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Coming soon - Comin' out

Frank Böhm

Coming soon - Comin' out


Sämtliche Personen und Handlungen in diesem Buch sind frei erfunden, Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen sind somit rein zufällig und nicht beabsichtigt. Der Inhalt des Buches sagt nichts über die sexuelle Ausrichtung der Covermodels aus. Dieses Buch, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt und darf ohne Zustimmung der Autoren nicht vervielfältigt oder weiterverbreitet werden.


BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

petits enfants

Alles begann in einer Samstagnacht vor ungefähr sechs Monaten in unserem kleinen Café an der Münzstraße. Michi, Pascal und ich waren dort häufiger anzutreffen, um noch den einen oder anderen Absacker zu uns zu nehmen. Meist ist es dort zu fortgeschrittener Stunde schon relativ leer, doch in dieser Nacht war das nicht der Fall. Es standen noch jede Menge Leute an der Theke, die sich angeregt unterhielten und die Musik schallte auch noch bis auf die andere Straßenseite. Ich verstand anfangs überhaupt nicht, weshalb das so war, doch Michael meinte, dass das „Andersrum“ einige Tage wegen Umbau geschlossen hätte. Das erklärte natürlich den Zulauf, das Café an der Münzstraße war schon immer nur der Notnagel für die Schwuppen unserer Stadt, irgendwo mussten sie ja schließlich ihren Frust loswerden, und wenn das „Andersrum“ geschlossen war, blieb ihnen eben nur noch das Café. Ich persönlich konnte den Laden nicht ausstehen, der Eintritt war mir viel zu teuer und die Bedienungen dort hatten es irgendwie nicht drauf.

 

Unser Stammplatz war in jener Nacht natürlich besetzt. Lediglich einen kleinen Vierertisch am Eingang zur Toilette konnten wir noch ergattern. Wir bestellten bei Yasmin, die im normalen Leben eigentlich Christian heißt, drei Weizenbier, fragten nach einem Aschenbecher und wollten gerade beginnen, über das übliche Volk zu lästern. Dann jedoch fiel mir dieser gutaussehende Junge auf, der allem Anschein nach allein und zum ersten Mal im Café war. Michi und Pascal hatten zu dem Moment noch gar keine Notiz von ihm genommen, deshalb versuchte ich, die beiden auf ihn aufmerksam zu machen. Michi jedoch winkte ab und unterhielt sich lieber über die Bauerntölpel, die immer wieder vergeblich versuchten, die besten Sahneschnitten des Abends abzugreifen.

 

„Die sollen es doch lieber unter sich machen, da haben die genügend zu tun“, antwortete Pascal auf die ein oder andere schmale Bemerkung von Michael.

 

Sie schienen sich prächtig zu amüsieren, dabei hatten sie selbst auch schon Ewigkeiten keinen Sex mehr. Das war jedoch nicht mein Problem, ich hatte schließlich andere Dinge im Kopf, war nur noch darauf fixiert, ihn anzusprechen, diesen Traumtypen. Die beiden netten Lästerschwestern waren so vertieft in ihre Gespräche, dass sie es noch nicht einmal bemerkten, als ich den Tisch verließ, um direkt und ohne zu zögern auf meinen „Auserwählten“ zuzugehen. Als er mich sah, drehte er seinen Kopf leicht zur Seite, wahrscheinlich um einen direkten Blickkontakt zu vermeiden. Das nahm mir ein bisschen die Nervosität, sein Verhalten zeigte mir nämlich, dass er ebenfalls alles andere als ruhig war.

 

„Ganz schön langweilig hier, wenn man niemanden kennt, oder?“

 

Die Musik dröhnte so laut wie eine Elefantenherde, ich war mir nicht sicher, ob er mich gehört hatte, denn er stand noch immer mit dem Gesicht von mir abgewandt. Deshalb wiederholte ich den Satz noch einmal etwas lauter.

