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Das Bienenstock-Prinzip

Vorwort

Das Bienenvolk genießt hohe Anerkennung bei den Menschen. Während Insekten allgemein meist als niedere Tiere wahrgenommen werden – eine Fliege oder Mücke wird ohne Bedenken totgeschlagen –, haben Bienen eine Sonderstellung. Dies hängt nicht nur damit zusammen, dass sie ein für Mensch und Tier wertvolles und gesundes Nahrungsmittel, den Honig, produzieren oder dass sie kunstvolle Waben aus regelmäßigen sechseckigen Wachszellen erschaffen können. Beeindruckend ist insbesondere, dass das Bienenvolk ein höchst komplexes soziales Zusammenleben entwickelt hat. Diese soziale Organisationsform beinhaltet Fähigkeiten und Wirkungen, welche weit über diejenigen hinausgehen, die Einzelwesen je erreichen können. Die Zuverlässigkeit und der Fleiß der Bienen sind sprichwörtlich.1

In meiner beruflichen Laufbahn – vom Lehrling bis zum Geschäftsführer – bin ich Teil vieler Organisationen geworden und habe dabei meine Beobachtungen machen dürfen. Warum funktionieren gewisse Organisationen einfach so und andere scheitern, obwohl diese viel versuchen, um das Zusammenspiel der Abteilungen und Mitarbeiter zu regeln? Es gibt zahlreiche Erklärungsversuche und ebenso zahlreiche Rezepte, um der Organisationsmisere entgegenzuwirken. In Seminaren werden Führung, Kommunikation oder Konfliktmanagement vermittelt und eingeübt. Trotzdem sind viele Anweisungen oft nicht anwendbar – bald werden die neuen Verhaltensregeln wieder über Bord geworfen und die alten Gewohnheiten nehmen ihren Lauf.

Als ich dann einige Jahre vor meinem fünfzigsten Altersjahr mit der Imkerei begonnen hatte, ahnte ich noch nicht, was mir meine Bienenvölker alles beibringen würden. Je tiefer mein Verständnis für die Abläufe und das Zusammenleben im Bienenvolk wurde, je mehr öffnete sich auch mein Blick auf die menschlichen Organisationen und umso mehr merkte ich, dass künstliche Systeme nie die hohe Entwicklung der durch Instinkt gesteuerten Verhaltensweisen von Lebewesen, ob Tier oder Mensch, übersteuern oder gar übertreffen können. Die kommunikativen und geistigen Fähigkeiten der Bienen haben nie die Vielfalt und Möglichkeiten der Menschen erreicht, dennoch ist es dank der Evolution gelungen, dass sie in einer fast perfekten Organisation leben. Durch die Betrachtung und das Verständnis dieser Prozesse könnten wir oft überheblichen Menschen viel lernen, um auch unsere Organisationen zu optimieren. Dazu soll dieses Buch seinen kleinen Beitrag leisten.

Dieter Schürer

1Eine lustige Variante ist: „Wer täglich fleißig ist wie eine Biene, arbeitet wie ein Pferd, Kräfte hat wie ein Stier und abends müde ist wie ein Hund, der sollte mal zum Tierarzt gehen, es könnte sein, dass er ein Kamel ist.”

Einleitung

Achtung

Im Buch wurde bewusst jeweils nur die männliche Form gewählt, damit der Text einfacher zu lesen und zu verstehen ist. Selbstverständlich sind auch weibliche Personen ebenso wertvoll und auch damit gemeint.

Haben Sie sich auch schon einmal gefragt, wie ein Bienenvolk mit vielen Tausend Bienen funktionieren kann und waren erstaunt, wie reibungslos und quasi automatisch die Organisation in einem Bienenvolk abläuft? Obwohl das Gehirn der Biene nur einige wenige Kubikmillimeter misst, sind diese hilfreichen und arbeitsamen Insekten in der Lage, einen fast perfekten Staat zu bilden und aufrechtzuerhalten, komplexe Aufgabenstrukturen zu regeln und dabei trotzdem glücklich und zufrieden zu bleiben. Wenn etwas an dieser Organisation nicht stimmt und Unzufriedenheit herrscht, merkt das der Imker rasch – er wird beim Öffnen des Stockes angegriffen und muss schmerzliche Stiche einstecken.

