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Dark Surrender (03) – Liebe

MAYA BANKS

Dark Surrender

Liebe

Roman

Ins Deutsche übertragen von

Jana Kowalski

Zu diesem Buch

»Von jetzt an wirst du bei mir immer an erster Stelle stehen«, schwor er. »Du wirst nie wieder deinen Platz in meinem Herzen oder meiner Seele in Frage stellen.«

Fünf Jahre ist es her, dass Chessy und Tate sich das Ja-Wort gaben. Damals glaubten sie, gemeinsam die Welt erobern zu können – ihre Liebe zueinander war stärker, leidenschaftlicher und intensiver als alles, was sie zuvor kannten. Für Chessy hat sich daran bis heute nichts geändert. Sie würde sich Tate noch immer mit jeder Faser ihres Körpers hingeben, sich ihm bedingungslos unterwerfen. Und sie wünscht sich nichts sehnlicher, als eine Familie mit ihm zu gründen. Doch der Alltag hat die beiden inzwischen eingeholt: Tates berufliche Verpflichtungen nehmen mehr und mehr seiner Zeit in Anspruch, und mit jedem Abend, den Chessy allein zu Bett geht, beobachtet sie resigniert, wie ihre Ehe ein weiteres Stück zu zerbrechen droht. Auch Tate spürt, dass Chessy sich immer mehr von ihm distanziert. Er weiß, dass er seine Prioritäten ordnen muss, wenn er die Liebe seines Lebens nicht verlieren will. Eine unvergessliche Nacht soll das Feuer der Leidenschaft zwischen ihnen neu entfachen – heißer und mitreißender, als sie es je gespürt haben. Doch Tates Plan geht schief: Statt Chessy von seiner Liebe zu überzeugen, bringt er sie durch einen Moment der Unachtsamkeit in große Gefahr. Und plötzlich steht für ihn viel mehr auf dem Spiel, als er je hätte ahnen können …

Für Carrie –
von ganzem Herzen

1

Chessy Morgan fuhr in eine Parklücke auf dem Parkplatz des Lux Cafés in Houston und sah überrascht, dass sowohl Kylies als auch Joss’ Auto bereits nicht weit entfernt abgestellt waren.

Dass Kylie schon da war, verblüffte sie nicht weiter. Kylie war immer pünktlich. Aber Joss? Joss kam ständig zu spät. Chessy und Kylie mussten fast immer auf Joss warten, die dann lachend in das Restaurant gestürmt kam, in dem sie miteinander verabredet waren, und stets eine überflüssige Entschuldigung für ihre Saumseligkeit auf den Lippen hatte.

Aber, ach, wer konnte auf Joss böse sein? Vor allem wegen etwas so Unwichtigem wie regelmäßigem Zuspätkommen. Joss war eine Frau, die mit ihrer Fröhlichkeit und Güte jeden Raum erstrahlen ließ. Joss hatte viel durchgemacht, und es hatte lange gedauert, bis aus der trauernden Witwe nach dem Tod von Carson die Joss von heute geworden war … glücklich, verliebt und verheiratet mit Dash, dem besten Freund ihres früheren Ehemannes. Chessy freute sich unbändig für ihre Freundinnen. Joss und Kylie hatten beide ihre große Liebe gefunden. Besonders für Kylie war das eine große Sache. Sie hatte riesige Fortschritte gemacht, als es ihr schließlich gelungen war, die Dämonen der Vergangenheit zu besiegen, die so lange Einfluss auf ihr Leben genommen hatten.

In Jensen hatte Kylie mehr als nur den passenden Partner gefunden; die beiden gaben ein wundervolles Paar ab. Chessy zweifelte nicht eine Sekunde daran, dass Jensen für Kylie absolut perfekt war.

Wenn Chessy über ihr eigenes Liebesleben – ihre Ehe – doch nur das Gleiche sagen könnte … dass alles genauso perfekt wäre wie bei ihren Freundinnen.

Sie stieß einen leisen Seufzer aus, stieg aus ihrem Mercedes SUV und bedachte den Siebensitzer mit einem kläglichen Blick über die Schulter. Als sie von Tate damit überrascht worden war, hatte sie sich gefragt, warum um Himmels willen er ihr etwas so Großes besorgt hatte. Aber er hatte sie nur mit seinem charmant schelmischen Funkeln in den Augen angesehen und ihr gesagt, dass es das am besten geeignete Fahrzeug wäre, um ihre Kinder damit zu transportieren. Die Kinder, von denen sie immer sagten, dass sie sie haben wollten. Das war am Anfang ihrer Ehe ein Thema gewesen, über das sie häufig gesprochen hatten. Sie hatten in gemeinsamen Träumen von einer großen Familie und einem Haus voller Kinder geschwelgt, das von Liebe und Lachen erfüllt war. Doch in letzter Zeit war er dem Thema Kinder ausgewichen.

Er war, nachdem er sich selbstständig gemacht hatte und von seinem Partner im Stich gelassen worden war, immer noch dabei, seine Firma aufzubauen. Er wollte abwarten, bis sich seine Situation stabilisiert und er sich am Markt etabliert hatte, ehe sie sich Kinder anschafften. Aber insgeheim fragte Chessy sich mittlerweile, ob dieser Tag wohl jemals kommen würde. Seit einem Jahr hatte sie sich nicht mehr getraut, das Thema zur Sprache zu bringen.

Sie hatte das Gefühl, als würde Tate ihr immer mehr entgleiten. Er wurde völlig von seiner Arbeit vereinnahmt, und sie kam nur noch an zweiter oder gar dritter Stelle; bloß der Himmel wusste, welche Position sie gegenwärtig auf seiner Prioritätenliste innehatte.

»Um Gottes willen, Chessy. Hör auf, so ein Drama daraus zu machen. So schlimm ist es nun auch wieder nicht. Tate liebt dich. Du liebst ihn. Du musst einfach nur Geduld haben und diese Phase durchstehen. Alles wird in Ordnung kommen«, schalt sie sich selbst.

Sie setzte für ihre Freundinnen eine fröhliche Miene auf, als sie das Restaurant betrat, und achtete darauf, dass man ihr ihre trüben Gedanken nicht ansah. Auf keinen Fall sollten sie sich noch mehr Sorgen machen, als sie es ohnehin schon taten. Sie wussten seit Monaten, dass nicht alles so war, wie es sein sollte. Chessy hatte die Blicke bemerkt, die die beiden miteinander tauschten, wenn sie meinten, sie würde es nicht sehen. Ihr entging nichts. Weder die besorgten Blicke noch der Zweifel in den Augen ihrer Freundinnen. Sie wusste, dass sie sich wegen ihr und Tate Gedanken machten. Aber die beiden waren glücklich. Überglücklich. Und Chessy wollte sie nicht mit ihren Problemen runterziehen.

Sie war diejenige, die immer förmlich übersprudelte. Diejenige, auf deren gute Laune man sich verließ und die alle mitriss. Aber sie war eine Katastrophe, wenn es darum ging, ihre Gefühle zu verbergen. Ob es ihr nun gut ging oder nicht, man sah es ihr immer sofort an. Wenn sie glücklich war, war sie richtig glücklich. Sie schäumte dann über vor Freude und strahlte förmlich, wie ihr ihre Freundinnen häufig sagten. Das Problem an der Sache war, dass ihre Freundinnen es aber auch sofort bemerkten, wenn sie nicht gut drauf war. Sie lasen in ihr wie in einem offenen Buch, blickten hinter jede Fassade, und egal was sie anstellte, sie ließen sich nie auch nur eine Sekunde lang täuschen.