 

“Ganz schön langweilig hier, wenn man niemanden kennt, odaaaaaa???“

 

„Isch ab disch schon verstanden, isch wusste nur nisch, was ich soll sagen auf die Frage, mir ist nisch langweilisch. Ich gucke mir ier die Leute an, trinke eine schöne Glas Wein und genieße. Übrigens isch bin Jean-Luc.“

 

Er grinste mich an und prostete mir mit seinem Rotweinglas zu. Dabei schaute er mir direkt in die Augen. Er verstand es, mich mit seinen Blicken sofort in seinen Bann zu ziehen. Ich begann, an meiner Menschenkenntnis zu zweifeln, denn dieser Typ war auf keinen Fall schüchtern. Es gab auch nicht den geringsten Grund dazu, da er noch viel besser aussah, als ich von meinem Tisch aus angenommen hatte. Der Typ war der absolute Hammer. Seine Zähne funkelten in dem sonst so kargen Licht, als seien sie mit eigenen Leuchtkörpern versehen. Sein Lächeln faszinierte mich, es bildeten sich zwei Grübchen in seinen Wangen, das war überwältigend – und dann diese absolut perfekte, glatte, gut duftende Haut. Kurzum - ein absoluter Adonis.

 

„Ähhmmm, ich bin Fabian, aber du kannst mich Fabi nennen, so nennen mich eigentlich alle.“

 

„Ah, oui, das ist ein sehr schöner Name, n'est pas? Kann isch mir gut merken. Alors, da du mir nun stellen wirst die Frage, wo er isch komme, werde isch es dir gleisch erzählen. Isch bin aus die Norden von Frankreisch, wie isch soll sagen, es ist eine Stadt, die eist Lille. Isch weiß nisch, ob du kennst das. Sie ist in die Nähe von belgische Grenze“

 

„Doch hab ich schon gehört!“

 

„Das ist nisch so oft in Deutschland. Die meisten kennen nur Paris, oder Bordeaux und die Côte d'azur, vielleisch auch noch die Bretagne, aber ist egal. Du kennst das und isch freu misch. Bestimmt nur wegen die Fußballclub. Isch lebe ier seit ein paar Monaten, spresche nisch so gut Deutsch …“

 

„Du sprichst hervorragend Deutsch. Wenn ich Französisch so gut könnte wie du Deutsch, dann …“

 

„Du Schelm, du. Bestimmt du kannst gut.“

 

Seine Lippen zogen sich breit bis an die Ohren, sodass seine Zähne mich erneut zu blenden begannen. Was hatte ich Trottel da nur gesagt? Oh mein Gott. Bis heute schwöre ich, dass ich diesen Satz wirklich hätte anders formulieren können.

 

Diese Doppeldeutigkeit, die ich da so lapidar von mir gegeben hatte, war mir schon ziemlich peinlich. Ich weiß es nicht genau, aber mein Kopf musste mindestens so rot wie ein Feuermelder gewesen sein. Außerdem kam ich mir so plump vor. Da ich nicht wusste, was ich in diesem Moment tun sollte, nahm ich meine Zigaretten und zündete mir eine davon an.

 

„Möchtest du auch eine?“, fragte ich Jean-Luc mit unsicherer Stimme.

 

„Normalerweise isch rauch nisch mehr!“, antwortete er mir noch immer grinsend. „Aber wenn du misch fragst so …“, fuhr er fort, „… isch kann nisch sagen non! Ja, wenn du mir kannst geben eine davon, es wäre sehr nett.“

 

Allmählich wurde er wieder ernster. Die Hitze in meinem Kopf und die wohl damit verbundene Röte klangen ebenfalls ab. Ich wischte mir den Schweiß von der Stirn und hielt ihm meine Schachtel hin. Warum war ich nur so nervös?  Und weshalb tat er so, als sei er die Ruhe selbst? Diese Situation und die riesige Portion Unsicherheit in meinen Adern - all das brachte mich völlig durcheinander. Als Jean-Luc beim Herausnehmen einer Zigarette zufällig meine Hand berührte, fühlte ich mich, als sei der Frühling in mir ausgebrochen, meine Gefühle spielten von einer Sekunde auf die andere völlig verrückt.

 

Nur dieser eine kurze Hautkontakt hatte dafür gesorgt, dass eine Überdosis Hormone in meinem Körper ausgeschüttet wurde. Ich wusste nicht, was in diesem Moment in mir vorging, ich spürte nur, dass es unbeschreiblich schön und außergewöhnlich war, so etwas hatte ich in meinem Leben zuvor noch nicht erlebt. Kaum wich seine Hand zurück, so wollte ich mehr davon, unmittelbar war ich süchtig nach diesen kurzen Momenten, so sollte es immer sein, mir fehlten die Worte, es war einfach völlig übersinnlich und unverständlich für mich.

