Logo weiterlesen.de
Bilanzen lesen

Vorwort

Warum sollten Sie Bilanzen lesen können?

Der Bilanzleser erhält einen Einblick in die wirtschaftliche Lage des betreffenden Unternehmens. Vermögen, Kapital, Finanzierung und Ertragslage werden sichtbar.

Aktionäre und Mitarbeiter wollen ihr Unternehmen richtig einschätzen, Lieferanten und Kunden ihre Geschäftspartner besser beurteilen können. Die Auswertung von Bilanzen wird bei Banken in der Kreditwürdigkeitsprüfung durchgeführt und ist die Grundlage für die spätere Kreditgewährung.

In diesem Werk erfahren Sie, wie eine Bilanz aufgebaut ist, wie die einzelnen Positionen zu interpretieren sind und wie die Bewertung in der Bilanz erfolgt. Die Unterschiede eines Jahresabschlusses nach deutschem Handelsrecht und nach IFRS werden gezeigt. Auch die Änderungen des HGB durch das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) sind berücksichtigt.

Anhand einer Musterbilanz werden Sie durch das Werk geführt. Dabei sind die jeweils für dieses Kapitel relevanten Teile hervorgehoben. Die Musterbilanz ist im Anhang vollständig abgedruckt.

Das Bilanz-ABC erklärt die wichtigsten Begriffe und dient als schnelles Nachschlagewerk.

Manfred Weber

Die Bilanz

Wer eine Bilanz zu lesen versteht, kann ein Unternehmen beurteilen.

In diesem Kapitel lesen Sie,

  • wie Sie von der Inventur zur Bilanz kommen,

  • wie Sie die Aktivseite und die Passivseite der Bilanz analysieren,

  • wie Sie Finanzierung und die Liquidität eines Unternehmens beurteilen können.

Wozu braucht man Bilanzen?

Bilanzen lesen und verstehen

Die Bilanz zeigt Ihnen die Vermögensverhältnisse, den Kapitalaufbau und die Finanzierung. Sie erkennen also, ob das Unternehmen solide finanziert ist oder ob es kurz vor dem Konkurs steht. Die Bilanz informiert, woher die finanziellen Mittel kommen und wie sie eingesetzt werden. Veränderungen in der Bilanz sagen etwas über Entwicklungen im Unternehmen aus. Die Bilanz ist immer auf einen bestimmten Zeitpunkt, den Bilanzstichtag, bezogen. So gibt es Eröffnungs-, Schluss- und Zwischenbilanzen. Aus der Gewinn- und Verlustrechnung können Sie die Ertragslage eines Unternehmens ablesen. Aufwendungen und Erträge des Geschäftsjahres sind hier dargestellt.

Die Bilanz bildet, zusammen mit der Gewinn- und Verlustrechnung, den Jahresabschluss und dient der Rechenschaftslegung. Gläubiger, Lieferanten, Kunden, Mitarbeiter und die Öffentlichkeit werden informiert.

Gesetzliche Grundlagen

Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung sind hervorragende Instrumente zur Kontrolle und Dokumentation, die über den Geschäftserfolg und die Vermögenslage Auskunft geben. Nach dem Handelsgesetzbuch sind Kaufleute, Handelsgesellschaften und eingetragene Genossenschaften dazu verpflichtet, zum Schluss eines Geschäftsjahres einen Jahresabschluss zu erstellen. Der Jahresabschluss hat den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung zu entsprechen. Das bedeutet, er muss vollständig, richtig, zeitgerecht und geordnet sein. Außerdem besteht ein Verrechnungsverbot, d. h., keine Verrechnung von Posten der Aktivseite mit Posten der Passivseite, und keine Aufrechnung von Aufwendungen und Erträgen.

Wie entsteht aus dem Inventar die Bilanz?

Inventur und Inventar

Inventur ist die lückenlose mengen- und wertmäßige Erfassung des Vermögens und der Schulden eines Unternehmens zu einem bestimmten Stichtag. Das Verzeichnis, das bei dieser Bestandsaufnahme erstellt wird, ist das Inventar.

Handelsrecht und Steuerrecht verpflichten die Kaufleute zur Inventur. Der Kaufmann muss sein Vermögen und seine Schulden zu folgenden Anlässen feststellen:

  • bei Gründung oder Kauf eines Unternehmens,

  • am Ende eines jeden Geschäftsjahres,

  • bei Verkauf des Unternehmens.

Durchführung der Inventur

Das Erfassen des gesamten Vermögens und aller Schulden wird als Inventur bezeichnet. Die körperliche Bestandsaufnahme (= körperliche Inventur) der Vorräte ist der wichtigste Teil der Inventur und erfolgt durch Zählen, Wiegen, Messen und Schätzen. Weniger arbeitsintensiv, aber ähnlich vorzugehen ist bei der Ermittlung der technischen Anlagen und Maschinen, des Fuhrparks und der Betriebs- und Geschäftsausstattung. Die körperliche Bestandsaufnahme ist notwendiger Bestandteil einer ordnungsmäßigen Buchführung und Bilanzierung.

