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Das Wrack des Piraten

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Im Jahr 1818 in Valparaiso betritt ein Fremder die Schenke der ehrenwerten Wirtin Señora Fostero, behandelt diese aber wie eine alte Bekannte und spricht von alten Schulden, die sie ihm gegenüber hat. Sie wird aus ihm nicht klug. Dann interessiert er sich auch noch für ein altes Schiffswrack. Piraten kommen ins Spiel, ein Schatz ...

In neuer deutscher Rechtschreibung und Korrektur gelesen.

1. Kapitel – La pulperia

In dem Seitenstübchen einer kleinen, aber deshalb nicht unbedeutenden Pulperia oder Schenkwirtschaft am westlichen Ende der Stadt Valparaiso saß am Abend des 5. August des für Chile besonders wichtigen Jahres 1810 eine ziemliche Anzahl Gäste, die Nationen bunt genug durcheinandergemischt, versammelt und besprach besonders die Hauptinteressen des Tages. Das waren die Absetzung des Generalkapitäns Carrasco, die am 18. Juli in San Jago, der Residenz des Landes, stattgefunden, und den Antrag des berühmten, über die Kordilleren zu ihnen herübergekommenen Alvarez de Jonte, eine Regierungsjunta zusammenzuberufen und dadurch das spanische Joch, das noch auf ihren Schultern ruhte und ihnen mit jedem Jahre drückender und unerträglicher wurde, abzuwerfen.

Señora Fostero, übrigens die vortrefflichste lebendige Empfehlung, die je hinter einem Wirtstisch gesessen, und hier zugleich ehrbare Besitzerin dieses lebendigen Platzes, würde es uns sicher übel nehmen, wollten wir uns nicht erst einen Augenblick, und sei es nur durch kurzen Gruß, mit ihr beschäftigen, ehe wir uns ihren versammelten Gästen zuwenden.

Señora Fostero, oder kurzweg Señora, wie sie von den Fremden, und Tia mia oder Tantchen nicht selten von den älteren und mehr vertrauten Stammgästen genannt wurde, wog in der Tat zwei andere Schenkwirtinnen, nicht allein an Umsicht und Geistesgegenwart in schwierigen Verhältnissen oder Erfahrung, was das praktische Leben betraf, nein, auch an wirklichem chilenischen Marktgewicht auf und konnte in jeder Hinsicht, selbst in moralischer, was in Valparaiso nicht wenig sagen will, als Muster einer wahrhaft vortrefflichen Wirtin hingestellt werden. Ihre Jugendzeit war aber nicht so ruhig und sorglos verflossen, als es ihr Alter, bei gutem Auskommen und kräftiger Gesundheit, zu werden versprach. Zweimal verheiratet, hatte sie beide Männer verloren. Der erste war ein wilder, unbändiger Gesell gewesen, der sich mit dem ordentlichen und ehrbaren Daheimsitzen, wie es einem verheirateten Manne zukommt, nicht vertragen konnte, seine unruhigen Neigungen zuliebe deshalb mit dem Gelde seiner Frau einen kleinen Schoner kaufte und damit zwischen den Inseln und der chilenischen Küste Handel trieb. Die Sache ging auch mehrere Jahre vortrefflich, einmal aber verfloss die gewöhnliche Zeit seiner Rückkehr, und er kam nicht.

Die arme Frau wartete ein, zwei, drei Jahre, er kam immer noch nicht, und so war sie endlich wohl genötigt, dem Führer eines andern Schoners zu glauben, der mit Lorenzo Fajardo von Tahiti ausgelaufen, nicht weit von den Inseln einen der dort nicht seltenen Taifune erlebt hatte, dem er nur unter unendlicher Gefahr und dem Verlust beider Masten entging. Dieser wollte zwei Tage später Trümmer eines andern Fahrzeugs gefunden haben, die er, der Bemalung nach, für die Reste von Fajardos Schoner hielt, und da der Unglückliche auch in späteren Jahren verschollen blieb, war kein Zweifel mehr, dass er seinen frühen Tod in den Wellen gefunden hatte.

Seine Frau hatte mit ihm ein einziges Kind, eine Tochter.

