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Am 1. Mai

Eingang

Am 1. Mai

Eine Tragikomödie der Arbeit aus Friedenstagen

Personen:

Der Mieter

Der Hausherr

Die Hausbesorgerin

Der Maurer

Das Maurerweib

Der Tischler

Der Tischlerjunge

Szene

Die Szene ist ein leeres Zimmer. Schmutzige Wände mit halbverlöschter Malerei und vielen Löchern, wie sie entstehen, wenn Haken und Nägel herausgerissen wurden. An den Stellen, wo Bilder hingen, ist die ursprüngliche Malerei lichter und reiner geblieben. – In der Mitte steht eine ungeschlachte, kalkbespritzte Maurerleiter mit einigen fehlenden Sprossen. Daneben ein Mörteltrog und einige Schaffeln. Links zwei Fenster, rechts Türe zum Vorzimmer. Mitte Türe zum anderen Zimmer.

1. Auftritt

Mieter und Hausbesorgerin von rechts.

Hausbesorgerin: (Frau, Mitte dreißig, korpulent. Staubtuch und Abkehrer in der Hand. Noch in der Türe zurücksprechend.) Obi dass d' kummst, Mistbua! Muaßt m'r allweil nachkräuln? Wann dann wer kummt, is Neamd in d'r Wohnung. Hinunter! Marsch! (Vollständig eintretend, zum Mieter; der einstweilen verdutzt das Zimmer in Augenschein genommen.) So, das is das Zimmer, was g'maln wird. (Öffnet die Mitteltüre) Und das is das dritte. Das erste in' Hof zua, ham m'r scho' g'seg'n. Also dös Zimmer war's Schlafzimmer bei der früahrichen Partei. Schaun S' Ihners guat an. I will den Leuten just nix nachsag'n – aber a Bagaschi war das ... Unser Herrgott verzeih mir's. Herentgeg'n mir san froh, dass s' draußt san.

Mieter: (Fünfzigjährig, mager, nervös. Trägt einen Stock in der Rechten. Ist zu den Fenstern gegangen und probiert, ob sie gut schließen.) Auch das noch. Ich habe mir's ja gedacht. Hier im Schlafzimmer schließen die Fenster nicht. Überhaupt Frau Hausbesorgerin – ich bin weg, ganz weg. Schaun Sie sich doch nur die Wohnung an! Der reine Schweinstall. Das aber kommt davon, wenn man eine Frau Wohnung suchen schickt. Dieses Zimmer speziell ist ein Skandal. Ich bin ganz aufgeregt.

Hausbesorgerin: Aber i bitt Ihner – über dö Wohnung is do' faktisch nix z'reden, Na, halt ja, dass i ehrli bin, das ane Zimmer is a klans bisserl strapeziert. Dafür lassts der Hausherr aa herrichten.

Mieter: Ach was! Da stürzt sich Ihr Hausherr auch in Unkosten. Die ganze Wohnung – verstehen Sie, die ganze Wohnung hätte hergerichtet gehört. Der Herd in der Küche ist direkt baufällig – und da ... (stößt einen Schrei aus)

Hausbesorgerin: Was is denn?

Mieter: Ich glaube, die Wohnung hat Ungeziefer.

Hausbesorgerin: Na, und ob ... (besinnt sich rasch) Was denn net no'? Jetzt das ane ham s'net g'habt. Denn schließlich: Ganz und gar muaß der Mensch do' ka' Drecksau sein. Aber Sie, wenn S' das Kuchel'gschirr g'seg'n hätten ...

Mieter: Ach, was kümmert mich das. Ich verlange nichts als eine reine, verstehen Sie, eine vollkommen reine Wohnung. Das habe ich nur meiner Frau zu verdanken und ich werde mit ihr ... doch nein, das geht nicht, ich kann sie nicht aufregen. Aber ich – ich bin ja aufgeregt ...

Hausbesorgerin: Je – i hör den Hausherrn (rennt zur Türe rechts) Küss d'Hand gnä Herr, küss d'Hand.

2. Auftritt

Die Vorigen. Der Hausherr.

Hausherr: (Dicker Mann mit Doppelkinn, blondem Schnurrbart. Gehrock, Halbzylinder. Spricht mit tiefer, manchmal grölender Stimme.) G'schamster Diener. Habe die Ehre.

Mieter: Guten Morgen. Der Hausherr, vermute ich. Sehr erfreut ...

Hausherr: Zu dienen. Mein Nam' is Hamperl, wenn gestatten.

Mieter: Ziegler ...

Hausherr: (Ihm die Hände drückend.) Freut mi', freut mi' ausgezeichnet. No – Herr von Ziegler, das is halt a Wohnungerl. Was? Schon zum Sä-sag'n. Wia s' die Frau Gemahlin g'segn hat, hat s' net g'schwind gnua die Angab geb'n können, vur lauter Angst, es kunnt ihr im letzten Moment no' wer z'vor kommen. Bei mir geht a Wohnung meist unter der Hand weg.

Mieter: Aufrichtig gestanden – ich bin ganz unglücklich über die Wohnung. Ganz unglücklich.

Hausherr: (Jovial.) Aber ... aber ... warumperl denn, Herr von Ziegler? An' Haupttreffer ham S' g'macht. I an Ihnerer Stell gangt dafür a Wallfahrt machen. – A Wohnung in dem Haus ...

Mieter: Sie verzeihen. Aber unsere Anschauungen differieren da gewissermaßen.

Hausherr: No ja so quasi, wir m'r sagt. Sö manen, Sö war'n d'r G'leimte. Aber da irrn S' Ihner. Denken S' nur: A Wohnung bei mir ...

Mieter: Aber betrachten Sie doch, bitte, dieses Zimmer!

Hausherr: (Sich umsehend.) No – a bisl hergnumma is 's scho'.

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