 

Ich nahm ein Feuerzeug und knipste es an. Die Flamme flackerte vor seinen leuchtenden Augen. Nun konnte ich deren Farbe sehen. Sie waren blau. Es war ein himmlisches Blau, das mich nur dahinschmelzen ließ.

 

Dann kam erneut seine Hand, diesmal wurde sie um meine Rechte gelegt und da war es schon wieder – dieses neue, märchenhafte, süchtig machende, umstürzende, völlig verrückte Gefühl. Meine Finger zitterten, er hielt sie für einen Moment fest. Für einen kurzen  Augenblick schloss ich die Augen, meine Unterlippe bebte, ich hatte Mühe, dass meine Zähne nicht zu klappern begannen. Noch heute frage ich mich, weshalb ich ihn in diesem Moment nicht einfach geküsst habe.

 

„Warum du bist so nervos? Isch merk dies.“

 

Erst jetzt bemerkte ich, dass meine Zigarette völlig heißgeraucht war. In mir loderten Flammen, ein Feuer war ausgebrochen, aber ich wollte es nicht löschen – nein – stattdessen brauchte ich mehr davon. Dann sah ich wieder diese leuchtenden Zähne. Machte er sich über mich lustig? Auf keinen Fall. Es war ein freundliches Lächeln, ein sympathisches Grinsen, französischer Charme.

 

„Isch arbeite ier an ein Projekt, für ein französisch Unternehmen. Dauert isch weiß nisch … ein oder zwei Jahr. Meist isch bin zu aus, aber an diese Tag isch abe die Zimmerdecke gesehen auf meine Kopf. Nun bin isch in diese Bistro und du auch und es ist eine gute Sach …“

 

Seine Lippen waren so voll, so perfekt, sein Akzent vielleicht ein wenig lustig, doch er passte zu ihm, machte ihn vollständig. Wenn dieser Mensch ein fehlerfreies Deutsch gesprochen hätte, dann wäre es nicht dieser Jean-Luc gewesen. Die Gedanken, die in dem Moment durch meinen Kopf rasten, waren wie eine Flut neuer Eindrücke, ich dachte, ich sei in einem Paradies und er wäre der Schlüssel dazu. Ein weiteres Mal schaute er mir tief in die Augen. Meine Knie wurden weich wie Butter, mein Herz begann zu schlagen, ich hörte keine Musik mehr. Alle Sinne waren nur noch auf ihn fixiert.

 

„Nun sag schon, warum du bist so nervos? Du muss nisch sein so.“

 

Ich zuckte mit meinen Schultern, er hatte völlig die Oberhand über mich gewonnen.

 

„Ok! Wir machen so. Isch kaufe ier nun eine kleine Schnaps für disch und eine kleine für misch und wir trinken die. Dann wir erzählen ganz locker über kleine Dinge und du muss nicht sein, als kommt Erz in Ose und isch muss nisch sein so. Wir sind doch keine petits enfants, n’est pas?“

 

„Häh …???“

 

Ich wusste nicht, was er von mir wollte.

 

„Wir sind doch keine kleine Kinder, n’est pas?“, wiederholte er.

 

„Ach so!“, antwortete ich und lächelte unsicher.

 

Er bestellte zwei Grappa, nahm einen tiefen Zug von seiner Zigarette, drückte mit seinem rechten Zeigefinger ein paar Mal auf der Kippe herum und prostete mir zu. Er hatte Recht. Kinder waren wir nicht mehr, ich zitterte trotzdem noch und mein Herz war auch gerutscht – doch es war mir nicht unangenehm.