Sechs Jahre nach dem Verlust ihres ersten Mannes verheiratete sie sich zum zweiten Male mit einem geborenen Chilenen, Fostero; diese Ehe blieb aber kinderlos, und auch Fostero starb schon im dritten Jahre ihrer Verbindung an den Folgen eines unglücklichen Sturzes von einem wildgewordenen Pferde. Señora Fostero heiratete aber nicht wieder, sondern führte, mehr um eine Beschäftigung zu haben, als wirklichen Broterwerbs wegen, ihre Wirtschaft allein fort und gab ihre Tochter Manuela, als diese etwas herangewachsen war, nach Santiago zu einer Schwester, um sie dort in der Hauptstadt des Landes erziehen zu lassen. Valparaiso war damals nicht allein nur noch ein kleines, unbedeutendes Hafenstädtchen, sondern eine Pulperia, eben auch kein geeigneter Platz, ein junges, hübsches Mädchen großzuziehen. Seit einigen Tagen befand sich Manuela nun zu kurzem Besuch bei ihrer Mutter.

Ihre Gäste zu bedienen, hatte Señora Fostero zwei junge Mädchen aus Guilotta in ihr Haus genommen, Marequita und Juana, die jetzt wie flüchtige Grazien in dem kleinen, aber nicht besonders erleuchteten Zimmer umherschlüpften, bald hier, bald da Getränke oder Früchte – Oliven, Orangen und Trauben – herbeizuschaffen. Die behaglichste Ecke des kleinen Gemachs nahmen aber vier Personen ein, mit denen ich den Leser vor allen Dingen näher bekannt machen muss. Nicht gerade der Älteste von ihnen, aber doch jedenfalls der, der durch seine Persönlichkeit und auch vielleicht einer kleinen Abweichung in der Kleidung wegen, manchem der nach ihm Eintretenden auffiel, verdient unsere erste Beachtung. Er führte augenscheinlich das Wort, behandelte dabei Señora Fostero auf das Vertraulichste, ja, ich möchte fast sagen, protegierend. Obgleich er heute zum ersten Mal ihre Schwelle betreten hatte, scherzte er mit den beiden Aufwärterinnen, ohne dabei jemals das Gesicht auch nur zu einem Lächeln zu verziehen, und betrug sich überhaupt in einer so ungezwungenen und freien, jedoch immer anständigen Weise, als ob er hier seit Jahren aus und ein gegangen sei, und doch erinnerte sich keiner von ihnen, ihn auch nur je gesehen zu haben. Mit allen Ländern der Welt war er bekannt – von den am entferntesten liegenden Teilen der Erde sprach er so, dass man stets denken musste, er rede von seiner Heimat, und sein sonnengebräunter Teint, seine harten, wohl in Gefahren und Beschwerden gestählten Züge wie das ganze Kräftige seines Körpers straften diese Meinungen denn auch nicht Lügen.

Es war ein nicht gerade sehr großer, aber wohlgewachsener Mann, jedenfalls in einem südlichen Lande geboren, mit krausem schwarzem Haar und noch schwärzerem, vollgelocktem und gutgehaltenem Bart, den die linke Hand gewöhnlich teilend voneinander strich, wenn die rechte das volle Glas zu den Lippen führte. Über seine hohe Stirn lief aber, von oben aus dem Haar kommend bis nach der Nasenwurzel hinunter, ein schmales schwarzes Pflaster, was ihm ein eigenes und keineswegs freundliches Aussehen gab und das von den beiden Mädchen schon seit seinem Eintreten mit heimlichem Grausen betrachtet und besprochen worden war. Seine dunklen Augen verrieten, besonders wenn er sprach, Feuer und Geist; nahm er aber manchmal auf kurze Zeit an dem Gespräch nicht teil und warf dann, wie in Gedanken versunken, forschende Blicke über das Zimmer und auch wohl über die darin versammelten Gäste – dann glühten seine Augen mit einem wilden, unheimlichen Glanz unter den buschigen Brauen und dem schwarzen Pflaster hervor. Selbst das reizende Antlitz Manuelas, die sich vor etwa einer halben Stunde neben ihrer Mutter niedergelassen hatte, vermochte dann kaum, wenn der Blick des finsteren Mannes auf sie fiel, den starren, harten Ausdruck in seinen Zügen zu mildern.

