eier, Kartoffeln, Weizentoast und drei Tassen Kaffee mit Zucker und Sahne. Jetzt fühlte er sich ziemlich gut. Im Lokal saßen viele Fernfahrer und Touristen, er saß ganz allein zwischen ihnen. Niemand beachtete ihn. Sie fuhren dahin, wo sie wollten, er war auf seinem Weg nach Osten. Er ging zur Toilette und wusch sich Hände und Gesicht. Als er wieder im Wagen saß und den Temporegler eingestellt hatte, spürte er einen leichten Anflug von Erregung. Es war jetzt Nachmittag, die Sonne stand hinter ihm. Sie beschien alles, was er gerade verlassen hatte. Die Straße erstreckte sich bis zum Horizont und war fast leer. Freiheit, dachte er und lächelte wieder, keine Marke, kein Ring, keine Probleme. Wenn man es richtig betrachtete, war das die Freiheit. Er versuchte, dieses erregende Gefühl so lange wie möglich zu halten, es anwachsen zu lassen.

Er suchte sich ein Quartier in Flagstaff, 250 Meilen nördlich von seinem Geburtsort, und ging in die Motelbar, um zu Abend zu essen. Er bestellte einen Scotch auf Eis und ein mit Hähnchenbrust belegtes Croissant. Ein paar Typen in karierten Hemden standen an der Bar, mit so dünnen Krawatten, wie man sie in Arizona trug, mit einer Silberspange statt einem Knoten. Hinter der Bar befanden sich zwei Frauen in weißen Blusen mit schwarzen Krawatten und kurzen roten Jacketts. Die eine war eine dicke Blonde, die andere eine schlanke, dunkelhaarige Lateinamerikanerin, die in fünf Jahren genauso fett sein würde. Hinter der Bar gab es einen weiteren Raum mit Tischen, einer Tanzfläche und den üblichen Discjockey-Utensilien. Im Moment war es dort noch leer. Auf dem ausgeschalteten Neonschild über dem DJ-Pult stand »Coyote Lounge«. Er nippte an seinem Scotch und spürte, wie sich die kalte Hitze von seiner Speiseröhre her ausbreitete. Ein großer, gutgebauter Mann Mitte dreißig betrat die Bar. Er trug einen großen Stetson und Kopfhörer. Er bewegte sich leicht im Takt der Musik, die nur er hören konnte. Er hatte die Ärmel seines karierten Hemdes hochgekrempelt, trug Jeans und zweifarbige Cowboystiefel aus Eidechsenhaut. Der Walkman steckte in seiner Brusttasche und das Kabel teilte sich unterhalb des Kinns. Er sah aus, als hätte er gerade geduscht und sich rasiert. Der Duft seines Rasierwassers eilte ihm voraus. Vielleicht ein Stammgast. Jesse beobachtete ihn. Es war nichts Besonderes an ihm, Jesse beobachtete Leute einfach bei allen Gelegenheiten. Der Cowboy bestellte ein alkoholfreies Bier. Als es serviert wurde, ließ er das Glas stehen, nahm die Flasche, schlenderte durch die Bar und nahm alles in Augenschein.

»Wann geht die Disco los?«, fragte er eine von den Barfrauen. Er sprach laut, vielleicht, weil er sich sonst wegen der Musik in den Kopfhörern selbst nicht verstanden hätte. Er trank das alkoholfreie Bier aus der Flasche, die er direkt am Hals angefasst hatte.

»Um 9 Uhr«, sagte die Lateinamerikanerin. Sie sprach ohne Akzent.

Der Cowboy ließ seinen Blick über die Bar, über Jesse und die zwei Bier trinkenden Typen in den karierten Hemden und die beiden Barfrauen schweifen.

»Kennt jemand ein Lokal, wo schon was los ist?«

Einer der Biertrinker schüttelte den Kopf, ohne aufzusehen. Niemand sonst schien die Frage zur Kenntnis zu nehmen. Alle haben es gehört, dachte Jesse. Vielleicht liegt’s daran, dass er so laut redet. Oder daran, dass er so aussieht wie ein Dressman in einem Katalog für Westernklamotten. Oder daran, dass er hier in dieser kleinen Provinzbar herumläuft, als wäre er im Ritz. Woran auch immer es lag, jeder hier wusste, dass er einer von den Typen war, die, ermutigt durch eine Antwort, viel zu lange weiterreden würden. Der Cowboy nickte vor sich hin, als wären seine Vorurteile bestätigt worden. Dann ging er in den leeren Tanzsaal, lief dort herum und betrachtete die Karikaturen von irgendwelchen Figuren, halb Mensch, halb Kojote, die an den Wänden hingen. Dann stellte er seine halb ausgetrunkene Flasche Alkoholfreies auf die Bar, warf einen letzten Blick in die Runde und ging nach draußen.

»Typen gibt’s«, sagte die blonde Barfrau.

Ein Arschloch, dachte Jesse. Ein gutaussehendes Arschloch, aber genauso einsam und verlassen wie alle anderen. Sein Sandwich kam. Er aß es, weil er ein paar Nährstoffe nötig hatte, trank zwei weitere Scotch, zahlte und ging auf sein Zimmer. Wenn sie den Tanzsaal öffneten, würde nichts passieren, was Jesse interessieren könnte.