Trotzdem nahm sie Haltung an und setzte ein stählernes Lächeln auf, bei dem ihre Wangen vor Anstrengung zu schmerzen anfingen, während sie zu der Nische ging, in der Kylie und Joss bereits Platz genommen hatten.

»Gott sei Dank! Endlich bist du da!«, rief Kylie und griff sofort nach Chessys Hand, um sie auf die Rundbank neben sich zu ziehen. »Joss leuchtet förmlich, und sie hat den speziellen Blick in den Augen, der für mich auf ein Geheimnis schließen lässt, aber sie hat sich tatsächlich geweigert, vor deinem Eintreffen irgendetwas zu verraten.«

Chessy fiel fast auf die Bank, nachdem Kylie sie mit einem Ruck neben sich gezogen hatte, und grinste über Kylies Erregung, dass Joss ihre Neuigkeit erst preisgeben wollte, wenn auch Chessy eingetroffen war. Ein Teil ihres Schmerzes verflog. Wie sollte es auch anders sein, wenn sie mit ihren beiden besten Freundinnen zusammen war? Allein ihre Gegenwart nahm ihr etwas von ihrer Traurigkeit, die in letzter Zeit ihr ständiger Begleiter geworden zu sein schien.

»Ah, genau, ich sehe, was Kylie meint, Joss«, sagte Chessy, während sie ihre Freundin musterte. »Du hast eindeutig den Ausdruck einer Katze im Gesicht, die sich am Sahnetopf bedient hat, und du leuchtest wirklich. Jetzt komm schon, spuck’s endlich aus. Die Schwesternschaft ist zusammen, worauf wartest du also noch. Ich will dir keine Daumenschrauben ansetzen müssen, denn ich garantiere dir, dass Kylie in dieser Sache zu mir halten wird. Die Arme hat schon so lange warten müssen, bis ich endlich da war. Wenn’s sein muss, quetschen wir dich aus. Erzähl es uns also lieber freiwillig!«

Kylie nickte energisch, und beider Blicke hingen an Joss’ strahlendem Lächeln, das sich über ihrem Gesicht ausbreitete und ihre zarten Züge erhellte. Das versetzte Chessy einen unerwarteten Schlag. Joss strahlte wirklich, und sie sah so glücklich aus, dass es Chessy fast wehtat, sie anzuschauen. Aber sie würde ihrer Freundin diesen glücklichen Moment auf keinen Fall vermiesen, indem sie auch nur ansatzweise durchblicken ließ, dass es ihr selbst nicht gut ging. Sie wollte das Zusammensein mit ihren Freundinnen damit nicht überschatten.

»Dash und ich sind schwanger«, erklärte Joss mit unverhüllter Freude. »Ich bin schwanger«, verbesserte sie sich, und es legte sich ein sanfter Ausdruck über ihr Gesicht, bei dem ihre Augen vor Liebe und Glück strahlten. »Wir bekommen ein Baby!«

Kylie kreischte und zog Joss sofort in ihre Arme. Die verwirrten Blicke der anderen Gäste, die in der Nähe der Frauen saßen, beachtete sie überhaupt nicht.

Chessy sprang auch sofort auf, obwohl ihr der Magen in die Kniekehlen gerutscht war, und eilte um den Tisch herum, weil Kylie ihr von der anderen Seite den Weg zu Joss versperrte. Sie rutschte neben Joss auf die Bank und zog sie aus Kylies Umarmung.

»Ich freue mich so für dich«, flüsterte Chessy, denn sie hatte einen Kloß im Hals, der es ihr unmöglich machte, es laut auszusprechen.

Joss erwiderte ihre Umarmung, doch als sie sich von ihr löste, musterte sie Chessy mit durchdringendem Blick.

»Danke«, sagte Joss ruhig. »Aber vielleicht erzählst du uns jetzt, was mit dir los ist und warum du so unglücklich aussiehst. Hat es was mit Tate zu tun? Steht es noch schlimmer?«

Chessy rutschte das Herz in die Hose. Sie hätte wissen müssen, dass ihre besten Freundinnen die Letzten war, die sie hinters Licht führen konnte. Joss sonnte sich im Glanz der frohen Kunde – eine herrliche Nachricht – und im Bewusstsein, dass ein lang gehegter Traum endlich in Erfüllung ging. Chessy wollte den Moment, der zum Feiern einlud, nicht trüben.

Sie griff nach Joss’ Hand und drückte sie. »Das ist jetzt dein großer Augenblick, Liebes. Wir können ein anderes Mal über meine Probleme reden. Jetzt wollen wir erst einmal auf die werdende Mutter anstoßen und uns über Erfreuliches wie Babykleidung und eventuelle Namen austauschen! Ach, du meine Güte, Kylie, wir müssen eine Riesenbabyparty für Joss planen. Wie sie die Welt noch nicht erlebt hat. Und die ziehen wir so auf, dass auch die Männer mit einbezogen werden. Es gibt kein Kneifen, weil es angeblich Frauensache ist.«

Kylie und Joss tauschten einen Blick, wie sie es häufig taten, wenn sie nicht daran dachten, dass Chessy es mitbekam, und Chessy zuckte innerlich zusammen, weil sie ihren Freundinnen offensichtlich so viel Sorgen bereitete.

»Glaubst du wirklich auch nur eine Sekunde lang, dass ich von der wundervollen Neuigkeit, ein Kind zu erwarten, so vereinnahmt bin, dass ich nichts anderes mehr mitbekomme?«, fragte Joss. In ihrer Stimme schwang Tadel mit, wenn auch ganz behutsam.

Joss gehörte nicht zu den Frauen, die zickig oder kleinlich waren. Das war ihr einfach nicht gegeben. Sie war die Freundlichkeit in Person und der gütigste und nachsichtigste Mensch, den Chessy je kennengelernt hatte.

Chessy hob beide Hände. »Ich weiß, Liebes. Ich weiß. Wirklich. Glaub mir. Ich will alles nur nicht an einem Tag aufwärmen, an dem es etwas zu feiern gibt. Es hat sich nichts geändert. Alles ist beim Alten geblieben, und ich führe mich einfach nur wie ein weinerliches Kind auf. Ich werde mich irgendwann bessern.«

Joss senkte die Stimme, und es trat ein so liebevoller Blick in ihre Augen, als sie ihre beste Freundin ansah, dass es Chessy fast die Tränen in die Augen getrieben hätte.

»Ich weiß, dass es für dich hart sein muss zu erfahren, dass ich schwanger bin«, erklärte Joss sanft. »Ich weiß, dass du Kinder haben wolltest. Du und Tate, ihr wolltet es früher mal beide, und du willst es zwar immer noch, aber er will damit erst einmal noch warten. Du hast in letzter Zeit sogar angefangen, die Gründe, ein Kind haben zu wollen, infrage zu stellen, und zugestimmt, dass ein Baby in der schwierigen Phase, in der ihr euch gerade befindet, alles nur noch komplizierter machen würde.«

Chessy würde die beiden Frauen, die ihr mehr als alle anderen am Herzen lagen, nicht belügen. Sie waren ihre besten Freundinnen. Ihre Schwestern. Ihr Fels in der Brandung.