Die Werte der übrigen Vermögensgegenstände können größtenteils ohne körperliche Bestandsaufnahme, anhand von Belegen oder buchhalterischen Aufzeichnungen, ermittelt werden. Bankguthaben werden durch Kontoauszüge der Banken festgestellt. Die Höhe der Forderungen an Kunden wird in der Buchhaltung festgehalten. Auch die Schulden sind Gegenstand der buchmäßigen Bestandsaufnahme (= Buchinventur).

Verschiedene Inventurverfahren

Das Vermögen wird bei der Stichtagsinventur durch körperliche Bestandsaufnahme zum Bilanzstichtag, meist dem 31.12., festgestellt.

Die Bestandsaufnahme zum Bilanzstichtag kann entfallen, wenn der mengenmäßige Bestand der Warenvorräte buchmäßig nachgewiesen werden kann. Die Bestandsveränderungen werden als Zu- und Abgänge in der Lagerkartei oder von der EDV erfasst. Die körperliche Bestandsaufnahme kann bei der permanenten Inventur an jedem beliebigen Tag des Geschäftsjahres erfolgen. Die Bestände müssen aber wenigstens einmal im Geschäftsjahr durch eine körperliche Bestandsaufnahme aufgenommen werden.

Inventar ist das Ergebnis der Inventur

Das Inventar (lateinisch inventarium = Bestandsverzeichnis) ist ein umfassendes Bestandsverzeichnis, in dem alle Vermögensgegenstände und Schulden nach Art, Menge und Wert einzeln aufgeführt sind. Die Bestimmung von Werten ist die Hauptaufgabe des Inventars.

Das Inventar wird in drei Teile aufgeteilt:

  1. Vermögen

  2. Schulden

  3. Ermittlung des Reinvermögens (= Eigenkapitals)

Vermögen

Das Vermögen gliedert sich in Anlage- und Umlaufvermögen. Das Anlagevermögen beinhaltet alle Vermögensgegenstände, die langfristig zur Durchführung der Betriebsaufgaben benötigt werden:

  • Grundstücke und Gebäude

  • Maschinen und maschinelle Anlagen

  • Betriebs- und Geschäftsausstattung

  • Fahrzeuge (Fuhrpark)

  • Anlagen im Bau

Zum Umlaufvermögen zählen die Vermögensgegenstände, die nur für kurze Zeit im Unternehmen bleiben. Sie werden zur Erstellung der betrieblichen Leistungen ständig verändert und umgewandelt.

Vorräte sind ein wichtiger Teil des Umlaufvermögens. Im Handel steht an dieser Stelle die Position „Waren“.

Das Umlaufvermögen umfasst außer den Vorräten noch Forderungen, Wertpapiere und liquide Mittel.

Schulden

Die Schulden werden im Inventar nach der Fälligkeit, d. h. nach der Dringlichkeit der Zahlung, angeordnet:

Langfristige Schulden

  • Hypothekenschulden

  • Grundschulden

  • langfristige Darlehen

Kurzfristige Schulden

  • Lieferantenverbindlichkeiten

  • Kontokorrentschulden

  • Wechselverbindlichkeiten

Ermittlung des Reinvermögens

Das Reinvermögen bzw. das Eigenkapital können Sie feststellen, indem Sie vom gesamten Vermögen alle Schulden abziehen.

Gesamtvermögen – Schulden = Reinvermögen

Wichtig

Die Unternehmensleitung ist für die ordnungsmäßige Durchführung der Inventur verantwortlich. Das Inventar ist die Grundlage für die Bilanz. Das Inventar und seine beigefügten Unterlagen sind 10 Jahre aufzubewahren (§§ 257 HGB, 147 AO).

Beispiel: Inventar und Bilanz
Inventar des Kaufmanns Marcel Butsch
A. Vermögen
Grundstücke und Gebäude 724.500 EUR
Lagereinrichtung 82.900 EUR
Geschäftsausstattung 69.700 EUR
Fuhrpark 11 5.000 EUR
Waren 120.400 EUR
Kundenforderungen 140.790 EUR
Bankguthaben 25.200 EUR
Kasse 5.280 EUR
Summe des Vermögens 1.283.770 EUR
B. Schulden
Hypothek der Sparkasse 150.000 EUR
Darlehen der Volksbank 80.000 EUR
Lieferantenverbindlichkeiten 170.620 EUR
Summe der Schulden 400.620 EUR
C. Reinvermögen
Summe des Vermögens 1.283.770 EUR
Summe der Schulden 400.620 EUR
Reinvermögen = Eigenkapital 883.150 EUR

Das Inventar, mit seiner ausführlichen Aufstellung der einzelnen Vermögensteile und Schulden, ist die Grundlage für die Bilanz. Diese wird aus dem Inventar entwickelt und ist eine Kurzfassung des Inventars. Während allerdings Vermögen, Schulden und Eigenkapital im Inventar in Staffelform dargestellt werden, wird in der Bilanz die sogenannte Kontenform gewählt.