In seinem Zimmer nahm er die Reiseflasche Black-Label-Whisky aus dem Koffer und schenkte sich etwas davon in den kleinen Zahnputzbecher aus Plastik ein, den er im Badezimmer gefunden hatte. Der Weg durch den langen Korridor, um Eis zu holen, war ihm zu weit, also trank er seinen Scotch warm. Den Fernseher ließ er aus. Stattdessen stellte er sich ans Fenster und blickte nach draußen auf die hohen Kiefern, die den Hügel hinter dem Motel bedeckten. Er war in Tucson aufgewachsen, als die Brady Family angesagt war, und obwohl die Stadt höchstens vier oder fünf Stunden entfernt lag, hätte sie sich genauso gut auf einem anderen Planeten befinden können. Tucson bedeutete Sonne, Wüste und Hitze, sogar im Januar. Hier oben war jetzt Winter. Es war 19 Uhr 45 und es wurde dunkel. Er befand sich immer noch in der gleichen Zeitzone. Jennifer müsste jetzt gerade von der Arbeit nach Hause gekommen sein. Bestimmt vögelte sie in diesem Moment mit Elliott Krueger. Er stellte sich vor, wie seine Frau beim Sex ausgesehen hatte, während er auf die mittlerweile dunkel gewordene Fensterscheibe starrte und an seinem Scotch nippte. Sein Spiegelbild sah trübsinnig aus. Er grinste sich an, hob das Glas und prostete sich zu. Na los, Jenn, fick dir das Hirn weg! Mit mir hat das nichts mehr zu tun. Die kühne Geste und der Scotch bewirkten, dass er sich einen Moment lang gut fühlte. Aber er wusste, es waren nur der Scotch und die kühne Geste. Hinter dem Lächeln im dunklen Fenster gab es nichts als gähnende Leere.

4

Hasty Hathaway hatte nie richtig gearbeitet. Sein Vater hatte im Bankgeschäft eine Menge Geld gemacht. Wenn Hasty seine Zeit im Büro der geerbten Bank verbrachte, war er vor allem damit beschäftigt, den prominentesten Bürger von Paradise zu mimen, den Vorsitzenden des Stadtrats, den Kommandanten der Freedom’s Horsemen und den Präsidenten des Rotary Clubs. Jetzt stand er in seinem Schlafzimmer vor der offenen Schranktür und überlegte, welches Jackett er anziehen sollte. Seine Frau lag im Nachthemd im Bett und beobachtete ihn.

»Wie wäre es mit dem blauen Seersucker?«, fragte er.

»Blau steht dir gut, Hasty«, meinte Cissy.

»Der neue Polizeichef kommt diese Woche an«, sagte Hasty, »aus Kalifornien.«

»Hast du ihn nicht schon mal getroffen?«

»In Chicago. Burke und ich sind hingefahren, um die Kandidaten für die Endausscheidung zu befragen. Haben im Palmer House gewohnt.«

Hasty nahm den blauen Seersucker aus dem Schrank, zog ihn an und drehte sich, damit Cissy ihn betrachten konnte.

»Gut«, sagte sie. »Wirst du die karierte Fliege dazu tragen?«

»Meinst du, ich sollte?«

»Es würde sehr gut zu diesem Hemd und dem Jackett passen.«

»Also gut.« Hasty nahm die Fliege vom Krawattenhalter auf der Rückseite der Schranktür.

»Ist er nett?«

»Der neue Polizeichef? Nun, ich hoffe, er ist mehr als das. Aber er ist ziemlich jung und sieht noch jünger aus. Hat gute Zeugnisse.«

»Und er passt hierher?«, fragte Cissy.

»Ja, wir haben darauf geachtet. Das war eins von Tom Carsons Problemen, also haben wir besonders aufgepasst. Er ist einer von uns. Natürlich nicht reich, aber er hat den richtigen Hintergrund. War auf dem College und so.«

»Wirklich? Auf welchem?«

»Irgendwo«, sagte Hathaway. »Auf einem der wichtigen, USC, UCLA, ich kann sie nicht auseinanderhalten. Hat Strafrecht studiert, Abendkurse.«

»Es ist eine Schande, wenn ein junger Mann seine Collegezeit nicht genießen kann. Du weißt schon, nicht nur die Vorlesungen, sondern auch Football, Wettkämpfe, Bälle, heiße Diskussionen im Wohnheim.«

»Ich weiß, aber viele junge Männer haben nicht so viel Glück wie wir. Müssen sich durchbeißen.«

»Ja.«

Wie jeden Morgen genehmigte sich Hathaway eine Schale mit Wheaties zum Frühstück und zwei Tassen Kaffee. Cissy saß ihm in ihrem Bademantel gegenüber, trank schwarzen Kaffee und rauchte eine Zigarette. Er hatte das Rauchen vor zwanzig Jahren aufgegeben. Sie wünschten sich beide, sie würde es auch tun, aber sie schaffte es nicht. Also hatten sie vereinbart, dass es keinen Zweck hatte, darüber zu diskutieren. Sie war eine hochgewachsene Frau mit jugendlichem Körper. Sie trug selten Make-up, und wenn, dann nur Lippenstift. Ihre blonden, langen Haare verfärbten sich langsam silbern. Es passte gut zu ihrem jugendlichen Gesicht.

»Na dann«, sagte er. »Ich muss mich beeilen. Muss mich um meine Bank kümmern und die Stadt regieren.«

»Immer beschäftigt«, sagte sie.

Das sagte sie jedes Mal, denn er sagte auch jedes Mal das Gleiche. Sie hielt ihm ihre Wange hin, damit er sie küssen konnte. Er küsste sie und ging durch die Tür nach draußen, die Auffahrt hinunter und dann Richtung Rathaus. Seine Kleidung sah immer ein bisschen unmodern aus, als hätte er vor langer Zeit eine Menge Geld dafür ausgegeben und vergessen, sie abzulegen. Der Schlag der Hosen war übertrieben. Die Jackenärmel ließen zu viel von den Manschetten sehen. Der Gürtel saß zu weit oben und der Mantel war um die Hüften etwas zu eng. Das war so ähnlich wie mit ihrer Raucherei: Während der langen Jahre ihrer Ehe hatten sie es immer wieder aufgeschoben, sich darum zu kümmern, nach dem Motto »Wie in guten, so in schlechten Zeiten«. Sie stellte seine Müslischale und die Kaffeetasse in den Ausguss, schenkte sich eine frische Tasse Kaffee ein, zündete sich eine neue Zigarette an, zog den Bademantel enger und blickte hinaus auf die Blumenrabatten, die den größten Teil ihres Gartens ausmachten. Es hatte ihr geschmeichelt, einen Mann aus so guter Familie zu heiraten. Später würde sie vielleicht ein Bad nehmen und sich die Beine rasieren.