Dieser höchste Organisationsgrad hat sich durch die Evolution während rund 65 Millionen Jahre ausgebildet. Dem stehen die nur etwa 5 Millionen Jahre Entwicklungszeit für den Menschen fast lächerlich kurz gegenüber, wobei der heutige Mensch, der Homo Sapiens, sogar erst vor ca. 250.000 Jahren in die Geschichte eingetreten ist. Nur die am flexibelsten auf die natürlichen Veränderungen und Katastrophen reagierende Organisation von Bienen konnte überleben, also nur jene, die gleichzeitig auch durch stabile Verhältnisse jedes Jahr die optimale Ernte an Pollen und Nektar einbringen konnte, um dem langen kalten Winter zu trotzen.

Es soll nicht verschwiegen werden, dass auch Bienen Stress erleben und dadurch krank werden können. Es kann sogar das ganze Volk eingehen, wenn zu viel Stress vorhanden ist. Nur ist dieser Stress praktisch ausschließlich externer Natur: Das Wetter spielt verrückt, gefährliche, exotische Schädlinge dringen in den Bienenstock ein oder der Imker stört das Volk mit eigenwilligen und nicht der Natur entsprechenden Eingriffen. Das Bienenvolk ist aber in der Lage, auch größere Stressfaktoren wegzustecken, wieder die eigene Ruhe zu gewinnen und zu bewahren und die Arbeit so zu organisieren, dass das Überleben des Volkes gesichert wird.

Diese erstaunlichen Management-Eigenschaften der Bienenvölker ließen mich nach Analogien in der menschlichen Wirtschaft suchen und entsprechende Konzepte ableiten. Daraus entstand dieses Buch über das „Bienenstockprinzip im Management” oder auf Englisch „Beehive Principles of Management”. Wir Menschen denken oft, dass nur wir rational die besten Methoden entwickeln können. Doch die Geschichte zeigt, dass unsere Forschung ebenfalls in die Irre führen kann und auch hier zu einem erheblichen Teil nach dem Prinzip „Trial and Error” nach Fortschritten gesucht wird. Unsere Wissenschaft kann dabei nur auf wenige Jahrzehnte, vielleicht Jahrhunderte zurückblicken. Die Natur hatte während der vergangenen 65 Millionen Jahre unendlich viel mehr Zeit und auch viel mehr „Bienenstaaten” zur Verfügung, um optimale Organisationsformen herauszufiltern. Es wäre daher eine verpasste Gelegenheit, dieses Wissen nicht für unsere menschlichen Zwecke zu adaptieren.

1   Natürliche Arbeitsteilung – Die Eignung bestimmt die Aufgabe

BildelementVom Tellerwäscher zum Millionär: Darin schwingt nicht nur die Chance mit, die jedermann haben sollte, sondern es wird hiermit auch eine Entwicklung gezeigt. Der Chef – Millionär – hat ebenfalls ganz unten angefangen und damit die Sorgen und Nöte der untersten Hierarchiestufe kennengelernt. Dieses Durchdienen ist von großer Bedeutung, sowohl für die Anerkennung durch Untergebene als auch für das Verständnis der Führungskraft für das Arbeitsumfeld und die Aufgaben und Pflichten eines jeden Mitarbeitenden in einem Unternehmen.

1.1   Hierarchien

Jede Organisation kennt Hierarchien. Hierarchien können explizit festgelegt sein, wie in den meisten Betrieben, oder implizit durch Persönlichkeiten geprägt werden, welche sich berufen fühlen, eine Gruppe von Leuten zu leiten und anzuführen. Deshalb haben sogar anarchistische Organisationen, die von sich aus behaupten, gegen jede Hierarchie zu sein, implizite hierarchische Strukturen. Bei einem Bienenvolk ist es die Bienenkönigin1, die die Mitglieder ihres Volkes anführt.

