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Apfelsinentorte und Kartoffelpudding

Hannelore Dittmar-Ilgen

Apfelsinentorte und Kartoffelpudding

Ein kulinarischer Streifzug





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Apfelsinentorte und Kartoffelpudding

Haben Sie schon einmal Kartoffelpudding nach einem alten Familienrezept gekocht, Johannisbeerwein selbst hergestellt oder den Kultklassiker "Apfelsinentorte" gebacken?

Dann finden Sie in diesem Buch mit Sicherheit Rezepte und Geschichten, die Sie an den Küchenduft Ihrer Kindheit oder an Episoden aus Ihrer eigenen Familie erinnern. Denn in jeder Familie gibt es Köstlichkeiten, Überliefe­rungen und Erzählungen, die von den Eltern an die Kin­der weitergegeben werden, von Groß­müttern gehütet oder von Tanten in einem alten Schulheft aufgeschrieben wur­den. Oft entdeckte ich in alten, manchmal sogar hand­schriftlich verfassten Kochbüchern fast in Vergessenheit geratene Rezepte, die zu­gleich durch ihre Einfach­heit und ge­schmackliche Vollkommenheit begeistern. Lassen Sie sich daher von meinem Buch ermuntern, vielleicht nur noch in der Erinnerung lebende Gebäcke und Leckerbis­sen wieder neu „mit Herz und Hand“ zu entdecken oder gar auf eigene Erkundungsreise in Ihrer Familie zu gehen.

 Die „Familien-Erinnerungen“ sind mehr als ein Kochbuch. Mein Buch enthält neben mehr als 150 Rezepten nämlich auch zahlreiche alte und neue Bilder sowie Erlebnisse „rund ums Kochen“ aus meiner eigenen Kind­heit und Familie.

Eure Physikhexe

Noch schnell das "Kleingedruckte": Alle Rezepte habe ich ausprobiert und sorgfältig aufgeschrieben. Da ich jedoch Ihre Küchenverhältnisse nicht kenne, kann ich keine Haftung übernehmen.

Salate

Tomatensalat (über alles!)

Tomatensalat gehört zu den schönsten Erinne­run­gen an meine Kindheit, ich kann seinen würzigen Geschmack faktisch auf der Zunge fühlen. Manchmal denke ich, dass es diesen intensi­ven Ge­schmack der Tomaten heute gar nicht mehr gibt. Aber viel­leicht täuscht da die Erinnerung. Wann immer es frische Tomaten zu kaufen gab, und das war nicht wie heute das ganze Jahr über, denn sie kamen noch nicht aus Holland oder Spanien, bettelte ich um Tomatensalat.

Dazu wurden die To­maten mit einem speziellen Messer in dünne Scheibchen ge­schnitten und mit einer Sauce aus Essig, Öl, Salz, Pfeffer und winzigen Zwiebelwürfelchen, manchmal auch Schnittlauch­röllchen, übergossen. Der Tomatensalat musste immer eine Weile ziehen, damit die Tomaten den Geschmack der Sauce annehmen konnten. Die Zwiebelchen mochte ich allerdings nicht, es handelte sich um rohe Zwiebel und die war bitter. Sehr zum Leidwesen meiner Eltern sortierte ich jedes einzelne Zwiebelteilchen an den Tellerrand. Trotzdem habe ich Toma­tensalat über alles geliebt.

Zu Tomatensalat gibt es übrigens noch eine andere Ge­schichte aus meiner Kindheit: „Deckelchen“ wollte meine kleinere Schwester beim Essen immer von mir haben. Gemeint wa­ren die jeweils geraden oberen und unteren Abschnitte der Toma­ten. Ob sie besonders gut schmeckten, weiß ich nicht. Auf je­den Fall kam ich ihrer Bettelei nach und so vermehrte sich der Salat auf ihrem Teller.

Und heute? Tomatensalat ist auch heute noch ein Renner. Sehr ärgerlich finde ich, dass auch in der Erntezeit im Sommer viele Tomatensorten fade schmecken. Im Winter kaufe ich sowieso keine Tomaten, außer vielleicht die ganz kleinen Kirschtomaten aus Spanien, die sehr würzig schmecken und ohne Sauce in den Mund wandern. Ich ziehe jedes Jahr ein paar Tomatenpflanzen im Garten, früher sogar aus Samen. Mein Favorit ist dabei die Sorte „Harzfeuer“, eine alte Toma­tenart aus der früheren DDR. Die Pflanzen bringen zwar keine riesigen Tomaten hervor, aber sie schmecken wenigstens noch nach Tomaten. Außerdem ist die Sorte sehr gut resistent, vor allem gegen Läuse und Tomatenfäule.

