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Blutstropfen #8: Im Verborgenen

Blutstropfen #8

Im Verborgenen

von Rowena Crane

Der Umfang dieses Buchs entspricht 635 Taschenbuchseiten.

Celine ist eine talentierte Malerin, die für einen erfolgreichen Verlag illustriert. Doch sie trägt ein Geheimnis mit sich, das nur wenige Menschen kennen. Sie entschließt sich, den längst fälligen Urlaub zu nehmen, und fliegt nach Rumänien mit der Absicht, das Land mit einem Mietwagen zu bereisen.

Doch kaum hat sie einen Fuß in dieses Land gesetzt, überfällt sie das merkwürdiges Gefühl, als wäre sie schon einmal hier gewesen. Obwohl der Urlaub für sie herrlich beginnt, stellt sie fest, dass sie beobachtet und verfolgt wird. Ständig wird sie damit konfrontiert, dass sie einer anderen Person aufs Haar gleicht. Allmählich wird ihr Urlaubstrip zu einem Höllentrip ...

Vorwort

Familie kann Halt geben,

Familie kann Hilfe sein,

Familie kann Liebe geben,

Familie kann ein Anker sein!

Doch dazu bedarf es enger Bande.


Lass sie nicht zerreißen!

Lass sie dir nicht nehmen!

Kämpfe um sie!

Beschütze sie!


Die Zeit rinnt!

Ich bin da! Wir sind da!

Wir sind füreinander da!




Erinnerungen

„Wie kann man nur so einen Mist verzapfen”, stöhnte Celine und rieb sich über die Stirn. Sie las gerade in einem Manuskript über blutrünstige Vampire, was ihr total zuwider war. Sie konnte diesen Figuren einfach nichts abgewinnen. Entweder waren sie unwiderstehlich schön oder grottenhässlich und blutgierig.

Die Leute könnten sich ja mal entscheiden, wem sie den Vorrang geben wollen. Celine seufzte. Darauf würde sie wohl lange warten können. Es gab eben diese zwei Parteien. Die Romantiker und die, die auf das Brutale und den Horror standen.

Celine arbeitete für einen größeren Verlag als Illustratorin und Lektorin. Die Arbeit gefiel ihr, denn sie war dort nie irgendwelchen Zwängen unterlegen. Und doch hatte sie sich breitschlagen lassen, mehrere Bilder zu dem Inhalt dieses Romans zu illustrieren.

Ronaldo Verrensi, der Chef der Abteilung, hatte ihr das Manuskript über den Schreibtisch geschoben.

„Die Leser werden es lieben. Deine Illustrationen werden dem das Sahnehäufchen aufsetzen. Ich weiß, du magst keine Vampirgeschichten. Aber du wirst das schon machen.”

Celine hatte die ersten Seiten überflogen und die Nase gerümpft.

„Das ist ja widerlich. Die schlachten ja schon auf den ersten Seiten die halbe Menschheit ab.”

Ronaldo hatte aufgelacht, weil er ihre Aversion kannte.

„Es kommt noch schlimmer”, hatte er ihr verraten und gegrinst. Celine hatte das Manuskript, das er für sie ausdrucken und heften lassen hat, wieder zugeklappt.

„Tu mir das nicht an! Janett oder Mirco können sich damit beschäftigen. Mirco ist jünger als ich und kann sich bestimmt viel besser mit diesem Material anfreunden.” Celine hatte gehofft, dass er einlenken würde. Aber er schenkte ihr darauf sein charmantestes Lächeln.

„Celine, also bitte. Du bist in den besten Jahren und siehst noch jünger als fünfunddreißig aus. Hier fragen sich alle, wie du das machst. Ich bitte dich darum, die Bilder zu machen. Du bist nun mal die Beste.”

„Quatsch! Die anderen beiden sich auch gut”, hat sie ihm aufgebracht widersprochen. Sie mochte es nicht, so hervorgehoben zu werden.

„Das sind sie. Ohne Zweifel”, bestätigte er ihre Aussage und sah sie dann stirnrunzelnd an. „Hm, du scheust dich vor dieser Herausforderung, traust dir das nicht zu. Du überrascht mich, Celine.” Spott hat in seiner Stimme mitgeklungen. Sie hat ihn danach nur noch böse angefunkelt und sich dann das Manuskript geschnappt, denn er hatte ihren Stolz getroffen. Ronaldo wusste immer genau, wie er sie rumkriegen konnte.

„Bastard. Dafür will ich den doppelten Betrag”, hatte sie wütend gefaucht, als sie die Tür seines Büros hinter sich zuschlug. Sie hat ihn noch lachen gehört, was sie noch wütender werden lassen hat.

Mirco war ihr auf dem Flur entgegengekommen und hatte zu grinsen angefangen.

„Ich vermute mal, dass er es geschafft hat, dir die blutsaugenden Monster aufzuschwatzen.” Seine Arme hielt er zombiähnlich hoch und mit zu Klauen geformten Händen war er auf sie zugekommen. Dazu machte er schnarrende Geräusche und sprach mit krächzender Stimme: „Komm her, schöne Maid! Ich will dein Blut.”

Celine hat leise lachen müssen und dann so getan, als würde sie in ihrer Tasche etwas suchen. „Warte! Warte!”

Mirco war weiter auf sie zugegangen und stand nun dicht vor ihr. Plötzlich hatte er etwas Hartes durch sein Shirt gespürt, das auf sein Herz zielte.

„Tot”, hatte Celine ihm simpel mitgeteilt und spöttisch aufgelacht. „Vampire sind einfach nur dämlich.”

Mirco tat so, als würde er zusammenbrechen. Dann stimmte er in ihr Lachen mit ein und legte eine Hand an ihren Arm.

„Du machst das schon. Bis jetzt hast du alles super hinbekommen.”

Celine freute sich über seine Ermunterung. Jedenfalls war das besser gewesen, als das Gestichel von Ronaldo. Mirco lud sie noch zu einer Tasse Kaffee in dem kleinen Lokal in der Straße ein. Gern hatte sie die Einladung angenommen.

Als sie so zusammensaßen, hatte er sie wie beiläufig gefragt, warum sie mit niemandem zusammen war. Sie wäre doch eine schöne Frau. Da müsste es doch genug Verehrer geben.

Celine mochte dieses Thema nicht, aber wollte ihn mit einer schroffen Antwort nicht vor den Kopf stoßen. Also hatte sie ihn angelächelt und wie aus Jux gefragt, ob er sich in die Reihe stellen wollte. Zu ihrer Überraschung bekam Mirco etwas mehr Farbe im Gesicht.

„Wenn du mich lassen würdest, dann würde ich gern mit dir meine Tage und Nächte verbringen”, gestand er ihr.

Celine hatte kurz ihre Augenlider niedergeschlagen, weil sie sich nach diesem Geständnis gerade sehr unwohl gefühlt hatte. Doch dann hatte sie ihren Blick fest auf ihn gerichtet und versucht, diese Situation zu entspannen.

„Entschuldige mal, Mirco. Aus welchem Liebesroman hast du das gerade gecovert.”

„Keinem. Ich meine es genauso, wie ich es sage”, hatte er ihr mit einem ernsten Gesicht versichert. Celine hatte tief eingeatmet und innerlich geseufzt, bevor sie ihm entgegnet hat: „Das kann nicht sein. Ich mag dich auch. Aber sei mir nicht böse. Ich bin mindestens zehn Jahre älter wie du.” Sie hatte ihn nicht verletzen wollen. Doch auf die harte Tour war es schmerzloser.

„Siehst aber nicht älter aus als dreißig. Du scheinst nicht zu altern”, hatte er für sich argumentiert.

„Das kommt noch. Glaub mir! Ich werde in ein paar Jahren ein halbes Jahrhundert alt”, hatte sie ihm hörbar seufzend mitgeteilt, was er aber selbst genau wusste.

Ein halbes Jahrhundert, hatte sie gesagt. Wo war die Zeit geblieben? Celine hatte weiter argumentiert, warum nur eine Freundschaft zwischen ihnen okay war. Aber was er sich eventuell vorstellte, war nicht akzeptabel. Jedenfalls nicht für sie.

Mirco hatte es ihr nicht nachgetragen. Sie hoffte, dass sie weiter Freunde bleiben konnten.

Celine strich sich über ihre langen schwarzen Haare, in denen sich nicht eine graue Stelle zeigte. Sie wunderte sich manchmal selbst über ihr Aussehen. Es war, als wäre für ihren Körper die Zeit stehengeblieben. Nicht, dass sie das schlecht fand. Aber es war schon verwunderlich. Sie war schlank und an den richtigen Stellen weiblich proportioniert. Die schwarzen Haare rahmten ihr schmales Gesicht ein. Wenn sie in den Spiegel sah, blickte sie in zwei dunkelbraune Augen, die von langen geschwungenen Wimpern umrandet wurden. Celine fand ihre Augen immer zu groß für ihr Gesicht, weil ihre Haut sehr hell war. Sie wusste, dass sie anziehend auf das männliche Geschlecht wirkte und hatte auch versucht, Beziehungen aufzubauen. Jedoch hatten diese nie lange gehalten. Ihr Wesen war den Männern angeblich immer zu kalt gewesen. Besonders, wenn es um Sex ging. Sie hatte nie viel Freude daran und verspürte auch kein Verlangen danach. Wahrscheinlich war sie frigide. Also hatte sie der Männerwelt abgeschworen. Es gab eben nicht den Richtigen für sie in dieser Welt. Schließlich war sie nicht die einzige Frau mit diesem Problem, das es für sie angeblich nicht mehr war. Dafür hatte sie eine besondere Gabe, die sie zu ihrem Beruf gemacht hatte. Wenn sie jetzt ein gutes Manuskript las, sah sie Bilder in ihrem Kopf, die sie dann auf das Papier brachte. Celine tauchte den Pinsel in die Farben, die ihr ihre Vorstellungen zeigten, und brachte sie dann in kürzester Zeit auf das Papier. Genau so konnte sie auch mit den verschiedensten Stiften umgehen. Es dauerte nicht lange, bis eine Illustration fertig war. Andere Illustratoren würden viel mehr Zeit benötigen. Sie hatte dann schon drei Bücher gelesen und fertig gestaltet.

Nie hat sie jemandem von ihrem besonderen Talent erzählt. Ihr inneres Warnsystem funktionierte sehr gut. Es hatte ihr bisher beim Malen und Zeichnen niemand über die Schulter geschaut, und sie würde auch niemanden lassen. Zu viel Neid und Gehässigkeit gab es auf der Welt. Außerdem wollte sie nie auffallen und im Rampenlicht stehen. So, wie es jetzt war, war es gut.

Naja, nicht ganz. Celine fehlte ein Teil ihres Lebens. Sie wusste nicht, wer sie war, woher sie kam und wer ihre Mutter und ihr Vater waren. Es war etwas geschehen, was ihr vor vielen Jahren die Erinnerung genommen hatte. Sie sah nur vereinzelte verschwommene Bilder, wie sie ziellos durch einen Wald gestolpert war, aber nicht, wie sie dahin gelangt war. Blut hatte auf ihrer schmutzigen und zerrissenen Kleidung geklebt. Es war wohl ihr eigenes gewesen, denn sie hatte am Körper mehrere Wunden und einen gebrochenen Arm gehabt. Nach einer für sie unendlich lang gefühlten Ewigkeiten war sie am Rand einer Lichtung, wie sie durch ihren getrübten Blick angenommen hatte, kraftlos vor Hunger, Kälte und Schmerz zusammengebrochen. Dort hatte ein Dorfbewohner sie gefunden und sie in sein Haus gebracht. Viele Tage hatte sie mit hohem Fieber gelegen und war nicht ansprechbar gewesen. Von seiner Frau wurde sie liebevoll, ja schon mütterlich, umsorgt und wieder gesund gepflegt. Als Celine das erste Mal mühsam ihre Lider hob, hatte sie das erleichterte Aufatmen der Frau gehört. Das Ehepaar hatte gemeint, dass sie dem Tod nahe gewesen war und wohl einen Schutzengel an ihrer Seite hat.

Nachdem sie etwas zu Kräften gekommen war, hatten sie Celine mit Fragen überhäuft, die sie nicht verstanden hat, denn sie sprachen nicht ihre Sprache. Doch nach kurzer Zeit hatte sie gelernt, sich mit den beiden zu verständigen. Wenn auch holprig, aber doch so, dass die beiden begriffen, dass sie ihre Vergangenheit verloren hat. Celine konnte sich an nichts mehr erinnern. An rein gar nichts. Alles war gelöscht, wie eine Festplatte. Man hatte ihr dann erklärt, dass sie sich in einem kleinen Dorf befand, in dem nur wenige Menschen lebten. Dieses Dorf lag unweit der ukrainischen Grenze, aber in Russland mitten im Wald, fern ab einer befestigten Straße. Die wenigen Menschen lebten von der Jagd und dem, was sie zum Leben anbauten. Es waren einfache Menschen, die mit dem zufrieden waren, was sie hatten. Sie hatten gemeint, dass es dieses Dorf bald auch nicht mehr geben würde, weil es die jungen Leute in die Städte zog.

Celine war bei dem Ehepaar über ein Jahr geblieben und hatte ihren Rettern nach ihrer Genesung geholfen, wo sie nur konnte. Aber die Amnesie war ihr geblieben.

Als einer der weggegangenen Kinder mit seinem Jeep seine Eltern besuchen gekommen war, hatte sie ihn gebeten, sie mitzunehmen. Er hatte es gern getan. Sergej hatte dann dafür gesorgt, dass sie Papiere bekam und eine Arbeit, damit sie Geld verdiente. Seit dem hieß sie Celine Melesch, geboren in einem kleinen Dorf in Russland. Ihr neues Geburtsjahr war eine Schätzung gewesen, was sie als völlig unwesentlich erachtet hat und es immer noch tat. Sie hatte endlich wieder eine Identität, mit der sie nach vorn schauen konnte.