Fest steht, dass Hierarchien eine wesentliche Komponente jeder Gemeinschaft von Individuen sind. Wie diese Hierarchien gelebt und teilweise ausgelebt werden, ist stark von den Führungskräften abhängig und – dies wird bei Revolutionen deutlich – davon, wie viel Führung die Untergebenen ertragen können. Für eine Zielerreichung ist deshalb die Art und Weise, wie Hierarchien funktionieren, sehr von Bedeutung.

1.1.1   Königin – Herrscherin und Beherrschte

Die Hierarchie scheint in einem Bienenvolk sehr einfach. Es gibt in der Regel nur eine Königin und keine Zwischenstufen im Management. Dass die Aufgabenteilung und die Ausübung dieser Aufgaben dennoch klappt, liegt daran, dass alle Mitglieder des Bienenstaates instinktiv wissen, dass das Überleben nur dann gewährleistet ist, wenn auch alle ihren Teil vom Aufgabenberg übernehmen. Wie die Königin herrscht, wird später noch erläutert.

Die Königin ist nichts ohne das Volk und ihre Arbeitsbienen, welche sie pflegen und beschützen. Die Königin hat zwar einen Stachel, so wie die Arbeiterinnen auch bzw. sie hat sogar eine „Sonderanfertigung”, die mehrfach verwendet werden kann. Aber dieser Stachel wird ausschließlich eingesetzt, um andere Königinnen im Stock zu bekämpfen und – wenn nötig– umzubringen. Die Arbeiterinnen brauchen demgegenüber keine Angst vor der tödlichen Waffe der Königin zu haben, nie wird sie sich gegen die Untergebenen wenden.

Die Königin lässt sich dauernd von Helferinnen betreuen und füttern. Im Frühling legt sie jeden Tag ein Mehrfaches ihres Gewichtes an Eiern. Diese riesige Leistung könnte sie nie erreichen ohne ein funktionierendes Betreuungssystem. Nur weil sie ohne Unterlass mit höchstwertiger Nahrung gefüttert wird, weil ihr alle Arbeiten der Körperpflege abgenommen werden und sie von Brutzelle zu Brutzelle begleitet wird, kann sie sich ihrer zentralen Arbeit, der Vermehrung des Volkes, widmen. Eine Königin, die durch klimatische oder andere Vorkommnisse die Arbeiterinnen verloren hat, ist selbst verloren. Sie wird noch eine Weile leben, aber innerhalb weniger Tage bis Wochen ebenfalls sterben.

1.1.2   Management und Angestellte

Sieht man in irgendeinen Betrieb, sei es eine gewinnorientierte Firma, sei es eine NPO oder ein staatlicher Betrieb, so findet man überall Hierarchien. Fast immer sind sie nicht so flach, wie sie im Bienenstock sind, fast immer bestehen zwischen dem einfachen Arbeiter, dem Angestellten oder dem Beamten und der höchsten leitenden Stelle, modern als CEO bezeichnet, mehrere Zwischenstufen. Jedes dieser Verhältnisse zwischen Vorgesetzten und Direktunterstellten kann mit einem Bienenvolk verglichen werden, genauso wie auch der ganze Betrieb als Analogon genommen werden kann.

Während bis ins 20. Jahrhundert noch das Prinzip des „Patrons” vorherrschte, wo die leitende Person – meist der Eigentümer der Firma – für seine Mitarbeiter nicht nur am Arbeitsplatz, sondern auch in privaten Dingen sorgte, ist dieses System heute praktisch verschwunden. Noch gibt es einige Kleinbetriebe, die so funktionieren, aber in Großbetrieben wurden andere Wertvorstellungen modern. Ich möchte nicht romantisch verklärt behaupten, dass die Arbeiter in früheren Zeiten nicht mindestens teilweise von ihren Patronen ausgenutzt wurden, sodass die Arbeiter oft an der Armutsgrenze lebten und mit unendlichen langen Arbeitstagen zu kämpfen hatten. Trotzdem waren viele dieser Patrone sich der Wichtigkeit von guten und treuen Arbeitskräften bewusst und es war ihnen auch klar, dass nur jemand gute Arbeit leisten konnte, der ein funktionierendes und gesundes Zuhause hatte.