In regnerischen Jahren habe ich aber auch schon etliche Pflanzen mit noch grünen Tomaten verloren. Den größten Verdruss bereiteten mir aller­dings in einem Jahr meine beiden kleinen Söhne, indem sie alle, aber auch wirklich alle grünen Tomaten von den Pflanzen abernteten. Wie sich später herausstellte, hielten sie die Früchte für Äpfel. In diesem Jahr gab es also keine einzige eigene Tomate.

Rohe Zwiebeln kommen heute keinesfalls an den Salat, das mag bei uns niemand in der Familie, dafür lieber einen Hauch Knoblauch und ein bisschen würzigen Senf. Man schneidet die benötigte Menge an Tomaten in Scheiben oder Würfel und mischt mit frischen, klein gehackten Kräutern. Am be­sten schmeckt in der Erntezeit Dill und Schnittlauch. Oft würze ich auch mit klein ge­hacktem Rosmarin oder Thymian. Von bei­den Kräutern habe ich schöne Büsche im Garten.

Für die Vinaigrette mischt man Öl, Salz, Pfeffer und Weines­sig oder Zitronensaft, dazu etwas gepressten oder klein ge­schnittenen Knoblauch und etwas Senf. Die Sauce über den Salat geben und durchziehen lassen. Gut schmeckt mir To­matensalat auch mit Würfeln aus Schafs­käse und Basilikum.

Feldsalat mit Speck

Der meist etwas rösche Feldsalat wird durch den Speck ge­schmack­lich abgerundet und zarter. Eine passende Kombina­tion.

Die benötigte Menge an Feldsalat wird verlesen, gewaschen und gut trocken geschleudert. Man hackt Zwiebel und Knob­lauch sehr fein, außer­dem etwas Speck oder Dörrfleisch und Brot (alle Sorten sind geeignet) in kleine Würfel schneiden. Alles zusammen in wenig Öl anbraten, dann ab­kühlen lassen. Eine Marinade aus Zitronen­saft, Salz, Pfeffer, 1 Prise Zucker herstellen und über den Salat geben, leicht mischen. Die ange­bratenen Würfel dazugeben und erst kurz vor dem Servie­ren untermischen.

Feldsalat lässt sich übrigens ab Juli/August aus Samen im Garten leicht selbst ziehen. Man kann ihn dann nach und nach während des ganzen Winters ernten. Er ist sogar in nicht zu strengen Lagen winterhart und bleibt gerade bei Schneebelag sehr schön frisch. Für das Rezept eignet sich auch Winteren­divien oder Eisbergsa­lat.

 

Zwei sehr betagte Kannen von meiner Oma.. ich hüte sie heute in einer kleinen Vitrine

Mein wählerischer Sohn

Mein zweiter Sohn hatte mit gut einem Jahr zum Frühstück einen Teller mit belegten kleinen Brotstückchen vor sich. Doch beim klein­sten Versuch, ihm davon etwas in den Mund zu stecken, stießen wir auf heftigen Protest. Es war nichts zu machen.

Wir erinnerten uns an einen irgendwo gelesenen Tipp, unwil­ligen kleinen Menschen das Essen mit farbigen Spießchen zu servieren. Warum sollte eine kleine grüne Pla­stikgabel nicht auch ihren Dienst tun? - Und siehe da, er ergriff die kleine Gabel und steckte ein Stückchen nach dem anderen in den Mund. Mit Werkzeug geht eben alles besser!

 

 Der kleine Kaufmann

Dieser Kaufladen wurde von meinem Schwiegervater für meinen Mann und seine Geschwister gebaut. Wir haben ihn renoviert und mit neuen Waren bestückt. In der Weihnachtszeit haben unsere Kinder dann damit gespielt. Leider wurden die Schokosachen immer zuerst "ausverkauft"!

