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Blicke in allerlei Pfarrhäuser

Bertha Mercator

Blicke in allerlei Pfarrhäuser

Kurzroman





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Ein Brief

Exempel sind das vornehme Beispiel“, sagte unser alter Gärtner, wenn er die wohlgeordneten Apfel- und Birnensorten zur ersten Probe auf dem Küchentisch ausbreitete. Er hatte recht. Und ich möchte, nur um einige Exempel von Pfarrhäusern und Pfarrfrauen, wie sie sind, sein sollen und nicht sein sollen, vor meinen lieben Leserinnen auszupacken, sie einladen, eine kleine Reise mit mir zu machen.

Wir brauchen uns aber deswegen gar nicht aufzuregen oder Koffer zu packen. Ruhig sitzen bleiben können wir und nur unsere Gedanken dem jungen Pastor Reinwald als Begleitung mitgeben auf der Reise, die er soeben plante und nun antreten will.

Eigentlich hat er nicht geplant. Bewahre! Wie sollte ihm Dergleichen in den Sinn kommen? Aber in seiner Brusttasche steckt ein dicker Brief, ein Brief von seiner alten Mutter, der lautet:

„Mein lieber Johannes!

Herzensjunge! Hast Du es denn wirklich auch nur für einen halben Tag ernstlich geglaubt, ich freute mich nicht, so kräftig mein altes Herz sich noch freuen kann, an Deiner einstimmigen Wahl? Ich freue mich, dass Du nun endlich eine eigene Gemeinde, ein eigenes Pfarrhaus haben sollst und dass Dein ungemütliches Zigeunerdasein demnächst ein Ende hat?

Wenn das das Resultat meines letzten Briefes war, so ist es mir herzlich leid, mein Junge. Nein! Das wollte ich wahrlich nicht damit erreichen. Nur einen ganz kleinen Dämpfer wollte ich Dir aufsetzen, weißt Du, ich bin das so gewohnt bei Dir. Kenne ich Dich denn nicht am allerbesten, besser als Du Dich selber oft kennst? Und ich merkte es so genau: Mein Hans hat sich wieder einmal festgerannt auf einen Plan, aus dem doch nichts werden kann. Je eher je besser muss ihm deshalb klarer Wein eingeschenkt werden.

Du meinst, mein lieber Sohn, ich müsste nun stehenden Fußes meine Siebensachen zusammenpacken und zu Dir nach Neukirchen ziehen. Das geht doch nicht so per Dampf! Und wenn Du denkst, ich hätte ja schon jahrelang Zeit gehabt, es mir zu überlegen – ganz richtig, aber eben deswegen sagt Deine alte Mutter nicht so mir nichts dir nichts ja zu Deinem Reise- und Lebensplan. Was man sich so gründlich überlegen kann, das beguckt man sich von allen Seiten, und da finde ich in diesem Fall doch recht viele bedenkliche Seiten.

Ich sehe Dich, wie Du ganz erschrocken Deine Augen aufreißt und dann die Stirn so kraus ziehst, dass Dir der Kneifer von der Nase fällt. Putz ihn nur recht blank, setze ihn wieder auf und lies getrost weiter. Wirklich, mein Herzensjunge: Es ist nicht, dass ich Angst habe, „wir könnten uns nicht vertragen“. Aber ich fürchte: Du kannst mich nicht mehr vertragen.

Sieh mal, mein lieber Hans – so ganz unter uns gesagt – ich bin mein Leben lang nicht sehr sanftmütig gewesen, und das Kommandieren liegt mir auch wohl etwas im Blut von meinen Soldatenvorfahren her. Du dagegen warst Dein Leben lang nicht nur sanftmütig, sondern auch recht von Herzen demütig gegen Deine stramme Frau Mutter. Spaß beiseite – Gott vergelt’s Dir, lieber Junge! Du hast mir viel Liebes damit getan und hast Deine alte Mutter in manchem Stück erzogen, ohne dass Du es selber ahntest.

Aber sieh – ziehe ich nun zu Dir – ich kenne mich und ich kenne Dich – da dauert es nicht drei Monate, und ich habe Dich unter der Kuratel, als ob Du ein Sextaner wärest. Nicht nur, dass ich Dir das Haus regiere – ich bin bange, ich fange bald auch in der Gemeinde an herumzuregieren. Und das geht doch nicht. Nein, nein! Es geht einfach nicht.

