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Aufgalopp in den Tod

Joachim Honnef

Aufgalopp in den Tod

N.Y.D. - New York Detectives





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Aufgalopp in den Tod: N. Y. D. - New York Detectives

Krimi von Joachim Honnef

Der Umfang dieses Buchs entspricht 126 Taschenbuchseiten.

Privatdetektiv Bount Reiniger und seine Assistentin June March haben in Miami einen Auftrag von dem Rennstallbesitzer Arthur Longfield. Einer seiner Jockeys wurde ermordet und ein Wachmann verletzt, als man versuchte, seine besten Pferde zu töten. Lieutenant Abercrombie von der City Police scheint wenig Interesse zu haben, die Verbrechen aufzuklären. Ein gefeuerter Ex-Trainer oder Bruce Myers, der schärfste Konkurrent Longfields – beide sind mögliche Täter. Doch dann wird auch auf Myers' Jockey geschossen … Ein Ablenkungsmanöver? Bereits kurz nach seiner Ankunft in Miami hatte man versucht, den Detektiv zu eliminieren, und bei dem ersten Versuch sollte es nicht bleiben ...

Die Hauptpersonen des Romans:

Arthur Longfield - Der Fabrikant und Rennstallbesitzer gerät in arge Schwierigkeiten.

Bruce Myers - Er weiß genau, wie Pferderennen manipuliert werden können.

Charley McKenzie - Der ehemalige Trainer macht keinen Hehl aus seinem Hass auf den früheren Chef.

Ruby Masters - Die attraktive Sekretärin träumt von einer eigenen Mannequinschule.

Frank Delany - Der Besitzer der Jockey-Bar kennt sich mit Galoppern nicht gut aus.

Abercrombie - Der Lieutenant ist nicht so schläfrig, wie er sich gibt.

June March - ist Bounts Assistentin und hilft ihm bei seinen Fällen.

Bount Reiniger - ist Privatdetektiv.




Prolog

Galopprennsport. Prickelnde Spannung vom Start bis zum Zieleinlauf - für die Zuschauer, die Wetter, die Pferdebesitzer, die Trainer und Gestüte. Höchste Konzentration der Jockeys. Taktik. Viel Geld ist im Spiel. Die Sieg und Platzprämien locken. Der Name von Pferd und Jockey steigt nach siegreichen Ritten im Marktwert. Dem Erfolgreichen winken bessere Verträge, die Teilnahme an höher dotierten Rennen. Ein harter Kampf, sowohl auf dem Geläuf wie hinter den Kulissen. Nicht nur auf der Rennbahn in Miami. Überall, wo Pferderennen ausgetragen werden. Doch im Race Course von Miami ritt ein unsichtbarer im Feld mit - der Tod ...



1

Mike McCann pfiff vergnügt vor sich hin, als er zu seinem Apartment fuhr.

An diesem Tag fühlte sich der kleine Jockey als der Größte.

Er hatte im sechsten Rennen, dem Hauptrennen dieses Tages, auf einem Außenseiter gesiegt. Das brachte ihm die Goldene Reitpeitsche ein, den begehrten Preis, der jedes Jahr von einer Brauerei gestiftet wurde. Außerdem die Prozente von der Siegprämie. Aber was noch wichtiger war - er hatte sich einen Namen gemacht. Jetzt brauchte er nicht mehr mit den lahmsten Gäulen hinter dem Feld her zu galoppieren. Jetzt würde man ihm die besseren Tiere satteln und ihn in höher dotierte Rennen schicken. Und bei seiner Vertragsverlängerung konnte er schon einige Forderungen stellen.

Mike lächelte. Niemand hatte ihm das zugetraut. Wenn er ehrlich war, hatte er selbst nicht geglaubt, dass Gipsy Boss, der vierjährige Wallach, im Finish noch so gute Reserven haben würde. Eingangs der Zielgeraden hatte er noch an neunter Stelle gelegen. In anderen Rennen mit einem größeren Feld wäre das manches Mal ein Erfolg für ihn gewesen. Doch diesmal liefen nur neun Pferde. Einige Ställe hatten die Nennung zurückgezogen, einige genannte Pferde waren vor dem Start krank geworden.