5

Die erste Etappe seiner Reise hatte ihn durch sonnenverbranntes, ausgedörrtes Land zwischen beigefarbenen Hügeln hindurchgeführt. Ab und zu erhob sich der Wind und wirbelte eine Handvoll Staub über den Highway. Jesse hatte keine wilden Tiere, keine Pflanzen, bis auf dieses leblos aussehende Wüstengestrüpp, bemerkt. Er sah kein Wasser, bis er den Colorado River in der Nähe von Needles überquerte. Er fuhr im Explorer. Den roten Miata hatte er Jennifer überlassen, mit dem Hintergedanken, dass sie ihm so bald wie möglich das Geld dafür geben würde, wie sie es versprochen hatte. Jetzt, an seinem zweiten Reisetag, befand er sich noch immer in den Bergen, östlich von Flagstaff. Die Landschaft war grün, sauber, kühl und voll von immergrünen Pflanzen. Ganz anders als das südliche Arizona seiner Kindheit. Das Wasser sprudelte aus Gesteinshöhlen und stürzte aus Felsspalten. Das Wasser strömte so hemmungslos wild, wie Jesse es noch nie gesehen hatte. Als ob Gott zu viel davon gehabt und es für diesen Teil der Erde verschwendet hätte. Er schaltete das Radio ein und drückte auf die Sendersuchtaste. Die digitale Anzeige blinkte lautlos auf, während das Gerät erfolglos nach einem Signal suchte, das stark genug war. Auch eine Art, jemandem mitzuteilen, dass er sich am Arsch der Welt befand. Die Luft hier in den Bergen war klar und sehr frisch. Sogar jetzt, im späten Frühling, gab es immer noch Schneehaufen unter den breiten Ästen der großen Kiefern. Vielleicht hatte Elliott sie schon längst unter einem Baum gevögelt. Als er Albuquerque erreichte, befand er sich sechshundert Meter tiefer, aber die Stadt lag immer noch ziemlich hoch. Es war einfach unmöglich, durch dieses Land zu fahren, ohne dabei an Indianer, Kavallerie, Siedlertrecks, Trapper, Wells Fargo und Union Pacific zu denken. Hosen aus Hirschleder, Mäntel aus Büffelfell, lange Flinten, Fallen, Whiskey und Indianer. Bowiemesser. Biberfallen. Büffel, so weit das Auge reicht. Rinderherden. Planwagen. Sechsschüssige Revolver mit glatten Griffen. Pferd und Mensch zu einem einzigen Wesen verschmolzen, wenn sie sich über die weite Landschaft bewegen. Hüte und Halstücher und Winchester-Gewehre und das Knirschen des Ledersattels und der Geruch nach Speck und Kaffee. Östlich von Albuquerque befand er sich wieder in verdorrtem Gebiet mit einer geheimnisvollen Hochebene am Horizont. An einer Raststätte warnte ein Schild vor Klapperschlangen. In einem Indianerreservat in New Mexico hielt er an, um zu tanken. Er hatte keine Ahnung, zu welchem Stamm sie gehörten. Vielleicht Hopi oder Pima. Er wusste überhaupt nichts über Indianer. Das Benzin war billiger im Reservat, genauso wie Zigaretten, denn hier entfiel die Bundessteuer. Endlose Reihen von Werbetafeln an der Interstate priesen die günstigen Zigarettenpreise an. Zwei Indianer in Jeans, weißen T-Shirts und Basecaps aus Plastikgitter lungerten neben der Tanksäule herum. Der eine bemerkte das kalifornische Nummernschild.

»Wohin soll’s denn gehen?«, fragte er mit diesem undefinierbaren Indianerakzent.

»Massachusetts«, sagte Jesse.

Die beiden sahen sich an.

»Massachusetts«, sagte der eine.

»Die ganze Strecke bis nach Massachusetts?«, fragte der andere.

»Ja.«

»Im Auto?«

»Die ganze Strecke«, sagte Jesse.

»Sie machen wohl Witze, Mister. Massachusetts?«

Jesse nickte.

»Massachusetts«, wiederholte er.

»Jeesus!«

Der Zapfhahn schaltete sich ab und Jesse ging in das kleine Tankstellengebäude, um zu zahlen. Auf einem Regal standen Kanister mit Motoröl. Auf einem winzigen Tresen befand sich die Registrierkasse. Dahinter stand eine fette alte Indianerin. Sie trug ein rotes T-Shirt mit der Aufschrift »Harrah’s» in großen, schwarzen Buchstaben. Sie hatte eine Zigarette im Mundwinkel und blickte ihn mit zusammengekniffenen Augen durch den Rauch hindurch an, als sie sein Geld entgegennahm und die Kasse betätigte. Ansonsten stand der ganze Raum mit übereinander gestapelten Zigarettenkartons voll.

»Zigaretten?«, fragte sie.