»Ich muss gestehen, dass es mir schon einen kleinen Stich versetzt. Okay, einen großen Stich«, korrigierte sie sich, als sie den Blick sah, den Kylie ihr zuwarf. Ein Blick, der sagte: Du führst hier keinen hinters Licht. »Es ist kein Geheimnis, dass ich Kinder wollte. Eine große Familie. Ich will, was ich als Kind nie hatte. Eine Kinderschar, die weiß, dass ich sie von ganzem Herzen liebe.«

»Du willst ihnen geben, was du von deinen Eltern nie bekommen hast«, stellte Kylie sanft fest.

Chessy warf ihr einen verständnisinnigen Blick zu. Chessy und Kylie hatten in Bezug auf ihre Kindheit eine Gemeinsamkeit. Sie waren beide unerwünscht gewesen, aber damit endeten die Übereinstimmungen ihres Schicksals auch schon. Kylie hatte eine grauenvolle Kindheit erlebt, in der sie durch ein Monster in Gestalt ihres Vaters missbraucht worden war.

Chessy konnte nicht behaupten, körperlich oder verbal missbraucht worden zu sein. Sie hatte für ihre Eltern einfach nicht existiert. Chessy war nicht geplant gewesen und hatte Eltern gehabt, die es nie auch nur erwogen hatten, Kinder in die Welt zu setzen. Deshalb hatten sie ihr Leben auch nicht geändert, um sich auf ein Kind einzustellen. Sie hatten ihr Leben so weitergeführt wie zuvor und Chessy als unerwünschte Belastung gesehen. Ihre Kindheit war von Vernachlässigung, nicht von Missbrauch geprägt gewesen, allerdings würden viele Menschen Vernachlässigung als eine Form des Missbrauchs betrachten. Chessy war körperlich kein Schaden zugefügt worden, emotional aber sehr wohl.

Tate wusste über Chessys Kindheit Bescheid, über das Gefühl der Einsamkeit und der fehlenden Beachtung. Die Vorstellung hatte ihn in Wut versetzt, und er hatte geschworen, dass sie mit ihm niemals so empfinden würde. Bis jetzt. Sie hatte für ihn immer an erster Stelle gestanden. Die meisten ihrer Wünsche, ihrer Bedürfnisse, ihrer Sehnsüchte, waren von Tate intuitiv erfasst und erfüllt worden, ohne dass sie darum bitten musste. Er hatte Bedürfnisse befriedigt, von denen sie vorher nicht gewusst hatte, dass sie überhaupt da gewesen waren. Er war weit über das hinausgegangen, was man von einem Ehemann erwarten konnte, um ihr zu geben, was sie als Kind hatte entbehren müssen.

Ach, wie sehr wünschte sie sich diese Zeiten zurück. Sie wollte ihren Ehemann zurückhaben. Sie wollte, dass alles wieder so war wie damals, ehe er sich selbstständig gemacht und eine Finanzplanungsfirma mit einem Partner gegründet hatte, von dem er später im Stich gelassen worden war, sodass er sich ganz allein um alle Klienten kümmern musste.

In einem Winkel ihres Herzens wusste sie, dass Tates Antrieb noch immer darin bestand, ihr alle Wünsche zu erfüllen. Er wollte ihr alles bieten, es sollte ihr nie an etwas mangeln. Finanziell. Sie wusste, dass bei ihm das Herz am rechten Fleck war, aber Geld war nicht das, was sie sich am meisten wünschte. Finanzielle Sicherheit war schön und gut, aber auf Kosten einer Ehe? Sie wollte ihren Ehemann zurück. Einen, für den ihre emotionalen Bedürfnisse an erster Stelle standen und nicht die finanziellen. Denn Geld war kein Ersatz für Liebe, kein Ersatz für den Mann, den sie über alle Maßen bewunderte und liebte. Wie sollte sie ihm das begreiflich machen, ohne dass dadurch eine Kluft zwischen ihnen entstand? Eine Kluft, die unter Umständen nicht mehr überbrückt werden konnte. Das kam für sie nicht infrage. Nichts war es wert, Tate dadurch zu verlieren. Ganz bestimmt nicht ihre lächerliche Unsicherheit und die Befriedigung ihrer fast schon klammernden Anhänglichkeit. Diese Dinge waren einfach nicht wichtig, wenn man das Gesamtbild betrachtete. Die meisten Frauen wären dankbar, wenn sie einen Ehemann hätten, der sich jeden Tag ein Bein ausriss, um seiner Frau einen bestimmten Lebensstil zu bieten. Wie sollte man jemandem begreiflich machen, dass materielle Dinge für sie ohne Bedeutung waren, wenn sie auf Kosten ihrer Ehe gingen und zu einer immer größer werdenden Entfremdung zwischen ihnen führten?

»Liebes, was läuft da zwischen dir und Tate?«, fragte Joss, die vor lauter Sorge die Stirn runzelte. »Wir haben so häufig darüber gesprochen, trotzdem beschleicht mich immer wieder das Gefühl, als würdest du uns nicht alles erzählen, oder vor uns zurückhalten, was du empfindest und wie du die Situation erlebst. Machst du dir immer noch Sorgen, dass er fremdgeht?«

Chessy holte tief Luft. Allein der Gedanke, wie flüchtig er auch sein mochte, dass Tate sie betrügen könnte, war so qualvoll für sie, dass sie ihn wegen des Schmerzes, den er ihr bereitete, sofort verdrängte. Sie bedauerte den Moment der Schwäche zutiefst, als sie ihren Freundinnen diese Befürchtung anvertraut hatte, an die sie selbst kaum glaubte.

»Ich weiß, dass er mich liebt«, erklärte Chessy mit fester Stimme. »Ich weiß, dass er mich nicht betrügen würde. Dafür ist er viel zu anständig. Wenn er eine andere Frau wollte, würde er ganz offen mit mir sprechen und mich um die Scheidung bitten.«

Himmel, schon das Wort Scheidung schnitt ihr wie eine rostige Klinge durch Herz und Seele, obwohl sie wusste, dass eine Trennung gar nicht zur Debatte stand. Trotzdem stieg schon bei der Vorstellung, dass ihre Ehe enden könnte, Panik in ihr auf. Das war kein Gedanke, bei dem sie länger verweilen durfte, denn er hatte eine verheerende Wirkung auf sie.

»Aber in der Liebe bereitet man dem Menschen, der einem etwas bedeutet, doch keinen Schmerz«, meinte Kylie leise.

Gerade Kylie hatte vor Kurzem erlebt, wie nah Liebe und Schmerz beieinander lagen und wie schrecklich es war, wenn eine Beziehung zu Ende ging. Wenn sie Jensen keinen Tritt dafür versetzt hätte, dass er die Sache mit Kylie zu ihrem eigenen Besten beendet hatte, wären sie wahrscheinlich immer noch getrennt und würden sich ohne den anderen ganz elend fühlen.

