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REVOLTE AUF LUNA

 

 

 

 

ROBERT QUINT

 

 

DIE TERRANAUTEN, Band 10:

Revolte auf Luna

 

 

 

Science-Fiction-Roman

 

 

 

 

 

 

Apex-Verlag

Das Buch

 

Man schreibt das Jahr 2500 irdischer Zeitrechnung.

In den Räumen der Mondkerker treffen David und Llewellyn wieder auf Scanner Cloud, der gemeinsam mit seinem Vertrauten Morgenstern erneut an einem Ausbruchsplan arbeitet. Cloud setzt dabei auf seine erotische Beziehung zu Cosmoral Evita Jaschini, einer hochrangigen Offizierin der Grauen Garden, die sich den empathischen Fähigkeiten des Mannes vom Planeten Psyta nicht entziehen kann. Darüber hinaus arbeitet die Computerspezialistin Leande gemeinsam mit Morgenstern an einem Plan, den Zentralcomputer von Luna zu übernehmen...

 

DIE TERRANAUTEN – konzipiert von Thomas R. P. Mielke und Rolf W. Liersch und verfasst von einem Team aus Spitzen-Autoren – erschien in den Jahren von 1979 bis 81 mit 99 Heften und von 1981 bis 87 mit 18 Taschenbüchern im Bastei Verlag. 

Der Apex-Verlag veröffentlicht die legendäre Science-Fiction-Serie erstmals und exklusiv als E-Books.

  REVOLTE AUF LUNA von Robert Quint

 

 

 

Morgenstern betrat die Braune Platte mit einem Gefühl des Unbehagens und verwünschte seinen Entschluss, diese Aufgabe selbst zu übernehmen, statt sie Sigbjorn oder Teschnapur zu überlassen.

Verstohlen tastete er nach dem kleinen Nadler, der sich unter seiner speckigen, aus Kunststoffresten zusammengeschneiderten Jacke kaum abzeichnete. Aber die Waffe verlieh ihm nur wenig Sicherheit, zumal er wenig Neigung besaß, sie gegen die Zentristen einzusetzen.

Er duckte sich und musterte hinter einem Stützpfeiler hervor die trübgelbe Röhre des Treppenschachtes.

Morgenstern lächelte.

Treppenschacht war zuviel gesagt; vermutlich hatte die senkrechte Röhre ihren Namen einem Spötter zu verdanken.

Nur von einer dünnen Reihe kleiner Leuchten fahl erhellt, verband der knapp vier Meter durchmessende Schacht die acht Etagen des Gefangenentraktes. Feste, stählerne Leitersprossen und die niedrige lunare Schwerkraft ermöglichten einen zeitraubenden, aber nicht sehr anstrengenden Auf- und Abstieg.

Morgenstern wusste, dass nur wenig Wahrscheinlichkeit für einen Angriff der Zentristen bestand, aber jedes Mal, wenn er sich den stillen, abgeschiedenen Bereichen der Mondkerker näherte, erfüllte ihn Beklemmung. Die Braune Platte, die unterste Etage tief im Gestein des Mondes, übte eine fast magische Anziehungskraft auf jene Lunahäftlinge aus, die durch die Verhöre der Grauen Garden psychisch zerstört waren und deren Gedanken nun seltsamen, erschreckenden Wegen folgten.

Der kleine, schmale Mann, der hinter dem Stahlträger hockte und argwöhnisch den Eingang zum Treppenschacht musterte, erschauerte unwillkürlich, als er an die Verhöre dachte; Seelentaucher hatten die Psycho-Ingenieure der Garde die kleinen, krötenähnlichen Tiere genannt.

In Wirklichkeit hießen diese Kreaturen Lerroons, nach ihrem Entdecker, einem Astrobiologen aus der Zeit der Ersten Kolonisierungswelle. Sie waren dumm und träge und entsprachen nur wenig dem menschlichen Schönheitsideal.

Erst die Grauen hatten den Lerroons zu einem zweifelhaften Ruhm verholfen; die Tiere sonderten ein Sekret aus, eine natürliche Verteidigungswaffe, fern verwandt mit irdischen Halluzinogenen. Der Wirkstoff zertrümmerte die Kontrollmechanismen des menschlichen Bewusstseins, wirbelte die Erinnerungen eines ganzen Lebens an die Oberfläche.

Ein gutes Hilfsmittel bei Verhören, dachte Morgenstern bitter, während er zögernd und geduckt weiterlief und sich eng an die glatte, metallene Wand des Tunnels hielt. Gerüchten zufolge wirkte das Lerroongift nicht bei allen Menschen, und bei Treibern sollte es völlig versagen, aber in diesem Teil der Mondkerker gab es keine Treiber.  

In der Röhre blieb es still.