Wie steht es heute? Manager nennen sich die Vorgesetzten, übersetzt sind es leitende Personen oder Verwalter. Viele dieser Manager sind sich nicht mehr bewusst oder wollen nicht mehr wissen, dass auch sie nur leiten können, wenn andere da sind, die sich leiten lassen. Viele leben in der Ansicht, dass sie sich über die Arbeiter oder Angestellten erhoben haben und von diesen nicht mehr abhängig sind. Nicht wenige verkriechen sich in ihren Elfenbeinturm im eigenen Büro und haben nur noch da, wo unbedingt nötig, Kontakt mit ihren unterstellten Mitarbeitern.

1.1.3   Management by beehive: Leadership statt Management

Management by beehive geht andere Wege. Hier ist sich der Manager bewusst, dass er nur so viel ist, wie es seine Unterstellten erlauben. Sie sind es, die mit Fleiß, Kreativität und viel Eigeninitiative das Geschäft verrichten. Sie können den Manager mit Informationen und guten Ideen versorgen und ihn damit in die Lage versetzen, seine Arbeit, das Begleiten des Arbeitsfortschrittes sowie die Entwicklung der Arbeitsprozesse und letztlich der Firma weiterzutreiben und zu neuen Erfolgen zu führen. Der Vorgesetzte muss verstehen, dass er durch Anerkennung, durch Annahme der „Geschenke” seiner Unterstellten und durch intensiven Kontakt Mehrwert erhält, dafür aber auch die Bedürfnisse dieser Unterstellten wahr- und sehr ernst nehmen sollte.

Während sich Management mit der Organisation, der Kontrolle und der Steuerung von Arbeitsprozessen befasst, also verwalterische Tätigkeiten ausführt, ist Leadership mehr die Führung einer Organisation durch Vorbild und persönliche Autorität.

Auch die Bienenkönigin ist mehr Leaderin als Managerin. Die Arbeitsprozesse werden zum größten Teil selbstständig von den Arbeiterinnen ausgeführt und sind instinktgesteuert. Selbst ihre eigene Tätigkeit bestimmt die Bienenkönigin nur zu einem kleinen Teil selbst, äußere Einflüsse und die sie umgebenden Betreuerinnen lenken ihren Tagesablauf. Genauso sollte der gute Vorgesetzte mehr Leader als Manager sein. Die meisten Arbeitsprozesse sind in einer Organisation vorgegeben und müssen in einem sich oft wiederkehrenden Ablauf vollzogen werden. Gute Angestellte wissen, was dazu nötig ist und wie diese Arbeit am besten erledigt wird. Das Korrektiv des sie umfassenden Teams sollte auch genügend Gewähr bieten, dass die Arbeit in qualitativ einwandfreier Art und Weise durchgeführt wird. Als Leader wird der Vorgesetzte aber wesentlich bestimmen, wie ernst es die Mitarbeitenden nehmen, gute Qualität zu liefern, wie gerne sie arbeiten und dabei auch einmal Aufgaben übernehmen, die außerhalb ihrer eigenen täglichen Routine stehen. Der Vorgesetzte bestimmt durch sein Verhalten und sein Wesen, wie nervös oder eben ruhig sein Team auf äußere Störungen reagiert, ob es eine abwehrende, eher passive Haltung einnimmt oder ob es aus der vorgegebenen Situation das Beste macht. Wie die Bienenkönigin die Pheromone, hat auch der Vorgesetzte Mittel und Möglichkeiten, sein Team in die eine oder andere Richtung zu lenken, möglichst so, dass die Betroffenen fühlen, dass sie selbst diese Entwicklung vorantreiben und daher auch Ownership für diese Fortschritte übernehmen können.

1.2   Natürlicher Wechsel der Arbeitstätigkeiten

Oft liest man, dass erst die Aufteilung der Arbeiten und Aufgaben auf entsprechend begabte und spezialisierte Personen die Menschheit auf eine höhere Stufe der Entwicklung gebracht hat. Darin schwingt die Anmaßung mit, dass eine Aufgabenaufteilung nur bei den Menschen vorkommt. Ein Blick ins Tierreich zeigt aber rasch, dass auch dort bei sehr vielen Arten eine Aufgabenteilung vorhanden ist. Als Beispiele seien hier die Raubtiere genannt, wo die männlichen Vertreter eher den Schutz der Gemeinschaft vor Gefahren übernehmen und die weiblichen Tiere eher für die Jagd zuständig sind.