Mike glaubte noch, den immer hektischeren Kommentar über Lautsprecher zu hören: „Amber Lord an der Spitze. Amber Lord ... dicht auf Jet Spray mit Solo Dancer, der den Platz verbessert ... am Schluss des Feldes unverändert Gipsy Boss.“

Es war, als hätte Gipsy Boss das verstanden und als Beleidigung aufgefasst.

Der Junge war losgeprescht, als schwele die Lunte einer Dynamitstange an seinem Schweif.

Ein Aufschrei war durch die Menge der Zuschauer gegangen, als Gipsy Boss außen am Feld förmlich vorbeigeflogen war. Mike hatte ihm nicht mal die Peitsche zeigen müssen.

Gipsy Boss hatte mit einer halben Länge gewonnen. Ein krasser Außenseiter. Eine Sensation am Totalisator.

Dabei hatte der Besitzer, ein Büromöbelfabrikant, schon mit dem Gedanken gespielt, Gipsy Boss zu verkaufen. Jetzt war der Marktwert des Wallachs gestiegen.

Und der seines Jockeys.

Auch er, Mike McCann, war im Grunde ein Außenseiter gewesen. Ein Niemand unter der Vielzahl der Profi-Rennreiter. Ein Kollege hatte mal spöttisch gesagt, man ließe ihn doch nur mitreiten, damit das Feld groß genug sei und die Zocker unter den Wettern etwas zu verlieren hätten.

Diesmal hatten die wenigen, die auf ihn und Gipsy Boss gesetzt hatten, kräftig abkassiert.

Und auch er hatte kassiert.

All die Mühen hatten sich gelohnt, das Fasten, um die 51 Kilo auf die Waage zu bringen, die Trainingsarbeit, die Hetzjagd von Starttermin zu Starttermin, von Rennbahn zu Rennbahn, der Verzicht auf Privatleben.

Mike McCann fühlte sich wie im siebenten Himmel, als er seinen Sunbeam in die Tiefgarage des Apartmenthauses fuhr, in dem er wohnte.

Den schwarzen Chrysler, der ihm vom Race Course aus bis in die City von Miami gefolgt war, bemerkte er nicht ...



2

„Was ... was soll das?“

Mike hatte gerade die Wagentür abgeschlossen, als der Mann urplötzlich neben ihm auftauchte und ihm etwas Hartes gegen die Rippen presste.

Mike starrte entsetzt zu dem Hünen empor, der ihn überragte wie ein lebender Fels. Der Kerl hatte einen massigen Schädel mit schwarzen krausen Haaren. Wie Budd Spencer im Afrolook, dachte Mike. Doch dann sah er die kalten Augen und den grausamen Zug um die wulstigen Lippen des Mannes und erkannte schlagartig, dass es nicht Budd Spencer sein konnte und dass das Harte, das sich in seine Rippen bohrte, die Mündung einer Waffe war.

„Berechtigte Frage, Kleiner“, sagte der Mann und lachte spöttisch. „Du bekommst auch glatt eine Antwort, wenn du hübsch brav und leise bist und zu meinem Freund Danny dort in den Wagen steigst.“

Er nickte nach links.

Mike sah einen schwarzen Chrysler im Schein der Parkdeckbeleuchtung. Die Tür stand offen. Ein Mann saß am Steuer und rauchte. Er grinste, als Mike zu ihm hinsah.

Eine Entführung!, durchfuhr es den Jockey.

Sein Blick irrte in die Runde. Kein Parkwächter, kein Autofahrer, keine Hilfe. Auf diesem Parkdeck gab es nur feste Einstellplätze für die Bewohner des Apartmenthauses. Und die meisten waren sicherlich noch auf Arbeit. Doch irgendeiner konnte immer mal auftauchen.