»Er weiß gar nicht, dass er mir wehtut, weil ich es ihm nicht gesagt habe«, erklärte Chessy leise. »Das habe ich mir selber zuzuschreiben. Man kann nicht von ihm erwarten, etwas in Ordnung zu bringen, von dem er gar nichts weiß und dementsprechend auch keine Lösung parat hat. Ich gebe zu, dass ich feige bin. Einerseits will ich ihn einfach bitten, sich nicht mehr so sehr auf die Firma zu konzentrieren, und ihm sagen, dass ich mir nichts daraus mache, viel Geld auf der Bank liegen zu haben, andererseits denke ich, dass ich die Zähne zusammenbeißen und durchhalten sollte, bis sich alles von allein regelt. Dann habe ich meinen Ehemann wieder und alles wird wieder so sein wie früher.«

Joss und Kylie stießen beide einen resignierten Seufzer aus. Schließlich hatten sie schon mehrfach über das Thema gesprochen. Chessy wusste, dass die beiden nicht mit ihr übereinstimmten und auch nichts davon hielten, wie sie das Problem anging, aber sie liebten sie und unterstützten sie ohne Vorbehalte. Dafür liebte sie die beiden über alle Maßen.

Sie wusste, dass die beiden das Recht hatten, ihretwegen frustriert zu sein. Sie hatten ihr jedes Mal geduldig zugehört, wenn sie über ein Problem geklagt hatte, dass sie selbst nicht angehen wollte und noch weniger zu regeln versuchte. Chessy war klar, dass sie eine Vogel-Strauß-Politik betrieb und die Augen davor verschloss, in welchem Zustand ihre Ehe sich befand. Aber sich Gedanken über Alternativen zu machen, würde bedeuten, sich eingestehen zu müssen, dass ihre Ehe in Schwierigkeiten steckte. Und dazu war sie nicht bereit. Noch nicht.

»Freitag ist unser Hochzeitstag«, sagte Chessy und schlug bewusst einen heiteren Tonfall an, um dem Gespräch wieder eine andere, fröhlichere Richtung zu geben. »Tate hat mir einen Abend in dem Restaurant versprochen, in das wir an unserem Hochzeitstag immer gehen. Kein Handy. Keine Klienten, die unterhalten werden wollen. Er will früher Schluss machen und sagt, dass das ganze Wochenende uns gehört. Und«, sagte sie und zog das Wort in die Länge, »er sagt, er hätte Pläne, wie es nach dem Abendessen weitergehen soll, deshalb kann ich es kaum erwarten. Ich glaube dieses Wochenende wird, was meine Unsicherheit und dummen Anwandlungen angeht, Wunder wirken. Ich hätte es nie so weit kommen lassen dürfen. Ich glaube, es war mein Fehler, nicht mit Tate geredet und ihm mitgeteilt zu haben, dass ich unglücklich bin. Aber an diesem Wochenende, wenn wir ganz unter uns sind, habe ich mir fest vorgenommen, mit ihm über alles zu sprechen.«

Auf Kylies und Joss’ Gesichtern zeichnete sich Erleichterung ab.

»Das ist wundervoll, Liebes«, sagte Joss.

»Ich bin so froh, dass du diesen Schritt endlich tust«, erklärte Kylie. »Und ich stimme dir zu. Ein gemeinsam verbrachtes Wochenende ist wahrscheinlich genau das, was du brauchst, um dich besser zu fühlen. Und mit ihm zu reden und ihm zu sagen, wie du dich in letzter Zeit gefühlt hast, ist ein riesiger Schritt in die richtige Richtung. Ich bin mir sicher, dass Tate Himmel und Erde in Bewegung setzen wird, um dich wieder glücklich zu machen. Aber wie du schon selber sagtest: Er muss das Problem kennen, damit er es in Ordnung bringen kann.«

Chessy lächelte und ihr wurde leicht ums Herz, als sich die vorbehaltlose Liebe ihrer Freundinnen wie Balsam auf ihre Seele legte. Der Himmel wusste, dass normalerweise Chessy diejenige war, die Ratschläge erteilte und drohte, Joss und Kylie in bestimmten Situationen zu treten, wenn es um ihr Glück ging. Wie scheinheilig von ihr, die Ratschläge, die sie ihren Freundinnen gab, in den Wind zu schlagen. Wie schnell sie war, ihnen zu sagen, was sie tun sollten, aber wenn vernünftige Ratschläge von ihnen kamen, diese einfach mit Füßen zu treten.

Ab jetzt würde das anders sein. Sie war entschlossen, aus dem Wochenende die schönste Hochzeitstagfeier denn je zu machen. Sie und Tate würden die Liebe wiederentdecken, von der sie wusste, dass sie sie immer noch füreinander empfanden. Sie würden ein wundervolles Wochenende miteinander verbringen, einander lieben und miteinander lachen, und sie würde mit ihm über ihren Kummer sprechen, der mit der Zeit immer größer geworden war. Es war an der Zeit, dass sie aufhörte, sich wie ein rückgratloses Ding aufzuführen, und für ein Leben mit dem Mann eintrat, den sie von ganzem Herzen liebte.

2

Am Freitag saß Chessy an dem Tisch, den Tate in dem Restaurant reserviert hatte, in dem sie ihren Hochzeitstag feiern wollten, und widerstand dem Drang, auf ihre Uhr zu schauen. Es gab eine Million Gründe, warum Tate sich verspäten könnte. Dichter Verkehr oder dass er bei der Arbeit aufgehalten wurde. Das störte sie alles nicht, solange er nur kam und ihr gemeinsames Wochenende endlich begann, so wie er es ihr versprochen hatte.

Am Anfang ihrer fünfjährigen Ehe hatte Tate keine Mühen gescheut, um ihren Hochzeitstag zu einem ganz besonderen Tag zu machen. Einmal hatten sie in diesem Restaurant gegessen, und danach, nachdem sie zu Hause angekommen waren, hatte er ihr aufgetragen zu packen und erklärt, dass sie für eine Woche nach Bora Bora reisen würden.

Die Erinnerung daran zauberte immer noch ein Lächeln auf ihr Gesicht. Sie war so aufgeregt gewesen, weil Tate eine so schöne Überraschung für sie vorbereitet hatte. Gleichsam eine Wiederholung ihrer Hochzeitsreise. Derselbe Bungalow am Wasser. Dasselbe Bett, in dem sie auch in den Flitterwochen geschlafen hatten. Sie hatten den größten Teil der Woche in diesem Bett verbracht und es nur verlassen, um zu essen oder im Meer zu plantschen.

Doch in den letzten zwei Jahren war kein Raum mehr für diese Leichtigkeit gewesen. Sie aßen zwar noch im selben Restaurant zu Abend, aber am nächsten Morgen ging Tate dann immer ganz normal zur Arbeit.

Sie schaute wieder auf die Uhr und seufzte erleichtert. Er war nicht zu spät dran. Sie war im Gegenteil ein paar Minuten zu früh da. Sie beschloss, noch einmal ihr Make-up zu überprüfen, stand auf und eilte zur Damentoilette.

Sie hatte sich heute ganz besonders viel Mühe mit Make-up und Haaren gegeben und ein verführerisches, hautenges Kleid angezogen, von dem sie wusste, dass es eine Reaktion bei Tate hervorrufen würde. Wenn alles gut lief, würde er sie während des ganzen Essens mit den Augen verschlingen, mit dem verheißungsvollen Gesichtsausdruck, der ihr sagte, was er mit ihr machen würde, wenn sie erst wieder zu Hause waren.

Während sie ihr Lipgloss auffrischte und das hochgesteckte Haar zurechtzupfte, lief ein Beben der Vorfreude durch ihren Körper. Ein paar Löckchen hatten sich gelöst und umschmeichelten ihr Gesicht. Sie wusste ohne falsche Bescheidenheit, dass sie heute Abend hervorragend aussah.