Vorsichtig huschte Morgenstern bis an den Durchstieg und blickte hinunter, dann nach oben. Alles war leer. Wie immer um diese Zeit, wenn die Servicematern in den Gemeinschaftsräumen die Rationen ausgaben. Wer in dieser halben Stunde nicht dort war und seinen Daumen auf die ID-Scheibe der Maschine presste, ging leer aus.

Bei dem Gedanken, dass diese Ration für ihn unwiederbringlich verloren war, spürte Morgenstern den kalten Stich des Hungers, der der Begleiter jedes Mondhäftlings war. Das Konzil ließ seine Gegner nicht verhungern, aber die Rationen waren so bemessen, dass man nie richtig satt wurde.

Morgenstern zuckte die Schultern. Im Lauf der fünf Jahre, die er schon auf Luna verbracht hatte, war der Verzicht auf viele Dinge eine Selbstverständlichkeit geworden.

Und wahrscheinlich – dachte der kleine Mann ironisch – hatten sie noch Glück im Unglück. Es gab Gerüchte über Straflager, irgendwo in den Welten der Galaxis, von denen die Verbannten niemals zurückkehrten.

Morgenstern gab sich einen Ruck.

Er vergeudete seine Zeit mit Philosophieren, statt endlich diese leidige Sache hinter sich zu bringen.

Der Häftling ergriff eine der metallenen Sprossen und tastete mit den Füßen nach Halt. Lautlos stieg er nach unten.

Die Braune Platte war – genau wie die anderen Ebenen – in zehn Stockwerke aufgeteilt, und wenn Sheko terLyer keinem Irrtum zum Opfer gefallen war, dann musste sich die Frau in der untersten Etage befinden.

Schließlich nach Ewigkeiten, wie ihm schien, hatte Morgenstern den Boden des Schachtes erreicht, es gab ein leises Knirschen, als sein rechter Fuß über die Stahlbetonwand scharrte, ehe er die Sprossen losließ und fest auf beiden Beinen stand. Früher hatte der Schacht noch viele hundert Meter weiter in die Tiefe gereicht; später wurde das Bergwerk geschlossen, die Stollen aufgegeben und nur der obere Teil zu einem Gefängnis umgebaut.

Die Mondkerker endeten hier in der Braunen Platte. Alles, was darunter lag, war unerreichbar.

Morgenstern spähte durch die Ausstiegsöffnung, Ein gerader, nur ungenügend erleuchteter Tunnel lag vor ihm. In regelmäßigen Abständen mündeten Seitenkorridore in den ehemaligen Bergwerksstollen, aber nichts deutete auf die Nähe anderer Menschen hin.

Kurz rief er sich den Grundriss der Platte ins Gedächtnis und begann, mit weiten, halb schwebenden Sprüngen den Tunnel entlang zu eilen.

Auf dem Mond herrschte nur ein Sechstel der irdischen Schwerkraft, aber Morgenstern beobachtete mit Sorge, wie dieser Vorteil zu einem Nachteil wurde. Die Muskeln, wenig gefordert durch die geringe Gravitation, verloren mit der Zeit ihre Stärke. Früher war es ihm nicht schwergefallen, in kurzer Zeit die Distanz zwischen der obersten Etage und der Braunen Platte zu überwinden, aber nun fühlte er sich bereits erschöpft und atmete schwer.

Verbissen eilte er weiter und ignorierte standhaft die Signale seines leeren Magens.

Noch immer war alles still, doch die Zeit verging rasch, und es konnte nur noch Minuten dauern, bis jeder seine Mahlzeit in Empfang genommen und verzehrt hatte.

Dann konnte es für ihn unter Umständen gefährlich werden.

Endlich tauchte rechts der von terLyer beschriebene Quergang auf. Die hellgrüne, abblätternde Farbe hob sich deutlich von dem dunklen Anstrich der anderen Gänge ab.

Morgenstern blieb stehen, holte schnaufend Luft und horchte.

Jemand schrie.

Der kleine Mann zuckte zusammen und verbiss einen Fluch.

Natürlich, er hatte es erwartet, war darauf vorbereitet, aber seit drei Jahren hielt er sich jetzt zum ersten mal wieder in der Braunen Platte auf. Es war genauso schrecklich wie damals, als er den Psyter begleitet hatte.

Der Schrei klang gedämpft, war fern, von ihm getrennt durch Dutzende massiver Wände, aber er fand seinen Weg durch die Ventilatorschächte und erfüllte gleichmäßig jeden Raum dieser Etage.

Morgenstern schüttelte sich und ging weiter, hinein in den grünen Korridor.

Der Schrei begleitete ihn. Es war nicht zu erkennen, ob es eine Männer- oder eine Frauenstimme war. Die Unterschiede wurden von dem Schmerz und der Angst verwischt, die in der Stimme lagen.