Zeit gewinnen!, dachte Mike.

„Warum ... soll ich in den Wagen steigen?“, fragte er und wich von der Waffenmündung fort. Dann stöhnte er auf, denn der Hüne stieß ihm den Stahl in die Seite.

„Weil ich das sage!“, zischte der Mann. „Los, oder ich puste dich in den Wagen, du Kümmerling!“

Mike schluckte. Er hatte das Gefühl, jäh von einer rosaroten Wolke in einen dunklen Abgrund gestürzt zu sein. Eben war er noch so glücklich gewesen, und jetzt wurde er von zwei gefährlichen Typen bedroht.

Was wollten sie? Geld vermutlich. Räuber. Das passierte doch andauernd in der Stadt. Doch weshalb schlugen sie ihn nicht einfach nieder und raubten ihn aus? Weshalb verlangte der Riese nicht die Brieftasche? Weshalb wollten sie, dass er in den Chrysler stieg?

Es blieb ihm nichts anderes übrig, als zu gehorchen.

Benommen setzte er sich in Bewegung.

Der Druck der Waffenmündung verschwand. Mike blickte über die Schulter zu dem Hünen, der ihm folgte. Der Kerl hielt eine Pistole mit Schalldämpfer in der Hand. Mike schluckte.

Sein Blick irrte wieder in die Runde. Keine Menschenseele.

Der Hüne stieß ihn auf den Beifahrersitz.

„Hallo, Kleiner“, sagte der Mann am Steuer, ohne die Zigarette aus dem Mundwinkel zu nehmen. „Wir wollten dir nur zu deinem grandiosen Sieg gratulieren.“ Er kicherte und blies Mike Tabaksqualm ins Gesicht.

Es fiel Mike wie Schuppen von den Augen.

Die Drohung!

Er hatte sie völlig vergessen, verdrängt, als den üblen Scherz eines Neiders oder Kollegen abgetan.

„Dein Gaul im sechsten Rennen taugt zwar ohnehin nichts, aber wenn du auf die Idee kommen solltest, damit vorne im Feld mitzureiten, wird es dein letzter Ritt sein ...“

„Du hast vergessen, was wir dir am Telefon sagten.“ Der Hüne stieß Mike die Waffe mit dem Schalldämpfer in den Rücken.

„Ich ... ich dachte ...“

„Du hättest nicht denken sollen“, unterbrach ihn der Kerl am Steuer. „Das Denken hättest du uns oder den Pferden überlassen sollen, die bekanntlich größere Köpfe haben. Das wäre gesünder für dich gewesen.“

„… wird es dein letzter Ritt sein …!“

Mike dachte an den Unfall eines Kollegen, an Morddrohungen und Anschläge auf Rennställe, Trainer und Besitzer. Man munkelte viel hinter den Kulissen. Mike hatte natürlich die Gerüchte gehört von Schiebung und Bestechung, von Sabotage und Drohungen. Doch Genaues wusste er nicht. Und er hätte nie gedacht, dass er eines Tages ebenfalls ein Opfer werden könnte.

Die Rennbahn-Mafia!

Angst stieg in Mike McCann auf. Todesangst.

„Ich ... ich wollte nicht gewinnen“, stammelte er. „Gipsy Boss - er war einfach nicht aufzuhalten.“

„Dein Pech“, sagte der Hüne hinter ihm.

Dann schlug er zu.

Mike war mal bei der Trainingsarbeit von einem Pferd getreten worden. Das gleiche Gefühl hatte er jetzt. Er glaubte, sein Kopf explodierte. Feurige Kreise drehten sich vor seinen Augen, als er gegen den Mann am Steuer sank. Er glaubte, jeden Augenblick ohnmächtig zu werden, doch er blieb bei Bewusstsein.

Danny stieß ihn von sich.