Dem ersten flüchtigen Eindruck nach schien er in die gewöhnliche chilenische Tracht der unteren Klassen gekleidet, denn einer jener ganz ordinären blauen Ponchos mit gelb- und rotgemustertem Rand, wie sie sonst fast nur die Peons und ärmeren Farmer tragen, hing über seinen Schultern und verhüllte dadurch den Oberkörper vollkommen, aber am Hals und aus der im Poncho befindlichen Öffnung, durch welche der Kopf gesteckt wird, waren die Kragen einer feinen tuchenen Jacke und eines schneeweißen Hemdes sichtbar, und unter dem Poncho, von dem niederen Stuhl bis fast zur Erde hinabreichend, hingen die beiden Quasten einer schwerseidenen chinesischen Schärpe nieder, wie sie eigentlich nur die vornehmen Chilenen oder vielleicht Seeleute trugen, die das chinesische Meer befahren hatten. Sein breitrandiger schwarzer Filzhut, ebenfalls mit einer dicken rotseidenen Schnur umwunden, hing hinter ihm auf der Stuhllehne.

Der Zweite, der seinen Stuhl an dem Tisch belegt hielt, aber die meiste Zeit neben Señora Fostero und Manuela saß, um mit diesen zu plaudern, und der nur dann und wann, wenn Manuela zuweilen das Zimmer verließ, zu seinem Sitz am Tisch zurückkehrte, war ein junger Mann von etwa sechsundzwanzig Jahren, mit leichtem, fast hellbraunem Schnurrbart und kastanienbraunem lockigem Haar und klarblauen, lebendigen Augen. Seine vom feinsten Stoff gefertigte Kleidung, mit dem goldenen Streifen um die blaue Tuchmütze, verriet den englischen Seeoffizier. Edward Wilkinson war Leutnant auf Seiner Majestät Fregatte „Terpsichore“, aber vor einiger Zeit bei einem feindlichen Zusammentreffen mit einem französischen Kriegsschiff so schwer verwundet worden, dass ihn sein Kapitän, als er später Valparaiso erreichte und der junge Mann immer noch in Lebensgefahr schwebte, dort ließ, um seine Heilung leichter und bei besserer Pflege zu bewerkstelligen, Sein Schiff, nach der peruanischen Küste bestimmt, wollte ihn dann bei seiner Rückkehr nach Valparaiso wieder mitnehmen.

Von der Schusswunde der Franzosen war er nun allerdings schon seit mehreren Wochen wiederhergestellt, dafür aber von einem andern Geschoss desto gefährlicher und wohl unheilbar getroffen: von der Liebe zu dem holden Wirtskinde, das er in Santiago in dem Haus ihrer Tante kennen gelernt hatte.

Er selbst war ein Waise; in seinen Vermögensverhältnissen unabhängig, folgte er der See mehr aus Neigung als um seinen Lebenserwerb dadurch zu finden. Doch die Liebe zu dem holden Wesen, die sich mit dem wilden, herumschweifenden Seeleben nicht vertrug, tat dieser ersten Neigung bedeutend Abbruch, und er baute schon allerhand liebe, hoffnungsreiche Pläne, sich in dem schönen Chile mit seiner künftigen Gattin niederzulassen und dem Vaterland wie der wogenden See für immer zu entsagen. Der Erfüllung all dieser heiß gehegten und mit so freudiger Sorgfalt gepflegten Wünsche stand aber noch ein arges und, wie es fast schien, unübersteigliches Hindernis entgegen. Er war protestantisch erzogen, und Manuela war natürlich katholisch. Die spanischen Gesetze verboten auf das Strengste solche gemischte Ehen; hätte er aber auch die priesterliche Weihe erhalten können, so würde Manuelas Mutter, eine strenge Katholikin, nie ihre Einwilligung dazu gegeben haben; ja, das schöne fromme Mädchen selbst, das dem jungen Ketzer wohl recht innig zugetan war, suchte, als es all diese Hindernisse mit wehem Herzen erkannte, die Neigung wieder zu lösen. Sie wusste selbst nicht, wie lieb sie ihn hatte, und glaubte noch an die Möglichkeit einer Trennung, während ihr Herz doch schon immer, wenn auch heimlich, aber dafür desto stärker, „nein“ dazu sagte.