Sie ließ ihre Clutch zuschnappen und eilte in der Hoffnung, dass Tate mittlerweile eingetroffen war, zum Tisch zurück. Doch als sie sah, dass sein Stuhl immer noch leer war, erfasste sie Mutlosigkeit. Langsam nahm sie wieder Platz und ließ den Blick durch das Restaurant schweifen, um zu schauen, ob er es zumindest bereits betreten hatte.

Sie entließ einen langen Seufzer, als ihr Handy vibrierte. Schnell öffnete sie ihre Clutch und griff danach, während sie hoffte, dass es Tate war. Dann sah sie seinen Namen auf dem Display.

»Tate? Wo bist du?«, fragte sie atemlos, während sie sich bemühte, auf keinen Fall vorwurfsvoll zu klingen.

»Es tut mir leid, Kleines.« Seine tiefe Stimme schmeichelte ihren Ohren wie Seide, und es lief ihr wie immer ein köstlicher Schauer über den Rücken, als er sie Kleines nannte. »Ich bin gerade, als ich zur Tür hinaus wollte, durch den Anruf eines Klienten aufgehalten worden. Ich brauche wohl je nach Verkehr noch zwanzig Minuten, bis ich bei dir bin. Wenn du möchtest, könntest du schon unsere Bestellungen aufgeben. Du weißt ja, was ich mag. Bis das Essen serviert wird, werde ich dort sein.«

Chessy konnte nicht verhindern, dass sich ihre Mundwinkel nach unten bogen. So lief ihre Beziehung einfach nicht. Tate war ihr Dom, nicht nur ihr Dom, sondern ihr Liebhaber, ihr Ehemann, der Mann, den sie bewunderte – und dem sie von ganzem Herzen vertraute.

Er war derjenige, der die Entscheidungen traf, der das Essen für sie bestellte. Ihr Herz zog sich schuldbewusst zusammen. Sie führte sich wie eine schmollende Zweijährige auf. Er wollte sie einfach nur nicht unnötig warten lassen, trotzdem nahm sie vage wahr, dass er seine Dominanz in letzter Zeit immer seltener in dem Maß ausspielte, das er früher an den Tag gelegt hatte. Immer häufiger war sie gezwungen, Dinge selbst in die Hand zu nehmen und an seiner Stelle Entscheidungen zu treffen.

Das musste auf Außenstehende wirken, als sei sie nicht in der Lage, Entscheidungen zu treffen, als wäre sie so ein hilfloses Ding, das ohne ihren Ehemann aufgeschmissen war. Aber sie hatte die Macht, die Tate über sie hatte, bereitwillig an ihn abgetreten. Sie fühlte sich dadurch geborgen. So drückte Tate seine Wertschätzung ihr gegenüber aus. Sie hatte das Gefühl, dass er sie verehrte, indem er all ihre Bedürfnisse befriedigte – zumindest hatte er das früher immer getan.

Die Beziehung, die sie führten – und wie sie sie führten –, war ganz in ihrem Sinne. Sie hatte sich dafür entschieden, und vielleicht war es die größte Entscheidung, die sie in ihrem Leben gefällt hatte. Sie war eine intelligente, gewitzte Frau und wusste sehr genau, was sie draufhatte. Daran hegte sie keinerlei Zweifel. Aber sie hatte sich entschieden, die Macht über sich auf ihren Dom zu übertragen, und Unterwürfigkeit war nichts für schwache Menschen. Sie wusste, dass sie in ihrer Ehe genauso viel Macht besaß wie Tate. Allerdings eine andere Art von Macht.

»Ich kümmere mich darum«, sagte sie leise. »Fahr vorsichtig. Ich kann es gar nicht erwarten, dich zu sehen, damit wir endlich unseren Jahrestag begehen können und ein ganzes Wochenende für uns haben. Es ist schon so lange her, Tate. Ich kann dir gar nicht sagen, wie sehr ich das brauche. Wie sehr ich dich brauche.«

Darauf trat eine längere Pause ein, und sie verfluchte sich selbst, dass sie dem Abend, noch ehe er begonnen hatte, bereits einen Dämpfer versetzt hatte. Er schien nicht zu wissen, was er auf diesen im Grunde unmissverständlichen Appell erwidern sollte.

»Ich liebe dich. Bis gleich«, sagte sie fröhlich, um den peinlichen Moment zu überspielen, der durch ihren leidenschaftlichen, so bedürftig klingenden Ausbruch entstanden war. Trotzdem, was sie gesagt hatte, stimmte ja. Sie musste ihren Ehemann wiederhaben, und sei es nur für ein Wochenende, ehe die Alltagsroutine sie wieder auffraß.

»Ich liebe dich auch, Kleines«, erwiderte er schroff. »Ich beeile mich, so gut ich kann.«

Nachdem das Gespräch beendet war, hatte sie das Gefühl, in ihrem Magen würde ein Bleiklumpen liegen. Und sie wusste nicht warum. Er würde sich doch nur um zwanzig Minuten verspäten. Gott sei Dank kam er überhaupt. Beim Vibrieren ihres Handys hatte sie damit gerechnet, dass er absagen würde, weil ihm etwas dazwischen gekommen war. Ausgerechnet an ihrem Hochzeitstag.

War es mit ihrer Ehe bereits so weit gekommen? Dass sie immer mit dem Schlimmsten rechnete? Allerdings war genau das in den letzten zwei Jahren immer wieder passiert. Seit sein Partner ausgestiegen war und Tate alle Klienten allein betreuen musste, war er entschlossen, seine Anstrengungen zu verstärken, um keinen einzigen Kunden zu verlieren.

Bis dato hatte er nur einen einzigen Klienten verloren, und er wollte, dass es so blieb. Das bedeutete aber auch, dass er jederzeit erreichbar sein musste. Entweder für Klienten, die sich mit ihm treffen wollten oder ihn in heller Panik anriefen, nachdem die Börse einen schlechten Tag gehabt hatte. Das alles schien kein Ende zu nehmen.

Anfangs hatte Tate gewollt, dass Chessy ihn zu den Geschäftsessen mit seinen Klienten begleitete und die perfekte Gastgeberin spielte. Sie hatten sogar zu kleinen Dinnerpartys eingeladen, die Chessy immer mit Joss’ Hilfe vorbereitet hatte, da Joss eine hervorragende Köchin war.

Aber in letzter Zeit hatte er sie nicht mehr gebeten, ihn irgendwohin zu begleiten. Er hatte nur gleichgültig erklärt, dass es zu viel für sie werden würde und er nicht wollte, dass sie beide von seiner Arbeit vereinnahmt wurden. Zuerst hatte Chessy das als ein Zeichen seiner Fürsorge betrachtet. Aber eine Ehe bedeutete doch Partnerschaft, oder nicht?