Wie aus weiter Ferne hörte Mike einen der beiden Kerle sagen: „Los jetzt, in den Kofferraum mit ihm und ab dafür.“

„Sollten wir ihn nicht besser knebeln?“

„Nicht nötig. Der verschläft glatt seinen Tod. Gib mir den Schlüssel.“

Mike hörte etwas klimpern. Dann das Klappen einer Autotür. Schritte, die sich zum Heck des Wagens hin entfernten.

Sie wollten ihn töten!

Nicht in der Tiefgarage, sondern irgendwo an einem einsamen Ort, an dem sie nicht damit zu rechnen brauchten, dass jemand zufällig auftauchte. Und sie hatten ihn nicht gleich umgebracht, weil sie ihm noch hatten sagen wollen, weshalb er sterben sollte.

Mikes Gedanken arbeiteten klar in diesem Augenblick. Die feurigen Kreise, die er trotz der geschlossenen Augen zu sehen glaubte, verschwanden.

Er hörte, wie der Kofferraumdeckel aufschwang. Es gab vielleicht eine Chance. Sie mussten am Zahlschalter vorbei, und wenn er schrie ...

Ob der trottelige alte Kassierer in seinem Glaskäfig das hören würde?

„Soll ich mit anpacken, Jake?“, fragte Danny.

„Quatsch, den Knirps stemme ich mit einer Hand, erwiderte der Hüne.

Mike öffnete blinzelnd die Augen einen Spalt. Der Gangster am Steuer war wohl Kettenraucher. Er zündete sich gerade eine neue Zigarette an. Mikes Blick fiel auf das Ablagefach des Autoradios. Dort lag, fast verdeckt von Musikkassetten, eine Pistole.

Mike war wie elektrisiert vom Anblick der Waffe. Er brauchte nur danach zu greifen! Sie hielten ihn für bewusstlos. Vermutlich hatte der Gorillatyp die Waffe mit dem Schalldämpfer längst weggestreckt, um die Hände freizuhaben. Wahrscheinlich. Wenn sie ihn erst einmal im Kofferraum hatten, war es fraglich, ob irgendjemand beim Motorengeräusch seine Schreie hörte und ihm zu Hilfe kam.

Mike überlegte nicht lange. Er wusste mit einer Waffe umzugehen.

Der Gangster am Steuer hatte gerade den Zigarettenanzünder aus dem Armaturenbrett gezogen und zündete seinen Glimmstängel an.

Das war der Augenblick.

Mike pochte das Herz bis zum Hals.

Seine Hand stieß zu der Pistole, riss sie aus dem Ablagefach.

Der Gangster neben ihm ließ vor Schreck den Zigarettenanzünder fallen und schrie auf, weil er sich das Hosenbein ansengte.

Mike spürte den Stahl der Waffe in der Hand. Für einen Augenblick hatte er das gleiche Gefühl wie in dem Moment, als er mit Gipsy Boss über die Ziellinie galoppiert war. In diesem Sekundenbruchteil hatte er gewusst, dass er es geschafft hatte. Und jetzt würde er es wiederum schaffen.

Alle Benommenheit war schlagartig verschwunden.

Er schnellte sich aus dem Wagen.

Dann rollte er sich geschickt ab. Das gehörte zum Fitnesstraining eines Jockeys, der seinen Job ernst nahm wie Mike. Er sprang auf dem Betonboden auf, entsicherte die Pistole.

Er sah den Hünen am Heck des Wagens, sah, wie sich dessen Miene vor Überraschung verzerrte, wie der Mann die Jacke zurückschlug und die Waffe mit dem Schalldämpfer hervorriss.

Mike stieß die Pistole auf den Gangster zu, zielte, drückte ab, in dem Moment, in dem der Hüne die Hand mit der Waffe zu ihm herumschwenkte.

Dann traf ihn der Schock.

Es klickte nur metallen.

Die Pistole war nicht geladen!

Vor Schreck war er wie betäubt. Panik erfasste ihn. Verzweiflung.

Er sah, wie der Hüne die Waffe auf ihn richtete, wie sich die wulstigen Lippen zu einem grausamen Lächeln verzogen.