Señora Fostero hatte den jungen Mann wohl auch sonst gern, und wer je mit ihm näher bekannt wurde, musste ihn lieb gewinnen; aber sie wünschte doch jetzt selber, dass er ihre Tochter nicht kennen gelernt hätte, und nur die von ihrem Beichtvater eifrig genährte Hoffnung, sogar die Aufforderung desselben, zur Bekehrung des Ketzers eben durch die Liebe ihrer Tochter beizutragen, hatte sie bis jetzt daran gehindert, ihn förmlich und ernst zurückzuweisen. Der junge Mann war aus einer der ersten englischen Familien, und es lag der katholischen Geistlichkeit sehr viel daran, nicht nur die Bekehrung des Einzelnen, nein, das Beispiel für die Übrigen, zu haben.

Die zwei anderen an dem Tisch sitzenden Gäste gehörten ebenfalls der See an – sie waren beide nicht allein die Führer kleiner chilenischer oder vielmehr spanischer Küstenfahrzeuge, sondern auch Stammgäste bei Señora Fostero, sobald sie nur einmal für kurze Zeit von den Strapazen des unruhigen Seelebens in dem freundlichen Valparaiso ausruhen konnten. Das Haus der Señora Fostero war in der Tat eins der besten Weinhäuser in Valparaiso; nichtsdestoweniger kamen auch viele der Gäste, wie diese beiden alten Kapitäne, fast ebenso gern der freundlichen Mädchen wegen dorthin, von denen sie sich bedienen lassen durften. Seeleute, besonders, die so lange und einsam auf der weiten öden See herumtreiben und fortwährend Gefahren und Beschwerden, ja, nicht selten sogar dem Tod, ins Angesicht schauen müssen, wissen es am besten zu schätzen, was so ein Paar liebe herzige Augen wert sind, selbst wenn sie uns nicht zu eigen gehören; sie wissen auch zu schätzen, wie freundlich die melodischen Klänge von süßen Lippen gegen das dumpfe Brausen der See und das hässliche Pfeifen in Tauwerk und Blöcken abstechen. Alte Seebären selbst, die schon zwei Lebensalter auf den Wellen zugebracht, sitzen dann wohl und lauschen schmunzelnd den lieben, so langentbehrten Lauten, die wie ferner Glockenklang in ihre starren, sonst nicht gerade besonders zugänglichen Herzen klingen.

Die drei Letztgenannten hatten zuerst an dem kleinen, etwas von den übrigen abgeschiedenen Ecktischchen bei ein paar Flaschen französischen Weines gesessen, als der vorbeschriebene Fremde eintrat, die Anwesenden flüchtig einen Augenblick musterte und sich dann, eine Flasche Bordeaux von einem der ihm nächsten Mädchen fordernd, mit freundlichem, fast vertraulichem Gruß bei den drei Männern niederließ. Von da an schien er auch die Unterhaltung in den Händen zu halten, da des jungen Engländers Aufmerksamkeit viel zu sehr mit einem andern, für ihn weit interessanteren Gegenstand beschäftigt war. Nur mit den neuen politischen Verhältnissen Chiles war er vollkommen unbekannt, denn seiner Aussage nach war er erst heute Nachmittag mit einem kleinen, in die Bai eingelaufenen Schoner – „die Albatros“ – von Manila via Tahiti gekommen; auch schien er sich nicht viel dafür zu interessieren, denn er gab dem Gespräch, sobald dieses auf Politik stieß, immer wieder eine andere Richtung.

Der eine Kapitän, dem der neue Zustand der Dinge nicht sehr zu behagen schien, fürchtete, dass die Handelsverhältnisse des Landes dadurch gestört werden könnten, äußerte seine Besorgnis, Spanien würde eine tüchtige Flotte herübersenden, ihre Häfen blockieren und ihr Land mit Soldaten überschwemmen.

„Bah, Freund!“, rief der Fremde und füllte sich aus der schon eine Zeitlang vor ihm stehenden, noch unberührten Flasche sein erstes Glas. „Das ist Unsinn. Die Spanier haben nicht einmal Schiffe genug, ihre Küste hier von Seeräubern freizuhalten, viel weniger – oh, Marequita“, unterbrach er sich hier plötzlich, „komm her, carisima, und gib mir eine andere Flasche Wein; Tia mia, der Bordeaux ist sauer, und du hast sicher besseren im Keller.“