»Ich rauche nicht.«

Sie zuckte mit den Schultern. Als Jesse die Tankstelle verließ, sah er, wie die beiden Indianer hinter ihm herblickten und sich aufgeregt unterhielten. Massachusetts! In der ganzen schiefergrauen, kargen Gegend hier gab es nichts weiter als diese Tankstelle und die beiden Männer … Als er Jennifer zum ersten Mal getroffen hatte, waren ihre Haare blond gewesen. Er hatte eine Stunde lang Basketball gespielt, im Los Angeles Sports Club, wo Magic manchmal trainierte. Seine Gegner waren ehemalige College-Spieler gewesen und ein Typ, der einige Jahre als elfter Mann der Indiana Pacers zugebracht hatte. Nach dem Duschen hatte er in der Snackbar im Mittagsgedränge an einem Tisch für zwei Personen einen Kaffee getrunken. Sie fragte ihn, ob sie den freien Stuhl gegenüber nehmen könne. Er sagte ja. Das war der eigentliche Grund, weshalb er in den Sports Club ging. Besonders viel Training hatte er nicht nötig. Mit seinen ein Meter fünfundachtzig und den fünfundachtzig Kilo war er von Natur aus gut gebaut und musste nichts dafür tun. In der High School von Fairfax war er Point Guard gewesen, der einzige weiße Point Guard in der ganzen Basketball-Liga, und er konnte damals sogar ein Tau hinaufklettern, ohne die Füße zu benutzen. Beim Tauklettern war er der Schnellste in der Klasse gewesen. In den Sports Club ging er vor allem deshalb, weil er wusste, dass hier viele gutaussehende junge Frauen in bester körperlicher Verfassung hinkamen, und er hoffte, eine von ihnen kennenzulernen. Er spielte ein bisschen Handball, ein bisschen Basketball und trank Kaffee in der Snackbar, wo er auch, falls er wollte, einen Fruchtsaft-Mix oder einen Joghurt-Shake oder irgendwelchen grünen Gemüsesaft bekommen hätte.

Jennifer stellte ihr Tablett ab und lächelte ihn an.

»Ich heiße Jennifer«, sagte sie.

»Jesse Stone.«

»Was trinken Sie da?«

Sie hatte blaue Augen, die größten Augen, die Jesse jemals gesehen hatte, mit sehr langen Wimpern. Sie trug ein kobaltblaues und smaragdgrünes Spandex-Trikot, ihre Fingernägel waren blau.

»Kaffee.«

»Wahnsinn. Hier mitten in der Gesundheitsbar?«

Jesse lächelte. Jennifer hatte ein Sandwich aus Vollkornweizen mit Avocadocreme. Als sie hineinbiss, quoll die Creme an den Seiten heraus und tropfte ihr aufs Kinn. Sie kicherte, als sie das Sandwich zurücklegte und sich das Kinn mit der Serviette abwischte. Er mochte, wie sie kicherte. Er mochte die Art, wie sie es hinnahm, dass das Sandwich auf ihr Kinn tropfte. Er mochte ihr grünes Haarband und wie es ihr Haar davor bewahrte, ins Gesicht zu fallen. Ihm gefiel, dass ihre Haut ein wenig zu dunkel für ihr blondes Haar war, und er fragte sich einen Moment lang, was wohl ihre richtige Haarfarbe war.

»Sind Sie Geschäftsmann?«, fragte Jennifer.

»Ich bin Polizist.«

»Wirklich?«

»Ja.«

»Mein Gott, Sie sehen nicht so aus.«

»Wie sehe ich denn aus?«, fragte Jesse.

»Wie ein Produzent vielleicht, oder ein Agent. Sie wissen schon: schlank, guter Haarschnitt, gut gekleidet, Oakley-Sonnenbrille.«

Jesse lächelte noch mehr.

»Tragen Sie eine Pistole bei sich?«, fragte Jennifer.

»Klar.«

»Wirklich?«

Jesse hielt seine Jacke auf und drehte sich leicht zur Seite, damit sie die 9-mm-Pistole sehen konnte, die er hinter der rechten Hüfte trug.

»Ich hab noch nie eine Waffe in der Hand gehabt.«

»Das ist auch gut so.«

»Ich würde gern mal mit einer schießen. Ist es schwierig?«

»Nein«, sagte Jesse. Das mit der Kanone funktionierte immer. Außer es waren irgendwelche Spät-Hippies, dann fanden sie es abstoßend.

»Ich nehm Sie mal zum Schießen mit, wenn Sie mögen.«

»Ist das sehr aufregend?«

»Nein.«

Jennifer aß ein bisschen von ihrem Sandwich und tupfte sich den Mund ab.

»Wenn ich gewusst hätte, dass ich mit jemandem zusammen essen würde, hätte ich nicht so ein Sandwich bestellt«, sagte sie.

Jesse nickte.

»Sie reden nicht viel, stimmt’s?«

»Nein«, sagte Jesse, »tu ich nicht.«

»Wie kommt das? Die meisten Typen hier quasseln ohne Ende.«

»Das ist einer der Gründe.«

Jennifer lachte.

»Gibt’s noch andere?«

»Ich kann mich nicht daran erinnern, mal in Schwierigkeiten gekommen zu sein, weil ich die Klappe gehalten habe.«

»Was für eine Art Polizist sind Sie? Detective?«

»Ja.«

»LAPD?«

»Ja.«

»Wo sind Sie, äh, stationiert? Sind Cops irgendwo stationiert?«

»Ich arbeite beim Morddezernat. Das ist im Polizeihauptquartier untergebracht.«

»Morddezernat.«

»Ja.«

Jennifer schwieg einen Moment und dachte über die Kluft zwischen ihrer und seiner Welt nach.

»Ist das so ähnlich wie in ›Polizeirevier Hill Street?‹«, fragte sie.

»Eher so lustig wie bei Barney Miller.«

Das war seine Standardantwort, aber sie war nicht ehrlicher als jede andere, nur ein bisschen bescheidener, weshalb er sie auch gab. Ein Bulle bei der Mordkommission zu sein, war ganz anders als im Fernsehen, aber es machte nicht viel Sinn, das jemandem erklären zu wollen, der es nie verstehen würde.

»Sind Sie Schauspielerin?«, fragte er.

»Ja. Wie kommen Sie darauf?«

Das war auch eine seiner üblichen Fragen. In Los Angeles lag man damit ziemlich oft richtig, und wenn es falsch war, waren die Frauen trotzdem geschmeichelt.

