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Cafehaus-Geschwätz

Veronique Rosen

Cafehaus-Geschwätz

Gedanken und Gespräche bei Kaffe und Kuchen


"In Liebe für Jo, der mein Leben grundlegend verändert hat!"


BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Caféhaus-Geschwätz“

 

Gedanken und Gespräche

bei Kaffee und Kuchen

 

erzählt von

 

Veronique Rosen

Der Kaffee!

 

Eine Liebeserklärung an das göttliche Getränk!

 

Wir trinken ihn im Flieger,

im Auto und auf dem Boot!

Wir trinken ihn ohne alles,

zu Kuchen oder Brot!

Wir trinken ihn im Zimmer,

auf der Straße oder im Cafe!

Wir trinken ihn braun und

mit Schaum getupft wie ein Reh!

Wir trinken ihn,

wenn der Tag erwacht!

Wir trinken ihn zum munter bleiben

tief in der Nacht!

Wir trinken ihn kalt oder heiß!

Wir trinken ihn schwarz oder weiß!

Wir trinken ihn als Espresso,

Cappuccino oder Latte mit Schuss!

Aber in jedem Fall ist und bleibt er ein

 

H o c h g e n u s s !

 

(selbst)

 

Vorwort

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

 

Sie haben dieses Büchlein gekauft, weil Sie vielleicht selbst gern im Cafe sitzen oder weil es Sie interessiert, was Ihre Mitmenschen dazu bewegt, ihre Freizeit im Cafe zu verbringen. Gerne würden wir doch auch mal ein Gespräch am Nachbartisch belauschen. Den meisten von uns verbietet aber die gute Erziehung, dies zu tun. Aber mal ehrlich: Plagt uns nicht alle ein bisschen die Neugier? Nichts interessiert die Menschen so sehr, wie das Leben der anderen! Diesem natürlichen „Trieb“ möchte ich mit diesen Geschichten Rechnung tragen.

Ich besitze selbst ein Cafe in einer Kleinstadt und möchte Ihnen die lustigsten, merkwürdigsten, aber auch ernsteren Geschichten aus der Sicht meiner Gäste erzählen. Vielleicht kommt Ihnen ja die eine oder andere Situation bekannt vor.

 

 

Langeweile XXL!

Ich öffnete die Augen und wusste: Es war ein Tag wie viele andere, seit ich in den wohlverdienten Ruhestand gegangen war. Sicher, mein Leben war auch vorher nicht besonders aufregend gewesen. Und jetzt? Na, was soll`s.

Ich stellte fest, dass es gleich Mittag war. Die Fernsehnacht war wieder etwas lang geworden. In der Früh war ich bereits kurz aufgestanden, um die Rollos zu öffnen. Man muss ja schließlich den Schein wahren und will nicht als „Müßiggänger“ gelten. Die Morgen- (was ja eigentlich eine Mittags-) toilette war, war schnell erledigt. Das Gefühl allerdings beim Blick in den Spiegel war auch nicht gerade umwerfend. Die Dauerwelle musste unbedingt erneuert werden. Na, ja, ein Mann kam sowieso nicht mehr in Frage. Deshalb hatte ich auch den Aufwand für gutes Aussehen auf ein Minimum reduziert. Auch die Kleidung war nicht mehr die beste. Nur auf ein gutes „Duftwässerchen“ legte ich noch großen Wert. Das stellte aber auch kein großes Problem dar. Denn bei meinem täglichen Rundgang durch die Parfümerien fand ich immer das eine oder andere Tester Fläschchen

Wohlriechend und guter Dinge landete ich in meinem Lieblings Café. Während ich ausgiebig frühstückte, blickte ich in die Runde. Die Bedienung schien heute auch nicht gut drauf zu sein. Und dieses Paar am Nachbartisch ging mir auch tierisch auf die Nerven. Sie ließen sich über die Erziehung der Enkelkinder aus. Wahrscheinlich waren das verzogene Gören mit schlechten Noten und einer großen Klappe. Manchmal, in einer stillen Stunde, habe ich es bedauert, dass mein Friedrich und ich keine Kinder hatten. Aber wenn ich das so höre, bin ich heilfroh, dass mir das erspart geblieben ist. Die beiden am Nachbartisch zahlten und gingen. Gott sei Dank! Ich kaute weiter an meinem Brötchen und hing wieder meinen Gedanken nach. In diesem Augenblick ging die Tür auf, und ein „Wesen“ betrat das Cafe, das eher an eine Presswurst als an eine Frau erinnerte. Gefärbte Haare, enges, kurzes Oberteil und ein roter Gürtel, der die Fettwulst am Bauch in zwei Teile trennte. Schauerlich! Aber einen Stapel Papiere unterm Arm! Hauptsache, wichtig aussehen! Sie entschwand schlurfenden Schrittes – weil sie in den hochhackigen Schuhen nicht richtig laufen konnte – auf der Terrasse des Cafés. Ich schaute auf die Uhr. Meine Bekannten waren wieder nicht gekommen. Schade! Mit der Frau konnte ich mich gut unterhalten. Ihr Mann schien immer desinteressiert und vertiefte sich in seine politischen Zeitungen. Ob sie sich zu Hause über Themen daraus unterhielten? Glaube ich eher nicht.