Señora Fostero, ja selbst die übrigen Gäste, sahen ihn bei dem vertraulichen Tia mia groß an – die alte Dame war nicht gewohnt, solches von einem Fremden so rasch zu hören, dieser aber fuhr, ohne im Mindesten darauf zu achten und nur dem Mädchen die angebrochene und nicht für gut befundene Flasche reichend, fort:

„Gar nicht weit von hier wurden wir von einem nichtswürdig aussehenden Schoner verfolgt, und wäre nicht zufällig ein größeres Kauffahrteischiff, das gerade unsern Kurs kreuzte und dem Piraten wahrscheinlich eine bessere Beute schien, in Sicht gekommen, sodass er von uns abließ und dem anderen nachjagte – ich glaube schwerlich, dass ich heute Abend hier in Ihrer angenehmen Gesellschaft zubringen würde. So viel also für Ihre spanische Seemacht.

O danke, danke“, wandte er sich dann zugleich dem jungen Mädchen zu, das ihm mit etwas schüchternen Blicken eine andere Flasche auf den Tisch stellte, „und wenn es dieselbe Flasche wäre, Marequita, sie müsste unter deinen süßen Händen ihre Schärfe verloren haben.“

„Señor sind der Einzige, der an unserem Weine etwas auszusetzen findet“, bemerkte jetzt mit etwas bitterem Tone und trotz dem schmeichelnden Tia mia des Fremden die alte Dame, die der Tadel der einen Flasche nicht wenig geärgert hatte, da er noch dazu so laut und bestimmt vor allen ihren gewöhnlichen Gästen ausgesprochen war, „wir beziehen ihn aus bester Quelle und zu höchsten Preisen.“

„Kein Zweifel, Tantchen, kein Zweifel“, sagte darauf der nicht aus der Fassung zu bringende Fremde, indem er die neue Flasche, wie es schien, wohlgefällig kostete, „ein schlechter Korken verdirbt manchmal den besten Wein, wie ein schlechter Wein den besten Mann.“

„Sie wurden von einem Piraten verfolgt?“, mischte sich der junge Engländer, der übrigens vollkommen Spanisch sprach, zum ersten Mal in die Unterhaltung, da es ein Thema berührte, das ihn selber interessierte. „In welcher Gegend ungefähr und wann?“

„Ja, die Gegend kann ich Ihnen nicht so genau beschreiben, Señor“, sagte der Fremde, „ich bin kein Seemann, und uns Landleuten sieht eine Stelle im Wasser gerade so aus wie die andere, aber es war etwa acht Tagereisen von hier und muss wohl noch etwas südlicher gelegen sein als Valparaiso liegt, denn ich weiß, dass ich auf unserer Herfahrt in den letzten Tagen das südliche Kreuz immer hinter uns stehen sehen konnte.“

„Hoffentlich macht doch Ihr Kapitän Anzeige davon bei der hiesigen Regierung?“, sagte der junge Mann. „Wir haben gerade jetzt viele Kriegsschiffe, sowohl englische als spanische, hier im Hafen, und es wäre schon der Mühe wert, einen Kreuzer danach auszuschicken.“

„Hat also der Böse wieder einen solchen Teufel von Piraten unter Segel?“, rief der eine alte Kapitän. „Ich glaubte, seit sie dem Tenares mit seiner Rotte den Garaus gemacht, wäre die Bande vollkommen ausgerottet oder doch wenigstens einmal auf ein halb Dutzend Jahre zum Schweigen gebracht.“

„Ja, der Tenares soll ein wilder Bursche gewesen sein“, sagte der Fremde, sein Glas auf einen Zug leerend; „welche Schiffe waren es doch, die ihn damals nahmen?“

„Der ,San Antonio‘ und der ,Pendenciero‘“, erwiderte der Engländer.

„Wohl die Schiffe, die jetzt hier im Hafen liegen?“, fragte der Fremde dagegen.

„Nein“, sagte der alte Kapitän, „der ,San Antonio‘ ist nach Spanien gesegelt, und der ,Pendenciero‘ kreuzt an der peruanischen Küste.“

„Hm“, murmelte der Fremde und nickte wie nachdenkend mit dem Kopfe, „doch was ich gleich sagen wollte – ja – wie hieß doch der Kaufmann, der, als der Schoner damals hier eingebracht wurde, ihn von der Regierung auf einer Auktion erstand – war es nicht Don Pablo Manuto – es ist mir wenigstens so.&

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