Schreib’s mir doch selbst einmal schwarz auf weiß, recht groß und deutlich, Hans, dass es nicht geht. Dann lege ich den Brief in meine Bibel und lese ihn jeden Tag zwei Mal. Denn glaube doch nur nicht, dass ich immer so tapfer bin wie heute und immer so einen scharfen Spiegel vor meiner spitzen Nase habe wie gerade jetzt. Aber ich habe Gott so gründlich gebeten, mich in dieser für uns beiden so wichtigen Affäre keine Dummheiten machen zu lassen, darum zeigt er mir jetzt alles so verblüffend klar, und ich bleibe dabei – es geht nicht. Es taugt uns beiden nicht.

Warum willst Du mich alte Frau denn auch noch verpflanzen? Ich hab’s ja so gut hier. Die nette, bequeme Wohnung, passable Bedienung – na, recht passabel augenblicklich. Und dann zwei Töchter am selben Ort verheiratet. Drei Mal in der Woche essen jetzt die Enkelkinder bei mir zu Mittag, immer zwei, ein verständiges und ein dummriges, so hält das eine das andere einigermaßen in Ordnung. Luise kommt den einen Mittwoch Abend zu mir, ich den anderen zu ihr. Mit Agnes kann man nie etwas Festes verabreden, die ist ein Wirbelwind. Na, aber aus seiner Haut kann keiner. Und dann habe ich den Chinaverein und den Freundinnenverein und das Wöchnerinnenheim – ach, Unsinn – ist ja langweilig für Dich! Kurz, mein alter Junge: Ich habe es wirklich gut hier, und da sind auch ein Halbdutzend mir nicht verwandte Menschen, die mich alte Kratzbürste wirklich leiden mögen. Es könnte lange dauern, ehe ich die in Deinem Neukirchen wieder beisammen hätte.

Also: Lass mich friedlich, wo ich bin.

„Und was soll denn aus mir werden in dem großen, leeren Pfarrhaus?“, so fragst Du nun und machst ein Gesicht, wie Du es als kleiner Junge tatest, wenn ich Dich alleine in den dunklen Apfelkeller schickte.

Ich will es Dir sagen: Ein echter, rechter Pfarrherr und Hausherr soll aus Dir werden! Käme ich zu Dir, Du bliebest mein Junge bis ins Unendliche; musst Du Dich aber solo durchkrabbeln, so kommt es ganz anders. Denn weißt Du, im Grunde hast Du ja einen zähen Willen, und dumm bist Du auch nicht. Ich bin wohl selbst schuld daran, wenn Deine Schwestern behaupten: Hans’ Wahrspruch ist: „Schiebst du mich, so gehe ich, aber nicht alleene.“ Das kommt nur, weil ich Dich immer gar zu energisch geschoben habe – ist mir jetzt ganz klar. Also geschoben wird jetzt nicht mehr, und mein Hans muss einfach alleine.

Das kann man doch nicht schieben nennen, wenn ich Dir jetzt ein bisschen unter die Arme greife, sobald Du erst einmal in die Reihe kommst, nicht wahr?

So habe ich Dir also dies Prachtmädel, dem alten Justizrat seine Minna, gemietet. (Ich schrieb Dir doch, dass der alte Mann endlich gestorben ist?) Na, die Minna ist also fest; die Möbel habe ich auch alle soweit in Ordnung. Vaters dicken Globus kriegst Du auch noch. Am 1. rücke ich mit Minna an in Neukirchen, da wollen wir das Nest schon zurechtputzen, dass Du es gar nicht wiedererkennen sollst.

Wir können Dich nämlich absolut nicht gebrauchen in der Zeit, mein Junge. Das ist ja nicht bloß ein simples Einräumen von Deinen paar Kisten und Kasten. Nein! Da sind doch erst noch alle möglichen Handwerker im Hause, und der Garten soll umgelegt werden und die ganze Frühjahrsbestellung gemacht.