 

Meine beiden Kumpels waren wahrscheinlich schon auf dem Weg nach Hause. Ich hatte das zwar nicht mitbekommen sondern lediglich festgestellt, dass der Tisch, an dem wir anfangs saßen, nun von zwei Vollidioten belagert wurde, die ihren Frust mit jeder Menge Hochprozentigem zu ertränken versuchten, doch das alles war mir völlig einerlei. Jean-Luc war ja nun da – und das war viel interessanter. Ich spülte den Grappa wie Wasser herunter, obwohl ich seinen Geschmack nicht ausstehen konnte. Das bekam mir zwar nicht, denn ich und diese Art von Alkohol waren schon immer zwei verschiedene Welten gewesen, ich wollte mir jedoch nicht die Blöße geben und kneifen.

 

Da er mir kaum Zeit ließ, mein Glas zu leeren, war ich binnen kurzer Zeit so besoffen, dass ich jedes Wort von ihm auch auf Französisch verstanden hätte. Yasmin hat sich in dieser Nacht bestimmt eine goldene Nase an uns verdient. Wie hoch die Rechnung ausfiel, kann ich leider nicht sagen, denn ich habe irgendwann nichts mehr mitbekommen. Außerdem kann ich mich ebenfalls nicht daran erinnern, ob ich noch auf zwei Beinen aus dem Lokal gehen konnte oder ob ich getragen werden musste.

 

Am nächsten Vormittag fand ich mich dann völlig verkatert in einem Schlafzimmer, das ich nicht kannte, wieder. Ich wurde von frischem Kaffeeduft und einem heiteren Pfeifen, was beides wohl aus der Küche kam, geweckt. Schlaftrunken und halbwegs morgenmuffelig tapste ich in meinem T-Shirt und meiner Unterhose in die Richtung, aus der ich Duft und Geräusche vernahm. Meine Haare waren völlig durcheinander, auf dem Weg dorthin versuchte ich, sie noch zu richten, es war jedoch unmöglich, sie so schnell in die passende Form zu bringen, deshalb kapitulierte ich auf halbem Wege.

 

„Ah gute Morgen, du ast ausgeschlafen?“

 

Jean-Luc stand perfekt gestylt und gut duftend vor mir. Er hatte bereits den Tisch gedeckt, Milchkaffee gemacht und Croissants aufgebacken. Von einer durchzechten Nacht war ihm, im Gegensatz zu mir, nichts anzusehen.

 

„Wenn du wills, du kanns gehen duschen, oder wollen wir erst essen?“

 

Ich nickte! Erst etwas essen war eine gute Idee, denn mein Magen knurrte wie ein brüllender Löwe.

 

„Du siehst süß aus wenn du bis so mude. Ich mag dies …“

 

Er lächelte mir zu und ich erwiderte nur ein müdes Nicken. Wie gern hätte ich geantwortet, doch irgendwie bekam ich keinen Ton heraus.

 

„Isch glaube, dass du weiß nisch, wie du bis ier er gekommen, oder? Irgendwann wir waren so betrunken, dass isch abe eine Taxi gerufen, dass uns gefahren at. Isch kannte nisch deine Wohnung, deshalb du bis ier.“

 

Ich hatte einen absoluten Filmriss. Nach dem sechsten Grappa war alles ausgelöscht. Schlecht für mich, denn ich wusste auch nicht, was zwischen uns passiert war. Hatten wir miteinander geschlafen, nur gekuschelt oder haben wir etwa nur brav nebeneinandergelegen wie es „petits enfants“ getan hätten? So sehr ich auch überlegte, mir fiel es nicht ein. Mein Kopf dröhnte, ich war froh, als mir der erste Schluck Kaffee die Kehle herunterlief und ich zumindest wieder ein wenig Leben in meinem Körper verspürte.

 

„Isch werde gleisch joggen gehen. Kommst du mit? Isch kann dir auch geben ein paar Klamotten von mir. Das is nich die Problem.“

 

Auch das noch. Musste das denn tatsächlich sein? Ok, ich willigte ein, denn ich wollte auf jeden Fall den Tag mit ihm verbringen, obwohl ich wusste, dass ich mich wahrscheinlich aufgrund meines Konditionsdefizits völlig zum Affen machen würde. So trat es dann auch ein. Bereits nach fünfhundert Metern hechelte ich mir die Lunge aus der Kehle doch Jean-Luc hatte nichts Anderes zu tun, als neben mir weiter auf der Stelle zu laufen und mich mal wieder mit einem strahlenden ...

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