Aufgabenteilung muss sicher als eine wesentliche Komponente der effektiven Erledigung von Arbeiten betrachtet werden. Erst das Zusammenwirken von verschiedenen Individuen, wobei jedes seinen eigenen Beitrag leistet und dieser Beitrag möglichst noch auf die besonderen Fähigkeiten des Einzelnen abgestimmt ist, ermöglicht es, Größeres zu schaffen. Es erstaunt daher nicht, dass auch im Bienenvolk die Aufgabenteilung ein wichtiges Prinzip ist und wir davon einige Erkenntnisse gewinnen können.

1.2.1   Das Arbeitsleben der weiblichen Biene (Arbeiterin)

Die Arbeitsteilung in einem Bienenstock ist weitgehend, aber nicht ausschließlich gesteuert von natürlichen Abläufen. Eine Arbeitsbiene, die gerade die Metamorphose, also die Umwandlung von der Larve zum ausgewachsenen Insekt durchgemacht hat und aus der Zelle schlüpft, wird eine erste Ration Honig und Pollen einnehmen und sich dann für den Einsatz bereitmachen. Grundsätzlich ist der Arbeitsplan einer Sommerbiene zweigeteilt: In der ersten Lebenshälfte wird sie im Innendienst aktiv sein, danach bis zu ihrem Lebensende im Außendienst als Sammlerin (Winterbienen hingegen beschränken sich auf den Innendienst). In den ersten beiden Lebenstagen wird sie als „Zimmermädchen” die Zellen säubern, aus denen gerade junge Bienen geschlüpft sind, damit die Königin dort wieder neue Eier legen kann. Daneben muss sie auch dafür sorgen, dass die Brutzellen auf ca. 35 °C erwärmt werden, um die Entwicklung der Larven sicherzustellen. Als Nächstes muss sie während ca. 3 Tage für die Verteilung und Lagerung der Pollen- und Nektarnahrung im Stock arbeiten.

Ungefähr am 6. Lebenstag ist ihre körperliche Entwicklung soweit gediehen, dass sie aus ihren Futtersaftdrüsen die allerjüngsten Maden füttern kann (mit dem ebenfalls für Menschen gesunden Gelée Royale). Die Königin wird von solchen Bienen als Hofstaat umgeben und erhält auch dieses königliche Gelée, das sehr eiweißreich, mit gesunden Enzymen versetzt und nahrhaft ist. Die Bautätigkeit fällt ebenfalls in diese Periode. Aus bauchseitigen Drüsen werden dünne Wachsplättchen „geschwitzt”, die für den Bau der bekannten sechseckigen Zellen verwendet werden. Ab dem 16. Tag bereitet sich die Jungbiene auf ihre zweite Arbeitsperiode, den Außendienst als Trachtbiene, vor. Auf ihren ersten Ausflügen ist sie sehr vorsichtig. Sie bleibt in der Nähe der Wohnung, wendet ihr Gesicht zum Flugloch, der Beute, dem Bienenhaus. Schließlich zieht sie größere Flugkreise, um so Bienenstand und Trachtgebiet kennenzulernen.

Ist die Jungbiene ungefähr 17 bis 19 Tage alt, so wird sie zur Wachtbiene. Am Eingang jeder Bienenwohnung steht eine „Wache” aus mehreren Bienen. Ohne diese würden kaum noch Bienenvölker vorhanden sein. In trachtlosen Zeiten, besonders im Vorfrühling und im Herbst, versuchen Bienen oder andere Insekten in fremde Stöcke einzudringen, um Honig zu rauben. Aufgabe der Wachtbienen ist es, diese Angriffe abzuwehren.