Er sah die kalten, mitleidlosen Augen, die im Schein der Leuchtstoffröhren funkelten, sah, wie sich der Finger am Abzug bewegte.

„Neeeiiin ...“

Dann sah er das Aufblitzen und verspürte den Schlag gegen die Brust. Er hatte das Gefühl, von einer unsichtbaren Riesenfaust über den Betonboden geschleudert zu werden. Er spürte, wie etwas in ihm zerriss.

Er dachte noch an Jane, seine Freundin, mit der er am Abend den Sieg hatte feiern wollen. Dann wurde es schlagartig dunkel und still um ihn, und er dachte und spürte nichts mehr.

Mike McCann war tot.

Sie hatten den kleinen Jockey ermordet, weil er an diesem Tag auf Gipsy Boss der Größte gewesen war ...



3

Die Sonne kämpfte sich an diesem Tag durch die Dunstglocke über New York und verzauberte mit ihrem Schein selbst Wolkenkratzerschluchten, in denen fast immer Halbdunkel herrschte, bis abends die Leuchtreklamen aufflammten.

Es war ein Wetter, bei dem man sehnsüchtig aus den Fenstern der Bürohäuser blickte und träumte, aus den vollklimatisierten Arbeitssilos fliehen zu können.

Auch Bount Reiniger dachte wie viele andere an diesem Tag an Urlaub. Er sah sich im Geiste an einem Strand unter Palmen liegen und dem Rauschen der Meeresbrandung zu lauschen.

Stattdessen schrillte das Telefon.

Bount Reiniger seufzte, nahm den Hörer ab und meldete sich.

Dann verzog er das Gesicht und hielt den Hörer weit von sich. Er konnte diese schrille Keifstimme nicht ertragen.

Vermutlich irgend so eine Alte, die ihren durchgebrannten Mann aufspüren lassen wollte. Den letzten Fall dieser Art hatte er nur zu gut in Erinnerung. Fünf Tage lang hatte er Ermittlungen angestellt, um sich das Honorar zu verdienen. Als er schließlich noch einmal Rücksprache mit der Klientin hatte nehmen wollen, hatte er den Verschollenen friedlich vereint mit seiner Frau am Frühstückstisch angetroffen. Der alte Knabe hatte nur mal eine Nacht über die Stränge geschlagen und war in einem Nightclub versackt. Die Lady hatte versäumt, ihm das gleich mitzuteilen und ihm die sinnlose Arbeit zu ersparen. Und sie hatte sich geweigert, für mehr als einen Tag zu zahlen. Sie hatte ihm die vereinbarten hundert Dollar hingeworfen wie einem Hund den Knochen. Am liebsten hätte er ihr das Geld an den blond gefärbten Kopf geworfen und ihr die Meinung gesagt. Doch zu diesem Zeitpunkt war er nicht gerade mit Dollars gesegnet gewesen. So hatte er das Geld genommen und der falschen Blondine nur die Meinung gesagt, bevor er gegangen war.

Bount besann sich darauf, dass ein neuer Job nicht schaden konnte. Da waren wieder allerhand unvorhergesehene Zahlungen fällig, die verdient sein wollten.

Schrillstimme hin, Schrillstimme her. Er nahm den Hörer wieder ans Ohr.

Ja, sie suchte ihren Mann. Desinteressiert hörte er eine Weile zu, bis die Lady endlich zur Sache kam und etwas von fünfhundert Dollar erwähnte.

„Das wäre als Honorar durchaus angemessen, Mrs. ...“

„Blister. Emily Blister. Das sagte ich doch schon.“ Es folgte ein Wortschwall, dem Bount nicht viel entnehmen konnte, bis schließlich wiederum von fünfhundert Dollar die Rede war.