»Sie sehen gut aus«, sagte er. »Sie haben was an sich, das einen Star ausmacht.«

»Wahnsinn, Sie wissen wohl, wie Sie Eindruck schinden können, was?«

»Ich sage nur die Wahrheit.«

»Momentan arbeite ich an der Rezeption einer Autoversicherung«, sagte Jennifer. »Aber ein Agent ist auf mich aufmerksam geworden und hat mir versprochen, mir einen Termin fürs Vorsprechen zu besorgen.«

»Haben Sie schon mal was gemacht, das ich kennen könnte?«

»Meistens stumme Rollen oder Statistenjobs, so was in der Richtung. Drei Abende in der Woche spiele ich in einem Theater hier in der Nähe. In der modernen Version einer griechischen Tragödie über die drei Parzen. Ich spiele die Schicksalsgöttin Klotho.«

»Klingt sehr interessant. Würde ich mir gerne mal ansehen.«

»Ich kann Ihnen eine Eintrittskarte an der Kasse hinterlegen. Sie müssen mir nur sagen, an welchem Abend Sie kommen wollen.«

»Wie wär’s mit heute Abend?«

»Prima.«

»Vielleicht können wir danach einen Happen zusammen essen?«

»Das wäre wirklich nett.«

»Schön«, sagte Jesse. »Wir treffen uns dann hinterher im Foyer.«

Sie lächelte, stand auf und schob ihr Tablett beiseite. »Verhaften Sie mich nicht, wenn Ihnen das Stück nicht gefällt«, sagte sie.

»Es wird mir gefallen«, sagt Jesse.

Er sah ihr nach, als sie davonging. Er wusste, dass ihm das Theaterstück nicht gefallen würde, aber es gehörte zu den Dingen, die er gern tun würde, um diesen Körper einmal ohne Trikot sehen zu dürfen … Bei Santa Rosa überquerte er den Pecos. Für einen so berühmten Fluss sah er ziemlich mickrig aus. Was zum Teufel machte ihn nur so berühmt? Der berühmte Richter Roy Bean? Die Gesetze, die westlich von ihm herrschten? Er fuhr weiter und erfreute sich an kleinen Dingen. Es gefiel ihm, die Städte zu passieren, die einst die Route 66 gekennzeichnet hatten: Gallup / New Mexico, Flagstaff / Arizona, Winona. Er mochte die gelegentlich auftretenden, vom Wind getriebenen Tumbleweed-Büsche, die über den Highway rollten. Er mochte die Straßenschilder, die Indianerreservate ankündigten oder Orte wie Fort Defiance. Hinter Santa Rosa verließ er die Interstate, um sich irgendwo in der Wildnis von New Mexico an einer Raststätte mit Tankstelle Benzin und ein Schinken-Käse-Sandwich zu besorgen. Es war das einzige Gebäude weit und breit. Egal, wohin man von hier aus blickte, man sah immer den leeren Horizont. Er musste das Benzin selbst in den Tank pumpen. Ein dünnes Mädchen mit blasser Haut und einem fehlenden Zahn nahm das Geld entgegen und verkaufte ihm ein Sandwich. Er setzte sich in den Wagen, aß das Sandwich, trank eine Cola dazu und fragte sich, was das dünne Mädchen wohl tat, wenn sie nicht an der Tankstelle arbeitete und eingepackte Sandwiches verkaufte. Vielleicht ging sie irgendwohin und sah Satellitenfernsehen. Sich vorzustellen, wie einsam sie hier war, erfüllte ihn mit Panik. Er legte den Gang ein, fuhr davon und aß den Rest seines Sandwiches unterwegs. Während er fuhr, ließ er gewohnheitsmäßig den Daumen über seinen Ehering gleiten. Aber natürlich war da gar kein Ehering mehr, nur eine kleine, blasse Stelle an seinem Finger, wo der Ring gesteckt hatte. Einen kurzen Moment lang starrte er die Stelle an und sah dann wieder auf die Straße. Die Sonne stand jetzt hinter ihm, der Wagen jagte hinter seinem eigenen Schatten her nach Osten. Er wollte bis zum Einbruch der Dunkelheit in Tucumcari sein … Das Theaterstück war völlig unverständlich gewesen, erinnerte er sich. Jede Menge weiße Farbe in den Gesichtern und schwarzer Lippenstift und Geschrei. Danach ging er mit ihr in ein Lokal namens Pinot Hollywood an der Gower Street, das bis spät in die Nacht geöffnet war und eine Martini-Bar hatte. Sie tranken Martinis, aßen Calamares und unterhielten sich. Besser gesagt, sie unterhielt sich. Sie plauderte ohne irgendwelche Hintergedanken drauflos. Er hörte ihr gerne zu, froh darüber, nicht zu viel reden zu müssen, und freute sich, wenn sie ihm eine Frage stellte, die er leicht beantworten konnte, wobei er sich bewusst war, dass sie zwar viel redete, das Gespräch aber gleichzeitig immer wieder auf ihn lenkte. Nachdem die Bar geschlossen worden war, fuhr er sie nach West Hollywood, wo sie in einem Apartment an der Cynthia Street nahe dem Santa Monica Boulevard wohnte. Es war halb drei Uhr morgens, alles war ruhig. An der Tür fragte sie ihn, ob er mit hineinkommen wolle. Er sagte, das würde er gern. Das Apartment bestand aus einem Wohnzimmer, einer Küche, einem Schlafzimmer und einem Bad. Es lag in einer Ecke des Gebäudes, sodass alle Zimmer schräg und schiefwinklig aussahen. Vom Wohnzimmer aus konnte man auf die Straße sehen. Aus dem Fenster des Badezimmers konnte man eine Ecke des Swimmingpools erkennen.

»Möchtest du was trinken, Jesse?«

»Klar«, sagte er.