Das erste Jahr war nicht leicht gewesen. Sie hatte sich mit verschiedenen Jobs in Moskau durchgeschlagen. Es hatte immer gerade so gereicht. Wenn sie es sich leisten konnte, hatte sie sich Papier und Farben gekauft, um zu malen. Es war für sie zu einer Leidenschaft geworden. Mit Sergej hatte sie immer noch in enger Verbindung gestanden und tat es auch jetzt noch, indem sie sich per Email regelmäßig schrieben. Sie waren gute Freunde geworden. Er hatte sie damals in ihrer kleinen Wohnung des Öfteren besucht. Ihre Bilder bewunderte er und meinte, dass sie sie verkaufen sollte. Zuerst hatte Celine es abgelehnt und nur gelächelt, denn sein Lob schmeichelte ihr. Aber sie zum Verkauf anzubieten, traute sie sich nicht zu, weil sie meinte, dass er doch etwas übertrieb. Sergej hatte sich nicht beirren lassen, denn er war hartnäckig geblieben, wofür sie ihm immer noch sehr dankbar war. Er hatte ihr einen Vorschlag unterbreitet, den sie rigoros abgelehnt hat. Aber er wischte ihre Argumente beiseite, schnappte sich einfach ihre Mappe vom Tisch und ließ sie schimpfend in der Wohnung zurück. Sergej war geradewegs nach Hause gefahren und hatte seiner Frau Lydia die Mappe auf den Schoß gelegt. Sie hatte ihn fragend angesehen. Mit einem Lächeln hatte er gemeint, dass sie einen Blick hineinwerfen und ihm dann ihre ehrliche Meinung dazu sagen soll. Lydia hatte still jede einzelne Arbeit genau angesehen und dann die Mappe wieder zugeklappt. „Wo hast du die her?”, wollte sie nun von ihm wissen. Aber er hatte nur den Kopf geschüttelt. „Zuerst deine Meinung bitte”, war seine beharrliche Forderung. Lydia war von den Bildern begeistert. Sergej hatte triumphierend gegrinst und ihr mitgeteilt, dass er es eigentlich auch erwartet hat und verriet ihr dann, wer die Künstlerin war. Lydias Augen waren vor Überraschung groß geworden, denn das hatte sie nicht erwartet. Sergej konfrontierte sie dann mit seiner Idee, über die seine Frau eine Weile nachdenken musste. Doch dann hatte sie genickt und gemeint, warum auch nicht.

Lydia und er arbeiteten bei einem großen Verlag, der ab und zu ein Werk von unbekannten Illustratoren illustrieren ließ. Der Gewinner erhielt ein ansehnliches Honorar und eine Einladung zur großen Buchmesse. Celine hatte dann in dem Jahr den Preis für die beste Arbeit erhalten. Und damit begann ihr Weg als Illustratorin. Das Honorar hatte sie genutzt, um ein Studium zu absolvieren. Schließlich wollte sie es professionell machen, und dafür war ihr ein staatlich anerkanntes Schriftstück wichtig. Jedenfalls sah sie das so. Neben dem Studium hatte sie hin und wieder ein paar Bücher illustriert, die ihr der Verlag angeboten hatte. So hatte Celine immer noch eine Einnahme, die sie gut gebrauchen konnte.

So waren ein paar Jahre vergangen. Das Studium hatte sie mit einem ausgezeichneten Ergebnis abgeschlossen, worauf sie sehr stolz war. Doch mit ihrer finanziellen Situation hatte es nun nicht mehr so rosig ausgesehen. Schließlich konnte sie nicht einfach auf Glück darauf warten, dass der Verlag ihr ein Manuskript zum Illustrieren zusandte. Celine hat für sich Sicherheiten gewollt. Eine Festeinstellung, das war ihr Wunsch gewesen. Doch der Verlag hatte ihre Bewerbung abgelehnt, was sie sehr bedrückt hatte.

Wieder waren Lydia und Sergej die rettenden Engel gewesen. In Deutschland fand die alljährliche Buchmesse in Frankfurt statt. Dort wollte auch ihr Verlag seine Werke präsentieren. Die beiden gehörten mit zu der Delegation, die den Verlag vertreten sollten. Sie hatten gewollt, dass Celine sie dorthin begleitete. Aber Celine hatte nur mit dem Kopf geschüttelt und ihnen erklärt, dass sie sich den Flug nicht leisten konnte. Erst recht nicht ein Hotelzimmer und den Rückflug schon gar nicht. Doch die Freunde hatten nur gelächelt und gemeint, dass sie sich darüber keine Gedanken machen müsste. Das wäre schon alles geregelt. Trotzdem hatte Celine nicht so richtig verstanden, was sie auf dieser Messe sollte. Lydia hatte nur mit der Achsel gezuckt und gesagt, dass sie zwei der Bücher vorstellen sollte, die sie illustriert hatte. Andere Verleger würden gewiss aufmerksam auf sie werden. Und dann würde man sehen, was dann folgt.

Und so war es auch.

Dort war Ronaldo Verrensi auf sie zugekommen. Er hatte ein Buch in der Hand und es ihr vorgelegt. Auf Englisch hatte er sie dann angesprochen, sich vorgestellt und um ein Autogramm gebeten. Celine hatte ihn erstaunt angesehen und gefragt, warum. Das Komische an der Sache war aber auch, dass sie ihn verstanden hatte. Sie beherrschte also die englische Sprache. Ronaldo Verrensi hatte ihr ein ehrliches Lächeln geschenkt und ihr offenbart, dass er ihre Illustrationen exzellent fand. Sie stellten nicht nur eine bestimmte Szene dar, sondern sie drückten Gefühle aus. Celine hatte sich sehr über diese Anerkennung gefreut und ihren Namen ins Buch geschrieben. Als sie es ihm zurückgab, lud er sie zu einem gemeinsamen Abendessen ein. Celine war verunsichert und hatte einen Blick zu Lydia geworfen. Die hatte ihr aufmunternd zugenickt, worauf Celine dann zusagte. Als er sich entfernte, hatte sie ihm nachdenklich hinterher gesehen. Dieser Verrensi gefiel ihr auf eine Art. Er war groß und schlank, gut aussehend. Schwarzes Haar, leicht gebräunte Haut und elegant gekleidet. Seine braunen Augen hatten sie genau beobachtet. Er hatte auf sie den Eindruck gemacht, dass er ein Mann war, der genau wusste, was er wollte und es auch meist bekam. Sie vermutete, dass er Italiener oder Spanier war.

Lydia hatte sie aus ihren Gedanken gerissen, indem sie sich zu ihr setzte.

„Das ist Ronaldo Verrensi, ein niederländischer Verleger. Himmel, was für ein Hübscher. Hast du ein Glück!”, sagte sie mit einem Lachen und setzte noch einen wehmütigen Seufzer hinterher. Wieder einmal hatte sie die Freundin verständnislos angesehen.

„Was meinst du?”

„Wenn er dich zum Essen einlädt, will er garantiert, dass du für ihn arbeitest”, hatte Lydia ihr ernsthaft mitgeteilt. Unsicher, mehr ungläubig, hatte Celine sie gemustert.

„Meinst du wirklich?”

Das war etwas, was sie sich nun überhaupt nicht vorstellen konnte. Schon der Gedanke war ihr absurd erschienen. Doch Lydia hatte mit Überzeugung genickt. „Da bin ich mir ganz sicher.”

„Und was muss ich tun?”, hatte Celine skeptisch gefragt. Schließlich hatte sie schon allerhand gehört. Und das war nicht gerade erquickend. Ins Bett würde sie auf keinen Fall mit ihm gehen, nur um eine Festanstellung zu bekommen.

Lydia hatte an zu lachen gefangen und dann mit dem Kopf geschüttelt, weil sie wusste, was in Celines Kopf vorging.

„So einer ist der nicht. Der will Profis an seiner Seite wissen. Nur so kann man Gewinne erzielen. Sein Verlag ist kein unbekannter”, hatte sie ihr versichert.

„Aber dann muss ich ja wegziehen”, war Celine plötzlich eingefallen. Diese Aussicht hatte sie erschreckt, denn in Lydia und Sergej hatte sie gute Freunde gefunden. Sonst hatte sie doch niemanden. In der Fremde wäre sie ganz allein. Einsam.

Lydia seufzte. „Das ist das Einzige, was mir auch nicht gefällt. Aber nach mir und Sergej geht es nicht. Du musst dein Leben leben. Hier wird dir eine Chance gegeben. Ergreif sie!”, hatte sie erwidert und ihr freundschaftlich die Hand auf den Arm gelegt. „Wir werden immer Freunde sein und in Verbindung bleiben.“ Dann war sie aufgestanden und hatte sich wieder ihrer Aufgabe gewidmet.

Lydia hatte Recht behalten. Ronaldo Verrensi hatte Celine wirklich den Job bei sich im Verlag angeboten. Er hat sehr gut über ihre Person Bescheid gewusst und gemeint, dass der andere Verlag ziemlich dumm war, ihr Talent nicht für sich zu beanspruchen. Celine hatte gewagt, ihn zu fragen, woher er die Informationen über sie hat. Doch das verriet er ihr nicht, sondern lächelte hinreißend. „Ich informiere mich immer über die Leute, die ich beabsichtige in meiner Firma zu beschäftigen. Eine Katze im Sack kann viel Unheil anrichten, wenn man sie herauslässt. Das will ich nicht riskieren”, gab er ihr zu verstehen.

„Aber Sie kennen mich doch gar nicht”, hatte Celine entgegnet. Ich kenne mich ja nicht einmal selbst, hatte sie noch still für sich gedacht.

„Das, was ich über Sie erfahren habe, reicht mir. Es wäre wünschenswert, wenn Sie so schnell wie möglich nach Amsterdam kommen könnten, um Ihren Job anzutreten.”

„Ich hab doch noch gar nicht zugesagt.” Kopfschüttelnd und mit einem vorwurfsvollen Blick hatte sie ihn angesehen. Dieser Mann war sich so sicher wie das Amen in der Kirche, dass sie sein Angebot annahm.

„Was haben Sie zu verlieren?”, hatte er gefragt und dabei provokant eine Braue nach oben gezogen.

„Freunde”, war ihre Antwort.

Ronaldo Verrensi hatte sich Zeit mit einer Erwiderung gelassen und sie gemustert.

„Das verstehe ich. Aber Sie werden sie nicht verlieren. So oft Sie wollen, können Sie doch mit ihnen telefonieren, sich Emails zusenden oder mit ihnen chatten. Und Sie werden neue Freunde finden”, hatte er dann zu ihr gesagt.

Celine hatte ihn angesehen, um zu prüfen, ob er es nur so daher sagte, weil er sie für sich als die talentierte Arbeitskraft einfangen wollte. Doch sie hatte feststellen müssen, dass er sie selbst mit einem ernsten Blick bedachte und geduldig wartete. Weil Celine nichts entgegnete, sprach er weiter. „Sie müssen sich nicht sofort entscheiden. Obwohl, wenn ich ehrlich bin, würde ich mich freuen, wenn Sie es täten. Doch so ein Schritt ist nicht immer einfach. Falls Sie auf mein Angebot eingehen, werde ich dafür sorgen, dass Sie eine möblierte Wohnung bekommen. Einen Vorschuss erhalten Sie ebenfalls. Den Vertrag lege ich Ihnen im Verlag vor, den wir dann besprechen.”

Celine war wie betäubt gewesen. Das hatte all ihre Erwartungen übertroffen. Nie hätte sie gedacht, dass sich so schnell jemand für ihre Arbeit interessieren würde. Und dann noch ein bekannter Verleger. Eigentlich hatte sie sich bereits entschieden, doch sie hatte noch mit Lydia und Sergej sprechen wollen.

Die waren ganz aus dem Häuschen gewesen, als sie von dem Angebot hörten. Beide hatten ihr geraten - sie mehr gedrängt - den Job unbedingt anzunehmen. Und nicht nur das. Da Celine zurzeit sowieso keine feste Arbeit hatte, meinten sie, dass sie dann auch gleich nach Amsterdam aufbrechen könnte. Was sie aus ihrer kleinen Wohnung haben wollte, das würden sie ihr schicken.

Am folgenden Abend hatte Celine sich erneut mit Ronaldo Verrensi getroffen und ihm ihren Entschluss mitgeteilt. Er war sichtlich erfreut gewesen und hatte ihre Hand ergriffen.

„Sie werden es nicht bereuen.”

Am nächsten Tag hatte er bereits alles in die Wege geleitet. An seiner Seite war Celine nach Abschluss der Messe mit nach Amsterdam geflogen. Dort wurden sie vom Flughafen abgeholt. Man hatte sie gleich zu ihrer neuen Wohnung gebracht und am nächsten Morgen abgeholt, um die vertraglichen Dinge zu regeln. Als sie den Vertrag mit einem Lächeln unterschrieb, hatte er ihr nochmals versprochen: „Sie werden es nicht bereuen.”

Und das hatte sie nicht, bis zum heutigen Tag nicht.




Bilder, die Geschichten erzählen

Celine schloss für einen Moment ihre Augen und rieb sich den Nacken. Dann fiel ihr Blick wieder auf das aufgeschlagene Manuskript. Daneben lagen ihr Block und die Palette mit den Farben.

Dieses Manuskript war ihrer Meinung nach nur grauenhaft. Es beschränkte sich für ihre Farbwelt auf nur zwei Farben. Schwarz und Rot. Alles war düster und unheilvoll geschrieben. Für die zukünftigen Leser mit aller Garantie ein Highlight. Doch für Celine war das nichts. Aber sie hatte sich diese Aufgabe übernommen, und nun musste sie sich ihr auch stellen.

„Wo ist nur die gute alte Zeit mit Bram Stoker geblieben? ,Interview mit einem Vampir‘ ist auch nicht schlecht. Aber das hier?”, murmelte sie mit einem Stöhnen und beugte sich über den Hefter.

Nach fünfzig Seiten hatte sie erst einmal genug. Mehr konnte sie nicht von dieser Lektüre an einem Tag verkraften. Das Buch sollte nach dem Druck fünfhundert Seiten mit ihren fünfzehn bis zwanzig Illustrationen haben. Das war die reinste Folter. Zwei Bilder hatte sie entstehen lassen. Sie fand sie selbst widerlich. Ein Vampir, hässlich mit Fangzähnen. Blut tropft aus seinem Mund am Kinn herunter. Triumphierend sieht er den Leser an und hält dabei einen Jugendlichen an seinem Genick fest, der schlaff an seiner Klaue hängt, mit aufgerissener Kehle und vor Schreck und Angst geweiteten Augen, die bereits den Tod in sich tragen. Das nächste zeigte ein Blutbad in einer Straße, wo die Vampire wahllos über Menschen herfallen. Beide Bilder waren mit schwarzen und grauen Tönen gemalt. Das Rot des Blutes setzte dem Ganzen das i-Tüpfelchen des Grauens auf. Celine schüttelte den Kopf.