Wenn keiner kommt, werde ich eben in einer der neuesten Illustrierten blättern. Das Leben der Reichen und Prominenten ist immer interessant. Besonders, wenn es wieder einmal eine Frau geschafft hatte, ihren reichen “Noch-Ehemann“ um ein paar Millionen zu erleichtern. Geschieht ihm recht! Die Ehefrau ist an seiner Seite gealtert, und der nimmt sich so eine junge „Tussi“. Das dicke Bankkonto lenkt sicher von den Runzeln in seinem Gesicht ab. Aber eben nicht lange.

Mir fiel plötzlich ein, dass ich die Bedienung schon vor 10 Minuten um die Rechnung gebeten hatte. Es schien sie nicht zu interessieren. Ich muss mich wohl noch einmal lautstark melden. Schließlich will ich noch durch diverse Geschäfte bummeln. Vielleicht treffe ich ja dort noch den einen oder anderen für einen Plausch. Danach muss ich mich aber sputen, um nach Hause zu kommen. Schließlich fängt dann meine Lieblingssendung an. Wird bestimmt wieder ein langer Fernsehabend! Aber morgen ist ja auch noch ein Tag! Ich muss mir nur den Wecker wieder stellen, damit ich nicht vergesse, die Rollos zu öffnen.

 

 

Das Ritual!

Es war ein Morgen wie jeder andere auch. Er begann wie jeder Tag in meinem Leben, seit mein Herbert vor einem Jahr gestorben ist. Er sah mich jeden Morgen von dem Foto auf meinem Nachttisch mit seinen großen, sanften Augen an, als wollte er mir sagen: „Hallo, mein Schatz! Aufstehen! Das Leben geht weiter!“ Wie recht er hatte! Also, raus aus den Federn und unter das kalte Wasser. Das Leben hatte mich wieder.

Ich liebe die Ordnung und die Regelmäßigkeit. Herbert und ich zelebrierten jeden Morgen das gemeinsame Frühstück. Das war vorbei. Also, was tun? Ich wollte auf keinen Fall alleine frühstücken! Meiner Nachbarin konnte ich früh auch nicht schon auf die Nerven gehen. Sie hatte einen kranken Mann und selbst genug Probleme. Meine Freundin lag fast bis Mittag im Bett. Sie sah lange fern. Angeblich wegen der aufregenden Serien. Das ich nicht lache! Sie war schon immer ein heißer Feger und genoss wahrscheinlich in den entsprechenden Sendungen die Sex-Praktiken, die sie entweder aus Scham oder auf Grund fehlender Gelegenheiten (was ich eher annehme) nie ausleben konnte. Aber das war ihre Sache. Wenn sie Spaß daran hatte – meinetwegen! Es sei ihr gegönnt!

Nun hatte ich aber meinen Morgenkaffee immer noch nicht. Da fiel mir das kleine Cafe ein paar Straßen weiter ein. Es lag in einer Seitengasse weitab vom Rummel der lauten Fußgängerzone. Dort war ich auch schon des Öfteren mit meinem Herbert am Sonntagnachmittag gewesen. Ach, ja, mein Herbert! Er fehlte mir an jeder Ecke – damit meine ich natürlich nicht die Straßenecke! So, jetzt wollte ich aber gehen. Mir fehlte der Kaffee, damit mein Kreislauf wieder auf Trab kam.

Ich brauchte nicht lange bis zum Cafe. Schon der Name an der Tür rief bei mir Assoziationen (Vorstellungen) von duftendem Kaffee hervor. Herrlich! Ich suchte mir ein ruhiges Plätzchen im Nichtraucherbereich (mein Herbert und ich waren überzeugte Nichtraucher, was natürlich unseren Geldbeutel freute).Mir kam in den Sinn, dass es ja eigentlich idiotisch ist, innerhalb e i n e s Raumes von Raucher- und Nichtraucherecken zu sprechen. Aber wie so vieles im Leben machte auch dieses keinen Sinn. Aber was soll`s! Ich werde schon nicht gleich sterben.

So, ich hatte meinen Platz. Hinter dem Tresen scherzte eine nicht mehr ganz “taufrische“ Dame mit einem Gast. Ich freute mich, dass es immer noch Menschen gab, die schon morgens lustig waren.

Die Bedienung kümmerte sich sofort um mich. Sie hatte mich wieder erkannt und fragte sofort nach meinem Mann. Sie konnte ja nicht wissen, dass er nicht mehr lebte. Manchmal gab es noch einen Stich ins Herz, wenn ich darüber sprechen musste. Sie fragte nach meinen Wünschen, und ich bestellte mir einen Kaffee. Etwas leiser bat ich sie darum, mir diesen mit viel Kaffeesahne und – wenn möglich – zwei von den leckeren Plätzchen zu bringen. (Was ja hoffentlich nicht zum Ruin des Inhabers führte.) Mir waren diese Kekse in Erinnerung geblieben, weil sie selbst gemacht und nach guter Butter schmeckten – wie früher bei meiner Großmutter. Ach, ja, früher! Wie lange das schon her war. Aber es sind schöne Erinnerungen. Wie ja fast alles aus der Vergangenheit (das Schlechte wollen oder haben wir vergessen).

Ich genoss meinen Kaffee und meine Plätzchen. Mit Wohlwollen betrachtete ich meine Umgebung. Ja, das gefiel mir!

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