Sie glaubte nicht, dass sie Tate je enttäuscht und in Verlegenheit gebracht hatte, aber jetzt überkamen sie paranoide Gedanken, und sie fragte sich, ob er sich ihretwegen schämte? Dass sie ihm zu extrovertiert war, zu quirlig für die gesetzten Klienten mit Geld, für die er arbeitete. Im Rückblick erschien es ihr wie eine weitere Zurückweisung, dass er sie nicht dabeihaben wollte, wenn er seine Klienten unterhielt und mit ihnen ausging. Damals hatte sie das nicht gestört, aber inzwischen versetzte es ihr einen schmerzhaften Stich. War Tate ihrer Ehe überdrüssig? Befriedigte Chessy ihn nicht mehr? Hatte sie etwas getan, wodurch er das Vertrauen zu ihr verloren hatte? In ihre Beziehung? Die Ungewissheit rieb sie auf, und es fiel ihr immer schwerer, ihre wachsende Traurigkeit mit einem breiten Lächeln und verständnisvollen Worten zu übertünchen. Sie belog ihre Freundinnen, obwohl sie wusste, dass die beiden sie durchschauten. Aber allein die Tatsache, dass sie log und so viel für sich behielt, erzeugte bei ihr das Gefühl, eine Schwindlerin der übelsten Sorte zu sein.

Sie schluckte, um den dicken Kloß im Hals loszuwerden, denn sie war wild entschlossen, heute Abend nicht zu weinen, um ihr sorgfältig aufgetragenes Make-up nicht zu ruinieren. Joss und Kylie waren vorbeigekommen, um ihr bei ihren Vorbereitungen für den heutigen Abend mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Sie hatte ihre Unterstützung gebraucht, denn sie zweifelte an sich selbst und hasste dieses Gefühl.

Dass sie sich entschieden hatte, sich Tate zu unterwerfen, machte sie noch lange nicht zu einem hilflosen Dummkopf, der nicht einmal die einfachsten Dinge hinbekam, es sei denn Tate sagte ihr, was sie zu tun und zu lassen hatte. Andererseits waren sein Dasein, seine Fürsorge, seine Wertschätzung zu ihrem Sicherheitsnetz geworden. Sie wusste, dass er sie auffangen würde, wenn sie fiel. Dieses Wissen schenkte ihr Trost. Es gab ihr ein Gefühl der Sicherheit, auf das sie sich verließ. Aber in letzter Zeit fürchtete sie, dass dieses Sicherheitsnetz nicht mehr da war. Es war ein Armutszeugnis für ihre Ehe, dass sie Kylie und Joss häufiger sah und über deren Beziehungen besser Bescheid wusste als über ihre eigene!

Nachdem sie in die Karte gesehen hatte, winkte sie den Kellner zu sich. Eigentlich hatte sie gar keinen Hunger, und ihre Nerven waren zum Zerreißen gespannt, weil sie sich fest vorgenommen hatte, an diesem Wochenende mit Tate über ihre wachsende Unzufriedenheit zu sprechen, und weil sie keine Ahnung hatte, wie dieses Gespräch verlaufen würde.

Einerseits befürchtete sie, dass er entsetzt sein würde, weil er ihr nicht gab, was sie brauchte. Andererseits, er könnte ärgerlich auf sie werden, weil sie kein Verständnis für die Opfer hatte, die er brachte, um für ihre finanzielle Sicherheit zu sorgen. Beide Reaktionen waren möglich, und es machte sie traurig, dass sie gar nicht mehr wusste, was Tate dachte, und deshalb auch keine Ahnung hatte, wie er reagieren würde. Sie stellte sich gern vor, dass er Verständnis zeigen und sich bemühen würde, mehr Zeit mit ihr zu verbringen. Aber die Ungewissheit brachte sie noch um.

Der Kellner eilte an ihren Tisch. Mit leiser Stimme, fast schon krächzend, gab sie ihre und Tates Bestellung auf und bat außerdem um eine Flasche seines Lieblingsweins. Ein spritziger Weißwein, den sie jedes Jahr an ihrem Hochzeitstag tranken. Sie hatten ihn während ihrer Flitterwochen entdeckt und geschworen, damit jedes Jahr auf ein noch besseres Jahr anzustoßen.

Warum hatte sie dann das Gefühl, dass die ganze Welt auf ihren Schultern lastete und sich daran auch nie etwas ändern würde? In den letzten beiden Jahren hatte sie beim Toast auf ein besseres Jahr immer das Gefühl gehabt, kläglich gescheitert zu sein, denn das nächste Jahr war auch nicht besser geworden als das davor. Es war sogar alles immer schlimmer geworden.

Sie war nie so dumm gewesen, zu sagen, es könnte nicht schlimmer kommen, denn das konnte es sehr wohl. Wenn sie Tate nun gestand, dass sie unglücklich war, und er darauf erwiderte, dass er ebenfalls unglücklich wäre und die Ehe beenden wollte? Das war die schlimmste aller Möglichkeiten. Also konnte alles noch schlimmer werden, auch wenn sie sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt fragte, ob sie eigentlich noch verheiratet waren.

Verheiratete Paare gingen nicht so miteinander um, wie sie es taten. Zumindest nicht die Paare, die sie kannte, wobei die Ehe dafür nicht einmal die notwendige Voraussetzung war. Stellten Joss und Dash und Kylie und Jensen die berühmte Ausnahme von der Regel dar? Oder verkörperten sie den Normalfall? Denn Chessys Ehe glich nicht mal annähernd den liebevollen, eng verbundenen Paaren, mit denen sie befreundet war. Und sie hatte nie über den Tellerrand geblickt, denn davor hatte sie, nun ja, eine Heidenangst. Angst vor dem, was sie vielleicht entdeckte. So hatte sie lieber den Kopf in den Sand gesteckt, was sie aber auch nicht wirklich weitergebracht hatte. Eigentlich war sie dadurch nur noch unglücklicher geworden.

Sie wollte nicht wieder auf die Uhr schauen. Stattdessen ließ sie den Blick über die anderen Gäste schweifen und überließ sich ihrem Lieblingsspiel, bei dem sie Mutmaßungen darüber anstellte, was für Menschen hier wohl ihr Abendessen einnahmen.

Ihr Blick fiel auf ein Paar, das gerade zu streiten schien. Die Stimmen wurden lauter, ehe die Frau ihr Gegenüber mit einem lauten »Pst!« zum Schweigen brachte und sich dann verlegen umschaute, ob sie die Aufmerksamkeit der anderen Gäste auf sich gezogen hatten. Chessy sah schnell weg, denn sie wollte das offensichtliche Unbehagen der Frau nicht noch steigern.

Ein Lächeln bemächtigte sich ihres Gesichts, als sie ein älteres Pärchen beobachtete, das über dem Tisch Händchen hielt und sich mit der freien Hand zuprostete. Als der ältere Mann sich vorbeugte, um seiner Frau einen Kuss zu geben, zog sich Chessys Herz zusammen.

Erst als das Essen kam, merkte Chessy, wie viel Zeit vergangen war. Schnell schaute sie auf die Uhr und stellte fest, dass Tates Anruf schon über dreißig Minuten zurücklag. Sie hatte absichtlich ein bisschen mit der Bestellung gewartet und insgeheim gehofft, dass Tate eintreffen würde, bevor das Essen auf dem Tisch stand.

Der Kellner warf ihr einen mitfühlenden Blick zu, bei dem Chessy beinahe die Fassung verloren hätte. Trotzdem bedachte sie ihn mit einem strahlenden Lächeln. »Mein Mann wird in ein paar Minuten hier sein, bevor das Essen kalt wird.«

Der Kellner zuckte gleichgültig die Achseln. Er stellte einen Teller vor sie und den von Tate ihr gegenüber auf den Tisch. Kaum war er gegangen, streckte Chessy die Hand nach Tates Teller aus und platzierte ihn schräg gegenüber von ihrem.