„Das wird bestimmt das Mieseste, was ich in meinem Leben fabriziert habe”, brummte sie missmutig und stöhnte dann. „Wenn es euch wirklich geben sollte, dann rate ich euch dringend, euer Klischee gerade zu rücken. Ich fange an, darunter zu leiden und ernsthaft Schaden zu nehmen.”

Celine räumte in ihrem Arbeitszimmer etwas auf und ging dann schlafen.

Schweißgebadet wachte sie am nächsten Morgen viel zu früh auf. Wirre Träume von blutsaugenden Vampiren hatten sie verfolgt. Dracula war der Oberboss der fiesen Gestalten gewesen. Er hatte ihnen befohlen, sie zu jagen und zu ihm zu bringen. Als er ihr in den Hals beißen wollte, war sie endlich - endlich - aufgewacht.

„Ich muss dieses Zeug vom Tisch kriegen. Das ist ja ätzend. Dieser Mist fängt an, mich zu verfolgen”, stöhnte sie und rieb sich über die Augen.

Nach dem Frühstück machte Celine sich sofort wieder ans Werk. Die Vampire schlachteten in dem Roman weiter und schufen noch ein paar neue. Als sich eine Gruppe von Menschen gegen sie stellte und sogar eine Waffe entwickelte, womit sie in der Lage war, die Vampire erfolgreich zu vernichten, tauchte der Anführer der blutsaugenden Bande auf, um das selbst in die Hand zu nehmen.

„Victor! War doch klar. Dracula ist out”, brubbelte Celine voller Ironie und ließ ein weiteres Bild entstehen. Nach einer halben Stunde las sie weiter und konnte sich ein Stöhnen nicht verkneifen. „Also ehrlich. Wofür die Karpaten und Transsylvanien auch alles herhalten müssen. Dabei ist das alles nur Schmu. Wissen die das etwa nicht?” Als sie das vor sich hin murmelte, entstanden in ihrem Kopf Bilder von einer herrlichen Landschaft. Hohe Berge, dichte Wälder, grüne Täler und Bergseen.

Celine seufzte. „Ich glaube, jetzt ist es soweit. Ich muss mal raus hier. Rumänien. Die Idee ist gar nicht so schlecht. Na, mal sehen.”

Sie nahm sich vor, gründlicher darüber nachzudenken, wenn sie mit den Illustrationen für dieses Horrorwerk fertig war. Den ganzen Tag arbeitete sie daran. Sie machte nur eine Pause, wenn sie Hunger oder Durst verspürte. Am vierten Tag war sie fertig und heftete ihre Illustrationen zwischen die Seiten, zu deren Szenen sie passten.

Mittlerweile war der Entschluss in ihr gereift, dass sie Urlaub brauchte. Und diesmal etwas länger als sonst. Den Flug hatte sie daraufhin gleich am Morgen gebucht.

Am darauffolgenden Tag fuhr sie zum Verlag und knallte Ronaldo das Werk auf den Tisch.

„Das war das erste und letzte Mal, dass ich mich von dir habe breitschlagen lassen, so etwas Widerliches zu illustrieren. Ich habe Albträume von diesem Unsinn bekommen. Jede Nacht verfolgen mich blutrünstige Monster”, schimpfte Celine, während er in dem Manuskript blätterte und sich in aller Ruhe ihre Bilder betrachtete. Celine musterte ihn dabei ärgerlich.

„Sag mal, hörst du mir eigentlich zu?”

Ronaldo sah sie kurz an und blickte wieder auf eine der Illustration. Er war überrascht, dass sie bereits fertig war. Sie arbeitete schnell - das tat sie immer. Aber diesmal schien sie wohl auch nachts gearbeitet zu haben. Und was er hier vor sich sah, war hervorragend. Das war einfach spitze. Die Frau war mehr als ihr Geld wert. Sie sollte dafür auch ihr doppeltes Honorar bekommen. Ronaldo nahm den Telefonhörer und drückte einen Knopf.

„Kannst du mal rüber kommen. Ich hab hier was, dass für den Druck fertig gemacht werden kann” Dann legte er wieder auf und warf noch mal einen Blick auf die letzte Illustration. Er erhob sich und stellte sich vor Celine, die immer noch mit einem verärgerten Gesicht vor seinem Schreibtisch stand. Seine Hände legten sich an ihre Oberarme. Dann grinste er sie an.

„Du bist ein Schatz. Wie machst du das bloß? Die Leute werden uns schon wegen deiner Illus das Buch aus den Händen reißen. Allein deine Bilder erzählen schon die Geschichte.”

Dann drückte er ihr einen Kuss auf die Wange, ließ sie wieder los und setzte sich zurück an seinen Schreibtisch.

Celine konnte seine Begeisterung in keiner Weise teilen.

„Schön. Aber ich meine es ernst. Nicht noch mal so etwas. Ich hoffe, der kommt nicht auf die Idee, noch so einen Schund als zweiten Band zu schreiben. Das Ende war kein richtiges Ende”, sagte sie in einem ärgerlichen Ton.

Ronaldo lachte. Doch dann wurde er ernst. „Hast du Lust, einen Krimi zu illustrieren?”

„Diesmal nicht. Danke. Ich brauch `ne Pause”, verkündete sie ihm geradeheraus.

„Dann macht es Mirco. Ich hab auch noch was Historisches. Das soll erst zum Ende des vierten Quartals raus”, schlug er ihr dann vor.

Celine grinste. „He, du weißt genau, dass ich das nehme. Soll ich wie immer auf Text und Fehler achten?”

„Na klar.” Ronaldo schob ihr ein Päckchen zu, in dem sich der Datenträger und das gedruckte Manuskript befanden.

„Ach ja. Für die Vampirgeschichte lass ich dir das doppelte Honorar überweisen”, informierte er sie wie beiläufig.

„Für weniger hätte ich es auch nicht gemacht”, sagte sie und lächelte ihn provokant an.

„Es liegt jetzt hier auf meinem Tisch”, erwiderte er mit einer unmissverständlichen Überzeugung, dass es keiner wagen würde, dort etwas wegzunehmen. Celine interessierte das herzlich wenig.

„Na und! Ich kann das Zeug auch wieder mitnehmen und in den nächsten Container werfen. Aber das ist ja nun nicht mehr nötig.”

Ronaldo musterte die Frau, die immer noch vor seinem Tisch stand. Er war zwei Jahre älter als sie und hatte spanische Wurzeln. In seinem schwarzen Haar zeigte sich bereits deutlich das Grau an den Schläfen. Aber er hatte sich seine Jugendlichkeit bewahrt, auch wenn sich ein paar Fältchen um seine Augen zeigten. Ronaldo war groß, schlank und drahtig. Jeden Morgen joggte er mehrere Kilometer, um sich fit zu halten. Er sah auch gut aus. Aber er war auch sehr selbstbewusst, kritisch und manchmal sogar rücksichtslos. Das musste auch so sein, sonst wäre er in diesem Geschäft wohl schon untergegangen. Ronaldo hatte ein außergewöhnlich gutes Gespür für außerordentliche Manuskripte. Es war für einen Autor nicht leicht, bei ihm zu punkten. Doch wer es geschafft hatte, der hatte den Hauptgewinn.


*


Celine hatte nun schon sehr lange eine eigene Wohnung in Amsterdam. Die Sprache hatte sie schnell gelernt. Als sie herkam, beherrschte sie bereits Russisch und auf wunderbare Weise perfekt Englisch. Spanisch kam etwas später dazu. Ronaldo Verrensi hatte damals sofort erkannt, als er die Illustrationen beim Durchblättern des Buches betrachtete, dass sie etwas Besonderes waren. Ihre Bilder hatten ihn beeindruckt. Er hatte sich Informationen über Celine zukommen lassen und war erstaunt gewesen, wie jung sie noch war. Als er erfuhr, dass sie ebenfalls auf der Buchmesse weilte, suchte er sie auf. Ronaldo war neugierig auf sie gewesen. Und er fand, dass sie eine schöne Frau mit einem ungeheuren Talent war. Nach dem ersten Gespräch war er sich sicher gewesen, dass sie eine Bereicherung für seinen Verlag sein würde. Sie hatte nicht nur Talent. Sie war auch klug und ehrlich. Um sie auf die Probe zu stellen, hatte er ihr gleich ein Manuskript gegeben, der auf einem Datenträger gespeichert war. Damals hatte sie ihm ohne ein Wort den Stick abgenommen. Einen Laptop und einen Drucker mit Scanfunktion hatte er ihr schon morgens in die Wohnung bringen lassen. Nach einer Woche stand Celine wieder in seinem Büro. Sie legte ihm stumm einen Hefter auf den Tisch und dazu den Stick. Ronaldo hatte sie fragend angesehen und den Hefter aufgeschlagen. Celine hatte nicht nur die Illustrationen geschaffen, sondern auch gleich das Cover gestaltet. Auf dem Stick waren von ihr alle Korrekturen gemacht worden. Das Buch wurde ein Bestseller. Seit dem bekam sie zusätzlich immer die Druckform zu ihrer Verfügung.

„Wie lange willst du pausieren?”, fragte Ronaldo, als ahnte er schon, dass es diesmal etwas länger sein würde.

„Ich denke mindestens vier Wochen. Können auch mehr werden. Ich weiß nicht, aber ich werde mich melden”, antwortete Celine verhalten.

„Das hoffe ich doch. Und bleibst im Lande?” Sein Interesse war echt.

„Nein. Ich werde nach Rumänien fliegen und dort die Karpaten bereisen.”

Ronaldo zog eine Braue nach oben und fing an zu lachen.

„Auf den Spuren Draculas? Hast du Blut geleckt?”

Celine schüttelte unwillig den Kopf. „So ein Quatsch. Du weißt, dass das alles Humbug ist und nur dafür gedacht ist, die Touristen anzulocken. Ich brauche einfach mal was anderes. Was Einfaches. Vor allem Natur pur.”

„Wann willst du los?”

„Am Freitag geht mein Flieger”, teilte sie ihm mit.

„Hm, in zwei Tagen. Na, dann viel Vergnügen. Und melde dich mal!”, verlangte er.

„Mach ich doch immer. Und danke!”

Celine verließ das Büro und fuhr nach Hause. Sie freute sich auf ihre geplante Reise und leichte Unruhe stellte sich bei ihr ein. Wenn sie in Bukarest landete, sollte für sie schon ein Mietwagen bereitstehen. Sie hatte für sich selbst eine Route festgelegt, die sie abfahren wollte. Einen Plan, wie lange sie an einem Ort bleiben wollte, hatte sie nicht. Das würde sich schon ergeben. Sie hatte ja Zeit genug.




Tage in Bukarest

Am späten Nachmittag landete das Flugzeug auf dem Flughafen von Bukarest. Der Flug in der Businessclass war angenehm gewesen, denn Celine wurde von der Stewardess freundlich umsorgt. Ohne Eile begab sie sich zur Passkontrolle und nahm sich dann einen Wagen, um ihr Gepäck vom Laufband darauf zu hieven. Sie beobachtete, wie viele der Leute sich unruhig und eilig ihre Koffer schnappten, um daraufhin noch schneller das Gebäude zu verlassen. Celine war davon völlig unbeeindruckt. Sie hatte sich vorgenommen, sich alle Zeit der Welt zu nehmen. Und daran hielt sie auch fest.

Als sie ihre Koffer auf dem Gepäckwagen gestellt hatte, schob sie ihn in Richtung der Information. Ihr entging nicht, dass mit einer bestimmten Persönlichkeit für die Touristen großflächig und vielfältig geworben wurde. Sein Bildnis blickte dem Betrachter düster entgegen, mit dem Hinweis, seine Burg doch mit einem Besuch zu beehren.

Bestimmt nicht, dachte Celine bei sich. Ich hab genug von diesem Vampirquatsch.

Bei der Information fragte Celine nach, wo sie sich hinwenden musste, um ihr gemietetes Auto in Empfang nehmen zu können. Freundlich gab ihr die junge Frau Auskunft, so dass sie ohne Probleme den Stand fand.

Sie hatte schon des Öfteren diese renommierte Autovermietung in Anspruch genommen. Schnell waren alle Formalitäten erledigt. Der junge Mann bot sich an, sie zum Wagen zu bringen und schob sogar ihren Gepäckwagen. Er half ihr, die Koffer in den SUV zu stellen und übergab ihr dann die Schlüssel. Ein Allrad von Mitsubishi war für ihr Vorhaben genau der richtige Wagen. Celine steckte ihm lächelnd ein Trinkgeld zu, was seine Augen leuchten ließ. Er wünschte ihr einen angenehmen Aufenthalt in seinem Land und verabschiedete sich höflich von ihr.

Kaum saß Celine in dem SUV, lehnte sie sich erst einmal zurück und schloss für einen Moment die Augen. Jetzt kann's losgehen. Urlaub! Ausschlafen, erholen, in den Tag leben und das machen, was einem so in den Sinn kommt. Ja, sie wollte an alles relaxt herangehen und die Zeit hier genießen. Lächelnd öffnete sie ihre Augen.

Nachdem sie die Adresse des Hotels ins Navi eingespeist hatte, startete sie den Wagen und fuhr los. Celine hatte sich vorgenommen, erst einmal drei Tage in der Hauptstadt zu bleiben. Sie hatte Lust zum Shoppen und wollte sich noch ein bisschen in der Stadt umzusehen. Durch die Hilfe des Navigationsgerätes schaffte sie es, ohne Probleme zum Hotel zu finden. Dort angekommen, stand sofort ein Angestellter bereit und holte ihre Koffer aus dem Wagen, die ein anderer ins Hotelinnere schaffte. Celine überließ dem ersten die Autoschlüssel und ging dem anderen nach. Die Anmeldung ging schnell vonstatten, da sie bereits reserviert hatte. Als sie ihr geräumiges Zimmer betrat, sah sie sich schnell um und nickte zufrieden. Mit seinem Trinkgeld verabschiedete sich der Page und verschwand.