Massenhaft zu tun wird die Minna finden! Aber sie versteht sich auf Stadt- und Landarbeit, ist dabei eine bescheidene, stille Person, ohne Wanderlust und ohne Heiratsgedanken. Du wirst es schon merken. Mit der kannst Du es schon einmal ein Jahr aushalten, dann sehen wir weiter. Auf die Dauer muss natürlich eine Pfarrfrau ins Haus, das versteht sich. Ich bitte den lieben Gott alle Tage, und Mittwochs noch besonders, dass er Dir die rechte beschert. Ich will auch selber gar nichts dazu tun, nicht ein bisschen schieben, habe mir voriges Jahr zu sehr die Finger verbrannt. Weiß der liebe Himmel, von wem Du das Grübeln und Kritisieren geerbt hast.

Nun, aber einmal wird Dir doch hoffentlich eine begegnen, an der Du nichts auszusetzen hast, oder besser noch, die Du ebenso lieb haben kannst, dass Du all ihre Fehler und Fehlerlein mit dem Liebhaben zudeckst – nur müsste der liebe Gott sie bald schicken. Du wirst ja mit jedem Jahr mehr Einspänner – und ein junger, gesunder evangelischer Pfarrer ohne Pfarrerin kommt mir vor wie eine Kirche ohne Turm und Geläut.

Aber – um wieder auf Neukirchen zu kommen: Am 17. Juni, schreibst Du, soll Deine Einführung dort sein. Vom 1. Mai an bist Du in H. frei, also einfach sechs Wochen Ferien! Denn was willst Du in Neukirchen vor Deiner Einführung anfangen? Wie gesagt, Minna und ich können Dich absolut nicht gebrauchen.

Also, Herr Pfarrer: das Bündel geschnürt! Diesen allerletzten Gefallen muss mir mein lieber Junge noch tun: Nämlich diese eigens vom lieben Gott für ihn zugeschnittenen Ferienwochen zu einer Rundreise benutzen, von der ich ihm die Stationen bestimme. Auf dem einliegenden Zettel sind sie alle aufgeschrieben – lauter Pfarrhäuser, wie Du siehst. In einigen hausen Studienfreunde von Dir selbst, die anderen sind solche, in denen Du Dich mit einem Gruß von Deiner alten Mutter nicht übel einführst – ausgenommen die mit dem Kreuz davor. Das sind Deines Vaters frühere Stellen; ich habe kaum eine Ahnung, wie die Menschen sind, die jetzt dort sitzen. Aber als Sohn Deines Vaters darfst Du ruhig so frei sein und Dir Land und Leute, Haus und Kirche und Garten gründlich ansehn.

Kommst Du nicht ungeschickt, gefällt es Dir und gefällt es ihnen, so bleibst Du vielleicht ein paar Tage kleben, wo nicht, so wanderst Du weiter. Wie Du es mit der Reihenfolge machst, überlasse ich Dir natürlich, ausgenommen, dass ich es gern hätte, wenn Du in Gliebholz anfingest und in Sonnenfelde den Schluss machtest; so ein paar Notizen zur Orientierung schreibe ich Dir noch, wenn Du ja gesagt hast.

Aber natürlich sagst Du ja, nicht wahr, mein Hans? Du kannst Dir auch alles einrichten, wie es Dir gerade passt, selbstverständlich auch in schöner Gegend, z. B. am Oberrhein, Dir noch andere Stationen suchen und da bleiben, solange es Dein Geldbeutel erlaubt.

Gut, dass er Dir schon einiges erlauben darf, Du sparsamer Hauslehrer und Ex-Hülfsprediger! Einen ganz kleinen Obolus, oder wie so ein paar Füchse in Eurer Pastorensprache heißen, schicke ich Dir anbei auch noch.

Und damit Schluss! Mach’s gut, mein lieber Junge! Ich freue mich schon auf Deine Reisebriefe und auf Dein Erzählen in Neukirchen. Denn natürlich – da bin ich auch noch, wenn Du anlangst, Deine Einführung und noch so ein bis zwei Wochen hinterher – das darf ich mir wohl gestatten, trotz aller Herrschergelüstchen. Hoffentlich hast Du mir dann recht viel und recht viel Gutes zu erzählen!

Gottbefohlen! Es grüßt und küsst Dich in treuer Liebe

Deine alte Mutter.