„Ich sagte bereits, Mrs. Blister, dass ich das Honorar akzeptiere. Kommen wir nun zu den Einzelheiten ...“

„Honorar?“ Die Stimme der Frau klang noch schriller als zuvor. „Wie meinen Sie das?“

„Nun, Mrs. Blister. Sie werden verstehen, dass niemand umsonst arbeiten und von Wasser und Luft leben kann. Deshalb ...“

„Ernie hat die fünfhundert vom Sparbuch abgehoben, bevor er mit diesem Flittchen abhaute. Hören Sie doch richtig zu. Ich verlange, dass Sie das Geld wiederbeschaffen. Dafür zahle ich zehn Prozent.“

Bount seufzte. „Und für Ernie?“, fragte er spöttisch.

„Der Hurensohn kann zum Teufel gehen!“ Sie schluchzte es, und Bount fragte sich, wie man nur so schrill schluchzen kann.

„Kommen Sie sofort her!“, verlangte sie dann ohne Schluchzen.

In diesem Augenblick wurde die Tür des Büros geöffnet. Eine strahlende June March schaute herein, und Bount Reinigers Unmut verflog wie ein Nebelschleier in der Morgensonne.

„Toby Rogers“, sagte seine blonde Assistentin, und Bount vergaß die Schrillstimme und ihren verdammten Ernie, der sicherlich wusste, warum er sich davongemacht hatte.

„Warum sagen Sie nichts?“, fragte die schrille Lady.

„Sie lassen mich ja kaum zu Wort kommen, Mrs. Blister“, sagte Bount und winkte Captain Rogers zu, der das Büro betrat.

„Ich? Hören Sie mal ...“

„Nein, jetzt hören Sie mal“, unterbrach Bount ziemlich heftig.

Am anderen Ende der Leitung herrschte tatsächlich Stille. Ihr Schweigen hatte etwas Verblüfftes.

Bount lächelte.

„Mrs. Blister. Nachdem Sie mir nun fünf Minuten meiner kostbaren Zeit gestohlen und meine Ohren gequält haben, möchte ich Ihnen nur noch einen Satz sagen: „Nein, und auf Nimmerwiederhören.“

„Sie ...“

Bount legte auf.

Er bemerkte Junes fragenden Blick und erklärte lächelnd: „Eine Ziege, die ihren entlaufenen Bock für ein paar Dollars suchen lassen will.“

June nickte verstehend. „Manche Leute sind wohl der Meinung, man müsste noch Geld mitbringen, wenn man für sie arbeitet. Der Kaffee kommt gleich.“

Sie verließ das Büro.

Bount bewunderte den Schwung ihrer Hüften, den anmutigen Gang, und er fragte sich kurz, wie Mrs. Blister wohl aussehen mochte. Doch dann vergaß er die Frau schnell und begrüßte seinen Freund, den Leiter der Mordkommission Manhattan C II.

Toby wirkte ziemlich brummig, und sein Lächeln war gequält. Außerdem war er blass, und seine Augen waren rot gerändert.

„Du siehst ziemlich mitgenommen aus, Toby“, sagte Bount, als sie sich setzten.

„So fühle ich mich auch“, bekannte Rogers.

„Wo drückt der Schuh?“

Rogers tippte an seine Wange. „Nicht der Schuh, Bount. Der Zahn. Habe die ganze Nacht kein Auge zugetan. Hätte die Wände raufgehen können. In einer halben Stunde hab’ ich einen Termin beim Doc. Gleich bei dir um die Ecke.“

„Und da wolltest du, dass ich dir vorher Mut zuspreche?“

Rogers grinste säuerlich. „Quatsch. Ich habe eine Bitte. Das heißt, ich hätte einen Job für dich. Ein guter alter Bekannter von mir war gerade hier beim Pferderennen. Arthur Longfield aus Miami. Er erzählte mir von seinen Sorgen und fragte mich, ob ich diesen Hornochsen von Polizeikollegen in Miami nicht Feuer unter dem Hintern machen könne. Er hält sie für unfähige Bürokraten. Ich riet ihm, einen Privatdetektiv zu engagieren, wenn er schon kein Vertrauen zur Polizei hat. Auf die Idee war er noch gar nicht gekommen.

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