Sie trug ein kleines, schwarzes Kleid mit Spaghettiträgern und offene, hochhackige Schuhe. Sie legte eine Hand auf die Hüfte und lächelte ihn an. Vielleicht ein bisschen theatralisch, aber schließlich war sie Schauspielerin.

»Wir trinken es hinterher«, sagte sie.

Ihr Schlafzimmer war aufgeräumt. Das Bett frisch bezogen. Wahrscheinlich hatte sie sich schon nachmittags vorgenommen, ihn hier reinzulassen. Er sah ihr zu, wie sie sich auszog, und hatte das gleiche Gefühl wie als kleiner Junge, wenn er ein Geschenk ausgepackt hatte. Sie legte ihre Kleider ordentlich über eine Stuhllehne und schob ihre Schuhe sorgfältig nebeneinander darunter. Sie wand sich aus ihrem Slip und ließ ihn in einen Wäschekorb in ihrem Schrank fallen. Sie wischte sich den Lippenstift sorgfältig ab und warf das Taschentuch in den Papierkorb. Sie liebten sich auf der Bettdecke und lagen danach nebeneinander im dämmrigen Schlafzimmer und horchten auf das angenehme Rauschen der Klimaanlage.

»Du bist ganz schön heftig, Jesse.«

»Das wollte ich nicht«, sagte er.

»Nein, es war toll. Richtig aufregend sogar. Ich meine nur, du wirkst so, hm, ruhig, von außen betrachtet, und dann plötzlich – Wahnsinn.«

»Du bist auch aufregend«, sagte er. Mehr fiel ihm dazu nicht ein. Er sprach nicht gern über seine Gefühle.

»Ich versuch mein Bestes«, sagte sie.

Sie lagen eine Weile ruhig auf dem Rücken, sein Arm unter ihrem Nacken, ihr Kopf an seiner rechten Schulter.

»Ich wollte dir nicht zu nahe treten«, sagte Jennifer.

»Bist du nicht.«

Noch eine Weile lagen sie da, dann stand sie auf und zog sich ein langes T-Shirt an und schenkte ihm was zu trinken ein. Er kam sich lächerlich vor, wie er nackt dasaß, aber er wollte nicht plötzlich formell werden und sich komplett anziehen. Er entschied sich, seine Hose anzuziehen, und ließ seine Pistole auf der Kommode liegen. Sie setzten sich auf die kleinen Stühle vor dem Tresen, der die Küche vom Wohnzimmer abtrennte, und nippten am Weißwein.

»Wieso bist du Polizist geworden, Jesse?«

»Ich wollte eigentlich Baseballspieler werden«, sagte er.

»Ich war Shortstop. Die Dodgers haben mich aus der High School geholt und nach Pueblo geschickt. Ich kam ganz gut voran, aber eines Abends hat mich ein gegnerischer Spieler an der zweiten Base ziemlich hart rangenommen. Ich fiel unglücklich hin, hab mir die Schulter gebrochen und meine Karriere war beendet.«

»Oh, wie schrecklich«, sagte sie. »Merkst du noch was davon?«

»Nicht, solange ich keinen Baseball werfen muss.«

»Hättest du nicht auf einer anderen Position weitermachen können?«

»Nein. Für einen Shortstop konnte ich ganz gut werfen, aber ich war viel besser mit dem Handschuh.«

»Mit dem Handschuh?«

»Als Fänger war ich viel besser.«

»Aber du konntest nicht nur Fänger sein?«

»Nein.«

»Wie alt warst du damals?«

»Neunzehn. Ich ging nach Hause zurück, arbeitete sechs Monate lang auf dem Bau, ging zu den Marines, verließ sie wieder und bewarb mich bei der Feuerwehr, der Polizei und dem Katastrophenschutz. Die Cops haben zuerst geantwortet.«

»Vermisst du das Baseballspielen?«

»Jeden Tag.«

»Ist es nicht deprimierend, als Polizist zu arbeiten?«, fragte sie. »Du weißt schon, man sieht so viele schreckliche Dinge.«

Wieder bemerkte er, wie geschickt sie das Gespräch auf ihn brachte. Er freute sich über ihr Interesse, aber mehr noch bewunderte er ihre Geschicklichkeit.

»Ich bin gern Polizist«, sagte er. »Man gehört zu einem Team, aber meistens arbeitet man mit einem einzigen Kollegen zusammen. Manchmal kann man Leuten helfen.«

»Und die schrecklichen Dinge?«

»Davon gibt es nicht so viele, wie du vielleicht denkst.«

»Aber einige schon.«

»Sicher.«

»Was ist damit?«

»Sie kommen eben vor«, sagte Jesse.

»Das ist alles?«

»Was sonst? Das Leben ist manchmal hart.«

»Also lässt du es nicht an dich rankommen.«

»Ich versuch’s jedenfalls.«

6

Jo Jo Genest kam durch einen Typen namens Fusco zum Geldgeschäft, den er in einem Fitnessstudio in Somerville getroffen hatte.

»Jemand, den ich kenne«, sagte Fusco, »hat vor, ein bisschen Kohle rumzuschicken.«

»Was meinst du mit rumschicken?«, fragte Jo Jo.

»Weißt schon, zu Banken latschen, Kohle einzahlen, damit er sie später überweisen kann.«

»Warum das?«

»Warum was?«

»Warum macht er das?«, wollte Jo Jo wissen.

Er bewegte sich geschmeidig, zog an den Drahtzügen, hob die Gewichte, es sah ganz leicht aus. Seine Muskeln wanden sich wie dicke Schlangen unter seiner blassen Haut.

»Mann, wo hast du bisher gelebt?«, fragte Fusco.

»Ich bin rumgekommen. Vielleicht bin ich ja clever. Erzähl mir, um was es da geht.«

Fusco setzte sich auf eine Bank, ein Handtuch über die Oberschenkel gelegt. Sein Bauch spannte das T-Shirt. Seine dünnen Beine waren sehr weiß und behaart. Er trug eine blaue Sporthose.