Celine ließ sich rücklings auf das breite Bett fallen und breitete ihre Arme aus. Ein Seufzer entschlüpfte ihr, als sie ihren Atem ausstieß. Nach einer Weile erhob sie sich, denn sie stellte fest, dass sie von der Anstrengung des Tages doch etwas erschöpft war und dass sie, wenn sie sich nicht sofort in Bewegung setzte, so wie sie war, einschlafen würde. Celine nahm ihre Beauty Case und begab sich ins angrenzende Bad. Dort zog sie sich aus. Achtlos ließ sie ihre Sachen zu Boden fallen und stieg in die Dusche. Das warme Wasser umspülte angenehm ihren Körper. Das Gefühl war einfach himmlisch und gab ihr die Lebensgeister wieder zurück. Außerdem spürte sie ihren aufkommenden Hunger. Den ganzen Tag hatte sie nichts Vernünftiges zu sich genommen. Das Essen im Flieger hatte sie abgelehnt, weil ihr der Inhalt der Assietten noch nie zugesagt hatte. Also verließ sie die Dusche und wickelte sich in das übergroße Handtuch. Aus dem Koffer suchte sie sich ihre Unterwäsche und ein enges Sommerkleid. Es war noch sehr warm, obwohl der Herbst nach dem Kalender schon Einzug gehalten hatte. Nach dem Ankleiden bürstete sie ihr langes schwarzes Haar und schlüpfte in ihre Sandaletten. Bevor sie ihr Zimmer verließ, nahm sie noch eine Jacke und ihre Handtasche. Dann machte sie sich auf den Weg, sich ein Restaurant zu suchen.

Da sie in das Hotel eingecheckt hatte, das sich am Universitäts-Platz befand, wo auch das Bukarester Nationaltheater errichtet worden war, nahm Celine an, dass sich in der unmittelbaren Nähe auch Restaurants befanden.

Es war noch hell, früh am Abend, und Celine nahm die Umgebung des Platzes jetzt im Augenschein. Ihr Blick fiel auf die Universität. Sie betrachtete dieses Gebäude mit den davor stehenden Statuen interessiert und ein merkwürdiges Gefühl beschlich sie. Es kam ihr so bekannt vor. Doch woher?

Unmöglich, denn sie war noch niemals hier gewesen. Celine drehte sich langsam im Kreis, bis das Nationaltheater in ihr Blickfeld fiel. Auch dieses Gebäude war ihr irgendwie vertraut. Für einen Moment schloss sie die Augen und sah in ihrem Kopf Bilder von dem Inneren des Theaters aufblitzen.

Celine stöhnte leise auf, weil sie plötzlich von stechenden Schmerzen in den Schläfen befallen wurde. Sie riss ihre Augen auf und stützte sich mit einer Hand an einem Laternenmast ab. Ihr Mund war trocken, und ihr Herz schlug ihr bis zum Hals.

Oh Gott, was war das, fragte sie sich erschrocken und nun schon etwas besorgt. Ich muss unbedingt was trinken und essen. Dann geht's bestimmt wieder, meinte sie für sich.

Es dauerte nicht lange, da hatte Celine auch ein ansprechendes Restaurant gefunden. Zielstrebig war sie in die Richtung gegangen, wo es sich befand. Doch darüber machte sich Celine keine Gedanken, weil ihr noch die vorhergehende Situation im Kopf herumgeisterte.

Ohne zu zögern betrat sie den Gastraum und suchte sich einen freien Tisch. Sie setzte sich und sah sich um, wie es wohl jeder Gast machen würde, der zum ersten Mal dieses Lokal besucht. Eilig kam der Kellner, begrüßte Celine und fragte, ob sie die Karte wünschte. Er sprach mit ihr in seiner Sprache. Rumänisch! Und Celine verstand fast jedes Wort. Ihre Überraschung stand ihr wohl deutlich im Gesicht, denn der Kellner sah sie mit einem fragenden Blick an. Celine schluckte und räusperte sich. Dann nickte sie und versuchte zu lächeln, was aber ziemlich missglückte.

Der Kellner legte ihr die Karte vor und fragte, ob sie schon wüsste, was sie trinken möchte. Sie bestellte sich mit wenigen Worten ein Mineralwasser und eine kleine Karaffe Rotwein. Alles in der rumänischen Sprache. Der Kellner kam schnell zurück und brachte ihre gewünschten Getränke. Mechanisch griff Celine nach dem Glas mit dem Wasser und trank es geistesabwesend leer.

Was ging hier vor? Warum verstand sie plötzlich, was der Mann zu ihr sagte? Wie war das möglich, dass sie ihm antworten konnte, ohne groß darüber nachzudenken?

Sie griff nach dem Glas mit Wein und nahm einen kräftigen Schluck. Weiter grübelnd drehte sie das Glas zwischen ihren Fingern und starrte auf die blutrote Flüssigkeit.

Nach einer geraumen Weile stand der Kellner wieder an ihrem Tisch und riss sie aus ihren Gedanken. Er fragte sie, ob sie schon gewählt hätte. Das tat er aus reiner Höflichkeit, denn er hatte beobachtet, dass Celine die Speisekarte noch nicht angerührt hatte. Celine sah ihn im ersten Moment etwas verständnislos an. Doch dann erreichte sie blitzartig die Erkenntnis, und sie schlug die Karte auf. Sie wählte eins von den ersten Gerichten. Es war etwas mit gegrilltem Hähnchen.

Während sie auf ihr bestelltes Essen wartete, dachte sie weiter über das gerade Erlebte nach. Sie konnte es sich einfach nicht vorstellen, schon einmal hier in Rumänien gewesen zu sein. Doch wer wusste das schon. Aber vielleicht waren es auch nur versteckte Erinnerungen von Fotos, die sie irgendwann einmal betrachtet hatte. Doch wie passte das zu dem Beherrschen der rumänischen Sprache?

Es gab keine Antwort auf ihre Fragen. Aber sie wollte die Antwort finden, und damit wollte sie am nächsten Tag beginnen. Celine nahm sich vor, am Vormittag beiden Gebäuden einen Besuch abzustatten. Sie wollte einfach für sich prüfen, ob ihr das noch einmal widerfahren würde. Dann könnte sie immer noch entscheiden, wie sie damit umgehen soll. Zufrieden mit diesem Vorhaben nahm sie einen weiteren kräftigen Schluck von dem Wein. Es dauerte auch nicht lange, da wurde ihr das Essen serviert, das sie mit gutem Appetit aß.

Später schlenderte sie die belebte Straße entlang, die von den Straßenlaternen beleuchtet wurde, denn es war bereits dunkel geworden, aber immer noch herrlich warm. In Amsterdam hätte sie zu dieser Zeit schon eine Jacke und mindestens eine Strumpfhose anziehen müssen, um nicht zu frieren. Sie hasste die Kälte.

Wenn Celine an die Zeit in dem kleinen Dorf in Russland dachte, fröstelte es sie. Dort hatte sie den Winter erlebt. Klirrend, eiskalt und viel, viel Schnee. Oh Gott - was hatte sie dort gefroren.

Sie schob den Gedanken und auch alle anderen beiseite. Am nächsten Tag konnte sie sich damit weiter beschäftigen. Dieser Abend war der erste in ihrem Urlaub. Den wollte sie sich nicht selbst mit endlosen Grübeleien vermiesen.

Am nächsten Morgen ließ Celine sich das Frühstück auf das Zimmer bringen. Nachdem sie gegessen und sich angekleidet hatte, machte sie sich auf den Weg, um ihr Vorhaben in die Tat umzusetzen.

Wieder betrachtete sie die beiden Gebäude, doch diesmal weitaus aufmerksamer. Und wieder beschlich sie das eigenartige Gefühl, dass sie das hier kannte. Kurz entschlossen strebte sie auf das Universitätsgebäude zu. Sie war nicht die einzige, die sich in diese Richtung begab. Studenten unterschiedlichen Alters strebten auf das Gebäude zu und verschwanden in ihm.

Als Celine den Eingangsbereich betrat, hielt sie angespannt die Luft an. Zielstrebig ging sie die Treppe hoch und durch die Flure, wusste, wo Seminare und Vorlesungen abgehalten wurden. Nur hatten die Wände einen neuen Anstrich erhalten.

Sie war schon hier gewesen. Anders konnte Celine es sich nicht erklären.

Aufgewühlt und in Gedanken versunken, machte sie sich auf den Weg, die Uni zu verlassen. Plötzlich wurde sie von einer Frau angesprochen, die sie gar nicht bemerkt hatte.

„Hallo, kann ich Ihnen helfen?“

Celine wandte ihr Gesicht zu der Frau, die zu erstarren schien.

„Verflucht! Das gibt es doch nicht ...“, hauchte die fassungslos.

„Wie bitte?“ Celine musterte die Person, die nun etwa zwei Meter von ihr entfernt stand. Die Frau hatte sich reichlich geschminkt und gefärbtes blondes Haar. Celine hegte den Verdacht, dass sie mit dem Make-up die eine oder andere Falte kaschieren wollte. Sie schätzte sie auf Anfang Fünfzig. Außerdem hatte sie sich in ein Kostüm gezwängt, das sie regelrecht einschnürte. Da waren etwas zu viele Pfunde, die nicht gerade vorteilhaft für so ein Kostüm waren. Aber das schien die Blonde nicht zu sehen oder es war ihr egal.

Auf Anhieb war ihr diese Person unsympathisch. Es lag nicht an ihrerr Aufmachung, sondern an ihre Ausstrahlung. Es ging etwas von ihr aus, das falsch war.

„Ähm, ich fragte, ob ich helfen kann“, wiederholte sie und musterte ihrerseits Celine mit einem schon aufdringlichen Blick.

„Nein, danke. Ich war neugierig und wollte hier nur einen Blick hineinwerfen“, entgegnete sie und wandte sich von ihr ab.

„Wenn Sie möchten, kann ich Sie führen“, bot sich die Blonde an. „Mein Name ist Viona Robaciu. Ich arbeite hier als leitende Lehrkraft.“, stellte sie sich mit lauerndem Blick vor.

„Danke, Frau Robaciu, aber ich habe bereits gesehen, was ich wollte“, erwiderte Celine betont höflich. Die Frau fing an, sie zu nerven. Und sie vermied es, sich selbst vorzustellen, denn sie sah keinen Grund dafür.

„Sie kommen mir so bekannt vor. Sind wir uns schon einmal begegnet?“

Celine bemerkte, dass ihr Blick bohrend wurde. Celine schüttelte ungehalten den Kopf und setzte sich in Bewegung. Dabei gab sie ihr die Antwort: „Nein, Sie sind mir völlig unbekannt. Ich mache hier Urlaub und sehe mir die Stadt an.“

„Dann sind Sie nicht von hier“, schlussfolgerte die Frau, was aber gleichzeitig eine indirekte Frage beinhaltete.

„Nein. Aus dem Ausland.“ Mehr wollte Celine absolut nicht preisgeben. Das geschminkte Gesicht zeigte nun Überraschung. „Sie sprechen perfekt unsere Sprache.“

Diese Frau ließ nicht locker, was Celine nicht verstand und ziemlich anmaßend fand.

„Ist das ein Verbrechen? Gelernt ist gelernt“, reagierte sie nun schon gereizt.

„Trotzdem. Sie kommen mir bekannt vor. Sie haben bestimmt hier studiert“, beharrte sie und ihr Blick hing weiter bohrend an Celine. Die blieb nun stehen, drehte sich noch einmal zu der Frau um und sah sie sichtlich verärgert an.

„Sie verwechseln mich eindeutig mit jemandem. Ich kenne Sie nicht. Wir sind uns noch nie begegnet, weil ich keine Rumänin bin. Ich lebe in den Niederlanden. Ich wiederhole, ich mache hier Urlaub. Und nun werde ich endlich gehen. Einen schönen Tag noch.“ Damit ging sie die Treppe herunter und ließ die Frau Robaciu nun unbeachtet stehen. Dabei schimpfte Celine im Stillen vor sich hin, wie man nur so aufdringlich sein konnte. Was dieser Tuschkasten sich einbildete? An so eine Person würde sie sich garantiert erinnern. Und sie hier studiert ... verrückt!

Als sie endlich im Freien stand, atmete sie tief ein und hielt ihr Gesicht kurz in die Sonne. Dann ging sie ein paar Schritte über den Platz in Richtung des Theaters, blieb stehen und drehte sich noch einmal um. Das Gefühl hatte sie nicht getäuscht. An der Eingangstür der Uni stand der blonde Schminkkasten und schaute Celine hinterher. Der Gesichtsausdruck dieser Frau machte Celine stutzig. Sie meinte, in ihm die Überzeugung zu lesen, dass sie Celine kannte. Und diese Tatsache schien ihr nicht zu gefallen.

Etwas stimmte hier nicht, und Celine spürte einen kalten Schauer des Unbehagens. Ihr Instinkt sagte ihr, dass diese Frau gefährlich war. Ihr kam der Gedanke, vielleicht doch schon morgen mit ihrer Rundreise zu beginnen und nicht erst am darauffolgenden Tag. Aber sie verwarf diesen Gedanken gleich wieder. Was kümmerte sie diese Person, die dort an der Tür stand. Sie wollte jetzt unbedingt shoppen gehen und sich nicht von so einer Verrückten den Tag verderben lassen. Also schob sie die ihr angeblich bekannten Gebäude und die Schminkkastendame in die hinterste Ecke ihres Gehirns und nutzte den Tag, so wie sie ihn sich vorgestellt hatte.


*


Die blonde Frau ging wieder zurück ins Gebäude und murmelte leise und ziemlich wütend vor sich hin. Sie ging mit schnellen Schritten in ihr Büro. Viona Robaciu war hier nicht einfach nur jemand, der eine Vorlesung hielt. Sie gehörte dem Rektorat an. Es hatte ihr gar nicht gefallen, wie Celine sie abgekanzelt hatte. Diese Frau dürfte gar nicht mehr existieren. Sie müsste tot sein, dachte sie.