Auf der linken Seite der Bilanz steht das Vermögen. Sie finden beispielsweise die Vermögensposition „Grundstücke und Gebäude“ mit dem Wert von 724.500 EUR aus dem Inventar auf der linken Seite unter Anlagevermögen ausgewiesen. Entsprechend ist mit der Lagereinrichtung, der Geschäftsausstattung und dem Fuhrpark zu verfahren. Waren, Kundenforderungen, Bankguthaben und Kasse erscheinen ebenfalls auf der linken Seite, allerdings unter Umlaufvermögen.

Die rechte Seite weist die Schulden und das Eigenkapital aus. Die im Inventar ausgewiesene Hypothek der Sparkasse über 150.000 EUR erscheint deshalb auf der rechten Seite der Bilanz. Entsprechend ist mit dem Darlehen der Volksbank und den Lieferantenverbindlichkeiten zu verfahren.

Das im Inventar ausgewiesene Reinvermögen in Höhe von 883.150 EUR erscheint in der Bilanz auf der rechten Seite als Eigenkapital. Damit stimmen die Bilanzsummen auf der linken und rechten Seite überein.

Die Bilanz sieht dann folgendermaßen aus:

Bilanz des Kaufmanns Marcel Butsch
Aktiva Passiva
VERMÖGEN KAPITAL
Anlagevermögen Eigenkapital 883.150
Grundstücke und Gebäude 724.500 Schulden
Lagereinrichtung 82.900 Hypothek
Geschäftsausstattung 69.700 Sparkasse 150.000
Fuhrpark 115.000 Darlehen Volksbank 80.000
Umlaufvermögen Lieferantenverbindlichkeiten 170.620
Waren 120.400
Kundenforderungen 140.790
Bankguthaben 25.200
Kasse 5.280
1.283.770 1.283.770

Was liest man in der Bilanz?

Die linke Seite der Bilanz, die Aktivseite, zeigt das Vermögen des Unternehmens. Sie erfahren ferner, welche Werte auf die einzelnen Vermögenspositionen (Aktiva) entfallen. Auf der rechten Seite, der Passivseite, sind die Kapitalwerte (Passiva) aufgeführt, unterteilt in Eigenkapital und Fremdkapital. Während die Aktivseite Sie über die Mittelverwendung informiert, unterrichtet Sie die Passivseite über die Mittelherkunft.

Die Vermögenswerte sind in der Bilanz nach einer bestimmten Reihenfolge angeordnet, nämlich dem Grad, wie schwer sie sich „liquidieren“, also in Geld umwandeln lassen. Werte, die nur schwer verflüssigt werden können, wie Grundstücke und Gebäude, stehen auf der Aktivseite ganz oben. Am unteren Ende erscheinen die flüssigen Mittel, Kasse und Bankguthaben. Das Kapital wird nach der Fälligkeit ausgewiesen. Das Eigenkapital, das langfristig im Unternehmen bleibt, steht immer an der ersten Position. Kurzfristige Verbindlichkeiten, die schon bald zu zahlen sind, werden am Ende aufgeführt.

Die Bilanz ist eine Gegenüberstellung von Vermögen und Kapital, die Summe der Aktiva und die Summe der Passiva ist gleich. „Bilanz“ (italienisch „bilancia“) heißt Gleichgewicht der Waage. Die folgende Bilanz ist eine gekürzte Form der im Anhang dargestellten Musterbilanz, die allen kommenden Darstellungen zugrunde liegt.

Maschinenbau AG, Stuttgart
Kurzfassung der Bilanz zum 31.12.2012 (in 1.000 EUR)
Aktiva Passiva
Immaterielle Eigenkapital 51.027
Vermögensgegenstände 44
Sachanlagen 56.929 Rückstellungen und Sonderposten 21.189
Finanzanlagen 6.714
Vorräte 12.357 Verbindlichkeiten gegenüber Banken 14.894
Forderungen 14.980
Wertpapiere 5.245 Andere Verbindlichkeiten 12.671
flüssige Mittel 3.512
99.781 99.781
Maschinenbau AG Aktiva
Maschinenbau AG Aktiva
MAG – Aktiva
31.12.2012 31.12.2011
Aktiva EUR in 1.000 EUR in 1.000
Anlagevermögen 63.687 56.033
Umlaufvermögen 36.094 35.772
99.781 91.805

Wie wird die Vermögenslage beurteilt?

1. SCHRITT: Die Aktivseite der Bilanz

ZIEL: Vermögenslage beurteilen können

Die Vermögenslage eines Unternehmens können Sie anhand einer Analyse der Aktivseite der Bilanz beurteilen.

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Bilanzen lesen" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen






Teilen