Ab dem 21. Lebenstag ist die Arbeiterinnenbiene fast ausschließlich Trachtbiene. Um Nektar zu sammeln, fliegt sie bis zu vier Kilometer weit in ihr Trachtgebiet. Erfahrene Sammelbienen sind Spürbienen und suchen neue Nahrungs- und Wasserquellen. Zuhause informieren sie ihre Geschwister über Richtung, Entfernung und Art der wertvollen Quellen, indem sie einerseits den sogenannten Bienentanz aufführen, andererseits auch kleine Kostproben vom Sammelgut abgeben. Die ältesten Sammelbienen haben die schwierigste Aufgabe, sie sind die Wasserträgerinnen und müssen an Teichen und Bächen dieses kostbare Gut holen und in den Stock bringen. Zwischen dem 30. und 40. Lebenstag wird die Arbeiterinnenbiene dann erschöpft von schwerer Arbeit sterben, sofern sie nicht schon vorher einer der vielen Gefahren und Räuber zum Opfer gefallen ist.

Man sieht also, dass die natürlichen Entwicklungsschritte der Fähigkeiten weitgehend, aber nicht ausschließlich bestimmen, welche Tätigkeit eine Biene ausführt. Weil jede Biene einen von Genen und Umwelt bestimmten Ablauf der Tätigkeiten ausgeführt hat, kann sie auch später notfalls wieder fast alle Tätigkeiten übernehmen.

1.2.2   Erfahrung kann man nicht lernen

Wie sieht das nun im menschlichen Arbeitsumfeld aus? Zahlreiche Karrierebeispiele verliefen in der Vergangenheit ähnlich, viele heutige Manager haben sich von der sogenannten „Pike” in höhere Stufen hinaufgearbeitet. Sie haben die verschiedenen Aufgaben ihrer Untergebenen aus eigener Arbeit kennengelernt und können sich so auch besser in die vorhandenen Probleme versetzen.

In jüngster Vergangenheit wird es aber immer üblicher, dass Absolventen von Hochschulen mehr oder weniger direkt in Kaderstellungen gelangen, sie werden höchstens noch in ein vorgängiges Praktikum geschickt. Dieses Überspringen der „natürlichen” Karrierestufen führt zu wesentlichen Nachteilen. Einerseits hat der Manager nun keine konkrete Erfahrung mehr, was sein Team wirklich tut. Diese Unwissenheit und der Mangel an praktischer Erfahrung verursacht, dass die Unterstellten ihrerseits oft die Kompetenz des Managers infrage stellen. Es entsteht ein Bruch im Verhältnis Mitarbeiter – Manager, der zu ernsthaften Problemen Anlass geben kann und insbesondere die Kommunikation in Mitleidenschaft zieht. Dieses Problem wird noch ernsthafter, wenn der Manager einem „Standesdünkel” nachlebt, wonach er deutlich über dem Arbeiter oder Angestellten steht und sich eher nach „oben” ausrichtet, denn dort hinauf, zu noch höheren Chargen, möchten ja viele von ihnen hin.

1.2.3   Management by beehive: Fähigkeiten im Altersverlauf bestimmen das Tätigkeitsprinzip

Dem Bienenstock-Prinzip folgend wäre eine natürliche Entwicklung der Karriere, bei der jeder Manager auch einmal mindestens einzelne Aufgaben seiner Unterstellten für eine erhebliche Zeit selbst ausführen müsste. Damit wird nicht nur das Verständnis der sachlichen und organisatorischen Probleme verbessert und die Zusammenarbeit und das Teamgefühl mit den anderen Angestellten vertieft, sondern auch eine natürliche Reifung des Managers erzielt. Ein Manager, der vorher bei der gemeinsamen Tätigkeit durch besondere Fähigkeiten in sozialer und fachlicher Hinsicht aufgefallen ist, wird von seinen Mitarbeitern auch als Führungskraft akzeptiert und unterstützt.

Das Bienenstock-Prinzip kann auf jede einzelne Stufe angewandt werden, bei jeder Management-Ebene gibt es einen Vorgesetzten und einen oder mehrere Unterstellte. In Bezug auf die Karriere bedeutet dies, dass Vorgesetzte aller Stufen den Weg durch die Hierarchie durchlaufen, immer zuerst als Unterstellte, dann allenfalls als Vorgesetzte. Es ist selbstverständlich, dass ein Vorgesetzter nicht alle Tätigkeiten und Aufgabenbereiche seiner Zuständigkeit ...

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