»Dieser Typ, den ich kenne, macht ’ne Menge Geld, indem er Dinge tut, die er nicht tun sollte, kapiert? Ziemlich viel Geld. Er muss es waschen lassen, verstehst du, sauberkriegen, damit der Staat es nicht finden kann, und wenn doch, dann dürfen sie nicht rauskriegen, wo’s herkam.«

Jo Jo ließ das Zugkabel der Trainingsmaschine los, wischte sein Gesicht mit einem Handtuch ab und wartete darauf, dass die Milchsäure sich aus seinen Muskeln verflüchtigte.

»Deswegen braucht er jemanden, der die Kohle zur Bank bringt und rumschickt, zum Beispiel ins Ausland.«

»Zum Beispiel auf ein Schweizer Nummernkonto«, meinte Jo Jo.

»So in der Art«, sagte Fusco. »Jedenfalls spazierst du mit einem Sack voll Geld durch die Gegend und kaufst Schecks oder Geldanweisungen. Immer nur über kleine Beträge, damit es nicht gemeldet wird.«

»Und was passiert dann?«

»Dann bringst du mir das Zeug.«

»Was machst du damit?«

»Das geht dich nichts an.«

»Ach, komm, Fusco, sag schon. Du weißt, ich bin in Ordnung, sonst hättest du mir gar nichts davon erzählt. Was passiert mit den Schecks und den Geldanweisungen, werden die zu einer Schweizer Bank geschickt?«

Fusco grinste. »Du magst die Schweizer, was? Normalerweise läuft das über eine südamerikanische Bank in Florida.«

»Weil’s dann nicht gemeldet werden muss?«

»Nee, es geht ja nicht um Bargeld. Eine BTM ist nur bei Cash erforderlich.«

»BTM?«

Jo Jo hatte mit einem zweiten Durchgang begonnen, hielt den Oberkörper ganz ruhig, ließ nur die Muskeln arbeiten. Kein Anflug von Anstrengung in seiner Stimme.

»Bargeldtransfermeldung.«

»Ihr verwandelt das Bargeld also in was anderes und müsst es dann nicht melden«, stellte Jo Jo fest.

»Tä-tä!«, machte Fusco und deutete mit dem Zeigefinger auf Jo Jo. »Willst du einsteigen?«

»Wie viel?«

»Dreieinhalb Prozent von allem, was du sauber kriegst. Plus Spesen.«

Jo Jo nahm eine Hantel und bestückte sie mit Tellergewichten. Dann hob er die Hantel an und ließ sie ganz langsam auf seinen Bauch sinken. Fusco sah ihm bewundernd dabei zu.

»Du musst dich ganz auf den Muskel konzentrieren«, sagte Jo Jo. »Du musst alle deine Gedanken darauf konzentrieren, wenn du es tust. Bei diesem Gerät hier geht es um die Seitenmuskeln, denk einfach immer nur an deine Seitenmuskeln, Fusco.«

»Dreieinhalb Prozent«, wiederholte Fusco. »Interessiert?«

»Klar«, sagte Jo Jo.

7

Jesse machte bei einem Holiday Inn in Tucumcari Station, dicht neben der Interstate an der alten Route 66. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite befanden sich eine Tankstelle und eine Wiese, wo Pferde und ein Maulesel grasten, sonst nichts. Im Restaurant des Motels aß er ein Clubsandwich, bestellte etwas Eis und ging auf sein Zimmer, wo er sich neben die geöffnete Tür setzte, einen Scotch trank und ein paar Leuten zusah, die den Pool im Innenhof nutzten. Auch Kinder waren dabei. Schlecht erzogene Kinder – grob zueinander, frech zu den Eltern. Der Vater hatte einen bleichen, schlaffen, behaarten Körper und machte in seiner engen Badehose einen linkischen Eindruck. Die Mutter hatte an Po und Oberschenkeln Fett angesetzt, und weil sie es wusste, trug sie einen Badeanzug mit einem kurzen Röckchen, ein vergeblicher Versuch, die Disproportion zu kaschieren. Die Eltern der Frau waren auch dabei. Die Großmutter war dünn und trug beigefarbene Hosen mit dazu passender Bluse. Sie hatte leicht gewellte, gleichmäßig graue Haare. Jedes Mal, wenn die Mutter mit einem der Kinder schimpfte, mischte sich die Großmutter ein. Der Großvater sah aus, als hätte er früher schwere Arbeiten verrichtet. Seine Unterarme waren noch immer kräftig und er hatte einen muskulösen Nacken. Nur sein Bauch war aufgequollen, und seine weißen Beine unterhalb der rosafarbenen Polyester-Shorts wurden von blauen Venen durchzogen und machten einen schwächlichen Eindruck. Er blickte grimmig drein, als würde ihm dieser Familienausflug überhaupt nicht in den Kram passen. Jesse stellte sich vor, wie es den Mann vor seiner eigenen Familie schaudern musste. Trotzdem war es seine Familie, drei Generationen versammelt. Jesse fühlte sich abgehoben, als würde er sich selbst von weit her beobachten, eine kleine Figur in der Ferne, die fortwährend schrumpfte … Am nächsten Morgen fuhr er schon vor sieben auf die Interstate und erreichte den Nordwesten von Texas noch vor acht Uhr. Er entdeckte ein Hinweisschild für Big John’s Steak House in Amarillo. Ein Zwei-Kilo-Steak. Wenn Sie es in einer Stunde schaffen, bekommen Sie es kostenlos. Gegen zehn war er in Amarillo. Big John war nicht allein. Der Highway war plötzlich gesäumt von Motels, Imbissbuden, Autohändlern, Steinhäusern und Tankstellen. Dann war er wieder raus aus Amarillo und mitten in der großen Ebene. Die Hinweisschilder von Big John standen nun auf der anderen Straßenseite, um die nach Westen Reisenden anzulocken. Auf beiden Seiten des Highways öffnete sich das weite Land, gelegentlich gesprenkelt mit Rinderherden, die unappetitliches braunes Gras fraßen. Ab und zu konnte man ein Tor sehen, meist aus Eisenstangen geschmiedet und mit einem Schild darüber, das den Namen eines Rinderbarons trug. Aber er konnte nirgends irgendwelche Gebäude entdecken oder Cowboys, nur braunes Weideland hinter Drahtzäunen, die sich den Highway entlangzogen, und ab und zu eine Wasserzisterne. Das Gras sah nicht sehr nahrhaft aus. Er hatte den Temporegler auf siebzig eingestellt, aber die Entfernungen waren so groß, der Himmel so endlos und der Horizont so weit entfernt, dass es ihm vorkam, als sei sein Wagen ein Käfer, der unter einem grenzenlosen Himmel über eine unfassbare Ebene hastete, ohne wirklich voranzukommen … Sie waren gerade einen Monat lang verheiratet gewesen, als sie mit Elliott Krueger beim Abendessen im hinteren Teil des Spagos saßen. Er hatte mal in dieser Straße gegenüber des Spagos zu tun gehabt, irgendwann eines Morgens gegen halb drei, als ein mexikanischer Drogendealer namens Street Duck mit fünf aus nächster Nähe abgefeuerten Bauchschüssen aus einer 9-mm-Pistole erledigt worden war. Niemand hatte etwas gesehen. Elliott war ungefähr fünfzig. Sein dichtes, schwarzes Haar wurde von grauen Strähnen durchzogen, sein kurzgeschnittener Vollbart war heller. Er war mittelgroß und normal gebaut. Er sah nicht so aus, als würde er trainieren. Er trug ein legeres Leinenjackett, die Ärmel den Unterarm hochgeschoben. Er trug eine Rolex. Jesse hatte die Erfahrung gemacht, dass Leute, die wirklich Geld hatten, es nicht an Rolex-Uhren verschwendeten. Wenn allerdings ein junger Typ aus einer heruntergekommenen Gegend eine Rolex trug, dann bedeutete das, dass er so tough war, dass niemand es wagen würde, sie ihm wegzunehmen. Elliott hatte eine Freundin mitgebracht. Sie hieß Taffy. Sie sah aus wie sechzehn, war aber wahrscheinlich zwanzig. Sie hatte ein geblümtes Kostüm mit einem sehr kurzen Rock an und saß schweigend neben Elliott, wie ein braver Hund, der auf sein Kommando wartete.