Brotsalat

Wahrscheinlich war dieser Salat ursprünglich dazu gedacht, alte oder alt gewor­dene Reste von (Weiß-)Brot noch sinnvoll zu verwen­den. Ich habe diesen Salat aber schon so oft herge­stellt, dass er für mich ein eigenes Gericht ist, für das man auch ruhig frisches Brot kau­fen kann. Richtig lecker wird die­ser Salat, wenn man frischen Thy­mian aus dem Garten dazu verwendet. Thymian passt übrigens zu allen Ge­richten, die einen südlichen Anklang haben (sollen).

 Zutaten: 500 g Weißbrot oder anderes Brot, Knoblauch, Oli­venöl, Eisberg­salat, 1 kleine Gurke, 1 rote Paprika oder To­maten, frischer Thy­mian, evtl. 250 g Schafskäse

Zubereitung: Das Brot in kleine Würfel schneiden und zu­sammen mit dem ge­pressten Knoblauch in dem Öl anbraten. Den Eisberg­salat klein schneiden, die Gurke und die Paprika würfeln. Dadurch wird der Salat schön bunt. Die Sauce aus dem Saft einer Zitrone, Salz, Pfef­fer und dem gehackten Thy­mian extra herstellen. Der Salat kann mit dem gewürfelten Käse be­streut werden, die Sauce wird geson­dert gereicht. Auf jeden Fall muss der Salat sofort ser­viert werden, sonst ist das Brot nicht mehr knusprig.

Der Weihnachtskartoffelsalat

Diesen besonderen Kartoffelsalat gab es in meiner Kindheit nur an Heiligabend, und zwar zusammen mit heißen Würst­chen. Er konnte schon am Mittag vorbereitet werden, war dann gut durchgezogen und stand nach der Besche­rung schnell auf dem Tisch.

Meine Schwester merkt dazu an, dass sie diese Salatvariation mit Hering bis heute nicht mag. Es gab also immer einen Teil des Salates ohne Hering für sie und meinen Vater, der keinen Fisch mag.

Zutaten: 1 kg Kartoffeln, mit der Schale am Vortag gekocht und noch heiß geschält, 100 g Dörrfleisch, 1 Gurke frisch oder eingelegt, 1 Zwiebel, 1-2 Matjesheringe (nicht zu salzig), Salz, Pfeffer, Essig und Öl, Fleischbrühe-Extrakt

Zubereitung: Die Kartoffeln in dünne Scheiben schneiden, Gurke und Hering fein wür­feln. Das Dörrfleisch und die Zwiebel ebenfalls würfeln, in etwas Schmalz oder Öl anbra­ten, dann mit wenig Wasser ablöschen. Mit Fleischbrühe-Ex­trakt, Salz, Pfeffer, Essig und Öl zu einer def­tigen Marinade mischen. Diese Marinade wird noch warm über den Salat ge­geben. Den Salat gut durchziehen lassen. An Heilig­abend wurde dieser Salat noch mit gekoch­ten Eier­vierteln, Gurkenstückchen und Tomaten garniert.

Unser Familienessen an Heiligabend ist übrigens auf vielfa­chen Wunsch unserer Kinder ganz anders: Wir essen nach ei­ner Vorspeise, die jedes Jahr neu ausgewählt wird, Maulta­schen mit Buttersoße. Wenn Sie also jetzt Lust bekommen haben, dann ent­werfen Sie ein eigenes Familienessen für die­sen Tag, das dann fest mit diesem Ereig­nis verbunden wird.

 

Voller Erwar­tung öffne ich die Tür zum Weihnachtszimmer (1958)

Getreidesalat

Die Grundidee für diesen würzigen und sättigenden Salat ist der indischen Küche entlehnt, dort wird nämlich nicht nur Reis, son­dern auch Hirse, die bei uns fast nur noch aus dem Märchen be­kannt ist, und geschälte rote Linsen gegessen. Hirse ist übri­gens sehr gesund, denn sie enthält viele Minera­lien, vor allem Cal­cium und Eisen. Typisch sind die Gewürze: Jede indische Frau ihr eigenes Curry-Rezept hat. Curry ist näm­lich eine gemahlene und geröstete Mischung aus vielen Gewür­zen, die immer wieder etwas anders ausfällt; ein Stan­dardre­zept für Curry gibt es also nicht. Zutaten sind Ingwer, Kardamom, Kori­ander, Kur­kuma, Kümmel, Muskat, Nelken, Pfeffer und Zimt. Im Rezept kom­men noch Zimt und etwas Nelke hinzu.