Viona war sich fast sicher, dass sie sich nicht irrte. Die Stimme, die Haare, das Aussehen, ihr Gang. Sie hatte sich kaum verändert. Mit Neid und Missgunst hatte sie auch feststellen müssen, dass die aus der Versenkung Aufgetauchte viel zu jung aussah für ihr eigentliches Alter. Viona war selbst vierundvierzig. Doch ihr Lebenswandel hatte sie gezeichnet, denn sie hatte zwei Leben. Eines war die Arbeit an der Uni, die sie hoffentlich nicht mehr lange leisten musste. Die andere Tätigkeit brachte ihr bei weitem mehr ein. Noch ein paar Transaktionen, dann hätte sie genug, um sich einer kosmetischen Behandlung zu unterziehen und sorgenfrei im Ausland leben zu können.

Doch wenn sich bestätigte, dass die Frau die war, die sie meinte, dann hatte sie ein Problem. Und das müsste so schnell wie möglich aus der Welt geschafft werden. Sonst könnte es passieren, dass sie sich selbst um ihre Zukunft keine Gedanken mehr machen brauchte. Entweder würde sie in einem besonderen Hotel landen, in dem das Tragen von Einheitskleidung Pflicht war und staatliche Bodyguards ihre Arbeit verrichteten. Oder sie brauchte sich nicht einmal darum sorgen, weil sie dann wohl Fischfutter sein würde.

Wie viele Jahre ist das jetzt her?, fragte sich Viona. „Zwanzig? Ja. Vor zwanzig Jahren im September. Dann ist dieses verfluchte Miststück erst vierzig und sieht aus wie dreißig. Was hat die nur die ganze Zeit gemacht? Wo hat die sich versteckt? Was weiß sie? Und was will sie gerade jetzt hier? Verflucht! Die müsste doch schon verrottet sein, wie die anderen beiden Trottel“, knurrte sie wütend und schnappte sich ihr Handy.

Schnell wählte sie eine gespeicherte Nummer und wartete ungeduldig, dass die Gegenseite abnahm. Ihre langen Fingernägel hämmerten dabei im schnellen Rhythmus auf der Schreibtischplatte herum. Endlich meldete sich der Angerufene.

„Was gibt's?“

„Wir haben ein Problem, dem wir uns schnellstens widmen sollten“, verkündete Viona.


*


Am späten Abend fiel Celine wie erschlagen ins Bett und schlief bis zum Morgen wie eine Tote. Nach dem Einkauf, bei dem sie sich mit wärmenden Pullovern, einer Jeans und festen Schuhen eingedeckt hatte, war sie zum Hotel gefahren, nur um die Sachen auf ihr Zimmer zu bringen. Danach hatte sie sich gleich wieder auf den Weg gemacht, um in die Calea Victoriei zu fahren. Durch diese Straße war sie geschlendert und hatte dabei die Architektur der wunderschönen Paläste und Gebäude betrachtet. Nach einer Erfrischung war sie zum Cişmigiu Garten gefahren; einem großen Park, der nah der Innenstadt liegt. Hier war Celine bis zum späten Nachmittag geblieben. Sie war über die gepflasterten und asphaltiert breiten und auch engen Alleen mit den alten Bäumen spaziert. An einem der drei Seen hatte sie besonders die Ruhe und das schöne Wetter sehr genossen. Als die Dämmerung eingesetzt hatte, hatte sie sich ein Restaurant gesucht und gegessen. Dort hatte sie sich viel Zeit gelassen. Danach war sie durch die mit Laternen und Reklame beleuchtete Straße geschlendert. Ein Schaufensterbummel um diese Zeit, das war etwas, was sie schon ewig nicht mehr gemacht hatte.

Celine seufzte, während sie daran dachte. Doch dann war sie an einem Club vorbeigekommen und unwillkürlich stehengeblieben. Celine hatte auf den Namen gestarrt, der als blinkende Leuchtreklame über der Tür prangte. Dabei war ihr innerlich kalt geworden. Tanzende junge Leute und sich an der Bar Amüsierende waren als Bilder blitzartig vor ihren Augen aufgetaucht, die wieder einmal von stechenden Schmerzen begleitet wurden. Celine hatte leise aufgestöhnt und sich an den Schläfen gerieben. Doch dann hatte sie sich schnell abgewandt und war weitergegangen. Geradewegs zum Wagen, mit dem sie zurück zum Hotel gefahren war.

Der Schlaf war für sie erholsam gewesen. Trotzdem fing Celine an, über gewisse Dinge nachzudenken. Ihr Wissen über die Uni und dem Theater. Dann diese geschminkte Frau, die meinte, sie zu kennen. Der Club. Die plötzlich auftauchenden Bilder in ihrem Kopf, die immer mit Schmerzen begleitet wurden. All das passierte erst, seit sie hier in Rumänien war.

Hatte diese Robaciu vielleicht doch recht? War sie vielleicht doch eine Rumänin? Bevor sie eine neue Existenz erhalten hat? Es würde dafür sprechen, denn sie sprach fließend Rumänisch.

Celine stöhnte auf, drehte sich auf den Bauch und vergrub ihr Gesicht für einige Sekunden im Kopfkissen. Alles war irgendwie merkwürdig. Ob das eventuell ... vielleicht mit ihrer Vergangenheit zusammenhing, die aus ihrem Gedächtnis gelöscht war? Und wenn, wäre das ja wohl ein unglaublich verrückter Zufall! Das hielt Celine nun doch für unwahrscheinlich. Und es gab bestimmt noch mehr Frauen, die ihr ähnlich sahen.

„Verdammt, ich habe Urlaub und will mich erholen! Schluss mit diesen Grübeleien! Bringt doch eh nichts“, brummte sie und rollte sich wieder auf den Rücken.

Es klopfte. Das war ihr Frühstück.

Celine stand auf und zog sich in aller Ruhe ihren Morgenmantel an. Ein Blick in den Spiegel sagte ihr, dass sie sich unbedingt kämmen musste. Doch das war ihr egal. Man kannte sie hier nicht, und sie wollte den Angestellten nicht zu lange warten lassen. Der schob ihr den Speisewagen ins Zimmer, als sie ihm die Tür geöffnet hatte. Nach seinem Verschwinden machte Celine sich erst einmal über die frischen Brötchen her und gab sich mit dem Kaffee den restlichen Schwung für den Tag. Nachdem sie sich im Bad ihrer Morgentoilette hingegeben und sich angekleidet hatte, verließ sie gut gelaunt ihr Hotelzimmer.

Für diesen Tag hatte sie sich vorgenommen, zum Botanischen Garten zu fahren und sich dort an den Pflanzen zu erfreuen. Nach Museen und anderen Sehenswürdigkeiten stand ihr nicht der Sinn. Vom Hotel aus war es nicht weit und schnell fand sie einen Parkplatz. Celine konnte gar nicht schnell genug in den Garten kommen. Sie hoffte, ihre Lieblingsblume in einer Vielzahl von Varianten zu finden. Doch zuerst betrat sie das Botanik-Museum, um sich dort umzusehen. Als sie wieder ins Freie kam und durch den großen Garten schlenderte, wurde sie nicht enttäuscht. Sie fand ihre spezielle Blume, die Lilie. Und das in vielen unterschiedlichen Varianten von Farben und Größen, die Celines Herz höher schlagen ließen. Sie konnte einfach nicht widerstehen und sah sich verstohlen um, ob sie allein war und nicht beobachtet wurde. Als sie sich sicher war, dass es so war, brach sie sich schnell eine gelbe Blüte, die mit orangen Tönungen durchzogen war, ab. Dann ging sie weiter, als wenn sie gerade nichts Verbotenes getan hatte. Dabei steckte sie sich die Blüte hinter ihr rechtes Ohr und grinste vergnügt. Das allein war es schon wert gewesen, hierher zu gehen. Celine schoss mit ihrer Kamera noch mehrere Fotos von besonders schönen Exemplaren. Sie hatte auch schon eine Idee, wie sie sie anordnen würde, um eine Wand in ihrer Wohnung zu schmücken.

Als sie nun eine geraume Weile durch den Garten spaziert war und die verschiedenen Pflanzen bewundert hatte, setzte sie sich ans Ufer von einem der Seen, die sich hier befanden. Es war still um sie herum, und sie genoss diese Ruhe. Celine schaute auf den See und beobachtete ein Schwanenpaar, das langsam durch das goldene Wasser glitt. Die Sonne gab der Oberfläche diesen schillernden Glanz. Diesen wundervollen Moment kann nicht mal die beste Kamera dieser Welt festhalten, dachte Celine und seufzte. Trotzdem machte sie mehrere Fotos. Sie konnte nicht widerstehen. Besonders die Schwäne hatten es ihr angetan. Majestätisch präsentierten sie sich dem Betrachter. Ihr Federkleid war makellos weiß. Der männliche Schwan hatte seine Flügel etwas höher aufgerichtet, so dass es aussah, als wollte er allen zeigen, dass seine Partnerin bei ihm sicher war und niemand es wagen sollte, sich ihr zu nähern.

Celine steckte die Kamera ein und nahm sich dafür ihren Block und den Stift aus ihrer Tasche. In kürzester Zeit hatte sie das Schwanenpaar auf das Blatt gezeichnet. Mit Bedauern sah sie sich das Bild an. Wie schade, dass sie keine Farbstifte dabei hatte. Dann hätte sie versucht, die wundervolle Stimmung einzufangen. Aber das konnte sie ja immer noch, wenn sie wollte. Das Bild hatte sich fest in ihr Hirn eingeprägt. Sie steckte alles wieder zurück in ihre Tasche und schloss für ein paar Sekunden die Augen.

Plötzlich überkam sie das merkwürdige Gefühl, beobachtet zu werden. Celine erhob sich ohne Hast und sah sich um. Dabei gab sie den Anschein, als müsste sie sich entscheiden, welchen Weg sie nun einschlagen wollte. Doch ihre Augen tasteten ihre Umgebung prüfend ab, aber sie entdeckte nur ein Ehepaar mit ihren zwei Kindern, die ganz auf sich konzentriert waren.

Celine ging ein Stück am See entlang und schlug dann eine neue Richtung ein. Sie hatte noch ein paar Stunden, bis die Dunkelheit kam. Während sie den Weg entlang schlenderte, verzehrte sie ihr Sandwich, dass sie sich vom Frühstück mitgenommen hatte. Etwas Mineralwasser löschte ihren Durst. Sie war ganz in ihren Gedanken vertieft, als sie wieder von dem unangenehmen Gefühl befallen wurde, beobachtet zu werden. Sie spürte die Blicke förmlich auf ihrer Haut, so dass sich ihre Härchen aufstellten. Celine rieb sich über ihre nackten Arme, als würde ihr kalt sein. Wieder tastete sie ihre Umgebung ab, konnte aber keine Person ausmachen. Und gerade hier gab es kaum Büsche, hinter denen man sich verbergen konnte.

Innerlich den Kopf schüttelnd, ging sie weiter.

Ich glaube, ich leide schon an Paranoia, dachte sie ärgerlich. Und wenn da doch so ein Armleuchter ist, Gnade ihm Gott, wenn er sich zeigt. Der kann sich schon mal ein Bett im Krankenhaus bestellen.




Start ins Abenteuer

Am nächsten Morgen brach Celine frühzeitig auf. Bevor sie Budapest verließ, kaufte sie für sich ein paar Lebensmittel und Süßigkeiten und etwas zum Trinken. Außerdem versäumte sie es nicht, den Tank des Wagens zu füllen.

Sie hatte es nicht eilig, denn sie wollte etwas von der Landschaft sehen. Sie wollte sehen, wie die Menschen lebten. Darum hielt sie sich lieber auf der Landstraße auf. Diese waren auch nicht so befahren wie die Hauptstraßen. Dafür waren sie aber nicht immer im allerbesten Zustand. Doch das störte Celine nicht. Sie freute sich auf diese Tour und fing bereits an, sie zu genießen, als sie Bukarest hinter sich gelassen hatte.

Ihre Route war festgelegt, ihr Zeitplan nicht. Wenn es ihr irgendwo gefiel, wollte sie sich dort länger aufhalten, hatte sie sich noch einmal eingebläut. Wenn ihr der Ort nicht zusagte, na, dann ging es eben weiter.

Sie fuhr nun in Richtung Nordwesten auf die Südkarpaten zu, um dann weiter Richtung Brasóv zu fahren. Als sie Bukarest hinter sich gelassen hatte, konnte sie weit ins Land sehen. Die meisten Felder waren abgeerntet. Hier und da sah sie das Vieh auf der Weide grasen.

Celine war nun schon gut eine Stunde unterwegs. Da entdeckte sie prachtvolle Pferde auf einer Koppel. Ein Gestüt schloss sich dem an. Unweit befand sich ein größeres Dorf. Sie drosselte das Tempo und hielt dann am Straßenrand an. Der Anblick dieser wunderschönen Tiere reizte sie zum Verweilen. Um zu der Koppel zu kommen, musste sie die Straße überqueren.

Sie sah das herannahende Fahrzeug, das plötzlich beschleunigte, als sie sich bereits in der Mitte der Straße befand. Ihr blieb nichts anderes übrig, als zu rennen, sonst hätte das Fahrzeug sie erwischt. Celine sah dem schwarzen Wagen wütend hinterher.

„Vollidiot! Du hast wohl zu viel geraucht! Arschloch!“, schimpfte sie ihm laut hinterher. Ihr war ganz mulmig zumute und das Herz schlug ihr bis zum Hals.

„Der hätte mich glatt umgenietet. Wieso hat der Gas gegeben? Der muss mich doch gesehen haben“, redete sie mit sich selbst. Doch dann wandte sie sich den Pferden zu, von denen einige sie bereits beäugten. Celine lehnte sich an den Holzzaun und legte ihre Unterarme auf den oberen Holm. Allmählich beruhigte sich ihr Innerstes wieder, und sie genoss den Anblick der Tiere, deren dunkelbraunes Fell in der Sonne glänzte. Eines der Pferde kam langsam auf sie zu, und sie wartete gespannt, ob es sich bis zu ihr heranwagen würde. Geduldig beobachtete Celine, wie es sich näherte, kurz stoppte und dann weiterging. Circa einen Meter entfernt blieb die Stute vor ihr stehen. Celine musste lächeln, weil das Pferd sie musterte.

„Hallo, du Schöne“, sagte sie leise. Das Tier drehte mit seinen Ohren und hob und senkte wie zum Gruß seinen Kopf. Langsam streckte Celine ihre Hand aus, in der Hoffnung, dass die Stute näher kommen würde.