NB.: Du kannst es Dir hoch anrechnen, dass ich mir seit zwei Tagen die Finger steif schreibe an diesem „Überbrief“ – jetzt, wo ich noch die Abrechnerei für unseren Wöchnerinnenverein vor mir habe!

Schreibe Du mir flugs und fröhlich Dein Einverstanden, hörst Du?“

So lautete der Brief in des jungen Pfarrers Brusttasche. Und es hatte ein feines Lächeln seinen Mund umspielt, als er ihn zum ersten Male durchgelesen und dort geborgen hatte.

„Das nennst du also gar nicht mehr schieben? Mutterchen! Liebe, tapfere, ehrliche Mutter du!

Nun, dies eine Mal noch. Dein Zweck, mir auf diesem noch nicht ganz gewöhnlichen Wege eine Frau zu verschaffen, wird sich wohl schwerlich erfüllen. Aber ich kann dir den Gefallen ja tun.“

Und das „feine Rundreiseplänchen“ war durchstudiert und sehr bescheidentlich noch etwas korrigiert worden, das „Einverstanden“ gemeldet worden, und heute hatte Johannes Reinwald, Pastor design. von Neukirchen an der Mille, seine Ferienfahrt angetreten.

Gliebholz

Es war schon Abend, als Pastor Reinwald das Eisenbahnzüglein mir der eifrig bimmelnden Glocke verließ. Gliebholz-Dorf – denn er zielte wirklich heute auf die von der Mutter gewünschte erste Station Gliebholz – also: das Dorf Gliebholz lag eine halbe Stunde entfernt von der Haltestelle desselben Namens. Doch war es ein bequemer und anmutiger Weg vom Tal hinauf den sanften Hügel hinan auf dem – schon von Weitem erkennbar – die schmucke, weiße Kirche den einsamen Wandersmann grüßte. So ähnlich sah die seine in Neukirchen auch aus, und sieh – fast ebenso mit Efeu bewachsen war sein zukünftiges Pfarrhaus wie dies alte Nest mit dem Schindeldach, das eben jetzt bei einer Biegung des Weges vor ihm auftauchte. Es muss das Pfarrhaus sein, ohne Zweifel! So nahe bei der Kirche stand kein anderes. Aus zwei Fenstern neben der Haustüre fiel durch dichte weiße Vorhänge ein sanfter Lichtschein über den steinernen Pfad, der zwischen Blumenbeeten zum Eingang führte.

Aus zwei Fenstern nur! Natürlich, die jungen Pfarrersleute, sein Studiengenosse Paul Schmidt und das Professorentöchterlein, das er vor Kurzem heimgeführt hatte, sie saßen doch in einem Zimmer. Wie traulich mochten sie dort zusammensitzen! War es nicht eigentlich grausam, sie jetzt zu überfallen? Wenn ihm nächstens solch ein unerwarteter Gast ins Haus schneite, er würde sich freuen. Er saß ja mutterseelenallein in seinem Hause. Aber diese beiden ...?

Zögernd, wie ein Schulbube auf unrechten Wegen, ging er bis zur Haustüre. Sie war nur angelehnt. Sehr behutsam stieß er sie auf – einen ganz kleinen Quietsch gab sie von sich, als ob sie erschräke über den späten Gast. Doch dem Quietschen folgte fast augenblicklich ein helles Auflachen hinter der Zimmertüre, durch deren Ritzen sich schmale goldene Lichtstreifen in den Vorflur stahlen. Es wurde ein Stuhl gerückt, eine Klinke gedrückt, der Lichtstreifen wurde zur breiten Bahn, und auf ihr flog eine weiche, weibliche Gestalt dem überraschten Hans entgegen – nein, nicht entgegen nur: buchstäblich in die Arme, an die Brust:

„Liebster! Endlich, endlich! O! Als ich die Haustüre gehen hörte –“ entsetzt verstummte die junge Frau, fassungslos standen die zwei voreinander, und es war ein wahrer Segen, dass eben jetzt die Haustür wieder quietschte und der ganz echte „Liebste“, der schlanke Pfarrer Paul Schmidt, herzutrat.