Ein Opfer der Seelentaucher. Einer von denen, die auch nach dem Abklingen des Lerroongiftes nicht den Weg zurück in die Wirklichkeit gefunden hatte und nun jeder für sich durch ihre private Hölle tappten.

Das Gefühl, von verborgenen Augen beobachtet zu werden, trieb dem kleinen Mann den Schweiß auf die Stirn. Mehrmals blickte er sich unvermittelt um, aber auch hinter ihm war alles leer. Nur hier und da klebte an den Wänden ein grauer Punkt, an eine Fliege erinnernd, die in ihren geschäftigen Bewegungen erstarrt war. Eine Mikrokamera.

Die Grauen überließen die Gefangenen sich selbst, aber sie waren trotzdem überall zugegen. Kein Raum, kein Tunnel, kein Gewölbe im Mondkerker, die nicht beobachtet wurden.

Fast! verbesserte sich Morgenstern mit einem schmalen Lächeln. Fast kein Raum...  

Der Häftling verlangsamte seine Schritte, als er das krumme, halb geöffnete Schott vor sich sah. Irgendwann in der Vergangenheit musste sich hier eine Explosion ereignet haben. Ein knapp zehn Meter messender Teil des grünen Korridors wirkte wie eine gigantische Konservendose, in die ein Riese Beulen gedrückt hatte. Das Schott war halb aus der Halterung gerissen.

Morgenstern schlich lautlos bis zu dem mannsbreiten Spalt zwischen Wand und Tür, lauschte wieder.

Jemand summte.

Es klang verzerrt und krank.

Das musste die Frau sein.

Wie hatte der Psyter sie genannt? »Mein Augenstern...«  

Sentimentaler Unfug! dachte Morgenstern mit plötzlichem Zorn.  

Die Frau war verrückt. Völlig verrückt. Kein normaler Mensch konnte so summen.

Morgenstern fröstelte.

Narr! dachte er. Du hättest diesen Job wirklich Teschnapur überlassen sollen!  

Das Vibrieren eines gewaltigen Gongschlages, der in dieser Sekunde durch die Tunnel schepperte, riss ihn aus seiner Starre. Nervös fuhr sich der Häftling mit der Zunge über die Lippen.

Der Psyter hatte gut reden! »Hol sie heraus!« hatte er zu Morgenstern gesagt. »Sie ist ein kleines, verletztes Ding und sehr krank, also behandle sie gut, aber hol sie da heraus!«  

Mit dem Gong verklang auch der entsetzliche, klagende Schrei. Nur das Summen blieb. Morgensterns Hände waren feucht, als er sich entschlossen durch die Öffnung schob und den dämmerigen, kleinen Raum dahinter betrat.

Die Leuchtplatte an der Decke war staubig und mit einem Tuchfetzen bedeckt, gab aber noch genügend Licht ab, um das Innere der metallenen Höhle zu erhellen.

Der Boden war mit glatten, kühlen Kunststoffplatten ausgelegt. In einer Ecke stapelten sich mehrere zerschlissene Decken – und bildeten eine notdürftige Schlafstätte.

Bis auf die Frau war der Raum leer.

Die Frau hockte in der Mitte des Raumes mit verschränkten Beinen auf dem Boden, hatte die Augen geschlossen und summte gleichgültig weiter.

Sie muss einmal sehr schön gewesen sein! dachte Morgenstern nüchtern, aber das musste lange her gewesen sein.  

Jetzt war ihr Gesicht bleich und eingefallen, die Haare hingen ihr wirr und strähnig auf die Schultern, und die Kleidung, die sie trug, verhüllte nur notdürftig die Magerkeit ihres Körpers.

Seit terLyers Rückkehr in die obere Etage schien sie nichts mehr gegessen zu haben.

Empörung flackerte in Morgenstern auf. Man ließ sie verhungern, einfach verhungern. Keiner der anderen Verrückten schien sich um sie zu kümmern.

Morgenstern schnüffelte. Ranziger Geruch lag über dem Raum, und als er zur Seite blickte und die unberührten Behälter mit den allmählich verderbenden Rationen erblickte, musste er den Bewohnern der Braunen Platte Abbitte tun. Offenbar schien jemand Leande zu versorgen. Aber warum aß sie dann nicht?

Die Frau öffnete weder ihre Augen, noch unterbrach sie ihren wortlosen Gesang, als Morgenstern unsicher näher trat, bis er dicht vor ihr stand.

Unschlüssig sah der kleine Mann auf sie hinunter.

Der Haufen Rationenschachteln verriet ihm, dass er nun keine Zeit mehr vergeuden durfte, wollte er nicht riskieren, von den Unbekannten überrascht zu werden, die sich um die Frau kümmerten.

Aber was sollte er tun?

Die Frau war verrückt, und nicht einmal der Psyter mochte ahnen, wie sie reagierte.

Morgenstern räusperte sich.

»Leande«, flüsterte er. »Leande, hörst du mich?«

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