„Du kannst mir vertrauen. Ich hab nichts Böses im Sinn. Wenn du es erlaubst, würde ich dich gern berühren“, redete sie weiter leise auf die Stute ein. Die drehte wieder mit ihren Ohren, schnaubte und trat dann an den Zaun heran.

In Celine machte sich ein Glücksgefühl breit, als sie mit ihrer Hand über die Stirn des Pferdes streichelte. In ihr machte sich der Wunsch breit, einmal auf so einem schönen Tier zu sitzen und über die Wiesen zu galoppieren. Doch dazu müsste sie erst einmal reiten können, sagte sie sich und seufzte still.

„Hallo, Sie scheinen Pferde sehr zu mögen.“

Celine fuhr erschrocken zusammen. Sie schaute zu dem Mann, der sich nun neben sie gestellt hatte.

„He, mussten Sie sich so anschleichen?“, fauchte sie ihn an.

„Entschuldigung. Aber ich habe mich nicht angeschlichen. Ich bin mit dem Wagen gekommen, der hinter Ihrem steht. Das hätten Sie doch hören müssen“, verteidigte er sich mit einem Grinsen.

„Hab ich aber nicht“, murrte sie, antwortete aber dann versöhnlicher auf seine Frage. „Ist ja nun auch egal. Und um Ihre Frage zu beantworten, ja, ich mag Pferde. Vor allem, wenn sie so schön sind wie diese.“

„Danke!“ Nun legte auch er seine Unterarme auf den Holm und schaute über die Koppel.

Celine sah ihn fragend an. „Wieso bedanken Sie sich?“

„Ich freue mich über jedes Lob. Es sind meine Tiere“, entgegnete er mit einer Selbstverständlichkeit, die für Celines Geschmack schon an Arroganz grenzte. Aber sie war auch überrascht. Und nicht nur über seine angenehme Stimme. „Alle?“

„Alle“, bestätigte er vergnügt. „Ich bin Mareč Dinesco.“ Er hielt ihr seine Hand hin. Celine sah ihn nun genauer an. Er schien um die Vierzig zu sein. Er war groß, bestimmt 1,90. Sein Körper war muskulös, wie sie sehen konnte, denn er trug nur eine verwaschene Jeans und ein ärmelloses Shirt. Er hatte volles, welliges, fast schwarzes Haar, das ihm von der Länge beinahe bis zur Schulter ging. Das gebräunte Gesicht war etwas kantig mit einem Grübchen am Kinn. Die Nase war leicht schief, vielleicht von einer jugendlichen Schlägerei, überlegte sie. Seine Augen waren von einem dunklen Braun, die sie belustigt ansahen, während seine Lippen einen leichten spöttischen Zug annahmen. Der Kerl sieht gut aus. Zu gut, dachte sie und fragte sich, ob er ein Zigeuner ist.

„Gefällt Ihnen, was Sie sehen?“, fragte er spöttisch.

Arroganter Kerl, dachte Celine und wurde sich erst jetzt ihres Verhaltens bewusst. Sie räusperte sich. „Sie sollten sich nicht so viel einbilden. Ich sehe mir die Menschen immer genau an, bevor ich entscheide, ob ich mich ihnen vorstelle oder auch nicht.“

„Und ... wie ist Ihre Entscheidung hinsichtlich meiner Person ausgefallen?“, fragte er schmunzelnd.

Celine zuckte mit der Achsel und reichte ihm ihre Hand, die er sogleich umfasste.

„Celine Melesch.“

Seine Hand war warm und der Druck fest, ohne ihr weh zu tun. Sie spürte die Schwielen, die von der Arbeit herrührten. Celine entzog ihm ihre Hand und wandte sich wieder der Stute zu.

„Was machen Sie hier?“, fragte er, als er sich mit dem Rücken an den Zaun gelehnt hatte und Celine ansah. Er fand sie sehr hübsch. Anziehend. Ihn faszinierten besonders ihre großen dunkelbraunen Augen.

„Ich bewundere die Pferde“, war ihre Antwort und ließ sie innerlich grinsen. Dabei streichelte sie weiter die Stute, der das sichtlich gefiel.

Mareč lachte auf. „Gute Antwort. Meine Schuld. Ich versuche es noch einmal.“

Der Mann ist witzig und garantiert nicht dumm, dachte Celine und warf ihm einen belustigten Blick zu.

„Machen Sie einen Ausflug? Mal für ein paar Stunden raus aus der Großstadt?“, fragte er nun.

„Nein.“

„Hm. Was treibt Sie dann hierher?“

„Warum wollen Sie das wissen?“ Eine Spur Missfallen schwang in ihrer Stimme mit.

„Neugier“, antwortete er ehrlich. Doch Celine war nicht gewillt, ihm eine Antwort zu geben.

„Aha. Was denken Sie?“, fragte sie stattdessen provokant.

„Wollen Sie das wirklich wissen?“ Er kniff seine Augen etwas zusammen und sah sie prüfend an.

„Sicher.“ Was würde er schon vermuten? Er würde garantiert daneben liegen, meinte sie.

„Na gut. Sie arbeiten viel und sind reif für den Urlaub. Es ist nicht nur ein Ausflug für ein paar Stunden. Es ist eine Reise durchs Land nach einer von Ihnen bestimmten Route. Sie sind eine Frau, die auf der Suche nach etwas ist. Sie wissen nur noch nicht genau, nach was.“

Sein Gesichtsausdruck war nun ernst. Celine musste verblüfft zugeben, dass er es gut getroffen hatte, versteifte sich jedoch bei seinen letzten Worten. Wie kam er nur darauf?

Nur zögerlich reagierte sie darauf.

„Hm ... Die ersten beiden Dinge stimmen ... Aber wie kommen Sie darauf, dass ich nach etwas suche?“

„Ich habe Sie beobachtet“, antwortete er mit einem schelmischen Grinsen.

„Wie bitte?“ Celine funkelte ihn verärgert an, was ihn wieder zu amüsieren schien.

„Ich habe Sie hier stehen sehen und meinen Wagen hinter Ihrem geparkt. Sie haben mich ja nicht bemerkt, was mich schon gewundert hat. Da habe ich Sie eine Weile beobachtet, bevor ich mich entschlossen hab, zu Ihnen rüber zu gehen. Auch das haben Sie nicht mitbekommen. Sie haben mit der Stute geredet. Es war der Ton in Ihrer Stimme, der mich nachdenklich werden ließ. So kam mir der Gedanke.“ Sein Blick war nun ernst und prüfend, als er sie ansah. Celine schüttelte den Kopf. „Sie irren sich. Ich suche nichts ... Oder vielleicht doch. Erholung, Ruhe, Natur pur. Ich bin hier, um die Karpaten zu bereisen.“

„Allein?“ Er zog missbilligend eine Braue nach oben.

„Warum nicht? Bin doch erwachsen und alt genug“, meinte Celine spöttisch und konzentrierte sich wieder auf die Stute. Seine Erwiderung kam prompt.

„Dagegen ist nichts einzuwenden. Höchstens noch etwas zu ergänzen. Hübsch.“

Was soll das? Flirtet der etwa mit mir?, dachte sie ärgerlich. Auch wenn der gut aussieht, bin ich nicht interessiert.

„Danke. Müssten Sie nicht schon längst zu Hause sein. Ihre Frau wartet bestimmt schon mit dem Mittag“, erwiderte sie im abweisenden Ton, ohne ihn anzusehen.

Ein Schatten legte sich über sein Gesicht, und er wandte sich von Celine ab. Sie spürte seine Gefühlswandlung und augenblicklich tat es ihr leid. Am liebsten hätte sie das Gesagte zurückgenommen. Er wollte doch nur nett sein.

„Tut mir leid. Ich wollte nicht unhöflich sein“, sagte sie schuldbewusst.

Mareč rieb sich kurz über die Stirn und atmete einmal tief ein.

„Nicht so schlimm. Sie können nichts dafür. Meine Frau ist vor fünf Jahren bei der Geburt unseres Sohnes gestorben. Das Kind kam tot zur Welt“, informierte er sie tonlos.

Celine schluckte und murmelte mitfühlend: „Das muss schlimm gewesen sein.“

„Ja, ich denke immer noch an sie“, sagte er leise und voller Trauer in der Stimme, dass sie den Kloß in ihrem Hals herunterschlucken musste, der sich erneut gebildet hatte. Was sollte sie erwidern? Sie konnte nichts erwidern. Es würde ihm nicht helfen und den Schmerz nehmen. Also ließ sie es und schwieg.

Mareč atmete nochmals tief ein und wandte sich Celine wieder zu.

„Aber das Leben geht weiter. Wollen Sie nicht mitkommen und mit uns essen? Meine Schwester und ihr Mann helfen mir, das Gestüt zu bewirtschaften. Ich lade Sie ein.“

„Danke, das ist nett von Ihnen. Aber ich will keine Umstände machen.“ Sie wollte sich auf keinen Fall aufdrängen. Und irgendwie war ihr das auch unangenehm. Schließlich war sie eine Wildfremde. Doch Mareč ließ sich nicht so schnell abwimmeln.

„Wenn es Umstände machen würde, dann hätte ich Sie nicht eingeladen. Kommen Sie, Celine Melesch! Meine Schwester wird sich freuen, mal ein anderes Gesicht zu sehen, als das meine und des eigenen Mannes. Und wenn Sie Lust haben, können Sie gern mit Soulange ausreiten.“

Celine lächelte verlegen.

„Das wäre schön. Aber ich habe noch nie auf einem Pferd gesessen.“

Mareč sah sie ungläubig an. „Noch nie? Das nehme ich Ihnen nicht ab.“

„Ist aber so“, entgegnete sie mit einem Achselzucken.

„Hm.“ Er fuhr sich mit der Hand durch seine Haare und sah sie nachdenklich an. „Das sollten wir testen, denn das glaube ich Ihnen nicht.“

Der Vorschlag reizte Celine, doch wollte sie darauf nicht eingehen und meinte nur: „Warum sollte ich Ihnen etwas vorlügen?“

Er tat entrüstet. „Das würde ich Ihnen niemals unterstellen. Aber wenn Sie mein Angebot annehmen, dann kann ich Ihnen beweisen, dass ich recht habe.“

„Sind Sie immer so von sich überzeugt?“, schnaubte sie.

„Was das betrifft, täusche ich mich nie“, antwortete er schmunzelnd. Celine verdrehte ihre Augen. Himmel, war dieser Mann von sich eingenommen.

„Sie haben doch nichts zu verlieren. Ein kleines Abenteuer, was nicht geplant war“, köderte er sie und schenkte ihr ein gewinnendes Lächeln.

Celine konnte sich ein Lachen nicht verkneifen. „Ist das Ihre Art, Werbung zu betreiben?“

Auch er lachte und schüttelte dann den Kopf. „Nein. Ich möchte Ihnen eigentlich nur etwas beweisen.“

„Dass ich reiten kann“, ergänzte sie und atmete einmal tief ein. Sie würde jetzt etwas tun, was sonst eigentlich nicht ihre Art war. „Okay, aber Sie werden nicht recht bekommen.“ Sie war sich absolut sicher.

Über sein Gesicht huschte ein triumphierendes Strahlen. Jetzt hatte er sie an der Angel. Sie würde mit zu ihm kommen, und er konnte diese schöne Frau näher kennenlernen. Und vielleicht blieb sie etwas länger als nur ein paar Stunden.

„Wetten wir!“, forderte er sie heraus.

Celine hob ablehnend ihre Hand. „Ich wette nie!“

„Ach, kommen Sie schon! Oder sind Sie feige?“, provozierte er sie spöttisch.

Celine blinzelte ihn böse an. Sie war nicht feige. „Was ist der Einsatz?“

„Wenn ich recht habe, bleiben Sie über Nacht und leisten mir und meiner Familie am Abend Gesellschaft.“ Mareč sah sie abwartend an und ließ ihr Zeit für ihre Entscheidung. Celine überlegte, ob sie das machen konnte. Sie kam zu dem Ergebnis, dass sie eventuell darauf eingehen konnte. Doch ihr Einsatz stand noch aus. „Und wenn ich recht habe?“

„Tja. Dann steht es Ihnen frei, weiterzureisen oder trotzdem zu bleiben. Die Einladung steht.“ Er schenkte ihr ein Lächeln, das ihn unwiderstehlich aussehen ließ. Celine erwiderte sein Lächeln.

„Okay. Der Deal gilt.“ Sie streckte ihm entschlossen die Hand entgegen, die er sofort ergriff.

„Also nehmen Sie meine Einladung an“, freute er sich sichtlich.

Celine schmunzelte. „Ja, so eine nette Einladung werde ich doch nicht ausschlagen.“

„Sie sagen es!“, erwiderte er mit einem verschmitzten Grinsen. „Dann folgen Sie mir bitte.“

Beide gingen sie zu ihren Fahrzeugen. Celine wartete, bis er an ihr vorbeifuhr, um ihm dann zu folgen. Es war ja nicht weit bis zu seinem Zuhause. Mareč blinkte und bog zur linken Seite ab, um auf einen großen, fast quadratischen Hof zu fahren, der von Gebäuden umrahmt wurde. Gleich zu erkennen war das große zweistöckige Haupthaus, das einen weißen Anstrich hatte und an dessen Fensterbänke Kästen hingen, in denen noch verschiedenfarbige Blumen ihre Pracht zeigten und dem Haus damit schöne Farbtupfer gaben.

Mareč lenkte sein Auto zur rechten Seite und stellte es dort ab. Celine brachte ihres neben seinem zum Stehen. Er war bereits ausgestiegen und hielt ihr die Tür auf.

„Willkommen in meinem bescheidenen Reich.“ Dabei hielt er ihr seine Hand hin, um ihr beim Aussteigen behilflich zu sein. Celine konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Welche Männer machten denn noch so etwas? Aber sie tat ihm den Gefallen und ließ sich helfen.

Als sie ihn ansah, konnte sie jedoch ein Glitzern in seinen Augen erkennen, das eindeutig erkennen ließ, dass ihm das Ganze Spaß machte. Sie schien für ihn wohl eine Abwechslung in seinem Alltag zu sein.

