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Bestrickend – unter Protest direkt ins Herz

Celine Blue, Sissi Kaipurgay

Bestrickend – unter Protest direkt ins Herz





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Vorwort

Liebe Leserin, lieber Leser,

hier haben Celine Blue und ich uns eine kleine Idee geteilt. Sie schreibt Franklin, ich durfte Robert haben. Das Spiel hat mal wieder richtig Spaß gemacht. Danke, Celine.

Lieber Gruß

Sissi

Ein ganz normaler Samstag in Hamburg…

Ich bin Aktionskünstler. Okay, eigentlich bin ich ein kleiner Angestellter in einer Versicherungsagentur und lebe unerkannt und unbehelligt vor mich hin. Nur, wenn ich den Künstler gebe, mit Perücke und tarnendem Schnurrbart, wachse ich über mich hinaus und mache verrückte Dinge. Als ich von den Guerilla Strickerinnen lese und diesen Satz entdecke: ‚Handarbeit im öffentlichen Raum‘, kommt mir spontan eine Idee, die ich dank Facebook auch ganz schnell umsetzen kann …

 

 

Ein ganz normaler Samstag in Hamburg…

 

Ich habe bei Facebook inzwischen über tausend Zusagen zu der ‚Handarbeit‘-Aktion. Das wird ein Fest, wenn lauter wichsende Kerle heute Mittag den Mönckebergbrunnen mit ihrer Anwesenheit beehren werden. Ich selbst bin auch schon ganz fickerig bei dem Gedanken. Schnell erledige ich den Haushalt, kaufe ein und mache mich danach fertig. Perücke, Makeup, der falsche Schnauzbart und schrill bunte Klamotten. Voilà, fertig ist der Künstler.

Normalerweise bin ich ein grauer Bürohengst, in Anzug mit Schlips und glänzend polierten Schuhen. Jetzt befinde ich mich in meiner Komfortzone, als schriller Künstler ohne Hemmungen.

Der normale Robert würde niemals seinen Schwanz in der Öffentlichkeit auspacken, doch dieser Robert hier – der wird es tun. Es juckt mir sogar in den Fingern, schon in der Bahn das Spiel zu beginnen. Jedoch, wie die bekannten Flashmobs, soll die Aktion erst am Mönckebergbrunnen beginnen und dort innerhalb von fünf Minuten vorbei sein. Das Transparent mit dem Slogan ‚Auch Schwuchteln sind Menschen‘ halte ich fest in meinen Armen. Die Blicke der anderen Fahrgäste sprechen Bände, aber das stört mich nicht. Ich bin individuell und ein Held, wenn ich diese Aktion durchziehe.

Die Weiber bestricken und behäkeln Bäume und öffentliches Allgemeingut, doch ich will es härter, männlicher und - gemäß dem Slogan - werden wir heute ‚Handarbeit im öffentlichen Raum‘ praktizieren, nicht nur andeuten, sondern nackte und sehr echte Tatsachen präsentieren.

Die U-Bahn hält an der Haltestelle ‚Mönckebergstraße‘ und ich quetsche mich mit dem aufgerollten Transparent durch die Menschenmassen. Es ist gerade Frühling und das Wetter schön, doch das ist kein Grund, hier die Einkaufsmeile zu verstopfen, finde ich zumindest.

 

Ich erreiche den Mönckebergbrunnen und schaue mich um. Von den erwarteten tausend Teilnehmern müssen inzwischen mindestens fünfhundert vorhanden sein, den interessierten Blicken nach zu urteilen, die sich viele der Kerle zuwerfen. Ich bin überwältigt, schaue auf meine Armbanduhr und überlege, wie ich den Countdown starten soll, als ich in der Menge plötzlich ein nur allzu bekanntes Gesicht entdecke. Franklin, mein Arbeitskollege.

Hilfe! Ich bin nicht geoutet und will keinesfalls, dass er mich erkennt. Der Bart und die Perücke sind hilfreich, aber meine Augen! Eine Sonnenbrille habe ich nicht dabei, also muss ich mich in Deckung begeben. Doch der Countdown kann nur von mir kommen.

Inzwischen ist der Platz richtig voll. Ich nähere mich dem Brunnen, klettere auf die Umrandung und hebe das Transparent hoch.

„Auch Schwuchteln sind Menschen“, rufe ich laut. „Lasst es uns allen zeigen.“

Ich stehe dort oben und hole etwas ungelenk mit einer Hand meinen Schwanz heraus, da ich mit der anderen das Transparent halte. Alle Männer folgen meinem Beispiel und schon bald erklingt unser Stöhnen unisono über den Platz.

Um uns herum scheint alles stillzustehen. Passanten glotzen und sogar die Busse halten an, nur um uns bei diesem festlichen Handjob zuzusehen. Die Blicke der Teilnehmer sind auf mich gerichtet und das macht mich noch geiler. Gekonnt bringe ich mich zum Abschuss und stelle gerade noch fest, dass auch Franklins Augen an mir hängen, bevor ich über die Klippe springe.

WAS für ein Anblick. Überall spritzt Sperma und Gesichter verzerren sich lustvoll. Ich lande gerade und gucke jetzt Franklin zu, wie sich dieser in Ekstase massiert und mit geschlossenen Augen kommt. Wow! Er ist schon so ein echter Hingucker, mit den dunklen Haaren und Augen, doch nun mutiert er zur Schönheit. Ich glotze ihn an und werde erst von den Trillerpfeifen der anrückenden Bullen zurück in die Wirklichkeit geholt.

„Danke für euer Kommen“, rufe ich und wedele dabei mit den Armen. „Nun seht zu, dass ihr fortkommt.“

Sogleich springe auch ich von der Umrandung und laufe zur nächsten U-Bahn Station. Der Zug fährt gerade ein und ich stürze mich – zusammen mit vielen anderen Teilnehmern – in ein Abteil. Wie es der Zufall so will steht Franklin nicht weit weg von mir und glotzt mich fortwährend an. Ich senke den Blick und drehe ihm den Rücken zu. Das Transparent musste ich zurücklasen, leider. Hoffentlich nehmen die Bullen keine Fingerabdrücke oder gar DNA Spuren, dann wäre ich geliefert …

 

Fritz zwitschert schon aufgeregt, als ich meine Wohnung betrete. Schnell werfe ich die warme Perücke ab und entferne auch den Bart. Ob Franklin einen Verdacht hat? Ich schwärme schon seit ein paar Monaten für ihn, genauer gesagt seit er mein Kollege ist, also seit knapp dreizehn Wochen.

Nachdem ich den Kanarienvogel versorgt habe, springe ich unter die Dusche und verwandle mich wieder in Robert, den unauffälligen Angestellten. Bis zur nächsten Aktion werde ich so bleiben, damit sich die Wogen glätten können.

 

Im Vorabendprogramm finde ich unter den regionalen Berichten tatsächlich eine Reportage über meine Aktion. Die Reporterin berichtet über notgeile Kerle und lässt den eigentlichen Sinn der Sache völlig außer Acht. Miese Schlampe! Ich stelle die Glotze aus und schnappe mir ein Buch.

 

Bis es Montag ist habe ich die Aufregung verdaut. Meist dauert der Adrenalinkick mehrere Tage an, doch diesmal ist er dadurch gedämpft, dass ich Franklin fürchte und beständig hoffe, dass er mich nicht wiedererkennt.

 

Zuerst ist alles normal.

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