»Es ist mein Job, über solche Dinge Bescheid zu wissen«, sagte Elliott zu Jesse. »Und ich sage dir, deine Frau ist absolute Spitzenklasse.«

Jesse nickte.

»Ach, Elliott«, sagte Jennifer. »Ich wette, das sagst du zu allen Frauen.«

»Ich schwör’s bei allem, was mir heilig ist«, sagte Elliott und hielt die rechte Hand in die Höhe. »Ich komme jeden Tag mit zwanzig Frauen zusammen. Alle sehen gut aus. Jeder hier sieht doch gut aus, oder? Aber keine wird so lebendig wie du, wenn man sie durch eine Kameralinse hindurch ansieht.«

Jesse nippte an dem doppelten Scotch mit Soda, den er bestellt hatte.

»An welchem Projekt arbeitest du gerade, Elliott?«, fragte Jennifer.

»Ich bin gerade dabei, mit der Universität zu verhandeln«, erklärte Elliott. »Eine absolut großartige Geschichte über einen plastischen Chirurgen, der eine Art überdimensionalen Ödipuskomplex hat. Er operiert die Frauen, die zu ihm kommen, so, dass sie nachher alle so aussehen wie seine Mutter, und dann bringt er sie um. Ein Superstoff für Tommy Cruise.«

»Eine tolle Idee«, sagte Jennifer. »Was meinst du, Jesse?«

»Super«, sagte Jesse. »Tommy Cruise.«

»Vielleicht kann ich dich mit reinnehmen, Jesse, du weißt schon, wo du doch Cop bist und alles, als professioneller Berater. Hast du jemals mit einem psychopathischen Mörder zu tun gehabt?«

»Es ist nicht meine Aufgabe, zu entscheiden, ob sie psychopathisch sind.«

»Ach, Jesse«, sagte Jennifer. »Du weißt doch, was er meint.«

»Na ja, wenn jemand tötet, ist wahrscheinlich irgendwas mit ihm nicht in Ordnung«, sagte Jesse.

»Na gut, ich werde dich kontaktieren, wenn ich mit diesem beschränkten Autor fertig bin, der offenbar keine Ahnung vom Drehbuchschreiben hat.«

»Hat er denn noch nie eins geschrieben?«, fragte Jennifer.

»Nein, er ist ein gottverdammter Romanschreiber.«

»Das sind die Schlimmsten.«

»Du hast vollkommen recht«, sagte Elliott. »Der will sich absolut nicht reinreden lassen.«

Er seufzte gedankenvoll, blickte sich um, klopfte sich dann auf die Brusttasche, runzelte die Stirn und zog einen Zwanzig-Dollar-Schein aus der Hosentasche und reichte ihn seiner Freundin.

»Taffy«, sagte er, »hol mir doch ein paar Zigaretten.«

Taffy nahm das Geld und ging nach vorne zur Bar.

»Mir gefällt es hier hinten«, sagte Elliott. »Die meisten Leute sitzen lieber vorne, wo sie alle sehen können. Typisch Hollywood, stimmt’s? Ich mach mir nichts draus.«

»Kann ich dir nicht verdenken«, sagte Jesse. Er wusste, dass Jennifer es liebte, wenn er über Leute aus der Filmszene sprach.

»Ich bin ein bodenständiger Typ, Jesse. Ich erarbeite mir die Filme.«

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