„Sie scheinen nicht oft Besuch von Fremden zu bekommen“, konfrontierte sie ihn mit ihrer Überlegung.

„Jedenfalls nicht von so hübschen und charmanten Damen“, antwortete er mit einem vergnügten Schmunzeln. Celine runzelte die Stirn und sah ihn mit einem schon strafendenden Blick an.

„Was?“, fragte er gespielt erschrocken. „Ich hab doch nichts Falsches gesagt.“

Celine winkte ab. Diese Diskussion würde nichts bringen. Dafür sah sie sich um.

„Dort wohnen Sie also“ und sah zum Haupthaus.

„Ja. Ich bewohne die linke Seite. Die ganze rechte Hälfte wird von meiner Schwester mit ihrem Mann genutzt. Der Gästebereich ist über meiner Wohnung“, erklärte er ihr. „Dort ist die Scheune und unser kleiner Fuhrpark. In dem Gebäude dort sind unsere Pferde untergebracht.“ Mareč zeigte in die Richtungen, doch Celine hatte etwas entdeckt, das ihre ganze Aufmerksamkeit einnahm. Sie machte ein paar Schritte in die Richtung, um sich zu überzeugen, dass sie sich nicht irrte.

Da stand ein schwarzer Wagen. Genau so einer, von dem sie vorhin fast übergefahren worden wär.

„Wem gehört das Fahrzeug?“, fragte sie in einem Ton, der unterdrückte Wut mit sich trug.

Mareč sah sie verwundert an. „Meinem Schwager, warum?“

„Haben viele in dieser Gegend so einen Wagen diesen Typs?“, fragte Celine in dem Ton weiter, ohne ihm eine Antwort zu geben.

„Nein, Niklas ist der einzige, der hier einen Benz besitzt“, entgegnete er verständnislos.

„Wissen Sie zufällig, ob er damit heute unterwegs war?“, bohrte sie weiter.

„Ja. Er war in Bukarest für zwei Tage und ist vor kurzem zurückgekommen. Was ist denn los? Stimmt was nicht mit dem Auto?“ Mareč wollte nun endlich wissen, warum sie so beharrlich diese Fragen stellte.

Celine drehte sich zu Mareč um. „Ich kann mich irren, doch das glaube ich nicht. Ihr Schwager hätte mich vor einer Stunde beinahe als Kühlerfigur benutzt. Nur, dass ich nicht sitzengeblieben wäre, sondern wohl eher das Fliegen gelernt hätte mit unangenehmen Ausgang.“

Er konnte sehen, dass sie ziemlich aufgebracht war, staunte aber, dass sie trotzdem Humor zeigte, auch wenn er sarkastisch war. Doch was er hörte, schockierte ihn.

„Sind Sie sicher, dass es dieses Fahrzeug war?“

„Ja, ich habe mir sogar einen Teil des Kennzeichens merken können. Und dieser stimmt mit dem da überein.“

So ein Vollidiot. Der wird doch nicht wieder gesoffen haben, dachte Mareč wütend, ließ es sich aber nicht anmerken.

„Kommen Sie mit ins Haus! Es wird sich bestimmt aufklären. Wir können ja Niklas danach fragen.“

„Das würde ich wirklich gern tun. Vor allem will ich wissen, warum er noch richtig Gas gegeben hat. Ich habe gerade noch so die andere Straßenseite erreichen können. Eine Sekunde später hätte er mich erwischt“, schimpfte sie aufgebracht.

Was ist denn in dem gefahren? Noch Gas gegeben? Ist der nun total verrückt geworden? Mareč kam zwar mit seinem Schwager ganz gut aus, aber richtig leiden konnte er ihn nicht. Doch das stellte er in den Hintergrund, weil seine Schwester diesen Mann liebte. Sie war seine Familie. Die einzige, die ihm noch geblieben war.


*


Niklas kam geradewegs aus Bukarest und fuhr nun auf der Landstraße. In der Hauptstadt hatte er sich zum Frühstück in einem Restaurant mit Viona Robaciu getroffen. Sie hatten so getan, als würden sie sich nicht kennen und sich dort das erste Mal begegnen. Dabei gaben sie vor, unverfänglich zu plaudern. Dieses Spiel hatten sie schon mehrmals gespielt und diente zu ihrer Sicherheit. Es ging immer nur um das Geschäft und um Geld. Und beide wollten davon mehr als genug haben. Doch diesmal war es nicht um eine Transaktion gegangen, sondern es galt ein Problem zu lösen.

„Und hast du sie beschattet?“, hatte Viona ihm zugeflüstert.

„Ja. Aber ich bin mir nicht sicher. Sie sieht ihr ähnlich. Doch das will nichts heißen“, hatte Niklas geantwortet.

Viona hatte kalt gelächelt. „Sie sieht aus wie sie, nur etwas älter. Sie spricht perfekt unsere Sprache“, hatte sie ihm dann zischend erklärt. Doch Niklas hatte das als Argument nicht gereicht. „Mag sein, aber das kann viele Gründe haben“, hatte er abgewehrt.

Viona hatte verächtlich geschnaubt und ihn verärgert angesehen.

„Klar! Einer, und der triftigste wäre, dass sie es ist. Es ist jetzt genau zwanzig Jahre her“, hatte sie ihn erinnert. Das wusste Niklas selbst und hatte weiter versucht, Gegenargumente zu finden.

„Das weiß ich auch. Doch wenn sie es wirklich sein sollte, was will sie dann hier? Sie hätte uns schon viel früher auffliegen lassen können. Damit wartet man doch nicht zwei Jahrzehnte.“

„Wir wissen nicht, was sie im Schilde führt“, hatte Viona prompt erwidert. Niklas hatte leicht den Kopf geschüttelt. Er fand auch jetzt noch, dass sie übertrieb.

„Vielleicht verrennst du dich da in etwas.“

Doch sie hatte weiter auf ihre Meinung beharrt. „Ich will nur auf Nummer sicher gehen. Und das solltest du auch. Ich habe keine Lust, mich von unseren Auftraggebern einmauern zu lassen. Oder wer weiß, was die noch mit einem anstellen. Die verstehen keinen Spaß. Ich wollte mit meinem sauer verdienten Geld noch leben. Richtig leben, wenn du verstehst, was ich meine.“

Das war ein Argument gewesen. Sogar ein tiefgreifendes.

„Das will ich auch“, hatte er zugegeben. Er wollte raus aus diesem Milieu. Er wollte reich sein und diesem Land den Rücken kehren. Er wollte sich weit weg niederlassen und sich dort etwas aufbauen, das ihm gehörte - was ihm keiner wegnehmen konnte. Nicole würde er vielleicht mitnehmen. Sie war eine Augenweide. Und wenn sie nicht wollte, würde er ihr auch nicht nachtrauern wollen. Er konnte viele Frauen haben. Er brauchte nur mit den Fingern schnippen.

„Dann kümmere dich um sie! Umso schneller, umso besser. Und wir sind unsere Sorgen los“, hatte Viona ihn aus seinen Gedanken gerissen.

„Wie stellst du dir das vor? Ich kann mein Büro nicht über längere Zeit unbesetzt lassen“, hatte er verärgert reagiert.

„Darum sag ich ja: umso schneller, umso besser. Lass dich doch vertreten!“

Niklas hatte sie mit innerem Groll gemustert und dann mit triefendem Sarkasmus die Frage gestellt. „Warum kümmerst du dich nicht um sie?“

Viona hatte ihre Augen verdreht und dann überheblich ihre Gründe vorgebracht.

„Erstens kann ich der Uni nicht fernbleiben. Zweitens bin ich nicht professionell genug, um jemanden beiseite zu schaffen.“

„Du willst, dass ich sie umbringe?“, hatte er sie leise angefaucht. Einen Mord zu begehen, stand nicht auf seiner Liste, um reich zu werden.

„Wie und was du mit ihr anstellst, ist mir völlig egal. Hauptsache, wir sind das Problem los. Zum Beispiel ein Unfall mit viel Alkohol wäre doch eine Möglichkeit“, hatte sie zurückgezischt.

Die Geschäfte mit ihr waren bis jetzt immer problemlos gelaufen und hatten ihm schon eine Menge Geld eingebracht. Doch nun verlangte sie etwas, das über das eigentliche Geschäft hinausging. Er hatte schon mehrmals darüber nachgedacht, ob er einen Menschen töten könnte. Vor mehr als zwanzig Jahren hatte er oft mit dem Gedanken gespielt. Sein Hass war groß gewesen. Aber ob er es letztendlich getan hätte, diese Frage konnte er sich nicht beantworten. Niklas hatte einen anderen Weg gefunden, um seinen Hass zu befriedigen, ohne dass die Menschen, die es betraf, erfuhren, dass er für ihr Leid verantwortlich war.

Er hatte sich zu Viona hinüber gebeugt und ihr spöttisch in die Augen gesehen.

„Hast du schon einmal einen Menschen umgebracht?“

Sie hatte selbstgefällig gekontert. „Das musste ich nicht. Aber dir könnte es doch nicht schwerfallen. Du bist doch ein Zigeuner.“

Niklas Augen hatten sich gefährlich verdunkelt. Blitzschnell hatte er nach ihrem Arm gegriffen und ihn wie eine Schraubzwinge umfasst. Viola war vor Schreck zusammengezuckt.

„Lass los! Du tust mir weh. Willst du, dass man auf uns aufmerksam wird?“ Ihre Stimme hatte etwas von ihrer Selbstsicherheit verloren, was Niklas mit mäßiger Zufriedenheit zur Kenntnis nahm.

„Ich gebe dir einen guten Rat. Sei vorsichtig, mit dem, was du sagst! Nenn mich nie wieder einen Zigeuner! Hast du mich verstanden?“, hatte er sie im gefährlich leisen Ton gewarnt und sie dann wieder freigegeben. Viona hatte schmerzhaft ihr Gesicht verzogen, als sie ihren Arm an der Stelle rieb, die Niklas zu fest umschlossen hatte.

„Sei doch nicht so pingelig! Ich hab's doch nicht so gemeint. Ich dachte nur ...“

„Da hast du falsch gedacht. Aber anscheinend sind wir alle nur Diebe und Mörder in deinen Augen“, hatte er sie barsch unterbrochen.

Viona hatte endlich bemerkt, dass sie einen Fehler im Eifer des Gefechts gemacht hatte. Sie hätte wissen müssen, dass er auf das Wort Zigeuner allergisch reagiert.

„Entschuldige. Kommt nicht mehr vor“, brubbelte sie.

„Das rate ich dir auch“, knurrte er.

Viona atmete tief ein. „Also, was ist? Kümmerst du dich um unser Problem?“, flüsterte sie.

„Ich werde sie weiter beschatten. Bei der ersten Gelegenheit, bei der ich erkenne, dass sie es wirklich ist, werde ich handeln. Ich werde es dich wissen lassen.“ Niklas hatte die Tasse auf den Teller gestellt und dabei säuerlich den Mund verzogen. Der Kaffee war bereits kalt gewesen. Kalten Kaffee fand er widerlich. Dann hatte er das Geld für sein Essen auf den Tisch gelegt und war wortlos aufgestanden.

Nun befand er sich auf der Landstraße, um nach Hause zu fahren. Sein Noch-Zuhause. Das sollte sich bald ändern. Ihm war egal, was aus seinem Schwager wurde. Der duldete ihn auch nur, weil seine Schwester ihn geheiratet hatte. Die Arbeit auf dem Gestüt widerte ihn an. Er wollte, dass seine Zeit endlich kam und er nicht mehr zu schuften brauchte.

Um die Frau zu finden, machte er sich keine Gedanken. Er wusste, dass sie nicht mehr in Bukarest war. Ihren Wagen konnte er jederzeit orten, denn er hatte an ihn einen Sender deponiert.

Niklas war fast zu Hause. Er sah bereits die Koppel, in der sich die Pferde von Mareč bewegten. Es waren edle Tiere, die beim Verkauf einen guten Preis erzielten. Sein Schwager hatte ein gutes Händchen für diese Tiere. Das musste Niklas anerkennen. Aber die Arbeit, die daran hing, war ihm zu aufwändig. Ihm reichte schon sein kleines Unternehmen mit den drei Angestellten. Er hatte es sich hart erkämpft. Er war Roma, und darum hatte man ihm viele Steine in den Weg gelegt. Doch er hatte es geschafft. Aber das reichte ihm nicht. Er wollte mehr. So war er auf Viona gestoßen. Oder besser, sie auf ihn. Sie besaß eine gute Menschenkenntnis und hatte ihn angesprochen. Nach einigem Hin und Her hatte er zugesagt und war in das Geschäft mit eingestiegen. Zwanzig Jahre lang hatte er sein Konto in der Schweiz wachsen lassen. Es dauerte nicht mehr lange, dann konnte er anfangen zu ernten.

Niklas sah den Wagen am Straßenrand stehen und beobachtete, wie eine Frau ausstieg. Er fuhr nun extra langsamer und erkannte sie sofort wieder. Es war die Frau, die er schon zwei Tage beschattet hatte. Sein Blick nagelte sich an ihr fest. Viona hatte recht. Sie sah der Frau nicht nur ähnlich, sie könnten eineiige Zwillinge sein.

Plötzlich sah er die Frau vor sich, die ihn abgewiesen hatte, und Wut kam in ihm hoch. Er drückte seinen Fuß auf das Gaspedal, ohne nachzudenken, und raste jetzt auf die Frau zu. Sie hatte ihn bemerkt und erreichte in der letzten Sekunde die andere Seite.

Niklas blickte nicht zurück. Er fuhr sich mit einer Hand durch die Haare und stöhnte. Er sollte sich besser unter Kontrolle haben. Verdammt, er hätte die Frau am helllichten Tag fast übergefahren. Die Konsequenzen mochte er sich nicht einmal versuchen vorzustellen. Er brauchte Ruhe, denn das Ganze zerrte allmählich an seine Nerven.




Bei Mareč

„Lass uns ins Haus gehen und meine Schwester begrüßen!“, forderte Mareč Celine auf. Gemeinsam betraten sie den breiten Flur, der rustikal auf sie wirkte. Eine Garderobe mit einem passenden Schrank aus massivem Holz mit Schnitzereien stand auf der einen Seite. Auf der gegenüberliegenden hingen mit Öl gemalte Bilder, auf denen Pferde abgebildet waren. Eine Treppe, die sich am Ende des Flures befand, führte in die obere Etage.

