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Chancen, Risiken, Folgen 1

Sissi Kaipurgay

Chancen, Risiken, Folgen 1

Schiffbruch (Gay Romance)





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Chancen, Risiken, Folgen 1: Schiffbruch

 

„Verflixt. Mein ganzes Make-up ist futsch“, jammert Tomaso und guckt mit Triefaugen rüber zu dem sinkenden Schiff, das wir gerade mit einem der Rettungsboote verlassen haben.

„Ein echtes Problem“, murmele ich ironisch und lege mich weiter in die Ruder.

Es handelt sich um eines dieser altmodischen Boote, keine der modernen Rettungsinseln. Was mit dem Rest der Besatzung geschehen ist, weiß ich nicht. Als ich merkte, dass das Schiff Schlagseite bekam, fand ich nur noch Tomaso in einer Koje, alle anderen waren leer und das zweite Rettungsboot war verschwunden. Da ich gelernt habe, mit solchen Situationen umzugehen, und dazu auch einen kühlen Kopf bewahren kann, habe ich Tomaso befohlen, seine nötigsten Sachen zusammenzuraffen und mir an Deck zu folgen.

Der kleine Kerl hat meinen Befehl tatsächlich befolgt und kam einige Sekunden nach mir am Rettungsboot an. Es blieb gerade noch Zeit, das Boot loszumachen und hineinzuspringen, da gurgelte auch schon Wasser von unten durch die Luke, aus der gerade noch Tomaso gekommen war.

Nun schwimmt diese Nussschale irgendwo im Pazifik zwischen Borneo und tausenden kleiner Inseln, von denen im Augenblick leider keine in Sicht ist. Es dämmert und die ersten Sonnenstrahlen schleichen sich über die spiegelglatte Meeresoberfläche. Wenn ich nicht gerade schwitzend wie ein Schwein am Rudern wäre, ich würde den Anblick genießen. Wenigstens kann ich jetzt unsere Umgebung besser sehen und meine, dort hinten ein Inselchen ausgemacht zu haben, auf das ich jetzt zuhalte.

„Das Rudern steht dir“, meint Tomaso süffisant und leckt sich über die Lippen.

Er hat aus seinem Status nie ein Geheimnis gemacht und trägt seine sexuelle Ausrichtung wie ein Schild vor sich her. Die Klamotten sind tuckig und seine Sprache auch. Ich verabscheue ihn nicht, es ist eher Mitleid, das ich für ihn empfinde. Er ist ganz in Ordnung, und solange er mir vom Leib bleibt, kann ich mit ihm auskommen.

 

Die Sonne steht schon hoch am Himmel, als wir die Insel endlich erreicht haben. Ich schätze das Eiland auf ungefähr einen Kilometer in der Breite, die Tiefe muss ich erst noch erforschen. Tomaso hilft mir, das Boot weit auf den Strand hinaufzuziehen, damit es nicht von den Wellen davongetragen werden kann.

„Nett hier“, meint er nach einem Rundumblick.

Seine Gelassenheit gefällt mir, da ich eigentlich mit einem hysterischen Ausbruch gerechnet habe. Doch Tomaso inspiziert seelenruhig die Vorräte, die in jedem Rettungsboot untergebracht sind, und beginnt, das Zeug in einen Rucksack zu stopfen.

„Was hast du vor?“, frage ich neugierig.

„Na – die Insel erkunden“, sagt Tomaso und hebt erstaunt die gezupften Augenbrauen.

„Ooookay.“ Ich schnappe mir meine Tasche und packe den Kram ein, der nicht mehr in Tomasos Rucksack passt. Auch ein Sender ist unter den Sachen, mit dem wir ein Notsignal generieren können, wenn denn die Batterien noch frisch sind.

„Auf geht’s“, ruft Tomaso, schultert den Rucksack und stapft durch den Sand auf die Palmen zu.

 

Das Innere der Insel ist paradiesisch. Außer den allgegenwärtigen Palmen finden sich Sträucher mit Beeren, ein Süßwasserfluss und eine Stelle, die geeignet für den Bau eines Unterstandes ist. Tomaso wirft den Rucksack ab und holt ein Beil heraus. Verlegen grinsend hält er es mir entgegen und murmelt dabei: „Ist wohl eher was für dich.“

 

Logbuch Tag 1: Ich habe ein Buch und ein paar Stifte unter der Notfallausrüstung gefunden. Heute haben wir eine einfache Hütte errichtet, bestehend aus ein paar Stämmen und Palmwedeln als Dach. Das Plätschern des Flusses macht schläfrig und Tomasos Gesumme auch. Ob der Kerl mal ruhig sein kann? Wenigstens quatscht er nicht die ganze Zeit, wie sonst an Bord. Eigentlich ist er eine angenehme Gesellschaft, ich hätte es schlimmer treffen können.

Tomaso hat unweit unserer Lagerstelle ein paar Kornähren gefunden und redet jetzt die ganze Zeit von einem Kornfeld, das er anlegen will. Soll er doch mit der Gabel oder der Axt den Boden roden und das Zeug säen.

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