Da kam denn bald Licht in die Situation, und der Gast kam ins Licht des Wohnzimmers, wurde dort von seinem Studiengenossen immer noch einmal mit Händeschütteln begrüßt und der – allerdings erst immer noch einmal errötenden – Frau Pfarrer in allen Ehren vorgestellt. Er wurde binnen drei Minuten zu Abendbrot, Nachtquartier, ja bis ins Unendliche eingeladen, seiner Reisetasche und anderer Ungemütlichkeiten entledigt und saß, ehe er sich’s versah, als Dritter im Bunde an dem nett gedeckten Abendbrottisch.

„Ich will nur eben noch schnell ein paar Spiegeleier machen“, flüsterte die junge Frau dem Gatten zu, er nickte und zog verstohlen ihre Hand an seine Lippen.

Hans Reinwald sah es wohl, wenn er auch scheinbar eifrig seinen Kneifer putzte. Er sah auch den Blick, mit dem der andere seiner Hausfrau folgte, und er konnte es nicht ändern – ein Seufzer entfuhr ihm.

„Du hast es gut, Paul.“

„Nicht wahr? – Ist sie nicht ein herztausiger Schatz? Hab ich dir zu viel vorgeschwärmt damals beim Wartburgfest? – Und dieses zarte Innenleben – weißt du, auf manchen Gebieten sind uns die Frauen doch über. Und so begabt ist sie! Kein Blaustrumpf! Um alles in der Welt nicht! Aber so ganz, wie ich es mir ausmalte, oder eigentlich noch viel inniger und sinniger. Es wird ihr alles zur Poesie, das Alltäglichste, sage ich dir. Sie steckt einen ordentlich an mit dem Zauber, den sie selber in den Augen hat.“

„Und du warst schon immer so etwas von einem Poeten.“

„Ich? – Nun ja.“ Er schwieg eine Weile und sah in lächelnden Träumen ins Licht der Lampe, als wäre sie ein ihn wunderbar begeisterndes Gestirn. Ein feines, bartloses Gesicht hatte er und weiches, dunkles Haar.

‚Ein bisschen gar zu lang‘, schoss es Pastor Reinwald durch den Sinn, ‚aber ich wette, seine Frau findet es gerade schön so.‘

„Es ist aber alles blauer Dunst“, fiel Schmidt plötzlich wieder ein, „alles blauer Dunst, was ich mir zusammenträumte und –reimte. Weißt du, die echteste Poesie, die wächst im deutschen Hause, und im deutschen Pfarrhause da hat sie ihre besten Gärtnersleute. Meine Leni versteht sich darauf und überhaupt!“, er stand auf, streckte sich und ging mit ein paar großen Schritten zum Tischchen am Fenster, nahm die kleine Näharbeit, die darauf lag in die Hand, fuhr sachte mit den Fingerspitzen darüber hin, als wäre sie etwas Lebendiges, Liebes – geheimnisvoll Liebes – und dann nickte er dem Freunde zu: „Hans! Es ist doch eine Wonne zu leben!“

„Eine Wonne?“, fragte Hans Reinwald zurück – da kamen die Spiegeleier. Und es kamen nicht nur sie, es kam der Tee in der reizenden kleinen Kanne mit Zubehör, der man es schon von Weitem ansah, dass sie ein Hochzeitsgeschenk war, es kam ein Stück frischer Butter wie ein goldener Stern anzusehen, und mitten in dem Stern stak ein Apfelblütenröslein. Es kam die junge Pfarrfrau, selber rosig wie eine Apfelblüte, vom Herdfeuer und von der Freude, einen Gast im eigenen Hause so recht hausfraulich zu bewirten. Und es war dem Gast so wunderlich rührend, dies alles zu beobachten.

„Schade“, meinte Frau Leni, als der Tee in den Tassen dampfte und alles beschickt war, „schade, dass es heut Abend zu windig ist, sonst könnten wir auf unserer Veranda sitzen und den blühenden Garten vor uns haben.“

„Wir haben nämlich einen Garten mit elf blühenden Bäumen und wir haben eine Veranda, musst du wissen, Hans.“

„Ich möchte wissen, was ihr nicht habt?“

Da tauschten die zwei einen sonnigen Blick, und die junge Frau glühte in seinem Strahl.

„Wie sind denn die Gemeindeverhältnisse?“, fragte Pastor Reinwald, und er fragte eigentlich nur, um eine wunderliche Stimme im eigenen Herzen zum Schweigen zu ...

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