Mareč leitete Celine in einen Raum, der unverkennlich die Küche war. Marečs Schwester deckte gerade den Tisch ein.

„Schwesterherz, wir haben einen Gast“, rief er ihr zu und war fast im selben Moment bei ihr. Er hob sie hoch und wirbelte einmal mit ihr im Kreis herum, was sie aufquietschen ließ. Dann stellte er sie wieder auf ihre Füße und drückte ihr einen Kuss auf die Wange.

„Verrückter Kerl, du“, sagte sie lachend und boxte ihm leicht auf den Arm. „Stell mir lieber unseren Gast vor!“

„Das ist Celine Melesch. Sie stand bei Soulange und hat sich mit ihr angefreundet. Da habe ich sie eingeladen, damit beide ihre Freundschaft noch etwas vertiefen können“, berichtete er ihr jungenhaft.

Celine hatte die beiden beobachtet und festgestellt, dass die Geschwister sich sehr nahe standen. Die Frau war eine Schönheit mit ihrer leicht gebräunten Haut und dem schönen schwarzen Haar, das zu einem Zopf gebunden war. Sie hatte dieselben dunkelbraunen Augen wie Mareč. Nur ihre Lippen waren voller als seine. Aber sie schien mehrere Jahre jünger zu sein als er.

„Celine, das ist meine liebste Schwester Nicole“, stellte er sie ihr nun vor.

Nicole reichte Celine ihre Hand und grinste.

„Ich bin auch seine einzige Schwester und darum seine liebste. Herzlich willkommen!“

Celine mochte die Frau auf Anhieb. Sie strahlte so viel Lebensfreude und Offenheit aus. Auch Mareč war ihr sympathisch. Wenn das nicht so gewesen wäre, hätte sie seine Einladung nicht angenommen.

„Machen Sie Urlaub von der Großstadt?“, fragte Nicole, während sie den Tisch weiter deckte. Celine musste schmunzeln. Etwas Ähnliches hatte Mareč auch gefragt.

„Nein. Ich wollte einfach mal Urlaub machen. Wurde Zeit!“

„Stress im Beruf, was?“, meinte Nicole mitfühlend.

„Es geht. Mein letzter Auftrag war, wie soll ich sagen, nicht so mein Ding“, antwortete Celine. Nicole stellte einen Topf auf den Tisch. „Darf ich fragen, was Sie machen?“

„Natürlich. Ich illustriere und lektoriere Manuskripte für einen Verlag.“

„In Bukarest?“

„Nein. In Amsterdam.“

„Amsterdam?“ Mareč sah Celine überrascht an. Nicole hielt in ihrer Bewegung inne. Sie wollte gerade die Schüssel mit der Soße abstellen.

„Aber Sie sind doch Rumänin.“

Celine schüttelte lächelnd den Kopf. Sie war nun schon die zweite, die das annahm.

„Nein. Ich stamme aus einem kleinen Dorf in Russland.“

Nicole stellte endlich die Schüssel ab. „Und wie kommen Sie von da in die Niederlande?“

Celine wollte gerade sagen, dass das eine etwas längere Geschichte wäre, da kam ihr Mareč zuvor, wofür sie ihm dankbar war. „Nicole, hör auf, unseren Gast zu löchern. Was hältst du davon, wenn wir jetzt was essen? Wäre doch schade, wenn alles kalt wird.“

Sie verzog etwas das Gesicht, was deutlich machte, dass sie gern weiter Fragen gestellt hätte.

„Ja, ja. Ihr könnt euch ja schon setzen, wenn ihr wollt“, brummte sie.

Celine räusperte sich. „Entschuldigung, ich würde mich gern etwas frisch machen.“

Nicole schlug sich die Hand leicht an die Stirn.

„Oh, wir unaufmerksam von mir. Ich frage Sie aus und vergesse dabei sämtliche Manieren“, plapperte sie.

„Das ist meine Schwester. Ist sie nicht reizend?“, sagte Mareč grinsend und umarmte Nicole. Celine fing an zu lachen. Die beiden waren ein tolles Geschwisterpaar.

„Kommen Sie mit! Ich zeige Ihnen das Bad!“ Nicole wollte schon vorgehen, als Mareč sie aufhielt. „Das mache ich. Hol du deinen Mann, damit wir gemeinsam essen können.“

Mareč hielt Celine die Tür auf und führte sie nach oben in die nächste Etage. Dort zeigte er ihr das Gästezimmer mit dem angrenzenden Bad.

„Wenn Sie fertig sind, kommen Sie bitte nach unten. Wir werden auf Sie warten.“

„Ich beeile mich“, versprach sie, und Mareč ließ sie allein.

Celine sah sich in dem Zimmer um. Es war in hellen Tönen gehalten. Die Möbel waren auch hier aus massivem Holz. Das Doppelbett nahm den meisten Platz ein. Darüber hing ein Gemälde mit einer Herde Pferde, die über eine Wiese galoppierte. Ein Schrank und eine Kommode standen zur linken Seite. An der Fensterseite war noch ein kleiner Tisch mit zwei Stühlen.

Celine huschte schnell ins Bad, das einfach, aber praktisch, eingerichtet war.

Als sie kurze Zeit später die Küche betrat, stand Mareč auf und stellte sie seinem Schwager vor. Auch der erhob sich. Als er aufblickte und Celine die Hand reichte, erstarrte er mitten in der Bewegung. Doch er fing sich sehr schnell und begrüßte sie freundlich.

Celine war sein ungläubiger Blick nicht entgangen und wunderte sich. Warum hatte er sie so angesehen? Ob er erstaunt war, dass sie, die er fast umgefahren hatte, nun hier Gast war? Sie konnte es sich nicht erklären. Doch das Thema wollte sie jetzt beim Essen nicht ansprechen. Sie wollte keinem die Laune verderben. Es würde sich bestimmt noch eine Gelegenheit ergeben, mit ihm zu reden. Celine beobachtete noch, als Niklas sich wieder setzte, wie er sich nachdenklich durch das schwarze Haar fuhr und eine Falte zwischen den Brauen hatte.

Zuerst war er auch schweigsam und gab den Anschein, als würde er dem Gespräch folgen, das Mareč, Nicole und sie führten. Doch Celine konnte genau sehen, wie es hinter seiner Stirn arbeitete. Seine dunklen Augen verrieten ihn, denn er warf ihr immer wieder einen Blick zu, der von einem erstaunten zum ungläubigen Ausdruck bis zu einem verschlossenen wechselte. Auch Niklas war ein gut aussehender Mann. Er war nicht viel größer als Mareč, breitschultrig und kräftig. Unter seinem hellen Shirt zeichneten sich seine Muskeln auffallend ab. Seine Augen wirkten auf sie wie Kohlestücke. Das schwarze Haar war nackenlang und nach hinten gekämmt. Doch es fielen ihm immer wieder Strähnen in die Stirn, die er mit einer unbewussten Geste wegstrich, was eigentlich sinnlos war. Celine fand, dass er das verwegene Aussehen eines Zigeuners hatte, was ihr gefiel.

„Nicole sagt, dass Sie in Rumänien Urlaub machen“, fing er plötzlich an zu reden.

„Stimmt“, entgegnete Celine und warf ihm einen schnellen Blick zu. Aber er widmete sich ganz seinem Essen.

„Und da fahren Sie nicht ans Meer?“, fragte er.

Celine kam es so vor, als wäre das eine Einleitung zu einer Fragerunde. Und sie sollte recht behalten.

„Ich will die Karpaten bereisen. Ich denke, dass das viel interessanter ist“, antwortete sie aber höflich.

„Wie kommt es, dass Sie so gut unsere Sprache sprechen?“

Das wüsste ich auch gern, dachte Celine bei sich und musterte Niklas. Aha, nun wird es spannend. Irgendetwas stimmt mit dem nicht. Sei auf der Hut, ermahnte sie sich selbst.

„Gelernt ist gelernt“, war ihre kurze Antwort.

„Aber Sie wohnen in Amsterdam und stammen aus Russland, wenn ich das richtig verstanden habe.“ Nun sah er sie an und beobachtete sie genau, als wollte er etwas in ihren Augen oder ihrem Gesicht lesen, was sie nicht laut aussprach.

Da hat aber jemand schnell Bericht erstattet, sinnierte Celine amüsiert.

„Ja und? Ich spreche mehrere Sprachen“, erwiderte sie achselzuckend, sich seines prüfenden Blickes bewusst.

„Verraten Sie uns, welche das sind?“

„Englisch, Russisch, Spanisch, Holländisch und Rumänisch“, beantwortete sie ohne Umschweife seine Frage.

„Donnerwetter. Nicht schlecht!“, rief Mareč bewundernd aus.

„Waren Sie schon einmal in Rumänien?“, fragte nun Nicole interessiert.

„Ja, das würde mich auch interessieren“, murmelte Niklas und schaute Celine dabei weiter unverwandt an. Sie wich seinem Blick nicht aus und stellte fest, dass er sie lauernd ansah.

Was hat der nur für ein Problem?, dachte sie leicht verärgert. „Nein. Ich war noch nie in Rumänien.“

Mareč beobachtete seinen Schwager missbilligend. Warum benahm der sich so merkwürdig? Um von ihm abzulenken, nahm er sein Weinglas und hob es an.

„Kommt, lasst uns anstoßen!“

Die anderen griffen nun ebenfalls zu ihren Gläsern.

„Auf unseren Gast“, sagte Mareč und prostete in Celines Richtung.

„Auf dieses Haus und seine netten Gastgeber“, erwiderte Celine lächelnd.

Mareč war nun etwas erleichtert, da Niklas sich wieder ruhig verhielt. Aber irgendetwas schien ihm an ihren Gast zu stören, das spürte Mareč deutlich.

Niklas schwieg wieder für eine Weile und brütete vor sich hin. Das fiel auch seiner Frau auf, so dass sie ihn argwöhnisch ansah. Aber sie sagte nichts, sondern beteiligte sich weiter am Gespräch mit Celine und ihrem Bruder.

„Malen Sie gern?“, fragte Niklas plötzlich in die Runde.

Celine schenkte ihm ein Lächeln, das ihre Augen nicht erreichte. Allmählich war sie seine Fragen leid, da sie nicht zu dem Gespräch passten, das sie mit Mareč und Nicole führte. Aber sie blieb höflich und antwortete: „Ja. Ich habe vorhin schon erzählt, dass ich für einen Verlag arbeite und Manuskripte illustriere.“

„Und Sie sind sich ganz sicher, dass Sie noch nie in diesem Land waren“, bohrte er nochmals nach.

„Warum fragen Sie mich das? Was ist der Grund?“, reagierte Celine nun ungehalten.

Doch er antwortete nicht, sondern stellte ihr die nächste Frage. „Wie alt sind Sie?“ Sein Blick spießte sie regelrecht auf.

Celine schnappte nach Luft. Was fällt diesem ungehobelten Klotz ein? Idiot!, schimpfte sie in Gedanken und sah ihn verärgert an.

„Niklas! Was soll das werden? Celine ist unser Gast“, wies Nicole ihn zurecht. Auch Mareč sah seinen Schwager mehr als nur missbilligend an. Aber Niklas ließ sich nicht beirren. Er beharrte weiter auf eine Antwort. „Bitte, verraten Sie mir, wie alt Sie sind.“

„Niklas ...!“, reagierte Mareč bereits ungehalten.

Doch nun war Celine neugierig geworden. Warum wollte er das unbedingt wissen? Was verbarg sich dahinter? Außerdem wollte sie, dass der Frieden unter ihren Gastgebern gewahrt wurde.

„Ist schon okay!“, beschwichtigte sie Mareč. „Ich bin sechsundvierzig“, sagte sie und ließ Niklas nun nicht mehr aus den Augen.

Der schüttelte heftig mit dem Kopf. „Niemals. Sie sind jünger“, stieß er hervor.

Celine zog überrascht ihre Brauen in die Höhe. „Danke für das Kompliment. Und wie jung bin ich Ihrer Meinung nach?“

„Achtunddreißig“, sagte er prompt. Das wird ja immer interessanter, dachte Celine. Was wohl jetzt noch kommt.

„Aha! Und woher wollen Sie das wissen? Wie kommen Sie zu dieser Behauptung?“, fragte sie spitz.

„Sie sehen einer Frau zum Verwechseln ähnlich“, stieß er mürrisch hervor, was Celine versuchte zu ignorieren. „Sie sagen es ... ähnlich. So was habe ich vor ein paar Tagen schon mal gehört. Aber ich bin nicht die ,Andere‘. Das müsste ich doch am besten wissen. Meinen Sie nicht auch?“

Niklas winkte ungehalten ab und beugte sich vor. Dabei fixierte er sie mit seinen schwarzen Augen so eindringlich, dass ihr ein kalter Schauer über den Rücken lief.

Nicole legte ihrem Mann die Hand auf seinen Arm.

„Niklas. Was ist nur in dich gefahren?“, fragte sie verstört. Man sah ihr an, dass ihr das Verhalten ihres Mannes unangenehm war und sie dafür kein Verständnis aufbringen konnte. Auch Marečs Gesichtsausdruck sprach Bände. Er schien kurz davor zu sein, aufzuspringen, um seinen Schwager in die Schranken zu weisen.

„Schatz, es ist wichtig“, beharrte Niklas, ohne den Blick von Celine zu lösen.

„Lassen Sie ihn! Ich bin neugierig, was jetzt noch kommt. Vielleicht verwechselt er mich mit der Jungfrau Maria“, meinte Celine im zynischen Ton.

Mareč hob resigniert seine Hände und ließ sie wieder sinken. Niklas reagierte nicht auf diesen Hieb. Ihr Zynismus schien ihn kalt zu lassen.

„Haben Sie schon einmal den Namen Leena Horváth gehört?“

Celine lehnte sich zurück und sah ihn prüfend an. Sie begriff, dass er diese Leena mit ihrer Person in Verbindung brachte. Aber warum war er nur so hartnäckig? Verband ihn etwas mit dieser Frau? Sie durchforstete ihr Gedächtnis, obwohl sie wusste, dass das zu keinem Ergebnis führen würde.

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