Sie und Tate saßen immer nebeneinander, nie einander gegenüber, sodass sie sich berühren und leise miteinander reden konnten, ohne befürchten zu müssen, dass jemand sie belauschte.

Sie saß da und hatte das Gefühl aufzufallen, weil das Essen vor ihr stand, sie es aber nicht anrührte. Der Duft stieg ihr aufreizend in die Nase. Wo blieb Tate?

Sie schaute nach, ob sie eine Textnachricht erhalten hatte, denn sie hatte ihr Handy beim Betreten des Restaurants stumm gestellt. Vielleicht war ihr der Vibrationsalarm bei einem Anruf oder dem Eingang einer SMS ja entgangen.

Nichts. Chessy holte tief Luft, wählte seine Nummer und wartete, während es klingelte. Sie runzelte die Stirn, als er den Anruf nicht sofort entgegennahm. Und als seine Mailbox anging, zog sich ihr Magen zusammen.

War irgendetwas Schreckliches passiert? Hatte er einen Unfall gehabt? Er ließ doch nie seine Mailbox rangehen. Allerdings rief sie ihn tagsüber sonst gar nicht an. Sie wusste, wie beschäftigt er immer war, und wollte nicht den Eindruck erwecken, als würde sie ihn brauchen oder gar klammern. Auch wenn genau das der Fall war. Sie brauchte ihn. Sie wollte ihren Ehemann wiederhaben.

Ihre Furcht nahm beängstigende Ausmaße an, während sie zusah, wie das Essen immer kälter wurde, je mehr Zeit verging. Sie konnte doch schon mal anfangen. Sollte er doch alleine essen, wenn und falls er kam. Sie wollte einfach nicht glauben, dass ihm etwas passiert war und er Hilfe brauchte, während sie hier auf ihn wartete.

Als eine Stunde vergangen war, kam der Kellner, der offensichtlich darauf wartete, dass sie ging, immer wieder in die Nähe ihres Tisches. Das Restaurant war außerordentlich beliebt, immer gut besucht und die Tische alle reserviert. Eine Stunde reichte völlig aus, um zu speisen und auch noch ein Dessert zu sich zu nehmen. Doch ihr Ehemann war nicht da, es standen zwei unberührte Teller mit Essen vor ihr, und ihr Magen war viel zu verknotet, um auch nur einen Bissen runterzubringen. Sie hatte viel zu viel Angst, zur Damentoilette stürzen und sich übergeben zu müssen.

Tränen brannten in ihren Augen. Sorge rang mit Wut. Die einzige Entschuldigung für eine einstündige Verspätung, obwohl er gesagt hatte, dass er in spätestens zwanzig Minuten da sein würde, wäre ein Unfall oder etwas ähnlich Schreckliches.

Sie griff in ihre Clutch und zählte das Bargeld, das sie dabeihatte, sie hoffte inständig, dass es reichte. Sie wollte nicht warten, während der Kellner ihre Kreditkarte einlas, und dann die Rechnung unterschreiben.

Erleichtert stellte sie fest, dass sie genug Geld hatte und dass es sogar für ein Trinkgeld reichte, obwohl der Kellner wenig mehr getan hatte, als das Essen zu servieren. Essen, das nicht mal angerührt worden war. Sie legte das Geld auf den Tisch und steuerte schnell auf den Ausgang zu. In ihren Augen standen Tränen, weil Tate sie derart im Stich gelassen hatte.

Doch dann überkamen sie Schuldgefühle, weil er vielleicht doch einen Unfall gehabt hatte. Er konnte in irgendeinem Krankenhaus liegen. Nur, warum war sie dann nicht benachrichtigt worden?

Beinahe wäre sie gestolpert, als der elegante Teppich in glatten Marmor überging, der sich an der vornehmen Bar vorbei bis zum Ausgang erstreckte. Sie hatte fast die Tür erreicht, als plötzlich etwas ihre Aufmerksamkeit erregte.

Schockiert blieb sie stehen und starrte Tate mit offenem Mund an. Er saß mit einer Frau an der Bar, hatte einen Drink vor sich stehen und bedachte die Frau mit einem strahlenden Lächeln. Und diese Frau war atemberaubend. Groß, schlank, elegant. Man sah ihr an, dass sie Geld hatte, und sie berührte ihren Mann. Ihre Hand lag leicht, eindeutig vertraulich auf seinem Arm.

Himmel! Er traf sich mit einer Frau im selben Restaurant, in dem er mit seiner Ehefrau hatte zu Abend essen wollen, um ihren Hochzeitstag zu feiern. Wie konnte er es wagen, sich mit dieser Frau in ihrem Restaurant zu zeigen!

Tränen schossen ihr in die Augen. Sie wollte sich gerade abwenden und die Flucht ergreifen, als Tate aufschaute. Sie sah ihm den Schock an. Aber keine Schuldgefühle, eher Zerknirschung. Sie sah, dass er fluchte, denn seine Lippen bewegten sich, als er die Hand hob, um auf seine Uhr zu schauen.

Dann kam er auf sie zu, und endlich gelang es ihr, sich in Bewegung zu setzen, nachdem sie vor Schmerz und Demütigung einen Moment lang wie gelähmt gewesen war. Sie rannte förmlich auf den Ausgang zu, und es war ihr egal, dass sie gar nicht mit dem Auto, sondern mit einem Taxi gekommen war, weil sie vorgehabt hatte, später mit Tate nach Hause zu fahren. Sie hatte seine Zweitschlüssel dabei. Sollte er doch zu Fuß nach Hause laufen.

Sie kochte vor Wut, gleichzeitig strömten ihr Tränen übers Gesicht, sodass sie nur noch verschwommen sehen konnte. Sie raste am Portier vorbei auf den Parkplatz. Tates Escalade stand auf dem mit einem Seil abgetrennten, bewachten Teil des Parkplatzes.

»Chessy!«

Sie zuckte zusammen, als Tate ihren Namen rief. Doch sie lief weiter und sprach ein Dankgebet, dass sie Riemchensandalen anhatte statt hochhackiger Schuhe, mit denen sie sich schrecklich blamiert und bestimmt flach hingelegt hätte.

»Chessy! Verdammt noch mal, bleib stehen! In deinem Zustand kannst du doch nicht fahren. Bitte, bleib stehen und hör mir zu. Bitte!«

Chessy erreichte seinen Wagen und drückte auf den Knopf für die automatische Zentralverriegelung. Sie rannte um das Auto herum zur Fahrertür und riss sie auf. Doch dann war Tate bei ihr und griff nach ihrem Arm.

Mit tränenüberströmtem Gesicht wirbelte sie zu ihm herum. Tate hasste es, sie weinen zu sehen. Früher hätte es ihn fast umgebracht. Aber heute Abend wirkte er verzweifelt, heftiges Bedauern zeichnete seine Züge. Aber für Bedauern war es zu spät. Er war zu weit gegangen, jetzt gab es kein Zurück mehr. Sie hatte die Nase voll.

»Rühr mich nicht an«, stieß sie hervor.

Sie hatte Tate nie Befehle gegeben. Niemals. Das war sein Part. Sie war die Unterwürfige, die Ergebene. Er der Dom. Aber jetzt spürte sie, wie sich die Machtverhältnisse verkehrten. Sie nahm das Ruder in die Hand, was er wollte, war ihr vollkommen gleichgültig.