Der Salat eignet sich gut für ein kaltes Büfett oder zu einem Grill­fest. Die Sauce reicht man am besten extra dazu, dann bleibt das Ge­treide schön körnig. Jeder nimmt sich davon dann etwas auf seinen Teller. Der Salat ist für 8-10 Personen berechnet.

2 Tassen Reis, 1 Tasse Hirse und 1 Tasse rote Linsen zusam­men etwa 15-20 Minuten kochen. Dann schneidet man 4 To­maten, 4 Möh­ren, 2 Bana­nen und 2 säuerliche Äpfel in kleine Stückchen. Außer­dem mischen Sie 1 kleine Dose gewürfelte Ana­nas, 1 Dose Man­darinen, 1 Handvoll Sonnenblumenkerne (oder andere Nüsse) und 1 Dose Krab­ben unter­.

Für die Sauce werden 2-3 Knoblauchzehen ausgepresst und mit Curry, Zimt, gemahlenen Nelken, Salz, Pfeffer, Zitronen­saft, 4 Be­chern Joghurt und 1 sauren Sahne gemischt. Die Sauce in einem Schälchen mit Saucenlöffel dazustellen.

Tintenfisch - Salat

Tintenfisch-Salat habe ich vor vielen Jahren einmal in einem Kochpro­jekt mit Schülern zube­reitet. Das Rezept hatte eine Schülerin, die aus Italien stammt, mitgebracht. Der Salat hat mir damals so gut geschmeckt, dass ich ihn auch heute noch öfter her­stelle. Dazu serviere ich Weißbrot mit Butter.

Zutaten: 500 g Muscheln, 400 g Tintenfisch, 300 g Scampi oder Krabben, Brühe, 2 Gewürzgurken, 1 Zwiebel (evtl. auch ½ Gemüse­zwiebel), schöne Kopfsa­latblätter, Fleisch- oder Gemüsebrühe

Zubereitung: Man kocht die Meeresfrüchte in der Brühe, die man noch mit Wein verfei­ern kann. Die beiden Gurken wer­den in Würfel und die Zwie­bel in sehr schmale Ringe ge­schnitten. Nun legt man eine Sa­lat­schüssel oder flache Platte aus Glas mit den Salatblättern aus, füllt die Sa­lat­zutaten hin­ein und übergießt sie mit einer Sauce aus Zitro­nensaft, Salz, Pfeffer, Olivenöl, gepresstem Knoblauch, Petersi­lie und Ros­marin (am besten frisch aus dem Garten). Der Salat sollte kurz durch­ziehen.

Da Meeresfrüchte bei uns nur selten frisch zu bekommen sind, kauft man für das Rezept am besten ein­gefrorene Ware oder Produkte in der Dose oder Glas. Man muss beachten, ob die Früchte schon vorge­kocht sind.

Suppen

Sauerampfersuppe

Diese Suppe koche ich besonders im zeitigen Frühjahr gerne, denn dann schmeckt der Sauerampfer, den ich reichlich im Garten habe, besonders frisch und leicht säuerlich.

Zutaten: 4 Essl. Sauerampfer, etwas Butter, Suppenwürze, 4 Schei­ben Toast­brot, 2 Eier, etwas Sauerrahm, Muskatnuss

Zubereitung: Den Sauerampfer klein hacken und in Butter an­bra­ten; mit ¾ l Was­ser auffüllen, die Suppe würzen und zum Kochen bringen. Die Toastscheiben fein bröseln und mit der Suppe durchko­chen. Inzwi­schen die Eier und den Rahm verquirlen und unter die Suppe ziehen, je­doch nicht mehr kochen. Mit geriebener Muskatnuss ab­schmecken.

Sauerampfer kommt in Mitteleuropa überall wild wachsend vor, es gibt jedoch für den Garten eine kultivierte Art, die grö­ßere Blät­ter hervorbringt. Das nur frisch verwendbare Kraut treibt im Früh­jahr immer wieder aus dem Wurzelstock aus und schmeckt säuer­lich-bitter. Um die Ernte zu verlängern, schone ich beim Pflü­cken das Herz der Pflanze. Die aufschießenden Blüten­stände mit den vielen weißen Blütchen kann man unter Wiesenblumensträuße mischen.

Nach dem gleichen Rezept lässt sich auch Suppe aus Kerbel kochen, der sich im Garten leicht aus Samen ziehen lässt, überwin­tert bzw. sich immer wieder selbst neu aussät.