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Chancen, Risiken, Folgen 2

Urlaub...

Schon auf dem Flug nach Sandakan geraten Joshua und ich uns in die Haare. Das passiert oft, doch diesmal endet der Streit mit stundenlangem Schweigen. Es geht um unseren Freund Daniel, der anscheinend das Ufer gewechselt hat. Er hat uns nach Malaysia gerufen, damit wir ein Schiff überführen, mit dem er seinen ‚Freund‘ von einer Insel abholen will. Tomaso heißt der Kerl, und wenn ich mal für mich reden darf, ist das mehr als nur ein Freuuund.

Daniel hat eindeutig verliebt geklungen, da bin ich mir sicher, während sich Joshua strikt weigert, mir Glauben zu schenken.

„Daniel eine Schwuchtel? Niemals“, waren seine letzten Worte vor einigen Stunden.

Soll Joshua doch schmollen, ich habe meinen Ipod und bin daher beschäftigt.

„Sehr verehrte Gäste“, erklingt endlich die Stimme des Flugkapitäns, „wir landen in wenigen Minuten…“

Ich blende die Durchsage aus und wende mich Joshua zu, der die ganze Zeit geschlafen hat. Er blinzelt jetzt, gähnt unverblümt, streckt sich und schenkt mir dann ein Lächeln.

„Sind wir schon da?“

„Sieht so aus“, brumme ich eingedenk des Streites, der mir immer noch gut im Gedächtnis haftet.

Joshua ist da ganz anders gestrickt als ich und – wie immer – nach einem Schläfchen gut gelaunt. Er guckt aus dem Fenster und seufzt tief.

„Mann, bin ich froh, dass Daniel uns diesen Urlaub bezahlt. Stell dir nur vor, wir müssten den Flug und so selbst übernehmen.“

Da hat mein Freund wirklich recht und eigentlich ist es auch egal, ob Daniel schwul ist oder nicht. Ich bin nicht homophob, es ist nur so, dass ich an meinen Arsch niemanden lassen würde, außer den Urologen. Okay, man muss sicher nicht unbedingt Analverkehr haben, auch wenn man auf Kerle…

„Hey, guck mal, das Meer“, unterbricht Joshua meine Gedanken.

„Ja ja, Wasser weit und breit“, murmele ich.

„Aber dieses Wasser ist grün“, begeistert sich mein Freund.

Manchmal war es allerdings schon erregend, wenn Dr. Bottleneck mir seinen Finger …

„Oh, und guck mal, die ganzen Yachten“, freut sich Joshua.

„Ja ja“, nuschele ich und verdränge des Doktors Finger aus meinem Kopf.

„Ich bin ja sooo gespannt auf die Insel. Hey, meinst du wirklich, wir halten das aus? Drei Wochen nur du und ich?“, labert mein Nachbar weiter.

„Klar. Das werden wir wohl hinkriegen“, antworte ich und bin in diesem Moment so gar nicht mehr überzeugt.

Sicher, Joshua und ich sind seit der Schule befreundet, doch noch nie länger als vierundzwanzig Stunden zusammen allein gewesen. Wir planen zwar, Robinson Crusoe nachzuspielen, und werden dadurch genug zu tun haben, aber wenn sich mein Freund weiter zu einem Plaudertäschchen entwickelt, drehe ich durch.

„Wo Daniel nur das viele Geld herhat. Ob er geerbt hat?“, plaudert Joshua weiter und ich blende einfach aus.

Das kann ich nämlich sehr gut, schließlich habe ich drei Schwestern.

 

Daniel empfängt uns am Flughafen und bringt uns in ein Mittelklassehotel, wo wir unser Gepäck ablegen und erst mal zum Hafen fahren, um das Schiff zu inspizieren. Ich staune nicht schlecht, als ich die fast zehn Meter lange, schneeweiße Yacht ansehe, die Daniel uns zeigt. Wow! Zum Glück hat Joshua einen Segelschein, denn – ehrlich – so ein Kaliber habe ich noch nie geführt.

„Wahnsinn, Alter“, sagt dieser gerade und schlägt Daniel auf die Schulter, „hast du im Lotto gewonnen oder…“

„Abfindung vom Schiffsunglück“, sagt unser Freund lapidar und grinst dabei.

„Oh Mann, ich wünschte, ich wäre mit von der Partie gewesen“, schwafelt Joshua.

Daniel hebt die Augenbrauen und schüttelt den Kopf.

„Oh nein, das hätte dir nicht gefallen, zwei verrückte Kerle dabei zu beobachten, wie sie Robinson spielen.“

„Sag mal, dieser Tomaso, ist er dein Freund oder ist er dein Lover?“, mische ich mich nun ein.

„Beides“, gibt Daniel offen zu.

Joshua fällt die Kinnlade herunter. Ich nutze die Laberpause, um an Bord zu gehen und mich dort umzusehen. Zwei Kabinen und massig Stauraum, der allerdings bereits vollgepackt ist mit Kartons und Taschen. Es schaut aus, als plant Daniel, auf diese Insel zu ziehen. Ich gucke mich noch in der Pantry um und dann geht’s in den Maschinenraum. Als Klempner interessiere ich mich natürlich für solches Zeug wie Schrauben, Rohre und Ähnliches. Gut, Motorschlosser bin ich nicht, jedoch ein Autofreak, weshalb ich mich mit dem Kram ganz gut auskenne.

„Dieses Teakdeck ist ein Traum“, erklärt Joshua gerade, als ich wieder an Deck komme.

Daniel verdreht die Augen und grinst mich an. Ich zwinkere zurück und wir lassen unseren Freund weiterspinnen, während Daniel mir seine Pläne erörtert.

„Ich werde morgen mit dem Fallschirm über der Insel abspringen. Ihr werdet wohl zehn Tage brauchen, wenn ihr auf direktem Weg und bei gutem Wind segelt.“

„Klingt gut. Gibt es auch einen Knebel an Bord?“, frage ich mit Seitenblick zu Joshua, der sich gerade verliebt auf das Holzdeck gekniet hat.

„Du weißt doch, wie er ist“, meint Daniel gutmütig. „Sag ihm einfach, er soll den Mund halten, dann schmollt er stundenlang.“

Oh ja, daran kann ich mich erinnern. Auch der Grund für unseren Streit fällt mir wieder ein und ich würde Daniel nur zu gern ausfragen, doch dieser wirkt irgendwie unruhig und scheint es eilig zu haben, uns loszuwerden.

„Die Liegegebühr ist bis morgen bezahlt, und wenn ihr Fragen habt, könnt ihr euch an den Hafenaufseher wenden, er ist inzwischen ein guter Freund von mir. Lasst uns mal das Navigationszeug gemeinsam ansehen, ich muss nämlich bald los und noch einiges vorbereiten“, sagt Daniel und wir gehen gemeinsam runter in die Kabine.

 

„Ich kann’s immer noch nicht fassen“, meint Joshua, während wir unserem Freund ...

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