Sie wollte sich hinters Steuer setzen, aber Tate zog sie aus dem Wagen und nahm sie behutsam in die Arme, als befürchtete er, sie könnte sich wehren und handgreiflich werden. Aber sie hatte genug Stolz, um auf einem öffentlichen Parkplatz nicht noch mehr Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Sie wurde steif wie ein Brett und wich seinem Blick aus, als er mit ihr um den Wagen herumging, sie auf den Beifahrersitz schob und mit ruckartigen Bewegungen anschnallte. Dann sah er ihr in die Augen, sein Blick war hart und unnachgiebig. Ein Blick, für den sie gestorben wäre, ein Blick, nach dem sie sich so lange gesehnt hatte. Warum musste er ausgerechnet jetzt seine Dominanz betonen, nachdem er alles vermasselt hatte und ihr egal war, was er tat?

»Wage es ja nicht, dich vom Fleck zu bewegen«, knurrte er.

Normalerweise hätte dieser Tonfall Chessy vor freudiger Erwartung beben lassen. Der Tonfall, den er anschlug, wenn er ihr Befehle gab. Wenn er sie in Besitz nahm. Wenn er sie benutzte, als würde ihr Körper ihm gehören. Als könnte er mit ihr machen, was er wollte. Doch jetzt war sie so wütend, dass sie kurz davor stand, ihm zu sagen, er könnte sich diesen Tonfall sonst wohin schieben.

Sie blickte starr nach vorn, während Tate ihr vorsichtig die Autoschlüssel abnahm und die Tür schloss. Innerhalb von Sekunden saß er hinter dem Steuer und ließ den Motor an. Fast hätte man meinen können, er hätte Angst, sie könnte aus dem Auto springen. Was sie ernsthaft in Erwägung gezogen hatte, aber dann hätte sie irgendwie nach Hause kommen müssen, was bedeutet hätte, sich vom Restaurant ein Taxi rufen zu lassen oder entweder Joss oder Kylie anzurufen. Beide wären innerhalb kürzester Zeit da gewesen.

Aber dann wäre sie mit der demütigenden Tatsache konfrontiert gewesen, dass ihre besten Freundinnen erfuhren, was für ein katastrophales Ende ihr Hochzeitstag genommen hatte. Ach, verdammt, wahrscheinlich hatten sie von Anfang an den Verdacht gehabt, dass es ein Riesenreinfall werden würde. Schließlich hatten sie deutlich genug gesagt, dass sie sich wegen Chessys Beziehung große Sorgen machten.

Tate fuhr vom Parkplatz hinunter.

»Bitte, weine nicht, Chessy«, sagte er leise. »Es tut mir so leid. Ich hab einfach nicht gemerkt, wie spät es schon war.«

»Wer war das?«, fragte Chessy kalt, ohne auf seine Entschuldigung einzugehen. Worte hatten keine Bedeutung mehr. Taten sprachen viel deutlicher, und seine Taten waren in ihren Augen nur zu tadeln.

Tate warf ihr einen verwirrten Blick zu. »Sie ist eine potenzielle Klientin. Eine sehr wichtige potenzielle Klientin, die ich gern so schnell wie möglich für mich gewinnen würde. Sie wollte mich persönlich sprechen, deshalb hatte ich mich mit ihr in der Bar des Restaurants verabredet, um anschließend mit dir zu Abend essen zu können.«

»Tja, das Essen kam und wurde kalt, weil du dich um mehr als eine Stunde verspätet hast«, erklärte Chessy mit eisiger Stimme.

»Was ist los mit dir, Kleines?«, fragte Tate sanft. »Du bist in letzter Zeit irgendwie anders.«

Ach ja?, sagte ihr Blick, dann sah sie ihn durchdringend an. »Wow! Was für eine Beobachtungsgabe, Tate. Ich bin seit einem Jahr anders, und du bemerkst es jetzt erst? Du vermasselst unser Hochzeitstagessen, weil du einem reichen Flittchen in der Bar des Restaurants, in dem wir zu Abend essen wollten, Honig ums Maul schmierst. Denk mal darüber nach, Tate, und stell dir vor, die Rollen wären vertauscht und du würdest vor zwei Tellern mit kaltem Essen sitzen – und plötzlich siehst du mich im selben Restaurant mit einem anderen Mann an der Bar flirten.«

Sein Blick wurde hart, seine Stimme bekam einen beinahe knurrenden Klang. »Ich würde nie zulassen, dass ein anderer Mann dich berührt, es sei denn, ich befehle es.«

Chessy hätte angesichts dessen, was sie verloren hatten, am liebsten geheult. Dass er ausgerechnet jetzt eine sexuelle Vorliebe erwähnte, die sie beide genossen, aber seit zwei Jahren nicht mehr ausgelebt hatten. Zwei lange Jahre nicht mehr. Und seit einem Jahr hatte er sogar jeden Anflug von Dominanz abgelegt. Fast schien es so, als wäre ein Fremder in seinen Körper geschlüpft und Tate gäbe es gar nicht mehr.

»Ich bin nicht glücklich«, sagte sie und kam damit endlich zum entscheidenden Punkt. »Ich bin schon seit langer Zeit nicht mehr glücklich.«

Tate wirkte schockiert, wirklich und wahrhaftig schockiert. »Was sagst du da?«, fragte er mit rauer Stimme. »Heißt das, dass du unsere Ehe beenden willst?«

Er sah so entsetzt aus, dass einen kurzen Moment lang Hoffnung in ihr aufkeimte, doch dann erinnerte sie sich wieder an all die Male, wo er sie versetzt hatte oder bei Besuchen ihrer Freunde früher aufgebrochen war, weil ihn irgendwer angerufen hatte. Und jetzt hatte er das Abendessen an ihrem Hochzeitstag verpasst, weil er unbedingt mit einer potenziellen Klientin etwas hatte trinken gehen wollen.

Potenzielle Klientin! Dass sie nicht lachte! Diese Frau war auf der Jagd. Das war Chessy völlig klar. Sie war eine Frau und kannte die Signale, die die andere aussandte. Und Tate hatte nichts getan, um sich ihrer zu erwehren. Er war ihrer Berührung nicht ausgewichen. Tate würde durchdrehen, wenn ein anderer Mann sich derartige Freiheiten herausnähme, außer er befahl es ihm. Außer er befahl ihm, ihr Lust zu bereiten, während er zuschaute. Er musste immer alles kontrollieren. Sie konnte sich nicht einmal mehr daran erinnern, wann sie das letzte Mal das Etablissement besucht hatten, wo sie früher so häufig gewesen waren.

Ein Etablissement, in dem man seine sexuellen Vorlieben ausleben konnte. Und niemand verurteilte einen dafür. Niemand verdammte einen. Der Besitzer war Damon Roche, ein sehr wohlhabender Geschäftsmann, und sehr anspruchsvoll, wenn es um die Mitgliedschaft ging. Himmel, soweit Chessy wusste, war ihre Mitgliedschaft ausgelaufen oder man hatte ihre Namen von der Gästeliste gestrichen, weil sie seit zwei Jahren nicht mehr dort gewesen waren.

Sie holte tief Luft. Verdammt, so hatte sie sich das Gespräch mit Tate nicht vorgestellt. Sie hatte sich ein wundervolles Abendessen gewünscht, gefolgt von einer herrlichen Liebesnacht. Es hätte sie nicht einmal gestört, wenn Dominanz mit im Spiel gewesen wäre.

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